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Full text of "Handbuch der Heilmittellehre"

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Gift of 
Dr. L. S. De Forest 

1917 



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TRANSFERRED TO 
YALE MEDICAL LIBRARY 



Handbuch 



der 



Heilmittellehre 



von 



Dr. Fr. Oesterlen. 



Siebente, neu umgearbeitete Auflage. 



Tübingen, 1861. 



Verlag der H. Laupp'schen Buchhandlung. 

— Laupp & Sieb eck. — 






Druck von H. L a u p p in Tübingen. 



Vorwort zur siebenten Auflage. 



Um dieses Handbuch seiner ursprünglichen Bestimmung treu und 
zugleich auf der Höhe der Zeit zu erhalten, ihm das täglich wachsende 
Material einzuverleiben, bedurfte es diesmal einer gründlicheren Umarbeitung 
als je. Auch ist es so vielmehr ein neues Werk als eine neue Auflage 
geworden; meinen Dank für die freundliche Aufnahme, deren es sich er- 
freuen durfte, glaubte ich nicht besser ausdrücken zu können als durch 
doppelte Gewissenhaftigkeit und Präcision bei seiner Ausarbeitung. In einem 
Buch dieses Umfangs wird man freilich nicht Alles erwarten dürfen, doch 
schwerlich etwas von Bedeutung vermissen, weil mir selbst möglichste Voll- 
ständigkeit des Materials in wissenschaftlicher wie practischer Beziehung 
wichtig genug erschien. Durch strenges Scheiden zwischen Wesentlichem 
und Ueberflüssigem, zwischen Spreuer und. Weizen, Wein und Most, durch 
gedrängte Sprache, Kleindruck, Abbreviaturen war es möglich, den Umfang 
des Buchs bedeutend zu reduciren ohne es zu verstümmeln, vielmehr das 
positive Material in jeder Richtung sehr wesentlich zu vervollständigen. 
So z. B. alles auf Eigenschaften, Wirkungen, Gebrauch der Stoffe und Mittel 
Bezügliche, besonders auch der äusserlich benüzten (äzende, anästhesirende 
Bäder, Verbandmittel u. a.); bei der wachsenden Bedeutung diätetischer 
Curmittel aber wurde solchen noch mehr Raum, mehr Sorgfalt gewidmet 
als vordem, auch im Interesse der Praxis den climatischen und Luftcur- 
orten eine Temperaturtabelle beigegeben. Die Fortschritte der Wissenschaft 
und der Chemie insbesondere machten endlich eine andere Classification 
nicht blos möglich sondern auch dringend nothwendig. 

In einer Zeit, wo die Therapie statt wirklich fortzuschreiten oft viel- 
mehr complicirter , verkünstelter wird als je und in eine Art Rococo zu 
verfallen droht, konnte es nicht an Angriffen auf die Richtung dieses Werkes 



IV Vorwort. 

fehlen, vielleicht weil man dieselbe nicht immer richtig verstanden hat. 
Wer in einem Gebiet, wo Forschung und Wissenschaft unaufhaltsam, oft 
fast übereilt vorwärts schreiten, während die Praxis stehen bleibt oder doch 
nicht immer folgen will und kann, der alten Descartes'schen Regel huldigt, 
«nie etwas für wahr anzunehmen ehe man gewiss weiss, dass es Wahrheit 
ist», wird stets einen schweren Stand haben. Doch so leicht es gewesen 
wäre, jener Strömung zu folgen, glaubte ich es der Wissenschaft wie dem 
Leser schuldig zu sein, hier nur das zu sagen was mir selbst als wahr oder 
doch wahrscheinlich erschien. Sollte aber manchen Stoffen weniger «Heil- 
kraft» zugetraut sein als Manche wünschen könnten, möge man es der dem 
Schriftsteller auferlegten Pflicht der Critik, der Unbefangenheit verzeihen, 
wobei ja auch der Leser immerhin mehr gewinnen als verlieren wird. Und 
so lange z. B. die Pariser medicinische Academie ihre längst ausgesezten 
Preise für Jeden, der ein halbwegs sicheres Mittel gegen Scrofulose, Tuber- 
culose, Krebs, Typhus, Cholera, Epilepsie u. dergl. entdecken würde, nicht 
zu vertheilen weiss, darf wohl der Endentscheid über das «zu viel oder 
zu wenig» im Arzneiglauben ruhig der Zukunft überlassen bleiben. 

Zürich, im Juni 1861. 

F. Oesterlen. 



Inhalt 



Allgemeiner Theil. Seite 

I. Begriff und Inhalt der Heilmittellehre 1 

II. Eigenschaften und Wirkungsweisen der Arzneistoffe 4 

Physicalische, chemische Eigenschaften 5 

Allgemein naturhistorische Eigenschaften. 6 

Wirkungsweisen, physical., mechan., chemische 8 

III. Veränderungen der Arzneistoffe bei ihrer Einwirkung 13 

IV. Wirkungen der Arzneistoffe im Körper 16 

a. Oertliche Wirkungen 17 

b. Allgemeine Wirkungen; Mechanismus ihres Zustandekommens ... 17 

a. Eintritt der Arzneistoffe in die Blutmasse, Resorption ... 18 
ß. Vermittlung der Arzneiwirkungen durch das Nervensystem , auf 

sympathischem Wege 21 

c. Wirkungen der Arzneistoffe auf die verschiedenen Apparate und 

Functionen des Körpers 22 

Therapeutische Gruppen • 28 

V. Constante, sog. physiologische Arzneiwirkungen und zufällige, z. B. thera- 
peutische bei Kranken 31 

Specifische Wirkungen, sog 35 

VI. Gifte und deren Wirkungen 36 

Verfahren bei Vergiftungen ■ 37 

Einzelne Gifte und deren Gegengifte, Gegenmittel 38 

VII. Modifikationen der Arzneiwirkungen 40 

durch Abstammung, Dosis, Form u. s. f. . * 41 

durch Alter, Geschlecht, Gewohnheit u. s. f. 44 

VIII. Applicationsstellen der Arzneistoffe 46 

IX. Classification der Heilmittel 51 

Specieller Theil. 

Erste Classe. Schwer e Metalle und deren Verbindungen 53 

1. Quecksilber, Hydrargyrum, Mercurius 54 

1. Metallisches Q., H. depurat., M. vivus 66 

Aq. mercurialis, Decoct. Mercurii, H. cum creta , M. gummös. Plenkii, 

M. saccharat., Pil. coeruleae u. a 66 

Unguent. Hi cinereum s. mercuriale, Emplastr. Hi 67 

2. Zinnober, Cinnabaris, Sulphuret. Hi ; Aethiops mineralis, H. sulphurat. 

nigrum; SchwefelspiessglanzQ., Sulphuret. Hi stibiat. .... 68 

3. Q.Chlorür, H. chloratum mite, Calomel 68 

Aq. Hi chlorati mitis s. nigra ; Pulvis Plumeri u. a 71 

4. Q.Chlorid, H. bichlorat. corrosiv., Q.Sublimat 71 

Liquor Van Swieten's ; Aether mercurialis ; Plenk'sche Solution, Sublimat- 

Collodium 73 

Aq. phagedaenica, Liquor Hi bichlorati corrosivi u. a 74 

Alkaloid-Sublimate. Morphin-, Chinin-Sublimat u. a 74 

5. Weisser Q.Präcipitat, H. amidato-bichlorat., Q.Amidchlorid 74 

6. Q.Jodür, H. jodatum Üavum 75 



VI Inhalt. 

Seite 

7. Q. Jodid, H. bijodatum rubrum 75 

Hydrargyro-Jodidum Potassii, Chlorjoduret. Mercurii u. a 76 

Q.Broinür, Q.Bromid, H. bromatum, H. bibromat 76 

CyanQ., H. cyanatum s. borussicum 77 

Q.Oxydul, H. oxydulatum nigrum 77 

Q.Oxydul-Ammouiak, H. oxydulat. nitricum ammoniacat 77 

H. oxydulat. phosphoricum, nitricum, aceticum, sulphuricum .... 77 

8. Q.Oxyd, H. oxydatum rubrum, Rothes Q.Präcipitat 78 

Ungut. Hi rubrum, Balsarnum ophthalmicum u. a 78 

9. Q.Oxyd, salpetersaures, H. nitricum oxydatum 78 

Liquor Hi nitrici oxydati, Bellostii; Sapo mercurial. Heberti u. a. . . 78 

Ungut. Hi nitricum Plenkii 79 

H. oxydat. subsulphuricum (Turpethum minerale), phosphoricum, carbo- 

nicum, aceticum, tartaricum u. a 79 

2. Spiessglanz, Antimonium, Stibium 79 

Metallisches A., A. metallicum 81 

Schwarzes Schwefelspiessglanz, Stib. sulphurat. nigrum 81 

1. Goldschwefel, Stib. sulphurat. aurantiacum 82 

Sapo antimonialis s. stibiat. ; Liquor Saponis stibiati 82 

2. Mineralkermes, Stib. sulphurat. rubeum 83 

Spiessglanzziunober, Cinnabaris Antimonii 83 

Kalkhaltige Spiessglanzleber, Calcaria sulphurato-stibiata 83 

Spiessglanzschwefelleber, Kali sulphurato-stibiat., Pulvis Antimonii com- 

posit., Jamespulver u. a 83 

Antimonoxyd, Stib. oxydatum, Calx, Flores Antimonii u. a. ; Antimon- 
saures Kali, Kali stibicum 83 

3. Brechweinstein, Tartarus stibiatus s. emeticus 83 

Ungut. Tart. stibiati ; Spiessglanzwein, Yinum stibiat 89 

4. Chlorantimon, Chloruret. Antimonii, Liquor Stib. chlorati 89 

Jodantimon, Stib. jodat. ; Antimonwasserstoff 89 

3. Arsen, Arsenicum 90 

Arsenwasserstoff; Kakodyl, Kakodylsäure 90 

Arsenige Säure, Acidum arsenicosum, Arsenicum album 96 

Pilulae asiaticae; Pulvis Cosmi, Ungut. Hellmundi u. a 97 

Solutio arsenicalis Fowleri, Pearsonii u. a 97 

Ferrum oxydulat. arsenicicum; Ars. jodatum, Donovan's Liquor ... 98 

Arsenchlorid ; Schwefelarsen, Auripigment, Realgar 99 

4. Chromum, Chrom . . Jl 99 

Chromoxydul, -Oxyd ; Chromsäure, Chromchlorür, -Chlorid .... 99 

Zweifach-chromsaures Kali, Kali bichromicum 99 

Einfach-chromsaures Kali, Kali chromicum (flavum) 100 

Kobalt, Nickel, Molybdän, Tellur, Iridium, Wolfram, 

Titan u. a 100 

5. Blei, Plumbum, Saturnum 100 

Pb. metallicum ; Pb. oxydatum, Bleioxyd, Lithargyrum: Emplastr. Plumbi 

s. Diachylon simplex, compositum, adhaesivum u. a 105 

Pb. superoxydatum, Mennige: Emplastr. nigrum, Minii rubrum . . . 106 

Bleioxyd, basisch-kohlens., Bleiweiss, Cerussa: Emplastr., Ungut. Cerussae 106 

Bleioxyd, essigsaures, Bleizucker, Pb. aceticum oxydat 106 

Bleioxyd, basisch-essigsaures, Liquor Subacetatis plumbi, Bleiessig, Blei- 

extract : Aq. plumbi, Goulardi, Ungut, plumbi 107 

Pb. phosphoricum, sulphuricum, nitricum u. a 108 

Chlor-, Jod-, Cyanblei u. a. ; Pb. tannicum, Gerbstoffblei 108 

6. Kupfer, Cuprum 109 

Kupferfeile, Limatura Cupri ; Kupferoxyd 111 

1. Kupferoxyd, schwefelsaures, C. sulphuricum, Vitriolum cupri . . . 111 

Kupferalaun, C. aluminatum, Lapis divinus, miraculosus . . . 112 

2. Kupferoxydammoniak, schwefelsaures, C. sulphuric. ammoniaeatum . 112 

Aqua coerulea, Liquor Sulphatis cuprico-ammonici 113 



Inhalt. VII 

Seite 
Chlorkupferammonium, Liquor cupri ammoniato-hydrochlorati , Liquor 

antimiasmaticus Koechlini, compositus u. a 113 

Kupferoxyd , basisch-essigsaures , Subacetas cupri , Grünspan , Aerugo : 

Tiuct., Liniment., Ceratum Aeruginis 113 

3. Kupferoxyd, neutrales essigsaures, Acetas cupri 113 

Cuprum nitricum, subcarbonicum ; Chlor-, Jod-, Cyankupfer u. a. . . 114 

Kupferoxyd, arsenigsaures, Scheel'sches, Schweinfurter Grün . . . 114 

7. Silber, Argentum 114 

Metallisches S., A. purum, foliatum 114 

Silberoxyd, A. oxydatum 114 

Silberoxyd, salpetersaures, A. oxydat. nitricum, crystallisat.. fusum, Höllen- 

steiu 114 

Chlor-, Jod-, Cyansilber, Chlorsilberammonium u. a 121 

8. Gold, Aurum 122 

Metallisches G., A. praecipitatum, limatum , foliatum 122 

Goldoxyd, A. oxydatum, Peroxydum auri 122 

Chlorgold, Chloridum auri; Chlorgoldnatrium, Auro-Natrium chlorat. ; 

G.Ammoniumchlorür, Chloretum Auri cum Chloreto Ammonii . . 123 

Jod-, Cyangold; Cassius'scher Purpur; Knallgold 123 

9. Platin, Piatina, Platiuum 123 

Platinchlorid ; Chlorplatinnatrium 124 

10. Zink, Zincum, Spiauter, Speltrum 124 

Metallisches Z. ; Zinkoxyd, Z. oxydat., Flores, Ungut. Zinci . . . 125 

1. Zinkoxyd, kohlensaures, Z. carbonicum, Galmei ; Emplastr. consolidans 126 

2. Zinkoxyd, schwefelsaures, Z. sulphuricum, Vitriolum Zinci .... 128 

Zinkoxyd, essigsaures, Z. aceticum 127 

Z. citricum, lacticum, nitricum; Z. cyanatum, ferrocyanatum, jodatum; 

Jodzink-Alkaloide, Morphin u. a 128 

3. Chlorzink, Z. chloratum, Butyrum Zinci 128 

Zinkoxyd, valerian-, gerbsaures, Z. valerianicum, tannicum .... ILO 

11. Wismuth, Bismuthum, Markasit 130 

Metallisches W. ; "Wismuthoxyd, basisch-salpetersaures, B. subnitricum, 

Magisterium Bismuthi 130 

12. Zinn, Stannum 131 

Metallisches Z., St. metallic, limatum, pulveratum 131 

SchwefelZ., Bisulphuret. Stanni, Musivgold; Z.Oxydul, Oxyd, St. oxy- 

dulat., oxydat., Oxydum stannosum, stannicum 132 

Chlorzinn, St. chloratum 132 

Kadmium; K. sulphuricum; Jodkadmium 132 

13. Eisen, Ferrum 133 

Metallisches E., F. pulverat., limatum; Eisenwein, Vinum ferrat. . . 137 

Eisenoxyduloxyd, F. oxydato-oxydulat., Aethiops martialis .... 137 
Eisenoxydhydrat, F. oxydat. hydricum, fuscum, Crocus martis aperi- 

tivus ; Eisenoxydhydratflüssigkeit, F. oxydat. hydrat. liquidum . 137 

Eisenoxydul, kohlensaures, F, carbonicum 138 

Eisenoxyd, F. oxydatum rubrum 138 

Eisenoxyd, essigsaures, Liquor Ferri acetici; F. hydrico-acetic. in aqua; 

Tiuct. Ferri acet. aetherea 139 

Eisenoxyd, citronen-, baldriansaures, F. citricum, valerianicum . . 139 

Eisenextract, äpfelsaures, Extract. Ferri pomat. ; Tinct 139 

Extract. Ferri cydoniat., Tinot. ; F. tannicum ; Tinte 140 

Eisenweinstein, Tartras kalico-ferricus ; Globuli martiales . 140 

Weinsaures Eisenoxydammoniak, Tartras Ammonii ferricus .... 140 

Eisenoxydul, milchsaures, F. lacticum oxydulat 141 

Eiseuoxydul, Oxyd, phosphorsaures, F. phosphoricum oxydulat., oxydat.; 

Eisennatron, pyrophosphorsaures u. a 141 

Eisenoxydul, schwefelsaures, F. sulphuricum oxydulat., Vitriolum martis 141 

Eisenoxyd, schwefelsaures, Persulphas Ferri 142 



VIII Inhalt. 

Seite 

Eisenoxyd, salpetersaures, Liquor Ferri nitrici oxydati 143 

Eisenchlorür, E.Chlorid , F. chloratum, F. sesquichloratum: Liquor Ferri 

chlorati, sesquichlorati 143 

Spirit. s. Tinct. Ferri chlorati aether., Lamotte's Goldtropfen u. a. 144 

Eisensalmiak, Ammonium chloratum ferratum 144 

Jodeisen, F. jodatum (saccharat.) ; Syrup., Liquor Ferri jodati . . . 144 
Brom-, Cyaneisen, F. bromatum, F. cyanatum ; Ferrocyankalium, Cyan- 

eisenkalium, Kalium ferrocyanatum flavum 146 

Schwefeleisen, F. sulphuratum 146 

14. Mangan, Manganum, Manganesium 147 

M.Hyperoxyd, Hyperoxydum Manganesii 147 

M.Oxydul, schwefelsaures, M. sulphuricum oxydulat. ; Chlormangan, 

Chloruret. Manganesii ; M. Eisenchlorid 147 

M. carbonicum, M. tartaricum u. a., JodM., mangan-, übermangansaures 

Kali u. a 147 

Zweite Classe. Alkalien, Erden und ihre Verbindungen 148 

1. Kali, Potassa, Aleali vegetabile 153 

Kaliummetall, Potassium 153 

1. Aezkali, Kali causticum 153 

Kali causticum siecum, Kalihydrat, Tinct. kalina ; Liquor Kali caustici, 

Kalilauge ; Kali causticum fusum , Aezstein ; Pulvis s. Pasta caust. 

viennensis, Potassa cum calce 154 

2. Kali, einfach-kohlensaures, Kali carbonicum 156 

Liquor Kali carbonici ; Potio s. Mixtura Riveri 158 

3. Kali, zweifach-kohlensaures, Kali bicarbonicum; Brausemischungen; 

Künstliches Selterwasser, Aq. Selterana 159 

4. Kali, salpetersaures, Kali nitricum, Salpeter 159 

Schmucker'sche Fomentationen ; Pulvis temperans 160 

5. Kali, schwefelsaures, Kali sulphuricum, bisulphuricum 161 

Chlorkalium, Kali muriaticum 161 

6. Kali, chlorsaures, Kali chloricum 161 

7. Kali, essigsaures, Kali aceticum; Liquor Ki acetici 162 

Kali, citronen-, weinsaures, Kali citricum, tartaricum 162 

8. Kali, zweifach-weinsaures, Tartarus depurat., Weinstein 162 

Pulvis refrigerans u. a. ; Weinsteinmolken 163 

Natron-Kali, weinsaures, Tartarus natronatus, Seignettesalz .... 163 

Borax-, Ammoniakweinstein, Tartarus boraxatus, ammoniacalis . . . 163 

Anthraco-, Fuligokali 163 

2. Natron, Natrum und seine Verbindungen 164 

Natron, äzendes, N. causticum s. hydricum 164 

1. Natron, einfach-, zweifach-kohlensaures, N. carbonicum, N. bicarboni- 

cum ; Saccharokali , Trochisci N. bicarbonici 164 

Brausemischungen, Pulvis aerophorus, Aqua Sodae u. a 165 

Natron, salpetersaures, N. nitricum, Natronsalpeter 165 

2. Natron, phosphorsaures, N. phosphoricum, Perlsalz 165 

3. Natron, schwefelsaures, N. sulphuricum, Glaubersalz ; Karlsbader Salz u. a. 166 

4. Chlornatrium, N. chloratum, Kochsalz, Seesalz 166 

Muriatisches , Adelheidwasser, künstliches u. a 168 

Natron, chlorsaures, borsaures, N. chloricum, N. boricum, Borax . . 168 

Boraxhonig, Mel rosat. cum Borace 169 

Natron, essig-, wein-, citronensaures, N. aceticum, tartaricum, citricum 169 

3. Seife, Sapo .'-.., 169 

Harte, Schmier- , Gemischte Seifen 171 

Medicinische Seife, Sapo medicatus, natronat. u. a. ; Spiritus s. Balsa- 

mum saponat., Emplastr. saponat 171 

Grüne, Schmierseife, Sapo ..viridis s. kalinus, mollis u. a 171 

4. Ammoniak und seine Verbindungen 173 

1. Aezende Ammoniakflüssigkeit, Liquor Ammonii caustici, Salmiakgeist 173 



Inhalt. IX 

Seite 
Ammoniakgas ; Liquor Ammonii caustici alcoholicus, anisatus, foeni- 

culatus u. a. ; Liniment, ammoniacatum s. volatile .... 175 

2. Ammoniak, kohlensaures, Ammon. carbonicum 176 

Liquor Ammon. carbonici; Sal volatile anglicanum 177 

Ammoniak, zweifach-kohlensaures, Ammon. bicarbonicum .... 177 
Ammoniak, brenzlichöliges kohlensaures, Ammon. carbonicum pyro- 
oleosum , flüchtiges Hirschhornsalz ; Liquor Ammonii carb. pyro- 

oleosi s. Spiritus Cornu Cervi rectificat 177 

Ammoniakflüssigkeit, bernsteinsaure, Liquor Ammonii succinici s. Spirit. 

Cornu Cervi succinatus u. a 177 

Liquor Ammonii benzoici, acetici pyro-oleosi u. a 178 

3. Ammoniakflüssigkeit, essigsaure, Liquor Ammonii acetici, Spirit. Minderen 178 
Ammon. valerianieum 178 

4. Salmiak, Ammon. hydrochloratum, Sal ammoniacum 178 

Traiba-Erde, abyssinische . 179 

Ammoniak, phosphor-, salpetersanres, Ammon. phosphoricum,nitricum u.a. 180 
Flüssiges Schwefelwasserstoff-Schwefelammonium , Liquor Ammonii bi- 

hydrothionici 180 

Flüchtige Schwefelleber, Hepar Sulphuris volatile ; Tinct 180 

Lithion. Kohlensaures Lithion 180 

5. Kalkerde, Calcaria 181 

Kalk, gebrannter, Calx usta; Syrup, Aqua Calcariae, Kalkwasser . . 181 
Kalkerde, kohlensaure, C. carbonica; Conchae praeparatae, Creta prae- 

parata, Aq. Calcariae bicarb., Korallen, Bezoar u. a 182 

Gyps, gebrannter, Calcaria sulphurica ; Gypsverband 183 

Kalkerde, phosphorsaure, C. phosphorica; Unterphosphorigsaurer Kalk 184 

Chlorcalcium, Calcium chloratum, Calcaria muriatica 184 

Jodcalcium, Calcium jodatum, Joduret. Calcii 185 

6. Baryt, Baryta, Sehwererde 185 

Chlorbarium, Baryum chloratum ; Jodbarium, B. jodatum 185 

Baryt, jod-, salpeter-, mekonsaurer; Brombarium 186 

Strontian; schwefel-, salzsaurer Strontian 186 

7. Bittererde, Magnesia, Talkerde 186 

Bittererde, gebrannte, M. usta, calcinata 186 

Bittererde, basisch-kohlensaure, M. hydrico-carbonica, alba .... 186 

Bittererde, zweifach-kohlensaure, Aqua Magnesiae bicarbonicae u. a. . 187 

Bittererde, schwefelsaure, M. sulphurica, Sal amarum, Bittersalz . . 187 

Bittererde, citronen-, wein-, essig-, milch-, phosphor-, salzsaure u. a. 188 

Talk, Talcum praeparat. ; Asbest 188 

8. Thonerde, Argilla 188 

Thonerdehydrat, A. hydrata, pura ; Bolus, A. cruda; Thon u. a. . . 188 

Alaun, Sulphas aluminico-kalinus, Alumen, ustum, saccharat. u. a. . 189 

Alaunmolken, Serum lactis aluminat.; Pulvis stypticus .... 190 

Thonerde, gerb-, schwefel-, essigsaure 191 

Bimsstein, Lapis Pumicis 191 

Harnstoff, Urea; Harn; Guano; Hyraceum, Dachsharn 191 

Dritte Classe. Metalloide, Salzbilder 193 

1. Schwefel, Sulphur 193 

1. Schwefel, reiner, Sulphur purum, sublimatum, praecipitatum u. a. . . 193 
Ungut, sulphurat., Kräzsalbe, Oleum lini sulphurat., Balsamum Sulphuris 

terebinthinat. u. a 194 

Stangenschwefel, S. citrinum, Schwefelräucherungen 195 

Chlorschwefel, Sulphur chloratum, Chloridum sulphuris 195 

2. Schwefelleb ern, Sülfüre der Alkalien, Erden 195 

Kalischwefelleber, Kalium sulphuratum, pro balneo u. a 195 

Sodaschwefelleber, Natrium sulphuratum s. hyposulphurosum .... 196 

Natron, schwefligsaures, Sulphis Natri 196 

Kalkschwefelleber, Calcium sulphuratum; Globuli sulphurati u. a. . . 197 



X Inhalt. 

_ _. , , '_ . Seite 

2. Phosphor, Phosphorus 197 

Pasta s. Electuar., Aether, Oleum phosphorat 199 

Kohle, Carbo 199 

Thier-, Holzkohle, Carbo änimalis, ligni, tiliae; Graphit, Plumbago . 200 

Schwefelkohlenstoff, Carboneum sulphuratum 201 

3. Jod, Jodium 201 

1. Jod, reines, Jodum, Jodina; Joddämpfe; Jodhaltiges Jodkai. u. a. . 209 

Tinct. Jodi ; Jodcigarren ; Jodglycerin 210 

Jodstärkmehl, Amylurn jodatum, JodGluten, J.Kohle u. a 212 

Jodwasserstoffsäure ; Jodsäure, jodsaures Kali 212 

2. Jodkalium, Kalium jodatum 212 

Balsamum jodat. ; Ungut. Kalii jodati u. a 215 

Jodnatrium, Natrium jodatum; Jodammonium, Ammon. jodat. . . . 213 

Jodschwefel, Sulphur jodatum 213 

Chlorjod, Jodum chloratum 214 

Meerschwamm, Spongia marina, Spongiae^compressae, ceratae, tostae . 214 

Aethiops vegetabilis u. a 214 

4. Brom, Bromium 214 

1. Brom, reines, Bromum purum ; Chlorbrom, B. chloratum 215 

2. Bromkalium, Kalium bromatum ; Bromnatrium, Natrium bromat. . . 216 

5. Chlor, Chlorum 216 

1. Chlorgas, Chlorum gasiforme ; Fumigationes Chlori 216 

Chlorwasser, Aqua s. Liquor Chlori s. chlorat 218 

2. Natron, unterchlorigsaures, Liquor Natri hypochlorosi 218 

3. Kali, unterchlorigsaures, Liquor Kali hypochlorosi 219 

4. Chlorkalk, unterchlorigsaurer Kalk, Calcaria hypochlorosa 219 

Liquor Calcis chloratae 220 

Fluor, Fluorwasserstoffsäure 221 

Sauerstoffgas, Oxygenium; Aqua oxygenata; Ozon 221 

Wasserstoffhyperoxyd, Peroxydum Hydrogenii ; Wasserstoffgas, Hydrogenium, 

Aqua Hydrogenii 222 

YierteClasse. Säuren, Acida 222 

1. Schwefelsäure, Acidum sulphuricum, Vitriolöl 227 

Acid. sulphuric. dilutum; Mixtura sulphurica acida, Elixir acid. Halleri, 

Tinct. aromat. acida u. a 228 

Schweflige Säure, Acidum sulphurosum 228 

2. Salpetersäure, Acidum nitricum, Scheidewasser 229 

Fumigationes nitricae; Ungut, oxygenat 230 

3. Salpetersalzsäure, Acidum chloro-nitrosum, Königswasser . 230 

Salpetrige Säure, Acid. nitrosum; Stickoxydulgas, Nitrogen. 

oxydulat 231 

4. Salzsäure, Acidum hydrochloratum s. muriaticum 231 

Salzsäuregas 231 

5. Phosphorsäure, Acidum phosphoricum 232 

Phosphorige, Unterphosphorige Säure 232 

Borsäure, Acidum boracicum 233 

6. Kohlensäure, Acidum carbonicum 233 

Kohlensaures Wasser, Aqua Acidi carbonici 233 

Kohlenoxydgas 235 

7. Oxalsäure, Acidum oxalicum, Kleesäure 235 

Kali, zweifach-oxalsaures, Bioxalas Potassae, Sauerkleesalz .... 236 

Ammoniak, oxalsaures, Oxalas Ammoniae 236 

8. Essigsäure, Acidum aceticum, Acetylsäure 236 

Essig, Acetum (crudum, vini, concentrat. u. a.); Oxycrate .... 236 

Sauerhonig, Oxymel simplex; Acetum, Acidum acetic. aromaticum . 238 

Thedeu's Schuss-, Wundwasser, Aqua Thedenii 239 

Brenzliche Holzsäure, Holzessig, Acidum s. Acetum pyrolignosum . 239 



Inhalt. XI 

Seite 

9. Weinsäure, Acidum tartaricum 239 

Limonadepulver; Pulvis" refrigerans ; Saturationen 239 

Brenzlieho Weinsäure, Acidum pyrotartaricum 240 

10. Citronensäure, Acidum citricum s. Citri 240 

Citronensaft, Succus citri ; Syrup. Citri, Citronata. Citrus decumana . 240 

Baldrian säure, Acidum valerianicum 241 

Milchsäure, Acidum lacticum 241 

Fünfte Classe. Gerbsäurehaltige, Adstringirende Pflan- 
zenstoffe 241 

1. Gerbsäure, Acidum tannicum, Gerbstoff, Tannin 244 

Jodgerbsäure, Jodtannin 245 

2. Galläpfel, Gallae (turcicae, asiaticae) 245 

Alcohol tannicum ; Tinct. Gallarum 246 

Gallussäure, Acid. gallicum. Brenzgallussäure, Acid. pyrogallicum . . . 246 

Rhus coriaria u. a., Sumach 246 

3. Eichenrinde, Cortex Quercus; Extract; Gerberlohe 246 

4. Eicheln, Glandes Quercus (tostae) ; Eichelkaffee , -Chocolade . . 247 

Glandes Quercus hispanicae; Racahout, Palamout 247 

Rosskastanienrinde, Cort. Hippocastani; Rosskastauien 247 

Ulmen-, Ahorn-, Cascarariuden u. a. ; Aesculin, Fraxinin 248 

5. Wallnussschalen, -Blätter, Cort. fructuum,FoliaJuglandis 248 

Extract. Juglandis; Nuces Juglandis immaturae 248 

Cort. adstringens brasiliensis ; Lignum campechianum , Santali , Fernam- 

buci; Sanguis Draconis ; Lacca in Globulis 249 

6. Ratanhiawurzel, Radix Ratanhae; Extr. Tinct 249 

Rad. Tormentillae , Pareirae bravae , anserinae, Bistortae, Pentäphylli,- 

Rubiae tinctorum, Alcannae u. a 250 

Rumex Patientia u. a. ; Fragaria ; Osmunda ; Hydrastis ; Plantago ; Lythrum ; 

Galium u. a 250 

7. Bärentraube, Folia Uvae ursi 251 

Arbutus Unedo; Chimophila corymbosa (Hb. Pyrolae) u.a.; Yinca pervinca; 
Vaccinium Myrtillus ; Mispel , Quitte , Hagebutte , Myrobalanen, Lili- 

dibi , Diospyros u. a 251 

8. Monesia, Extract. Monesiae; Guarana, Paullinia 252 

9. Kino, Gummi Kino; Tinct. Kino 252 

Gambir; Katechu (Tinct.); Ingarinde, Bablah u. a 253 

Torf; Torf-, Moorbäder 253 

Indigo, Indicum ; schwefeis. I.Lösung 253 

Sechste Classe. Pflanzenstoffe mit bittern Glucosiden, 

Alkaloiden,Extractivstoffenu. a. . . . 254 

a. Alkaloide und Gerbsäure-haltige Amara 257 

1. Chinarinde, Cortex Chinae s. peruvianus 257, 266 

Decoct., Infus. Cinchonae; Chinawein, -Syrup 266 

Extract, Tinct. Chinae, Elixir roborans u. a. ; Quinium, Chinium . 267 

Chinin, Chinium purum, Quinin , 268 

Chin. sulphuric, Ch. bisulphuricum, Sulphas, Bisulphas Cbinii . . 268 
Chin. hydrochloricum s. muriatic. , Ch. phosphoric. , arsenicos. , jodat. 
(Ferro-Chin. jodat.), Ch. cyanat., citricum, ferro-citric, acetic, tar- 
taric. , valerianic. , chinicum , tannicum, gallotannicum , formicicum, 

lacticum u. a 269 

Tinct. antifebrilis Warburgi u. a. ; Chinin-Stearat ; Aq. carb. febrifuga; 

Chinaaether 270 

Cinchonin, Cinchonium purum, C. sulphuricum, bisulphuric. , mu- 
riatic, acetic, tannicum 271 

Chinoidin (salz-, schwefelsaures); Tinct. Chinoidini 272 

Chinidin, amorphes Chinin ; Chinium brutum ; Chinicin, Cinchonicin u.a. 272 



Xu Inhalt. 

Seite 

Falsche Chinarinden, Cusco-, Arica-, Jaen-China u. a 273 

Bebeerurinde; Bebeerin, schwefeis. B 273 

Cailcedra-, Soymida-, Mahagoni-, Cedrela- s. Surenen-, Carnaubarinde u. a. 273 

Cort. Alcornoco s. Chabarro 274 

2. Weidenrinde, Cort. Salicis; Extract., Ungut., Salicin 274 

Populus tremula u. a., Populin, Phloridzin, Berberin, Lycium, Oxyacan- 

thin, Cornin, Phillyrin, Lepidin, Buchs u. a 274 

b. Einfache Amara 275 

1. Quassie, Lignum, Cort. Quassiae; Extract., Tinct 275 

Bittera febrifuga, Bitterin; Simaruba 276 

2. Enzianwurzel, Rad. Gentianae; Extract., Tinct.; Gentianin . . . 276 

G. purpurea, Chirayta u. a 276 

Hb. Centaurii minoris ; Chironia (Hb. Cachen-Laguen) 277 

3. Bitterklee, Fol. Trifolii fibrini s. Menyanthis; Extract u. a. 277 

4. Kar dobenedikte , Fol. Cardui benedicti; Extract; Cnicin . . 277 

Hb. Calcitrapae; Carduus marianus, nutans u. a. ; Artischoke, Cynara 
Scolymus u. a. ; Rad. Carlinae, Lappae minoris; Xanthium spinös., 

Centaurea Cyanus, Cineraria maritima u. a 277 

Atractylis gummifera, Hb. Pilosellae, Fol. Ilicis Aquifolii u. a. , Rad. 
Corydalidis, Aristolochiae, Cort. Tabernaemontanae, Alstoniae; Sä- 

pindus, Elephantopus u. a 278 

5. Kaskarille, Cort. Cascarillae; Extr., Tinct., Aqua 278 

Copalchirinde, Aegle Marmelos, Tagale, Cort. Tulipiferae u. a. . . 278 

Angustura, Cort. Angusturae (verae) ; Cusparin 279 

6. Pomeranze, Cort. Fructus, Folia Aurantii; Extr., Tinct. u.a. 279 

Citronenschale, Cort. Fructus Citri ; Citronat 279 

7. Hopfen, Strobili Lupuli; Extr., Lupulin u. a - . . 280 

Schafgarbe, Hb., Flor. Millefolii; Extr., Oel 280 

Achillea ptarmica u. a., Hb. Agerati 281 

8. Wermuth, Hb. Absinthii; Extr., Tinct. u. a 281 

Artemisia rupestris, Abrotanum , Moxa, Santolina u. a. ; Genipkräuter 281 
Rad. , Hb. Artemisiae vulgaris , Extr. ; Marrubium album , M. nigrum, 

Lycopin u. a 281 

Flor. Stöchadis ; Hb., Rad. Scrophulariae 282 

9. Löwenzahn, Rad., Fol. Taraxaci; Extr., Mellago 282 

Rad., Hb. Cichorei, Fumariae ; Anagallis, Equisetum 282 

10. Ochsengalle, Bilis bovina, Fei tauri inspissat. u. a 282 

Natron bilicum ; Picrinsäure, picrinsaures Kali u. a 283 

11. Kolumbo, Rad. Columbo, Extr., Tinct 283 

Falsche Kolumbo ; Rad. Xanthorrhizae, Cocculi, Lopez, Yallhoy, Fede- 

goso, Rhiancanthi; Lignum citrinum, Cort. Adansoniae s. Baobab u. a. 284 

12. Isländisches Moos, Liehen islandicus, Gelatina, Pasta u. a. . 284 

Cetrarin ; Liehen parietin., Variolaria, Marchantia u. a 285 

Hb. Polygalae amarae, vulgaris; Rad. Polyg. hungaricae 285 

Siebente Classe. Geistige Flüssigkeiten, Alcohole,Aether 

und deren Abkömmlinge 285 

Aetherisation 288, 292 

1. Weingeist, Alcohol, Spiritus vini, Branntwein 296 

Weingeistdärapfe ; Punsch, Milchpunsch, Grog 302 

Fuselöl, Alcohol amylicum, Fermentoleum Solani 302 

2. Wein, Vinum; Sorten; Vinum siccatum, madeirense u. a 302 

Obstwein, Cidera; Meth, Mulsum 304 

Medicinische Weine, Glühwein, Bischoff, Vinum aromat. u. a. . . . 305 

3. Bier, Cerevisia; Warm-, Eierbier 306 

4. Aether, Aether (sulphuricus), Naphtha Vitrioli 306 



Inhalt. Xm 

Seite 

Aetherweingeist, Spirit. (Vini) aethereus ; Hoffmann's Tropfen u. a. . 307 

5. Salpeteräther, Aether nitricus; Spirit. Aetheris nitrici .... 307 

6. Chlor-, Salzsäureäther, Aether chloratus; Spirit. Aetheris chlorati 308 

Gechlorter Chloräther, Aether chloratus s. anaestheticus (Araui) . . 308 

Jodäther, Aether jodatus; Bromäther u. a 308 

Elaylchlorür, Aether s. Liquor hollandicus ; Kohlensesquichlorid . . 308 

7. Essigäther, Aether aceticus; Spirit. Aetheris acetici; Aceton . . 309 

Holzgeist, Aether lignosus; Spirit. pyrolignosus depurat., Jodmethyl . 309 

8. C hl oroform , Chlorofc-r mum, Formylchlorid 309 

Jodoform; Bromoform; Amylen, Paramylen 311 

Benzin s. Benzol; Mtrobenzin ; Glonoin s. Nitroglycerin 312 

9. Theer, Pix liquida, Cedria; Brand-, Brenzöle 312 

Theeräucherungen, -Wasser, Salbe, Seife 313 

Steinkohlentbeer, Coaltar ; Theeröl , Oleum Cedriae ; Resineon , Oleon, 

Valeron u. a 314 

Russ, Fuligo splendens, Tedae u. a. ; Tinct 315 

10. Dippelsöl, Oleum animale aethereum; Ol. Chaberti .... 315 

Steinöl, Petroleum; Asphalt-, Steinkohlen-, Bernsteinöl , künstlicher 

Moschus 316 

Papieröl, Pyrothonid ; Rauch 316 

11. Kreosot, Creosotum 316 

Aqua, Spirit., Ungut. Creosoti ; Aq. Binelli u. a 318 

Carbolsäure ; Leucolin, Anilin: Furfurin ; Propylamin 318 

Achte Classe. Pflanzenstoffe mit ätherischen Oelen, 

Stearoptenen 319 

1. Kampher, Camphora 322 

Lana, Fumigationes camphor. ; Karthäuser Pulver, Guttae antiloimene 324 

Julap., Mixt., Yinum, Spirit., Ol., Acet., Liniment, camph. u. a. . . 325 

Sassafras, Lignum, Cort., Oel 326 

2. Kajeputöl, Oleum Cajeputi 326 

Osmitopsis asteriscoides, Bellis 326 

3. S c hlangenwurzel , Rad. Serpentariae 326 

Dorstenie, Rad. Contrajervae 326 

4. Engelwurz, Rad. Angelicae, Spirit. Angel, composit. , Tinct. u. a. 327 

Rad. Imperatoriae, Ginseng, Ninsin 327 

5. Baldrian, Rad. Valerianae; Ol., Tct., Extr. n. a. ...... 327 

Valeriana Phu, celtica, Jatamansi u. a 323 

Rad. Sambulus s. Sumbul ; Lignum Rhodii, Hb. Ambrosiae, Grana mo- 

schata u. a 328 

Lavendel, Flor. Lavandulae ; Ol., Spirit., Tct., Aq 328 

Flor. Stöchadis arabicae 329 

Pfeffer-, Krausemünze, Hb. Menthae pip. , M. crispae; Rosmarin, Ma- 
joran, Origanum, Melisse 329 

Thymian, Calaminthe. Basilicum, Betonica, Yerbena, Stachys n. a. . . 330 

Salbei, Monarde, Ysop, Teucrium, Ajuga, Armeria, Statice u. a. . . 330 

Rad. Caryophyllatae 330 

Anis, Semen Anisi, Ol., Aq., Spirit. anisi 330 

Semen Anisi stellati, Foeniculi, Carvi, Cumini, Petroselini u. a. . . 331 

Semen Apii, Sellerie ; Semen Phellandrii aquat., Wasserfenchel . . 332 

Kamille. Flor. Chamomillae; Ol.. Aq., Syr., Tct, Extr 332 

Flor. Chamomillae romanae ; Anthemis Cotula 332 

Parthenium s. Matricaria, Bertram ; Hb. Balsamitae, Pyrethrum caucasi- 

cum ; Hb. Conyzae, Eupatorium Aya-pana u. a.. Guako (Mikania) u. a. 333 

Flieder, Flor. Sambuci, Aq., Cort 333 

Flor. Lilii, Tiliae, Primulae, Asperulae ; Melilotus 334 

Flor. Aurantii, Ol., Aq., Syr. ; Oleum Citri, Bergamottae, Elaeosacch., Aq. 334 

Flor. Rosarum, Ol., Aq., Conserva, Ungut 334 



XIV Inhalt. 

Seite 

Chenopodium, Herniaria, Myrica carolinens. u. a 334 

6. Kalmus, Rad. Calami, Confectio, Ol., Elaeosacch., Extr 335 

7. Ingwer, Rad.Zingiberis, Syr., Conditum ; Rad. Zerumbet, Zedoaria u. a. 335 

Rad. Galgantae, Martelli, Behen, Curcumae, Costi, Cyperi, Iwarancusae u. a. 336 

8. Veilchenwurzel, Rad. Iridis florentinae 336 

Iris Pseudacorus, germanica u. a. ; Rad. Xyridis 336 

Bertramwurzel, Rad. Pyrethri, Tinct 336 

Parakresse ; Rad. Pimpinellae, Levistici, Helenii s. Enulae ; Inula squar- 

rosa u. a 337 

9. Wolverlei, Rad., Flor., Fol. Arnicae, Extr., Tct., Ol 337 

10. Zimmt, Cinnamomum, ceylanic. s. acut 338 

11. Zimmtcassie, Cassia cinnamomea, Aq., Tct., Syr., Ol. ... 338 

Cassia lignea, caryophyllata, Cort. Malabathri , Sintoc, Culilaban, Mas- 

soy u. a 339 

Canella alba, Cort. Paratado, Cort. Winteranus, Melambo, Alyxiae . 339 

Lorbeeren, Baccae, Fol. Läuri, OL, Ungut 339 

12. Muscatnus s,Nux moschata; Macis, Muscatbliitbe, Ol., Elaeosacch. u. a. 340 

13. Kardamomen, Cardamomum; Grana Paradisi, Malaguetta, Pichurim 340 

Auacardia (Kardol) ; Piment; Nagkassar 341 

14. Pfeffer, Piper nigrum, album u. a.; Piperin, Ol 341 

15. Kubeben, Cubebae, Extr., Tct., Ol.; Cubebin 342 

Betel, Piper Betle, methysticum u. a 343 

Matico, Jaborandi, Piper japonic, Sem. Agni casti 344 

16. Spanischer Pfeffer, Fructus Capsici, Extr., Tct., Acet. . . . 344 

Piper cayennense, Cayenne-, Chilipfeffer 345 

17. Gewürznelken, Caryophylli, Tct, Ol 345 

Caryophylli regii; Flor. Cassiae s. Clavelli Cinnamomi , Zimmtblüthen 345 

18. Vanille, Siliqua Vanillae, Tct., Aq., Elaeosacch 345 

Faham s. Fahum ; Tonkabohne, Cumarin 346 

19. Safran, Crocus, Tct., Syr., Emplastr. ; Lyperia crocea 346 

20. Kaffebohnen, Semina Coffeae; Caffein, citronens. u. a. ... 346 

Kaffeeblätter, -Surrogate; Spargelsamen 348 

21. Grüner Thee, Fol. Theae viridis 348 

Paraguaythee; Fol. Celastri, Gaultheriae; Ol. Gaultheriae 349 

Coca; Fol. Bucco s. Buchu 349 

Zusammengesezte Präparate gewürziger und anderer 

Stoffe 349 

Aqua aromat., carminat., coloniensis, vulneraria, sclopetaria .... 349 

Balsam, odontalgicum 350 

Electuar. aromat. s. stomachic. ; Emplastr. aromat. s. stomachale . . 350 
Mixtura odorata, oleoso-balsamica (Balsam, vitae Hoffmanni) , Morsuli 

stomachici; Oleum carniinativ., comarum, odorat 350 

Pulvis aromat. (Tragea aromat.), dentifricius (Electuar. dentifric), fu- 

malis, Infantum Hufelandii, sternutatorius . 350 

Species ad Infus, galactopöum; Spec. aromat., cephalicae, fumales, re- 
solventes s. discutientes, stomach. ; Spiritus (Aq.) anhaltin., aromat. 
(Aq. aromat. spirit. , Balsam, embryonis), Melissae composit. (Aq., 

Spirit. Carmelitarum) 350 

Tinct. (Essentia) aromat., aromat. acida, carminat., odontalgica, Pyrethri 

composita, Bastleri, Racohol ' . ' . 351 

Ungut, aromat. (Balsam, stomachale Wasseri) , nervinum s. Rosmarini 

composit., pomat 351 

Neunte Classe. Balsame, Harze, Kautschukkörper . . 351 

1. Terpe ntin, Terebinthina, Terpentin öl, Oleum Terebinthinae . 353 

Liniment, diuretic. ; "Warren's, Chironbalsam u. a 356 



Inhalt. XV 

Seite 
Sapo terebinthinat. , Starkeyanus; Ungut. Terebinth. s. digestivum, ba- 

silicum. Balsam, vulnerar.. Empl. diaphoret.. sulphurat. u. a. . . 357 

2. Fichtenharz, Resina Pini; Pech, Pix (communis) . ... . . .,357 

Ungut., Cerat.. Emplastr. Resinae Pini, citrin. ; Emplastr. resinos., pi- 

ceum u. a 3o8 

Baumwachs, Cera arborea ; Charta resinosa u. a. Birkenharz .... 359 

Harzdämpfe, Dampfbäder 359 

3. Fichten-, Kiefersprossen, Turiones s. Gemmae Pini . . . 359 

Tannensprossen. Turiones Abietis ; Fichtennadeln, Fol. Pini; Waldwolle, 
Lana P. silvestris ; Extract. Abiei , Fichten-, Tannennadelbäder, 

-SäuerliDge 360 

Ol. Pini aethereum. "Waldwoll-. Fichtennadelöl 360 

Pappelknospen, Gemmae Populi; Cvpresse. -Nüsse. Galbula . . . 360 

4. Wachholder, Baccae, Lignum Juniperi, -Oel, Geist. Mus u. a. 360 

Thuja occidentalis ; Cedernöl; Strobili Cedri, Manna cedrina .... 361 

5. Sadebaum, Fol. Sabinae, -Oel, Extr., Tinct., Salbe 362 

Boletus Laricis , Salicis, cervin. , igniarius (Agaric. Chirurgorum) u. a. 362 

Penawar Djambi n. a 363 

6. Kopaiva, Balsamum Copaivae, -Oel. Drageen. Pillen u. a. . . . 363 

Balsamum Gurjun, de Gedda; Schweinsbalsam; Opobalsamum . . . 365 

7. Perubalsam, Balsamum peruvianum, -Syr., Tinct 365 

Tolubalsam. Balsam, tolutanum. Syr.. Tct 366 

8. Benzoe, Gummi Benzoes, -Tinct., Spec. Pastilli fumales .... 366 

Benzoesäure. Acidum benzoicum. Flores Benzoes 367 

Storax, Liquidambar; Resina lutea Novi Belgii u. a 368 

9. Myrrhe, Gummi Myrrhae, -Oel. Tinct. Extract 368 

"Weihrauch. Thus, Olibanum arabic. indicum 369 

10. Asant, Asa foetida, -Tinct., Aq., Emplastr 369 

Gummi Ammoniacum, Syrup.. Emplastr 370 

Sagapen; Opoponax; Galbauum; Takamahak; Anime ; Dammarharz . 371 
£arannaharz ; Elemi ; Mastix; Bdellium ; Sandarach; Ladanum ; Epheu- 

gummi, -Blätter 372 

Bernstein. Succinum ; Bernsteinsäure, Acidum succinicum 372 

Kautschuk, Federharz; vulcanisirtes 373 

Gutta Percha s. Tuban ; vulcanisirtes 374 

Gummilack, Schellack ; GetahLahae; Yiscum alb., Loranthus europ. u. a. 375 

Zehnte Classe. Stoffe mit schärferen Extracti vstoffen, 

ätherischen Oelen, Stearoptene'n, Harzen, S äuren 375 

1. Rhabarber, Rad. Rhei s. Rhabarberi, -Extr., Tinct., Syr. u. a. . . . 380 

Rhapontik, Rad. Rhapontici 381 

2. Aloe, Extr., Pilul., Tinct., Elixire 381 

3. Senna, Fol. Sennae, -Infus., Aq., Electuar., Extr., Tinct 383 

Fol. Sennae spiritu vini extracta ; St. Germainthee u.a. 386 

Colutea arborescens ; Globularia Alypum u. a. , Anagyris foetida u. a. 386 

Chichmsamen; Mimosa pudica, Eutada Parrana u. a 386 

Purgirkraut. Hb. Gratiolae. -Extr.. Tinct 386 

Kreuzbeere, Baccae Rhamni cathart., -Succus, Syr., Roob .... 3S6 

Faulbaum. Rhamnus Frangula, Baccae, Cort., Extr.; Pipitzawurzel . . 387 

Gelbbeeren, Avignonkorner ; Evonymus europaeus 387 

4. Jalape, Rad. Jalapae, -Tinct., Syr.. Harz, Seife. Pillen 387 

Rad. Turpethi, Mechoacannae . Metalistae, Jalap. brasiliens 388 

Periploca graeca; Rad., Hb. Soldanellae, Convolvuli majoris .... 388 

Convolvulus Nil ; Podophyllum peltat. ; Leptandra yirginica u. a. . . 389 

5. Scammonium, Diagrydion; Resina s. Extract., Confectio 389 

6. Gummigutt, Gutti, Cambogium, -Seife, Tinct., Pillen 389 



XVI Inhalt. 

7. Springgurken-Extract, Elaterium, Extract 390 

8. Koloquinte, Colocynthis, C. praeparata, Tinct 391 

Zaunrübe, Rad. Bryoniae, Tinct 392 

9. Euphorbium, Tinct 392 

Manschinelle, Hippomane Mancinella; Sapium Hippomane u. a. . . 392 

10. Giftsumach, Fol. Toxico den dri, Tinct., Extract 393 

Rhus Vernix; Ailauthus glandulosa; Toxicodendron capense .... 393 

11. Seidelbast, Cort. Mezerei, Extr., Salbe, Harz; Beeren .... 393 

12. Spanische Fliegen, Cantharides \ 394 

Tinct., Acet., Ungut., Emplastr. Cantharidum 398 

Pannus vesioatorius u. a. ; Cantharidinum, C.Kampher 400 

Emplastr. vesicat. Drouotti ; Taffetas vesicat. , Collodium cantharidale 401 

Meloe, Melolontha, Coccionella, Cochenille u. a 401 

Millepedes s. Aselli ; Ameisen, Formicae, Spirit. formicarum .... 402 

Ameisensäure, Acid. formicicum. Urtica dioica, pilularis u. a. . . 402 

Processionsraupe ; Medusen, Quallen 403 

13. Schwarzer Senf, Semen Sinapi s nigrae, -Molken, Teig, Oel, 

"Wasser 403 

Weisser Senf, Semen Sinapis albae 405 

Meerrettig, Rad. Armoraciae, Spirit., Vinum 405 

Zwiebel, Rad. Cepae; Knoblauch, Bulbus Allii ; Schalotten, Lauch . . 406 

Pancratium maritim.; Asphodelus luteus; Ornithogalum scilloides u. a. 406 

14. Meerzwiebel, Rad. Scillae, -Extr., Tinct., Acet., Oxymel, Syr. . 406 

Löffelkraut, Hb. Cochleariae, -Conserva, Aq., Spirit 408 

Brunnenkresse , Hb. Nasturtii aquat. ; Cardamine pratens. , Erysimum 
Barbarea, offlc. ; Thlapsi; Veronica offic. , Polygonum antihaemor- 

rhoidale, Rumex verticillat. u. a 408 

15. Wurmsamen, -Blüthen, Semen Cinae, -Extr., Latwerge, Zeltchen 409 

Santonin, Santonsäure. Semen Yernoniae anthelminth 410 

16. Farrnkrautwurzel, Rad. Filicis, -Extr. aether 410 

Pteris aquilina ; Asplenium Filix femina; Polypodium percussum u. a. 411 

Rad. Panna, Uncomo s. Uncomocomowurzel 412 

17. Granatwurzeirin de, Cort. Radicis Granati , -Extr. . . . 412 

Maulbeerwurzelrinde; Spiraea Ulmaria; fllipendula u. a 412 

18. Kosso, Flor. Brayerae, -Harz 412 

Cort. Musannae, Tambuch ; Hb. Maddere , Aule*, Happapalu, Bebbilda; 
Rad. Abandasch , Mokmoko , Ternacha, Sar-Sari s. Ogkert; Saoria, 

Tatze s. Zatse, Zarah; Abbalsjago s. Sem. Medjamed u. a. . . . 413 

Mucuna s. Stizolobium pruriens 413 

Rainfarrn, Flor., Hb. Tanaceti, -Oel, Extr 413 

Raute, Fol. Rutae, -Oel, Aq., Acet.; Erigeron canadens. u. a. . . . 413 

19. Sassaparille, Rad. Sassaparillae, -Extr., Syr., Tinct 414 

Decoct. Zittmanni, lusitanic, Pollini, Feltzii u. a 416 

Laffecteur's, Cuisinier's Syrup u. a. ; Arabische Latwerge 416 

Chinawurzel, Rad. Chinae nodosae, americanae u. a 417 

Smilax aspera (Sassaparilla italica, da Costa) 417 

Aralia nudicaulis ; Agave cubensis ; Arctopus echinat. ; Phormium tenax ; 

Mageywurzel 417 

20. Senegawurzel, Rad. Senegae, -Extr., Syrup 417 

Polygala glandulosa, P. Poaya u. a 418 

Rad. Saponariae, Hb. ; Extr., Saponin 418 

Gypsophila Struthium ; Rad. Saponariae albae; Quillay-Rinde . . . 418 

Rad. Caincae; Cainanin 418 

Fol. Rhododendri chrysanthi; Rhododendron pontic, ferrugin. u. a. . 418 

21. Guajak, Cort., Lignum, Resina Guajaci 418 

Species Lignorum, Extract., Tinct., Sapo guajacin 420 

Stiefmütterchen, Hb. Violae tricoloris s. Jaceae 420 



Inhalt. XVII 

Seite 

Veilchen, Flor., Rad. Violae odoratae, -Syr. ; Violin 420 

Flor. Convallariae; Flor., Hb. Calendulae, Extr., Ungut 421 

Schöllkraut, Hb., Rad. Chelidonii, Ex.tr., Saft 421 

Asclepias gigantea (Madarwurzel), Hemidesmus indic. (Nannariwurzel), 

Rad. Vincetoxici, Asclepias curassavica, Cynanchum Argel, C. mon- 

speliäcum, Cuscuta europaea u. a 421 

Hb. Sedi rainoris , Seinpervivi u. a. ; Mesembrianthemum crystallinum ; 

Cotyledon Umbilicus 422 

Wasserwegerich, Alisma Plantago 422 

"Wolfstrapp , Hb. Ballotae ; Leonotis Leonurus 422 

Rad., Hb. Ononidis spinosae ; Sem., Suminitates Spartii juncei, scoparii ; 

Genista tinctoria, Spartiura scoparium, purgans u. a., Spartein, Sco- 

parin 422 

Gichtrose, Rad. Paeouiae 422 

Ficaria ranunculoides ; Narcissus Pseudonarcissus, poeticus u. a. . 423 

Küchenschelle, Hb. Pulsatillae, Extr., Aq., Tct. ; Anemonin . . . 423 

Anemone Pulsatilla, A. nemorosa; Caltha palustris; Eranthis hyemalis 423 
Ranunculus scelerat., acris, asiaticus u. a. ; Clematis -vitalba, C. Flam- 

mula, erecta u. a. ; Adonis vernalis; Anemone hepatica .... 423 

Rad. Cyclaminis; Rad. Asari europaei , Cyclamin ...:... 424 
Aristolochia Clematitis, A. Pistolochia, anguicida, Sipho, longa, rotunda, 

pallida (Portlands Pulver), A. cretica, iudica u. a 424 

Rad. Ari maculati ; Arum esculent, italic, virginic, Dracunculus u. a. ; 

Dracuntium pertusum . 424 

Kermesbeere, Phytolaccae decandrae (s. Baccae), -Syrup, Phytolein . . 424 

Phytolacca abyssinica, Capsulae, Rad. Schebti 425 

Elfte Classe. Substanzen mit heftiger, meist narcotisch 
wirkendenPflanzenbasen, Glucosiden, Extractiv- 

stoffen. Cy an Verbindungen. Giftige Gase .... 425 

1. Brechwurzel, Rad. Ipecacuanhae, -Tinct., Syr., Trochisken . . 431 

Emetinum purum, colorat. (Extract. Ipecac.) 433 

Myrica eerifera, Wurzelrinde 433 

2. Mutterkorn, Seeale corn-utum 433 

Extract, Ergotin, Oleum, Tinct. Ergotae 438 

Lolium temulent., Festuca quadridentata 439 

Giftige Pilze, Amanita muscaria, Agaricus necator, acris u. a. . . . 439 

Lycoperdon Proteus, Bovista u. a 440 

Wurst-, Käse-, Fischgift 440 

3. Zeitlose, Rad., Semen Colchici, -Wein, Tinct., Essig, Extr. . . 441 

4. Weisse Nieswurz, Rad. Veratri (Hellebori) albi, -Tinct. . . 444 

Niespulver; Schneeberger Schnupftabak 445 

Semen Sabadillae, Läusesamen, -Tinct., Ungut., Sabadillin .... 445 

5. Veratrinum, Veratrin, schwefel-, salzsaures u. a 446 

6. Schwarze Nieswurz, Rad. Hellebori nigri, -Extr., Tinct. . . 448 

Helleborus viridis, foetid., orientalis u. a 449 

Stephanskörner, Sem. Staphidis agriae 449 

Delphinium Consolida, D. Ajacis u. a. ; Delphinin 449 

7. Sturmhut, Fol., Rad. Aconiti, -Extr., Tinct 450 

Aconitin. — Aconitum Lycoctonum, Cammarum, ferox u. a. ... 452 

8. Lobelie, Hb. Lobeliae (inflatae), Indischer Tabak, -Tinct. . . . 452 

Lobelia syphilitica u. a., Rad. Lobeliae 453 

Rad., Hb. Spigeliae marylandicae, Wurmgras ; Spigelia Anthelmia . . 453 

Cort. Geoffroyae, Wurmrinde; Semen Angelin; Cort. Sebipirae . . . 453 

Rad. Sanguinariae canadensis, Blutwurzel 453 

Actaea spicata,* racemosa; Lychnis s. Agrostemma Githago , Kornrade 454 

Apocynum androsaemifolium, cannabin. u. a. ; Nerium Oleander . . 454 

Coriaria myrtifolia; Ledum palustre; Taxus baccata 454 

7. Aufl. * * 



XVIII Inhalt. 

Seite 

9. Kother Fingerhut, Hb. Digitalis (purpureae), -Extr. , Tinct., 

Acet. u. a 455 

Digitalin. — Digitalis grandiflora s. ambigua, lutea u. a 458 

10. Tabak, Fol. Nicotianae, -Rauch, Extr., Tinct 459 

Nicotin; Nicotianin, Tabakskampher; Brenzöl . «. 462 

Nicotiana glutinosa, fruticosa, rustica (Bauerntabak) u. a 463 

11. Schierling, Hb. Conii maculati, -Extr., Tct., Ungut., Emplastr. . 463 

Ccniin (Cicutin) 465 

Cicuta yirosa ; Wasserschierling ; Aethusa Cynapium ; Oenanthe crocata u.a. 466 

Hydrocotyle vulgaris, asiatica u. a. ; Chaerophyllum silvestre, temulum u. a. 466 

Scandix (Myrrhis) Anthriscus , odorata; Sium latifol. , nodiflorum u. a. 466 

12. Tollkirsche, Fol., Rad. Belladonnae, -Extr., Tinct., Ungut., 

Emplastr 466 

Atropin; Salpeters., schwefeis. u. a 471 

Atropa Mandragora s. Mandragora officinalis 472 

13. Stechapfel, Fol., Semen Stramonii, -Tinct., Extr 473 

Datura Tatula, arborea, ferox u. a. ; Anisodus luridus 474 

14. Bilsenkraut, Fol., Semen Hyoscyami, -Extr., Tct., Oleum . . 474 

Hyoscyamin. — Hyoscyamus albus, aureus, Scopolia u. a 476 

Stipites Dulcamarae, Bittersüss, -Extr 476 

Solanin, essigsaures 476 

Solanum nigrum, fuscum, mammiforme, Lycopersicum u. a. ... 477 

Physalis somnifera u. a. ; Azalea pontica ; Peganum Harmala . . . 477 

Paris quadrifolia (Paridin) ; Ervum Ervilia; Lathyrus cicera .... 477 

Cytisus Laburnum ; Hymenaea Courbaril; Bignonia Catalpa .... 477 

Crescentia Cujete ; Gelseminum nitidum ; Acacie ; Piscidia erythrina . 477 

Lonicera Xylosteum, L. brachypoda ■. . . 478 

15. Hanf, Hb. Cannabis, -Harz, Churrus, Extr. (Cannabin), Tinct. . . 478 

Giftlattich, Hb. Lactucae virosae ; L. sativa, Gartensalat 479 

Lactucarium, Thridax. — Lactuca Scariola 480 

16. Mohnsaft, Opium 480 

Emplastr., Ungut., Electuar. (Theriak), Pil., Pulv. Doveri, Aq. , Extr., 

Liquor, Syrup., Tinct., Laudan., Acet 493 

17. Morphin, Morphium , Morphia 495 

M. purum, acetic, hydrochloric, sulphuric, meconic, cyanat. u. a. . 498 

Codein (Papaverin), Thebain s. Paramorphin, Narcotin s. Opian . . 499 
Opianin, Narcein, Pseudomorphin, Mekonin , Porphyroxin (Opin) ; Me- 

kon s. Opiumsäure 500 

18. Mohnkapseln, Capita Papaveris, -Syrup (Diacodion), Extr. . . 500 

Papaver Rhoeas, Orientale ; Glaucium luteum u. a. ; Hypecoum procum- 

bens u. a 501 

19. Brechnuss, Nux vomica, Semina Strychnii 501 

Extract. aquos., spirituos., Tinct 508 

20. Strychnin, Strychnium, -purum, muriatic, nitric, sulphuric, acetic. u.a. 509 

21. Brucin, Brucinum (Caniramin), -purum, hydrochloric, sulphuric. . 511 

Cort. Strychnos Nucis voinicae, Angusturae spuriae 511 

Strychnos colubrina ; Ophioxylon serpentinum 512 

Rad. Chynlen s. Chinlen. Strychnos potatorum, innocua, muricata (Cort. 

Timor) u. a 512 

Faba Sancti Ignatii, Ignatiusbohne 512 

Cedronnüsse, Simaba Cedron 512 

Kockelskörner, Cocculi indici: Picrotoxin s. Cocculin, Menispermin . 512 
Pfeilgifte, Upas, Upas Antiar (Antiarin), Ticunas, Woorara, Curara (Cu- 

rarin) 513 

Tanghinia venenifera, Cerber Ahovai, Thevetia n. a 515 

Calabarbohne ; Fillaea suaveolens n. a 515 

Schlangengifte, Vipera Berus, V. Naja, Crotalus horridus u. a. . . 515 



Inhalt. XIX 

Seite 

Vaccination, Syphilisation, Rozgift 516 

Kröten, Salamander, Insekten, Aracbniden 516 

Cyan, Cyangas 517 

22. Blausäure, Acidum hydrocyanicum s. borussicum . . . 517 

Aether hydrocyanicus, Blausäureäther (Cyanäthyl) . . . „, . . . 522 

23. Kirschlorbeerblätter, -Wasser, Fol., Aqua Laurocerasi 523 

Ol. Laurocerasi aethereum, Kirschlorbeeröl 523 

24. Bittermandeln, -Wasser, Amygdalae amarae, Aqua Amyg- 

dalarum amararum 523 

Oleum Amygd. (amarar.) aethereum, ätherisches Bittermandelöl, Bitter- 
mandelkleie 524 

Amygdalin, Amygdalinum 525 

Traubenkirsche, Prunus Padus ; Prunus spinosa, avium, Cerasus, Maha- 

leb u. a 525 

Pfirsich, Persica vulgaris; Steinweichsel, Mahalebsamen 526 

25. Cyankalium, Kalium cyanatum 526 

Jodcyan ; Chlorcyan ; Cyansäure ; cyansaures Kali 527 

Schwefelcyan ; Schwefelcyanwasserstoffsäure; Schwefelcyan- s. Rhodan- 

kalium u. a 527 

Chlorcyanwasserstoffsäure 527 

Giftige Kohlengase. Kohlenoxyd, Kohlenwasserstoff, Kohlendampf 527 

Schwefelwasserstoff, Hydrothionsäure; Gaskalk; Schwefel wasser- 

stoffwasser 529 

Stickstoffgas '. 530 

Zwölfte Classe. Nahrungsstoffe, Ersazstoffe, Biogene . 530 

a. Substanzen reich an thierischenEiweiss-, Proteinstoffen 
und Leimgebenden Materien 535 

1. Eier, Huhneier, Ova gallinacea 538 

Eiweiss, Albumen ovi; Eidotter, Vitellus ovi, Ol. ovorum .... 538 

Krystalllinse ; Spinngewebe 539 

2. Fleisch, Caro mammalium, avium u. a 540 

Rohes; Extract; Fleischzwieback; Liebig's Fleischbrühe ; Juscula, Fleisch- 
brühe, Beef-tea ; Fleischschaum ; Fischsuppe 541 

Fleischgallerte, Gelatina bubula (tabulata); Osmazom-Chocolade . . . 542 

Blut; Transfusion ; Extract. Sanguinis bovini ; Menstrualblut . . 542 

Protein, reines 543 

Schnecken , Limaces, Helices , -Zucker, Syrup ; Limacin, Helicin ; My- 

tilus 543 

Läuse, Vipern, Eidechsen, Stinke, Schildkröten, Froschschenkel, Rochen o.a. 543 

Vogel-, Schwalbennester, indische, essbare ; Neossin 544 

3. Hausenblase, Ichthyocolla, Fischleim, Oolla piscium 544 

Klebtaffet, Emplastr. adhaesiv. anglic. ; Ostindisches Pfianzenpapier, 

Charta adhaesiva 545 

Knochenleim, Glutin, Gelatina tabulata, Cornu Cervi, Gluten animale 

vulgare 545 

Hippocolla, Hockiack 546 

4. Collodium, Klebäther, -elastisches, C. ricinat. , t'erebinthinat. , gly- 

cerinat. s. lentescens u. a 546 

Baumwolle, Watte, Bombyx s. Gossypium ; Gichtwatte 546 

Därme, Darmsaiten, Druckpapier, Goldschlägerhäutchen 546 

Labmagen, Stomachus vitulinus 547 

5. Magensaft, Succusgastricus; Pepsin, Pepsinum. . . . 549 

Pepsinum acid., amylaceum ; Liquor Pepsinae; Peptonlösungen . . . 550 

Speichel, Saliva, Succus pancreaticus • . . . . 552 

b. Fette und fettreiche Substanzen 552 

Stearin, Oelsäure, Acid. oleinic. ; Stearinsäure 556 



XX Inhalt. 

Seite 

1. Kakaobohnen, -Butter, Semen, Butyrum Cacao, -Paste, Cho- 

colata 557 

Racahouts 5 Kakaoschalen, -Butter, Seife, Suppositoria 558 

Palm-, Cocosnuss-, Makassaröl ; Talg-, Butterbaum, Bassiaöl u. a, . . 558 

Kokum-Butter, Borneotalg, Minia Batta; Kuhbatim ...... 559 

2. Süssmandeln,-Oel, Amygdalae dulces, Oleum Amygdalarum 559 

Mandelkleie, Mandelmilch, Syrup. emulsiv. , Ungut, emolliens, Cold 

cream; Pasta cosmetica 559 

Erdmandel, Rad. Cyperi esculenti 560 

3. Oliven-, Baumöl, Oleum Olivarum, Haar-, Kräuteröl 560 

4. Mohnsamen, -Oel, Semen, Oleum Papaveris 561 

Hanfsamen, Semen Cannabis, -Oel 562 

Bärlappsamen, -Kraut, Sem., Hb. Lycopodii 562 

Lycopodium cathartic, Selago u. a. ; Lycoperdon Bovista u. a. . . . 562 

Repsöl, Ol. Napi; Ol. Raparum, Raphani, Madiae, Calophylli u. a. . 562 

Nuss-, Haselnussöl, Ol. Nucum Juglandis, Avellauae 562 

Bucherkern, Nuces Fagi (Oel), Semen Citrulli, Melonum, Peponum, Cu- 
cumis, Helianthi; Kanarien-, Frauendistelsamen u. a 563 

Zirbel-, Erd-, Tagua-, Kola-, Pimperuüsse u. a., Pineolen, Pistacien u. a. 563 

5. Leinsamen, Oel, Semen, Oleum Lini, -Mehl, Kuchen .... 563 

Purgirlein, Linum catharticum. Oelpapier 564 

6. Crotonöl, Oleum Crotonis, -Samen, Seife, Zucker, Tinct 564 

Euphorbia Lathyris, Esula, villosa, Peplus, corollata, Ipecacuauha u. a. 566 

Anda, Hura brasilieus. (Assacu), Trinosperma ficifolia, Flotovia glabra u. a. 566 

Curcas purgans, Jatropha Manihot, gossypifolia u. a., Höllenöl . . 567 

7. Ricinusöl, Oleum Ricini, -Purgirkörner; Blätter, Syr 567 

Aleurites triloba; Carapa-, Croupi-, Talicunahöl 569 

Behennüsse, -Oel, Nuces, Ol. Behen 569 

8. Leberthran, Oleum JecorisAsellis. Morrhuae. , . . . 569 

Rochenleberthran, Ol. Rajae, Haifisch-, Dögling- , Wallfisch-, Fisch- 

thran u. a 569 

Ol. Jecoris Aselli jodatum, quinatum u. a. ; Kabliau-, Schöpsenleber u. a. 574 

9. Moschus, Bisam, -Tinct 575 

10. Bibergeil, Castoreum, -Tinct., Aq., Trochisci 577 

Zibeth, Zibethum. Stinkthier, Mephitis Chinche, putorius .... 577 

Ambra grisea, nigra, -Tinct 578 

11. Wallrath, Cetaceum, Sperma Ceti, -Cerate, Emplastr., Ungut. . 578 

Paraffin; Naphthalin 578 

12. Wachs, Cera flava, alba, -Ungut, Cerät. simpl. , Ungut, labiale u.a. 579 

Charta cerata; Wachstaffet, Sparadrap ; Bougies, Cereoli 580 

Chinesisches Wachs- (Pe-la), Japanisches, Ocuba-, Bicubia- s. Bicuhyba- 
Wachs ; Brasilianisches, Palm-, Carnauba Wachs; Myrtenwachs, 

Cera capensis 581 

Schöpsen-, Rindstalg, Sebum s. Sevum ovillum, bovinum ; Unschlitt . 581 

13. Schweinefett, -Schmalz, Adeps suillus, Axungia porci, 

-Specköl 581 

Hunde-, Gänse-, Dachs-, Bären-, Vipernfett ; Axungia medullae bovis, 

pedum tauri (Klauenfett, -Oel), Hirnfett (Cerebrin) u. a 582 

Butter, Butyrum (vaccinum) 582 

14. Kuhmilch, Lacvaccinums. vaccae 582 

Frauen-, Eselinnen-, Stuten-, Schaf-, Ziegen-, Büffelmilch .... 582 

Medicamentöse, saure, Buttermilch (Lac ebutyratum) 584 

Milch-Extract, -Pulver (Lactolin), -Conserve, -Syrup, -Chocolade . . 584 

Labkäse; Casein, Käsestoff 585 

15. Molken, Serum lactis, -dulce, acidum, dulcificatum u. a 585 

Kräuter-, medicamentöse Molken, Serum lactis citrat. , tartarisat., alu- 

minat., tamarindinat., vinosum, sinapinatum, carbonico-acidulum u. a. 585 



Inhalt. XXI 

Seite 

Molkencur; Molkenanstalten 586 

Kumiss. Krut 588 

16. Glycerin, Glycerinum, -Ungut 588 

c. Stärkm ehlhaltige Substanzen. Amylacea, Farinosa . . 590 

1. Stärkmehl, Amylum, -Kleister, Pappverband 592 

Stärkegummi, Dextrin, Leiocom 593 

2. Arrow-root, Amylum Marantae 593 

Tapioka, Cassa-vemehl ; Racahout 594 

3. Sago, Grana Sago s. Sagu 5^4 

Fibrin-, Portland-Sago ; Tarro, Ulluco's, Gomma de Bogota u. a. . . 595 

Trehala s. Tricala, Manna teeghu 595 

4. Weizen, Semen, Farina Tritici, -Mica panis, Panis tostus . . . 595 

Graupen, Grüze; Weizenkleber, Gluten Tritici, granulirter, Kleberbrod 595 

"Weizenkleie, Furfur Tritici; Kleienbrod, -Kuchen 596 

Roggen, Semen Seealis Farina, secalina; Roggenbrod; Kwas . . . 596 

Hafergrüze, Avena exeorticata; Hafercur 597 

5. Gerste, Semen, Farina Hordei, Hordeum mundat. , perlat. , Farina 

praeparata 597 

Malz, Maltum Hordei, -Decoct., Zeltchen, Extract 597 

Bierhefe, Fermentum s. Torula Cerevisiae; Hefenstein 598 

Reis, Oryza sativa, Reis-Content, -Chocolade, -Racahout 598 

Chenopodium Quinoa; Buchweizen; Hirse; Indisches Korn; Mais . 598 
Bohnen, Linsen, Erbsen, Kichererbsen ; Maronen, Kastanien (Palmyren) ; 

Eicheln, essbare; Brodbaum; Soja 598 

Ervalenta, Revalenta, Semola, Semolina u. a 599 

6. Kartoffeln, Tubera Solani, Kartoffelstärke, -Sago 599 

Helianthus tuberös. (Topinambur) ; Dahlia variabilis u. a. ; Conium 
Arracacha, Yamswurzel, Bunium Bulbocastanum, Bataten, Pisang, 

Bananen; Epilobium angustifol. u. a 600 

d. Gummi- und Pflanz enschleimhaltige Substanzen. Muci- 

laginosa . 600 

1. Arabisches Gummi, Gummi arabicum s. Mimosae, Pulvis . 601 

Pulvis gummös., Mucilago Gi arab., Syrup., Pasta gummös 602 

2. Traganth-Gummi, Gummi Tragacanthae, Bassoragummi, -Muci- 

lago 603 

Kutera-, Jeddah-, Pflaumen-, Kirschgummi, Gi laricis, uralense u. a. . 603 

3. Salep, Rad. Salep, -Mucilago, Gelatina . . . -. 603 

Quittensamen, Sem. Cydoniae, Mucilago 604 

Flohsamen, Sem. Psyllii ; Semen Chia, Salviae plebejae, Föni graeci . 604 

4. Eibisch, Rad., Fol. AI thaeae, -Syr., Spec. pectorales, Pasta, Ungut, u.a. 604 

Malve, Hb., Flor. Malvae, Rad. ; Hibiscus esculent., Urena lobata u. a. 605 

Rad. Symphyti s. Consolidae majoris ; Tragopogon pratens 605 

Wollkraut, Hb., Flor. Verbasci, Verbascum Blattaria, sinuatum . . 606 

Leinkraut, Hb. Linariae, Ungut 606 

Riedgraswurzel, Rad. Caricis arenariae 606 

5. Quecken-, Graswurzel, Rad. Graminis, P^xtract, Mellago . . . 606 

Rad. Graminis italici s. Dactylonis, Arundinis Donacis, vulgaris, Cannae 

Gargannae 606 

Klettenwurzel, Rad. Bardannae, -Oel, Tinct 606 

6. Perlmoos, Fucus crispus s. Carragheen, -Gelatina .... 606 

Ceylonmoos ; Sphaerococcus gelatinös., cartilagineus, Chondria obtusa u. a. 607 

Flussschwamm, Spongia fluviatilis; Conferva rivularis 607 

7. Wurmmoos, Helminthochorton, Corsisches Moos 608 

e. Zucker, Süsssto ff e und Substanzen reicher an solch en wie 

anPectinkörpern, Pflanzensäuren 608 

1. Rohrzucker, Saccharum (commune s. album, Betae) . . . . 613 



XXII Inhalt. 

Seite 

Kandis, Sacchar. Candi; Syr. simpl., Rotnlae Sacchari 614 

Melasse. Syr. hollandic. s. communis; Gerstenzucker, Karamel . . . 614 

Milchzucker, Saccharum Lactis, Lactin 615 

2. Manna, -tabulata, Syr.; Mannazucker, Maunit 615 

Manna australis, tamariscina, Alhagi, laricina, brigäntina u. a. . . . 616 

3. Honig, Mel, -despumat., rosat., Oxymel, Sapo mellis 616 

4. Süssholz, Rad. Liquiritiae, -Succus, Extract., Pulv., Pasta, Elixir u. a. 618 

Pulpa Cassiae, Siliqua dulcis, Bignoniae Catalpae, Caricae, Dactyli, Ju- 

jubae, Myxae s. Sebestanae 618 

Leyssera gnaphalioides; Cyclopia genistoides 619 

Rad. Polypodii, Calagualae, Trifolii alpini, Abri precatorii, Dauci (Ca- 

rote), Apii (Sellerie, Petersilie), Sisari (Zuckerwurzel), Pastinak u. a. 619 

5. Tamarinden, Fructus Tamarindi, -Mus, Roob, Molken .... 619 

6. Flieder-, Hollundermus, Roob Sambuci ......... 620 

Sambucus racemosa; Baccae Ebuli, Syr. Sambuci 620 

Pflaumenmus, Pulpa Prunorum; Fruct. Pruni siccati 620 

Kirschen, Cerasa acida, dulcia, -Aq. , Succus, Syr. Cerasorum; Nuclei 

Cerasorum 620 

Himbeeren, Baccae Rubi idaei, -Aq., Acet., Syr., Saccus .... 621 

Brombeeren, Johannis-, Maulbeeren, Berberizen, Hagenbutten . . . 621 

7. Weintrauben, Uvae, Traubencur; Curorte 621 

Trauben-, Lippenpomade, Ungut, ad Labia de Uvis 623 

Passulae majores, minores, Zibeben, Rosinen 623 

Extract. Pampinarum Vitis ; Omphacium ; Thränenwasser 623 

Stachel-, Heidel-, Preusel-, Moos-, Erdbeeren ; Ananas, Cocosnuss, Wun- 
derbeere ; Birnen , Aepfel, Quitten ; Pfirsiche, Apricosen ; Kappern ; 
Schwarzwurzel, Scorzonera hispanica , Anchusa, Borago, Pulmonaria 
Cynoglossum officinal. : Spargeln , Turiones Asparagi (Syr. , Extr., 

Asparagin) 623 

Hb. Capilli Veneris (Syr.), Scolopendrii s. Linguae cervinae .... 624 
Pilze, essbare, Trüffel, Morchel, Champignon, Reizger, Mousseron u. a. 624 
Succi recens expressi ; Urtincturen , Extr. fluida, Syr. Succi Herbarum 624 
Kresse, Gurken, Gartensalat, Endivie, Kohl, Gartenmelde, Spinat, Por- 
tulak, Rüben. Birkenblätter 625 

Dreizehnte Classe; Wasser. Mineralwasser 625 

I. Wasser 625 

Aqua destillata, communis (fontana, ex puteo, flumine, pluvialis, nivalis) 625 

Wirkungen 626 

Gebrauch. Reinigen, Filtriren 631 

II. Mineralwasser (Pegologie) 632 

Temperatur, Bestandtheile, Classification 633 

Wirkungen 636 

Gebrauch, Trink-, Bade-, Inhalationscuren ; Curdiät 637 

A. Salinische, alkalische Wasser; Säuerlinge; Neutrale 

Thermal was s er 642 

a. Wasser mit überwiegendem Gehalt an Chlormetallen, Chlorna- 

trium: Soolen, muriatische Wasser 645 

1. Kochsalzquellen, Salzsoolen ; Mutterlauge, Dampfbäder . 645 

2. Salinisch- oder muriatisch-alkalische Wasser 647 

3. Meerwasser, Seebäder ; Schlammbäder 648 

b. Bitter- und Glaubersalzhaltige Wasser, Bitterwasser .... 651 

1. Reine. 2. Gemischte (alkalische, muriatische) ... 651 

c. Erdige Wasser. 1. Thermen. 2. Kalte Wasser 653 

* d. Alkalische Wasser und Säuerlinge, Natronsäuerlinge, Sodawasser 654 

1. Thermen. 2. Kalte kaiische Wasser (Inhalationen; Vichy-, 

Biliner Zeltchen) 654 



Inhalt. XXin 

Seite 

e. Einfache Säuerlinge, Sauerbrunnen, Carbonatische Wasser . . 657 

f. Neutrale (indifferente) Thermalwasser 658 

B. Schwefelwasser, Hepatische Wasser, warme, kalte . . 659 

C. EisenhaltigeWasser, Stahlquellen (Eisensäuerlinge), alkalische, 

salinische Eisensäuerlinge, einfache kohlens. Eisenquellen, gemeine 663 

Vierzehnte Classe. Physikalische Agentien, Impondera- 
bilien, Dynamide 667 

I. Wärme 668 

Strahlende Wärme, Sonnenwärme, Insolatio 674 

Glühhize, Cauterium actuale, Glüheisen, Moxa, Wasserdampf u. a. . 675 
Trockene Wärme , Frictionen , warmes Luft-, Gasbad, Incubationsappa- 

rate, Räucherungen 676 

Feuchte Wärme, Dampfbad, Douche, Inhalationen, Fomente u. a. . . 678 

Warmes Voll-, Theilbad, Douche, Injection 685 

Warmes Getränke 688 

II. Kälte 688 

Trockene Kälte, kalte Luft, Eis, Schnee, Gefriermischungen .... 695 

Kaltes Wasser als Getränke 699 

Kaltes Bad, Entwicklung, Umschlag, Injection, Begiessung, Douche . 699 

Kaltwassercur, Hydrotherapie, Hydriatrik 709 

Kaltwasseranstalten 718 

III. Licht, Dunkelheit 718 

IV. Electricität, Magnetismus 720 

a. Gemeine oder Frictions- , Reibungs-Electricität 721 

b. Galvanismus, Contact-Electricität, Voltaismus 724 

Galvanocaustik ; Acupunctur, Perkinismus, Electro-, Galvanopunctur . 728 

c. Inductions-Electricität, Faradismus ; Magnet-Electricität, Electromagne- 

tismus 730 

Electro- (galvano-, volta-) magnetische, electro-electrische Inductions- 

apparate ; magneto-electrische Rotationsapparate u. a 730 

Localisirte Electrisation s. Galvanisation, Faradisation 732 

d. Magnetismus, Mineral-Magnetismus 733 

Thierischer Magnetismus, Mesmerismus ; Hypnotismus 734 

Hygieinisch-diätetische Curmittel 735 

I. Krankendiäten 735 

1. Pflanzenkost, vegetabilische Diät 736 

2. Milchdiät 737 

3. Nahrhafte, plastische, restaurirende Diät; thierische Kost 739 

4. Unzureichende Kost, Entziehungs-, Abstinenz-, Hungercur .... 741 
Trockene, arabische Diät, Durstcur, Semmelcur . 743 

II. Climatische und Luftcurorte 743 

Verdichtete Luft, Bäder in comprimirter' Luft ; Luftdouche u.a. . . 749* 

Verdünnte Luft, luftleerer Raum, Hämospasie, Schröpf Stiefel . . . 750 

III. Körperbewegung, active, passive, Gymnastik, Massiren u. a. . . . 750 

Schwedische Heilgymnastik, Kinesiatrik 754 

IV. Geistige Mittel 756 

Formeln 759 

Chemischer Nachweis der einzelnen Stoffe ; Testmittel und Reactionen 775 



Oefter benüzte Abkürzungen und Bezeichnungsweisen *. 

Aq., Wasser; C, Kohlenstoff; CH, Kohlenwasserstoff; Cl, Chlor; CO 2 , Koh- 
lensäure; Cort. , Cortex; D. Dosis; Extr. , Extractum; Gtt., Guttae, Tropfen; H, 
"Wasserstoff; Herb., Herba; J, Jod; N, Stickstoff; 0, Sauerstoff; offic, officinell; 
P, Ph., Phosphor; Pil., Pilulae; Ppt., Präparate; Pulv., Pulvis; Rad., Radix; S, 
Schwefel; SH, Schwefelwasserstoff; St., Stunde; Tct, Tinct., Tinctura. 



t Obgleich dieselben grösstentheils die gewöhnlichen z. B. der Chemie sind und auch die 
andern sich fast von selbst verstehen, schien es doch passend hier den Schlüssel dazu zu geben. 



Druckfehler. 



Seite 19 


Linie 5 


„ 51 


n ^ 


» 52 


n 7 


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„ 386 


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„ 392 


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„ 399 


„ 11 


„ 500 


„ 8 


„ 564 


n 12 


„ 597 


; 28 


„ 800 


„ 21 



von unten Testmittel statt Tastmittel. 

„ oben Metalloide statt Matalloide. 

„ „ therapeutische statt therapeutische. 

„ „ Alkalien statt fixe Alkalien. 

„ „ Kalischwefelleber statt Kalkschwefelleber. 

„ „ Gratiolacrin statt Gratiolaemin. 

„ „ Tenerife statt Tenefe. 

„ „ Lyttae statt Lythae. 

„ „ Cutarnin statt Cotarein. 

„ „ Mucilago statt Macilago. 

„ „ Farina statt Farini. 

„ unten Porphyroxin statt Phorphyroxin. 



Allgemeiner Theil. 

I. Begriff und Inhalt der Heilmittellehre. 

1. "War im lebenden Körper eine derartige Veränderung eingetreten, 
dass wir denselben krank nennen, so tritt Heilung, d. h. Rückkehr zum 
gesunden physiologischen Zustand gewöhnlich ganz von selbst ein. Denn 
der lebende Organismus ist befähigt und sogar allein geeignet, seine Stö- 
rungen oder Krankheiten wenn möglich wieder auszugleichen. Man braucht 
ihm nur die nöthige Hülfe von aussen und vor Allem die nöthigen Stoffe 
zu geben, dann schafft er selber das Nöthige damit, und tausendmal sicherer 
als jedes menschliche Kunstwerk. Nur in diesem Sinn kann all unsere 
Kunst, z. B. je nach Umständen eine passendere Gestaltung der Nahrungs- 
und Lebensweise, der Temperatur und atmosphärischen Luft, des Clima jene 
Heilung fördern helfen; in andern Fällen dagegen eine mechanische Ein- 
wirkung, ein Verband, Schnitt u. s. f. All diese Nachhülfen können inso- 
fern Heilmittel heissen. Denn , zum Heilmittel wird Alles was Heilung 
vermittelt, d. h. die zur Wiederherstellung des Normalzustandes führenden 
Processe irgendwie fördert, und eine möglichst umfassende Heilmittellehre 
(Jamatalogia, Jatreusologia) müsste daher auch all jene Kunsthülfen aufnehmen. 
Um jedoch deren Umfang näher zu umgrenzen, werden dieselben theils der 
Diätetik, der Hygieine, theils der Chirurgie und Geburtshülfe zugewiesen. 

Heilmittel im engern medicinischen Sinn oder Arzneimittel (Medica- 
menta, tpaq/iaxa) nennt man Stoffe, deren sich die Aerzte seit jeher vor- 
zugsweise bei Behandlung ihrer Kranken bedienen. Es sind meist eigen- 
thümliche, dem Körper fremdartige und oft höchst feindliche Substanzen, 
von deren Gebrauch der gesunde Mensch sich ferne hält, die man aber 
Kranken auf irgend einem Weg in der Absicht des Heilens, Linderns ein- 
verleibt, oder welche, wenn sie auch blos äusserlich einwirken, dies nicht 
auf einfach mechanische Weise thun. 

Dadurch unterscheiden sie sich von chirurgischen Heilmitteln, die zunächst 
mechanisch einwirken; Nährstoffe, Alimente aber heissen zum Unterschied von 
Arzneistoffen solche von aussen eingeführte Stoffe, welche dem Körper ein unent- 
behrliches Bedürfniss und im Stande sind, als Ersazmittel seiner beständigen 
Substanzverluste zu dienen, während Arzneistoffe in's Blut übergetreten rein zu- 
fällige, fremdartige Bestandteile desselben bilden, und deshalb sofort wieder aus- 
geschieden, nie wirklich assimilirt werden. Im Laufe der Zeit hat man alle mög- 
lichen Mittel und Wege eingeschlagen , um Kranke zu heilen , ihre Leiden zu 
lindern. Alle Naturkörper und Kräfte , alle Zweige des Wissens und Könnens 
wurden für dieses höchste Ziel der Medicin in Anspruch genommen, besonders 
die Naturwissenschaften; und all diese Zweige, soweit sie obigem Zweck dienen, 
bilden zusammen die Heilkunde, Therapie. Die Agentien und Mittel selbst aber, 
deren sich der Arzt bedient, zerfallen in 1. Diätetische, hygieinische 
7. Aufl. 1 



2 Begriff und Inhalt der Heilmittellehre. 

Mittel: betreffen Kegulirung der Nahrungsmittel und Getränke, Körperbewegung 
wie des geistig-sittlichen Lebens, der Luft, Temperatur, der ganzen äussern Umge- 
bung u. s. f. Insofern sie zum Theil in physicalischen Agentien bestehen, wie Wärme, 
Licht, Kälte, Electricität u. s. f., bilden sie die medicin. Physik. 2. Mechanisch 
wirkende Mittel : bilden die chirurgische, geburtshülfliche Therapeutik, sei es dass 
besondere Werkzeuge und Apparate oder die einfache Hülfe der Hand benüzt 
werden. 3. Pharmaceu tische Mittel, Arzneistoffe, die, wenn sie über- 
haupt wirken, dies besonders vermöge ihrer chemischen Bestandteile und Eigen- 
schaften thun. 

2. Der Begriff eines Arzneimittels ist indess kein wissenschaftlich abzu- 
grenzender, kein objectiv begründeter und richtiger. Denn derselbe gründet 
sich nicht auf ein Verständniss der Eigenschaften und Wirkungen jener 
Stoffe oder der Krankheiten, gegen welche man sie richtet, sondern blos 
auf die einmal beliebte Anwendung jener Stoffe, auf ihre grossentheils nur 
hypothetisch und willkürlich angenommenen, nicht aber festgestellten Dienste 
bei Kranken. 

Weil die Anwendung fast aller Arzneistoffe eine rein empirische ist, ohne 
sich gewöhnlich auf wirklich verstandene und erwiesene Wirkungen zu gründen, 
sezt der Begriff »Arzneimittel« nicht blos ein zu Heilendes , d. h. eine Krankheit 
voraus, sondern auch einen Heilkünstler, der von der Einwirkung seiner Mittel 
die Genesung eines Kranken mit Recht oder Unrecht ableiten will. Auch wäre 
es vergeblich , eine wissenschaftliche Abgrenzung zwischen Arzneistoff und diätet. 
oder chirurgisch-mechan. Mitteln zu versuchen. Gibt es doch z. B. eine Menge 
von Uebergängen zwischen Arznei- und Ersazstoffen oder Nahrungsmitteln, Ge- 
würzen , z. B. Molken , Kochsalz, Essig, Zucker, Kaffee, Thee, Pfeffer. Auch die 
Mineralwasser halten die Mitte zwischen diätetischen, Mitteln einerseits und Arznei- 
stoffen anderseits; ja das reine Quellwasser selbst kann durch zweckgemässe Art 
seiner Anwendung, seine Temperatur u. s. f. zum besten Heilmittel werden. Wenn 
Milch, Stärkmehl, Eiweiss, Fette u. dergl. im gewöhnlichen Leben genossen wer- 
den, heissen sie Alimente, werden sie Kranken gereicht, Arzneistoffe. Man nennt 
Stärkmehl, Kleber, Eiweiss, Zucker Alimente, und doch sind sie allein für sich 
so wenig als ein Arzneistoff im Stande, den Körper in seiner Integrität zu er- 
halten ; und umgekehrt wirken Arzneistoffe wie Carrageen , Leberthrau u. a. er- 
nährend. Pepsin spielt bei jeder Magenverdauung eine wesentliche Rolle; bei 
Kranken angewandt nennt man es ein Heil- oder Arzneimittel. Aderlass, Blutegel 
gelten als mechanische, chirurgische Mittel; und doch wirkt nicht die Oeffnung 
von Blutgefässen an sich als »heilendes« Moment, sondern die Entziehung einer 
gewissen Blutmenge ; ihr kann aber derselbe Einfluss auf Mischung und Bewegung 
der Blutmasse, auf Eigenwärme u. s. f. zukommen, welchen Kälte, Säuren, manche 
Narcotica oder Salze äussern mögen. 

3. Ebenso unmöglich ist es, den Begriff Gift wissenschaftlich festzu- 
stellen und von dem des Heilmittels oder Nahrungsmittels im Sinn des 
gewöhnlichen Sprachgebrauchs abzugrenzen. Zwar verbindet man mit Gift 
wesentlich das Stattfinden einer schädlichen, dem Leben feindseligen Wir- 
kung; Gift wäre somit der Gegensaz von Heilmittel, und ein um nichts 
weniger teleologischer Begriff. Doch sind beide, Arznei wie Gift an sich 
und in stofflicher Hinsicht gleich; es sind meist der chemischen Zusammen- 
sezung des Bluts und der Organe fremdartige Stoffe, welche somit statt 
die Ernährung, überhaupt den regelrechten Hergang in unserer Oeconomie 
zu fördern, denselben vielmehr stören, und insofern auch nicht in den 
Körper gehören. 

Nur Substanzen wie die sog. biogenen oder Nahrungsstoffe, welche vermöge 
ihrer chemischen Beschaffenheit zu integrirenden Bestandtheilen des Bluts, der 
Organe werden können, unterhalten und fördern wirklich das Leben. Alle Stoffe, 
welche dies nicht können, mögen sie nun Arznei oder Gift heissen, können in 
den Körper, in welchem sie nicht bleiben sollen, nicht eintreten, ohne dort hef- 
tigere oder leichtere Störungen zu bewirken, indem sie bald diese bald jene phy- 
sischen Bedingungen, an welche die Lebensphänomene einmal gebunden sind, 



Begriff und Inhalt der Heilmittellehre. 3 

ändern. 1 Arzneistoffe wie Gifte stehen insofern dem lebenden Körper gegenüber 
auf gleicher Stufe; ja fast alle Gifte sind zugleich Arzneistoffe, und dieselbe Dosis 
eines Stoffs, welche diese oder jene Krankheitssymptome beschwichtigend »Heil- 
mittel« heisst, kann einen andern Kranken oder einen Gesunden tödtend »Gift« 
heissen. Selbst die heftigsten Gifte wie Arsenik, Blausäure werden von Pferden, 
Schafen, unter Umständen auch von Menschen schadlos verzehrt, und können bei 
Kranken nüzlich wirken. Viperngift, auch kleine Mengen Curara, Pfeilgift, welche 
durch Wunden direct in's Blut gebracht so furchtbar wirken, werden vom Magen 
aus gut vertragen, weil sie hier nur sehr langsam in's Blut übergehen. Auch Koh- 
lensäure ist schadlos im Magen, selbst direct in's Blut gebracht, und wenn ein- 
geathmet ein »Gift«, sobald nicht die mit CO 2 geschwängerte Luft die zum Athmen 
nöthige Menge enthält. 

Trozdem brauchen die Begriffe Gift, Heilmittel, Arznei nicht aufgelöst oder 
zusammengeworfen zu werden ; selbst die Thatsache, dass unsere kräftigsten Heil- 
mittel auch Gifte werden können und umgekehrt 2 , gibt für ihre Unterscheidung 
im hergebrachten Sinn noch keinen Widerspruch ab. Wir müssen nur festhalten, 
dass sich jene Namen und Begriffe keineswegs auf eine Verschiedenheit der Stoffe 
sondern ihrer jeweiligen Wirkungsgrade beziehen. 

4. Diejenige Doctrin, welche sich mit den Arzneistoffen beschäftigt, 
heisst Arzneimittellehre, eigentliche oder medicinische Heilmittellehre, Phar- 
macologie, auch Materia medica. Als Wissenschaft lehrt sie die Eigenschaften 
und Wirkungen jener Stoffe, als Kunst die Regeln ihrer Anwendungsweise. 

Das Gebiet der Heilmittellehre lässt sich nicht genau begrenzen, eben weil 
der Begriff Heilmittel, Arzneistoff kein objectiv bestimmter und wissenschaftlich 
richtiger ist. Es bleibt so der Willkür überlassen , wie weit man ihre Grenzen 
stecken will ; auch scheint es am gerathensten, hier alle zu Heilzwecken benüzten 
Stoffe und Mittel abzuhandeln, welche in andern Doctrinen der Medicin nicht 
oder flüchtig zur Sprache kommen. Dies ist aber in einer Zeit wie die unsrige 
um so nothwendiger , je mehr noch da und dort der Werth der Arzneistoffe am 
Krankenbett überschäzt wird , jeglicher Wissenschaft und Erfahrung zum Troz 3 . 

Denn zum Unglück sind Volk und Aerzte seit jeher, leztere zumal seit den 
alten Arabern und Alchemisten, von welchen ein gut Theil des Arzneischazes her- 
stammt , zu der Ansicht gekommen , Arzneistoffe seien die besten Waffen gegen 
Krankheiten; und noch heute sieht man oft im Verordnen solcher das Hauptge- 
schäft, während man die unendlich wichtigern Mittel der Diätetik und Gesund- 
heitspflege, einer tüchtigen Präventive vernachlässigt. Was dies aber heissen will, 
mag schon aus folgendem Beispiel erhellen. Gewisse saure, herbe, scharfe, bittere, 
metallische Stoffe u. dergl. galten erst beim Volk, dann wie immer bei Aerzten 
als Mittel, welche Scorbut sollten heilen können. Seit man weiss, dass Scorbut 
die Folge von unzureichender Nahrung, schlechter Luft und hundert Mängeln 
sonst ist, dass anderseits jenen Mitteln so gut wie kein positiver Einfluss auf 
Verlauf und Ausgang des Leidens zukommt, ist man von diesen Illusionen zurück- 
gekommen , und als wirkliche Antiscorbutica gelten jezt vielmehr Versorgung der 
Schiffe , der Armeen , Gefangenen u. a. mit ausreichender Nahrung, reiner Luft, 
dazu Reinlichkeit, Meiden jeder Erschöpfung, kurze Fahrten u. s. f. 

Ueber die Bedeutung und Dienste unserer Arzneistoffe dürfte wohl unter 



1 Vergl. Cl. Bernard, lecons sur les effets des substances toxiques & medicales Paris 1857. 

2 „Ubi virus ibi virtus" sagt ein alter Saz , und nicht minder gilt umgekehrt „ubi virtus ibi 
virus." Ja gerade die wirksamsten Arzneistoffe sind die dem Körper feindseligsten, d. h. Gifte; 
um in ihm überhaupt wirksam zu sein, müssen sie denselben auch krank machen können. 

3 Diese Ansicht wird kaum zu gewagt erscheinen , wenn wir die Reihe ganz verschiedener 
Stoffe überblicken, welche sämtlich dieselbe Krankheit heilen, und all die Krankheiten, welche 
durch dasselbe Mittel geheilt weiden sollten; wenn wir das Widersprechende so vieler Erfah- 
rungen über ihre Dienste und die Thatsache beherzigen, dass die unendliche Mehrzahl Kranker 
auch ohne derartige Heilmittel ebenso gut genesen kann. Nur z. B. bei Cholera sind im Lauf 
der lezten Jahre oft als specifische Mittel gerühmt worden: Calomel, Sublimat, Silbernitrat, essig- 
saures Blei, Cyan, Zink, Eisensalze, Kalk, Ammoniak, Alkalien und Salze, Alaun, Chlor, Brom, 
Schwefel, Schwefelsäure, Chinin, Gallussäure, Kino, Kreosot, Branntwein, Opium, Brcchnuss, 
Brechmittel, Zucker, Ricinus-, Crotonöl, heisses Luftbad, Sauerstoff- und Lustgas, Injectioneu 
von Wasser in Haut und Bauchhöle, von Soda und Kochsalz in Venen. Doch sterben überall 
von leichtern Kranken 30, von schwerern 40°/ und mehr. Der beste Beweis aber, dass die 
Aerzte selber ihre Mittel immer wieder unwirksam finden , ist der, dass sie immer nach andern 
suchen; deshalb gibt es um so mehr Heilmittel gegen eine Krankheit, je unheilbarer dieselbe ist. 

1* 



4 Begriff und Inhalt der Heilmittellehre. 

gebildeten Aerzten kaum mehr eine wesentliche Verschiedenheit der Ansichten 
stattfinden, mag auch die alte Schule noch immer ihre besoudern Mittelchen und 
Specifica gegen jede Krankheit haben, und oft in den harmlosesten oder schäd- 
lichsten Substanzen die wunderbarsten Heilkräfte verehren. Gerne vergleicht sie 
dieselben mit den Werkzeugen eines Künstlers, während doch der lebende Körper 
keineswegs nach Art menschlicher Machwerke auf jedem Schritt einer besondern 
Nachhülfe bedarf, und solche durch Arzneien jedenfalls am wenigsten erhalten 
könnte. Sein Gang ist ja selbstständig, und zum Glück schon durch das Getrieb 
seines eigenen Werkes gesichert genug. Auch wird sich ein mit diesen Vorgängen 
im lebenden Körper Vertrauterer hüten, direct auf ihren Gang einwirken und sie 
ändern zu wollen; vielmehr wird seine Absicht nur darauf gehen, einen gewissen 
indirecten Einfluss auf sie auszuüben, und sie durch Herstellung der günstigsten 
Verhältnisse, durch Beseitigung dieser und jener Hindernisse in Stand zu sezen, 
dass sie sich selbst in der gewünschten Weise umgestalten. Aerzte wie ihre 
Kranke mögen Grund genug haben zu wünschen, die und die Heilwirkungen direct 
erzielen zu können ; Wirkungen aber, welche allen constatirten Gesezen der Natur 
wie der Erfahrung widersprechen, sind nicht zu glauben. Mögen auch einige 
Arzneistoffe oft genug von Nuzen sein, um Krankheiten wirklich heilen zu gönnen, 
müssten sie dasjenige ersezen, was dabei verloren gegangen, oder zur Norm zurück- 
führen, was dabei in den Functionen, den Processen des Körpers verändert und 
gestört ist. Können wir diese Leben und Gesundheit schaffenden Kräfte einem 
Arzneistoff zutrauen? Schon Hippocrates nennt vielmehr die Natur ((pvaig) den 
Arzt der Krankheiten , und dasselbe sagt der alte Saz : »medicus curat , natura 
sanat morbos«. Denn Kranke behandeln und gesund werden lassen heisst nicht 
sie heilen; und lässt sich mit Arzneien nicht einmal ein Schnupfen wegschaffen, 
wird dies bei Pneumonie, Typhus oder Scrofulose u. s. f. doch noch weniger zu 
glauben sein. Mit all Dem ist indess, wie schon aus Obigem erhellt , keineswegs 
ausgeschlossen, dass wir nicht sehr Vieles nüzen können durch Unterstüzung der 
Natur, durch Beseitigung oder Lindern gar mancher Störungen und Beschwerden. 
Auch ist zum Glück Therapie nicht identisch mit Recepten , Specificis und Poly- 
pharmacie , so wenig als Chemie mit Alchemie und Astronomie mit Astrologie. 
Mag auch dasjenige, was wir Kranken Positives leisten können, immer sehr wenig 
sein im Vergleich zu Demjenigen, was ihre eigene Natur leisten muss, eine mög- 
lichst rationelle Nachhülfe ist doch gewiss nüzlich genug. Das Licht, die Wärme, 
die wir durch unsere Kunst herzustellen vermögen , ist gleichfalls nur winzig im 
Vergleich zu denen, welche die Sonne auf unsern Erdball herabsendet; trozdem 
können wir dadurch zu unserem Heil Kälte in Wärme, Nacht in Tag verwandeln, 
und uns da forthelfen, wo uns die Natur im Stiche lässt. 

5. Die Arzneimittellehre umfasst drei Gebiete: 1. Arzneiwaarenkunde, 
Droguenlehre, Pharmacognosie : lehrt die Arzneistoffe an sich als Naturkörper 
kennen, ihre Abstammung, natürlichen, physicalischen und chemischen Eigen- 
schaften. 2. Pharmacie, Pharmaceutische Chemie: lehrt Zusammensezung, 
Bereitung, Aufbewahrung und Verabreichung der Medicamente. 3. Medicinische 
Pharmacologie und Therapeutik im engern Sinn: lehrt die Wirkungen der 
Stoffe, desgleichen die Art und Weise, wie man sich dieser Wirkungen be- 
hufs des Heilens zu bedienen hat. 

Die Arzneiverordnungslehre, Receptirkunst , Formulare, lehrt die Formen, 
Verbindungen und Gaben, in welchen Arzneistoffe zu verordnen. Pharmacopöen 
und Dispensatorien endlich geben eine Auswahl der Arzneistoffe, der rohen oder 
natürlichen wie zubereiteten, nach dem Bedürfniss der Einwohner, Aerzte und 
Apotheker eines Landes. 

IL Eigenschaften und Wirkungsweisen der Arzneistoffe. 

6. All die äussern Einflüsse und Stoffe, welche man zu therapeutischen 
wie diätetischen Zwecken verwendet, gehören theils den sog. Imponderabilien, 
theils der organischen und anorganischen Natur an, oder sind doch aus 
solchen auf chemischem Wege dargestellt worden. Ihre für uns hier wich- 
tigsten Eigenschaften aber, .soweit sie aus ihrem Verhalten, aus gewissen 



Eigenschaften und Wirkungsweise der Arzneistoffe. 5 

Erscheinungen an ihnen selbst oder an andern Körpern, auf welche sie wir- 
ken, bekannt geworden, lassen sich auf physicalische, chemische und äusserlich 
formelle oder allgemein naturhistorische zurückführen. 

7. Als physicalische, beziehungsweis mechanische Eigenschaften gelten 
Form, Dichtigkeit, Aggregatzustand, Cohäsion, Löslichkeit, Schwere und Be- 
wegung, Diffusionsgeschwindigkeit oder Diffusionsvermögen, sog. endosmoti- 
sches Aequivalent der Stoffe, ihre Temperatur, electrische, magnetische Eigen- 
schaften 1 wie Farbe u. a. Besonders jene erstem äussern auf die Wirkungs- 
weise der Stoffe grossen Einfluss. So wirken flüssige oder leicht lösliche 
Substanzen ungleich rascher, intenser denn andere; Gase werden wenn ein- 
geathmet je nach ihrer Flüchtigkeit und Löslichkeit im Blut von diesem 
bald mehr bald weniger aufgenommen ; Substanzen, welchen eine höhere oder 
niedrigere Temperatur als diejenige der berührten Körpertheile zukommt, 
vermehren oder mindern deren Eigenwärme, und zwar verschieden je nach 
ihrer eigenen Wärmecapacität 

Form, Färbung äussern wenig Einfluss auf die Wirkungsweise der Stoffe, 
erstere nur insofern, als sie zumal bei festen, unlöslichen Körpern deren mecha- 
nische Einwirkung mit bedingen hilft 2 ; auch die Färbung scheint ohne Einfluss 
auf die Wirkungen der Arzneistoffe. Nichtsdestoweniger spielten Form, Farbe 
und ähnliche in die Augen fallende Eigenschaften in den kindischen Zeiten der 
Heilmittellehre eine grosse Rolle (Lehre von den Signaturen), und noch jezt 
haben sich Reminiscenzen davon erhalten. Gelbe Stoffe sollten bei Gelbsucht, 
rothe bei Blutungen, Hämorrhoiden Treffliches leisten, Lithospermum bei Steinbe- 
schwerden, die Knollen der Orchideen bei Krankheiten der Testikel, diejenigen 
der Ficaria ranunculoides bei Hämorrhoidalknoten, während Aristolochien auf die 
Gebärmutter, Pulmonaria auf die Lungen, Mohnköpfe auf den Kopf wirken sollten. 
Wichtiger sind Geruch und Geschmack, wie sie durch Einwirkung der Stoffe auf 
unsere chemischen Sinnesorgane Zustandekommen; sie selbst gelten schon viel- 
mehr als chemische denn als physicalische Eigenschaften der Stoffe, wie denn 
überhaupt genannte Eigenschaften vielfach in einander übergehen und auf ein- 
ander wirken. So wirken Substanzen mit widrigem Geschmack häufig Eckel- und 
Brechenerregend, saure Stoffe kühlend, bittere stärkend, herbe adstringirend, 
Stoffe von starkem würzigem Geruch flüchtig erregend, übelriechende öfters krampf- 
stillend, beruhigend. 

8. Von allen Eigenschaften der Medicamente sind für deren Wirkungs- 
weise ihre chemischen, ihre elementare Zusammensezung und die Art der 
Gruppirung ihrer Elemente ganz besonders massgebend. Denn ihre Wirkungen 
hängen vorzugsweise von den gegenseitigen Beziehungen ab, in welche Arz- 
neistoffe und ihre Bestandtheile zu den Stoffen des Körpers treten; auch 
unterscheidet man jezt bei zusammengesezten Substanzen mehr und mehr 
die Wirkungen, welche deren einzelnen Bestandteilen angehören, z. B. in 
narkotischen die lähmende Wirkung der Alkaloide, die reizende ihrer schar- 
fen Bestandtheile, Säuren u. a. Wie homologe, d. h. übereinstimmend zu- 
sammengesezte Verbindungen, organische wie unorganische, in ihren Eigen- 
schaften überhaupt übereinzustimmen pflegen, zeigen sie auch sehr häufig 
ähnliche Wirkungen: so z. B. Säuren, Alkalien und ihre Salze, Salzbildner 
wie Chlor, Jod, Brom; ferner Gerbsäurehaltige Substanzen, Harze, Substanzen, 
welche ätherisches Oel, Aether, Weingeist oder vielmehr Alcoholradicale (Aethyl, 
Methyl, Amyl), Säureradieale (Formyl, Acetyl, Benzyl) u. dgl. enthalten. 
Fast in allen narcotischen Pflanzenstoffen, auch in vielen bittern finden sich 
als wirksamste Bestandtheile N haltige Alkaloide und basische Stoffe sonst, 



1 Nach Rhind sollten Eisen, Mangan sogar im Körper durch ihre magnetischen Eigenschaften 
wirken, dagegen Antimon, Wismuth, Blei, Quecksilber, Arsen u. a. als sog. diamagnetische 
Körper. Auch fast alle thieri sehen Gewebe sind diamagnetisch (Faraday), vor allen die Nerven 
(Brunner, De la Rive). 

2 Glaubersalz z. B., Magnesie und ihre Salze pflegen um so stärker abführend zu wirken, 
je feiner vertheilt sie sind. 



q Eigenschaften und Wirkungsweise der Arzneistoffe. 

desgleichen in scharf reizenden Pflanzenstoffen mit scharfen Harzen und 
Extractivstoffen. Selbst die procentarische Zusammensezung aus 0, H, C, 
und N kommt bei ähnlich wirkenden Substanzen oft überein. So tiberwiegt 
bei den meisten flüchtigen Excitantien der H, bei bittern Mitteln C, bei 
narkotischen N und C, während bei indifferenten organischen Substanzen, 
bei sog. C Hydraten wie Stärke, Gummi, Zucker u. a. jene Grundstoffe in 
einer Art Gleichgewicht unter einander zu stehen pflegen. 

Diese Säze sind jedoch nichts weniger als durchaus gültig, wie schon die 
isomerischen Körper mit ungleichen Eigenschaften bei gleicher Zusammensezung 
beweisen. Auch kommt es ja bei den Wirkungen der Medicamente weniger auf 
deren chemisches Verhalten an sich und zu andern Stoffen als vielmehr auf ihre 
Beziehungen zu den Stoffen und Vorgängen im lebenden Körper an. Gerade diese 
letztern sind uns aber grossentheils unbekannt; wir wissen z. B. nicht, warum 
eigentlich Arsen, Chinin, Alcohol, Morphin u. s. f. so und nicht anders in unserer 
Oeconomie wirken, warum Queksilber Speichelfluss und Cantharidin Hautentzün- 
dung macht. Baryt, Strontian, Kalk stehen sich in chemischer Hinsicht ganz 
nahe, ihre Wirkungsweise ist höchst verschieden; dasselbe gilt von Bitter- und 
Thonerdesalzen, von Jod und Brom. Chinin, Morphin zeigen in ihrer chemischen 
Zusammensezung grosse Aehnlichkeit ; Chinin (C 40 H 24 N 2 O 4 ) und Cinchonin 
(C 40 H 24 N 2 O 2 ) sind fast gleich, Morphin und Piperin ganz gleich zusammenge- 
sezt, und doch wirken sie mehr oder weniger verschieden 1 ; Theobromin, die 
N reichste Base, die wir kennen, wirkt trozdem nicht giftig. Arsen und all seine 
Verbindungen wirken giftig; doch in Verbindung mit Methyl (C 2 H 3 ), welches 
seine chemischen Beziehungen zu Stoffen des Bluts, der Organe aufheben mag, 
als Kakodylsäure wirkt es nicht als Gift, während Kakodyloxyd, nur um 2 Aeq. 
ärmer, einer der deletärsten Körper ist. Ueberhaupt kann die Wirkung, zumal 
die örtliche eines Hauptstoffs durch seine Verbindung mit andern Stoffen wesent- 
liche Modificationen erfahren ; Quecksilberchlorid z. B. wirkt anders als metall. Hg 
oder Calomel; Jodkalium, noch mehr Jodeisen anders als Jod, und kaum ein ein- 
ziges sog. Gift wirkt in all seinen Verbindungen mit andern Stoffen giftig. Ander- 
seits ist die chemische Zusammensezung oft nichts weniger als gleich oder auch 
nur verwandt, und die Stoffe wirken trozdem sehr ähnlich. So machen Brech- 
weinstein, Zinkvitriol wie Emetin Erbrechen ; Manna, Weinstein, Ricinusöl gelinde 
Durchfälle ; Kreosot wie Gerbsäure , Thonerde - , Eisensalze wirken adstringirend, 
und spirituöse Stoffe so gut als Schwefelkohlenstoff, Electricität , Wärme wirken 
aufregend, während Jod, Quecksilber, Alkalien u. a. auf ziemlich verwandte Weise 
Blutmischung, Stoffumsaz zu influenziren scheinen. 

9. Allgemeine naturhistorische Eigenschaften wie Form und Structur 
sind bekanntlich bei Naturkörpern wichtig genug, so dass sie darnach auch 
classificirt werden. Es fragt sich nun, ob jene Formen und Structurverhält- 
nisse der Naturkörper eine Folgerung auf deren Wirkungsweise gestatten, 
oder was auf dasselbe hinausläuft, ob Pflanzen, Thiere, Mineralien, welche 
in den naturhistorischen Systemen neben einander stehen, auch ähnlich wir- 
kende Stoffe enthalten? Von Gewächsen ist bekannt, dass die in gleichen 
oder verwandten Familien vereinigten häufig in ihrer Structur, ihren Bestand- 
teilen, somit auch in ihren Wirkungen übereinkommen. Ihre naturhistorische 
Verwandtschaft lässt insofern bis zu einem gewissen Grad auf medicamen- 
töse Verwandtschaft schliessen. 

Cäsalpin , Camerarius , Linne wie Decandolle und Dierbach , Rochleder haben 
diese Thatsache hervorgehoben, und zum Theil zu eigenen Systemen benüzt; hier 



i Manche dieser Verschiedenheiten der Eigenschaften und Wirkungen bei scheinbar gleicher 
Zusammensezung weiss bekanntlich die organische Chemie bereits aus dem Umstand zu er- 
klären, dass es z. B. bei organischen Körpern nicht blos auf deren procentarische Zusammen- 
sezung an sich sondern auch und noch mehr auf die moleculäre Gruppirung ihrer Elementar- 
stoffe zu sog. organischen Radicalen, z. B. Cyan , Alcohol-, Säureradicalen u. a. ankommt, die 
sich weiterhin nach Art einfacher Stoffe mit andern verbinden können, z. B. zu Alcoholen, Säuren, 
Aldehyden, Salzen u. s. f. Auch begreift sich aus diesen sog. homologen Reihen eher, warum 
organische Körper mit ungleicher procentarischer Zusammensezung, aber von derselben che- 
mischen Constitution wesentlich gleiche Eigenschaften zeigen , z. B. Holzgeist (Methylalcohol) 
und Weingeist (Aethylalcohol). 



Eigenschaften und Wirkungsweise der Arzneistoffe. ' 7 

genügt es, auf einige der natürlichsten Familien wie Solaneen, Cruciferen, Labia- 
ten, Myrtaceen, Aurantiaceen , Borragineen, Gramineen, Ranunculaceen, Umbelli- 
feren, Euphorbiaceen , Coniferen und auf die Aehnlichkeit der ihnen zugehörigen 
Gewächse auch in ihrer Wirkungsweise hinzuweisen. Selbst die verschiedenen 
Theile der Pflanzen lassen oft eine Uebereinstimmung in ihren Bestandtheilen und 
Arzneiwirkungen erkennen. So enthalten fleischige Früchte besonders freie Säu- 
ren; Blätter, Rinden Gerbsäure; Samen, Wurzeln, Stengel der Monocotyledonen 
Stärkmehl. 

Doch abgesehen davon, dass die Naturhistoriker über die Bildung ihrer Fa- 
milien nichts weniger als einig, und dass uns die Bestandtheile , die Wirkungen 
der meisten Gewächse keineswegs hinlänglich bekannt sind, kommen selbst 
unter den bekanntern Ausnahmen genug vor. Pflanzen z. B., welche derselben 
Familie, sogar derselben Gattung angehören, zeigen dennoch verschiedene Wir- 
kungen. So z. B. unter den Cucurbitaceen Melonen und Coloquinten, unter den 
Dolden Schierling und Daucus Carota, unter den Solaneen Belladonna, Stramo- 
nium und Capsicum, unter den Gentianeen Spigelia und Gentiana. Von Grami- 
neen , einer der natürlichsten Familien , deren Samen unsere wichtigste Nahrung 
abgeben, wirken Giftlolch, Festuca quadridentata giftig; die Gattung Strychnos 
(Apocineen), welche durchaus die giftigsten Gewächse enthält, hat eine Art, Strych- 
nos Pseudochina, welche in Brasilien wie Chinarinde verwendet wird, und kein 
Strychnin enthält. Jalape u. a. Convolvulus-Arten enthalten in ihren Wurzeln 
scharfe Harze, welche purgirend wirken; andere sind unschuldig, weil sie blos 
Stärke und dergl. enthalten. Der Mandelbaum trägt je nach seinem Standort 
bittere und süsse Mandeln; blos jene enthalten Amygdalin, welches sich unter 
Umständen in Blausäure und Bittermandelöl umsezt. Es kommt somit nicht so- 
wohl auf die Pflanzenarten als auf ihre Bestandtheile an, und leztere hängen 
grossentheils von denjenigen des Bodens ab, auf welchem sie wachsen. Aehnliches 
finden wir im Thierreich; so enthält unter allen Coleopteren fast blos die Familie 
der Canthariden Cantharidin, welches scharf wirkt und Blasen zieht ; manche da- 
hin gehörige Gattungen und Arten aber enthalten keine derartigen Stoffe, z. B. 
Oenas, Tetraonyx, Mylabris pustulata, M. flexuosa. Anderseits enthalten Gewächse, 
deren Formen und Structurverhältnisse bedeutend differiren, welche somit ver- 
schiedenen Familien angehören, ähnlich wirkende Stoffe. Ranunculaceen wie 
Aconit , Helleborus äussern Wirkungen, welche denen mancher Colchiceen (Vera- 
trum, Colchicum) ganz nahe stehen ; desgleichen Solaneen und Lactuca virosa (Ci- 
choraeeen), Cicuta virosa, Oenanthe crocata (Umbelliferen). Manche Terebinthina- 
ceen (Pistacia) und Leguminosen (Copaifera) liefern ähnliche Balsame und Harze 
wie Coniferen (Pinus, Abies). Thein, identisch mit Cäffein, findet sich im Grünen 
Thee (Ternströmiaceae) wie im Kaffee (Rubiaceae), in Paullinia sorbilis (Sapindineae), 
in Hex paraguariensis (Illicineae) ; Chrysophansäure in Rhabarber wie in Flechten. 
In den meisten Arzneipflanzen, welche Alkaloide, Glucoside, Stärkmehl, Zucker 
und sonstige besondere Stoffe enthalten , finden sich leztere blos in gewissen 
Theilen der Pflanze, ja blos an gewissen Stellen dieser Theile am reichlichsten 
vor. So enthalten die Cinchonabäume ihre Alkaloide vorzugsweise im Bast und 
Splint, und in den Zweigen wieder anders als im Stamm. 

Aus dem Thierreich werden so wenig Stoffe als Medicamente benüzt, dass sich 
schon deshalb keine Parallele zwischen den naturhistorischen Eigenschaften der 
Thiere und den Wirkungen ihrer Bestandtheile, Secrete u. s. f. ziehen lässt. Fast 
das einzige Beispiel eines solchen Parallelismus bieten die Coleopteren oder Käfer, 
besonders die Canthariden (s. oben). Die wichtigsten und ziemlich analog wirkenden 
Medicamente des Thierreichs, Moschus und Castoreum stammen von Thieren, welche 
ganz entfernt stehenden Familie* angehören, desgleichen Leberthran von Fischen und 
Seehunden, Walen. Unter den Quallen, Mollusken, Fischen, Reptilien kommen ein- 
zelne Arten vor, deren Berührung und Biss giftig wirkt, die genossen giftige 
Wirkungen hervorbringen können , dagegen ganz nahe stehende Arten und Gat- 
tungen nicht. Unter Vögeln, Säugethieren kommen keine giftigen Species vor; 
doch soll die Leber des Eisbären giftig wirken (Scoresby), und Kohlensäuregas, 
ein unter Umständen giftig wirkender Stoff, wird von allen Thieren ausgeathmet. 

Beiä Mineralien "findet keine Parallele zwischen Krystallform, Structur und 
chemischer Zusammensezung oder Wirkungsweise statt ; schon das Gesez des 
Isomorphismus, demzufolge die heterogensten Stoffe, wenn sie sich nur mit einem 



8 Eigenschaften und Wirkungsweise der Arzneistoffe. 

dritten in der gleichen Zahl von Mischungsgewichten verbinden, dieselbe Krystall- 
form annehmen können, spricht dagegen, so gut als das Vorhandensein sog. di- 
morpher Substanzen. Isomorphe Salze, z. B. die Chlorüre und Jodüre des Kalium, 
Natrium, Baryt-, Bittererdesalze u. a. sollten nach Graham dieselbe Diffusionsge- 
schwindigkeit zeigen, d. h. ihre Lösungen in gleichem Verhältniss mit Wasser 
sich mischen. Nach Eckhard u. A. aber trifft dies nicht zu; ist z. B. die Diffu- 
sionsgeschwindigkeit des phosphors. Natron bei -f 14 — 17° C. = 1, so ist die des 
Salpeters. Baryt 2,1, des schwefeis. Natron 2,5, des Chlornatrium 10,7. 

10. Trifft ein Stoff, ein Arzneimittel mit dem lebenden Körper zusam- 
men, und sind anders jene Stoffe zu wirken im Stande, so treten gewisse 
Erscheinungen oder Veränderungen in den berührten Theilen und weiterhin 
im ganzen Körper ein, häufig auch im einwirkenden Stoff selbst. Die Summe 
dieser Veränderungen nennt man die Wirkung jenes Stoffes. Offenbar ist 
aber der lebende Körper, auf welchen z. B. ein Arzneistoff eingewirkt hat, 
für das Zustandekommen jener Wirkungen noch wichtiger gewesen als der 
Arzneistoff an sich. 

Stets ist somit zu unterscheiden 1. das Verhalten, die Einwirkung eines 
Stoffes an und für sich; die Veränderungen, welche dieser Stoff in Mischung, 
Aggregatzustand u. s. f. beim Zusammentreffen mit den Theilen und Flüssigkeiten 
des lebenden Körpers untergehen kann, die etwa neu entstandenen Verbindungen 
der Stoffe, deren Eigenschaften und Verhalten zu den Stoffen und Processen des 
Körpers. All das hängt ab von der Summe physicalisch-chemischer Eigenschaften, 
welche einem Stoff, einem Meclicament überhaupt zukommen. 2. Die Veränderun- 
gen, welche im lebenden Körper und zwar zunächst in seinen unmittelbar getrof- 
fenen Theilen eintreten, sonst auch aus teleologischen Gründen Keaction genannt. 
So wie sie der lebende Körper offenbart, sind also diese seine Veränderungen 
nicht allein durch die äussere Einwirkung sondern auch und noch viel mehr 
durch seine Eigenthümlichkeit, durch die Eigenthümlichkeit der mit einem Arz- 
neistoff u. s. f. in Conflict gekommenen Theile, ihrer Bestandtheile und Functio- 
nen wesentlich bedingt. Sie sezen einen lebenden Körper voraus, wie etwa die 
Entstehung von Schall und Schallwellen nicht blos eine bewegende Ursache von 
aussen sondern auch und ganz besonders einen schwingungsfähigen Körper vor- 
aussezt. 

Wie bei andern Naturerscheinungen hat man sonst auch bei sog. Arzneiwir- 
kungen das von aussen Einwirkende , also z. B. einen Arzneistoff als deren wich- 
tigste , oft einzige Ursache in's Auge gefasst ; schon das Wort Agens , Heilmittel 
drückt dies aus. Ein Laxans soll die Ursache der Durchfälle sein, Quecksilber 
die Ursache von Speichelfluss , von Heilung eines Syphilitischen, ein Schnitt die 
Ursache unserer Schmerzen dabei. Und doch hat der Organismus, dort z. B. 
sein Darmschlauch u. s. f. , hier sein Nervensystem beim Zustandekommen jener 
Wirkungen eine noch viel wesentlichere Rolle gespielt, so gewiss als z. B. beim 
Explodiren von Schiesspulver dieses selbst ungleich wichtiger ist als der hinein- 
gefallene Funke. Dasselbe trifft bei Heilungsprocessen zu , indem wir solche mit 
all unsern Mitteln höchstens modificiren, nicht veranlassen können. Man spricht 
von auflösenden Wirkungen der Salze, Mineralwasser, des Jod, während doch ein 
Schwinden z. B. von Exsudaten, Hypertrophieen u. s. f. das Endresultat gar 
vieler Processe ist , welche höchstens durch jene Mittel unter Umständen geför- 
dert werden mögen. 

Jede besondere Art oder Reihe von Erscheinungen, wie sie nach Einwirkung 
eines Agens, z. B. eines Heilmittels eintreten, hat man auch von besondern Eigen- 
schaften derselben abgeleitet, so gut als z. B. den Fall eines Körpers auf die 
Erde von einer Eigenschaft dieser leztern, von der Schwerkraft, die eigenthüm- 
lichen Wirkungen des geriebenen Bernstein von Electricität. Die Summe jener 
Eigenschaften aber, vermöge deren die Stoffe wirken, hat man ihre Kraft genannt. 
Man sprach so von specifischen Arzneikräften, und diese spielten sonst, entspre- 
chend der unklaren, beschränkten Anschauungsweise früherer Zeiten, eine grosse 
Rolle. Das Wort Kraft erklärt uns jedoch nicht das Geringste ; wohl kann es 
aber zu wichtigen Irrthümern, zum willkürlichen Spiel des Meinens führen, und 
hat so z. B. nicht blos zu den gewöhnlichen Cur-Romanen, zu Wunderglauben 
jeder Art sondern auch zu jenem Arzneimysticismus geführt , mit welchem ein 



Eigenschaften und Wirkungsweise der Arzneistoffe. 9 

Paracelsus wie ein Hahnemann oder Rademacher , Mesmer , Carus u. A. ihren 
Hocuspocus getrieben. Hier ist somit schliesslich die Wiege aller Quacksalberei, 
auch des mystisch-überschwenglichen Glaubens vieler Aerzte an ihre Arzneien zu 
suchen. Wie für die Wissenschaft überhaupt gibt es auch für uns hier nur Kör- 
per und Eigenschaften von Körpern. Und wissenschaftlicher wurde die Heilmit- 
tellehre erst, als man auch bei den Wirkungen ihrer Mittel das Wie ? und Warum ? 
nach den Methoden der strengern Naturforschung auskundschaften lernte. 

11. Für alle therapeutisch benüzten Agentien und Stoffe gibt es nur 
eine pbysicalische , beziehungsweis mechanische und eine chemische Art der 
Wirkung, weil sich ihre Eigenschaften, soweit sie für jene ihre Wirkung von 
Belang sind, auf diese zurückführen lassen. Sie können sich daher auch 
dem lebenden Körper gegenüber nur nach physicalischen und chemischen 
Gesezen verhalten. Alkalien z. B., Säuren, Salze, Salzbildner wirken zweifels- 
ohne so gut als Wärme, Kälte, Licht auf seine Stoffe, sein Blut u. s. f. 
wesentlich nach denselben Gesezen wie auf leblose Substanzen. Gerbsäure 
geht mit Leim und Eiweissstoffen des lebenden Körpers dieselben unlös- 
lichen Verbindungen ein wie in todten Häuten; das Pepsin des Magensaftes 
löst geronnenes Eiweiss im Magen und sogar die Theile noch lebender 
Thiere so gut als die Eiweissstoffe im Reagenzglas. 

Ausser jenen Wirkungsweisen hat man sonst oft eine dritte Art bei solchen 
Agentien angenommen, deren Wirkungen sich für jezt weder aus physicalischen 
noch chemischen Eigenschaften undWirkungsgesezen ableiten oder erklären lassen, 
und hat sie dynamische, vitale genannt. So können spirituöse, narcotische Stoffe, 
auch Chinin , Brechweinstein u. a. die Functionirung des Nervensystems in hohem 
Grade verändern, also sehr intense Wirkungen hervorbringen, und doch wissen 
wir nicht, in welcher Weise eigentlich jene Stoffe z. B. die Nervenfasern und die 
Strömungen durch dieselben verändert haben mögen. Damit ist jedoch nicht ge- 
sagt, dass überhaupt keine solche Veränderung stattgefunden, und möglich bleibt 
es immer, dass einmal die Geseze dieser Nervenfunction oder Strömungen selbst, 
somit auch diejenigen ihrer Veränderungen durch jene Stoffe auf andere einfachere 
und bekanntere zurückgeführt werden, z. B. auf die Geseze electrischer oder 
Wärmeströmungen. Ueberdies liegt jener Annahme vitaler Wirkungen eine ge- 
wisse Verwirrung der Begriffe zu Grund. Man verwechselt nemlich die Wirkung 
solcher Stoffe an sich mit den Veränderungen oder sog. Reactionsphänomenen des 
lebenden Körpers. Diese leztern gehen freilich nur theilweis nach bekannten 
physicalischen, chemischen Gesezen vor sich und entschlüpfen somit unserem Ver- 
ständniss, denn wir kennen ihre Ursachen und Geseze nicht; von ihnen ist auch 
hier überall nicht die Rede. Dagegen können die Stoffe selbst als physicalische, 
chemische Agentien blos nach den gewöhnlichen Gesezen solcher Stoffe wirken, und 
wir müssen dies auch da annehmen, wo es noch an positiven Nachweisen mangelt. 

Wenn Cantharidin auf der Haut eine Blase zieht, so geschieht dies durch 
ein noch unbekanntes Verhalten lebender Theile; denn wir wissen nicht, in 
welcher Art durch Cantharidin Nervenströmungen, Gefässwände, Gewebsele- 
mente , Capillare , Kreislauf u. s. f. der Haut verändert wurden , so dass nun 
Schmerz, Hyperämie, Exsudation zustandekamen. Das aber wissen wir, dass 
Cantharidin an sich als chemisch wirksamer Stoff auf die Haut nach chemischen 
Gesezen gewirkt hat. Jeder Körper zeigt einmal Eigenschaften und Wirkungen, 
die er vermöge seiner Natur oder der Eigenschaften seiner Elemente und Mole- 
cüle überhaupt zeigen kann. Wenn aber der lebende Körper andere und höhere, 
complicirtere Erscheinungen oder Thätigkeiten offenbart als todte, anorganische 
Körper, so wird der Grund nur in der Eigenthümlichkeit seiner Bestandtheile, 
in deren Atomverbindungen und gegenseitigen Verknüpfung zu suchen sein. Auch 
scheint insofern die Annahme einer besondern Lebenskraft als Motor und Gesez- 
geberin seines Getriebes nicht blos überflüssig sondern auch schädlich und ver- 
wirrend. 

12. Eine physicalische Wirkungsweise kommt den Heilmitteln zu, wenn 
und insofern sie vermöge ihrer Form, Consistenz, Dichtigkeit, Schwere, Be- 
wegung, Temperatur oder ihrer electrischen Eigenschaften auf den lebenden 
Körper wirken, und nun in dessen Bestandtheilen , Flüssigkeiten u. s. f. 



10 Eigenschaften und Wirkungsweise der Arzneistoffe. 

gewisse Veränderungen ihrer Continuität, Form und Consistenz, ihres Drucks, 
Gehalts an Wasser u. s. f. veranlassen, oder das Entstehen solcher Erschei- 
nungen, die man von Wärme und Electricität abzuleiten pflegt. Sehr häufig 
gehen diese physicalischen Veränderungen und Vorgänge mit chemischen 
Hand in Hand. 

So wichtig und allgemein dieselben bei der Wirkung sehr vieler Agentien 
sein mögen, so wenig sind sie uns im Ganzen bis jezt bekannt. Doch wurde durch 
die neuere Physiologie und Naturforschung auch hier die Bahn gebrochen, und 
obschon die bisherigen Resultate hier noch keine Verwendung gestatten, so bedarf 
es doch nur der Erinnerung an die Bedeutung des Drucks der Blutsäule, an die 
Wirkungen und Geseze der Imbibition, der sog. End- und Exosmose im lebenden Körper, 
an die Diffusionsgeseze der Gase bei ihrem gegenseitigen Austausch (Graham u. A.), 
z. B. des Kohlensäuregases beim Athmen, an die sog. Diffusionsstatik überhaupt, um 
die Wichtigkeit der physicalischen Wirkungsweise vieler Mitte], z. B. der Salze, 
des Wassers, aller Lösungen und schleimigen wie gasförmigen Stoffe deutlich genug 
hervorzuheben. 

Um z. B. leichter resorbirt zu werden, dürfen Salzlösungen nicht zu concentrirt, 
ihre specif. Dichtigkeit muss kleiner sein als die des Blutserum, sonst wirken sie 
nur örtlich mehr reizend, vermehren die Absonderung des Magens u. s. f. Auch 
wirken deshalb kleinere Mengen Jodkai., Antimon-, Eisensalze u. a. innerlich wie 
äusserlich oft mehr als in grossen concentrirten Dosen (B. Bell). Ueberhaupt 
wirken viele Stoffe theilweis dadurch, dass sie vermöge ihrer Dichtigkeit, ihres 
relativ kleinern Wassergehaltes u. s. f. umgebende Flüssigkeiten anziehen, oder 
gegentheils Wasser an solche abgeben (End- und Exosmose) 1 . Poiseuille, Liebig 
erklärten so die laxirende Wirkung concentrirter Salzlösungen durch ein exosmo- 
tisches Austreten von Wasser aus den Blutgefässen der Darmschleimhaut, und 
umgekehrt die hemmende Wirkung z. B. der Morphiumsalze bei Durchfällen aus 
einer Sistirung der Exosmose dadurch. Indess erklärt man vielleicht auch hier 
einzelne Vorgänge nur, indem man viele andere ignorirt und unerklärt lässt. 
Jedenfalls scheint die Grösse des endosmotischen Aequivalentes nicht das allein 
Maassgebende bei Laxirwirkungen u. a. Beim Zucker z. B. ist dasselbe gleich- 
falls sehr gross, ohne dass er laxirend wirkt, und die Wirkung der in Venen 
gesprizten Laxirsalze, auch der Jalape, des Crotonöl u. a. lässt sich nicht daraus 
erklären. Sehr verdünnte Salzlösungen müssten dann nicht laxiren, und thun es 
doch, während umgekehrt concentrirtes essigs., Salpeters. Kali u. a. nicht laxiren 
(Headland, Aubert). Während endlich bei endosmotischen Versuchen mit Was- 
ser, Serum und Salzen ein doppelter Austausch der Stoffe eintritt, so dass die 
Salze nach der einen, das Eiweiss des Serum nach der andern Seite der Membran 
gehen, findet sich in obigen Stühlen kein Eiweiss vom Blute her, nur dessen Wasser. 
Eigentliche Exosmose aber sezt ein grösseres endosmot. Aequivalent auf Seiten 
der Darmflüssigkeit als des Blutes voraus, wie es kaum je stattfinden wird. Ander- 
seits fand auch Buchheim das hohe endosmot. Aequivalent oder die geringe Dif- 
fussionsgrösse der Laxirsalze von Bedeutung für deren Wirkungsweise; während 
z. B. Chlornatrium rasch in den Harn übergeht, wird schwefeis. Natron nur lang- 
sam resorbirt (S. 8) und lezteres wirkt auch in Venen injicirt laxirend (Buchheim, 
Donders) 2 . 

13. Auf mechanische Weise wirken chirurgische Heilmittel wie Messer, 



1 Durch die Beimischung gewisser Stoffe zu thierischen u. a. Flüssigkeiten können sogar 
die Geseze ihres Ausfliessens aus todten Röhren geändert werden (Poiseuille); Salze z. B. för- 
dern das Ausfliesscn von Wasser aus solchen, Alcohol mindert es. 

2 Die Angaben über das sog. endosmot. Aequivalent oder Tauschgewicht der verschiedenen 
gelösten Salze, d. h. über die Menge, in welcher sie durch Membranen u. s. f. hindurch mit 
Wasser und andern Flüssigkeiten sich mischen , lauten noch sehr verschieden. Auch wechselt 
dasselbe selbst bei derselben Salzlösung bedeutend je nach Concentration, Temperatur, Membran 
u. s. f. Doch wurde dasselbe ziemlich übereinstimmend für schwefelsaure Alkalien zu 10—12. 
für deren Chlorüre nur zu 4 gefunden; auch für Jodkalium, Salpeter wie für phosphors. Natron 
ist es grösser als für Chlornatrium u. a. , desgleichen für stark äzende Metallsalze. Silbernitrat, 
Quecksilber-, Zinkchlorid grösser als bei Zink-, Kupfersulphat oder essigs. Blei (Buchheim). 
Am schwierigsten soll Eiweiss fhierische Membranen durchdringen (Graham); noch schwieriger 
fand ich es bei thierischem Schleim. Die Strömlings- oder Diffusionsgeschwindigkeit z. B. der 
Salzlösungen durch Membranen hindurch steigt im Allgemeinen parallel ihrer Temperatur 
(Eckhard); doch sollen Laxirsalze wie andere Laxanzen bei höherer Temperatur, z.B. bei 
+ 40—600 C. weniger abführend wirken als z. B. bei 20—300. 



Eigenschaften und Wirkungsweise der Arzneistoffe. 1 1 

Binden, orthopädische Vorrichtungen, Acupimctur u. s. f.; desgleichen Fric- 
tionen, Massiren, Kneten. Auch innerlich applicirte Mittel wirken öfters in 
derselben Weise: z. B. metall. Quecksilber bei Invaginationen, Eingeweide- 
würmern durch seine Schwere und Bewegung; Kohle, Pflanzenpulver durch 
ihre Porosität, wie andere durch ihren Cohäsionszustand, indem sie z. B. 
als zähe Flüssigkeiten eine schüzende Hülle für die Gewebe abgeben, wie 
Schleime, Collodium, Glycerin; oder indem sie als dünne Flüssigkeiten er- 
weichend, verflüssigend wirken, wie Klystiere ; noch andere durch ihre Form, 
wie die Haare der Dolichos (Mucuna) pruriens, fein zerhacktes Zinn beim 
Abtreiben von Helminthen. Endlich wirken manche einfach durch ihre Menge, 
indem sie hohle Organe füllen, ausdehnen, wie z. B. grosse Massen Was- 
sers verschluckt Brechen veranlassen; oder indem sie in Gasform sich ent- 
wickelnd in ähnlicher Weise wirken, wie z.B. Kohlensäurereiche Getränke. 
Theilweis durch einen Complex der verschiedensten physicalischen Momente 
wirken endlich Luftkreis und Witterung, Clima, Gewässer, Gase auf den 
Körper ein. 

Manche Substanzen, die weder im Wasser noch in thierischen Flüssigkeiten, 
Secreten u. s. f. löslich sind, scheinen mechanisch zu wirken, z. B. Schwefelqueck- 
silber, Gold, Kupferfeile u. a. Doch ist wohl kein einziger Stoff absolut unlöslich. 

14. Zu den rätselhaftesten Vorgängen im physicalischen Gebiet gehören 
die von sog. Imponderabilien abgeleiteten, welche auch in therapeutischer 
Hinsicht eine wichtige Rolle spielen, und deren Wirkungs weise sich bis jezt 
weder auf die mechanische noch chemische zurückführen lässt. Wir begreifen 
aber ihre Wirkungen, auch ihre therapeutischen nicht, weil sie selbst und ihre 
Eigenschaften noch allzusehr im Dunkeln liegen. Glaubte man doch, dass 
sie besondere Körper, ein nichtschweres Etwas seien, während sie jezt nur 
als eine besondere Art des Erscheinens und Wirkens anderer Körper gelten. 

Mit andern Worten, jene Eigenschaften der Körper, welche man als deren 
Wärme, Electricität u. s. f. bezeichnet, sind blos die Wirkungen gewisser Zu- 
standsveränderungen oder Wechselbeziehungen dieser Körper selbst, und können 
somit nur als ein eigenthümliches Auftreten oder Wirken dieser electrisch, magne- 
tisch, warm oder kalt gewordenen Körper gelten. An und für sich scheint aber 
ihre Wirkung auf den lebenden Körper kaum viel räthselhafter als ihre Wirkung 
auf todte, unorganische Substanzen ; auch folgt z. B. seine Eigenwärme denselben 
Gesezen wie die Wärme lebloser Körper 

15. Chemische Wirkungen kommen wohl allen Arzneistoffen zu, sobald 
sie gelöst oder in den Flüssigkeiten des Körpers, mit denen sie zusammen- 
treffen, löslich sind. Auch hat man bereits das chemische Verhalten vieler 
Arzneistoffe, zumal unorganischer, einfacher Substanzen, der metallischen, 
alkalischen Salze, Säuren u. a. mehr oder weniger festgestellt, während sich bei 
organischen, geistigen, narcotischen Stoffen u. a. unser Wissen noch auf einer 
ziemlich nie dern Stufe befindet; ja wir kennen noch nicht einmal die eigent- 
lichen Bestandteile vieler Pflanzensäfte u. dgl. Abgesehen von den chemi- 
schen Processen, welche an der Einwirkungsstelle der Arzneistoffe vor sich 
gehen, treten öfters auch in den Bestandtheilen des Bluts und der Organe, 
der Auswurfsstoffe Veränderungen ein, welche die chemische Wirkung vieler 
Substanzen klar genug darthun. 

Bei einer Reihe von Stoffen, welche örtlich sehr intens wirken, wie z. B. 
äzende, adstringirende, alkalische, neutralisirende , hat man längst gefunden, dass 
ihre Wirkungsweise den gewöhnlichen chemischen Affinitäten folgt. Schwefelsäure 
entzieht vermöge ihrer grossen Verwandtschaft zu Wasser auch im Magen dessen 
Flüssigkeiten oder Schleimhaut Wasser. Reicht dieses Wasser nicht aus , z. B. 
bei grossen Mengen der Säure, so entzieht sie den organischen Stoffen der Magen- 
häute selbst H und in dem Verhältniss, in welchem sie Wasser bilden, und 
vereinigt sich mit lezterem; dadurch aber verkohlt sie gleichsam diese Gewebe. 



12 Eigenschaften und Wirkungsweise der Arzneistoffe. 

Silbernitrat verwandelt Haut-, Geschwürflächen in einen Schorf, indem es mit 
ihren Stoffen chemische Verbindungen eingeht. Alkalien, alkalische Mineralwasser 
wirken nicht blos örtlich im Magen neutralisirend, indem sie sich mit den freien 
Säuren seines Saftes oder Inhaltes verbinden, sie werden auch resorbirt, der zuvor 
saure Harn reagirt neutral oder alkalisch, der Eiweiss- und Faserstoffgehalt, die 
Gerinnbarkeit des Bluts kann zulezt abnehmen. Auch kann jezt die Fähigkeit 
des Harns, Sedimente aus Harnsäure, harnsauren Salzen abzusezen, schwinden. 
Dagegen können sich in ihm bei zu langem Gebrauch von Alkalien Niederschläge 
bilden , welche jezt aus Phosphaten bestehen ; jene alkalischen Stoffe , durch die 
Nieren abgeschieden, haben also die Phosphate des Harns ebenso niedergeschlagen 
wie beim Mischen des abgelassenen Harns mit denselben. Silbernitrat bewirkt 
bei Kranken, z. B. Epileptischen leicht eine eigenthümliche Broncefarbe der Haut. 
Mit Eiweiss, Chlor der Magensecrete hatte dasselbe erst schwerlösliche Verbin- 
dungen eingegangen, welche indess im Magen, Darmcanal durch Hülfe von Eiweiss, 
Salzen u. s. f. gelöst wurden , und nun in's Blut gelangten. In den Capillarnezen 
der Haut, unter Mitwirkung des Lichts wurde das Silber allmälig reducirt, und 
verblieb jezt in metall. Zustand in der Haut. Pflanzensaure Salze, innerlich 
applicirt , finden sich in den Secreten , im Harn meist als kohlensaure wieder ; 
sie mussten also im Innern des Körpers durch Aufnahme oxydirt worden sein, 
wahrscheinlich schon im Magen und Darmcanal. 

Im lebenden Körper gehen bekanntlich in innigster Verbindung mit dessen 
sog. Functionen chemische Veränderungen und Zersezungen vor sich, welche uns 
die neuere organische Chemie näher kennen lehrt. Auch erhellt schon aus jenen 
Veränderungen in den Bestandtheilen z. B. der Milch, des Speichels, des Harn- 
stoffs und der Salze im Harn , in der ausgeathmeten Kohlensäuremenge u. s. f., 
wie sie nach Einfuhr gewisser Nahrungs- und Arzneistoffe, nach Körperbewegungen 
und sogar auf geistige Affecte hin eintreten, dass jene chemischen Vorgänge im 
Körper durch die mannigfachsten Substanzen und Einflüsse verändert werden 
können, dass also chemische Wirkungen stattfanden. So bedeutungsvoll indess 
diese leztern sind, so ist doch anderseits stets zu beachten, dass das was im 
lebenden Körper geschieht, innerlich Eins und gewissermaassen untheilbar ist, und 
weil hier so Vieles nicht nach einfach chemisch-physicalischen Gesezen geschieht, 
auch Vieles ganz eigenthümlich sich'gestalten muss. Ja gerade dieses sein »Leben« 
ist das grosse störende Element, welches alle Einwirkungen von aussen so oder 
anders modificirt, weshalb denn auch z. B. die Wirkungen der Arzneistoffe, Gifte 
immer wieder anders ausfallen können. Das grösste Dunkel liegt aber noch über 
dem ganzen sog. intermediären Stoffwechsel, über jenen Vorgängen und Umwand- 
lungen im Körper, welche zwischen Ein- und Austritt, zwischen der ersten Ein- 
wirkung gewisser Stoffe und etwaigen chemischen Veränderungen der Auswurfs- 
stoffe liegen mögen. Wird z. B. nach Einfuhr eines Stoffes die Harnstoffmenge 
im Harn oder die ausgeathmete Kohlensäure, die sog. Respirationsgrösse vermehrt, 
so wissen wir damit noch nicht, welche Körperstoffe der Art umgesezt oder oxy- 
dirt worden , dass jezt mehr Harnstoff, Kohlensäure u. s. f. entstehen konnten. 
Ja wir bleiben oft genug über den etwaigen Einfluss jener eingeführten Stoffe 
überhaupt dabei ganz und gar im Unklaren, indem schon die normalen physiolo- 
gischen Fluctuationen z. B. der Auswurfsstoffe wie der Eigenwärme u. s. f. grösser 
sein können als diejenigen , welche man nach der Einfuhr dieser und jener Sub- 
stanzen beobachtet. 

Anderseits können wir uns bereits selbst jenen progressiven wie regressiven 
Stoffwechsel im Körper und damit auch den Einfluss vieler Stoffe auf denselben 
eher erklären als noch vor zehn Jahren. Vieles, was man sonst als vitale Wirkung 
ansah, ist jezt als chemische nachgewiesen. Nicht blos dass man organische Ver- 
bindungen, auch die complicirtesten nach ihren Spaltungsproducten und Radicalen 
in bestimmte Formelreihen zu ordnen weiss, man lernte auch aus diesen ein- 
facheren Verbindungen und organ. Radicalen synthetisch mehr und mehr die 
complicirtesten Verbindungen aufzubauen , wie es sonst nur der lebende Körper 
vermochte. Haben Verbindungen wie Cyan, Oxalsäure, Ammoniak, Kohlenhydrate 
samt allen sog. organischen Basen und Radicalen die Kluft zwischen unorganischen 
und organischen Substanzen längst überbrückt, so ist vollends, seit man die com- 
plicirtesten Basen , Harnstoff, Ameisen -, Weinsäure , Alcohol u. a. künstlich aus 
unorganischen Stoffen ohne alle Mitwirkung organischer Körper machen kann, 



Veränderungen der Arzneistoffe. 13 

die alte Scheidewand ganz gefallen, und das Spiel chemischer Vorgänge im leben- 
den Körper klarer erwiesen als je. 

Eine andere Wirkungsweise, die sog. Contactwirkung sollte den sonst sog. 
catalytischen Processen zu Grunde liegen, und eine Art contagiöser Einwirkung 
im chemischen Gebiet darstellen. Hier veranlassen gewisse Stoffe durch ihre 
blosse Berührung in andern Substanzen chemische Aenderungen , ohne dass jene 
ersteren nothwendig dabei sich verändern oder in der gewöhnlichen chemischen 
Weise einwirken, d. h. ohne ihnen Stoffe abzutreten oder zu entnehmen. So ver- 
wandelt Platinschwamm Alcohol in Essigsäure, und H in Wasser, ohne dass 
er selbst sich ändern soll; Schwefelsäure zersezt Alcohol in Aether und Wasser, 
verwandelt Stärkmehl in Dextrin und Zucker. Als sog. Contactmaterien gelten 
vor allen Ferment, Diastase, Pepsin u. a. Auch Wurst-, Käsegift, Blausäure, 
Morphin, Chinin, Quecksilber, Cloakengase u. a. , desgleichen Eiter, Jauche und 
in innerer Zersezung begriffene Substanzen sonst sollten durch ihren blossen 
Contact mit den Gebilden und Stoffen des lebenden Körpers wirken. Doch hat 
man bereits bei manchen sonst sog. Contactwirkungen , z. B. des Ferments, bei 
der Aetherbildung u. a. mehr oder weniger den gewöhnlichen chemischen Hergang 
nachgewiesen, bei andern ist dasselbe wahrscheinlich genug, und vielleicht dass 
sich diese ganze catalytische Kraft früher oder später als überflüssige Hypothese, 
wo nicht als blosser Mysticismus herausstellt. 

III. Veränderungen der Arzneistoffe bei ihrer Einwirkung. 

16. Bei weitem die meisten Substanzen, auch Arzneistoffe untergehen 
mannigfache Veränderungen in ihren physicalischen Eigenschaften wie in ihrer 
chemischen Zusammensezung, wenn sie vom Magen und Darmcanal aus oder 
irgendwie sonst in den Körper gelangen. Denn hier überall treffen sie ja 
auf Wasser, Alkalien, Salze, Eiweissstoffe, Fermente, welche sie lösen, welche 
mit ihnen unter dem Einfluss der Körperwärme in Wechselwirkung treten. 
Und sind einmal Arzneistoffe in's Blut getreten, so erfahren sie öfters auch 
hier wie im Innern der Organe chemische Umwandlungen, indem sie theils 
einzelne ihrer elementaren Stoffe abgeben , theils mit andern , zumal mit 
Sauerstoff sich verbinden und sogar in ganz andere Verbindungen, in höhere 
Oxydationsstufen übergeführt werden können, wie z.B. Pflanzensäuren, Ei- 
weissstoffe, sog. Kohlenhydrate, Zucker, Fette u. a. 

Die Arzneistoffe treten in's Innere des Körpers über, passiren ihn und wer- 
den wieder ausgeschieden, häufig als solche, unverändert, öfters umgesezt, wo nicht 
zersezt, wie zumal organische Substanzen, und zwar ohne dass hiebei irgend ein 
Element der eingeführten Substanzen verloren gienge. Fast immer gehen sie 
aber mehr oder weniger rasch wieder ab, denn sie gehören nicht hinein. Bei 
jedem Arzneistoff stellt sich also die Frage, wie er sich an den Applicationsstellen 
selbst, z. B. im Magen verhält? ob und wie er hier verändert, ob er in's Innere 
des Körpers aufgenommen, wie und wo er wieder ausgeschieden wird? Wie wichtig 
es aber für unser Verständniss der Wirkungen jener Stoffe sein muss, diese che- 
mischen Veränderungen von ihrer Eintrittsstelle in den Körper bis zu ihrer Aus- 
scheidung zu verfolgen, ist von selbst klar. So lange wir nicht deren Schicksal 
während ihrer ganzen Passage durch den Körper und all die einzelnen dadurch 
etwa mitbedingten Veränderungen in den Organen und deren Functionen kennen, 
kann auch von einem wissenschaftlichen oder rationellen »Heilen« damit vollends 
gar keine Rede sein. 

17. Während unsere organischen Ersaz- oder Nahrungsstoffe schon vor 
ihrem Eintritt in den Blutstrom, in Berührung mit den Flüssigkeiten der 
Mund- und Rachenhöhle, des Magens und Darmcanals, mit deren Schleim, 
Ptyalin, Pepsin, Pancreatin u. s. f. wichtige chemische Veränderungen und 
zwar wesentlich Gährungsprocesse durchmachen, findet bei Arzneistoffen, 
Giften selten dasselbe statt. Zumal die anorganischen, z. B. Metalle, Alka- 
lien, Erden und deren Salze, Salzbildner, sind sie anders nicht bereits in 



14 Veränderungen der Arzneistoffe. 

Lösung, werden in den Flüssigkeiten des Magens und Darmcanals einfach 
gelöst. Auch geschieht dies mit Hülfe der wichtigsten Lösungsmittel des Che- 
mikers, durch Wasser, Säuren, Alkalien, manche Salze und durch gewisse 
Eiweissstoffe, welche zum Theil als Fermente wirken, unter Mitwirkung der 
Körperwärme. Um aber in den Lymph- und Blutstrom übergehen zu können, 
müssen auch Arzneistoffe von festerer Consistenz erst gelöst oder flüssig 
sein 1 , während alles Ungelöste, z. ß. Holzfaser oder erst in unlösliche Ver- 
bindungen Umgewandelte, z. B. Metallsülfure den Fäcalstoffen sich beimischt 
und mit diesen abgeht. 

Im Blut, dieser zusammengeseztesten und wichtigsten Flüssigkeit des 
Körpers, kommen die eingetretenen Arzneistoffe in Berührung mit einer 
überwiegenden Menge Wasser, mit den zum moleculären Ersaz und Umsaz 
der Organe dienenden Stoffen wie mit den aus ihrer Rückbildung hervor- 
gegangenen Auswurfsstoffen. Und weil Arzneistoffe mit Ausnahme etwaiger 
zur Ernährung oder zum Stoffersaz brauchbarer Bestandteile im Körper 
nichts weiter zu leisten haben, werden sie zugleich mit andern Auswurfs- 
stoffen sofort wieder ausgeschieden, diese durch Niere i, Leber, Speichel- 
drüsen, jene durch Haut, Lungen u. s. f., und nachdem sie oft erst diese 
oder jene chemische Umsezungen erlitten hatten. 

Flüssige und chemisch indifferente Stoffe wie Wasser, Schleime, Fette, auch 
Weingeist, Aether, ätherische Oele, Pflanzensäuren, Salzlösungen u. a. treten sofort 
und ohne weitere Veränderungen in's Blut über, während feste Stoffe, auch z. B. 
die in Emulsionen , Schüttelmixturen einfach suspendirten Fette, Harze, Eiweiss-, 
Extractivstoffe u. a. erst mechanisch fein vertheilt, beziehungsweise gelöst und 
oft so oder anders chemisch verändert werden müssen. In Wasser lösen sich z. B. 
Alkalien, Metall-, alkalische und Erdsalze, Chlorüre, Jodüre; von den in Wasser 
unlöslichen lösen sich viele , z. B. Eisen , Schwefelmetalle , kohlen- wie phosphor- 
saure Erdsalze u. a. in Säuren; andere, z. B. Jod, Schwefel, Fette, Harze lösen 
sich in Alkalien ; noch andere durch Hülfe von Chlornatrium , Schleim , Eiweiss- 
stoffen, wie z. B. Calomel und die meisten Metallpräparate, auch viele organische 
Substanzen. All diese verschiedenen Lösungsmittel werden aber theils vomMagen- 
und Darmsaft, theils vom Speichel, pankreatischen Saft und der Galle geliefert, 
von jenen vorzugsweise die sauren, von diesen die alkalischen. Auch zeigen jezt 
diese gelösten und oft chemisch veränderten Stoffe ein anderes Verhalten, andere 
Wirkungen als zuvor. Säuren, Alkalien, Chlor, Jod, Brom u. a., indem sie Salze 
bildeten, desgleichen Metallsalze, indem sie sich mit Eiweissstoffen verbanden, 
wirken nicht mehr wie die ursprünglich eingeführten Substanzen, was bei deren 
Anwendung, auch bei Anordnung der Diät Beachtung verdient. So könnte sich 
z. B. Stärkmehl in Brod, Kartoffeln mit Jod verbinden, die Gerbsäure in rothem 
Wein, in Gemüsen auf Salze des Eisens und anderer Metalle wie von Alkaloiden 
zersezend wirken. Quecksilberchlorür, Calomel kann durch die Magenflüssigkeiten 
und deren Chlorüre in Chlorid sich umwandeln , so dass schon die Frage zum 
Aburtheilen kam , ob Einer an Sublimatvergiftung sterben könne, ohne doch 
Sublimat verschluckt zu haben ? Umgekehrt kann sich Quecksilberchlorid theil- 
weis in unschuldiges Chlorür oder Calomel verwandeln. 

Ueberhaupt sind die im Magen und Darmcanal neu entstandenen Verbin- 
dungen oft weniger löslich als die ursprünglich applicirten, und gehen dann gar 
nicht oder erst nachdem sie gewisse Umwandlungen durchgemacht in den Blut- 
strom über. So z. B. wenn essigs. Blei in kohlensaures sich umwandelt, wenn 
Silbernitrat mit den Eiweissstoffen der Magensecrete schwerlösliche Albuminate 
bildet, wenn Eisen-, Kupfer-, Bleisalze u. a. unten im Darmcanal in Sülfüre oder 
Schwefelmetalle verwandelt werden. Und während die löslichen Bestandtheile 



1 Doch können so gut als Fett- und Quecksilbermolecüle auch feste, höchst fein vertheilte 
Substanzen sonst vom Darmcanal aus in's Blut u. s. f. übergehen, z. B. Koble, Schwefel, Farb- 
stoffe, desgleichen Stärkmehlkörner, Blutkörperchen u. a. , wahrscheinlich durch Poren oder 
Hohlräume der Darmzotten u. s. f., wie etwa selbst schwefeis. Baryt durch Filtrirpapier dringen 
kann. Auch gibt es einmal keine feste Scheidewand zwischen gelösten und mechanisch fein 
vertheilten Körpern sonst. Hier reiht sich an, dass tätowirte Stellen, d. h. unlösliche, mit der 
Nadel in die Haut gebrachte Farbstoffe schwinden können (Casper, Hutin, Tardieu). 



Veränderungen der Arzneistoffe. 15 

von Rinden , Wurzeln , Hölzern , Blüthen - und Fruchtheilen , z. B. Stärkmehl, 
Gummi, Zucker, Salze, Extractivstoffe, Glucoside, Alkaloide und sog. Subalkaloide 
mehr oder weniger in den Blutstrom übertreten, geht das Ungelöste, vor allen 
die Holzfaser, von thierischen Substanzen Hornstoff, Chitin u. a. mit den Fäcal- 
stoffen ab. Von der Leichtigkeit des Eintritts der Substanzen in den Blutstrom 
hängt aber nicht blos die Schnelligkeit und Intensität sondern auch zum Theil 
ebendeshalb die Art ihrer Wirkung ab. Giengen z. B. Weingeist, Aether, ätherische 
Oele , Chinin , Morphin , Strychnin u. a. viel langsamer oder spärlicher in's Blut 
über, so würden sie auch ganz anders wirken ; und könnte umgekehrt Kohlensäure 
vom Magen aus ebenso rasch in's Blut gelangen wie eingeathmet von den Lungen 
aus, oder Curara so schnell als von Wunden aus, so würden sie auch dort gütig 
wirken. 

Ueber die Veränderungen der in's Blut und weiterhin in's Innere der Organe 
eingetretenen Stoffe, soweit sich darauf aus der Art ihres Auftretens im Harn 
und andern Excreten schliessen lässt, haben wir bekanntlich durch die neuere 
Chemie gleichfalls wichtige%Aufschlüsse erhalten, und noch wichtigere, zuverlässi- 
gere stehen in Aussicht. Während unsere Nahrungsstoffe wie alle organischen 
Substanzen im Körper ihre ursprüngliche Zusammensezung nicht behalten, viel- 
mehr in höhere Oxydationsstufen übergeführt und schliesslich als Harnstoff, Koh- 
lensäure, Wasser u. s. f. wieder ausgeschieden werden, tritt bei den meisten Arznei- 
stoffen und besonders bei anorganischen nichts der Art ein. Doch erscheint z. B. 
Schwefelkalium theilweis als schwefeis. Kali im Harn , so gut wie pflanzensaure 
Salze als kohlensaure , Salicin als salicylige Säure u. s. f. Bei andern Stoffen da- 
gegen , welche man oft bis vor Kurzem gleichfalls oxydirt und in Kohlensäure 
oder Harnstoff u. s. f. umgesezt werden Hess, wie z. B. Alcohol, viele Alkaloide, 
ist jezt erwiesen, dass sie ganz oder doch grossentheils unverändert durch den 
Körper gehen. Wären wir mit allen Veränderungen der Arzneistoffe von deren 
Eintritt bis zu ihrer Ausscheidung näher bekannt, so Hessen sie sich einmal von 
diesem Gesichtspunkt aus auf höchst instruetive Weise in verschiedene Gruppen 
unterscheiden. Während sich z. B. viele Arzneistoffe, z. B. Eisen, viele alkalische 
Salze , die Proteinkörper organischer Arzneistoffe hierin schon vermöge ihrer 
Analogie oder Identität mit gewissen Bestandtheilen des Körpers den leztern 
ähnlich verhalten, und ebendeshalb weniger intens, wenigstens nicht leicht giftig 
wirken , untergehen umgekehrt andere mehr oder weniger fremdartige Stoffe im 
Körper bald diese bald jene Veränderungen, ohne jedoch dadurch bei ungetrübtem 
Verhalten des Organismus integrirende Bestandtheile desselben werden zu können, 
z. B. Säuren, Alkalien, fast alle Metalle und deren Salze, Jod, auch Bitterstoffe, 
Gerbstoffe u. a. Glucoside. Noch andere endlich scheinen auf der Passage durch 
den Organismus bis zu ihrer Ausscheidung weder selbst Veränderungen zu unter- 
gehen noch entdeckbare Veränderungen in den Bestandtheilen des Bluts, der 
Organe zu veranlassen, z. B. alle unlöslichen Stoffe, Farbstoffe, Alkaloide, Alcohol, 
Aether, Chloroform u. a. Zu beiden lezten Gruppen würden jedenfalls die wirk- 
samsten Medicamente gehören, und besonders eigentliche Gifte scheinen unver- 
ändert wieder ausgeschieden, wenigstens niemals in Verbindungen umgesezt zu 
werden, welche den normalen Bestandtheilen des Körpers analog oder gar iden- 
tisch wären. 

Ob die Arzneistoffe mehr durch diese oder jene Drüsenapparate aus dem 
Körper wieder ausgeschieden werden, hängt von ihrer Strömung gegen diese oder 
jene Organe und deren Gefässneze ab. Am häufigsten hat man sie bis jezt im 
Harn nachgewiesen. Manche z. B. Jodkai. finden sich in allen Secreten wieder, 
andere z. B. Kaliumeisencyanür nur im Harn, nicht z. B. im Speichel, in welchem 
doch viele andere Stoffe ausgeschieden werden (Bernard). Blei, Kupfer u. a. fand 
man in der Galle, nicht aber Jod, Arsen (Heller, Orfila). Auch die Schnelligkeit, 
womit verschiedene Stoffe übertreten und in den Secreten wieder erscheinen, 
ebenso die Zeitlänge, welche sie im Innern des Körpers verweilen, in welcher sie 
umgekehrt vollständig wieder ausgeschieden werden, sind bereits annähernd aus- 
gemittelt worden. Jod z. B. hat man schon 25, höchstens 60 Minuten nach dem 
Verschlucken von Jodkai., auch von Eisenjodür im Harn wiedergefunden (Marchai 
de Calvi, Quevenne, Schäfer u. A.), im Speichel sogar nach 5 Minuten (Lehmann) ; 
und als Krahmer Jodkai. 50 Tage durch eingenommen, sollen schon 6 Tage zu 
dessen völliger Ausscheidung ausgereicht haben. Milchsaures Natron macht den 



16 Wirkungen der Arzneistoffe im Körper. 

Harn schon in 13 Minuten alkalisch (Lehmann). In Mineralwassern scheint das 
Wasser schneller aufgesaugt und wieder ausgeschieden zu werden als die Salze 
drin. Organische, zusammengesezte Verbindungen werden meist bald und so oder 
anders umgesezt wieder ausgeschieden, während anorganische, fremdartige Sub- 
stanzen, zumal Metalle wie Quecksilber, Antimon, Arsen, Blei u. a. oft Jahre lang 
im Körper verbleiben, zumal in Leber, auch Nieren. Bei Hunden fand Orfila 
Silbernitrat noch nach 5 Monaten in der Leber, aber nicht mehr nach 7 Monaten. 
Ueber die Veränderungen der Arzneistoffe, wenn sie auf die äussere Haut, 
in Mastdarm oder Luftwege gebracht worden, ist im Ganzen wenig bekannt. Auch 
hier kommt es vor Allem darauf an, ob jene Stoffe mit den Bestandtheilen der 
Secrete z. B. des Corium nach entfernter Epidermis lösliche oder unlösliche Ver- 
bindungen eingehen, ob sie durch Einwirkung solcher Stoffe zersezt, ob sie in 
die Blutmasse eintreten und zu weiterer Einwirkung gelangen können oder nicht 
(s. Applicationsstellen). Viele Aezmittel, wie z. B. Höllenstein, Quecksibernitrat, 
Antimon-, Zink-, Gold-, Quecksiber-, Eisenchlorid, Säuren, Kreosot wirken zu- 
gleich coagulirend; andere wie Kali, Natron, AmmoniÄ, Arsenik, Phosphor- und 
Oxalsäure verflüssigend. 

IV. Wirkungen der Arzneistoffe im Körper. 

18. Alle sog. Heilmittel wirken zunächst auf einzelne Theile ein, mit 
denen sie in Berührung kamen, d. h. auf ihre Applicationsstellen. Diese 
können daher zunächst gewisse Veränderungen offenbaren, entsprechend der 
Art, dem Grade jener Einwirkung wie ihren eigenen Eigenschaften, ihrer 
Structur, ihren Bestandtheilen und Thätigkeitsweisen. Man nennt auch diese 
Wirkungen örtliche, und öfters treten solche vorzugsweise ein, z. B. durch 
Hautreize, Aezmittel, Laxanzen. Meist aber treten in zweiter Instanz Ver- 
änderungen auch in andern Apparaten des Körpers, d.h. in diesen und jenen 
Functionen ein, welche nicht unmittelbar von den applicirten Stoffen selbst 
berührt wurden. Man nennt sie entfernte, auch allgemeine, constitutionelle 
Wirkungen, und sie sind es, welche der Arzt am häufigsten bezweckt, selbst 
beim Gebrauch z. B. von Hautreizen u. a. 

Wie es einmal für die Krankheitslehre Bedürfniss war, ihre Krankheiten 
und Symptome mehr zu localisiren, d. h. auf gewisse Veränderungen dieser oder 
jener Vorgänge und Apparate zurückzuführen, und so die alten Krankheitsein- 
heiten in ihre einzelnen Vorgänge aufzulösen, so forderte auch die Heilmittellehre 
statt der zu allgemeinen und oberflächlichen , oft rein teleologischen Auffassung 
der Arzneiwirkungen vor Allem eine genauere Zerlegung und Localisation der- 
selben, ein Studium ihres Wirkungsmechanismus. Man fand, dass Bezeichnungs- 
weisen wie «Stärken, Aufregen, Beruhigen, Kühlen, Ableiten, Auflösen, Zertheiien» 
u. dgl. nur vage , unklare Phrasen und Generalisationen sind , welche in keiner 
Wissenschaft Geltung haben können. Auch besizen wir bereits genau und wissen- 
schaftlich durchgeführte Versuchsreihen in diesem Gebiet, besonders hinsichtlich 
des Verhaltens von Eigenwärme, Kreislauf, Harn, Athmungsgrösse , Hautaus- 
dünstung, Körpergewicht nach Einwirkung gar mancher Arzneistoffe und Ein- 
flüsse sonst. 

Alle thierischen Gebilde im engern Sinn, d. h. Nerven- und Muskelfasern 
können niemals längere Zeit hindurch denselben Grad functioneller Erregung oder 
Thätigkeit offenbaren ; ihre Wirkungsphänomene bleiben sich niemals längere Zeit 
durch gleich, vielmehr macht sich im Allgemeinen ein gewisser Rhythmus, ein pro- 
gressives Steigen und Wiederherabsinken der Functionirung bemerklich. Ist z. B. 
die Thätigkeit des Gehirns, auch des Herzens durch geistige Getränke erhöht wor- 
den, so erhält sie sich nie lange auf diesem hohen Stand ihrer Scala, sinkt viel- 
mehr bald auf das gewöhnliche Niveau, selbst unter dasselbe herab. War sie durch 
narcotische Stoffe, Brechweinstein, Kälte, Blutentziehungen herabgesezt, so zeigt 
sich früher oder später ein progressives Aufsteigen zu ihrem gewöhnlichen Stand- 
punkt, selbst über denselben hinauf; oder wenn die äussere Einwirkung zu stark 
gewesen, so sinkt die Functionsfähigkeit der Nervenapparate u. s. f. tiefer und 
tiefer, bis sie für immer oder nur periodisch schwindet, d. h. bis zu Schlaf, 
Lähmung oder Tod. Aus dieser Eigenthümlichkeit erklären sich manche Geseze 



Wirkungen der Arzneistoffe im Körper. 17 

auch der Arzneiwirkungen, z. B. dass ein Medicament immer wieder von Neuem 
applicirt werden muss, gewöhnlich sogar in steigenden Gaben, wenn die einmal 
erzielte Wirkung auf jene Functionen anhalten' oder sich wiederholen soll. Und 
weil einmal das Einhalten einer bestimmten Zeit, eines gewissen Rhythmus für 
alles Lebendige charakteristisch ist, schwinden auch z. B. die meisten Krank- 
heiten , Schmerzen , Krämpfe u. s. f. zum Glück von selbst wieder , woraus sich 
zugleich nicht wenige Curen dabei erklären. 

a. Oertliche "Wirkungren der Arzneistoffe. 

19. Am häufigsten wirken solche zunächst auf Schleimhäute, zumal 
der Verdauungswege oder auf die Hautdecken, und zwar ohne bei massigen 
Gaben tiefere Veränderungen derselben herbeizuführen. Manche vermehren 
nur die Abscheidung der Darmschleimhaut und ihrer Drüsen, oft zugleich 
die Contraction der Darmmuskelhaut, die Bauchpresse, so dass jezt wässrige 
Stühle abgehen (Laxantia, Purgantia) , während andere gerade umgekehrt 
wirken, Eiweissstoffe, Schleimstoff zur Gerinnung bringen und die Gewebe ver- 
dichten (Adstringentien). Lange Reihen von Stoffen wirken örtlich einfach 
erweichend und verflüssigend, lösen auch Fette, z. B. der Hautschmiere, 
oder üben zugleich einen beruhigenden, selbst lähmenden Einfluss auf peri- 
pherische Nervengeflechte (Emollientia, Demulcentia, beziehungsweise Cos- 
metica, Sedativa). Ebenso viele wirken tiefer und mehr oder weniger reizend, 
veranlassen Schmerz, Hyperämie, Exsudation, Entzündung (Acria, beziehungs- 
weise Rubefacientia, Vesicantia), während andere die berührten Theile sogar 
völlig ertödten oder direct zerstören, auflösen, indem sie mit ihren Bestand- 
theilen chemische Verbindungen eingehen (Aezstoffe). 

Obschon diese örtlichen Wirkungen der Untersuchung am zugänglichsten 
und in ihrer Deutung noch die sichersten sind , haben sie sich doch selbst bei 
den wichtigeren Substanzen noch lange nicht der nöthigen Forschung zu erfreuen 
gehabt, am wenigsten nach strengern, phyicalisch-chemischen Methoden. Um über- 
haupt örtlich merklichere Wirkungen zu veranlassen, müssen die Stoffe im Stande 
gewesen sein, die Epidermis- und Epithelial- oder Schleimschichten zu durch- 
dringen, weiterhin die peripherischen Nerven und Gefässneze, die organischen Ge- 
bilde irgendwie zu influenziren, zu verändern. Auch scheinen sich die Wirkungen 
eines Stoffes mehr oder weniger auf örtliche beschränken zu können : 1. wenn die 
Stoffe nicht in den Blutstrom übertreten, 2. wenn ihnen alle chemische Wech- 
selwirkung mit den Bestandtheilen der berührten Gebilde abgeht (sog. indifferente 
Stoffe , wie Wasser , Gummi , Fette , überhaupt fast alle organischen Substanzen), 
3. wenn die berührten Theile durch unlösliche Hornsubstanz , Epidermis, Epithe- 
lium u. dgl. geschüzt sind; wenn ihnen Blutgefässe, Nerven, contractile Fasern 
abgehen. Auf eiternden Flächen ersezen zwar Eiter und Exsudate bis zu einem 
gewissen Grade die Epidermis; doch erfahren sie durch die applicirten Mittel 
leichter Veränderungen und tiefere als z. B. die gesunde Haut. 

b. Allgemeine Wirkungen; Mechanismus ihres Zustandekommens. 

20. So wie uns diese Wirkungen erscheinen, bestehen sie am Ende in 
gewissen Veränderungen dieser oder jener Apparate und der in ihnen vor 
sich gehenden Processe, vor allen des Nervensystems und Kreislaufs, der 
Eigenwärme, Verdauung und Ernährung, des Athmens und der verschiedenen 
Ausscheidungsstoffe des Körpers. Ihr Eintritt sezt aber vor Allem einen 
Uebergang der wirksamen Stoffe in die Blutmasse u. s. f. und eine Vermitt- 
lung der Centralorgane des Nervensystems (sog. sympathische Wirkung) voraus. 

Von den örtlichen Wirkungen lassen sich die allgemeinen nicht so bestimmt 
abgrenzen als beim ersten Anblick scheinen möchte. Kommt es z. B. durch 
Senf, Canthariden, Brechweinstein in der Haut zu mehr oder weniger Entzün- 
dung, so wissen wir nicht, ob diese einzig und allein durch die örtliche Wir- 
kung jener Stoffe aufs Corium zustandekam. Dass leztere jedenfalls in den 
Blutstrom gelangten, ist unzweifelhaft, schon deshalb, weil sonst nicht einmal der 
Papillarkörper hätte ergriffen und entzündet werden können. Aehnliches gilt von 
Laxantien, von erweichenden, beruhigenden, örtlich narcotisirenden Mitteln u. a. 

7. Aufl. 2 



18 Wirkungen der Arzneistoffe im Körper. 

Ueberhaupt betreten wir mit dem Versuch, die etwa nach Anwendung eines 
Mittels eintretenden Veränderungen als bedingt durch dessen Einwirkung nach- 
zuweisen, bereits das schwierigere Terrain der Heilmittellehre. Wer kennt nicht 
die falsche Schlussweise : post (cum) hoc propter hoc ? Und doch wenden wir sie 
täglich an, und müssen sie anwenden, so lange wir nicht im Stande sind, aus 
den Eigenschaften oder aus der festgestellten Wirkungsweise eines Stoffes die 
etwa eintretenden Veränderungen im Zustand eines Gesunden oder Kranken folge- 
richtig abzuleiten. Immer laufen wir hier Gefahr, blosse Folgen mit Wirkungen zu 
verwechseln, und weiterhin «Wirkungen» eines Stoffes sogar erklären zu wollen, 
welche vielleicht gar nicht seine Wirkungen sind. Fehlt es uns noch an einem 
zureichenden Verständniss des Verhaltens der in den Körper übergegangenen 
Stoffe selbst, so gilt dies doppelt hinsichtlich ihrer etwaigen Wirkung auf Ner- 
venströmungen, Kreislauf, Stoffwechsel, Ausscheidungsstoffe u. s. f. in demselben. 
Und hinsichtlich der Beziehungen, welche zwischen jenen Stoffen, z. B. Queck- 
silber, Jod, alkalischen Salzen oder Alcohol, Aether, ätherischen Oelen, Morphin, 
Chinin und den dadurch bewirkten Veränderungen in unserer Oeconomie, in den 
Bestandtheilen und Processen des Körpers stattfinden mögen, haben wir kaum 
eine Idee. So viel daher auch jezt von Stoffwechsel und chemischen Wirkungen 
der Arzneistoffe bei Gesunden wie Kranken die Rede ist, unser Wissen reicht 
doch hier, wo es sich um Wirkungen im lebenden Körper handelt, kaum je zu 
deren Erklärung aus. Seit man daher diese ihre Wirkungen z. B. auf Harn und 
Harnstoff, Harn-, Phosphor-, Schwefelsäure u. s. f. in demselben oder auf ausgeath- 
mete Kohlensäure, auf Zersezungsproducte der Eiweissstoffe , der Kohlenhydrate 
im Innern der Organe vorzugsweise ins Auge fasst, mussten wir neben vielem 
Lehrreichen und Thatsächlichen auch nicht wenige Illusionen und Irrthümer mit 
in den Kauf nehmen. Denn treten auch derartige Wirkungen und Umwandlungen 
der Köperstoffe zweifelsohne oft genug ein, so ist doch die Menge der hiebei ent- 
standenen Umsazproducte viel zu klein, die Schwankungen in deren Menge schon 
beim gewöhnlichen normalen Verhalten aber sind viel zu gross , als dass wir 
etwaige Veränderungen darin immerdar so leicht gerade von der Einwirkung der 
eingeführten Stoffe ableiten oder deren Einfluss von demjenigen tausend anderer 
mitwirkender Momente, vor Allem des lebenden Körpers selbst zu unterscheiden 
vermöchten. Ja vielleicht dass nur wenige Arzneistoffe auf irgend eine Aus- 
scheidung durch Nieren, Lungen u. s. f. tief und nachhaltig genug einwirken, um 
nicht in ihrem Einfluss z. B. durch Wärme oder Kälte, durch jeweilige Nahrung 
und Getränke ganz oder theilweis aufgewogen zu werden. Geht man aber jezt 
überhaupt darauf aus, jene Wirkungen der Arzneistoffe, der Gifte möglichst zu 
localisiren und haarscharf zu erklären, so erklärt man öfters nur wenig, indem 
man allzuviel erklären will. Sagt man z. B. ein Stoff wirke auf Gehirn, verlän- 
gertes Mark, diese und jene Nervenfasergruppen, oder tödte von den Lungen oder 
vom Gehirn aus, so ist damit nicht erklärt, warum diese Theile oder vielmehr 
die durch sie vermittelten Processe und Functionen durch jenen Stoff bald so, 
bald anders infiuenzirt worden. So wirken z. B. gewisse narcotische, asphyxi- 
rende Stoffe nicht auf die Lungen, sondern lähmen vielmehr die motorischen 
Nerven der Athemmuskeln , oder hemmen die normale Kohlensäureausscheidung 
aus dem Venenblut u. s. f., so gut als z. B. sog. Harn- oder Schweisstreibende 
oder Speichelflussmachende Substanzen nicht gerade deshalb wirken, weil sie auf 
Nieren, Haut oder Speicheldrüsen wirken, sondern weil sie auf Blutmischung, Blut- 
druck, Eigenwärme u. s. f., kurz auf die physicalisch-chemischen Bedingungen 
jener Ausscheidungsprocesse wirken. Je allgemeiner und verbreiteter aber die 
Wirkungen überhaupt sind , d. h. je mehr Functionen nach Anwendung einer 
Substanz verändert erscheinen, desto dunkler der Hergang dabei. 

ct. Eintritt der Arzneistoffe in die Blutmasse. 
21. Von der Grösse und Raschheit der sog. endosmotischen Strömung 
oder Diffusionsfähigkeit durch die verschiedenen Flächen des Körpers wie 
bei verschiedenen Stoffen hängt im Allgemeinen die Leichtigkeit oder Schwierig- 
keit ihres Uebergangs in den Lymph- und Blutstrom ab, und damit ceteris 
paribus der Grad ihrer Wirksamkeit. Dasselbe gilt von Gasen. Unter den 
vielen Belegen für das Stattfinden dieses Uebergangs überhaupt aber sind 
auch hier folgende von Interesse: 



Wirkungen der Arzneistoffe im Körper. 19 

1. Bringt man gelöste Stoffe in die Höhle des Bauchfells, der Pleura 
u. a. oder in die Bronchien, so vermindert sich ihre Menge, sie können selbst 
ganz verschwinden. So z. B. wässrige Oxalsäure in die Bauchhöhle gebracht 
(Christison, Coindet); Lösungen von Opium, Brechnuss, Thieren in doppelt 
zugebundenen Darmschlingen beigebracht, vergiften sie. 

2. Alle durch chemische Reagentien oder Geruch, Geschmack, Farbe 
leicht nachweisbare Stoffe lassen sich in Chylus, Blut, Harn und andern Se- 
creten, selbst im Parenchym der Organe entdecken. 

In Blut, Chylus, Lymphe z. B. Alkalien, Erden, Metalle und ihre Salze, Jod, 
Indigo, Blausäure, Oxal-, Kohlensäure, Schwefelwasserstoff, Alcohol, Aether, Kam- 
pher, ätherische Oele, Emulsin, Alkaloide u. a. ' Aus dem Blut einer Ziege, 
welche Joddämpfe eingeathmet, Hess sich durch Schwefelsäure Jod darstellen 
(Panizza, Dorvault). 

Im Harn erscheinen sehr viele Stoffe (sog. urophane), zumal alle giftigen, 
manche schon nach wenigen Minuten: Brechweinstein, Arsen, Blei, Quecksilber, 
Eisensalze, Kupfer, Gold, Silber (?); Brom, Jodkalium, Säuren, auch Kohlensäure, 
Phenyl-, Carbolsäure; Alkaloide wie Chinin, Strychnin, Nicotin, Morphin u. a.; 
die Farbstoffe von Rhabarber, Senna, Heidel-, Maulbeeren, Kirschen, Safran, Cac- 
tus Opuntia, Gelbwurzel, Färberröthe, Rhamnus frangula, Campescheholz ; Zucker, 
Alcohol, Aether, ätherische Oele, Kampher; die flüchtigen Stoffe von Spargeln, 
Rettig, Copaiva, Castoreum, Asa foetida, Baldrian, Theer; Kohlenstickstoffsaure 
Salze (Carbo-Azotate). Manche Substanzen kommen nur in verändertem Zustand, 
zersezt u. s. f. im Harn zum Vorschein, z. B. pflanzensaure Salze als Carbonate, 
Jod als Jodür , Zimmt- , Benzoesure als Hippursäure (?) ; Säuren gebunden an 
Basen, Gerbsäure als Gallus-, später als Brenzgallussäure und Moderstoffe, Schwefel- 
metalle als schwefeis. Salze. 

Theils im Schweiss, theils in Haut- und Lungenausdünstung fand man 
die Farbstoffe von Rhabarber u. a. , ätherische Oele, die riechenden Stoffe von 
Knoblauch , Zwiebeln , Asa foetida u. a. , Aether , Kampher , Alcohol , Jod, 
Schwefel , Phosphor , Salpeter , Quecksilber , Arsen u. a. In der ausgeathmeten 
Luft fand man dieselben flüchtigen, riechenden Stoffe, auch Phosphor-, Tellur-, 
Schwefelwasserstoff; injicirt man leztern in die Vene, so färbt sich ein mit essigs. 
Blei getränktes Papier vor Mund und Nase gehalten schwarz. Speichel enthält 
zuweilen Quecksilber (?), Jod, Brom u. a. ; Galle Zucker, Alcohol, ätherische Oele, 
Jodkalium, Metall salze u. a.; Milch Jod, Quecksiber, Arsen, Zink-, Antimon-, 
Blei-, Eisen- u. a. Metall- wie alkalische Salze, Alcohol, Extractivstoffe , Cathar- 
tin, Chinin, Morphin u. a. 

In Geweben und Organen , besonders Leber , Milz , Nieren , Gehirn wie in 
Muskeln, Knochen fand man Quecksilber, Silber, Arsen, Kupfer, Blei, Tellur, Jod, 
Schwefel, Alcohol, Nicotin, die Farbstoffe der Färberröthe, von Campescheholz 
u. a. Färbung der Haut bei innerlichem Gebrauch von Silbersalzen. 

3. Secrete und Fleisch von Thieren, denen man Gifte und andere Sub- 
stanzen beigebracht, wirken oft wie diese Stoffe selbst. 

Harn von Menschen, die Fliegenschwamm genossen, kann Andere berauschen 
(Langsdorf) ; Harn von Thieren , welchen Belladonna , Bilsenkraut , Stechapfel 
gefüttert worden, selbst der Humor aqueus, in welchen Atropin von der Conjunc- 
tiva aus gedrungen, erweitern bei andern Thieren die Pupille; Fleisch von Thie- 
ren, die mit Kockelskörnern , Arsen vergiftet worden, kann Andere vergiften 2 ; 
Fleisch von Thieren , deren Futter in Rosmarin , Wermuth , Sumpfgewächsen be- 
steht , zeigt den Geschmack und Geruch dieser Pflanzen. Sprizt man gelöste 
Gifte, Kampher gelöst in Oelen in die Bauchhöhle eines Fötus von Kazen, Kanin- 
chen, der noch durch den Nabelstrang mit der Mutter zusammenhängt, so wird 
diese gleichfalls vergiftet (Savory). Wirkungen der Milch auf den Säugling, wenn 
sich Mutter , Amme mit alcoholischen Getränken berauscht (Heim's Fall) , wenn 
sie nacrotische Stoffe ^ Laxanzen , Emetica , Mercurialien eingenommen. Verwen- 

1 Stoffe wie z. B. Strychnin, die schon zu gr. l k—j tödten können, lassen sich freilich in 
den 20—30 8" Blut nicht immer nachweisen , besonders bei zweifelhaften Tastmitteln oder Un- 
geschick. 

2 Anders verhält es sich , wenn Fleisch u. s. f. zu wenig Gift enthält , wie z. B. bei durch 
Strychnin, Nicotin, Curara u. dergl. vergifteten Thieren. 

2* 



20 Wirkungen der Arzneistoffe im Körper. 

düng der Milch von Kühen, Ziegen u. a., denen Jod , Quecksilberpräparate u. a. 
gefüttert worden, als Arzneistoff; Alkalien der Mutter gegeben sollen die sog. 
Magensäure des Säuglings neutralisiren (Locock). 

4. Hält man Stoffe an der Applicationsstelle künstlich zurück, so bleiben 
ihre Wirkungen aus; umgekehrt kann Alles, was deren Uebertritt undUm- 
trieb durch den Körper fördert, auch ihre Wirkungen beschleunigen, verstärken. 

Saugt man Stellen, in welche durch Schlangenbiss, durch Inoculation giftige 
Stoffe gekommen, frühe genug mit Mund oder Schröpf köpfen aus, werden die 
Extremitäten zwischen Applicationsstelle und Herz oder die Blutgefässe selbst 
unterbunden , so tritt keine Vergiftung ein. Curara , Kaninchen in den Schenkel 
unterhalb einer Ligatur um denselben gebracht , wirkt nicht , bis leztere entfernt 
werden (Reynoso); desgleichen Strychnin, Digitalis bei Fröschen, deren Herz an 
der Basis unterbunden, in Haut oder Magen gebracht (Albers). Brechnuss in den 
Magen eines Kalbs gebracht , wirkt nicht giftig , wenn man durch Unterbindung 
des Pförtners ihren Uebertritt in den Dünndarm hindert (Bouley). Hat man das 
Gefässsystem eines Thiers durch Injection von Wasser in hohem Grade überfüllt, so 
wird dadurch so gut als z. B. durch Unterbinden von Blutgefässen der Eintritt 
flüssiger Stoffe erschwert; örtlich applicirte Gifte bringen jezt keine oder nur 
geringe Wirkungen hervor (Magendie), während gegentheils Entleerung des Ge- 
iässsystems so gut als Beschleunigung der Stromgeschwindigkeit des Blutes Ueber- 
gang und Wirkung solcher Stoffe fördern. Bei Cholerakranken, deren Kreislauf 
schliesslich stockt, geht z. B. Kaliumeisencyanür nicht in den Harn über (Hüb- 
benet), und selbst grosse Gaben Opium, Strychnin bleiben oft wirkungslos. Gif- 
tige Stoffe, z. B. Cyan wirken in unlöslichen Verbindungen nicht, worauf bekannt- 
lich auch die Wirksamkeit der besten Gegengifte beruht. Ja schon beigemischte 
Fette schwächen deren Wirkung, z. B. des Strychnin (Pindell) *. 

5.' Stoffe in die Haut, in seröse Säcke oder direct in's Blut gebracht 
wirken wie vom Mageii "und Darmcanal aus, oft noch ungleich rascher, stärker. 

Brechweinstein z. B. in Venen, in tiefere Muskelwunden gebracht macht 
Erbrechen (Krimer) ; schwefeis. Natron Durchfälle ; Chinin, Colchicumwein Collapsus, 
Convulsionen (E. Home, Briquet) ; Digitalis , Digitalin , in Venen gesprizt , wirkt rasch 
auf's Herz , auch wenn Vagusnerven , Sympathicus durchschnitten worden 
(Stannius). Rhabarber, auf die wunde Fläche eines amputirten Stumpfes gebracht, 
kann Purgiren und bittern Geschmack im Mund bewirken , Brechweinstein, 
Arsenik auf die Haut applicirt Magenentzündung, und oft treten solche Wirkun- 
gen troz der Aufhebung aller Nervenverbindung zwischen Peripherie und Centrum 
ein, was gegen ihr Bedingtsein durch dieselbe und gegen ihr Entstehen blos auf 
sog. sympathischem Wege spricht. 

Endlich gibt es keinen Grund, warum Stoffe nicht in den Blutstrom übergehen 
sollten, sobald dies überhaupt physicalisch möglich ist. Alle Gewebe werden ja 
von flüssigen, gelösten Stoffen durchdrungen, und dringen solche durch die Wan- 
dungen von Gefässen, so gelangen sie in den Blutstrom. Bringt man aussen auf 
eine Drosselvene die Lösung von Brechnuss-Extract, so treten Streckkrämpfe ein, 
und die innere Fläche der Vene zeigt einen bittern Geschmack (Magendie). Selbst 
die Cornea lässt Atropin, Jod und andere Stoffe hindurchdringen (Gosselin). Je 
leichter dies aber auf den Applicationsstellen geschieht, um so rascher und stär- 
ker die Wirkungen , und umgekehrt ; Nicotin z. B. wirkt von der Bindehaut des 
Auges aus rascher als vom Magen aus (Vlemincks). Und findet auch hiebei keine 
Wahlresorption im Sinn der alten Physiologie statt, so ist doch die Durchgängig- 
keit thierischer Gebilde so wenig als bei andern Substanzen eine gleichförmige, 
wechselt vielmehr je nach ihrer eigenen Structur und chemischen Zus^ammensezung 
wie nach ihren Beziehungen zu den verschiedenen Stoffen. Lassen z. B. irdene 
Gefässe, Tonnen, welche Wasser zurückhalten, Oele und andere Fette durch, sau- 
gen Thonboden, Kohle, Sand die verschiedenen Salze des Wassers in sehr ver- 
schiedenen Proportionen ein, so lassen sich auch thierische Membranen nicht 
einmal durch alle Salzlösungen gleich leicht durchdringen, und diese lassen sich 
eben so wenig von allen Membranen gleich leicht aufnehmen (Cloetta). 



* Fette Oele, in grössern Mengen vorher verschluckt, sollen Berauschung auch durch enorme 
Quantitäten Weins u. deigl. hindern, deren Abgang im Stuhl fördern, z. B. bei Jongleurs, sog. 
Baehusen. 



Wirkungen der Arzneistoffe im Körper. 21 

Die weitere Frage , ob gewisse Stoffe leichter durch Lymphgefässe in den 
Lymphstrom oder durch Venen in den Blutstrom übergehen, scheint noch nicht 
spruchreif (Magendie u. Delille, Ludwig, Bruch u. A.). Die meisten Stoffe gehen 
wohl durch beide, Arzneistoffe, Salze z. B. so gut alsTette, Eiweissstoffe, obschon 
in ungleichen Mengen, schon des so ungleichen Calibers jener Gefässe wegen. 
Auch hat man wohl deshalb manche Stoffe bis jezt nur im Blut, nicht in Lymphe 
und Chylus gefunden, z. B. viele Riech- und Farbstoffe, Metallzalze, Tannin, Chinin 
u. a. Bei Stockungen im Kreislauf, z. B. nach Unterbindung der Arterien eines Gliedes 
oder der Bauchaorta stockt auch der Eintritt von Stoffen sowohl in den Blut- 
ais Lymphstrom mehr oder weniger (Meder u. A.). 

ß. Vermittlung der Arzneiwirkungen durch das Nervensystem» 

auf sympathischem Wege. 

22. So gut als die Wirkung anderer äusserer Einflüsse, z. B. des Lichts, 
der Wärme und Kälte, der Electricität oder einfach mechanischer Berührun- 
gen auf unsern Körper wird auch die Wirkung vieler Arzneistoffe und Gifte 
vorzugsweise durch das Nervensystem vermittelt. Ganz besonders trifft dies 
bei Stoffen zu, welche eine Veränderung der vom Nervensystem abhängigsten 
Theile und Functionen zur Folge haben, wie z. B. alcoholische Flüssigkeiten, 
Aether und ätherische Oele, narcotische Substanzen, Strychnin, auch scharfe 
wie umgekehrt örtlich beruhigende, erschlaffende Mittel. Den Mechanismus 
oder die Art und Weise aber, wie all die Eindrücke auf peripherische Ge- 
bilde und Nerven auch auf entfernte, direct nicht berührte Organe durch 
Leitung oder Vermittlung gewisser Centralorgane des Nervensystems sich 
fortpflanzen können, lehrt die Physiologie. Eine ganz andere Frage ist, ob 
solche Wirkungen blos dadurch auf sog. sympathischem Wege eintreten kön- 
nen, d. h. unabhängig von jedem Eintritt der Stoffe in den Blutstrom, wie 
dies vordem häufig angenommen wurde, von Einzelnen (Brächet, Morgan 
und Addison, Paine u. A. auch noch in neuern Zeiten. Einige Gründe 
für diese jezt als grösstenteils irrig nachgewiesene Ansicht verdienen troz- 
dem auch hier Beachtung. 

1. Gifte bringen ihre Wirkungen unter Umständen hervor, wo sie nicht 
in's Blut u. s. f. übergehen konnten, und oft ohne dabei einen merklichen 
Gewichtsverlust zu erleiden. 

Gifte, z. B. Woorara, in oben und unten unterbundene Venen oder Arterien 
gebracht, wirken doch vergiftend (Fodere, Morgan und Addison); ein Hund, wel- 
chem Boerhaave eine 30 Gran schwere Pille eingegeben, wurde vergiftet, ohne 
dass die Pille mehr als 1 Gran an Gewicht verloren hatte ; in Papier eingewickel- 
tes Strychnin tödtet z. B Kazen, und doch findet es sich in deren Magen noch 
eingewickelt in seinem Papier (Devonshire und Horsley). Hiemit ist aber blos 
bewiesen , dass schon kleine Mengen dieser Gifte tödten können l , und auch 
in obigen Fällen war die Möglichkeit eines Uebertritts der Stoffe in's Blut z. B. 
durch Diffusion, Anastomosen u. s. f. nicht ganz ausgeschlossen. 

2. Manche Stoffe wirken mit einer Schnelligkeit, und unter Umständen, 
welche gegen ihren vorherigen Uebertritt in's Blut sprechen. 

Blausäure z. B. kann Thiere augenblicklich tödten , wenn sie blos auf die 
Zunge, in den Schlund gebracht wird; Brodie brachte etwas Bittermandelöl auf 
die Spize seiner Zunge, und fühlte unmittelbar nachher eine solche Muskelschwäche, 
dass er sich kaum auf den Beinen halten konnte. Nicotin wirkt, noch ehe es 
in den Magen gelangt (Albers), und Crotonöl kann schon auf die Zunge gebracht 
purgiren. Doch beweisen diese oft unbegreiflich raschen Wirkungen nichts für 
ihre Entstehung auf sympathischem Wege; Blausäure aber und verwandte Stoffe 
scheinen besonders durch Sistirung des Athmens , durch Erstickung so rasch zu 
wirken. Ueberdies ist die Kreislaufdauer durch den ganzen Körper z. B. beim 
Pferd nicht über 30, beim Menschen etliche 20, bei Kaninchen und dergl. 

1 Hier reiht sich an, dass Moschus und ähnliche Substanzen Jahre durch flüchtige Stoffe 
abgeben und dadurch auf unsere Geruchsnerven u. s. f. wirken können, ohne merklich an Ge- 
wicht zu verlieren. 



22 Wirkungen der Arzneistoffe im Körper. 

sogar nur 7 Secunden (Hering, Vierordt, Poiseuille u. A.), und noch raschere Wir- 
kungen eines Giftes treten selten genug ein K 

3. Unterbindung oder Durchschneidung der Nerven eines Theiles hin- 
dert die Wirkung der auf ihn applicirten Gifte. 

Brechnuss , Strychnin u. a. sollten nach Durchschneidung der Vagusnerven 
in den Magen gebracht nicht oder doch viel schwächer wirken (Dupuy, Brächet, 
Berard), was indess längst wiederlegt ist (Emmert, Müller, Brodie, Stannius 
u. A.) 2 . Auch hat überhaupt die Application narcotischer Stoffe auf einen Nerven 
nur örtliche Wirkungen zur Folge ; z. B. ein mit Opiumlösung benezter motorischer 
Nerve bringt zwar die Muskeln, in denen er sich ausbreitet, zu keinen Contractio- 
nen mehr, man mag ihn kneipen oder galvanisiren , nie tritt aber allgemeine 
Narcotisation , eine Wirkung auf Gehirn , Rückenmark ein (Müller). Nicht ein- 
mal das Eintauchen der Centralenclen durchschnittener Nerven in concentrirte 
Strychninlösung oder Blausäure hat bei Fröschen u. a. Vergiftung zur Folge 
(Montegazza), und ebensowenig wirken Digitalis- Aufguss , Digitalin auf biosgelegte 
Froschherzen gebracht lähmend auf dasselbe (Stannius u. A.). 

So gewiss nun an keine blos durch Nerven und Centralorgane vermittelte 
Wirkung der Arzneistoffe oder Gifte , unabhängig von jedem Eintritt derselben 
in den Blutstrom zu glauben, so wenig entspricht die frühere Ansicht, als müss- 
ten jene Stoffe im Blutstrom erst diesen und jenen Organen selbst zugeführt wer- 
den, um diese oder jene Wirkungen auf dieselben hervorzubringen, der heutigen 
Wissenschaft (S. 18). Frösche, denen man alle Eingeweide samt Gefässen 
ausgeschnitten, sterben doch durch Viperngift, welches man unter die Haut bringt, 
so schnell als andere (Girtanner). Aehnliches gilt von Strychnin , Curara u. a. 
Atropin erweitert die Pupille auch bei Fröschen, denen man Herz, Kopf, Gehirn 
u. s. f. weggenommen; sogar wenn man es nur auf's ausgeschnittene Auge bringt 
(Donders, Ruiter). 

c. "Wirkungren der Arzneistoffe auf die verschiedenen Apparate und Functionen 

des Körpers. 

23. Um die sog. Arzneiwirkungen bei Gesunden wie Kranken richtiger 
zu beurtheilen, müssen wir den Zusammenhang, die Ursachen der dabei vor- 
kommenden Erscheinungen verstehen. Sie können aber nur theils in den 
Eigenschaften und Wirkungsweisen der eingeführten Stoffe, theils und vor 
Allem in den Gesezen des lebenden Körpers ihre Begründung finden. Von 
diesem und all dem normalen Geschehen im lebenden Körper müssen wir 
somit ausgehen. Längst pflegt man dessen einzelne Vorgänge oder Func- 
tionen in die des sog. vegetative ) und höhern thierischen Lebens zu schei- 
den. Das Endresultat des erstem, Ernährung, Ausbildung und Rückbildung 
der Körperstoffe, Eigenwärme samt Erhaltung der Species, in lezter In- 
stanz vermittelt durch's Blut, kommt zustande durch all die mannigfachen 
Vorgänge in Verdauungs-, Athmungs-, Circulations- und Absonderungsappa- 
raten wie in den einzelnen mit Blut versehenen Gebilden selbst. Das End- 
resultat des andern ist Empfindung mit Bewusstwerden des Empfundenen, 
Wollen und selbstthätige Bewegung, kurz das geistige Leben, wie es nur 
demThier und im vollsten Maass dem Menschen zukommt, vermittelt durch 
ein Nervensystem und contractile, motorische Apparate. 

Die Heilmittellehre sucht jezt mehr und mehr die Wirkungen ihrer Mittel 
und deren Erklärung mit den Lehren der Physiologie, der Chemie in Einklang 
zu bringen; auch hat man seitdem gefunden, dass jene Wirkungen unmöglich so 



1 Willis sprizte in die Pleurahöhle eines Kaninchen 5j wässriger Blausäure von 4%, unter- 
band, als nach 10 Secunden Vergiftung eintrat, sofort dieGefässe eines Hinterbeines und schnitt 
dasselbe unterhalb der Ligatur ab. Im Wasser, worein es gelegt worden, fand sich Blausäure. 
W. sehliesst daraus auf eine der eigentlichen Strömung oder Blutwelle voraneilende Diffusion 
der Blausäure ; doch scheint eine solche bei der jezt bekannten Schnelligkeit des Kreislaufs 
durch Obiges noch nicht erwiesen und deren Annahme vielleicht überflüssig. 

2 Durch Amygdalin, 1/2 Stunde nach Emulsin gegeben, scheinen allerdings Hunde, deren 
Vagusnerven durchschnitten worden, nicht wie sonst vergiftet zu werden, aber wohl blos des- 
halb weil keine Blausäure entstand; ob in Folge gestörter Magenbewegung und dadurch ge- 
hemmter Vermischung jener Stoffe (B6rard), oder weil hier der Magensaft die Fähigkeit des 
Emulsin, Amygdalin umzusezen, aufhob (Nasse), oder ob aus andern Gründen , ist noch zweifelhaft. 



Wirkungen der Arzneistoffe im Körper. 23 

direct und einfach sein können wie man sich vordem dachte. Immer sezen sie 
wohl eine gewisse Veränderung in den physicalischen wie chemischen Bedingun- 
gen unserer Lebensprocesse , z. B. der Blutbildung und stofflichen Rückbildung, 
des Kreislaufs , Nervenlebens u. s. f. voraus , auch wenn uns solche noch räthsel- 
haft geblieben, und wir das Wahre unserer Erklärungsversuche nicht immer vom 
Falschen unterscheiden können. Doch ist es bereits gelungen, zumal die Vor- 
gänge des sog. vegetativen Lebens allgemein gültigen physicalischen und chemi- 
schen Gesezen mehr oder weniger unterzuordnen, sogar die Leitungen oder Strö- 
mungen im Nervensystem ; und damit ist auch unser Verständniss der Wirkungen 
von Arzneistoffen u. s. f. im lebenden Körper wenigstens im Vergleich zu früher 
bedeutend vorgeschritten. 

24. Das Blut, als Sammelplaz der von aussen eintretenden Stoffe wie 
als Abgabequelle aller den einzelnen Gebilden zugeführten Stoffe und damit 
als Hauptträger unserer Ernährung, unserer Eigenwärme kommt hier zunächst 
in Betracht. Nicht nur dass wir seine Mischungsänderungen in Folge des 
Zutritts vieler Arzneistoffe und die Gegenwart dieser leztern im Blut kennen- 
gelernt, auch die Veränderungen aller mit Blut versorgten Organe in ihrer 
Functionirung und Ausscheidung, oft in ihrem materiellen Substrat weisen häutig 
genug auf das Statthaben solcher Mischungsänderungen des Bluts hin. 

So kann sein* Gehalt an Eiweiss, Faserstoff, Hämatin und seine Gerinnungs- 
fähigkeit in Folge nahrhafter Kost, überhaupt eines kräftigenden Verfahrens, wie 
man glaubte auch nach Gebrauch sog. tonischer Arzneistoffe vermehrt werden. 
Directes Einführen sog. styptischer Substanzen, z. B. von Eisen-, Zinnsalzen, 
Alaun , Weingeist , Säuren kann das Blut zur Gerinnung bringen. Umgekehrt 
nimmt oft sein Gehalt an Eiweiss, Faserstoff, Fetten, überhaupt an festen Be- 
standteilen und damit seine Gerinnungsfähigkeit ab, z. B. nach längerer Einfuhr 
von Metallen, Alkalien, Jod, nach Blutentziehungen (sog. Hypinose). Weil einmal 
die Blutmasse und deren normale Mischung einerseits von der regelrechten Um- 
wandlung und Ausbildung unserer Ersazstoffe, also von Verdauung u. s. f. ab- 
hängt , anderseits vom regelrechten Umsaz der einzelnen Organstoffe , von der 
Bildung und Ausscheidung sämtlicher Auswurfsstoffe, müssen wohl Gifte, Arz- 
neistoffe, welche das eine oder andere dieser Glieder stören, auch die Mischung 
des Bluts so oder anders beeinträchtigen. Dies kann z. B. durch Metallzalze wie 
durch alcoholische , narcotische Substanzen bald mehr in Folge einer Störung der 
Verdauungs- und Anbildungsprocesse , bald mehr in Folge einer Hemmung des 
Sauerstoffzutritts beim Athmen u. s. f. , überhaupt der Oxydation oder des Um- 
sazes der Gewebstoffe, der Bildung und Ausscheidung von Kohlensäure, Wasser, 
Harnstoff u. s. f. geschehen. Ja gerade durch die dem Leben feindlichsten d. h. 
giftigsten Substanzen, wie Nicotin, Morphin, Strychnin, Cyan, Kohlenoxydgas, auch 
Kohlensäuregas, Chloroform, Alcohol u. dergl. scheint das Blut rascher oder lang- 
samer in der Art umgeändert zu werden, dass seine Hauptbestandtheile nicht 
mehr »ernährend« wirken , z. B. keinen mehr aufnehmen , keine Kohlensäure 
mehr ausscheiden können. 

Das Blut als erstes Bildungsmaterial oder Muttersaft für alle festen Gebilde 
des Körpers und als erster Abzugscanal seiner Auswurfsstoffe, all seiner Aus- 
scheidungen spielt wohl bei Kranken wie im gesunden Leben eine der wichtigsten 
Rollen. Auf seine Herstellung bei Kranken pflegte man daher immerdar ein 
Hauptgewicht zu legen, und mit Recht; nur scheint dies am wenigsten durch 
Substanzen wie Arzneistoffe möglich, welche nicht einmal zu normalen Bestand- 
teilen des Bluts werden können, und die eine Blutbildung vermittelnden Processe 
meist stören , nicht fördern. So gewiss Krankheiten nicht in jenen einfach che- 
mischen Veränderungen des Bluts u. s. f. bestehen , wie eine grasse Hum oral - 
pathologie sich dachte, so wenig können wir es in seinen normalen Bestandteilen 
so direct wieder herzustellen hoffen, wie man etwa künstliche Mineralwasser oder 
Weine fabricirt; und ebensowenig können wir uns die etwaigen Wirkungen un- 
serer Mittel dabei so direct und einfach chemisch erklären. 

25. Durch die Secretionsapparate werden auch die Arzneistoffe oft mehr 
oder weniger verändert, zersezt und mehr oder weniger rasch wieder abge- 
schieden, besonders durch Nieren, Leber, Lungen, Haut. Auch ist dies der 



24 Wirkungen der Arzneistoffe im Körper. 

einzige Weg, auf dem sich der Körper solcher Stoffe entledigen kann, und 
insofern zumal bei Giften von höchster Bedeutung. Für gewöhnlich gilt, 
dass durch Apparate, deren Ausscheidung nach Eintritt eines Stoffs beson- 
ders vermehrt erscheint, dieser leztere auch vorzugsweise wieder ausgeschieden 
wird. So z. B. viele Neutralsalze und scharfe organische Stoffe besonders 
im Harn; alcoholische, ätherischölige Stoffe, Aether durch Haut und Lungen; 
Metalle vorzugsweise durch die Leber (Orfila u. A.). Diese scheint über- 
haupt eine Art Sammelplaz für sehr viele fremdartige, zumal metallische 
Stoffe, während deren Ausscheidung trozdem oft mehr im Harn vor sich geht K 
Ausnahmen von obigem Saze sind häufig genug. Der Farbstoff z. B. der 
Rhabarber, die flüchtigen Stoffe von Rettigen, Spargeln, auch Jod, Salpeter u.a. 
gehen im Harn ab , ohne doch seine Absonderung merklich und constant zu 
steigern. Umgekehrt bewirkt Quecksilber eine reiche Speichelabsonderung, freilich 
theilweis schon durch Reizung von der Mundschleimhaut aus, während der Spei- 
chel nur wenig mit sich führt. Von Bedeutung ist hier überall schon die ver- 
schieden grosse Zufuhr der Stoffe zu den einzelnen Organen, Drüsen u. s. f. je 
nach der Menge ihres Bluts, nach Caliber, Reichthum ihrer Gefässe und der 
relativen Druckgrösse der Blutsäule in den verschiedenen arteriellen wie venösen 
Gefässabtheilungen 2 . Auch die Frage ist wichtig genug, ob jene Stoffe beständig 
in derselben Menge nach einem gleichförmigen Typus wieder ausgeschieden wer- 
den , oder ob zu gewissen Zeiten , z. B. Morgens , Mittags , Abends in ungleichen 
Mengen, und ob diese vom ersten Auftreten eines Stoffs in einem Secret, z. B. 
im Harn an beständig abnehmen, oder ob hier Fluctuationen eintreten. Es fehlt 
noch an genügenden Untersuchungen auch dieser Punkte; doch scheint die Aus- 
scheidung gewöhnlich nach einem intermittirenden Typus vor sich zu gehen, 
z. B. bei Antimon, Alkalien u. a. (Schweig, Falck, Millon und Laveran). Den- 
selben Typus fand ich bei der Imbibition thierischer Gebilde, und ähnliche Fluc- 
tuationen finden ja z. B. bei Ausscheidung der Harnsäure u. a. im Harn, der 
Kohlensäure beim Athmen statt. 

Je nachdem Substanzen vorzugsweise diese und jene Absonderungen ver- 
mehren, oder doch darin auftreten, hat man ihnen auch besondere Namen ge- 
geben. So haben wir Diuretica für die Absonderung des Harns; Diaphoretica, 
Sudorifera für Lungen- und Hautausdünstung , Schweiss ; Expectorantia , Bechica 
für die Bronchien ; Sternutatoria, Errhina, Ptarmica für Nase ; Laxantia für Darm- 
canal und Bauchpresse ; Emmenagoga für die Geschlechtsorgane des Weibs ; 
Cholagoga für Leber, Sialagoga für Speicheldrüsen, Pancreas; Lactica für Milch- 
drüsen; und sie alle zusammen heissen auch Evacuantia, Eliminantia. Andere 
vermindern grossentheils die Absonderungen, zumal wenn sie vermehrt waren 
oder an Stellen vor sich giengen, denen normaler Weise keine Ausscheidungen 
solcher Art zukommen: z. B. Blei-, Eisensalze, Alaun, Gerbstoff, sog. Adstrin- 
gentien, Styptica. 

26. Eine Reihe von Apparaten und Processen wirkt zusammen um Chylus, 
Blut zu bilden und Ernährung, Stoffumsaz der festen Theile zu vermitteln. Viele 
Stoffe sollen nun unter Mitwirkung anderer günstiger Einflüsse diese Pro- 
cesse im Magen, Darmcanal wie im Innern der Organe, wenn sie gestört 



1 Von hohem Interesse auch für obige Frage ist der Umstand, dass gewöhnlich, z. B. bei 
Salzen der Metalle, Alkalien, Erden wie bei organischen Substanzen, bei Getränken eine Thei- 
lung der eingeführten Stoffe eintritt. Ein Theil bleibt schon im Darmcanal , und geht mit den 
Fäcalstoffen ab; ein anderer tritt zwar in den Blutstrom, nicht aber in die moleculäre Zusam- 
mensezung der Organe ein, bleibt vielmehr im Blutstrom, und wird sofort wieder ausgeschieden, 
besonders im Harn; ein anderer endlich bleibt mehr oder weniger lange im Körper, und wirkt 
jezt hier oft um so nachhaltiger. Während z. B. nach Genuss von Wein, Bier fast Alles, be- 
sonders das Wasser sofort im Harn und durch Ausdünstung wieder abgeht, bleibt ein anderer 
Theil zurück, Alcohol z. B. besonders in Leber, Nieren u. s. f., und dieser mag jezt z. B. auch 
zum Fettwerden eines Trinkers beitragen. Von Arseniger Säure sind zum Tödten eines Hunds 
nach Orfila immer 2 Gran nöthig ; nur so viel bleibt auch im Innern der Organe liegen, während 
das Plus im Harn abgeht. Aus einem mit A. gefüllten Säckchen auf einer Schenkelwunde wird 
nicht mehr als 2 Gr. resorbirt, ausser es wäre zuvor A. aus dem Körper wieder abgeschieden 
worden. Kohlens. Natron scheint sich ähnlich zu verhalten. Auch bleiben Alkalien und deren 
Salze, Chlorüre länger im Körper als z. B. Erdsalze ; viele Metalle länger als Alkalien. 

3 Auch z.B. aus einer Eiweisslösung tritt auf sog. exosmotischem Wege um so mehrEiweiss 
zum Wasser, je höher die Flüssigkeitssäule der Eiweisslösung, also je grösser der Druck auf 
dieser Seite der Membran, und umgekehrt (Valentin u. A.). 



Wirkungen der Arzneistoffe im Körper. 25 

waren, zur Norm zurückführen helfen (sog. Stärkende Mittel, Tonica, Robo- 
rantia, Stomachica). Gewisser ist, dass gegentheils alle eigentlichen Arznei- 
stoffe und zumal unorganische in grössern Mengen oder bei längerem Gebrauch 
einen störenden Einfiuss auf Verdauung und Blutbildung wie auf die Er- 
nährung des Körpers äussern, z. B. Säuren, Metalle, Alkalien und ihre Salze, 
Jod, Alcohol, narcotische Stoffe. Man nannte sie deshalb zum Theil Lique- 
facientia, Alterantia, Antiplastica. 

Alcohol wie Metallsalze können z. B. die Verdauung schon durch Fällen 
des Pepsin, der Eiweissstoffe hemmen, Alkalien, Erden durch Neutralisiren der 
Salz- und Milchsäure im Magensaft; Salz-, Schwefelsäure u. a. durch Gerinnen 
des Eiweisses ; Stärkmehl, Zucker durch Bildung von allzuviel Milch- und weiter- 
hin Buttersäure; Fette, weil sie nur schwer emulgirt werden, schwer in Chylus 
u. s. f. übergehen. 

Auch für eine Erklärung des Einflusses vieler Arzneistoffe auf Ernährung 
und Stoffwechsel, auf all die sog. Oxydations- und Gährungsprocesse im Innern 
der Organe selbst hat die neuere Chemie ganz neue Bahnen eröffnet, und nicht 
minder für deren Gebrauch bei Kranken. Gehen doch zweifelsohne bald _ diese 
bald jene Modifikationen der Ernährung, des Stoffumsazes bei Kranken einher, 
und weil es sicherlich oft wünschenswerth genug wäre, dieselben zur Norm zu- 
rückzuführen, sollten auch Arzneistoffe dies bewirken. Insofern wir aber aus 
den in Harn, Athem u. s. f. ausgeschiedenen Stoffen und deren Menge einen Schluss 
auf jene Vorgänge im Innern selbst ziehen können, hat man leztere zugleich zur 
Erklärung der Wirkungsweise und des Nuzens vieler Arzneistoffe benüzen ge- 
lernt. Nur hat man anderseits ihre Wirkungen hiebei oft genug chemisch er- 
klärt, noch ehe man die Thatsache dieser ihrer Wirkungen oder ihres positiven 
Nuzens überhaupt auch nur entfernt festzustellen wusste. Sind doch bei Ge- 
sunden wie Kranken immerdar gleichzeitig noch ganz andere und jedem directen 
Zuthun des Menschen unzugängliche Momente in Wirksamkeit , deren Einfluss 
auf Entwicklung wie Rückbildung der Körperstoffe tausendmal grösser ist als 
derjenige irgend eines Arzneistoffs je sein könnte. 

Sicherere Aufschlüsse in dieser Beziehung scheinen Bestimmungen des Körper- 
gewichts zu geben, indem dessen Schwankungen wenigstens das Endbudget über 
Einnahmen und Ausgaben, Zuwachs oder Abnahme der Körperstoffe bezeichnen. 

27. Bei der so wichtigen Rolle, welche das Nervensystem im ganzen 
Leben spielt, muss es wohl durch die Wirkungen fast aller überhaupt wirk- 
samer Agentien und Arzneistoffe in Anspruch genommen werden. Indem 
es die Harmonie im Zusammenwirken aller einzelnen Theile und Vorgänge 
im Körper nicht blos vermittelt sondern auch bedingt, indem zumal seine 
Centralorgane als Regulatoren auch für Herz, Athemmuskeln und alle contrac- 
tilen Gewebe sonst wirken, ist es auch der Hauptleiter für die Wirkungen 
der Arzneistoffe auf alle möglichen Functionen, selbst im Gebiet der molecu- 
lären Bewegungen und Umänderungen 9 der Absonderungsprocesse u. s. f. 
Ganz besonders scheinen aber fast alle energisch wirkenden Stoffe und Gifte, 
organische wie anorganische die Leitung des ganzen centralen Nervensystems 
(Gehirn, Rückenmark, verlängertes Mark, Ganglien) mehr oder weniger bald 
zu steigern, zumal Anfangs, bald direct zu schwächen und selbst zu lähmen. 

Aufs Gehirn insbesondere und von hier aus auf Sinnes- und sensitive 
wie motorische Nervenfasergruppen wirken so narcotische Substanzen in der Art, 
dass Schwindel, Kopfschmerz, Erweiterung oder Contraction der Pupille, Halluci- 
nationen, Sinnestäuschungen der verschiedensten Art entstehen, Blindheit, Taub- 
heit, Lähmung der Sprechmuskeln, Betäubung, Delirien, Schlummersucht; die 
Contractionsfähigkeit der Muskeln sinkt, und nachdem öfters Convulsionen 
vorangegangen, kann Lähmung des Herzens, der Athemmuskeln, Hautnerven 
u. s. f. eintreten K Jenen ähnlich können Chinin, alcoholische Flüssigkeiten, 

1 Eine so wichtige Rolle hiebei das Nervensystem bei Geschöpfen spielt, die eines haben, 
so wenig kann es als wirklich wesentlich gelten, denn auch bei Pflanzen wird dadurch z. B. 
Verlust aller sog. Reizbarkeit und zulezt Tod herbeigeführt. 



26 Wirkungen der Arzneistoffe im Körper. 

Aether, ätherische Oele, Kampher, Stickoxydulgas wirken (sog. berauschende 
Stoffe, Inebriantia) *, wie denn überhaupt durch die Wirkung vieler Substanzen 
die Leitungsfähigkeit des Nervensystems nur theilweis und in geringerem 
Grade herabgesezt wird, z. B. durch sog. beruhigende, krampfstillende Stoffe. 
Sie alle können erst eine Beschleunigung des Pulses undAthmens, dann bei 
grossen Mengen auch Uebelsein und durch Contractionen der zum Brechact 
zusammenwirkenden Muskeln, von Schlund, Magen, ZAverchfell und Athem T 
muskeln sonst Erbrechen bewirken, schliesslich Betäubung u. s. f. Stoffe, 
welche schon in relativ kleinen Mengen Eckel und Erbrechen herbeiführen, 
heissen Nauseosa, Emetica, z. B. Emetin, Antimon-, Kupfer-, Zinksalze u. a.' 

Andere Stoffe dagegen wirken in der Art erregend aufs Gehirn, und 
seine Leitungsfähigkeit für peripherische Eindrücke, dass Schlaflosigkeit ent- 
steht, wie z. B. Thee, Kaffee. Diese so gut als kleine Mengen alcoholischer 
Flüssigkeiten, von Opium u. a. wirken zugleich auf's Gefühl, auf die ver- 
schiedenen Geistesthätigkeiten in diverser Weise ein, so dass es z. B. zu 
raschem, lebendigerem Fluss der Ideen kommt, zu Heiterkeit, erhöhtem Ge- 
schlechtstrieb u. s. f. 3 

Durch Rückenmark und verlängertes Mark, insofern sie die Central- 
und Vermittlungsorgane für weitaus die meisten Muskelnerven, auch für die 
Athemmuskeln u. s. f. sind, werden gleichfalls viele Wirkungen der Arznei- 
stoffe, Gifte vermittelt. Am heftigsten wirken Strychnin, Brucin, so dass 
Streckkrämpfe , ausnehmende Steigerung der sog. Reflexempfindlichkeit und 
Reflexbewegungen, endlich Lähmung eintreten, während durch Pfeilgifte, 
Curara willkürliche und sog. reflectirte Bewegungen, also die ganze Leitung 
zwischen Nerven und Muskeln aufgehoben werden. Da selbe geschieht durch 
Cyan , Blausäure hinsichtlich der Leitung zumal zwischen Athem-, Herzner- 
ven und ihren Centralorganen , so dass neben Lähmung dieser leztern Er- 
stickung, d. h. Aufhebung des zum Leben unentbehrlichen Gasaustausches 
in den Lungen die Folge ist, so gut als beim Einathmen sog. irrespirabler 
Gase, wie Kohlenoxyd-, Kohlensäure-, Schwefelwasserstoffgas u. a. 

Vorzugsweise durch Vermittlung des Ganglien- oder sympathischen Nerven- 
systems endlich wirken Arzneistoffe bald erregend, bald lähmend auf sog. 
tonisch -contractile Gebilde oder glatte Muskelfasern in Gefässen, Drüsen 
u. s. f., und damit auf Kreislauf, Ausscheidung, selbst Ernährung u. s. f., 
wobei jedoch in Betracht kommt, dass jene Parthie des Nervensystems keines- 
wegs so unabhängig von einer leitenden Verbindung mit Gehirn und Rücken- 
mark ist wie man sich vordem dachte. 

Hier überall hat man die Wirkungen der Arzneistoffe u. s. f. gleichfalls 
möglichst zu localisiren gesucht. Alcoholische Stoffe z. B. sollten aufs kleine 
Gehirn wirken, Morphin aufs grosse, dtropin auf die Vierhügel, Brechmittel auf 
Thalamus und Corpus striatum (Flourens, Budge) ; Aether, Chloroform beim Aethe- 



1 Insofern durch Aether, Chloroform, Amylen u. a. besonders noch die Empfindung von 
Schmerz aufgehoben wird, heissen sie anästhesirende ; Stoffe wie Atropin u. a., welche die 
Pupille erweitern, Mydriatica. 

2 Auch bei chronischer Vergiftung kann durch Metalle wie Blei, Arsen, Antimon u. a. das 
Gehirn in seiner Leitungsfähigkeit und selbst tiefer in seiner Mischung, seiner Textur ergriffen 
werden (Rokitansky, Mayerhofer u. A.). 

3 Nervensystem und das Gehirn insbesondere vermitteln zudem ein Hauptmoment bei den 
meisten Arzneiwirkungen und Curen, nemlich den Glauben oder die Vorstellungen, die Einbil- 
dung des Kranken dabei. Mancher derselben schlief z. B. auf Enzianpulver so gut wie auf 
Morphium, weil er lezteres eingenommen zu haben glaubte, und aus demselben Grund haben 
Andere auf die unschuldigsten Substanzen hin alle Zufälle der heftigsten Vergiftung bekommen. 
Als ein Pariser Arzt in seinem Fiacre eine Flasche Rum liegen liess, und bei der Polizei angab, 
das stärkste Gift sei drin enthalten , meldeten sich 3 Kutscher mit heftiger Colik , Krämpfen 
u. s. f. Tausende sind so durch Brodpillen, Wasser, homöopathische Streukügelchen oder durch 
Magnetisiren, Amulette, Reliquien kaum schlechter geheilt worden als durch officinelle Arzneien. 
Carl II. von England heilte nach altem Brauch 92,107 Scrofulöse durch blosse Berührung seiner 
Hand, und während ein Zweifler daran als Hochverräther verdammt wurde, erklärte natürlich 
die K. Gesellschaft der Aerzte u. s. t. in London die Wahrheit dieser Heilungen ausser allem 
Zweifel, so gut als unlängst die Prager Facultät die Heilung durch Reliquien. 



Wirkungen der Arzneistoffe im Körper. 27 

risiren auf's grosse,' dann aufs kleine Gehirn und Rückenmark, zulezt auf die 
Brücke (Flourens, Jobert). Diese Theile scheinen nun allerdings immer wieder 
die speciellen Centralorgane für gewisse Nerven oder Nervenfasergruppen und 
Functionen zu sein. So lange man indess diese selbst nicht sicherer kennt, sind 
derartige Erklärungsversuche mindestens voreilig. Während man sonst Convul- 
sionen so gut als z. B. Uebelsein und Erbrechen (Wollaston) von Hyperämie oder 
venöser Stase des Gehirns ableitete , sollen jezt Convulsionen u. s. f. oft vielmehr 
durch dessen Anämie bedingt sein (Tenner, Kussmaul). 

Wie narcotische, alcoholische Stoffe und sog. Krampfstillende Mittel (Anti- 
spasmodica, Relaxantia) ein Sinken, bei grossen Mengen sogar völlige Lähmung 
der Muskelcontractionen bewirken, können gewisse mechanische, chemische wie 
electrische und geistige Reize durch Vermittlung motorischer Nerven und deren 
Centralorgane eine Steigerung derselben zur Folge haben. So z. B. Tastberüh- 
rungen, Wärme, Electricität , flüchtig erregende Stoffe, Affecte, Willen. Indirect 
und dafür nachhaltiger wird die sog. motorische Energie selbst durch Bildung 
einer kräftigen Muskelsubstanz gefördert, also durch nahrhafte Kost, reine Luft, 
Muskel- oder gymnastische Uebungen u. s. f. Auch unwillkürliche Muskeln wer- 
den durch manche Stoffe zu gesteigerten Contractionen veranlasst. So wirken 
purgirende, scharfe Stoffe, Aloe auf Bauchpresse, Darmmuskelhaut (?), Mutterkorn 
auf die Gebärmutter, Canthariden auf den Blasenhals, und zwar durch Vermitt- 
lung ihrer Muskelnerven wie des Rückenmarkes, als sog. Reflexbewegung. Der 
Reflextheorie zufolge sezen bekanntlich die Wirkungen eines Stoffs auf solche 
entfernte, direct nicht berührte Gebilde, z. B. auf Muskeln, Herz, Gefässe, Drü- 
sen, Harn-, Geschlechtswerkzeuge u. a. immer die Vermittlung eines Centralappa- 
rates, d. h. eine Leitung des Eindrucks oder Reizes auf sensible Nerven erst zum 
Centrum (Rückenmark, Gehirn, Ganglien) und von da auf die Bewegungsnerven 
jener Theile, unter Umständen auch auf andere Empfindungsnerven voraus. Doch 
können, wie man jezt findet, Leitungen oder Ströme durch jeden Nerven in bei- 
den Richtungen, zum und vom Centrum gehen, so dass z. B sensible Nerven- 
fasern unter Umständen anch vom Centrum gegen die Peripherie leiten, und moto- 
rische von der Peripherie zum Centrum (Du Bois Reymond, Schiff u. A.). 

28. Indem der Kreislauf von der Druckgrösse des Herzens wie von 
contractilen Gefässwandungen abhängt, und mit der Athmungsgrösse , also 
mit den Athembewegungen in innigster Verbindung steht, äussern viele Arznei- 
stoffe u. s. f. einen ähnlichen Einfiuss auf denselben wie auf Muskel- und 
contractile Gebilde. Auch ist der Mechanismus ihrer Wirkungen durch Ver- 
mittlung des Nervensystems derselbe wie hier. So werden die Contractionen 
des Herzens, der Puls 1 beschleunigt durch alle Stoffe, welche auch Func- 
tionirung des Nervensystems, Eigenwärme, Athemfrequenz vorübergehend 
steigern, z. B. durch alcoholische, ätherisch-ölige Stoffe, durch Wärme, warme 
Bäder, Electricität, Freude, Liebe und andere Affecte (sog. Excitantia, 
Calefacientia). Umgekehrt werden die Contractionen des Herzens, der Puls 
verlangsamt , öfters auch umgekehrt beschleunigt, seine Energie , die Druck- 
grösse des Herzens und damit der Blutsäule, meist auch zugleich die Eigen- 
wärme vermindert durch narcotische Stoffe, vor allen Digitalis, Nicotin, Chinin, 
durch irrespirable Gase*, Eckel- und Brechen erregende Stoffe 3 , Säuren wie 



1 Die Schnelligkeit der Blutströmung, des Kreislaufs selbst aber wird dadurch nicht ver- 
mehrt, auch nicht durch rascheres Athmen, und umgekehrt durch schwächende, kühlende Mittel, 
Blutentziehungen u. s. f. nur wenig oder gar nicht verlangsamt, so dass also zwischen Pulsfrequenz 
und Strömungsgeschwindigkeit des Bluts gar kein constanter Zusammenhang stattfindet (Hering, 
Bidder und Lang, Vierordt). 

2 Durch ihren Gehalt an Schwefelwasserstoff und Kohlensäuregas scheint auch auf manche 
Mineralwasser z. B. Weilbach, Eilsen, Ems, Soden die Pulsfrequenz sinken zu können. 

3 Ein Sinken des Blutdrucks in Arterien, Venen hat man z.B. nach Brech weinstein, Zink-, Kupfer-, 
Bleisalzen, Chinin u. a. mittelst des Hämadynamometers constatirt (Blake, Lenz, Briquetu.A.), zu- 
gleich mit Sinken der Eigenwärme. So gut als bei grossen Blutverlusten, bei Collapsus pflegt aber 
auch beiNausea die Pulsfrequenz zu steigen, d.h. die Zahl derauf ein e Kreislaufdauer fallenden 
Pulse nimmt zu , indem die Systolegrössen der Ventrikel abnehmen (Vierordt). Mit Obigem 
hängt wohl zusammen, dass grössere Dosen fast aller wirksamen und zumal schwächenden 
Stoffe ungleich häufiger ein Sinken als ein Steigen der Eigenwärme bewirken (Dumeril , De- 
marquay und Lecointe) ; und während sie öfters um 5—10° C. sinkt, steigt sie umgekehrt niemals 
über 2—30. Auch die Pulsfrequenz sinkt Anfangs meistens. z.B. auf Wein wie auf Brausepulver, 



28 Wirkungen der Arzneistoffe im Körper. 

durch Kälte, Blutentziehungen, sparsame Diät, Hunger, Trauer (sog. Sedativa, 
Refrigerantia, Temperantia). 

Auf fast alle Stoffe dieser Gruppe kann bald der Harn reichlicher entleert, 
bald Hautausdünstung, Schweiss vermehrt werden oder Durchfall eintreten, je 
nach den Schwankungen des Blutdrucks und peripherischen Kreislaufs, der 
Körperwärme u. s. f. Auch kommt es häufig zu sog. Hyperämie, zu Blutanhäu- 
fungen in Gehirn, Lungen u. a , nicht sowohl in Folge einer Steigerung des Herz- 
drucks, überhaupt der treibenden Kräfte als vielmehr eines Sinkens der vom 
Blut bei seinem Kreislauf dort zu überwindenden Widerstände, durch Erschlaffung 
und Ausdehnung der Gefässe, in den Lungen zugleich durch Sinken des Luft- 
drucks in den Bronchien u. s. f. (Magendie, Valentin, Ludwig, Donders), also 
wie etwa bei Schröpf köpfen. Häufig entstehen auch diese Blutanhäufungen erst 
mit und nach dem Tod, indem sich das oft flüssig bleibende Blut nach den 
tiefsten Theilen senkt. 

29. Auf die Geschlechtsorgane wirken durch Vermittlung ihrer Nerven 
und der Centraltheile für diese (Kleinhirn, Rückenmark u. a.) viele Ein- 
flüsse und Stoffe erregend, insofern sie den Geschlechtstrieb steigern, die 
Erection des Penis, der Clitoris fördern: z. B. Wärme, Frictionen, alcoho- 
lische, ätherisch-ölige Stoffe, wie Vanille, Zimmt, auch Canthariden, Phosphor 
(sog. Aphrodisiaca). Vermindert wird gegentheils Geschlechtslust u. s. f. durch 
manche narcotische Stoffe, Eckel, Missbrauch alcoholischer Getränke, durch 
Alles was Nervenleben und Körperkraft herabsezt, wie Erschöpfung, schlechte 
Kost, Hunger, auch anstrengende abstracte Studien, Kummer (sog. Refrige- 
rantien, Antaphro disiaca) . 

Die Menstruation insbesondere wird befördert durch alle schon oben 
erwähnten Stoffe und Einflüsse, welche überhaupt auf die Geschlechtsorgane 
und deren Nerven erregend wirken, z. B. Wärme, ätherische Oele u. dgl.; 
neben vielen andern stehen auch Stoffe, welche zugleich die Actionen des 
Herzens, den Puls beschleunigen (wie flüchtige Excitantien, Safran) oder 
vorzugsweise die Uterin-, Beckennerven zu influenziren und weiterhin eine 
Reizung, Congestionirung dieser Parthieen zu veranlassen scheinen, wie Aloe, 
Sabina, Helleborus niger, Canthariden in diesem Credit (sog. Emmenagoga). 
Die Contraction des schwangern Uterus und damit die Entleerung seines 
Inhalts (Fötus, Nachgeburt u. s. f.) wird durch Stoffe gefördert, welche 
vorzugsweis auf dessen motorische Nerven, Rückenmark, Bauchpresse u. s. f. 
wirken: z.B. Sabina, Raute, Zimmt, Borax, Mutterkorn u. a. (sog. Ecbolica, 
Amblotica, Abortiva, wenn sie Contractionen des Uterus, Geburt in frühern 
Perioden der Schwangerschaft bewirken). 

Diesen reihen sich alle Stoffe an, welche den Organismus der Mutter tiefer 
afficiren und den Fötus tödten können, z. B. Arsen, Quecksilber, Blei, scharfe, 
narcotische Stoffe l . 

Therapeutische Gruppen. 

1. Evacuantia (Eliminantia) zum Fördern dieser und jener Ausscheidungen 
oder Entleerungen. 

Emetica (Vomitiva), Nauseosa, um Eckel, Erbrechen zu machen: Antimon 
(Brechweinstein, Kermes), Zink-, Kupfervitriol, Calomel; Brechwurzel, Emetin, 
Meerzwiebel, Rad. Asari, Tabak u. a. ; Senf, laues Wasser, Seifen-, Meerwasser; 
den Finger in den Hals. 



kaltes Wasser , narcotische Stoffe ; dann aber hebt sich dieselbe wieder , und steigt meist über 
das gewöhnliche Niveau (Lichtenfels und Frölich). 

1 Vordem, als man sich den Mechanismus der wenigsten im Obigen zusammengestellten 
Wirkungen der Arzneistoffe auch nur entfernt zu erklären vermochte, war viel von deren 
speci fischen Wirkungen die Rede. Man nannte so z. B. die Wirkung der Belladonna auf 
die Iris, der Digitalis aufs Herz , des Quecksilbers auf die Speicheldrüsen eine specifische oder 
elective und dachte sich dabei eine ganz eigenthümliche Wirkungsweise solcher Stoffe auf jene 
Organe. Doch finden jene Wirkungen weniger hierin als vielmehr in der eigenthümlichen Be- 
schaffenheit und Functionirung wie in der hiemit gegebenen eigenthümlichen Empfänglichkeit 
gewisser Organe, z. B. dieser und jener Centraltheile des Nervensystems oder einzelner Blut- 
bestandtheile u. s. f. für die Wirkungen gewisser Stoffe ihren Grund, und der Mechanismus 
ihres Entstehens ist also derselbe wie bei allgemeinen Wirkungen der Arzneistoffe überhaupt. 



Wirkungen der Arzneistoffe im Körper. 29 

Laxantien, Purgantien, Drastica (Cathartica, Laxativa, Lenitiva, Eccoprotica) : 
schwefeis. Natron, Kali, Bittererde und andere Mittelsalze, Weinstein, salinische 
Mineralwasser, mildere Mercurialien (Calomel), Schwefel, weisser Senf, Manna, 
Honig, Zucker, Obst (Pflaumen), Tamarinden-, Cassienmus, Ricinus-, Olivenöl, 
Butter, Fleischbrühe, reichliche Mengen fast jeder Flüssigkeit, zumal gesalzener, 
Milch, Kleienabsud; Senna, Rhabarber, Aloe, Jalape, Colchicum, Tabak, Sabina; 
Jalapenharz, Scammonium, Crotonöl, Gummigutt, Elaterium, Coloquinten, Helle- 
borus, Veratrum, Gratiola. 

Anthelminthica (Vermifuga, Vermicida), zum Tödten und Ausleeren von Ein- 
geweidewürmern : Wurmsamen, Tanacetum, Baldrian, Zwiebel, Knoblauch, Ter- 
pentin-, -Dippelsöl, Steinöl, Ol. Chaberti, Asa foetida, Kampher, Farrnkraut, 
Bitterstoffe (Wermuth, Enzian, Quassie, Angustura, Brechnuss, Ignatiusbohne) ; 
Wallnusschalen , Kosso , Saoria , Tatze , Musenna- , Granatwurzelrinde , Geoffraea ; 
Eisenvitriol, Eisen-, Zinnfeile, Zinkoxyd, Quecksilber, Antimon, Arsen; Dolichos 
pruriens, Nieswurz, Coloquinten, Kameela und andere Purgantien; Kochsalz, ge- 
salzene Speisen; Hungercur. 

Carminativa, zum Abtreiben von Blähungen: ätherisch-ölige, gewürzige, gei- 
stige Stoffe, Fenchel, Anis, Kümmel, Koriander, Kamille, Münze, Muscatnuss, 
Pfeffer, Ingwer, Zimmt, Kalmus, Pomeranzenschalen, Naphthen, Sectweine, Liquor 
Ammon. vinos., anisat. Wärme, warmer Thee, Klystiere, Frictionen, Bewegung. 

Cholagoga, zum Fördern der Galleabsonderung und Entleerung: Laxantien, 
Emetica, Nauseosa, Alkalien (Natron), Kochsalz, Mercurialien (Calomel), Mangan, 
Königswasser, Aloe, Rhabarber, Colchicum, CheTidonium, Taraxacum. 

Diuretica, zum Fördern der Abscheidung des Harns: Wasser, Grüner Thee, 
Münze, Sassaparille u. dgl. ; Wachholder, Terpentin, Balsame, Harze und deren 
ätherische Oele, Cajeputöl; Cainka, Pareira, Senega, Buccu, Bärentraube, Parie- 
taria, Scilla, Zwiebel, Meerrettig, Senf, Colchicum, Kubeben, Canthariden ; Drastica ; 
Wein, Branntwein, Naphthen, Aether; Digitalis, Tabak; Alkalien und ihre essig-, 
wein-, salpeter-, kohlensauren Salze, Seife, Salpeter-, Kohlensäure, Pflanzensäuren, 
salinische Mineralwasser und Säuerlinge, Jod, Brom, Quecksilber; Harn, Harn- 
stoff; Bäder, Kälte, Wärme; Aderlass. 

Lithontriptica (Lithonlytica) , zum Lösen von Harnsteinen, Gries, auch um 
deren Bildung zu hemmen : Wasser, Säuerlinge, alkalische Mineralwasser, kohlens. 
Alkalien, Kalkwasser, Borax, Seife, Pflanzensäuren, Salpetersäure, Pflanzenkost. 

Diaphoretica (Sudorifera, Diapnoica), zum Fördern der Hautausdünstung, des 
Schweisses: Wärme, warme Bäder, Wasserdampf, Frictionen, Muskelanstrengung, 
Bewegung; warme, nach Umständen kalte Getränke, oft geschwängert mit äthe- 
rischen Oelen des Flieder, Grünen Thee, der Kamille, Münze; spirituöse Stoffe, 
Naphthen, Aether, Moschus, Bibergeil, Kampher, Sassafras, Guako, Sassaparille, 
Senega, Mezereum, Guajak, Serpentaria, Angelica, ätherische Oele, Balsame, 
Harze, Benzoeblumen , Capsicum; Antimonialien (Goldschwefel, Brechweinstein), 
Gold, Schwefel, pflanzensaure Salze, essigs. Ammon., Salmiak; Essig u. a. Pflanzen- 
säuren, Dulcamara, Ipecacuanha, Opium (Dover's Pulver); Digitalis; Aderlass. 

Expectorantia (Bechica, Incisiva), zun? Fördern des Auswurfs: schleimige, 
fettölige Stoffe, Zucker, warme Getränke, Wasserdampf, Antimonialien (Kermes, 
Goldschwefel , Brechweinstein) ; Brechwurzel , Senega ; Opium (Dover's Pulver) ; 
Baldrian ; Mittelsalze , Salmiak ; Mercurialien , Calomel ; Aderlass ; Harze, Balsame, 
Benzoe, Gummiferulaceen, Scilla, Knoblauch, Inula, Kalischwefelleber, Kampher, 
reizende Dämpfe und Gase, von Theer, Chlor, Jod, Tabak, ätherischen Oelen. 

Errhina (Sternutatoria, Ptarmica), um Absonderung und Ausleerung des Na- 
senschleims, das Niesen zu fördern : Wasserdampf, fette, schleimige Stoffe, Zucker, 
Seife ; Calomel , Salmiak , Kochsalz ; Majoran , Melisse , Ysop , Salbei , Thymian, 
Lavendel, Rosmarin u. dgl. ; Tabak, Veratrum, Nieswurz, Rad. Asari, Euphorbium. 

Sialagoga, zum Fördern der Speichelabsonderung: Quecksilber, Gold, Silber, 
Jod, Salpetersalzsäure; nauseose Stoffe. Masticatoria , Kaumittel: Bertramwurzel, 
Celastrus edulis, Mastix, Tschinguel, Xanthoxylon caribaeum u. a. ; Ingwer, Pfef- 
fer, Betel, Senf, Meerrettig, Zwiebel, Knoblauch, Cyclamen, Cyclamin, Meze- 
reum, Tabak. 

Lactagoga, zum Fördern der Milchabsonderung: Anis, Fenchel, Melisse, Po- 
tentilla, Borrago, Caroten, Saponaria, Malve; Pulsatille, Lactuca sativa, Ricinus 
communis, Jatropha Cürcas; Eisen, Kochsalz, Leberthran, nahrhafte Kost u. s. f. 



30 Wirkungen der Arzneistoffe im Körper. 

Emmenagoga, zum Fördern der Menstruation : Sabina, Aloe, Drastica, Gummi- 
gutt u. a., Mutterkorn, Brechnuss, Nieswurz; Balsame, Myrrhe, Stinkharze, Raute, 
Chenopodium, Baldrian, Kamille, Münze, Melisse, Kalmus, Arnica, Castoreum, 
Phosphor, Canthariden, Färberröthe; Borax, Gold, Quecksilber, Mittelsalze; Jod; 
warmer Wein, Kohlensäure; Wärme, Wasserdampf, Fuss-, Sizbäder; Electricität, 
Bewegung, Coitus; Eisen, Stahlwasser, China; nahrhafte Kost; Blutentziehungen. 

2. Resolventia (Liquefacientia) , um Lösung und Wegführung ausgeschie- 
dener Stoffe u. dgl. im Blutstrom zu fördern : Wasser (salinische , alkalische) ; 
Alkalien, Erden und ihre Salze ; Seifen ; Sauerstoff, Jod, Brom, Quecksilber, Antimon, 
Säuren; Schwefellebern; Conium u. a. Narcotica ; Electricität, Galvanismus ; Hunger, 
Bäder, Douchen, Friction, Erschütterung. 

3. Tonica (Roborantia, Euplastica), um Blutbildung, Ernährung, Kräfte zu 
fördern : Enzian , Quassie , Colombo , Liehen , Angustura , Cascarille , Wermuth, 
Hopfen, China, Weiden-, Ulmenrinde; Eisen, Stahlwasser, Kalkphosphat, See-, 
Flussbäder , Kaltwassercur , reine Luft , nahrhafte Kost ; Bewegung , Freude, 
Trost, Hoffnung. 

4. Adstringentia (Exsiccantia , Haemostatica , Styptica) , um contractile 
Gewebe zu verdichten, Absonderungen zu beschränken, Eiweiss, Schleimstoff zu 
coaguliren : Gerb-, Gallussäure, Eichenrinde, Tormentille, Ratanha, Bärentraube, 
Catechu, Kino, Monesia u. a. ; Blei-, Eisen-, Kupfer-, Zink-, Silbersalze, Zinkoxyd, 
Kalk, Alaun, Säuren, Kreosot, Weingeist; Kälte. 

5. Emollientia (Demulcentia , Diluentia) , zum Erweichen , Lösen , Er- 
schlaffen : schleimige , süsse , fette , Eiweiss- , Stärkmehlhaltige , gelatinisirende 
Stoffe, wie Arab. und Traganthgummi , Salep, Eibisch, Malve, Honig, Zucker, 
Süssholz, Datteln, Butter, Oliven-, Lein-, Mandelöl, Eier, Milch, Sago, Arrow-root, 
Weizen- , Stärkmehl , Leim ; narcotische , nauseose , emetische Stoffe ; Wärme, 
warmes Wasser , Cataplasmen , Fomente ; feuchtwarme Luft ; Aderlass ; Lange- 
weile , Schlaf. 

6. Refrigerantia (Temperantia) , zum Kühlen , Beruhigen , Schwächen : 
Kälte, kalte Waschungen, Umschläge, Bäder; örtlich schnell verdampfende Spiri- 
tuosa ( Aether , Naphthen) ; Säuren , säuerliche Früchte und Pflanzen , Molken, 
Mittelsalze, saure pflanzens. Salze ; Aderlass ; sparsame, vegetabilische Kost ; Wein, 
Bier, nahrhafte Kost; Langeweile, Ruhe, Stille. 

7. Sedativa (Antispasmodica , Anodyna , anästhesirende Mittel , Pare- 
gorica, Soporifica s. Hypnotica), um Schmerz, Krämpfe, Aufregung, Schlaflosig- 
keit zu beseitigen: Blausäure, Opium, Bilsenkraut, Belladonna, Aconit, Lupulin 
u. a. ; Aetherisation ; Kälte, Gefriermischungen; Zink, Kupfer, Wismuth, Silber, 
Arsen; Baldrian; Kamille, Castoreum, Moschus, Stinkharze, Ammoniakalien, brenz- 
liche Stoffe, Glonoin, Kampher ; kühle, warme Bäder ; Aderlass, Langeweile, Stille, 
Ruhe, eintönige Musik, Hypnotismus, thierischer Magnetismus. 

8. Excitantia (Stimulantia, Calefacientia , Analeptica, Stomachica) , zum 
Beleben, Aufregen des Nervensystems, Herzens u. s. f.: Aether, Naphthen, Alco- 
holica, Kampher, ätherisch-ölige, gewürzige Stoffe, Balsame, flüchtig-scharfe Stoffe, 
Ammoniakalien, Phosphor; Electritälp^ Wärme, Freude, Hoffnung, Leidenschaften; 
rasche Musik. 

Aphrodisiaca, um den Geschlechtstrieb zu steigern: Castoreum, Moschus, 
Zibeth, Ambra, Zimmt und andere gewürzige, ätherisch-ölige Stoffe; Wein; Opium, 
Indischer Hanf; Terpenthin, Myrrhe, Phosphor, Canthariden, Eisen, Kochsalz; 
nahrhafte Kost, Fische, Austern, Kartoffeln, Hülsenfrüchte; Wärme; Liebe, 
Schönheit, Faulheit. 

9. Rubefacientia, Vesicantia (Epispastica , Suppurativa, Revulsiva, 
Derivantia) : Senf, Zwiebel, Seidelbast, Euphorbium , Essigsäure , Ammoniakliquor, 
Sabina, Canthariden, Meloe, Brechweinstein; Brennesseln, Baunscheidtismus , Re- 
vulseum; Hize, Friction. 

10. Caustica (Cauteria, Escharotica) , zum Aezen: Aezkali, -Kalk, -Am- 
nion; Mineralsäuren; Arsenik, Quecksilberoxyd und -Nitrat, Sublimat, Antimon-, 
Gold-, Eisen-, Zinkchlorid, Höllenstein, Kupfer-, Eisen-, Zinkvitriol, Chromsäure, 
chroms. Kali ; Alaun , Kreosot , Jod , Brom ; grosse Hize , Glüheisen , Moxa. 

11. Desinficientia, Antiseptica, um Gährung, Fäulniss zu hindern, 
die Gase dabei zu zerstören, zu binden oder zu maskiren : Chlor, Chloralkalien, 
Chlorkalk; Sauerstoff, Salz-, Salpetersäure, Salpetrige, Schweflige Säure; Aezalka- 



Physiologische, therapeutische Arzneiwirkungen. 31 

lien, Aezkalk ; Eisenacetat und -Chlorür, Eisenvitriol, Zinkchlorid, Salpeters., essigs. 
Blei; Kohle, Karbolsäure, Kreosot, Theeröl; Ventilation. 

12. Cosmetica für Haut, Haare: Reinlichkeit, Hautcultur, gesunde 
Lebensweise; Fette, Pomaden (Fette mit ätherischen Oelen), Bittermandeln, Man- 
delkleie; Seifen (Mandel-, Venetianische Seife); Alkalien, Säuren, Meerrettig mit 
Milch; Borax, Benzoetinctur. Schminken: Karmin, Stärkmehl, Magisterium 
Bismuthi. Färbmittel für Haare: Schwefelblei, Schwefelsilber, Höllenstein, 
Bleizucker mit Aezkalk, Bleiglätte; Brenzgallussäure, Absud von Wallnussschalen. 
Cosmetica für Zähne (D en tifricia): Wasser und Zahnbürste; Lindenkohle, 
verkohltes Brod mit Kochsalz ; Sepienknochen, Kreide, Kalk, Bimsstein ; Weinstein, 
Kochsalz, schwefeis. Kali; Säuren, Chlorkalk; China, Catechu, Bolus, Myrrhe, 
Coca, Drachenblut. Depilatoria: Arsen, Operment, Aezkalk (mit kohlens. Kali), 
Kalkschwefelleber, Schwefelbaryum (mit Stärkmehl), kohlens. Alkalien; Pechpfiaster. 

V. Constante oder sog. physiologische Arznei Wirkungen, und zufällige, 
z. B. therapeutische bei Kranken. 

30. Die Wirkungen aller überhaupt wirksamen Arzneistoffe bestehen 
am Ende in einer Störung, wo nicht in einer Art wirklichen Erkrankens 
des Organismus. Als physiologische Wirkungen derselben pflegt man 
solche zu bezeichnen, welche bei Gesunden und unter allen Umständen 
eintreten, immerhin so constant, dass sie als wesentlich bedingt durch jene 
Substanzen gelten können. Man nennt z. B. das Erbrechen auf Brechwein- 
stein, Speicheln 1 uss auf Quecksilber, Betäubung und Schlaf auf Opium, Ver- 
langsamung des Pulses auf Digitalis deren constante physiologische Wirkungen, 
mögen sich auch hierin ausnahmsweise diese und jene Verschiedenheiten 
bemerklich machen. Ganz anders verhält es sich, wenn man Arzneistoffe 
Kranken beibringt, in der Absicht, deren Heilung dadurch zu fördern, und 
wenn jezt diese oder jene Veränderungen in deren Zustand, kurz sog. thera- 
peutische Wirkungen eintreten. Nicht allein dass sich jezt überhaupt andere 
Erscheinungen bemerklich zu machen pflegen als auf dieselben Stoffe bei 
Gesunden, öfters sogar ganz entgegengesezte 1 , diese Erscheinungen oder 
angeblichen Wirkungen können auch auf denselben Arzneistoff hin höchst ver- 
schiedene und umgekehrt auf die verschiedensten Stoffe hin die gleichen sein. 

Hieraus folgt denn nothwendig, dass die Arzneistoffe auf das Zustandekom- 
men all dieser Erscheinungen oder sog. therapeutischen Wirkungen bei Kranken 
gar keinen oder doch nur einen höchst untergeordneten Einfluss haben konnten; 
dass vielmehr deren eigentliche Ursache, wie sich ohnedies von selbst ver- 
steht, nur im lebenden Körper selbst, in dessen nach eigener innerer Gesez- 
mässigkeit vor sich gehenden Prozessen und Reactionen zu suchen ist. Eben 
deshalb sind aber all die angeblichen «Wirkungen» der Arzneistoffe bei 
Kranken so variable und zugleich rein zufällige. Denn sie sind ja wenn 
nicht ganz, so doch grossentheils und wesentlich bedingt durch ganz andere 
Ursachen als die Einwirkung jener Substanzen an sich, durch einen Complex 
von Umständen und Einflüssen zumal seitens des lebenden Körpers, welche 
durchaus selbstständig vor sich gehen, und somit von jedem Zuthun der 
Arzneistoffe unabhängig sind. Tritt deshalb nach deren Anwendung diese 
oder jene Veränderung im Zustand eines Kranken, z. B. Besserung oder 
Heilung ein, so können wir auch deren zureichende und wesentliche Ursache 
nur im lebenden Körper selbst und seinen Processen suchen, mit welchen 
vielleicht die Wirkung unserer Arzneistoffe an sich wenig oder gar nichts 
zu thun hatte. Jedenfalls sind wir ausser Stands zu beurtheilen, ob und 
welche Rolle sie überhaupt dabei gespielt haben mögen; ob das Endresultat, 



1 So kann z. B. Quecksilber keinen Speichelfluss, Wasser dagegen heftiges Erbrechen, 
Brechmittel kein Erbrechen herbeiführen; auf Wein kann statt Erhöhung der Pulsfrequenz und 
Eigenwärme vielmehr Sinken derselben und auf ein Laxans statt Durchfällen Erbrechen ein- 
treten oder völliger Collapsus und Tod. 



32 Physiologische, therapeutische Arzneiwirkungen. 

ob die Besserung und Heilung eines Kranken einzig und allein durch den 
spontanen, selbstständigen Verlauf seiner Lebensprocesse oder theilweis durch 
Zuthun unseres künstlichen Eingreifens mittelst Arzneistoffen u. s. f. bedingt ist. 
Lezteres wird nur dann wahrscheinlicher sein, wenn Kranke derselben 
Art nach deren Anwendung constant oder doch ungleich häufiger und rascher 
sich bessern und genesen als sonst, weshalb denn auch nur vergleichende 
statistische Beobachtungsreihen an Kranken derselben Art zu einem Ur- 
theil wenigstens über den Nuzen und positiven Einfluss gewisser Arzneistoffe 
obenhin führen können. So lange aber dieser leztere nicht durchaus festgestellt 
ist, kann vollends von einer halbwegs sichern Erklärung oder Theorie ihrer 
Wirkungsweise bei einer Krankheit gar keine Rede sein. 

Jenes «Zufällige» der Arzneiwirkungen bei Kranken ist natürlich nicht so 
zu verstehen, als hätten dieselben unter den einmal gegebenen Umständen nicht 
durchaus ebenso nothwendig eintreten müssen als die sog. physiologischen oder 
constanten bei Gesunden. Und weil die Arzneistoffe an sich in einem kranken Kör- 
per sicherlich gerade ebenso wirken werden wie in gesunden, werden auch etwaige 
Verschiedenheiten ihrer «Wirkungen» dort und hier nur durch den eigenthüm- 
lichen Zustand Kranker im Vergleich zu Gesunden bedingt sein. Vielmehr liegt 
das Zufällige und Variable ihrer «therapeutischen Wirkungen» bei Kranken darin, 
dass diese nur zum kleinsten Theil und oft gar nicht Wirkungen der Arzneistoffe 
sind; dass leztere auch im besten Fall nur eine höchst untergeordnete und oft 
so gut wie gar keine Rolle dabei gespielt haben. Ungleich weniger trifft dies 
immer und überall bei örtlichen als bei allgemeinen oder sog. constitutionellen 
Arzneiwirkungen zu, und ebendeshalb sind auch erstere bei Kranken ungleich con- 
stanter l . So wenig aber Arzneistoffe Kranken gegenüber anders sich verhalten 
und anders in ihrem Körper wirken als bei Gesunden, ebenso gewiss sind Krank- 
heiten nichts weniger als specifisch eigenthümliche und von Gesunden wesentlich 
verschiedene Zustände. Immer sind ja bei Kranken die gewöhnlichen Hebel und 
Mechanismen des Lebens in Wirksamkeit, alle Processe und Functionen gehen 
wesentlich vor sich wie sonst, nach denselben Gesezen, und weichen im Grunde 
nur gradativ von denen im gesunden Körper ab. Schon deshalb werden hier 
Arzneistoffe an und für sich nichts wesentlich Anderes bewirken können als bei 
Gesunden, so wenig als es ein besonderes Leben oder eine besondere Physiologie 
für Kranke gibt. Und so lange daher nicht bewiesen ist, dass Arzneistoffe auch 
bei Gesunden wesentlich dasselbe bewirken , was man bei Kranken kurzweg als 
deren «Wirkungen» zu deuten pflegt, können wir aus allen Erfahrungen am 
Krankenbett nimmermehr beurtheilen, ob und wie weit jene «Wirkungen» wirk- 
lich die Wirkungen jener Stoffe sind. Mit andern Worten, aus dem Besserwerden 
oder Genesen Kranker nach Anwendung von Arzneistoffen u. s. f. an und für 
sich folgt noch nicht, dass leztere irgend etwas damit zu thun hatten. 

Völlig im Widerspruch hiemit wie mit jeder Forderung, welche Wissen- 
schaft und Logik an unsere Beweisführung stellen, pflegen Aerzte sogut als 
Publicum alle Heilungen ohne weiters als Wirkungen ihrer Arzneistoffe und Mittel 
anzusehen. Weil wir noch heute ausser Standes sind, deren etwaige Wirkungen 
und Dienste hiebei aus ihren festgestellten Eigenschaften und Wirkungsweisen 
folgerichtig abzuleiten oder zu erklären, hält man sich an den blossen Erfolg 
oder vielmehr an die Folgen, an's «e juvantibus et nocentibus», ohne zu bedenken, 
dass selbst alle Besserungen und Heilungen Kranker nach Gebrauch eines Mittels 
so gut wie nichts für dessen Einfluss dabei beweisen. Denn die spontanen Heilungspro- 
cesse haben ja immer und überall jedenfalls die Hauptrolle dabei gespielt. Vielleicht 
ist es kaum zu verwundern, wenn Aerzte, a priori von der Macht ihrer Arzneien 
überzeugt und darauf aus, Kranke dadurch zu heilen, in jeder Heilung die Wir- 
kung ihrer Mittel erblicken. Schon mit Obigem ist aber gegeben, dass unser 
Urtheil hierüber immer ein rein willkürliches und häufig durchaus falsches sein 
wird, sobald wir aus der blos geglaubten und wünschenswerthen Nüzlichkeit 



1 Scharfe Substanzen z. B., purgirende, Brechenerregende u. a. mögen öfters bei Kranken 
nicht wie sonst auf Nervensystem, Kreislauf u. s. f. wirken; örtlich auf der Haut oder im Magen 
und Darmcanal aber treten immer wesentlich dieselben Wirkungen ein, und zwar bei Kranken 
wie Gesunden. Auch ist damit bewiesen, dass diese leztern Wirkungen immerdar ganz wesent- 
lich durch die einwirkenden Stoße mit bedingt sind. 



Physiologische, therapeutische Arznei Wirkungen. 33 

unserer Heilversuche auf deren Wirklichkeit schliessen. Wohl möglich, dass ein- 
zelne Arzneistoffe mehr oder weniger zur Genesung Kranker beitragen. Doch 
bevor uns ein Urtheil hierüber zukommt, müsste vor Allem festgestellt sein, ob 
und wie weit jene Kranken nicht ebenso häufig von selber genesen. Bisherige 
Vergleichungen dieser Art, absichtliche wie zufällige, sprechen eher gegen als 
für einen positiven Einfluss fast aller Arzneistoffe. Der Arzt, welcher auf seine 
Mittel Kranke genesen sieht, mag freilich darin die Hauptursache erblicken. Um 
indess aus Erfahrungen am Krankenbett etwas der Art schliessen zu können, 
müssten sie vor Allem über grosse Zahlen sich ausdehnen. Geschieht dies, und 
vergleichen wir grosse Zahlen Kranker derselben Art, so sehen wir fast immer 
die Procentzahl Genesener und Verstorbener bei jeder Behandlungsweise wesent- 
lich dieselbe bleiben. Und somit können uns fast all unsere Mittel nur von höchst 
seeundärer, untergeordneter Bedeutung dabei erscheinen, dagegen andere innere 
Momente als die wesentlichen 1 . 

Dass weiterhin von einer wirklichen Erklärung oder Theorie der Arznei- 
wirkungen bei Kranken für jezt kaum die Rede sein kann , ist mit Obigem von 
selbst gegeben. Lässt sich selten genug bestimmen, was denn eigentlich im Ver- 
lauf und Ausgang einer Krankheit gerade die Wirkung eines Arzneistoffs ist, so 
werden erst Erklärungsversuche dieser Wirkungen rein hypothetischer und will- 
kürlicher Art sein müssen , und dies um so mehr , weil man dabei selten frei 
genug ist von gewissen Vorurtheilen zu Gunsten seiner Mittel. Bei jeder durch 
Vorurtheil geleiteten Erfahrung laufen wir aber Gefahr, unsere Ansichten noch 
mehr beweisen zu wollen als nackte Thatsachen. So pflegt denn auch jeder Er- 
klärungsversuch jener Arzneiwirkungen ganz wesentlich von unsern jeweiligen 
Ansichten über das sog. Wesen einer Krankheit wie über die Bedeutung unserer 
Mittel bei deren Heilung abzuhängen, und man sucht jezt die wissenschaftlichen 
Beweise für deren Wirkungsweise dabei aus Physiologie, Chemie u. s. f. zu- 
sammen. Weil man einmal sein Urthejl über Nuzen und Wirkungen seiner 
Mittel auf den unsichersten aller Beweise, auf den blossen Erfolg am Kranken- 
bett gründet, deutet man jezt dessen Zustandekommen oder Ursachen nach den 
vermeintlichen Wirkungen seiner Mittel! Wie etwa bei sog. Suggestivfragen des 
Juristen fragt man nicht : was konnte dieser Arzneistoff vermöge seiner bekannten 
Eigenschaften und Wirkungen bei diesem Kranken leisten? Sondern: wie musste 
derselbe wirken, um hier das Alles zu leisten, was er nach meiner Ansicht leistet? 
Und aus diesen oder jenen Veränderungen im Zustand eines Kranken construirt man 
jezt seine Wirkungen 2 . Deshalb finden wir denn auch in der Heilmittellehre und 
Therapie bis auf diesen Tag eine Sammlung von Trug- und Cirkelschlüssen wie 
kaum in einem andern Fach; denn was sie lehren, ist grossentheils menschliches 
Machwerk, und oft mehr Dichtung als Wissenschaft oder wirkliche Erfahrung. 
Weil z. B. gewisse Krankheiten durch Miasmen oder Contagien entstehen sollten, 
sollen Chlor, Brom, Säuren u. s. f. durch Zerstörung derselben sogar gegen ein 
Erkranken der Art schützen können. Weil bittere Stoffe, Eisen «tonische» Mittel 
sind, heilen sie Blutarmuth, Schwäche u. s. f.; weil Bleichsucht durch Mangel 
an Eisen im Blut entsteht, heilt sie Eisen; weil Gerbsäure, Eisenvitriol direct 
mit Blut, Eiweiss zusammengebracht diese gerinnen machen, heilen sie Blutungen, 
Catarrhe innerer Theile, selbst Ruhr und Cholera! Weil Mineralwasser und 



1 Thatsachen dieser Art, welche zum Theil durch die ersten Autoritäten der Wissenschaft 
längst festgestellt worden, pflegen die Altgläubigen gerne als modernen Nihilismus und Skepti- 
cismus darzustellen , statt sie zu widerlegen , oder sich dadurch zu einiger Mässigung ihrer An- 
sprüche auf Machtvollkommenheit am Krankenbett, wo nicht gar zu den jedenfalls sichereren 
Mitteln der Gesundheitspflege und Präventive bringen zu lassen. Ganz besonders scheinen aber 
fast Alle, welche neue Mittel und Heilmethoden entdecken, mehr oder weniger Enthusiasten. 
Alles spricht nur von seinen Erfolgen, wenig genug von Nichterfolgen, und zumal der Anfänger 
wird dadurch in Illusionen gestürzt, welche er bei reiferer Erfahrung vielleicht mit Schmerz 
wieder schwinden sieht. Deshalb schien es wohl am Plaz, in einer Heilmittellehre vor solchen 
zu warnen und der Wahrheit mehr zu folgen als Lockungen des Fachinteresses. Dass aber 
die Wahrheit nicht erst jezt anfängt geahnt und ausgesprochen zu werden, weiss Jeder, der 
etwas von Geschichte weiss. Schon Girtanner z. B. meint, „der Apparatus medicaminum sei 
nichts weiter als eine sorgfältige Sammlung aller Trugschlüsse, welche die Aerzte von jeher 
gemacht". 

2 Hiemit ergibt sich zugleich von selbst das Irrige und rein Willkürliche jener Versuche, 
die „Arzneiwirkungen" bei Krankheiten gar als Massstab für die Beurtheilung des Wesentlichen 
dieser Krankheiten und zu deren Classification benüzen zu wollen (Paracelsus , Hahnemann, 
Rademacher). 

7. Aufl. 3 



34 Physiologische, therapeutische Arzneiwirkungen. 

Laugen auch Alkalien, Erden, Eisen enthalten, heilen sie durch leztere auch als 
Bad applicirt Kranke; und doch geht wohl in Bädern kein Atom ihrer Bestand- 
teile in den Körper über. 

Dass sich anderseits bereits ein gut Theil der Heilmittellehre von den 
Irrungen und rohen Begriffen ihrer Vorzeit loszumachen verstand, zumal durch 
Hülfe des directen physiologischen Versuchs, braucht hier nicht erst ausdrücklich 
erwähnt zu werden. Auch dürfte der einzige Weg, jene hier kurz berührten 
Kapital- und Lebensfragen der Heilmittellehre einer günstigen Lösung entgegen- 
zuführen, in einer wissenschaftlicheren Durchbildung der Aerzte, dann im fort- 
schreitenden Verständniss der Wirkungsweisen unserer Arzneistoffe und Mittel 
bei Gesunden wie in vergleichend-statistischen Versuchsreihen am Krankenbett 
zu suchen sein. 

31. Die Therapie lehrt des Nähern jene Mittel und Wege, durch 
welche etwa die Kunst die spontanen Heilungsprocesse des Körpers unter- 
stüzen und fördern mag; desgleichen die Walü und Anwendungsweisen jener 
Mittel bei einzelnen Kranken, die sog. Anzeigen oder Indicationen, je nach- 
dem es sich dabei um ein sog. causales, radicales oder symptomatisch-pallia- 
tives Verfahren handelt. Uns hier kommt zunächst nur eine Betrachtung 
der Frage zu, wie und auf welchen Wegen die Arzneistoffe überhaupt diesen 
Absichten entsprechen, d. h. wirken mögen. Dies ist aber auf zwei Wegen 
möglich: 1. durch örtliche Wirkung in den berührten Theilen wie der Con- 
tinuität und Contiguität nach in deren nächster Umgebung; 2. durch Wir- 
kungen im Innern des Körpers auf dessen verschiedene Processe oder Func- 
tionen. Diese beiden Reihen von Wirkungen würden schon oben des Nähern 
betrachtet (S. 17 ff.). 

Oertlich wirken so mehr oder weniger Aezmittel, Rubefacientien, Vesicantien, 
Adstringentien , Styptica, sog. erweichende, beruhigende, absorbirende , neutrali- 
sirende Mittel, Laxanzen, Wurmmittel, grossentheils auch aromatische, bittere 
Stoffe. Salben, Pflaster, Waschwasser, Collyrien, Gargarismen, Bähungen, Um- 
schläge , Injectionen , Klystiere werden meist ihrer örtlichen Wirkungen wegen 
angewandt. Insofern aber die Stoffe hiebei theils auf benachbarte Theile wirken, 
theils in den Blutstrom übergehen oder durch Vermittlung des Nervensystems 
auf andere entfernte Gebilde einwirken, kommt es häufig zugleich zu mehr oder 
weniger allgemeinen Wirkungen. Nur treten sie in den Hintergrund, und werden 
für gewöhnlich nicht beabsichtigt. Besonders ihrer allgemeinen Wirkungen halber 
bedient man sich der sog. tonischen, verflüssigenden, Harn-, Schweiss-, Auswurf- 
fördernden wie der Brechmittel, der Schmerz- und Krampfstillenden, erregenden, 
belebenden oder analeptischen Mittel. 

An Lehren, wo und wie man sich all dieser Mittel zu bedienen habe, Hess 
es die Heillehre niemals fehlen. Indem sie aber ihre Gründe dafür mehr auf 
schlichte Erfahrung und Meinungen als auf wirkliche Beweise und Einsicht zu 
stüzen vermag, sind auch ihre Lehren viel mehr empirischer als wissenschaft- 
licher Art; und am Ende scheint es noch eher Sache der Willkür, des Ge- 
schmacks und der Mode als des Verständnisses, ob man diese oder jene Mittel 
anwenden will, und ob so oder anders. Freilich ist viel die Rede von «rationellem, 
wissenschaftlichem» Heilverfahren im Gegensaz zum rein empirischen. Diesen Titel 
indess dürften wir erst dann beanspruchen, wenn wir dabei von einem sichern 
Verständniss des innern ursächlichen Mechanismus einer Krankheit wie der Wir- 
kungsweise unserer Mittel dabei, also des zu Heilenden wie des Heilenden aus- 
gehen könnten, und nicht von blossen Hypothesen über das Alles. Man spricht 
von Heilanzeigen oder Indicationen, und soweit man dabei nichts weiter als ein 
auf die Oberfläche, d. h. gegen diese und jene Beschwerden oder Symptome ge- 
richtetes Verfahren versteht, mit Recht. Schwache z. B. sucht man zu stärken, 
Fieberhize zu kühlen, Schmerzen, Aufregung zu beruhigen, stockende Ausschei- 
dungen oder Ausleerungen zu fördern, übermässige zu beschränken u. s. f. Da- 
gegen wissen wir für jezt kaum von einer einzigen Krankheit, worin sie eigentlich 
besteht, nach welchem Mechanismus eigentlich ihre Heilung vor sich geht; somit 
auch nicht, was denn eigentlich unsere Kunst dabei zu leisten hätte, noch weni- 
ger, wie sie dieses leisten könnte; und jedenfalls ist es unmöglich, in dem hier- 



Physiologische, therapeutische Arzneiwirkungen. 35 

über Gelehrten das Falsche vom Wahren überall zu unterscheiden 1 . Deshalb 
kann auch für jezt kaum von wirklich rationellen, d. h. begriffenen und sichern 
Indicationen hier überall die Rede sein, vielmehr nur von mehr oder weniger 
wahrscheinlichen Ansichten hierüber. Insofern aber alle Krankheiten am Ende 
nicht in wesentlichen Abweichungen, vielmehr nur in gradativen Modifikationen 
dieser und jener Hebel des Lebens, z. B. der Blutbildung und des Stoffumsazes, 
der Nervenströmungen zu bestehen scheinen,- wird auch schliesslich die Kunst 
hier überall nur bald zu fördern, bald zu beschränken haben, und noch das 
Beste hiebei leisten gewiss die natürlichsten, einfachsten Mittel. Auch gibt 
es wohl statt der vielen, oft mehr gegen einzelne Elemente und Erschei- 
nungen der Krankheit als gegen deren Ganzes gerichteten Indicationen und Me- 
dicationen nur eine einzige : Erhaltung in integro , und wenn krank , möglichstes 
Unterstüzen der Naturheilungsprocesse durch Herstellung der dazu günstigsten 
äussern wie innern Lebensverhältnisse, mit Beseitigung oder Linderung momen- 
taner Beschwerden und Leiden. 

So lange man hier überall auf eigentliche Arzneistoffe das Hauptgewicht 
legt, kann wohl am wenigsten von rationellen Curen die Rede sein, indem gerade 
ihre Leistungen dabei unserem Verständniss am fernsten liegen, und oft in völli- 
gem Widerspruch mit allen Lehren der Physiologie wie mit den Gesezen der 
Natur überhaupt. Deshalb spricht man um so mehr von specifischen d.h. ganz 
absonderlichen, wo nicht mysteriösen Kräften oder Wirkungen jener Stoffe, und 
von specifischen Mitteln, durch welche gewisse Krankheiten, wo nicht am Ende 
alle geheilt werden sollten 2 . Man nennt in diesem Sinn Jod ein Specificum bei 
Kropf, Chinin bei Wechselfieber, Quecksilber bei Syphilis, Eisen bei Chlorose, 
und in der That bilden diese Stoffe die Hauptpfeiler der Arznei-Medicin. Speci- 
fische Stoffe dieser Art würden somit specifische Krankheiten voraussezen. Bios 
dann könnte man indess solche Specifitäten im obigen Sinn statuiren, wenn sich 
eine Krankheit nur durch dieses ihr Specificum heben liesse, durch dieses aber 
immer; und wenn dieses Specificum bei keiner andern Krankheit ebenso wirken 
würde wie bei der ihm specifisch zugehörigen. Weder das eine noch andere ist 
der Fall; selbst z. B. auf Chinin pflegen bei Wechselfieberkranken nur die ein- 
zelnen Anfälle, nicht die ganze Krankheit zu schwinden, und die Unzuverlässig- 
keit des Queckilbers bei Syphilitischen ist bekannt. Schon desshalb aber, weil 
Krankheiten nie specifisch eigenthümliche Zustände sind , kann es auch keine 
wirklichen Specifica gegen sie geben. Irrig wäre jedenfalls die Ansicht, als wirk- 
ten «Specifica» anders denn andere Stoffe oder bei andern Krankheiten, Queck- 
silber z. B. bei Syphilis anders als bei Entzündung, Chinin bei Fieberparoxysmen 
anders als bei sog. rheumatischen Schmerzen, Jod bei Kropf anders als bei Scro- 
phulösen u. a. Dies würde sogar die Absurdität involviren, dass die Eigenschaften 
jener Stoffe andere würden, je nachdem sie bei diesen oder andern Kranken 
wirken. Vielmehr wirken sie bei gewissen Krankheiten blos deshalb oft mehr 
als andere Stoffe oder als bei andern Kranken, weil, jene Zustände selbst gerade 
der Art sind, dass ihr Zurückgehen zum gesunden Zustand durch die an sich 
gewöhnlichen und überall identischen Wirkungen jener «Specifica» wesentlicher 
gefördert wird. Wir kennen aber ihre Wirkungen nicht, weil die jene Krank- 
heiten bedingenden, z. B. chemischen Veränderungen gewisser Körpertheile selbst 
noch unbekannt sind. Und sollten wir einmal ihre Wirkungen hiebei kennen 
lernen, so werden sie sicherlich dieselben sein wie bei andern Kranken. 



1 Man streitet sich z. B. noch heute darüber, ob eines der einfachsten Phänomene, ob sog. 
Hyperämie oder Congestion mehr durch Erschlaffung der Haargefässe und wegführenden Venen 
oder durch erhöhte Contraction der zuführenden Arterien, des Herzens, ob durch grössern 
Blutzutritt oder gehemmten Blutrücktritt entsteht; ob eingehehende Nerven gereizt oder gelähmt 
sind; ob gewisse chemische oder moleculäre Veränderungen der Gewebelemente, z. B. der 
Zellen, Fasern u. s. f. selbst eine Rolle dabei spielen, und welche? Ob es sich also hier wie bei 
Entzündung, Fieber mehr um ein Plus oder Minus, Actives oder Passives handelt, und ob wir 
deshalb mehr zu schwächen oder zu kräftigen, zu erhöhen haben? Mag man nun aber das 
Eine oder Andere wollen, immer vermöchten wir es höchstens nur sehr indirect auszuführen, 
oft mit mehr Schaden als positivem Erfolg, und die Hauptsache müssten doch sicherlich Nerven, 
Herz, Gefässe, Blut, Gewebelemente selber thun. Was z. B. eitern will, sagt schon Vidal de 
Cassis von äusseren Uebeln, wird eitern, man mag thun was man will. Sollte dem bei den 
schwersten Krankheiten wesentlich anders sein? 

2 Bei genauerer Prüfung stellt sich heraus, dass die Aerzte von allen eigentlichen Arznei- 
stoffen bei fast allen Krankheiten mehr oder weniger „specifische" Wirkungen erwarten , und 
ihnen übermässige, wo nicht unmögliche Kräfte dabei zutrauen. 

3* 



36 Gifte und deren Wirkungen. 

VI. Gifte und deren Wirkungen. 

32. Giftig, toxisch heisst diejenige Wirkung eines Stoffs, welche nicht 
blos zufällig, z. B. in Folge immenser Posen oder persönlicher Besonder- 
heiten zu einer schädlichen wird, sondern vielmehr an und für sich und 
constant den lebenden Körper beeinträchtigt, und zwar in einem Grade, zu 
welchem die Menge der einwirkenden Substanz in keinem Verhältniss steht. 
Gift heisst insofern jeder Stoff, welcher in dieser Weise das Leben stören 
und selbst aufheben kann 1 . 

Die Gifte gehören dem anorganischen oder organischen Naturreich an, und 
sind bald fest, bald tropfbar flüssig oder gasförmig. Sie sezen ihre Wirkungen 
sobald sie in der nöthigen Menge mit dem Körper und dessen Blut zusammen- 
treffen, von der Haut, dem Mastdarm, den Genitalien wie von Magen, Lungen, 
Wunden u. s. f. aus. Schon früher (S. 2) wurde angeführt, dass zwischen Gift 
und Arzneistoff gar kein Unterschied stattfindet, d. h. dass derselbe Stoff beides zu- 
gleich ist. Ueberhaupt lässt sich kein wissenschaftlicher Begriff von Gift aufstellen, 
man wollte denn jede Substanz Gift nennen , welche ungewöhnlich schädliche 
Wirkungen herbeiführt. Dann würden z. B. auch Kochsalz, Eisen, Weingeist, 
Chinin, Aether, Chloroform, Zimmtöl u. s. f. so gut als Austern, Pasteten u. dgl. 
«Gifte» sein, sobald sie wegen grosser Dosen oder ungeeigneten Gebrauchs das 
Leben gefährden, wo nicht gar den Tod bringen. Bios von dieser Seite hat die 
gerichtliche Medicin den Begriff «Gift» aufzufassen; für die Sanitätspolizei aber 
gelten alle Stoffe, z. B. auch im Trinkwasser, in der Luft als Gift, welche schon 
in kleinen Dosen schädlich wirken und überdies mit Menschen leicht in Berüh- 
rung kommen. Wichtig ist endlich, dass Arzneimittel wirkliche Gifte enthalten 
können, z. B. Metallpräparate Arsen, Pflanzenextracte Kupfer, Blei, z. B. von 
den Gelassen her, Chinin aber Brucin, Strychnin u. s. f. 2 

33. Hat die Wirkung eines Stoffs einen solchen Grad. erreicht, dass 
sie als giftig gelten kann, so lassen sich wie immer örtliche und allgemeine 
Wirkungen unterscheiden. Erstere kann man auf folgende zurückführen: 

1. Im getroffenen Theil entsteht Entzündung, sogar Brand. 

So bei scharfen Giften, z. B. Arsen, Quecksilberchlorid, Brechweinstein u. a. 
löslichen Metallsalzen, bei Canthariden, Euphorbium. 

2. Der Stoff verbindet sich chemisch mit den berührten Theilen, so dass 
leztere zerstört, substantiell vernichtet werden. 

So durch äzende Stoffe, überhaupt durch alle Substanzen welche sich auf 
höchst energische Weise mit Eiweiss, Fetten, Wasser u. s. f. der Gebilde chemisch 
verbinden, z. B. Alkalien, Säuren, Silbernitrat, Chlorantimon, Alaun, Eisenchlorid u. a. 

3. Ohne sichtliche materielle Veränderung der getroffenen Theile werden 
ihre Nerven, sensible wie motorische, die Muskelsubstanz mehr oder weniger 
gelähmt. 

So veranlasst Blausäure, auch Chloroform u. a. auf Lippen, Zunge, Finger- 
spizen gebracht ein Gefühl von Vertauben , eine Anästhesie dieser Theile. Manche 
narcotischen Stoffe, in's Innere ausgeschnittener Herzen, auf Nerven eines Muskels 
gebracht vernichten deren Keizbarkeit, die Contractionen des Herzens u. s. f. 
Selbst scharfe Gifte wie Arsen bringen öfters in grossen Dosen raschen Tod, ohne 
dass sie örtlich in merklicher Weise einwirkten. 

34. Ihre allgemeinen Wirkungen vor allen sind es, welche Gifte zu 
«Giften» machen, mögen sie nun in Folge eines Uebertritts der Stoffe in's 



1 Um das forensische „Gift", wie es Richter und Gesez verstehen, von ansteckenden Giften 
zu unterscheiden, soll sich ersteres im Körper nicht reproduciren und Andere nicht anstecken 
dürfen. Doch reproducirt sich z. B. das Wuthgift auch nicht im menschlichen Körper, so wenig 
als Blatterngift gewöhnlich bei Vaccinirten oder das syphilitische bei manchen Personen. Auch 
würde das Gesez zweifelsohne alle Contagien als Gifte auffassen, sobald dadurch Menschen 
von Andern absichtlich vergiftet würden. 

2 Zudem führt der fatale Umstand , dass Gifte oft höchst variable und leicht zu verwech- 
selnde Namen führen, nur zu häufig zu Vergiftungen, z. B. durch Metall-, Cyanverbindungen. 
In England aber sterben im Durchschnitt jährlich überhaupt nicht weniger als 536 Menschen 
durch Vergiftung, und da im Durchschnitt nur l von 11 Vergifteten stirbt, mögen jährlich gegen 
6500 Vergiftungsfälle dort vorkommen (Wilson). 



Gifte und deren Wirkungen. 37 

Blut u. s. f. oder zugleich auf sog. sympathischem Wege von den örtlich 
lädirten Theilen aus entstehen. Vermöge ihrer dem Körper durchaus fremd- 
artigen Bestandtheile streben sie immer derartige Veränderungen in dessen 
wichtigsten und zwar vorzugsweise in dessen chemischen Vorgängen herbeizu- 
führen, dassjezt seine normalen Lebensäusserungen gestört, wo nicht unmöglich 
werden. Auch kommt es nur in Folge eines Stockens der wichtigsten Hebel 
des Lebens zum Tode, bald mehr durch Aufhebung des Nerveneinflusses 
überhaupt, bald des Athmens, des Kreislaufs wie durch Störung all jener 
Umsezungen der Blut- und Körperstoffe, an welche einmal das Leben 
gebunden ist. 

Vorzugsweise auf's Gehirn wirken so narcotische Stoffe, Kohlendunst, Kohlen- 
oxydgas, Aether, Chloroform, Weingeist, geistige Getränke, Oxalsäure (?) u. a.; 
auf's Rückenmark und verlängerte Mark Brechnuss, Strychnin, Brucin, Picrotoxin, 
Blausäure u. a. , und scheint hier das Leben zunächst durch Erstickung, durch 
Sistirung des Athmens oder des Kreislaufs zu erlöschen. Andere Gifte endlich, 
die räthselhaftesten von allen, sollen oft nach Art eines Ferments vermöge ihrer 
eigenen Zersezung Blut, Körperstoffe in ähnliche Zersezungen hineinführen, wie 
Schlangen-, Hunde-, Roz-, Wurstgift, faulende organische Stoffe, Cloakengase u. a. ' 

35. Verfahren bei Vergiftungen. Zunächst sucht man aus de^en Er- 
scheinungen, aus Anamnese wie aus vorhandenen Resten oder entleerten, 
z. B. ausgebrochenen Portionen der verdächtigen Substanz die Art des Giftes 
zu ermitteln, und verfährt dann je nach Art und Stadium der Vergiftung. 

Die oft so schwierige Diagnose wird ausser Obigem noch am ehesten durch 
eine genaue Kenntniss der Wirkungsweise jedes Stoffs sichergestellt; allgemeine 
Regeln nüzen am Ende wenig. Am leichtesten könnte man Vergiftungen ver- 
wechseln mit Gastritis , perforirenden Magen- und Darmgeschwüren , Colik, einge- 
klemmten Hernien, Volvulus, Enteritis, Peritonitis, Colik, Krämpfen, Convulsionen, 
Ohnmacht u. dergl.; weniger leicht mit Typhus, Metritis, Gehirn-, Rückenmarks- 
apoplexie, Lungenblutung und Emphysem, Ruptur des Herzens, grosser Arterien 
und Lungencavernen. 

36. Gleich im Anfang lässt sich der Vergiftung durch schleuniges Ent- 
fernen oder Unwirksammachen der Gifte durch deren Neutralisirung und 
Umwandeln in unlösliche oder sonst wie unschädliche Verbindungen mittelst 
sog. Gegengifte (Antidota), durch Mischen mit* indifferenten Stoffen (schlei- 
migen, Wasser u. s. f.) vorbeugen. Vor Allem sucht man sie wegzuschaffen 
bald so bald anders je nach den Applicationsstellen und Giften, so durch 
Erbrechen 2 , Abblasen und Abwaschen, durch Einsprizungen ; oder man zer- 
stört z. B. bei Biss-, Stichwunden den vergifteten Theil selbst durch Aez- 
mittel, besonders Antimon-, Zinkchlorid, Aezkali; sucht zugleich mineralische 
Stoffe (Aezkalk, Sublimat, Arsen) durch entsprechende Gegengifte zu neu- 
tralisiren und besonders noch einen Uebertritt der Gifte in den Blutstrom 
durch Schröpfköpfe, Aussaugen, Ligaturen zwischen der Einwirkungsstelle 
des Gifts und dem Herzen zu hindern. Eingeathmete Gase verdünnt man 
sofort durch Athmen atmosphärischer Luft, oder sucht sie durch Einathmen 
anderer Gase zu neutralisiren , zu zersezen, z. B. durch 0, Cl. Hat man 
es wie gewöhnlich mit verschluckten Giften zu thun, so stellen sich im Allge- 
meinen drei Indicationen, welche jedoch meist zusammenfallen: nemlich das 
Gift durch Erbrechen sofort zu entleeren, unter Umständen durch unschul- 
dige Flüssigkeiten, auch feste Substanzen, z. B. Kohle, Magnesie, Kreide 
zu verdünnen, und das Gift durch geeignete Stoffe zu neutralisiren, zu 
binden, zu zersezen u. s. f. 

Die Reihenfolge, in welcher diesen verschiedenen Aufgaben nachzukommen, 



1 Je nach ihren oben skizzirten Wirkungen theilt man die Gifte längst in scharfe (minera- 
lische wie organische), narcotische, scharf-narcotische, asphyxirende und septische (zymotische). 
,. ' . i m ei'en, Rindvieh trägt man kein Bedenken, zur Beseitigung giftiger Kräuter sogar 
die Gastrotomie zu machen. 



38 Gifte und deren Wirkungen. 

kann je nach den Giften eine verschiedene sein; äzende Stoffe z. B. wie Säuren, 
Alkalien sucht man vor Allem zu neutralisiren , damit sie nicht auch beim Er- 
brechen Schlund, Mundhöhle noch weiter afficiren. Sonst aber schreitet man 
zunächst zu einer Entleerung und Verdünnung der Stoffe, um so mehr als die 
Mittel hiezu am nächsten bei der Hand sind. Man füllt den Magen mit der 
nächsten besten Flüssigkeit, mit lauem Wasser, Seifenwasser, Fleischbrühe, Milch, 
fetten Oelen (nach Chaussier mit kochendem Wasser zusammengerührt), mit Wasser 
zusammengerührten Eiern u. dgl. ; bei schwer löslichen Giften wähle man immer 
Flüssigkeiten, welche deren Lösung am wenigsten fördern. Hat man eine Magen- 
pumpe bei der Hand, so können mittelst derselben die gelösten Stoffe entfernt, 
der Magen durch wiederholtes Eingiessen von Wasser mittelst derCanülle entleert 
und ausgewaschen werden. Schon obige Flüssigkeiten fördern gewöhnlich das 
Erbrechen ; doch sind im Aligemeinen, hat anders Kizeln des Schlunds nicht aus- 
gereicht, kräftige Brechmittel, Brechwurzel, Brechweinstein, Zink-, Kupfervitriol, 
Emetin am gerathensten , zumal bei narcotischen Giften. Bei Vergiftung mit 
Pflanzenstoffen empfiehlt man mineralische Emetica, bei Vergiftung mit minera- 
lischen Substanzen Ipecacuanha; am besten gibt man wohl immer die wirksamsten. 
Sehr scharfe, äzende Gifte, zumal wenn bereits Gastritis eingetreten, sucht man 
statt der Brechmittel durch obige milde Flüssigkeiten, Kizeln im Schlund, nöthi- 
genfalls durch Klystiere mit Brechweinstein oder die Magenpumpe zu entleeren. 

Die besten oder eigentlichen Gegengifte sind diejenigen, welche die Gift- 
stoffe wirklich neutralisiren und in unlösliche oder doch unschädliche Verbindungen 
umwandeln, wie z. B. schwefelsaure Alkalien bei Bleisalzen, Säuren bei äzenden 
Alkalien und umgekehrt, Eisenoxydhydrat bei Arsenik. Manche wirken dadurch, 
dass sie die Gifte einfach zersezen, z. B. Chlor bei Schwefelwasserstoff, bei 
Chloroform, oder selbst von ihnen zersezt werden, z. B. Fette bei Aezkali, und 
jezt unschädliche, obschon lösliche Verbindungen bilden. Stoffe dagegen, welche 
nicht die Gifte an den Applicationsstellen selbst chemisch neutralisiren, zersezen, 
binden, sondern nur dadurch günstig wirken, dass sie die Giftstoffe verdünnen, 
vielleicht einsaugen, einhüllen (z. B. Kohle, Magnesie), oder die allgemeinen Wir- 
kungen der Gifte mehr oder weniger schwächen (wie z. B. Morpium bei Strychnin-, 
Ammon, Aether bei Blausäurevergiftung , Kaffee bei Narcotisation), sind blosse 
Heilmittel; und sog. constitutionelle Gegengifte gibt es nicht. Nie dürfen Ge- 
gengifte selbst giftig wirken, so wenig als die Verbindungen, welche aus ihrer 
chemischen Wirkung auf die giftige Substanz hervorgehen ; daher ist z. B. Schwefel- 
wasserstoff, Kalkwasser kein passendes Mittel gegen Arsen. Hat man das ent- 
sprechende Gegengift gewählt,* so gebe man es in reichlicher Menge in rasch 
wiederholten Dosen. Die wichtigeren Gegengifte und Mittel sonst bei Vergiftungen 
sind folgende *: 

Arsen: Eisenoxydhydrat, kohlens. Eisen, Tinct. Ferri chlorati s. sulphurici 
mit kohlens. Ammon übersättigt ; Magnesiahydrat, feuchtes Schwefeleisenoxydhydrat, 
Eiweiss, Kalkwasser, Thierkohle. 

Antimonialien , Brechweinstein: Gerbsäure, Absud von Eichen-, Chinarinde, 
Galläpfeln ; Kohle, Schwefeleisen, Magnesie, Eiweiss ; bei Chlorantimon auch Alkalien. 

Bleisalze , Bleivitriol : schwefeis. Alkalien, Bitter-, Glaubersalz, Schwefeleisen- 
oxydhydrat, Einfach Schwefeleisenhydrat, Schwefelwasser; Kohle, Eiweiss mit 
Brunnenwasser, Kleber mit Seife; Magnesie. 

Kupfersalze, Kupfervitriol : Eiweiss, Eier, Milch, Zucker, Schwefeleisenhydrat, 
Zink und Eisenfeile mit Honig; kohlens. Natron; Magnesie. 

Quecksilbersalze, Aezsublimat: Eiweiss, Eier, Fette, Milch, Gallerte, Weizen- 
kleber, Amylum, Mehl mit Wasser; Schwefeleisenhydrat; Zink und Eisenfeile; 
Gerbstoffhaltige Decokte. 

Silbersalze, Silbernitrat: Kochsalz, Chlorkalium, Brunnenwasser mit Eiweiss. 

Zinksalze, Zinkvitriol, Zinnsalze, Zinnchlorür, Gold, Wismuth: Gerbstoffhal- 
tige Decokte, Milch, Eiweiss, Eier, Natronbicarbonat, Magnesie, Eisenoxydhydrat. 



1 Ist das Gift zweifelhaft, so kann man als eine Art Universalantidot ein Gemisch aus Eisen- 
oxydul , gebrannter Magnesie und Kohlenpulver ITa geben , bei den meisten Metallgiften auch 
Eiweiss, Eier mit Mehl und Brunnenwasser zusammengerührt oder fette Oele, wenigstens gleich 
Anfangs. Weil man sich aber auf kein einziges Gegengift sicher verlassen kann , ist eine 
weitere passende Behandlung um so weniger zu verabsäumen, und überhaupt immer der ganze 
Krankbeitszustand, nicht blos dessen Ursache, das Gift wohl in'sAuge zu fassen, z.B. Reizung, 
Entzündung, Fieber, Collapsus, Narcose, Sticknoth. 



Gifte und deren Wirkungen. 39 

Caustische Alkalien, Aezkali, Aezammon: fette Oele, verdünnte Pflanzen- 
säuren, Citronensaft, Essig und Wasser, Weinsteinlimonade. 

Caustische Erden, Aezkalk: kohlens. Alkalien, kohlensaures Wasser, fette 
Oele, Eier, Essig. 

Salpeter: Eisenoxydhydrat (?), Mucilaginosa, Milch, Eiweiss, Opium. 

Baryt, Barytsalze: schwefeis. Alkalien und Erden, Bittersalz, Bitterwasser. 

Schwefellebern, Schwefelkalium: Chlorkalk, Mucilaginosa, Milch, essigs. Zink. 

Jod, Jodtinctur: Stärkmehl, Weizenmehl mit Wasser, Brod, Kartoffeln. 

Säuren: kohlens. Alkalien und Erden, Kreide, Kalk-, Seifenwasser, fette 
Oele (Mandel-, Olivenöl), Magnesie mit Milch. 

Oxalsäure: Kalkhydrat, lösliche Kalksalze, Bittererde. 

Blausäure: Ammon, Chlor, Aether, Naphthen, ätherische Oele, Terpenthinöl, 
Eisenoxyduloxyd, Eisensulphat mit kohlens. Alkalien, Magnesie. 

Schwefelwasserstoff, Cloakengase : Chlorgas, Chlorkalk, Chlorkali, Kalk, Kohle. 

Chlorgas: Anilin gelöst in Wasser, Weingeistdämpfe, Schwefelwasserstoff (?). 

Chlorwasser, alkalische Chlorüre: Eiweiss mit Wasser, kohlens. Alkalien und 
Erden, Kreide. 

Phosphor: gebrannte Bittererde, Mucilaginosa, Eiweiss. 

Canthariden : Kampher, Opium, warme Bäder. 

Narcotische Pflanzenstoffe, Brechnuss und deren Alkaloide : Tannin, Galläpfel- 
tinctur, Gerbstoffhaltige Decokte, Liquor Potassae, Ammon; Fette, Wein, Kaffee, 
Kampher; gegen Strychnin auch Morphium, Chloroform, Jod gelöst in Wasser; 
Essig, Citronensaft, Thierkohle. 

Giftige Pilze : Aether, Naphthen, Kaffee, Wein. Kochsalz. 

Chloroform , Aether u. dergl. : atmosphär. Luft, Hautreize, Douchen ; Sauer- 
stoffgas. 

Alcoholische Getränke, Weingeist: laues Wasser, Seifenwasser, Ammoniak- 
liquor in Zuckerwasser, Kaffee. 

37. Sind bereits stärkere Giftwirkungen, wenigstens in den Applications- 
stellen eingetreten und die Gifte theilweis aufgesaugt worden, so können 
Gegengifte wie Entleerungsversuche der Gifte im Ganzen wenig mehr nüzeri. 
Doch ist es am geratensten, solche noch einige Zeit fortzusezen, während 
man gegen örtliche sowohl als allgemeine Zufälle wie gewöhnlich verfährt. 

Bei Vergiftung mit scharfen, äzenden Stoffen, wobei auch Mundhöhle, Lippen, 
Schlund u. s. f. gelitten, verfährt man beruhigend, mildernd: laue Bäder u. dgl., 
innerlich bei Gastritis, Enteritis Emulsionen, Schleime, Zuckerwasser, Opiate u. s. f. ; 
bei einfacher Hyperemese Kohlensäure, Brausemischungen, strenge Diät. Würden 
durch den Mastdarm scharfe Stoffe entleert, so schüzt man ihn durch Klystiere, 
z. B. von fetten Oelen. Bei Narcotisation kalte Umschläge auf den Kopf, kalte 
Begiessungen, Wein, Naphthen, Kaffee, Frictionen, Hautreize, warme Bäder. Bei 
Erstickung durch giftige Gase, Chloroform, Aether, narcotische Stoffe u. s. f. sucht 
man vor Allem das Athmen in Gang zu bringen: daher frische Luft, öfters mit 
Vorsicht durch die Luftröhre eingeblasen, auch gegentheils die in den Bronchien 
u. s. f. stockende Luft ausgezogen, vermischt mit schaumiger Flüssigkeit (Albert, 
Marc), Legen aufs Gesicht, nicht auf den Rücken (Marshall Hall), um so deren 
Abfluss u. s. f. zu fördern; noch besser Galvanisiren längs der Vagusnerven; 
kalte Begiessungen, Hautreize, Frictionen u. s. f., immer lange genug, selbst viele 
Stunden fortgesezt. 

Auch späterhin, bei sog. chron. Vergiftung richtet sich die Behandlung nach 
den jeweiligen örtlichen wie allgemeinen Störungen, z. B. der Ernährung, des Nerven- 
systems u. s. f. Oefters blieben palpable Structurveränderungen zurück, z. B. nach 
Säuren, Aezalkalien in Schlund, Magen, Pylorus, Dünndarm Geschwüre, Narben, 
Hypertrophie der Wandungen, Stenosen durch Contraction der Narbensubstanz nach 
grösserem Substanzverlust; oft sind es mehr Reizungszustände des Darmcanals und 
Nervensystems, Algieen, Colik, Krämpfe. Hier überall leisten Diät und hygieinische 
Mittel sonst noch am meisten, Bäder, Waschungen, Kaltwassercur ; auch Opiate, 
alkal. Mineralwasser, Säuerlinge. Bei Vergiftung durch mineralische Stoffe, Arsen, 
Blei, Quecksiber, Jod, Schwefelsäure u. a. ist der Zustand häufig ein hoffnungs- 
loser; hier sucht man durch passende Nahrung, Thermalbäder, Mineralwasser, 



r 
40 Modificationen de Arzneiwirkungen. 

Kaltwassercur u. dgl. das Mögliche zu leisten, und Reste der Giftstoffe durch 
Haut, Nieren u. s. f. abzuscheiden. 

VII. Modificationen der Arzneiwirkungen, 

38. Eine Menge äusserer und innerer Umstände kann die Wirkungen 
eines Arzneistoffs, eines Mittels bei Gesunden wie Kranken modificiren, 
zumal dessen allgemeine, weniger die örtlichen Wirkungen. Nicht blos dass 
ihre Wirkungen je nach Menge oder Dosis, Aggregatzuständen und Ver- 
bindungen mit andern Stoffen immer wieder andere werden, sie wechseln 
auch noch ganz besonders je nach den Zuständen des lebenden Körpers 
selbst, nach Alter, Gewohnheit, Gesundheit oder Krankheit, Constitution, 
Lebensweise und schon deshalb auch je nach Witterung, Jahreszeit, Clinia u. s. f. 

Arzneistoffe wie andere Heilmittel können als einmal gegebene Grössen gel- 
ten, deren Wirkungen an sich stets dieselben sind, so lange ihre chemisch-physi- 
calischen Eigenschaften, ihre Menge u. s. f., kurz die Summe ihrer wirkenden 
Momente sich gleich bleiben. Aber die Umstände können variiren, unter denen 
sie im lebenden Körper zur Einwirkung gelangen, z. B. nach Alter, Geschlecht, 
Gewohnheit, sog. Constitution, und damit das Endresultat der Wirkung. Derselbe 
Stoff kann so bei verschiedenen Personen sehr verschieden wirken , und wird so- 
gar von derselben Person bald besser, bald schlechter vertragen. 

Noch unendlich grössere Differenzen zeigen die verschiedenen Thierklassen ; 
so scheinen im Allgemeinen Pflanzenfresser wie Kaninchen, Rind, Pferde durch 
narcotische Stoffe und irrespirable Gase weniger leicht behelligt zu werden als 
Fleischfresser wie Kazen, Hunde, und Säugethiere überhaupt weniger als Vögel. 
Digitalin u. a. sollen bei Batrachiern ungewöhnlich schwach wirken, desgleichen 
Blei auf Hunde, z. B. in Mennigefabriken, und auf Igel, auf Winterschläfer 
sollte kaum ein Gift wirken ! Fleisch - und Allesfresser wie Schweine , auch 
Hunde sollen umgekehrt an Milzbrand, Roz u. dgl. gestorbene Thiere ohne 
Schaden fressen, nicht aber Pflanzenfresser wie Schafe u. a. (Renault), und Lolch- 
samen , wodurch Säugethiere vergiftet werden , sind für Hühner unschädlich 
(Gaspard). Doch fehlt es hier überall an ausreichenden Versuchsreihen, und 
durch grosse Dosen energischer Gifte, z. B. durch narcotische Alkaloide, Arsenik 
u. dgl. , zumal wenn sie direct in's Blut gelangen , werden wohl alle Thiere ver- 
giftet; auch Vipern werden durch ihr eigenes Gift, wenn in Stichwunden ge- 
bracht , vergiftet (Bernard , gegen Fontana) , obschon sehr langsam. 

Für die Erklärung tatsächlicher Differenzen obiger Art gibt uns die Wis- 
senschaft bereits Anhaltspunkte genug, z. B. die Verschiedenheit der in's Blut 
übergehenden Stoffmengen wie der Veränderungen, welche jene Stoffe selbst im 
Magen u. s. f. erfahren mögen, desgleichen der Menge und Strömungsgeschwindig- 
keit des Bluts, der Athmungsgrösse , der Leitungsfähigkeit des Nervensystems 
u s. f., — Umstände, welche sämtlich auch für die Frage der Dosirung der Arznei- 
stoffe wichtig genug sind. So erklärt sich z. B. die Thatsache, dass Menschen, 
Thiere sehr ungleiche Mengen desselben Gifts brauchen, um vergiftet zu wer- 
den, theilweis schon aus ihrer verschiedenen Körpergrösse. Längst pflegt man 
bekanntlich bei physiologischen Versuchen über die Wirkung gewisser Stoffe, 
um die Resultate unter sich vergleichbar zu machen, die angewandte Dosis 
(wie z. B. bei Athmungsversuchen die Menge verbrauchten 0) auf ein bestimmtes 
Körpergewicht der Versuchsperson oder des Thieres, z. B. auf 1 Kilogrm zu 
reduciren. So kommt es denn auch bei Arzneistoffen, Giften sehr darauf an, ob 
z. B. 1 Grm derselben auf einen Menschen, ein Thier von 1 oder 10 Kilogrm 
Körpergewicht einwirkt; denn es ergibt sich daraus derselbe Unterschied wie 
wenn hier nur 1 , dort 10 Grm wären beigebracht worden. Weil indess die 
Wirkungen eines Stoffs vorzugsweise von seinem Zutritt in's Blut abhängen, 
ist die relative Blutmenge, Kreislaufdauer und zumal bei giftigen Gasen die 
relative Athmungsgrösse noch ungleich wichtiger für den Wirkungsgrad eines 
Stoffs als Körpergrösse oder Körpergewicht an sich. Wie z. B. auf 1 Kilogrm 
eines kleinen oder jungen Thieres mehr Blut kommt als bei grossen oder aus- 
gewachsenen, scheinen auch gewöhnlich relativ grössere Dosen Gift nöthig, um 
erstere zu tödten. Seesalz z. B. oder Salzlake, welche in grossen Mengen drastisch 
wirken und selbst tödtlich, tödten Pferde schon in einer Menge = Y200 ihres 



Modifikationen der Arznei Wirkungen. 41 

Körpergewichts, Hunde erst in Mengen = y^oo desselben, d. h. bei 60— 80 Grm 
(Goubaux). Und theilweise schon deshalb, weil Hungernde weniger Blut haben 
als sonst, mögen sie Giften um so leichter, schneller erliegen. So scheinen auch 
Morgens bei Nüchternen die meisten Arzneistoffe stärker zu wirken als während 
und nach der Verdauung einer Mahlzeit. Doch spielt wohl hier überall die 
Mischung oder Nichtvermischung der Arzneistoffe, Gifte mit indifferenten Stoffen 
im Mngen u. s. f. die Hauptrolle. 

Vielleicht dass auch äussere, zumal meteorologische Einflüsse auf den Wir- 
kungsgrad mancher Substanzen modificirend einwirken, z. B. Temperatur, Luft- 
druck, relative Feuchtigkeit, und somit auch Clima, Jahres-, Tageszeit. Doch fehlt 
es hier ganz an vergleichenden Versuchsreihen. In den Tropen scheinen so narco- 
tische Stoffe, Brechmittel, Laxanzen heftiger zu wirken, auch oft bei uns im 
Sommer, so gut als z. B. Frösche in Folge ihrer grössern Reizbarkeit durch Strych- 
nin, Morphin im Sommer, in der Wärme viel stärker ergriffen werden als im 
Winter und bei Kälte. In bedeutenden Höhen soll Branntwein auch auf Gewohn- 
heitssäufer stärker wirken als sonst (James) ; den Mönchen auf dem St. Bernhard 
sollten umgekehrt Brechweinstein u. a. Arzneistoffe in 2 — 3mal grössern Dosen 
gereicht werden müssen als in der Ebene unten (?). Bei feuchter Luft und klei- 
nem Luftdruck sollte Quecksilber stärker und schädlicher wirken als z. B. bei 
trockenem Nordwind (Lee) ; Hunt u. a. sagen gerade das Gegentheil. 

39. Abstammung, Standort, Sammlungsweise , Aufbewahrung der Sub- 
stanzen: sind am wichtigsten bei Droguen aus dem Pflanzenreich; je nach 
Vaterland und Standort der Mutterpflanzen, nach ihrem Alter und der 
Jahreszeit, in der sie gesammelt, nach der Sorgfalt, womit sie aufbewahrt 
und ihr Abgang durch frische Pflanzenstoffe ersezt werden, zeigen sie oft die 
grössten Verschiedenheiten in ihren Bestandtheilen, ihrer Güte, und deshalb 
auch sehr ungleiche Wirkungen. 

Junge Gewächse sind so reicher an Wasser und indifferenten Stoffen wie 
Gummi , Pflanzenschleim , Kohlenhydrate ; Giftpflanzen beim ersten Aufkeimen 
ohne basische oder Giftstoffe, während sich solche wie Glucoside, bittere Stoffe 
erst späterhin recht entwickeln, und ätherische Oele zur Blüthezeit wie etwa 
Moschus zur Brunstzeit. Gehalt und Wirksamkeit narcotischer Pflanzen, aller 
Wurmmittel wechseln bedeutend nach Standort, Jahreszeit und Jahrgang; Aconit, 
Farrnkrautwurzel , Artemisien (Genipkräuter) in den Alpen enthalten wirksamere 
Bestandtheile als in tiefer gelegenen Ländern , und narcotische Pflanzen , z. B. 
Digitalis, Giftlolch, Hanf sind im Süden giftiger als z. B. in Norddeutschland, 
Schottland (Christison, Lowe); Lactucarium, Colchicum, Nieswurz, Schierling wir- 
ken sehr verschieden, je nachdem im Frühling, Sommer oder Herbst eingesammelt. 
Beim Standort der Mutterpflanzen ist besonders wichtig der Einfluss von Sonne 
und Luft, Feuchtigkeit und Porosität des Bodens, sein Gehalt an mineralischen 
wie organischen Bestandtheilen , z. B. an Alkalien , Phosphorsäure, N u. a. Dar- 
nach wechselt auch der Gehalt ihrer Droguen z. B. an Alkaloiden , ätherischen 
Oelen, Harzen so gut als z. B. Honig, der Saft des Weinstocks, die Güte unse- 
rer Getreidesamen und des Mehls daraus *. Gross kann ferner der Unterschied 
zwischen wildwachsenden und cultivirten Gewächsen sein; von leztern aber wer- 
den jezt die meisten Kräuter, Früchte, Wurzeln bezogen 2 . 

Viele Präparate narcotischer u. a. Pflanzen halten wenig wirksame Bestand- 
theile mehr, z. B. Coniin in Schierlingspräparaten, und Extracte wechseln sehr, 
je nachdem sie ein Pharmaceut zu machen weiss 3 . Wegen solcher Verschieden- 



X Spartium scoparium z. B. hält auf Sandboden , frei der Sonne und Lnft ausgesezt , 4mal 
mehr Spartein und Scoparin als in tiefen, schattigen Orten (Stenhouse); Cannabis indiea liefert 
nur in den Tropen ein eigentümliches Gummiharz. Die Blätter von Bryophyllum calycinum, 
eine Crassulacee, sind Morgens sauer, Mittags geschmacklos, Abends bitter. Stärkmehl und 
Stärkegummi verwandeln sich in Früchten , Wurzeln , Knollen u. s. f. wie in der Leber der 
Frösche nur bei Sommerwärme in Zucker. 

8 Scheinen auch dadurch nicht immer an Güte , Wirksamkeit zu verlieren , Eibisch- , Süss- 
holzwurzel u. a. gewinnen sogar dadurch ; cultivirte narcotische Gewächse , z. B. Aconit gelten 
aber meist für schwächer denn wildwachsende. Wie Gemüse conservirt man jezt in Frankreich, 
Frankfurt u. a. auch Arzneikräuter durch Kochen in Dampf, Compression und luftdichten Ver- 
schluss in Büchsen; man kann so halbe Apotheken in ein Taschen-Etui stecken. 

3 Nach Ph. Austr. sind jezt alle Extracte in trockener Form statt der gewöhnlichen Extract- 
consistenz. Weil sich weingeistige Extracte in wässrigen Flüssigkeiten , z. B. in Decokten, 



42 Modifikationen der Arzneiwirkungen. 

heiten, die sich nicht immer vorher ermitteln lassen, benüzt man oft besser die 
wirksamen Bestandtheile für sich, z. B. Alkaloide , und braucht dann der Kranke 
nicht so grosse Massen zu schlucken (vergl. § 32). Auch die Aufbewahrungs- 
weise u. s. f. der Droguen in den Apotheken ist wichtig genug 1 ; schon z. B 
durch öfteres Oeffnen und Offenstehenlassen der Flaschen, welche Laudanum u. a. 
Tincturen enthalten, kann deren Gehalt wesentlich verändert, Laudanum z. B. 
dadurch concentrirter, relativ reicher an Morphin werden, so dass jezt schon einige 
Tropfen Kinder vergiften können. Bei Pulvern in Büchsen können sich allmälig 
die specif. schwerern Stoffe nach unten senken, die leichtern mehr nach oben 
steigen, z. B. bei Dover's Pulver Opium, Brechwurzel nach oben, schwefeis. Kali 
nach unten. 

40. Menge, Dosis. Ihre Bedeutung versteht sich so sehr von selbst, 
dass hier Weniges genügt. Auch lässt sich über die therapeutischen Dosen 
eines Arzneistoffs wenig allgemein Gültiges feststellen, indem dabei sehr 
Vieles auf den einzelnen Fall wie auf Willkür und Mode ankommt. Zudem 
hängt der Wirkungsgrad eines Stoffs nicht sowohl von seiner Dosis an sich 
ab als vielmehr von der Menge, welche in einer gegebenen Zeit in's Blut 
übergeht, auch von der relativen Menge und Strömungsgeschwindigkeit des 
Bluts u. s. f. 

So kommt es bei Stoffen, welche sich nur langsam im Magen u. s. f. lösen, 
wie z. B. Metallpräparate, Eisen u. a. , vor Allem auf die Menge neu entstehen- 
der und gelöster, resorptionsfähiger Verbindungen an, und wir begreifen, warum 
ihre Wirksamkeit nicht gerade mit ihrer Dosis parallel geht. Grössere Dosen 
sind z. B. nicht immer wirksamer als kleinere, oft sogar weniger wirksam , wenn 
z. B. in Folge allzu grosser Concentration kleinere Mengen in den Blutstrom über- 
gehen, wenn sie durch reichlicher abgesonderte Magen- und Darmflüssigkeiten 
mehr verdünnt wurden, oder endlich wegen der geringen Sättigungscapacität des 
Bluts für diesen Stoff sofort im Harn u. s. f. wieder abgehen, wo nicht grossen- 
theils im Darmcanal verbleiben 2 . 

Die Extreme der möglichen Dosen bei Kranken lassen sich für einen Stoff 
wohl im Allgemeinen bestimmen, auch für die verschiedenen Altersklassen der 
Kranken; doch haben solche Bestimmungen nur einen approximativen Werth, und 
können sogar zu positiven Irrthümern führen. Nicht alle Kinder z. B. desselben 
Alters sind in gleichem Grade entwickelt, so dass manches .im 4. Lebensjahr 
nicht einmal dieselbe Dosis erträgt wie ein 2jähriges anderes. Als ungefähre 
Norm lässt sich wohl nur Folgendes anführen: 

Für Erwachsene die volle Dosis = 1 , z. B. 60 Gran 
unter 1 Jahr alt . . . Vie — Vi 2 . 4 — 5 » 
in 2.-3. » . . . . Vio— y 8 .6—8 » 
» 4.-6. » ..... V« — V* • 9 ~ 15 » 
» 7.— 14. » . ... V» — V» • 20—30 » 
» 15.— 20. » . . . . 2 / 3 — 4 / 5 . 40-50 » 
» 21.— 65. » 1 . . 60 » 

Mit zunehmendem Greisenalter müssen die Dosen wieder ebenso sinken. 
Auch für Frauen gelten meist etwas kleinere Dosen als beim Mann, und immer 
nehme man im zweifelhaften Fall die Dosis lieber zu klein als zu gross. Wichtig 
ist ferner, ob eine gewisse Menge eines Stoffs in grössern oder kleinern Inter- 



Mixturen nie ganz lösen, filtrirt oft der Apotheker die leztern, um sie klar abzugeben, wobei 
dann viele wirksamen Bestandtheile mit verloren gehen. 

1 In Paris war so 1847 kaum 1/4 des Vorraths an Digitalis in gut getrocknetem Zustand 
(Homolle und Quevenne). Alle Pflanzenstoffe, zumal Rinden, Wurzeln, auch Opium u. dergl. 
enthalten je nach der Länge, dem Ort ihrer Aufbewahrung in Kellern, Dachkammern u. s. f. 
bald mehr bald weniger Wasser, und können durch feines Pulvern, Verdunsten, Trocknen mehr 
oder weniger an Gewicht verlieren, Opium z. B. durch Pulvern 8— 20<>/ . Deshalb sezen oft 
Händler u. A. Wasser, feuchtes Sägmehl u. dergl. zu, wie denn überhaupt auch die Fälschungen 
der Arzneipräparate in steter Vervollkommnung begriffen sind, zumal bei Alkaloiden und theuern 
Mitteln sonst. 

2 Jodkalium z. B., Brechweinstein, Laxir- und andere Salze wirken verdünnt mit viel Wasser 
innerlich wie äusserlich oft mehr als in conccntrirteren Lösungen, auch Jod, Crotonöl, Terpen- 
thinöl u dergl. Eisen findet sich im Blut in so kleiner Menge, dass sein Normalgehalt z. B. 
bei sog. Blutarmen schon duich i/a - 1 gran hergestellt würde, und wohl alles Weitere im Darm- 
canal bleibt ; auch gehen concentrirtere Lösungen desselben noch ungleich schwieriger in's Blut 
über als schwache. 



Modificationen der Arzneiwirkungen. 43 

vallen beigebracht wird, ob man z. B. §j eines Mittelsalzes auf ein-, zweimal oder 
z. B. zu 3j p. d. alle Stund, alle 2 St. nehmen lässt. In Deutschland u. a. lässt 
man noch z. B. Mixturen alle Stund oder 2 St. Löffelweise nehmen, was nicht 
blos lästig für Kranke und Wärter sondern auch sonst oft unpassend ist ; passender 
bedient man sich jezt da und dort calibrirter Einnehmegläser, oft auch sog. Haustus 
u. dgl. Es fehlt noch an vergleichenden Untersuchungen über obige Punkte, 
weshalb denn die Dosirung oft mehr von Gutdünken und Mode abhängt 1 ; doch 
leisten z. B. grössere Dosen Chinin, Opium, Brech-, Abführmittel u. dgl. wirklich oft 
mehr als dieselbe Menge in kleinere Dosen vertheilt. Mit der Zeit muss man gewöhn- 
lich die Dosis allmälig verstärken, z. B. wenn die zuerst entstandenen Wirkungen 
schwächer werden, doch nur wenn man keine sog. cumulativen Wirkungen, wie 
z. B. bei Metallen, Alkaloiden, Strychnin zu befürchten hat. 

Aus Obigem erhellt auch, warum solche Präparate energischer Substanzen, 
z. B. narcotischer , deren Gehalt sehr variabel und nicht zu taxiren ist, keine 
sichere Anwendung gestatten. Deshalb meide man die Extracte, Tinkturen, De- 
cocte, Infuse solcher Substanzen möglichst; denn sie enthalten gerade die wirk- 
samsten Stoffe, z. B. Alkaloide in Folge der ungleichen, oft unvollkommenen Ex- 
traction oder wegen Verflüchtigung in der Hize (wie z. B. bei Schierlingsextract) in 
zu ungleichen Mengen, als dass von einer sichern Dosirung die Rede sein könnte. 
Auch verdient Beachtung, dass die Tropfen der verschiedenen Flüssigkeiten eine 
sehr ungleiche Grösse und Dichtigkeit haben, somit einen sehr ungleichen Gehalt 
an Bestandtheilen , z. B. bei Wasser, Säuren, Alcohol, Aether, Tincturen; und 
endlich, dass selbst ein und dasselbe Apothekergewicht, z. B. ^j in Deutschland 
u. a. immer wieder ein anderes ist 2 . 

41. Eine umsichtige Dosirung der Arzneistoffe ist nicht blos bei deren 
innerlichem Gebrauch für den Magen sondern auch für andere Applications- 
stellen notlrwendig, bei Einathmungen, Injectionen, Fomenten, Salben, Aez- 
mitteln u. dgl. Dies gilt besonders für zarte, empfindliche Theile und Personen. 

Dosis eines Stoffs für den Magen = 1, z. B. 5 Gran 
für gesunde Hautdecken =3 — 6,» » 15 — 30 » 

Geschwüre =2 — 4, »»10 — 20 » 

endermatische Anwendung = 1 — 2,» » 5 — 10 » 
Mastdarm (Kly stiere) =2 — 4,» » 10 — 20 » 

Auge = V* 1 » » * 2—5 » 

Auch dies gibt indess höchstens einen allgemeinen Leitfaden ab, denn sehr 
viel kommt z. B. auf Eigenschaften und Wirkungsweise des Stoffs an; Stoffe, 
welche nicht sowohl örtlich als allgemein wirken, können auf Mastdarm, Corium, 
Geschwürflächen kaum in grössern Mengen gebracht werden als in den Magen. 
Narcotische Stoffe, Opium, auch Terpenthinöl u. a. können sogar im Klystier bei- 
gebracht stärker wirken als vom Magen aus. 

42. Form und Aggregatzustand. Im Allgemeinen wirken die Arznei- 
stoffe in fester Form, z. B. als Pulver, Pillen, Bissen langsamer als in flüssiger 
Lösung, oder gar als dieselben Stoffe in Gasform, weil jene in den Magen- 
und Darmflüssigkeiten , auch in den Secreten der Haut u. s. f. erst gelöst 
werden müssen. Dieser Unterschied gilt besonders hinsichtlich der allgemeinen 
Wirkungen der Medicamente, da die örtliche Einwirkung sogar einer unge- 
lösten Substanz, wenn sie nur überhaupt löslich ist, sogleich ihren Anfang nimmt. 

Wird z. B. Kampher in Substanz verschluckt, so kann bei grössern Mengen 
Gastritis entstehen; wird dieselbe Menge in Olivenöl gelöst verschluckt, so treten 
rasch Störungen des Nervensystems, Gehirns u. s. f. ein, Kopfschmerz, Betäubung 

* Ist man zumal in England , Amerika längst gewöhnt , auf dem Magen der Patienten das 
Forte zu spielen, so beliebt man neuerer Zeit auch in Deutschland, Frankreich (oft schon aus 
Opposition gegen Homöopathie, Nihilismus, bescheidenes Eingreifen) Dosen, welche der Kranke 
kaum mehr zu ertragen im Stande ist. 

2 In allen Deutschen Ländern und Ländchen hat wohl 1 U immer § 12, 3 96 u. s. f., aber in 
Norddeutschland, Preussen, Sachsen wiegt 1 'S 350,78348 Grm , beim Nürnberger Gewicht (z. B. 
in Würtemberg, Hessen, Baden, Hamburg) 357,56686, in Baiern 360,0000, in Oestreich gar 420,0088 
Grm. Weil aber ein solcher Stand der Dinge nicht blos unwürdig unserer Zeit sondern auch 
positiv gefährlich ist, müsste jeder Arzt auf gleiehes Decimal- oder Grammengewicht in der 
ganzen civilisirten Welt dringen. Auch die wichtigern Präparate müssten endlich überall 
gleiche Zusammensezung und Stärke erhalten. 



44 Modificationen der Arzneiwirkungen. 

u. s. f. Silbernitrat, schwefeis. Chinin, Arsenik , Bleizucker u. a. wirken in fester 
Form verschluckt ungleich schwächer als in Lösung 1 . Das sog. präcipitirte Calo- 
mel ist feiner zertheilt als das sublimirte, welches unter dem Mikroscop grössere 
zusammengeballte Klumpen zeigt; auch macht jenes viel leichter z. B. Erbrechen, 
gerade wie Schwefelmilch leichter Durchfälle macht als Schwefelblumen. Insofern 
kann dieselbe Menge eines Stoffs in flüssiger Form als eine grössere Dosis, in 
fester Form als eine kleinere gelten. Festere Medicamente und Arzneiformen, 
Pulver, Pillen u. s. f. gibt man oft in grössern Zwischenräumen als Lösungen, 
weil leztere rascher ins Blut übergehen und wirken. Um örtlich oder allgemein 
stärker zu wirken, ist es aus demselben Grund passender, die Stoffe in wässriger 
Lösung statt Fetten incorporirt als Salbe in die Haut einzureiben. 

43. Verbindung mehrerer Arzneistoffe miteinander. Obschon im Allge- 
meinen immer blos ein einziger wirksamerer Stoff als sog. Basis auf einmal 
benüzt werden sollte, kommen doch Fälle genug vor, wo man sich mehrerer 
zugleich bedient, und es begreift sich, dass dann die Wirkungen mehr oder 
weniger gemischte sind. Bald soll die Wirkung eines Stoffs durch andere 
modificirt, bald erst durch Vermischung zweier Stoffe ein anderer ausgeschie- 
den oder neu gebildet werden, z. B. in Brausemischungen; Verbindung des 
essigs. Kali mit saurem schwefeis.; bald gibt man statt eines einzigen zusammen- 
gesezten Präparats seine Bestandtheile nach einander, z. B. Jod und Queck- 
silber, Eisen. In noch andern Fällen will man durch gewisse Substanzen die 
wirksamen Bestandtheile anderer lösen, oder ihre Verdauung fördern, Magen 
und Darmcanal vor nachtheiligen Einwirkungen schüzen. 

So gibt man jezt Jod- , Eisen , Quecksilberpräparate u. a. , welche nach der 
Mahlzeit meist besser ertragen werden als nüchtern, oft mit Brod, Chocolade, in 
der Milch von Ziegen, welchen man sie gefüttert. Jedenfalls lässt sich nicht 
immer umgehen , mehrere Stoffe zugleich anzuwenden , und kommt es nur dar- 
auf an, ihre damit gegebenen Veränderungen und Wirkungen zu kennen. Arz- 
neistoffe z. B. gelöst in Weingeist, Aether (Tincturen) sind etwas anderes als in 
Substanz oder gelöst in Wasser 2 . Der neue Rococogeist der Arznei - Medicin 
liebt überhaupt zusammengeseztere , wo nicht verkünsteltere Verbindungen als je, 
und gibt oft nahezu das ganze schwere Geschüz der Apotheken auf einmal, 
während doch einfache Mittel und Behandluugsweisen noch immer die Sache der 
tüchtigsten Aerzte gewesen 3 . 

44. Alter und Geschlecht. Jene Eigenthümlichkeiten, wie sie dem 
Menschen in seinen verschiedenen Altersstufen und je nach seinem Geschlecht 
zukommen, äussern auch auf die Arzneiwirkungen mehr oder weniger Einfluss. 
All die wichtigeren Systeme und Processe des Körpers verhalten sich ja 
hier innerhalb gewisser Grenzen immer wieder anders, zumal in seinen 
verschiedenenEntwicklungsperioden, desgleichen Nahrung, Lebensweise, äussere 
Einflüsse u. s. f. Auch lehrt die tägliche Erfahrung, wie ungleich dasselbe 
Mittel bei Kindern^ und Erwachsenen, bei Alten wirken kann 4 . Weniger 
gilt dies bei den verschiedenen Geschlechtern, und nur bei ungewöhnlich 
nervösen oder schwächlichen Repräsentanten des weiblichen Geschlechts 
scheinen manche Stoffe intenser zu wirken als beim Mann. 

Alle wirksamen Arzneistoffe sind in gewisser Hinsicht Schädlichkeiten für 



i Arsenige Säure z. B. wirkt gelöst schon zu einigen Gran giftiger denn als Pulver selbst 
bei der doppelten Dosis ; anderseits seheint bei mögliehst kleinen Dosen von Eisen immerhin 
etwas mehr E. in's Blut überzugehen als bei grössern, und so z. B. von Eisenfeile mehr als 
von gelösten E.Salzen. Dass dieselbe Substanz, z. B. Digitalis, Opium, China u. a. verschieden 
wirken kann, je nachdem sie mit Wasser oder Weingeist ausgezogen wurden, versteht sich von 
selbst. Ueberhaupt sind aber Infuse, Decokte sehr ungleich in ihrem Gehalt, und deshalb ihre 
Wirkungen unsicher, z. B. auch beim Repetiren einer Mixtur. 

2 Wie etwa Mineralwasser oder zusammengesezte Nahrungsmittel anders wirken als ihre 
Bestandtheile, scheint auch eine Verbindung ähnlich z.B. narcotisch wirkender Stoffe oft wirk- 
samer als dieselben Stoffe je für sich (Dorvault, Eisenmann u. A.). 

3 „Je länger geschrifft, je kleiner der verstandt, je länger die Recepten, je weniger tugend" 
sagt Paracelsus. Kürzer sind sie jezt geworden, aber deshalb nicht immer einfacher und klüger. 

4 Bei Vergiftungen gilt als Regel, dass Aeltere früher sterben als Jüngere (wichtig auch 
für Erbschaftsfragen u. dcrgl.); doch scheint es sich damit oft genug umgekehrt zu verhalten, 
z. B. bei Kohlendampf und ähnliche Gasen, auch beim Tod an Verblutungen, Hunger. 



Modifikationen der Arzneiwirkungen. 45 

den lebenden Körper, denn sie können ihn mehr oder weniger stören und krank 
machen. Nirgends trifft dies aber mehr zu als bei Kindern, weshalb man sich 
bei ihnen wenigstens auf unschuldigere, zumal diätetische Hülfsmittel beschränken 
sollte. Jedenfalls sind in der Kinderwelt alle energischen Medicamente so gut 
als verboten, z. B. Mineralsäuren, stärkere Metallpräparate und Salze, narco- 
tische Stoffe, Purganzen, Brechmittel; sog. Hautreize fordern wenigstens die 
höchste Vorsicht. Dasselbe gilt bei Greisen, besonders von ausleerenden, schwä- 
chenden Mitteln. 

Auch beim Weib sind zumal während der Menstruation alle energischen 
Mittel zu meiden, so vor allen Drastica, Emetica, Säuren. Während der Schwanger- 
schaft kommt es zugleich auf die Integrität des Fötus an ; man meide daher 
Stoffe, welche die Mischung des mütterlichen Bluts u. s. f. tiefer verändern oder 
Wehen, Abortus herbeiführen könnten, z. B. Quecksilber, Jod, Narcotica, sog. 
Emmenagoga, Drastica und scharfe oder in hohem Grad aufregende Stoffe sonst. 
Dasselbe gilt bei Wöchnerinnen. Während der Lactationsperiode ist zu bedenken, 
dass wohl sämtliche Arzneistoffe in die Milch übergehen und dieselbe bald posi- 
tiv schädlich, bald wenigstens für den Gaumen des Säuglings widrig machen 
können. 

45. Gewohnheit, Lebensweise, Constitution, Nationalität, Race. Bei 
den meisten Arzneistoffen tritt allmälig eine Zeit der relativen Toleranz ein, 
wo ihre Wirkungen, örtliche und allgemeine schwächer werden als Anfangs 
oder selbst ganz ausbleiben. Tägliche Beispiele hiefür sind alcoholische 
Getränke, Gewürze, Tabak, Opium u. dgl., überhaupt Substanzen, welche, 
umgesezt oder nicht aus dem Körper rasch wieder ausgeschieden werden. 
Auch sonst zeigen einzelne Personen und Volksclassen oft eine auffallende 
Unempfänglichkeit für die Wirkungen gewisser Stoffe, oder werden Einzelne 
umgekehrt ungewöhnlich stark dadurch in Anspruch genommen, z. B. viel- 
leicht in Folge einer besondern Erhöhung oder Abstumpfung der Leitungs- 
fähigkeit ihres Nervensystems und einzelner Provinzen desselben (sog. Idio- 
syncrasie). 

Das eclatanteste Beispiel von der Macht der Gewohnheit bieten die Opio- 
phagen, indem solche oft viele Jahre, selbst ihr ganzes Leben durch Tag für 
Tag 3jj und mehr Opium, %ß— j Laudanum gemessen, und ohne dadurch sonder- 
lich afficirt zu werden. Vielmehr kommt es nur, wie z. B. auch bei Gewohn- 
heitssäufern zu mehr Aufregung, Belebung u. s. f. Und wie man allmälig die 
stärksten electrischen Ströme ohne grossen Schmerz ertragen kann, gewöhnen 
sich Menschen, Arbeiter allmälig an stinkende, schädliche Gase, an Schwefel- 
wasserstoff, Chlor, Kohlensäure und Kohlendampf, Andere an Arsenik u. dgl. 1 
Umgekehrt ertragen Schweizer Hirten, welche grossentheils von Milch, Milch- 
speisen, Molken u. dgl. leben, nur sehr kleine Mengen narcotischer Stoffe, Brech- 
weinstein, Queckilber, und Kurden, nie an Salze u. dgl. gewöhnt, werden durch 
Laxirsalze heftig ergriffen. 

Dass überhaupt bei verschiedenen Persönlichkeiten auf denselben Stoff hin 
ganz ungleiche und oft unerwartete Erscheinungen eintreten können , lehrt jeder 
Tag. Durch dasselbe Chloroform, womit Hunderte schadlos chloroformirt wurden, 
kann Einer plözlich ersticken. Bei Frauen, Reizbaren können auf Arzneistoffe 
so gut als auf manche Speisen, Getränke und die unschuldigsten Dinge hin bald 
Nesselsucht, bald Krämpfe u. s. f. eintreten, so dass wohl deren Persönlichkeit 
oder Anlage hier überall die Hauptrolle spielt. Opium sollte so Malaien wild, 
Chinesen träumerisch , Türken verliebt machen, doch wohl nur weil sie das Alles 
schon zuvor sind. In noch auffallenderer Weise zeigt sich bei Kranken die Em- 
pfänglichkeit für Arzneistoffe bald vermehrt, bald vermindert, so dass z. B. bei 



* Thiere, welche längere Zeit luftdicht z. B. unter Glasglocken abgeschlossen athmen, können 
drin noch leben, auch wenn der O Gehalt der Luft von 21% auf 5— 3% gesunken ist, während 
andere und sie selber, wenn sie zuvor an die freie Luft gekommen, sofort drin ersticken (Oza- 
nam, Bernard). Die Leute in Steiermark essen unreinen Arsenik, d. h. sog. Hüttenrauch zu 
gr. i/ 2 — 4 p. d., und wie sie glauben mit Nuzen (Wibmer, Tschudi), desgleichen manche Jäger- 
völker, Taucher u. a. in China (Macgnowan); und wie man hier Tabak mit Schwefelarsen 
raucht, essen oft die Opiophagen der Levante schliesslich 3/?— j Quecksilbersublimat (Pouque- 
ville, Rigler). 



46 Applicationsstellen der Arzneistoffe. 

Geisteskranken, Gelähmten, Wassersüchtigen wie bei Choierakranken Purganzen 
ohne Wirkung bleiben, und umgekehrt bei Magen- oder Darmentzündung, Peri- 
tonitis die heftigsten Zufälle bewirken. Ja Tetanische, Hydrophobische wie von 
Giftschlangen Gebissene werden oft durch die grössten Dosen Opium, Brannt- 
wein u. a. gar nicht berührt. 

Die Beachtung dieser und ähnlicher Verhältnisse ist aus naheliegenden Grün- 
den für Wahl , Dosen u. s. f. der Mittel von der höchsten Wichtigkeit ; bei Kräf- 
tigen, an Fleischkost, Gewürze, geistige Getränke u. s. f. Gewöhnten z. B. kann 
man stärkere Mittel und Dosen riskiren als bei armen hungernden Volksclassen, 
an schlichte Pflanzenkost und Lebensweise gewöhnt. Ja schon in Folge einer 
Veränderung der Nahrungs- und Lebensweise, des Wohnorts u. s. f. kann der- 
selbe Arzneistoff ganz anders wirken als zuvor 1 ; nach Kaltwasser- oder Bade- 
curen z. B. wird er oft ungleich besser ertragen, während umgekehrt z. B. bei 
Cholera-Epidemieen u. dgl. schon auf einfache Laxanzen die heftigsten Durch- 
fälle, selbst Collapsus und Tod eintreten können. 

VIII. Applicationsstellen der Arzneistoffe. 

46. Arzneistoffe lassen sich auf alle denselben zugängliche Theile brin- 
gen, besonders wenn es blos auf örtliche Wirkungen in denselben abgesehen 
ist, z. B. in Gebärmutter, Scheide 2 , Harnröhre, Blase, Trommelhöhle, 
Eustach' sehe Röhre, äussern Gehörgang, Kehlkopf, Nase, auf Auge, Tonsillen, 
Zahnfleisch, Zähne u. s. f. Doch ist hier von diesen Applicationsstellen, 
welche keine oder nur geringe Wirkungen im Innern des Körpers zulassen, 
nicht die Rede (sie gehören grossentheils in's Gebiet der Chirurgie und Ge- 
burtshülfe), sondern blos von Körpertheilen, auf welche die Medicamente 
besonders ihrer allgemeinen Wirkungen halber applicirt werden, oder welche 
doch solche in höherem Grade gestatten. Auch sind es gerade ihre allge- 
meinen Wirkungen, derentwegen überall die passendste Applications stelle 
gewählt, öfters sogar vorläufig präparirt werden muss. 

Den Applicationsstellen kommt ein grosser Einfluss auf die Wirkungen der 
Arzneistoffe zu, weil 1. von ihrer Ausdehnung, ihren Texturverhältnissen, Ge- 
fässen, Nerven u. s. f. das Zustandekommen jener allgemeinen Wirkungen und 
deren Grad wesentlich abhängt; 2. weil sie die applicirten Stoffe und deren Be- 
standteile bald so bald anders verändern und 3. von diesen selbst auf sehr ver- 
schiedene Weise verändert werden. Hinsichtlich dieser Punkte übertreffen Schleim- 
häute, zumal der Bronchien, des Magens, Dünndarms alle andern Applications- 
stellen, etwa mit Ausnahme eines directen Einführens der Stoffe in Venen, Wun- 
den. Zwar pflegen die Arzneistoffe hier gerade oft grossen Veränderungen zu 
untergehen , und der Schleim , überhaupt die Flüssigkeiten , womit die Schleim- 
häute besonders im Darmcanal bedeckt sind, verzögern mehr oder weniger den 
Eintritt gelöster Stoffe in den Blutstrom ; doch geschieht lezteres thatsächlich 
rasch genug 3 . Die äussern Hautdecken ihrerseits fördern vermöge ihres Reich- 
thums an Nerven vor Allem sog. sympathische Wirkungen durch's Nervensystem. 
An sie reihen sich eiternde, überhaupt von Epidermis entblösste Flächen, während 



1 Bei Syphilitischen z. B. sah Acton auf Quecksilberpillen , welche sie in Paris mit den 
gewöhnlichen Wirkungen gebraucht und von da nach London gebracht hatten, hier Colik und 
Durchfall entstehen. 

2 injeetionen, Räucherungen, Dämpfe hat man längst in die Gebärmutter applicirt, und jezt 
bringt, streicht und bläst man alles Mögliche in dieselbe. Aran z. B. legt Vesicatore auf den 
Mutterhals; bei Krebs, Geschwüren, Blennorrhöen bläst man Calomel , Zinkoxyd, Alaun u. a. 
mit aa Zucker, Gummi arab. u. s. f. ein, auch China, Kampher, und Kilian bläst allerhand Stoffe 
durch eine Canülle (Metrophyseterion) hinein. Oft applicirt man sie als sog. medicamentöse 
Bougies und Pessarien, als Vaginalpillen, Kugeln, z. B. Belladonna, Opium; Mayer als sog. 
Arzneicylinder aus gegittertem Zeug, gefüllt mit Charpie, die in Lösungen von Eisen-, Zink- 
vitriol, Höllenstein u. a. getaucht worden; bleiben 10—12 Stunden liegen. Injeetionen sollten 
durch die Tuben in die Bauchhöhle dringen und z.B. Peritonitis bewirken können; wahrschein- 
licher ist leztere Folge der Reizung des Uterus u. s. f. durch derartige Eingriffe. 

3 Vom Magen selbst aus sollen nur kleine Mengen in's Blut übergehen (Berard); während 
z. B. ein Pferd durch eingegebenes Strychnin nicht stirbt, wenn man ihm beide Vagi durch- 
schneidet und den Pylorus unterbindet, hat Strychnin unter denselben Umständen in's Duodenum 
gebracht bald Tod zu Folge (?). Je weniger Alkalien der thierische Schleim gebunden hält, 
desto zäher pflegt er zu sein, und je zäher um so mehr hemmt er die sog. Aufsaugung. 



Applicationsstellen der Arzneistoffe. 47 

die von Epidermis überkleidete Haut einem Eintritt selbst gelöster Stoffe grosse 
Hindernisse entgegenstellt, und insofern selten genug deren Wirkungen im Innern 
des Körpers gestattet. 

47. Gewöhnlich bringt man Arzneistoffe u. s. f. in den Magen, und 
zwar in den verschiedensten festen wie flüssigen Formen, als Pulver, Bissen, 
Pillen, Latwergen, Lösungen, Decokte u. s. f. 1 Nur ausnahmsweise werden 
andere Applicationsstellen vorgezogen. 

So z. B. wenn Krankheiten der Schlingwerkzeuge und mechanische Hinder- 
nisse wie Schlundverengerungen, fremde Körper oder Bewusstlosigkeit, Ohnmacht 
das Schlingen hindern ; wenn Entzündung u. s. f. des Magens, Darmcanals deren 
Zusammentreffen mit Arzneistoffen verbieten; wenn leztere, allzu widrig zum 
Verschlucken, beständig erbrochen werden u. s. f. Geisteskranken bringt man sie 
oft wie ihre Nahrung durch die Schlundröhre bei, Cholerakranken durch die 
Magenpumpe. 

Mastdarm: auf seiner Schleimhaut werden die Stoffe weniger verändert 
als im Magen, und oft schneller resorbirt, weil es Schleim u. a. weniger 
hindern. 

Nur wird dies durch die geringe Ausdehnung der Fläche, den geringern 
Reichthum an Gefässen, Nerven, öfters durch Kothmassen oder alsbaldige Aus- 
leerung mehr als aufgewogen 2 . Für die Lösung mancher Substanzen, z. B. der 
meisten Alkaloide ist es wichtig, dass seine Secrete alkalisch sind, also nicht wie 
Magensaft durch freie Säure lösend wirken; doch löst sich z. B. Morphin leicht 
in Alkalien. Man bringt Arzneistoffe in den Mastdarm, um örtlich zu wirken, 
zur Entfernung von Fäcalstoffen wie bei Durchfällen, Ascariden, Krankheiten des 
Mastdarms ; um auf Geschlechtsorgane u. a. zu wirken bei Algieen , Krämpfen 
derselben; oder um medicamentöse , nährende Stoffe, z. B. Fleischbrühe in den 
Körper zu bringen, wenn der Magen nicht dazu benüzt werden kann oder nicht 
ausreicht, z. B. bei Erbrechen, Darmfisteln, bei Säufern, Tollen, schwer Kranken 
und Operirten. Hier muss der Mastdarm immer durch einfache Klystiere zuvor 
entleert und gereinigt werden. Gewöhnlich bringt man die Stoffe in flüssiger 
Form bei (Klystier , Clysma , Enema) , öfters in fester (Stuhlzäpfchen , Supposi- 
torium); statt dieser wendet man auch Kügelchen, grosse Pillen an, z. B. Opium 
mit Seife bei Chorda, schmerzhaften Erectionen Gonorrhoischer; statt Klystier- 
sprizen sog. Clysopompen 3 , auch Magenpumpe bei Ileus u. a. , im Nothfall die 
Blase vom Kalb, woran ein Röhrchen befestigt. Nur selten bringt man Stoffe in 
Gas- und Dampfform bei, z. B. Tabakdämpfe bei eingeklemmten Brüchen, atmos- 
phär. Luft bei Ileus, Kohlensäuregas bei Krebs des Mastdarms. 

Auf Mundhöhle, Schlund, applicirt man Stoffe meist nur behufs örtlicher 
Zwecke, als Mund-, Gurgelwasser (Gargarismen), Latwergen, Kaumittel, 
Zahnpulver. 

In die innere Wangenfläche und Zunge, in's Zahnfleisch jedoch rieb man 
da und dort Goldpräparate, Calomel u. a. behufs ihrer allgemeinen Wirkungen; 
auch will man öfters durch Kauen scharfer Pflanzenstoffe (Masticatoria) die Spei- 
chelabsonderung vermehren, oder sympathisch auf Gehirn, Sinnesnerven wirken 4 . 
Auf den Schlund werden öfters scharfe, äzende Stoffe gebracht, um von hier aus 
auf die Eustach'sche Röhre z. B. bei Catarrh derselben zu wirken ; Dämpfe bringt 
man unmittelbar in dieselbe. Baroker Weise wollte man zudem von dort aus durch 
Application aller möglichen Medicamente, auch des Aethers mittelst der Schlund- 



1 Jezt sucht man die Arzneistoffe widerstrebenden Kranken immer angenehmer zu machen, 
gibt sie z. B. als Pastillen, Trochisken mit Chocolade und andern Vehikeln, in Gallertkapseln, 
Glycerin u. s. f. 

2 Doch sollen Klystiere bis zum Cöcum reichen, und z. B. von löslichen Chininsalzen, im 
Klystier beigebracht, über 1/3 wieder im Harn ausgeschieden, also resorbirt werden, bei grossen 
Dosen nur 1/5— Ve (Briquef). Auch wird bei Jüngern mehr resorbirt als bei Aelteren ; bei Kindern 
aber pflegen Stoffe wie Chinin u. a. wegen allzugrosser Empfindlichkeit des Mastdarms rasch 
wieder abzugehen. 

3 Beim Pneum-Enema Jeffrey's wird die Flüssigkeit durch eingepumpte Luft ausgetrieben. 
Mahomedaner lassen sich keine Klystiere geben. 

4 Manche Stoffe sollen gekaut rascher, stärker wirken als vom Magen aus; wie z. B. Crotonöl 
auf die Zunge gebracht schnell zu wirken pflegt, soll auch schon gr. 1/6 bis */i2 Calomel in den 
Mund genommen schneller Speiehelfluss machen als bei irgend einer andern Applicationsweise 
(Wardrop). 



48 Applicationsstellen der Arzneistoffe. 

nervengeflechte auf Rückenmark, Gehirn einwirken, bei Tetanus, Wasserscheu, 
Epilepsie, Delirium tremens (Ducros' Pharyngopyrotechnie). Auf die Tonsillen 
bläst man Pulver aus Kautschukröhren, in deren kugelförmiges Ende sie gebracht 
werden (sog. Pyxides). 

Die Nasenhöhle wird fast blos örtlicher Zwecke wegen benüzt; Niesmittel 
(Sternutatoria, Errhina, Ptarmica) dienen zum Entleeren von Nasenschleim, frem- 
den Körpern, auch um auf Gehirn, Augen zu wirken. Am häufigsten applicirt 
man jezt noch Riechmittel auf diese Weise, auch Aether, Chloroform ; bei Migräne 
u. dergl. Morphin, verdünnte Blausäure u. a. (Jung) l . 

48. Luftwege, Bronchopulmonarschleimhaut. Ihnen kommt keine andere 
Körperfläche hinsichtlich der Schnelligkeit gleich, womit sie die Resorption 
gestatten, und sie würden insofern eine treffliche Applicationsstelle abgeben. 
Dagegen wird keine andere, die Luftröhre selbst ausgenommen, durch fremd- 
artige Stoffe in demselben Grade behelligt; ja die leztern und zumal 
concentrirte, schärfere Gase und Dämpfe, Substanzen in Staub-, Pulverform 
scheinen nie in die feinsten Bronchien zu gelangen. Auch verdient Beach- 
tung, dass Gase, z. B. schon und N in sehr verschiedenen Mengen vom 
Blut aufgenommen werden, und dass durch die z. B. bei Aetherisation ein- 
geathmeten Gase das Verhältniss des innern, statischen Gegendrucks zum 
äussern Luftdruck ein anderes werden kann. 

Vor der Aetherisation begnügte man sich, bei gewissen Krankheiten der Lun- 
gen, des Kehlkopfs, der Luftröhre, auch, bei manchen Neurosen der Athmungs- 
apparate Stoffe in Gas- und Dampfform einathmen zu lassen (Atmiatrie), ohne von 
hier aus allgemeine Wirkungen zu beabsichtigen. Bei Lungenphthise, chron. Bron- 
chitis, Keuchhusten, Asthma u. a. lässt man so Wasserdampf athmen, oft geschwän- 
gert mit aromat., narcot. Stoffen, indem man z. B. deren Extracte im Wasser löst ; 
auch Theer, Balsame, Harze, Terpenthin-, Dippelsöl, die Dämpfe von Kiefernadeln, 
Essig, Kreosot, Jod, Arsen, Kampher, Schwefeläther, Kuhstallluft, Ammoniak-, 
Kohlensäure- , Chlor-, Sauerstoff-, Stickoxydulgas. Endlich lässt man Belladonna, 
Stramonium u. dergl. , bei Syphilitischen auch Quecksiiberpräparate rauchen 2 . 
Man benüzt zum Einathmen besondere Apparate, Glasballone, Flaschen mit Tubulis 
und elastischen Röhren, einfache, an beiden Enden offene Röhren u. dergl. (Mudge, 
Gannal, Ramadge, Mayer, Charriere, Sibson, Gairdner); oder lässt wo möglich die 
Luft eines geschlossenen Zimmers mit den Dämpfen bis zur gewünschten Satura- 
ration schwängern. Solche Inspirations- oder Athmungssäle finden sich längst in 
Mineralbädern und Soolen für deren Kohlensäure, Schwefelwasserstoff, N, H und 
andere Gase, für Wasserdampf (lezterer z. B. durch Sieden in Kesseln dargestellt). 
Jezt lässt Sales - Girons das durch Aufsprizen auf Platten fein zerstäubte (sog. 
pulverisirte) Wasser selbst athmen, auch Eisen-, Chininsalze und alle löslichen 
Arzneistoffe, statt sie in Bronchien zu sprizen oder schlucken zu lassen. Seit die 
Resorption von Arzneistoffen u. s. f. durch die Haut in Bädern grossentheils wo 
nicht ganz auf Null reducirt worden, hat man sich überhaupt um so mehr den 
Einathmungen zugewandt. 

Selbst fein gepulverte Stoffe lässt man einathmen, oder bläst sie in die Luft- 
röhre (Autenrieth, Myddleton, Trousseau, Belloc, Snow, Richard, Pserhofer u. A. 3 ), 



i Hier Hess schon Fabricius den Wallenstein Majoranwasser in's eine Nasenloch tief hinauf- 
schnupfen, während das andere zugedrückt und der Mund mit Wasser, Wein gefüllt war (Paul- 
iini). Um bei Ozäna die Schleimmassen in der Tiefe auszuflössen, macht Malgaigne Einsprizungen 
in's eine Nasenloch und mit grosser Gewalt; weil Gaumensegel, Pharynx nichts hinablassen, 
fliesst das Wasser dureh's andere Nasenloch aus. Kindern, die nicht saugen wollen oder können, 
sprizt Henriette Milch durch die Nase ein; die gläserne, erwärmte Sprize darf aber nicht über 
1'" tief eingeführt werden, sonst entsteht heftiges Niesen. Eignet sich auch für andere Getränke 
und Arzneistoffe, z. B. Wein, Chininlösungen, wenn Kranke nicht schlucken können oder wollen, 
überhaupt statt der Schlundsonde, z. B. bei Croup, Comatösen, Asphyxirten, Wahnsinnigen; 
Zsigmondy giesst bei horizontaler Lage einfach mittelst des Löffels in die Nase. Asphyxirten 
bläst man durch dieselbe Luft ein, mittelst Röhren, Blasbalg. 

2 Landerer u. A. lassen als „medicin. Cigarren" wieder Quecksilberjodid, Arsen, Kreosot, 
Hyoscyamin, Morphium rauchen; enthalten sie aber z. B. so viel Arsen, dass ihre Wirkung 
nicht rein illusorisch ist (Bunsen), so sind sie höchst gefährlich (Gaultier de Claubry). Dannecy 
tränkt die hiezu benüzten narcotischen Pflanzen erst mit Salpeterlösung ? und trocknet sie dann, 
um so weniger Rauch zu bilden. Narcotische Stoffe, auch Quecksilberpräparate, Ammoniak u. a. 
kann man aus Tabakpfeifen rauchen lassen. 

3 Hustenreiz soll dabei nur Wirkung auf Rachen , Kehlkopf sein und bald schwinden ; jene 



Applicationsstellen der Arzneistoffe. 49 

z. B. Morphin , Opium-Extract , Strychnin , Chinin , Chinarinde , Myrrhe , Zucker, 
Alaun , Eisenvitriol , Brechweinstein , Arsen , Jodkai., Bleizucker, Silbernitrat. Ob 
ein solches Verfahren mehr Nachtheile oder Vortheile bringt , ist zweifelhaft, und 
scheint höchstens bei verzweifelten Krankheiten der Luftwege, Lungen wie etwa 
Höllensteinlösungen bei Croup erlaubt. Trousseau und Belloc nahmen verschiedene 
Verdünnungen des Zink-, Kupfervitriol, Bleizucker, Silbernitrat u. a., lezteres z. B. 
mit 40 — 70 Th. Zucker, erstere mit 30 Th., Alaun mit 2 Th., die sie aus einem 
Röhrchen einathmen Hessen. 

49. Hautdecken, unveiiezte: dienen häufig als Applicationsstellen, sei 
es um bei Hautkrankheiten auf die Haut selbst zu wirken (z. B. Schmier- 
seife, Schwefelräucherungen), sei es um ableitend 1 , allgemein erregend, be- 
ruhigend zu wirken (z. B. Senf, Blasenpflaster, warme Bäder), oder um in 
den Körper Arzneistoffe einzuführen, z. B. Jod, Quecksilber. 

Arzneistoffe lassen sich hier in mannigfachen Formen appliciren, in Lösung 
(als Fomente, Waschungen, Bäder), in Gas-, Dampfform, als Cataplasmen, Pulver, 
Salben, Pflaster u. s. f. Bringt man dieselben einfach auf die Haut (sog. enepider- 
mische Methode), z. B. als Pflaster, Salbe, Bähung, Cataplasma, Bad, so gehen 
selbst gelöste Stoffe gar nicht oder nur sehr allmälig und sparsam in's Blut über ; 
man darf daher nur örtliche Wirkungen dabei erwarten 2 . Werden dagegen die 
Stoffe gelöst oder vermischt mit Wasser, Weingeist, Fetten eingerieben und mecha- 
nisch durch die Epidermis gepresst (sog. iatroleptische Methode, Anatripsologie), 
so gelangen sie eher in den Blutstrom. Doch findet man z. B. nach Einreibun- 
gen von Brechweinsteinsalbe kein Antimon im Harn, so wenig als Jod, und Bella- 
donna so applicirt erweitert die Pupille nicht. Um die vorbereitenden Veränderungen 
der Medicamente, wie sie im Magen eintreten, zu ersezen, hat man die gepulverten 
Stoffe erst mit Magensaft, Speichel, Galle vermischt und alsdann eingerieben 
(Brera, Chrestien, Chiarenti u. A.), z. B. Gold-, Silber-, Quecksilberpräparate ; doch 
ist dies umständlich, eckelhaft, und hat vor gewöhnlichen Einreibungen keinen 
Vorzug. Die Einreibungen werden am besten vom Kranken selbst mit der blossen 
Hand, da und dort mittelst imprägnirter Compressen, Flanellstücke, weicher Bür- 
sten u. dergl. ausgeführt; man wählt dazu zartere Hautstellen, Achselhöhle, Flexions- 
flächen der Extremitäten, Inguinalgegend, Hals, zuweilen die Haut zwischen Fuss- 
zehen, Fingern, Fusssohlen. Bei der Wahl dieser Applicationsstellen geht man 
öfters nach wenig physiologischen Grundsäzen vor, wenn man z. B. die Medica- 
mente in möglichster Nähe der Theile, auf die man wirken will, einreibt oder 
sonstwie applicirt; mögen sie auch hiebei wirklich in die unten liegenden Organe 
eher gelangen als in andere (z. B. Metallsalze, Quecksilber, Salmiakgeist), so 
scheint dies doch bei Stoffen werthlos, welche blos als resorbirte die beabsichtigten 
Wirkungen äussern können. Es liegt z. B. kein Grund vor, Quecksilbersalbe bei 
Peritonitis in den Unterleib , Jod bei Kropf in den Hals , Crotonöl als Purgans in 
den Bauch einzureiben; vielmehr sollten hier wie sonst die zartesten Hautstellen 
benüzt werden. Werden aber sog. sympathische Wirkungen, vermittelt z. B. durch 
Beziehungen der Hautnerven zu Gehirn, Rückenmark beabsichtigt, so wähle man 
die nerven reichsten, empfindlichsten Stellen oder die mit jenen Theilen und Central- 
organen, auf welche eine Wirkung beabsichtigt wird, in innigerem Nexus stehen. 

Stoffe aber sollen hiebei oft in grossem Mengen ertragen werden als im Magen; auch 
behandelt Pserhofer (mittelst einer Art Büchse und Röhre daran) ausser Phtise, Lungenbrand, 
Catarrh u. s. f. Wechselfieber, Bleichsucht, Syphilis damit. Doch scheinen die Luftwege und 
Lungen nicht hiezu da, und Manche sind z. B. schon durch Injection von Höllensteinlösungen 
zu Grunde gegangen. Anderseits scheinen obige Pulver zum Glück seltener in die Luftröhre 
als in den Schlund zu kommen; durch die in leztere eingeführte Röhre nemlich bläst die Luft 
gleichfalls ein- und aus, wie durch die Luftröhre, womit denn das bisherige Criterium allen 
Werth verliert (Griesinger). 

2 Die Hornschichten der Haut, mögen sie auch z. B. im Bad oder bei Fomenten, Cataplas- 
men u. s. f. etwas Wasser aufnehmen und quellen, lassen so gut wie keine tropfbaren Flüssig- 
keiten durch , auch keine gelösten Salze u. s. f. , oder doch nur spur- und ausnahmsweise unter 
besonderen Umständen (Krause, Kürschner, Kletzinsky, Beneke, Bernard, Lehmann u. A.). 
Deshalb ist es zwecklos und widersinnig, von Alkalien, Salzen, Soolen, Eisen, Jodkai., Gallerte 
u. dergl. in Bädern , künstlichen oder natürlichen (Meer- , Mineralwasser) die allgemeinen Wir- 
kungen dieser Stoffe zu erwarten. Substanzen in Gas- und Dampfform dagegen durchdringen 
die Epidermis leicht, z. B. Wasserdampf, flüchtige Säuren, Schweflige Säure, ätherische Oele, 
somit auch die flüchtigen Bestandteile von Balsamen, Kampher, Moschus, von narcotischen, 
scharfen, gewürzigen Stoffen u. a., so dass sie z. B. dem Blut, Harn, der ausgeathmeten Luft 
ihren Geruch mittheilen. 

7. Aufl. 4 



50 Applicationsstellen der Arzneistoffe. 

Nötigenfalls kann die Resorption der Stoffe durch vorherige Bäder und trockene 
Reibungen begünstigt werden. Manche lassen behaarte Theile erst rasiren , doch 
scheint dies selten passend. Oft muss die eingeriebene Stelle nachher mit Flanell, 
Wachstaffet, Leinwand u. dergl. bedeckt werden, schon der Leibwäsche wegen, 
um Wärme, Reorption u. s. f. zu fördern, 

50. Von der Epidermis entblösste Haut : bei dieser sog. endermatischen 
s. emplastro-endermischen Methode (Lembert, Lesieur u. A.) wird erst durch 
Blasenpflaster, Aezammoniak u. dergl. die Epidermis entfernt, und nun 
Arzneistoffe aufs entblösste Corium gebracht, in Dosen etwa wie beim inner- 
lichen Gebrauch, und als Lösung, Extract, Pulver oder Fetten, Ceraten, 
Gallerten, Pflastern incorporirt. 

Verband wie sonst; Exsudatschichten auf der wunden Fläche werden entfernt, 
deren Eintrocknen durch Canthariden u. dergl. verhindert. Man hat so Morphin, 
Strychnin, Chinin applicirt, auch Opium, Schierling, Moschus, Digitalis, Calomel, 
Goldschwefel, Jodkai., Salmiak, Kuhpockenlymphe u. a.; am wenigsten eignen 
sich scharfe Stoffe wie Jod, Brechweinstein , Scilla, Veratrin, da ihre enclermische 
Application heftigen Schmerz und Entzündung, selbst Brand zur Folge haben 
kann, und überdies eine Resorption unter bewandten Umständen mehr als zweifel- 
haft ist (Gerhard u. A.). Ueberhaupt gewährt diese Methode keine grossen Vor- 
theile vor Einreibungen, Fomenten, Klystieren u. dergl. Entstehen bedenkliche 
Wirkungen, wie bei Strychnin, Morphin, so entfernt man sogleich die Reste des 
Gifts auf der Haut, reinigt die Stelle u. s. f. 

Wunden, geschwürige Flächen: hier applicirt man Stoffe meist nur in 
der Absicht, deren Heilung zu fördern 1 oder auch zu hindern, z. B. durch 
Canthariden bei vergifteten Wunden; zuweilen jedoch benüzt man solche 
Flächen, jezt sogar Inoculution und Injection durch absichtliche Stichwunden, 
um Stoffe in den Blutstrom zu bringen. 

So bringt man Opium, Schierlingsextract u. dergl. durch Fontanelle, Vesica- 
torstellen, Haarseile ein, Joddämpfe, Jodhaltige Salben u. a. auf Geschwüre. 
Hiebei ist zu unterscheiden zwischen alten und neuen Geschwürsflächen, indem 
sich beide in ihrem Resorptionsvermögen wenigstens gegen manche Stoffe ungleich 
verhalten, zum Theil wohl in Folge ungleicher z. B. mehr alkalischer Secrete, 
Exsudatschichten u. s. f. Bei der subcutanen Cauterisation zieht man Aezmittel, 
z. B. Chlorzinkpaste auf Fäden durch die Haut. 

Durch Einimpfen mittelst der Lancette wie bei der Vaccination bringt man 
jezt alle möglichen Stoffe in die Haut (Böttiger, Lafargue, Wistrand, Langenbeck 
u. A.), z. B. narcotische Stoffe, Morphin, Veratrin, Strychnin bei Schmerz, Lähmun- 
gen u. dergl., selbst Zinn-, Zinkchlorid, Jod-Quecksilber, Jod, Brechweinstein, Cro- 
tonöl, Scilla u. a., legt sie auch in Pflastern auf die Impfstelle (Impfpflaster). Doch 
scheint dies gewöhnlich von geringem Nuzen, und oft mehr eine nur zu pikante 
Künstelei weiter. Dasselbe gilt wohl von der sog. hypodermischen Application 
(C. Hunter, Wood, Behier u. A.), wobei man narcotische Stoffe, Atropin, Strychnin, 
Chloroform u. a., sogar Gase (Leconte, Demarquay) mittelst fein zugespizter Spri- 
zen in und unter die Haut sprizt, z. B. bei Algieen, Schlaflosigkeit, Asthma, Läh- 
mungen u. dgl. ; auch Zinkchlorid u. a. Aezmittel in Krebsgesschwülste u. dgl. 
(Simpson). 

51. In Venen sprizt man nicht blos Blut bei Verblutungen sondern 
auch Arzneistoffe, z. B. bei Syphilitischen, Gichtischen, Epileptischen, Cholera- 
kranken (Wren, Haie, Boyle, Lower, Blake, Magendie, Dieffenbach, Bischoff, 
Polli u. A.); Wirkungen pflegen hier sehr rasch und oft heftig einzutreten. 

Fast alle wirksamen Stoffe machen so Erbrechen, Durchfall u. s. f. Bei der 
Schwierigkeit, ja Gefährlichkeit dieser Einsprizungen sind sie höchstens in ausser- 
ordentlichen Fällen gestattet, bei Erstickten, Ertrunkenen, auch vielleicht öfters 
bei Tetanus, Wasserscheu, Cholera, bei fremden Körpern im Schlund, die einfacher 

1 Oefters übersieht man vielleicht über den örtlichen Wirkungen dieser Mittel z. B. bei 
Geschwüren, Hautleideu zu sehr die allgemeinen, wie sie in Folge ihrer Resorption eintreten 
können: durch Fomente, Cataplasmen, Salben u. s. f. z. B. mit narcotischen Stoffen, Brechnuss, 
KockelskÖrnern , durch Blei, Quecksilber, Arsen u. dergl. kommt es hier nicht selten zu Ver- 
giftungen. 



Classification der Heilmittel. 51 

nicht zu entfernen; hier wie bei Ertrunkenen sprizten Köhler, Meckel Brechwein- 
stein ein. Bei Cholera hat man warmes Wasser, Salzlösungen, Milch, Blutserum, 
defibrinirtes Blut injicirt , selbst Chinin, Weingeist u. a. (Latta, Marshall, Wells, 
Duchaussey u. A.), zuweilen über J 300 in 12 — 48 Stunden, bei Wasserscheu Wasser 
(Magendie), doch ohne Erfolg. Haie injicirte Ricinus-, Crotonöl, Laxirsalze (leztere 
werden auch von Thierärzten öfters injicirt), ist aber selbst einmal beinahe dadurch 
gestorben. Die Dosis der Medicamente für Infusion lässt sich nicht genauer bestimmen, 
muss aber im Allgemeinen 3 — 4mal geringer sein als beim innerlichen Gebrauch. Immer 
dürfen blos vollkommen gelöste, nöthigenfalls also sorgfältig filtrirte Stoffe einge- 
sprizt werden, und zwar blos solche, welche das Eiweiss u. a. im Blut nicht fällen, 
wie z. B. Säuren, Sublimat, noch auf andere Weise die kleinsten Gefässneze ver- 
stopfen, wie fette Oele, sehr viscide Flüssigkeiten. Die Flüssigkeit muss Blut- 
wärme haben , + 30° C, und nie darf über ^/? ( — j) auf einmal injicirt werden, 
dafür alle 5 — 10 Minuten wiederholt. Für plözliche Fälle dienen Sprizen mit 
Troikart (Gouyon); statt Sprizen nahm man auch Kautschukblasen. 

Auf und in seröse Membranen , Säcke applicirt man Arzneistoffe , um sie in 
einen entzündlichen Zustand zu versezen, wie z. B. durch Einsprizen von Wein, 
Jodtinctur bei Hydrocele. Man hat ähnliche Injectionen nicht blos in Cysten, bei 
Ovarienwassersucht u. a. sondern auch in die Peritonealhöhle bei Bauchwasser- 
sucht gewagt, oft mit tödlichem Ausgang ; doch will man auch gründliche Heilung 
darnach beobachtet haben (?). Von serösen Häuten aus kann eine Resorption 
rasch vor sich gehen; Lösungen z. B. von Brechnuss-Extract, Oxalsäure u. a. in 
die Bauchhöhle gesprizt bewirken rasch Vergiftung und Tod. Aus naheliegenden 
Gründen jedoch können seröse Säcke nicht benüzt werden, um allgemeine medica- 
mentöse Wirkungen zu erzielen, oder höchstens wenn sich Fistelgänge u. dgl. 
gebildet hatten. Schon Einsprizen von Weingeist u. a. in die Scheidenhaut des 
Hoden hat öfters Tod zur Folge. 

IX. Classification der Heilmittel. 

52. Alle wirklichen Classificationsversuche der Arzneistoffe u. s. f. gehen 
darauf aus, solche nach ihren wesentlicheren Eigenschaften zu gruppireri, 
bald mehr nach ihrer Abstammung, ihren chemischen Bestandteilen, bald 
mehr nach ihren Wirkungen bei Gesunden und Kranken. Schon unsere 
mangelhafte Kenntniss der meisten Stoffe und Agentien macht aber eine 
durchaus befriedigende und richtige Classification in der Heilmittellehre, 
welche zudem die verschiedensten Dinge blos vom Gesichtspunkt ihrer Ver- 
wendung bei Kranken zusammenfasst, nahezu unmöglich. 

Anfangs handelte man die Heilmittel ohne Ordnung ab, auch in neuern 
Zeiten oft in einfach alphabetischer Ordnung (Duncan, Wood, Paris, Martinet, 
Ratier, Merat und Delens, Sachs und Dulk, Bachmann, Winkler, Brande, Neu- 
mann u. A.); Andere suchten die Heilmittel gar nach Farbe, Geruch, Geschmack 
zu ordnen (Greeves, Osborne u. A.). Neuere Classificationen sind meist gemischte ; 
weil aber nur wissenschaftlich richtige allen Forderungen genügen könnten, und 
die meisten Arzneistoffe wissenschaftlich genommen noch incertae sedis scheinen, 
müssen wir uns für jezt mit blossen Versuchen zufrieden geben. 

53. Naturhistorische Classification : stellt die Arzneiztoffe oder vielmehr 
die Gewächse, Thiere, Mineralien, von denen sie abstammen, nach den gewöhn- 
lichen Systemen, künstlichen oder natürlichen zusammen (Murray, Decandolle, 
Richard, Dierbach, Nees v. Esenbeck, Geiger, Martius, Brandt und Razeburg, 
Soubeiran, Fee, Pereira, Forbes, Royle u. A.). 

Wir erhalten so fast blos eine officinelle Botanik, Zoologie u. s. f. mit Schil- 
derung der Wirkungen und des therapeutischen Gebrauchs der Stoffe. 

54. Chemische Classification : gruppirt die Medicamente nach ihren 
chemischen Bestandteilen und Eigenschaften wie der Chemiker zusammen, 
als elementare Stoffe, Matalloide, Metalle, organische Basen, Alcohole, ätherische 
Oele, Bitter- und Süssstoffe u. s. f. (Monro, Pfaff, Gren, Schwartze, Hufe- 
land, Pereira, Hecker, Voigtel, Kraus, Richter, Plagge, Schöman, Buchheim, 
Schroff u. A.) 

4* 



52 Classification der Heilmittel. 

Diese Classification hat grosse Vorzüge, denn sie nimmt Eigenschaften der 
Arzneistoffe als Eintheilungsgrund , von welchen ihre Wirkungen grossentheils 
abhängen. Anderseits werden auch hier die Interessen des Pharmacologen und 
Arztes denen des Chemikers mehrfach hintangesezt ; denn Stoffe, welche chemisch 
zusammengehören, zeigen oft sehr ungleiche Wirkungen, und chemisch sehr ent- 
fernt stehende Stoffe wirken oft auf ähnliche Weise. Stoffe also, welche vermöge 
ihrer Wirkungen und noch mehr ihrer thevapeuthischen Verwendung wegen zu- 
sammengehören, bilden selten genug nach ihren Bestandteilen und Verbindungen 
zu charakterisirende Gruppen. Ueberdies enthalten viele Substanzen mehrere 
wirksame Stoffe zugleich, und bei andern, besonders organischen sind wir über 
ihre chemische Zusammensezung noch zu sehr im Unklaren, als dass nicht ihre 
Classification, selbst ihre Benennung oft zweifelhaft sein und beständig wech- 
seln sollten. 

55. Therapeutische Classification : ordnet die Mittel nach ihren Wirkun- 
gen bei Kranken, nach den Heilzwecken, welchen sie genügen sollen, als 
Antiphlogistica, Resolventia, Absorbentia, Tonica, Excitantia, Antispasmodica, 
Febrifuga, Sedativa, Carminativa u. a. 

Die Wirkungen der Arzneistoffe u. s. f. bei Kranken sind aber noch so 
wenig festgestellt, dass bei ihrer Beurtheilung, somit auch bei ihrer Classification 
grossentheils Willkür und jeweilige Ansichten entscheiden. Fast alle haben zu- 
dem das Glück, mehr als einer Indication zu genügen, so dass dasselbe Mittel 
bald als kühlendes, antiphlogistisches, sedatives, bald als stärkendes, diuretisches, 
diaphoretisches u. s. f. aufgeführt werden müsste, abgesehen davon, dass sich seine 
Wirkungen nicht kurzweg als stärkend, aufregend, beruhigend, alterirend u. s.f. 
bezeichnen lassen. Auch erschienen die Gebrechen einer solchen Gruppirung, so 
passend auch dieselbe für die allgemeine Therapie sein mag, von jeher als so 
wichtig, dass wir kein einziges durchgeführtes System nach diesem Eintheilungs- 
princip besizen, nur theilweis bei Foy, Vogt, Sundelin, Dierbach, Begin, Barbier, 
Trousseau und Pidoux, Mitscherlich, Neligan, Terrone, John, Löwinson, Sobernheim, 
Waring u. A. 

56. Physiologische Classification: gruppirt die Arzneistoffe u. s.f. nach 
ihren constanten, mehr oder weniger festgestellten Wirkungen im Körper. 
Indem uns diese, zugleich mit umsichtiger Prüfung am Krankenbett den einzi- 
gen Leitfaden auch für ihren Gebrauch abgeben, begreift sich, dass die meisten 
neuern Classificationen jene Wirkungen zur Grundlage haben. 

Manche, zugleich dem anatomischen oder Localisationsprincip folgend, grup- 
pirten die Mittel je nach den einzelnen Organen , Functionen oder Richtungen 
der sog. Lebenskraft, auf welche jene wirken, z. B. auf Nervensystem, Herz und 
Kreislauf, Muskeln, Darmtractus, Leber, Geschlechtsorgane u. s. f., oder auf 
Sensibilität, Irritabilität, Vegetationskraft (Eberle, Alibert, Vogt, Richter u. A.). 
Fast alle wirksameren Stoffe wirken indess auf viele Functionen oder Organen- 
systeme, und selten lässt sich entscheiden, auf welche derselben zunächst oder 
vorzugsweise. Andere gruppirten die Stoffe zugleich nach ihren Hauptbestand- 
teilen (Burdach , Bischoff , Grabau , Falck , Buchheim , Weber , Clarus , Schroff 
u. A.), und ist einmal die chemisch - physical. Forschung im Gebiet der Heil- 
mittellehre weiter gekommen, so wird diese Classification jeder andern vorzuziehen 
sein. Noch Andere endlich stellten die Arzneistoffe u. s. f. zugleich nach den je- 
weiligen Heilzwecken oder Wirkungen bei Kranken zusammen, z. B. als Excitantia, 
Irritantia, Adstringentia, Tonica, Narcotica, Sedativa, Evacuantia u. s. f. Hieher viele 
der schon oben erwähnten Classificationen (Cullen, Schwilgue, Barbier, Trousseau 
und Pidoux, Foy, Giacomini, Duncan, Thomson, Arnemann, Sundelin, Sobernheim, 
Lessing, Mitscherlich, Neligan, Headland, Wood U.A.). Auch die Ordnung, in 
welcher hier die Mittel nach einander abgehandelt sind, gehört diesen gemischten 
an; denn es schien zweckmässig, bei einer so schwierigen Classification statt auf 
Consequenz vielmehr auf eine gewisse natürliche Gruppirung nach Bestandtheilen 
und Wirkungen in grossen Umrissen zu sehen. Auch führt ein detailirteres Unter- 
scheiden und Spalten nur zu Wiederholungen, Weitschweifigkeiten; und über 
kleine Gruppen lässt sich selten viel Sichereres sagen als über grosse. Das Haupt- 
gewicht liegt wenigstens für jezt in der speciellen Kenntniss eines jeden einzelnen 
Arzneistoffs und Mittels. 



Specieller Theil. 

Erste Classe. 

Schwere Metalle und deren Verbindungen. 

Von schweren Metallen bildet nur Eisen einen normalen Bestandtheil unseres 
Körpers, alle andern sind ihm fremdartig; auch finden sich unter ihnen die hef- 
tigsten Gifte, zumal scharfe. Im Uebrigen sind Wirkungen wie Gebrauch so ver- 
schieden, dass sich wenig Allgemeines darüber sagen lässt. 

Wirkungen. Oertlich verhalten sich besonders un- und schwerlösliche 
Metallverbindungen mehr oder weniger indifferent; die löslichen wirken 
oft adstringirend, coagulirend, und concentrirter, in grössern Mengen reizend, 
bei grosser Verwandtschaft zu Eiweissstoffen, Wasser u. a. sogar äzend. Ver- 
schluckt bewirken deshalb alle bei grössern Dosen Heizung des Magens und 
Darmcanals, Uebelsein, Durchfall, oft Erbrechen, selbst Gastritis u. s. f., 
und stören bei längerer Einfuhr die Verdauung, schliesslich Ernährung, 
Restauration des Körpers, während dessen Organstoffe davongehen. Als 
Folge hievon treten Blutarmuth, Schwäche ein, Neigung zu wässrigen Er- 
güssen, örtlicher Congestion, Entzündung und Zerstörung, Brand, wie oft 
anderseits Störungen im Nervensystem, Fieber, Schmerzen, Krämpfe, zulezt 
Lähmungen. 

Auf manche kommt es rascher und schon in kleinen Dosen zu derartigen 
Wirkungen , auf andere ungleich später und schwieriger. Viele Metalle und M. 
Salze, welche in Wasser u. a. unlöslich sind, lösen sich trozdem in den Ver- 
dauungswegen durch Zusammenwirken von Wasser, Säuren, Alkalien, Salzen, 
Eiweiss , Wärme u. s. f . ; auch die durch ihre Verbindung mit Ei weiss entstan- 
denen Gerinnsel von Albuminaten weiden späterhin wieder theilweis verflüssigt. 
Immerhin pflegen sie in's Blut überzugehen , wenn auch gewöhnlich nur in win- 
zigen Mengen, und werden wieder in Harn, Galle u. a. ausgeschieden ; doch scheint 
lezteres selten so rasch und vollständig zu geschehen wie z. B. bei Alkalien, Jod, bei 
organischen Stoffen. Um so eher können sog. cumulative Wirkungen, diese und 
jene Veränderungen in Ernährung, Stoffumsaz u. s. f. entstehen. Die Art dieser 
leztern , d. h. wie und wodurch eigentlich Metalle bei Gesunden wie Kranken 
wirken mögen, ist für jezt dunkel genug ; so weit sie indess überhaupt chemisch- 
physicalischer Art sind, scheinen Chemie, Naturlehre hier wie bei Alkalien und 
mineralischen Stoffen sonst auf dem besten Weg, ihrem Verständniss näher zu 
rücken. Indem z. B. schon in Folge der gestörten Verdauungs- und Ausbildungs- 
processe der Ersazstoffe unseres Körpers die Blutmasse an Eiweissstoffen, Fetten 
u. a. relativ ärmer, an Wasser, Salzen u. a. reicher wird, Organe, Gewebelemente 
aber mit einem Blastem, einer interstitiellen Flüssigkeit wesentlich ähnlicher Art 
getränkt werden, leidet vielleicht eben damit der normale Entwicklungsgang in 
den Festgebilden und Organstoffen. Immerhin wird in Folge des wenn auch nur 
temporären Eingehens vieler Metalle in den moleculären Verband des Körpers, 
z. B. als Albuminate mehr oder weniger dessen normaler Stoffumsaz verändert, 
zuweilen beschränkt, gewöhnlich umgekehrt gesteigert. Bei den höhern Graden 
ihrer Wirkung pflegen sie so direct oder indirect die Oxydations- und Umsaz- 
processe der Organstoffe zu vermehren ; wenigstens gehen mit der Ausscheidung 
der Metalle selbst immer zugleich Organstoffe genug durch Nieren, Haut, Lungen, 
Schleimhäute u. s. f. verloren, sei es z. B. in Folge ihrer theilweisen TJmsezung 
in Tyrosin, Leucin, Harnstoff, Kohlensäure, Wasser u. s. f., sei es weil bald diese 
bald jene Gewebtheile als Ganzes der Zerstörung (Entzündung, Vereiterung, Ver- 



54 Quecksilber. 

wesung , Fäulniss) verfallen, und jezt vielleicht Fermentartig auch andere in den- 
selben Umsezungsprocess hineinziehen. Bei Kranken aber, z. B. bei Scrofulösen, 
Syphilitischen, bei Hypertrophieen, Infarcten u. a. mag so späterhin, wenn unterstüzt 
durch passende Nahrung, reine Luft u. s. f. die Neubildung oder Restauration 
der Organstoffe indirect gefördert werden. 

Gebrauch. So verschieden sich dieser bei den einzelnen Metallen 
gestaltet, immer will man sich doch am Krankenbett bei deren innerlicher 
wie äusserlicher Application bald mehr ihre örtlichen, bald mehr ihre 
allgemeinen Wirkungen zu Nuzen machen. In ersterer Beziehung gebraucht 
man sie theils als adstringirende, reizende, unter Umständen äzende Mittel, 
theils als Abführ- und Brechmittel. Vorzugsweise ihrer allgemeinen Wir- 
kungen wegen kommen sie als sog. alterirende, d. h. die Blutmischung ver- 
ändernde und verflüssigende, lösende Mittel in vielfachen Gebrauch, zumal 
bei Entzündung, Hyperämie und verwandten Localstörungen wie bei deren 
Producten, sog. Exsudaten, Ablagerungen, Hypertrophieen, Infarcten u. s. f.; 
bei Scrofulose, Tuberculose, Diabetes, Gicht, Syphilis u. a.; bei Blutarmuth 
und verwandten Zuständen (hier vor allen Eisen); endlich bei Nervenleiden 
wie Algieen, Krämpfe, Epilepsie u. a. 

Die Art ihrer Wirkungsweise im Innern des Körpers und zumal bei lezt- 
erwähnten Zuständen ist noch immer räthselhaft (s. oben); ja für jezt lässt sich 
selten genug beurtheilen, ob und wie weit sie zu deren Heilung beitrugen. Schon 
die meist lange Dauer solcher Krankheiten und ihrer Gurzeit, der Gebrauch 
vieler Mittel nach- und miteinander, das Zusammenwirken von tausenderlei andern 
Einflüssen und vor Allem die spontan vor sich gehenden Heilungsprocesse selbst 
machen ein solches Urtheil meist unmöglich. Immerhin bestehen Krankheiten wie 
z. B. Chlorose, Scrofulose, Tuberculose, Wassersucht, Diabetes oder Ruhr, Cho- 
lera, Typhus u. dgl. keineswegs in jenen einfach chemischen Veränderungen des 
Bluts u. s. f., wie es sich die alte Pathologie dachte; ebenso wenig können wir 
sie durch Metalle und Arzneistoffe sonst so direct heilen, oder deren Wirkungs- 
weise so einfach chemisch erklären. Sezt doch eine Heilung hier überall Vor- 
gänge und Veränderungen im Ganzen der Oeconomie voraus, wie sie z. B. kein 
Metallpräparat an und für sich je zu bewirken oder das etwa Fehlende zu er- 
sezen vermöchte. Auch sind Krankheiten , wo sie noch das Meiste zu nüzen 
scheinen, so besonders acute, im Durchschnitt nur solche, welche auch von selbst 
und bei einfach diätetischen Mitteln zu heilen pflegen. Insofern endlich gerade 
Metalle mit wenigen Ausnahmen und zumal die wirksameren zu den gefährlich- 
sten Stoffen des Arzneischazes gehören, noch ungleich mehr als z. B. Alkalien 
und organische Substanzen , fordert ihr Gebrauch doppelte Vorsicht. Verdauung, 
Ausscheidungen, Athmungsgrösse, Kreislauf, Nervensystem, Eigenwärme, Körper- 
gewicht u. s. f. der Kranken müssen zumal bei längerer Curzeit sorgfältig über- 
wacht, Schwache, Nervöse, Blutarme, Cachectische dürfen der Wirkung jener 
Stoffe nie allzulange oder in allzu hohem Grade unterworfen werden. Ja bei lez- 
tern wenigstens, auch sonst, wenn die Metallpräparate vom Magen u. s. f. schlecht 
ertragen werden, unterlässt man oft besser ihren Gebrauch ganz und gar, und 
sucht durch naturgemässere , unschuldigere Mittel der Diätetik, der Gesundheits- 
pflege das Nöthige und Mögliche zu leisten. 

1. Quecksilber. Hydrargyrum. Mercurius. 

Wirkungen der Mercurialien. 1. Metallisches Q. verschluckt geht un- 
verändert im Stuhl wieder ab, ohne merkliche Wirkungen hervorzubringen; 
nur eine kleine Menge, welche schon fein zertheilt in den Darmkanal ge- 
langte, oder in diesem fein vertheilt wurde, tritt in's Blut. 

Q. kann Unzen - und sogar* Pfundweise ohne alle Wirkung verschluckt wer- 
den 1 ; längere Zeit im Darmkanal zurückgehalten kann es aber wie sonst Speichel- 
fluss u. s. f. bewirken. Metall. Q. geht hiebei thatsächlich vom Darmcanal in's 



1 In Britannien z. B. war es einmal Sitte, zum Schuz gegen Gicht u. s. f. Morgens 3jj— jjj 
Q. zu nehmen; um einen im Schlund steckenden Thaler wegzuschaffen, nahm Einer gar täglich 
2 U lange Zeit hindurch (Sue)? 



Quecksilber. 55 

Blut über, wie in der Quecksilbersalbe von der Haut * und eingeathmet von den 
Lungen aus. Unmittelbar in Venen oder in den Magen gebracht, auch in grös- 
sern Mengen in die Haut eingerieben verstopfen die Q. Molecüle nach Art fetter 
Oele die Lungen-, Lebercapillare u. s. f., mit Bildung von lobulärer Pneumonie, 
multipler Abscesse in Lungen, Leber (Gaspard, Cruveilhier, Saunders u. A.). 

2. Die örtlichen Wirkungen der Q.Präparate wechseln je nach ihrer 
chemischen Zu.sammensezung; doch können alle, auch die milderen (Oxydul, 
Calomel) auf Schleimhäuten mehr oder weniger Reizung, Catarrh und im 
Darmcanal Durchfälle bewirken. Q.Chlorid, Jodid, Bromid wie Q.Oxyd und 
seine Salze wirken scharf reizend, in grossen Dosen selbst äzend, so dass 
Gastritis, Enteritis die Folge sind. 

Die Mercurialien untergehen im Darmtractus mannigfache Veränderungen ; 
Calomel scheint durch Hülfe des Eiweiss, Chlornatrium u. a. in Magen- und 
Darmsecreten theilweis gelöst, bei grössern Mengen zum Theil in Schwefel Q. um- 
gewandelt zu werden (Buchheim , Oettingen) 2 ; Q.Chlorid (Sublimat) geht Ver- 
bindungen mit Eiweiss und Peptonen ein, welche theilweis wenigstens resorbirt 
werden; seine Lösung in Wasser zersezt sich leicht im Magen, zumal bei Gegen- 
wart von organ. Substanzen ; Oxydulsalze können durch leztere, durch Magen- 
inhalt xl s. f. theilweis zu metall. Q. reducirt werden, auch durch mehrere Me- 
talle, Metallsalze; Q.Oxydul kann sich in regulin. Q. und Oxyd verwandeln 
(wichtig für gerichtlich-medicin. Fragen). 

3. Die allgemeinen Wirkungen des Q. treten ein, sobald es von Darm- 
canal, Haut, Lungen aus in grösserer Menge in den Körper trat, auch durch 
Chlorid, Oxyd u. a.; weil aber mildere Q.Präparate allein in grössern Dosen 
längere Zeit durch in Gebrauch kommen, so beobachtet man jene Wirkungen 
vorzugsweise bei lezteren. Meist entsteht zunächst Catarrh der Mund- und 
Darmschleimhaut, die Zunge belegt sich, oft tritt Durchfall ein. Auch die 
Absonderung der Bronchien, Meibom'schen Drüsen, Caruncula lacrymalis 
u. a. wird vermehrt, der Harn geht oft reichlicher ab, führt öfters Eiweiss, 
es entstehen reichliche Schweisse, oft leichter Speichelfluss mit Metallgeschmack 
im Mund. Bald können endlich vage Schmerzen, Frost u. a. eintreten, zumal 
bei Syphilitischen, nach frühern Q.Curen. Jezt entsteht bei fortgesezter Ein- 
wirkung des Q. meist Fieber, schmerzhaftes Schwellen und Hyperämie der 
Mundschleimhaut, des Zahnfleisches, zuerst an den untern Schneidezähnen, 
an cariösen Zähnen, oft mit diphtheritischen Exsudaten und wirklicher Ent- 
zündung (Stomatitis, Glossitis mercurialis) ; die Gegend der Speicheldrüsen 
wird gleichfalls schmerzhaft und eine Masse Speichels abgeschieden (Ptyalis- 
mus, Sialismus mercurialis). Später entsteht oberflächliche Verschwärung 
des Zahnfleisches, der Mundschleimhaut; der Athem wird noch stinkender, 
die Zähne locker. Der Kranke magert ab, meist unter Fieber, wobei das 
Blut selbst crustös werden kann, besonders wenn Fieber, Entzündung der 
Mundhöhle u. s. f. höhere Grade erreichten und wie so häufig Magen-, 
Darmcatarrh dazu kamen. Beim Weib entsteht oft Bleichsucht, Dys- und 
Amenorrhoe, oder kommt es zumal bei Aelteren zu Metrorrhagieen, Abor- 
tus u. s. f. 



1 Diese von mir, dann von Hasselt n. A. längst festgestellte Thatsache wird noch heute von 
Donders, Bärensprung', Hoffmann u.A. ohne allen Grund bezweifelt; nur oxydirtes Q. sollte in's 
Blut treten und wirken. Doch enthält auch graue Q.Salbe frisgh alles oder fast alles Q. in 
nietall. Zustand, und dass sich dieses je auf der Haut oder im Darmcanal so leicht oxydiren sollte, 
ist unglaublich. Kranke z. B., denen man bei Volvulus Q. gab, können noch nach Jahren metall. 
Q. im Stuhl entleeren (Ficinus u. A.) ; auch in Gallensteinen, Leber, Knochen u. a. fand man noch 
nach Jahren metall. Q., während Virchow u. A. sein Vorkommen in Knochen noch zweifelhaft finden. 
In Zimmern, wo Kranke mit Q. behandelt werden, findet sich Q. auch bei Andern im Harn (Heller). 

3 Die frühere Ansicht, dass Calomel wie alle Q.Präparate durch die Chlorüre der Magen- 
und Darmflüssigkeiten theilweis zu Chlorid würden (Mialhe, Larocque u. A.), oder lezteres durch 
deren Eiweissstoffe zu Chlorür (Lassaigne), ist falsch ; und ebensowenig verwandelt sich Calomel 
bei Gegenwart von Cyanverbindungen , Blausäure, Bittermandeln u. a. im Magen in Q.Chlorid 
und Cyanid. Lezteres scheint dagegen unter genannten Umständen aus Q.Chlorid entstehen zu 
können, und auch Calomel durch das Cyan z. B. im Mandelsyrup so gut als z. B. durch Ja- 
lapenpulver theilweis zu metall. Q. reducirt zu werden (Schacht)? 



56 Quecksilber. 

Bei Kindern, Greisen, überhaupt wo die Zähne fehlen (Eicord), entsteht sel- 
ten Speichelfluss ; auch bei acuten Krankheiten wie Croup , Gehirn-, Lungenent- 
zündung, Hepatitis in den Tropen (Stokes u. A.). Das Körpergewicht pflegt zu 
sinken z. B. bei mit Q. behandelten Syphilitischen, zumal bei reichlichem Speichel- 
fluss, bei gleichzeitiger sparsamer Kost; doch ist dieses Deficit in der Oeconomie 
nachher meist bald wieder ersezt (Gruber). Der Gestank bei Speichelfluss ent- 
steht wohl besonders durch Umsaz und Fäulniss der Eiweissstoffe im Speichel, 
in Exsudatmassen auf der Mundschleimhaut, vielleicht mit Bildung von Butter- 
säure. Die Zähne bleiben einige Zeit bräunlichgelb gefärbt durch sog. Weinstein 
mit abgelagertem Q. ; auch andere Knochen verlieren oft ihre weisse Farbe. 
Q. findet sich in Blut,; Secreten, Organen, und wird nicht blos im Speichel son- 
dern auch durch Nieren und besonders Leber, auch die Haut ausgeschieden 
(Amalgamirung goldener Hinge). Q. in Dampfform bringt dieselben Wirkungen 
hervor wie vom Magen u. s. f. aus, z. B. bei Arbeitern die mit Q. zu thun haben ; 
oft genug leiden solche an Speichelfluss, Zittern, Lähmungen, allgemeiner Ca- 
chexie und Zerrüttung K Dass dieselben Wirkungen durch Application von Q. 
auf die Haut entstehen , ist bekannt ; seltener geschieht dies durch scharfe Prä- 
parate, obgleich auch durch Q. Chlorid, Oxyd, Jodid wie durch Einreibungen von 
Q. Nitrat (Ungut, citrinum) öfters Speichelfluss u. s. f. entsteht, sogar durch 
Aezen des Muttermundes z. B. mit Q. Nitrat. 

4. Bei langer Einwirkung des Q., durch grössere Dosen 3 auch schon 
früher kommt es zu tiefern Störungen der Blutbildung und Mischung, des 
Stoifumsazes, und endlich zu allgemeinerem Siechthum (Quecksilbercachexie, 
Hydrargyrie, Mercurialismus, Hydrargyrosis). Fast alle Ausscheidungen sind 
vermehrt in Folge der Masse umgesezter Körper- und Auswurfsstoffe, während 
die Neubildung im Körper darnieder liegt und das Blut zugleich mit Wasser, 
Serum auch an Eiweiss, Fibrin, Salzen u. a. ärmer wird. Ueberall, beson- 
ders in Schleimhäuten, im lockern Bindegewebe zeigt sich eine Tendenz zu 
sog. Hyperämie und Stase, zu seröser, selbst hämorrhagischer Exsudation; 
Gesicht, untere Gliedmassen schwellen ödematös, die Haut färbt sich schmuzig- 
blass, gelblich, zuweilen entsteht völliger Icterus ; der Catarrh der Bronchial- 
und Darmschleimhaut, zumal des Colon erreicht einen höhern Grad. 

Auch die Lymphdrüsen der Leistengegend, Achselhöhle schwellen oft; es 
entstehen Hyperämie, selbst Entzündung, Exsudate in Leber, Milz, Nieren, Lun- 
gen wie im Auge, oft mit Uebergang in eitrige Schmelzung. Auch Eiweiss- 
stoffige Ablagerungen und Neubildungen z. B. in Drüsen schwinden oft wieder, 
Narbensubstanz geht ulcerativ zu Grunde ; Ento- und Epizoen , Askariden u. a. 
sollen sterben. Ausser profusen Schweissen entsteht oft Erythem, Hautentzün- 
dung mit mannigfachen Ausschlägen, wie Friesel, Herpes, Eczem, Impetigo; 
Excoriationen zwischen Schenkel und Scrotum, am After. Noch jezt streitet man 
sich darüber, ob und in wie weit Entzündung des Periost, der innern Augen- 
gebilde, Iris u. a. wie Caries, Necrose der Knochen u. dgl. durch Q. allein auch 
bei Nicht-Syphilitischen bewirkt werden, oder aber nur als Folgen der Syphilis, 
Scrofulose u. a. gelten können. Doch ist lezteres für gewöhnlich das wahrschein- 
lichere , indem Andere als Syphilitische , Cachectische kaum je in dieser Weise 
erkranken. Nur ausnahmsweise kann dies z. B. bei Pneumonie, Hepatitis, Croup 
u. a. der Fall sein, wenn die Q.Cur unordentlich geleitet wurde, Kranke allzu- 
sehr herunterkamen, sich oft erkälteten u. s. f. Dass anderseits ähnliche Wir- 
kungen bei Nicht-Syphilitischen, z. B. bei Arbeitern in Q. eintreten können, unter- 
liegt keinem Zweifel. 



* Auch Abortus soll z. B. bei den Arbeiterinnen in Idria häufig sein (Hermann). Aehnliche 
Wirkungen der Q.Dämpfe hat man oft genug zufällig beobachtet, z. B. durch Schmelzen von 
Spiegelbelegen, durch Q.Salbe in Zimmern, Auslaufen von Q.Säcken auf Schiffen („Triumph", 
„Surveillant" u. a.), wodurch fast die ganze Mannschaft zu erkranken pflegte und auch Thiere 
an Bord starben. Ueberhaupt wirkt Q. auf alle Thiere, auch auf Gewächse mehr oder weniger 
schädlich, selbst tödlich; Süsswasserfische sterben schon durch die winzigsten Mengen, z. B. 
1 Theil Q.Chlorid auf 140,000, 1 Jod Q. Jodkai. auf 800,000 Wasser (Bouchardat). 

2 Hier, besonders wenn der Speichelfluss einen ungewöhnlich hohen Grad erreichte (oft 
wird täglich bis zu 10—16 S" und mehr Speichel abgeschieden, 4—8 Wochen durch und länger), 
lockern sich die Zähne, von der geschwollenen Zunge halb umgedrückt; die ausgebreiteten 
Geschwüre der Mundschleimhaut, des Zahnfleisches u. s. f. gehen oft in Brand über, öfters sogar 
in Caries und Necrose der Kieferknochen, selbst mit tödttichem Ausgang. 



Quecksilber. 57 

5. Die Störung des Nervensystems erhellt schon aus dem Fieber, wie 
es in Folge der Q.Wirkung einzutreten pflegt, mit Kopfschmerz, Mattigkeit 
u. s. f. ; noch mehr wenn nach langer Einwirkung des Q., zumal bei Arbeitern 
rheumatische Schmerzen z. B. in Gliedmassen, Magengegend oder wirkliche 
Neuralgieen u. dgl. eintreten. Oft steigert es sich hier zu Kriebeln, convul- 
sivischem Zittern, zuerst in Händen, Armen (sog. Mercurialzittern), mit 
Stottern, Zuckungen, Convulsionen, Lähmung. Oft entstehen Herzklopfen, 
Athembeschwerden, allmälig grosse Hinfälligkeit, Hallucinationen und Delirien, 
Trübsinn, Sopor, Blödsinn, überhaupt ein dem Delirium tremens ähnlicher 
Zustand. Und steigert es sich auch selten bis zu Manie, so bleibt doch um 
so häufiger ein hypochondrischer Zustand, ein ängstliches Besorgtsein um 
Gesundheit zurück. 

Solche Störungen hat man als Mercurialfieber, Mercurialerethismus , Rheu- 
matismus, Hypochondrie bezeichnet. Der einen oder andern kann der Kranke 
erliegen; erholt er sich, so bleibt er doch auf lange zerrüttet, Haare, Zähne sind 
oft ausgefallen, Haut, Körper haben meist für immer das gesunde Aussehen ver- 
loren, er ist kein Homo integer mehr. Vernarben die Geschwüre am weichen 
Gaumen, so untergehen oft seine vordem Bogen durch Contraction der Narben- 
substanz eine Verengerung, mit mehr oder weniger Schlingbeschwerden; früher 
ulcerirtes Zahnfleisch kann mit den Lippen verwachsen, ja der Unterkiefer durch 
Narbensubstanz nach Brand der Wangen u. s. f. unbeweglich werden. 

Verfahren bei acuter, chron. Q.Vergiftung: ziemlich wie bei Bleivergiftung 
(s. Sublimat, Blei); bei lezterer sucht man z. B. neben Bädern, Wasser, Mineral- 
wasser u. s. f. durch Schwefel, Jod u. a. das Q. wieder aus dem Körper zu 
schaffen, die etwa entstandenen Q.Albuminate durch lebhaftere Oxydation und 
Stoffumsaz zur Ausscheidung zu bringen (?). 

Eine Erklärung (Theorie) der Q.Wirkungen ist vor der Hand unmöglich ; 
doch werden sie zweifelsohne durch seine ehem. Wechselwirkung mit den Stoffen 
des Bluts, der Organe bedingt und scheinen wesentlich in einem gesteigerten Um- 
saz der Körperstoffe mit vermehrter Ausscheidung derselben zu bestehen. Das 
Blut verarmt an Eiweissstoffen , Blutkörperchen , Fetten , während Wasser , Salze 
überwiegen; auch ist es meist ungewöhnlich dunkel gefärbt, weniger gerinnbar. 
Durch Speicheldrüsen, Schleimhäute, seröse Membranen, Nieren, Haut wird eine 
Masse Eiweiss, Wasser mit Chlorüren, Salzen abgeschieden l . Während die Aus- 
bildung der Eiweissstoffe u. a. im Chylus, Blut gestört ist, theilweis schon in 
Folge der palpabeln Alterationen aller dieselbe vermittelnden Apparate, mögen 
die schon vorhandenen Körperstoffe einer um so grössern und raschern Rück- 
bildung oder Zerstörung verfallen. Q. scheint so fast nach Art eines Ferments 
im Körper zu wirken, und dieser sich nur des Q. wieder entledigen zu können, 
indem ein gut Theil seiner umgesezten oder oxydirten Eiweissstoffe, Fette u. s. f. 
zugleich verloren geht. Etwas Q. scheint aber Jahre durch im Körper liegen 
bleiben zu können , zumal in Leber, Knochen u. a. (?). 

Gebrauch. 1. Bei Entzündung galt sonst Q. Vielen als allgemeines 
und bestes Mittel, noch jezt zumal bei sog. croupöser E. wie Croup, Diph- 
theritis, Iritis u.a.; bei Phlebitis, Broncho-Pneumonie; bei Tendenz zu raschen 
Exsudaten (Meningitis, acut. Hydrocephalus, Pleuritis, Pericarditis u. a.) wie 



l Hinsichtlich der ehem. Zusammensezung all dieser Secrete, ihres relativen Gehalts an Q. 
wie an etwaigen Spaltungs- und Umsazprodukten der Eiweissstoffe , an Schwefel- , Phosphor- 
säure u. a. fehlt es noch an zuverlässigen Beobachtungsreihen , und deshalb nicht an Wider- 
sprüchen. Speichel, Mundflüssigkeit der Salivirenden reagiren meist stark alkaliseh, 
Eiweiss, Ptyalin, Salze drin sind vermehrt, öfters auch Schwefelcyankalium, und das speeif. 
Gewicht des Speichels ist deshalb zumal Anfangs meist vermehrt, = 1,058 u. mehr; oft fand 
man Q. drin, oft nicht. In der Milch fand man den Gehalt an Butter vermehrt (Vernois und 
Becquerel), während er sonst bei Syphilitischen sinkt; Q. fand sich keines drin (Peligot). Den 
Harn fand man bald ärmer bald reicher an Wasser, Phosphaten, Harnstoff u. a.; auch Zucker 
kann er mit sich führen (Reynoso u. A.), und wohl immer Q. , bei JodQ. nur Jod (Heller)? 
Ob Bildung und Absonderung der Galle durch Q,. , Calomel vermehrt werden, wie man ge- 
wöhnlich annimmt, ist bis heute zweifelhaft; bei Hunden mit Gallenfisteln war ihre Absonderung 
eher vermindert als vermehrt (G. Scott); noch unbekannter sind uns ihre relativen Bestand- 
theile geblieben, und ob sie Q. enthält oder nicht; Mosler u. A. fanden kein Q. in der Galle. 
Kohlensäure- und Wasser aus Scheidung durch Lungen, Haut sind leider! noch gar 
nicht untersucht worden; die Fluctuationen der Eigenwärme, des Körpergewichts kaum. 



58 Quecksilber. 

bei E. Scrofulöser, Syphilitischer u. A., wenn man zugleich durch Q. gegen 
deren Allgemeinleiden wirken oder überhaupt andere Nebenzwecke erreichen 
will, z. B. Durchfälle, vermehrte Gallenabsonderung bei Rothlauf, Hepatitis; 
oder wenn man Blutentziehungen u. dgl. fürchtet, wie bei Schwachen, Ner- 
vösen; wenn die Theile dem Q. (Calomel, Salben) direct zugänglich sind, 
wie bei Augen-, Hautentzündung, Panaritien, Rothlauf, Blattern (hier auch 
als vermeintliches Abortivum). Endlich um die sog. Aufsaugung entzünd- 
licher Producte, von Exsudaten, Eiter, Ablagerungen, Infarcten u. s. f. zu 
fördern, wie bei Peritonitis, Pericarditis, Hydrothorax, Hydrocephalus, Empyem, 
Hepatitis, Nephritis, Hautkrankheiten. 

Ueber seinen positiven Nuzen hier überall sind wir noch heute im Unklaren, 
und gewiss nur, dass man Q. immer seltener benüzt, selbst bei Croup u. dgl., auch 
in England, in Tropenländern wie Ostindien u. a., wo man noch mit Q. den ärg- 
sten Misbrauch zu treiben pflegt. Q. sollte die Resorption von Exsudaten u. dgl. 
fördern, während dies doch nur Sache der Natur ist, und durch Q. wohl mehr 
dabei geschadet als genüzt werden kann. 

2. Bei Ablagerungen, Exsudaten, Infarcten, Neubildungen im Innern 
der Organe, bei Scrofulose, Tuberculose u. dgl., Wassersucht. 

Der Glaube an die mächtig «lösende, verflüssigende, alterirende» Wirkung 
des Q. führte zu seiner Verwendung nicht blos bei den mannigfachsten substan- 
tiellen Veränderungen der Organe, Drüsen u. s. f. nach einfacher «Entzündung», 
sondern auch bei allen als Scrofulose und Tuberculose zusammengefassten Leiden 
(Drüsenschwellungen, Tumor albus, Caries der Knochen, Lungenphtise u. a.); 
weiterhin bei Krebs, bei den hartnäckigsten Hautkrankheiten wie z. B. squamösen, 
Aussaz, Flechten; bei Bright'scher Nierenentartung, Wassersucht, Honigharnruhr 
wie bei anfangenden Cataracten. Seine Freunde haben auch hier Erfolge genug 
zu berichten, und in der That scheinen leichtere Krankheiten zumal der erster- 
wähnten Art bei Q.Gebrauch öfters zu schwinden. Bei höhern Graden consti- 
tutioneller Leiden, sog. Dyscrasieen u. dgl. aber, z. B. bei Scrofulose, Tuber- 
culose , Krebs , Hektik , Wassersucht , Diabetes u. dgl. ist sein Nuzen äusserst 
problematisch, und sein häufiger Schaden nur allzu gewiss. 
• 3. Parasiten, Entozoen, Phtiriasis, Kräze, Helminthiasis. 

Insekten, Läuse, Wanzen u. dgl. werden durch Q. und Q.Dämpfe leicht 
getödtet, weshalb z. B. Q.Salbe häufig gegen sie benüzt wird, vordem auch bei 
Kräze, Läusesucht. Ob dasselbe von Entozoen wie Band-, Spulwürmern u. dgl. 
gilt, ist zweifelhaft; Arbeiter z. B. in Q.Werken leiden trozdem häufig daran 
(Scopoli , Bremser). Doch können sie durch Q., Calomel in laxirenden Dosen wie 
durch andere Purganzen ausgeleert werden, und Madenwürmer, Oxyurus vermi- 
cularis im Mastdarm gehen durch directe Einwirkung der Q.Salbe meist zu 
Grunde. Auch scheinen Ascariden u. a. nach constitutioneller Q.Wirkung öfters 
ganz zu verschwinden. 

4. Zymotische Krankheiten, acute Exantheme, Scharlach, Blattern u. a., 
Typhus, Gelbfieber, Pest, Ruhr, Cholera, Wechselfieber. 

Zumal bei acuten Exanthemen oft benüzt, weniger mehr als Specificum 
denn vielmehr um dadurch gegen Entzündung innerer Organe zu wirken, um 
Stuhl, Gallen-, Harnabsonderung zu fördern, wie z. B. bei Albuminurie, Wasser- 
sucht Scharlachkranker; früher dagegen und theilweis noch jezt galt Q. sogar 
als sicheres prophylactisches und Abortivmittel bei Scharlach, Blattern wie bei 
Nerven- und Malariafiebern, Pest u. dgl.! Hier wie immer und überall ist auf 
ein so gefährliches und schädliches Mittel jedenfalls bei tiefern constitutionellen 
Leiden, Dyscrasieen u. dgl. zu verzichten, bei Neigung zu Pyämie, Diphtheritis, 
Brand, Blutungen, hämorrhagischer Exsudation, Wassersucht, Collapsus. Bei asiat. 
Cholera wollte man bald die Gallenabsonderung fördern , bald Blutmischung, 
Kreislauf herstellen, Choleragift zersezen, ausleeren u. s. f. Thatsächlich waren 
indess die Resultate äusserst traurig, und durch Q. so wenig als durch irgend 
welche «specifische» Arzneistoffe sonst hat man die Sterblichkeitsziffer wesentlich 
zu verringern vermocht '. Dasselbe gilt von Ruhr , endemischen Wechsel- oder 



1 Vergl. Calomel. Kam Salivation zustande, so galt es meist für ein gutes Zeichen; doch 
vielleicht nur weil die schwer Erkrankten noch vorher zu sterben pflegen. 



Quecksilber. 59 

remittirenden Fiebern u. dgl. , gegen welche Q. zumal in Amerika noch vielfach 
benüzt wird. 

5. Krankheiten des Nervensystems, wie Algieen, Convulsionen, Krämpfe, 
Epilepsie, Tetanus, Hundswuth, Wahnsinn, Lähmungen, Hemiplegie, Taubheit. 

Noch das Meiste scheint hier Q. zu nüzen, wenn Leiden obiger Art durch 
Entzündung oder Entartung innerer Gebilde, durch Geschwülste u. dgl. bedingt 
werden, zumal bei Syphilitischen. Epileptische, Geisteskranke werden noch jezt 
öfters mit Q. behandelt (M. Hall, Knop u. A ) , selbst Jahre durch ; doch ist hier 
wie bei Tetanus (Rush, Forget u. A.), bei Hundswuth (Sauvage, Pesault, Wendt, 
Tissot , Hewitt u. A.) und giftigem Schlangenbiss (Lacombe u. A.) ein Erfolg 
äusserst zweifelhaft und durch die meisten Erfahrungen bereits widerlegt. 

6. Syphilis. Unter gewöhnlichen Umständen gilt hier Q. ziemlich allgemein 
als der nüzlichste Arzneistoff auch im Vergleich zu Jod u. a., zumal bei sccundär 
syphilitisch. Affectionen, von primären beim ächten oder sog. indurirten 
Chanker, und zwar in jeder Altersperiode, nöthigenfalls selbst beim Säug- 
ling. Anderseits ist Q. hier überall nichts weniger als ein halbwegs sicheres, 
noch weniger ein unschädliches, gefahrloses und am wenigsten ein radicales 
Mittel. Bei einfachem Trippern, Erosionen, Geschwüren u. dgl. ohne gleich- 
zeitige, wirklich syphilit. Affectionen ist Q. jedenfalls überflüssig und zu meiden. 

Q. bei Syphilis ist ein Hauptpfeiler der Arznei-Medicin und des Glaubens 
an den Nuzen «specifischer» Mittel bei specif. Krankheiten; trozdem hat sein 
Gebrauch bei S. von jeher neben exclusiven Vertheidigern ebenso eifrige Gegner 
gefunden , und noch heute ist nach der Ansicht Vieler unentschieden , ob durch 
Q. auch hier mehr Positives genüzt oder geschadet wird. Lange hatte Q. un- 
angefochten als sicheres Specificum bei S. gegolten, bis im Jahr 1814 und später 
zumal durch die Erfahrungen brittischer Aerzte im spanisch-portugiesischen Feld- 
zug (Rose, Ferguson, Hennen, Thomson), dann durch Fricke, Broussais u. A. sein 
Credit erschüttert wurde, indem man einerseits Q. bei S. sehr schädlich, ander- 
seits die S. auch ohne Q. heilbar fand. Die Nicht-Mercurialisten erhielten so für 
einige Zeit die Oberhand, und mit ihnen die einfache Behandlung Syphilitischer, 
d. h. ohne Q., bis die Häufigkeit secundärer S. und deren ungewöhnlich schlimme 
Folgen gleichzeitig mit dem Wiederaufleben des alten Glaubens an Arzneien 
und deren specifische Heilkräfte überhaupt seit den 30er Jahren wieder zu einer 
Reaction zu Gunsten des Q. führten. Fast überall ist man so zum Q. zurück- 
gekehrt, wenigstens bei secundärer S. , und sucht nur dessen Gefahren durch 
'eine um so vorsichtigere und bescheidenere, wo nicht ängstliche Art der An- 
wendung vorzubeugen; man sieht im Q. kein Universalmittel, kein sicheres 
Specificum mehr bei jener Masse der verschiedensten Affectionen , innerer wie 
äusserer, welche man als S. zusammenfasst, wohl aber das relativ sicherste 
Heilmittel unter gewöhnlichen Umständen und zumal bei secundärer S. Ander- 
seits laufen noch jezt die Ansichten hierüber weit genug auseinander, schon 
deshalb weil uns ja die Natur, die innern Ursachen der syphilit. Affectionen 
selbst durchaus unbekannt sind, somit auch das was ein Mittel wie Q. dabei 
eigentlich leisten oder schaden kann; und weil man den spontanen, ungestörten 
Verlauf der S. nie recht kennen gelernt hat, somit auch über den positiven 
Einfluss unserer Mittel auf denselben nicht so leicht ein sicheres Urtheil erlangen 
kann. So kommt es, dass noch heute die tüchtigsten und erfahrensten Aerzte 
ihre Syphilitischen mehr oder weniger ausschliesslich mit Q. behandeln, während 
andere oft gleich erfahrene im Q. ein höchst verderbliches Gift und vielmehr 
eine Hauptursache der schlimmsten syphilit. Erkrankungen als ein Heilmittel 
gegen S. erblicken! 

Wie früher Richter, Mathias, Murphy u. A. verwerfen jezt Lorinser, Her- 
mann, Bärensprung u. A. mehr oder weniger ausschliesslich alles Q. bei Syphi- 
litischen, und leiten von seiner Anwendung das Entstehen fast aller secundär 
syphilit. Affectionen ab, zumal der schlimmsten Formen und Grade derselben, 
wie Caries, Necrose, Exostosen u. dgl. Sie alle seien also vielmehr Wirkungen 
des Q. (Hydrargyrose) als des syphilit. Giftes. Weit entfernt durch Q. zu heilen, 
schwinden nur mit seinen Wirkungen auf einige Zeit die sichtbaren Symptome 
oder Localleiden der S., um nach dem Aufhören jener Q.Wirkungen wieder- 
zukehren, und um so schlimmer, je mehr die Kranken mit Q. mishandelt wur- 



60 Quecksilber. 

den, je mehr sie dadurch litten. S., sagen umgekehrt die exclusiven Mercuria- 
listen, heilt nie von selbst und erlischt erst mit dem Leben des Inficirten, so- 
bald nicht durch Q. geholfen wird. Und ist diese Ansicht eine entschieden 
einseitige, durch vielfache Erfahrungen widerlegte, so muss diejenige der Gegen- 
partei, der Nicht-Mercurialisten mindestens als ebenso tibertrieben und ein- 
seitig gelten. Denn Q. allein für sich bewirkt nichts wie eine secundäre Syphi- 
lis ; zu dieser kommt es nur bei syphilitisch Angesteckten, und oft genug ohne 
dass sie je mit Q. behandelt worden wären *. Nur ist leider auf der andern 
Seite ebenso gewiss, dass secundäre S., wenn nicht durch Q. , doch jedenfalls 
sehr häufig troz desselben entsteht. Dass Q. überhaupt nur zu häufig schäd- 
lich wirkt, müssen selbst seine Freunde zugestehen; und mag es übertrie- 
ben sein, im Q. die Hauptursache der schlimmsten syphilit. Erkrankungen zu 
suchen, Thatsache ist jedenfalls, dass solche gerade nach Q.Curen am häu- 
figsten beobachtet werden. Freilich pflegt man dies der fehlerhaften Anwen- 
dungsweise des Q. im einzelnen Fall zuzuschreiben; bald ist es zu ängstlich 
und in unzureichenden Mengen, bald zu energisch, in zu grossen Dosen ge- 
braucht worden, hier zu frühe, dort zu spät, hier zu kurz und dort zu lang. 
Jeder weiss hiefür diu umsichtigsten Regeln anzugeben, und meint, er gerade 
wende Q. auf die sachgemässeste rationellste Weise an. Tägliche Erfahrung 
lehrt aber, dass bei Syphilitischen durch Q. auch bei dessen vorsichtigster Hand- 
habung trozdem schädliche Wirkungen genug eintreten können, und ungleich 
mehr als bei andern Behandlungsweisen. Was Wunder deshalb, wenn man da 
Q. mit einigem Mistrauen ansieht; hat man doch seine Wirkungen nie in der 
Hand, und kann niemals beurtheilen , ob es einem gegebenen Kranken mehr 
nüzen oder schaden wird? 

Primär syphilit. Geschwüre oder Chanker, zumal nicht verhärtete, sog. ein- 
fache heilen so gut als andere Geschwüre u. dgl. ohne alles Q. ; ja ihre Heilung 
scheint durch Q. oft vielmehr gestört, verzögert und der Uebergang in diffuse 
Entzündung, in Brand und Phagedäna gefördert zu werden. Ob aber durch Q. 
Gebrauch der Eintritt secundärer S. häufiger verhindert werde als bei nicht mer- 
curieller Behandlung, ist bis heute ungewiss, weil und so lange hierüber beweis- 
kräftige statistische Beobachtungsreihen fehlen. Deshalb sind auch die Ansichten 
über Notwendigkeit oder Verwerflichkeit des Q. bei primärer S. getheilt, und 
werden es voraussichtlich noch lange sein. Für jezt lässt man sich dabei von 
seinen Ansichten über die Natur der leztern wie über Nuzen oder Schaden des 
Q. überhaupt leiten. Die strenggläubigsten Mercurialisten, ein Simon, Colles, 
Wallace, Sigmund, Cazenave u. a., welche in primären Geschwüren u. s. f. bereits 
die Wirkungen allgemeiner syphilit. Infection oder Erkrankung zu erblicken 
pflegen, wollen sie sofort mit Q. behandelt wissen. Auch scheint dies wenigstens 
bei sog. indurirten Primärgeschwüren und gleichzeitigen Bubonen für gewöhn- 
lich das Gerathenste; doch soll es hiebei nur zu den leichtern Wirkungsgraden 
des Q. kommen, und auf passende örtliche wie allgemeine Behandlung, Diät u. s. f. 
muss immerhin ein Hauptgewicht gelegt werden. Dagegen halten die gemässig- 
teren Freunde wie Gegner des Q. (Ricord, Lee, Jansen, Behrend, Bärensprung 
u. a.) dessen Gebrauch bei Primär S. für überflüssig; weil diese eine rein ört- 
liche Krankheit, braucht es gewöhnlich nur örtlicher Mittel, Aezung u. s. f., 
und zwar um so mehr, als eine Heilung durch Q. oft vielmehr gestört und 
Secundär S. doch nicht verhindert wird. Leztere folgt aber ohnedies verhält- 
nissmässig selten auf einfache, nicht indurirte Primärgeschwüre, desgleichen auf 
brandige, phagedänische wie auf eiternde Bubonen, auf diffuse sog. suppurative 
Entzündung, während Q. gerade in den lezterwähnten Fällen mehr zu schaden 
als zu nüzen pflegt. 

Deshalb unterlassen sie hier jede mercurielle Behandlung und warten damit 
zu, bis im schlimmsten Fall secundär syphilit. Affectionen eintreten. 

Bei diesen gilt jezt Q. ziemlich allgemein, mit Ausnahme einzelner extremer 
Nichtmercurialisten , bei umsichtiger Anwendung noch als das sicherste Arznei- 
mittel 2 . Schlimm ist aber vor Allem , dass es kein sicheres Criterium für den 



1 Dass Kinder syphilit. Eltern oft genug an Syphilis leiden, ist bekannte Thatsache ; ob und 
in weit Kinder der mit Q,. behandelten Eltern gleichfalls an Mercurialismus erkranken können, 
ist bis heute zweifelhaft. 

2 Die Wahl des einzelnen Q.Präparates scheint hiebei minder wichtig; doch verdienen im 



Quecksilber. 61 

zu erzielenden Grad seiner Wirkung gibt, noch weniger für die endliche Heilung 
dadurch, und dass sich deshalb selten genug bestimmen lässt, wie lange damit 
fortzufahren. Zweifelt doch z. B. Ricord, ob secundär Syphilitische überhaupt je 
wieder ganz gesund werden ! Recidive pflegen immerhin auch nach den besten 
Q.Curen bei 30 °/o und mehr der Kranken einzutreten, und die Möglichkeit solcher 
Recidive besteht sehr lange, wo nicht für immer. Deshalb glaube man nicht zu 
leicht an radicale Heilung, jedenfalls nicht vor G— 12 Monaten nach Heilung der 
syphilit. Affectionen. Diese können schwinden, oft auf Jahre, kehren aber nur 
zu häufig wieder, und dann gewöhnlich, zumal nach wiederholten Q.Curen schlim- 
mer als zuvor, indem der Kranke durch die Wirkungen des Q. noch zerrütteter 
ist. Je allgemeiner und tiefer aber sein Leiden, je complicirter mit andern, und 
zumal mit Q.Dyscrasie, Blutverarmung, Scrofulose u. dg]., desto zweifelhafter wird 
seine gründliche Heilung. 

Gegenanzeigen gegen Q. 1 bei Syphilis sind: 1. Bösartiger Character der 
Geschwüre, Bubonen u. s. f., ungewöhnlich heftige Entzündung, zumal diphtheri- 
tische, oder Rothlauf, Brand, Phagedäna und Neigung zu solchen. 2. Starkes 
Fieber, Magen-, Darmcatarrh ; sog. Blutarmuth, Scorbut, Wassersucht, Krebs, höhere 
Grade der Scrofulose und Tuberculose , Hektik; sog. Q.Cachexie durch frühere 
vergebliche Q.Curen. 3. Besondere Idyosyncrasieen, d. h. ungewöhnliche Empfäng- 
lichkeit für Q.Wirkung ; heftige Wirkungen der Mercurialien wie umgekehrt Aus- 
bleiben ihrer Wirkungen, anomale Q.Wirkungen überhaupt, z. B. Magen-, Darm- 
catarrh, Erethismus, Fieber, heftige Stomatitis mit Tendenz zu Verschwärung, 
Brand ; Excoriationen am After , Scrotum , Erythem der Haut ; Erschöpfung , Col- 
lapsus , überhaupt höhere Grade der Q.Cachexie ; Verschlimmerung der syphilit. 
Affectionen, Tendenz zu Verschwärung (z. B. auch der Hautausschläge, Pusteln) 
und Brand. 4. Neigung zu Erkältung und rheumat, gichtischen Leiden. 5. Die 
lezten Monate der Schwangerschaft, indem hier Abortus die Folge jeder bedeuten- 
deren Q.Wirkung sein kann 2 . Das Säugen gibt keine Contraindication gegen Q. ab, 
wenn das Kind auch syphilitisch ist; anderseits reicht zur Heilung dieses leztern 
die Milch seiner mit Q. behandelten Mutter nicht aus, vielmehr müsste das Kind 
selbst Q. erhalten. 

Methoden, Regeln bei Anwendung- der Mercurialien. 

Gebrauchsweise und Dosirung der Q.Präparäfe richten sich vor Allem nach 
den jeweiligen Zwecken, welche damit am Krankenbett erreicht werden sollen. 
Immer erinnere man sich, dass Q. ein zweischneidiges Schwert ist, besonders in 
der Hand des Unerfahrenen 3 , und dass es bei der grossen Variabilität seiner Wir- 
kung wie der Krankheiten, gegen welche man Q. benüzt, weniger darauf ankommt, 
Q. überhaupt zu geben als dies auf die möglichst beste Art zu thun; dass durch 
grössere Dosen und längern Gebrauch aller Q.Präparate, der scharfen (Chlorid, 
Jodid u. a.), wie der milden (Calomel, Jodür, graue Salbe) dieselben allgemeinen 
Wirkungen, Speichelfluss u. s. f. entstehen. 

1. Innerlich gibt man Q. oft als Abführmittel, hier nur die milden Q. 
Präparate, vor allen Calomel. Die allgemeinen Q.Wirkungen bezweckt 
man bei Syphilis, Entzündung, Exsudaten, Ablagerungen, Neubildungen, 
Hypertrophieen u. s. f., und zwar richtet sich seine Anwendungsmethode je 
nach dem Grad der beabsichtigten Wirkung 4 . 



Anfang die mildern, Calomel, auch eine massige Schmiercur gewöhnlich den Vorzug, und zumal 
in Spitälern, hei den ärrnern Klassen kommt jezt leztere sehr häufig in Gebrauch. Bleiben 
syphilit. Affectionen stationär, so erhöht man die Dosis oder wählt andere, kräftigere Q.Präpa- 
rate und Methoden; und im Nothfall, wenn Q. ohne Erfolg in Anwendung kam, geht man zu 
Jod oder Schwefel, Holztränken oder Thermalwassern, Kaltwasser-, Hungercuren u. dgl. über. 

1 Wesentlich dieselben Gegenanzeigen gelten für den Gebrauch des Q. überhaupt auch bei 
andern Krankheiten. 

2 Auch in frühern Perioden sollte Q. den Tod des Embryo herbeiführen können (Gaspard, 
Colson)? Ricord, Gibert u. A. wollen umgekehrt gerade Schwangere mit doppelter Strenge 
behandelt wissen. 

3 Mit Ausnahme syphilit. Leiden scheint es am gerathensten , Q. ganz zu meiden , weil es 
überflüssig ist, weil dadurch viel mehr geschadet als genüzt wird, und die durch Q. veranlassten 
Störungen oft schwieriger heilen als die damit behandelte Krankheit. Immer sezt man dabei 
den Kranken der Gefahr des Speichelflusses und einer "Vergiftung aus, deren Grad sich nie mit 
Sicherheit beurtheilen lässt. Am verwerflichsten ist jedenfalls der Misbrauch eines solchen 
Giftes in England, Amerika, Indien u. a. Tropenländern, wo man Q. wirklich in's Blaue hinein 
benüzt, fast bei allen Krankheiten , und schon bei jungen Kindern ! 

4 Als Massstab für die gleichsam legitime Q.Wirkung und somit für Dosirung wie Fort- 



62 Quecksilber. 

a. Gewöhnlich soll die Q.Wirkung bei Entzündung u. a. nicht syphilit. 
Krankheiten nur einen geringen Grad erreichen, aber längere Zeit anhalten, 
Speichelfluss gar nicht oder wenig entstehen; sobald daher solcher eintritt, 
wird mit Q. ausgesezt oder doch seine Dosis vermindert (sog. Extinctions- 
oder Dämpfungscur). Man applicirt hier Mercurialien innerlich wie bei 
Schmiercuren in kleinen Dosen. 

Die Extinctionsmethode kam im 18. Jahrhundert bei Syphilitischen besonders 
durch die Schule zu Montpellier auf, als heilsame Reaction gegen die Extravaganzen 
der frühern Salivationscur ; nur wurde dadurch wie späterhin durch Anfeindung 
des Q. überhaupt dessen Gebrauch oft mehr ein ängstliches Spielen damit, wobei 
man oft sehr grosse Mengen Q., dazu ohne allen positiven Erfolg in den Körper 
einführte. Nüzlicher ist diese Methode bei Entzündung, chron. Hautleiden, Pso- 
riasis u. a., denn hier sollte wenigstens jede Behelligung des Kranken durch Q., 
somit auch jede Salivation vermieden oder doch nie absichtlich verlängert werden. 
Man gibt daher kleine Dosen l , wartet , ob dadurch das Zahnfleisch afficirt wird, 
ob Vorboten des Speichelflusses entstehen, und vermindert in diesem Fall die Dosis. 
Ueberhaupt gilt als Regel, mit den Dosen nur vorsichtig zu steigen, Speichelfluss 
möglichst zu verhindern, z. B. durch Mund- und Gurgelwasser, Opium , chlor- und 
unterchlorigsaure Salze, jeweilige Laxantien, gleichzeitiges Fördern der Tran- 
spiration, der Diurese. Bei den ersten Spuren von Salivation sucht man derselben 
durch ähnliche örtliche Mittel zu steuern (s. Salivations-, Schmiercur). 

ß. Oft bezweckt man die höhern Wirkungsgrade des Q., und zwar sollen 
sie bei acuten Krankheiten durch grössere Dosen schnell entstehen (sog. 
Mercurialisation) 2 , bei chronischen, zumal syphilit. langsamer (sog. Salivations- 
cur). Fast immer muss man den Speichelfluss mit in den Kauf nehmen, 
doch ohne ihn absichtlich etwa als vermeintliche Crise zu erzielen; vielmehr 
soll derselbe möglichst verhütet und beschränkt werden. 

Man gibt hier Mercuralien innerlich wie äusserlich erst in kleinen, allmälig 
steigenden Dosen, fährt damit auch troz Salivation fort, und steigt erst nach einer 
gewissen Zeit wieder zu kleinern Dosen herab. Meist kommen jezt nur die mil- 
dern Grade dieser Methode in Gebrauch, und scheinen im Allgemeinen bei Syphilis 
die passendsten, während die höhern Grade sehr eingreifend wirken, und höchstens 
bei den schlimmsten, hartnäckigsten Fällen von Secundärsyphilis erlaubt sind, 
wenn schnelle Gefahr droht, mildere Behandlungsweisen ohne Erfolg blieben. Für 
die Einzelheiten ihrer Ausführung lassen sich Bios allgemeine Regeln geben, die 
nie sklaviscn befolgt, sondern dem individuellen Fall gemäss modificirt sein wol- 
len; noch weniger kann natürlich von einer Vollendung der Cur gerade mit so 
und so viel Q.Dosen, Pillen u. s. f. oder in so und so viel Tagen die Rede sein. 

1. Finden keine besondern Contraindicationen statt, z. B. Dringlichkeit des 
Falls, so beginnt man mit einer sog. Vorbereitungscur. Diese soll die Q.Wir- 
kungen fördern, den Kranken vor deren schlimmen Folgen möglichst sicherstellen, 
und auf die Beschwerden der Cur, Fasten u. s. f. vorbereiten. Deshalb passende 
Diät, Kräftigung durch Lan clluft u. s. f., nach Umständen magere Kost, Förderung 
der Hautfunction, Bäder, Reinigung der Zähne, Abhärten des Zahnfleisches 3 ; öfters 



sezung oder Aussezen seines Gebrauches gilt meist der Speichelfluss; dieser bleibt aber nicht 
selten aus, z. B. bei 6— 100/ aller Syphilitischen, bei jungen Kindern und Greisen, auch bei 
Entzündung, Leberkrankheiten u. a. Einen bessern Massstab gibt daher die günstige oder un- 
günstige Veränderung der syphilit. u. a. Affectionen selbst wie das Allgemeinbefinden des Kran- 
ken - , das einzig sichere Zeichen der Heilung aber ist dauerhaftes Schwinden der Krankheit, 
2. B. der syphilitischen. 

1 Law z. B. gab 1 Gran Calomel mit Enzianextract in 12 Pillen, deren stündlich eine z. n., 
spätestens in 36 Stunden sollte Speichelfluss entstehen; doch trifft dies höchst selten zu, und 
Syphilit. weiden dadurch nicht geheilt (Ricord u. A.). 

3 Mit der grössten Energie suchte man so Krankheiten wie Pericarditis, Peritonitis, Iritis, 
gefährliche Abscesse, Panaritien, auch Typhus, bösartige remittirende Fieber, Cholera u. dergl. 
durch rasche Q.Wirkung zu coupiren. Man gibt z. B. Calomel in grössern Dosen rasch nach 
einander, reibt überdies graue Q,.Salbe z. B. zu 3/?— j 2stündlich ein, bis Speichelfluss u. s. f. 
entsteht (Reid-Clanny, Velpeau, Maynde u. A.); auch Weinhold's „grosse Q.Cur" bei alter Lust- 
seuche gehört hieher. Doch so wünschenswerth auch rasche Hülfe hier überall wäre, dem 
Kranken wird auf diese Art nicht geholfen, und ihrer Gefährlichkeit wegen bedienen sich nur 
noch die gläubigsten Wagehälse da und dort dieser halsbrecherischen Methoden. 

3 Sigmund bepinselt z. B. lockeres Zahnfleisch im voraus mit Tanninlösung, Gallus-, Ra- 
tanhatinetur u. dergl. 



Quecksilber. 63 

Abführ-, Brechmittel. Ueberhaupt muss die Krankheit, gegen welche mit Q. ope- 
rirt wird, rein hingestellt, Complicationen vorher möglichst beseitigt werden, zumal 
bei Syphilitischen ; anderseits verliere man mit Vorbereitungscuren keine oft kost- 
bare Zeit, am wenigsten in Spitälern, bei dringenden Fällen ; passende diätetische 
Maassregeln , einige Bäder reichen fast immer aus. Die Kost darf dabei so wenig 
als im Anfang der Cur zu mager eingerichtet werden, am besten massige Fleisch- 
kost, nahrhafte Suppen, Mehlspeisen u. dgl. ; denn beim spätem Eintritt der Sali- 
vation können die Kranken ohnedies nicht mehr recht kauen, und würden so gar 
zu sehr herunterkommen. Dies ist aber bei Schwächlichen , Schlechtgenährten 
doppelt wichtig, und ein Versuch, das Hippocratische : »corpora impura nutriri 
non debent« strenger durchzuführen, gefährlich genug. 

2. Während der Q.Cur selbst Schuz gegen Erkältung, Luftzug, besonders wenn 
einmal Salivation, Schweisse eingetreten; das Zimmer soll stets eine wärmere Tempe- 
ratur, doch uicht über -f- 16 — 18° R. und reine Luft haben; Kost leicht verdaulich, 
mild, aber nahrhaft ; Hungerleiden fördert zwar den Speichelfluss u. s. f., dieser ist 
aber mehr zu fürchten und zu hindern als zu fördern. Alle Ausscheidungen sollen 
ungestört vor sich gehen, schon deshalb weil es gut ist, wenn das Q. möglichst 
bald und vollständig wieder herauskommt. Bei übermässiger Salivation, Verschwä- 
rung des Zahnfleisches u. s. f. muss mit Q. ausgesezt werden ; man bringt jezt 
den Kranken in ein anderes Zimmer, gibt frische Wäsche nach vorherigem Bad. 
Oertlich sucht man dem Speichelfluss durch Mund-, Gurgelwasser zu steuern : 
Branntwein und Wasser, Salzsäure, Citronensaft , unterchlorigs. Natron, Alaun, 
Tannin, Sublimat, Höllenstein ; innerlich Laxanzen, Diuretica, Opiate, Chinin, Blei-, 
Schwefel-, Jodpräparate, chlorsaures Kali. Sicherer bepinselt man das Zahnfleisch 
mit Salzsäure, Jodtinctur, Zinkchlorid, chlors. Kali, Höllensteinlösung, bestreicht 
es mit Alaunpulver u. dgl. Doch nüzen alle radicaleren Versuche zur Beseitigung 
oder Verhinderung des Speichelflusses wenig ; besser sorgt man für Linderung der 
Beschwerden des Sarivirenden, z. B. durch fleissigen Gebrauch von Mund-, Gurgel- 
wassern aus Salbei, Münze, öftere Benüzung weicher Zahnbürsten u. dgl, dazu 
Gersten-, Haferschleim, Suppen, zum Getränke Wasser, doch in kleinen Mengen 
auf einmal, auch Milch, Kamillenthee, diesen z. B. durch einige Hoffmannstropfen 
parfümirt. 

3. Oefters bildet sich der Speichelfluss nicht zu dem Grade aus, welchen 
man für nothwendig hält, oder schwindet wieder, nachdem er kaum begonnen, und 
die erwartete Wirkung z. B. auf die syphilit. Affection bleibt aus. Hier ist es 
rathsam, mit den Dosen oder Q.Präparaten und Applicationsweisen zu wechseln, 
z. B. statt des innerlichen Gebrauchs Einreibungen, und umgekehrt. Zuweilen 
entsteht gar keine Salivation ; man befürchtet also, obschon zum Theil mit Unrecht 
eine mangelhafte Wirkung des Q. 1 . Man erklärt dies öfters durch eine sog. Idiosyn- 
crasie des Kranken, was jedoch keine Erklärung ist. Oft scheint die Ursache in 
entzündlichen, catarrhalischen Affectionen des Darmcanals u. £ Organe, in Durch- 
fällen zu liegen, oder in einer besondern Blutmischung, übermässiger Transpiration, 
grosser Schwäche u. s. f. Solche Zustände wie etwaige Diätfehler, Erkältung u. s. f. 
müssten jedenfalls möglichst gehoben werden, z. B. bei Durchfall mit Emulsionen, 
Schleimen, Opiaten, ohne dass man deshalb für gewöhnlich die Cur z. B. Schmier- 
curen unterbricht. 

2. Aeusserlich benüzt man Mercurialien als Lösung, Salbe, Pflaster, 
Q. Dämpfe : theils um örtlich auf die kranken Theile selbst zu wirken, z. B. 
bei syphilit., entzündlichen Affectionen der Haut, Conjunetiva und anderer 
Schleimhäute, bei Drüsengeschwülsten, Kräze, Psoriasis u. a., als sog. Abortiv- 
verfahren bei Variola; theils um die allgemeinen Q.Wirkungen zu erhalten. 



i Sonst und theilweis noch jezt galt Speichelfluss als eine Art Crise, wie etwaSchweiss u.a.; 
statt dessen ist er nicht einmal ein Massstab für den Erfolg der Q.Cur, indem Heilung z. B. 
bei raschem wie spätem Eintritt, bei schwachen wie hohen Graden, selbst bei gänzlichem Aus- 
bleiben des Speichelflusses eintreten und ausbleiben kann. Anderseits weisen derartige Ano- 
malieen immer auf ungewöhnliches Verhalten des Kranken den Q. Wirkungen gegenüber hin, 
und lassen insofern oft mit Reciit einen mangelhaften oder ungünstigen Einfluss des Q. auf die 
Heilung befürchten. Weil aber die Krankheit selbst und so z. B. auch die örtlichen syphilit. 
Affectionen immerhin ein sichereres Thermometer hiefür abgeben, sollte man dies nicht ohne 
Noth z. B. durch Aezen der Geschwüre u. s. f. hindern. Besser werden sie bei Q,.Curen mög- 
lichst einfach und milde behandelt, auch Tripper, welche z. B. bei Schmiercuren u. a. öfters 
eintreten. 



64 Quecksilber. 

Behufs des leztern Zwecks dienen am häufigsten Einreibungen der grauen 
Q.Salbe, besonders consequent durchgeführt, als sog. Frictions- oder Schmier- 
cur bei Secundärsyphilis; seltener benüzt man Bäder z. B. mit Sublimat, 
Räucherungen mit Zinnober u. a. 

a. Durch Scnmiercuren lässt sich die constitutionelle Q.Wirkung leicht 
und schnell erreichen, ohne Magen, Darmcanal zu behelligen, was z. B. bei 
Krankheiten derselben oft von Werth. Dagegen führen Schmiercuren vieles 
Lästige, selbst Gefährliche mit sich; sie gerade veranlassen die profuseste Sali- 
vation, oft sehr schnell, so dass die ganze Cur gestört wird; den Kranken ent- 
ziehen sie ganz und gar seiner gewöhnlichen Lebensweise , seinem Geschäft auf 
1 — 2 Monate und mehr, bannen ihn in's Zimmer, hindern ein Geheimhalten der 
Cur, und lassen sich fast blos in Krankenhäusern gehörig ausführen. Jezt 
bedienen sich trozdem wieder Manche dieser Cur, auch in leichtern Fällen, ja 
als einzige oder doch gewöhnliche Behandlungsweise Syphilitischer mit Q. 1 . Noch 
am ehesten scheint sie aber bei schwierigem, hartnäckigem Fällen zu passen, 
in der wärmern Jahreszeit; am wenigsten bei grosser Empfindlichkeit für Q. und 
Kälte, bei Nervösen, Erschöpften, Scrofulösen, Tuberculosen, Scorbutischen u. dgl. 

Die sog. Vorbereitungscur (S. 62), meist 6— 14 Tage durch, besteht in mehr 
oder weniger strenger Diät, meist sog. V 4 Kost der Spitäler, Suppen u. dergl. ; 
täglich warme Bäder, zuweilen Dampfbäder, auch Laxanzen, Holztränke u. dgl. 
Die Einreibungen geschehen am besten Abends ; die hiezu benüzte graue Salbe 
sei frisch, sorgfältig bereitet und nie ranzig; Anfangs werden kleinere Mengen 
z. B. £ß — j täglich eingerieben, nötigenfalls steigt man bis 3jj, und sinkt 
damit wieder gegen das Ende. Die Einreibungen geschehen nach einander in 
die Beugeflächen der Extremitäten, in Brust, Bauch u. s. f. in einem regel- 
mässigen, doch nicht pedantischen Turnus; die Hauptsache dabei ist nur, den 
Eintritt des Q. zu fördern und Heizung, Ausschläge u. s. f. 4er Haut durch 
öfteres Einreiben derselben Stelle zu meiden 2 . Wärme des Zimmers, -f 16—18° R., 
Warmhalten des Körpers, leichte Transpiration, auch öftere warme Bäder fördern 
die Cur; mit den Einreibungen fährt man bis zur Heilung fort, 10 — 15 reichen 
hiezu gewöhnlich aus, immer mit Schuz gegen Erkältung, Wetter, Luftzug. Ausser 
Speichelfluss tritt gegen Mitte der Cur oft starkes Fieber, Aufregung, Schweiss, 
Collapsus u. s. f. ein. Je nach der Quantität der in einer bestimmten Zeit ein- 
geriebenen Salbe und nach dem Grad der bezweckten Wirkung unterscheidet 
man kleine und grosse Schmiercuren; oft halten sie sich jezt in einer gewis- 
sen Mitte. 

1. Kleine Schmiercur, gehört zu den sog. Extinctionscuren, besonders von 
Cnllerier methodisirt: man reibt 3ß, höchstens 3J Q- Salbe täglich ein, anfangs 
blos alle 2 Tage ; tritt Speichelfluss ein, wird ausgesezt, nachher wieder von vorn 
angefangen ; bei mangelhafter Wirkung steigt man zu 3jj 5 selbst 3jjj (•) au f den 
Tag ; p. Woche 1^-3 laue Bäder. Diese Cur braucht lange Zeit, reicht gewöhn- 
lich blos zur Heilung leichterer Fälle aus, welche bei andern bequemern Metho- 
den ebenso gut heilen; Desault wollte durch beständiges Laxiren, Jalape, Klystiere 
Salivation hindern! 

2. Grosse Schmiercur, von Louvrier, Rust, auch Simon methodisirt: nach 
8 — 20tägiger Vorbereitung (dünne Suppen, Holztränke, Bäder, Laxanzen) werden 
anfangs 3j — jj Salbe alle 2 Tage eingerieben, in Unter-, Oberschenkel, Arme, 
Rücken u. s. f.; Zimmerwärme -f- 18—20° R., Zimmer nie gelüftet, Leibwäsche 
nicht gewechselt, Kost blosse Fleischbrühe, höchstens mit Eiern; zeitweise La- 
xanzen, in der lezten Woche sogar alle 2 Tage ; nöthigenfalls reibt man 3jjj und 
mehr Salbe ein; die Cur dauert etwa 25 Tage; am 26. warmes Bad mit Seife, 



1 So vor Allen Sigmund, wie schon früher Simon, theilweis auch Hebra, Bärensprung, 
Lippert u.A. Nach Sigmund ist dies die mildeste, sicherste, schnellste, wohlfeilste und für alle 
Fälle passendste Curmethode, eignet sich auch für Schwangere, Operirte, Kinder; und andere 
Arzneistotfe, Leberthran, Jod, Chinin, Eisen u. s. f. lassen sich gleichzeitig dabei anwenden; die 
Menstruation hindert sie gewöhnlich nicht (am besten beginnt man mit den Einreibungen gleich 
nach derselben); bei Wöchnerinnen benüzt sie S. erst nach der 3. Woche; Frühling und Sommer- 
anfang eignen sich am besten. Ob indess durch Schmiercuren gründlichere Heilung erzielt und 
Recidive mehr verhütet werden als bei andern bequemeren Behandlungsweisen , scheint bis 
jezt nicht erwiesen. 

2 Wo möglich reibt der Kranke selbst die Salbe ein; Wärter, Fremde bedecken die Hand 
mit Leder, Handschuh, Schweinsblasen ; die Hautstellen dürfen nie rasirt werden. 



Quecksilber. 65 

frische Wäsche, Zimmer, nahrhaftere Kost. Meist reichen 8—12 Einreibungen 
aus, selten braucht es 14, sogar 18 Einreibungen. Während der Cur treten alle 
Symptome der intenseren Q.Wirkung ein, Fieber, Saz im Urin, Schweiss u. a.; 
Rust nahm sie für wichtige Crisen. Dieser Cur, welche meist viel zu heftig 
wirkt, bedient man sich jezt nur selten bei inveterirter Lues, wenn andere Be- 
handlungsweisen fehlschlugen, z. B. bei Affectionen der Knochen, Haut, des 
Kehlkopfs. Man hält sich dabei an keine stereotype Methode, nur an deren 
allgemeine Normen, und richtet sich mit dem Detail der Frictionen, Länge der 
Cur u. s. f. nach dem einzelnen Fall. Immer hüte man sich, den Kranken allzu- 
sehr herunterzubringen, sei es durch Q. oder zu magere Kost, heisse, unreine 
Luft u. s. f.; hat man doch Fälle, wo solche gar zu methodisch mishandelte 
Kranke schnell gestorben sind; auch Luftzug, Erkältung z. B. in Corridoren, 
Abtritten, Krankensälen, Bädern kann hier zu den schlimmsten Folgen führen. 
Sobald als möglich gibt man eine nahrhafte Kost *. 

Vom Gebrauch des Q.Chlorid theils als Salbe, theils zu Bädern s. unten. 
Auch Calomel (Astruc u. A.) wie Q.Oxydul rieb man sonst in die Haut, sogar 
in Zahnfleisch, Mundschleimhaut ein (Clark, Hunter, Cruikshank), und vielleicht 
dass einmal die Neumedicin auch zu diesen Absurditäten der alten zurückkehrt. 

ß. Räucherungen kamen bei Syphilis zuerst mit Zinnober auf, weil man 
fast nur diesen kannte; noch besser würden sich Calomel (Lalouette, Lee), 
Q.Oxydul (Abernethy) u. a. eignen. Diese ganze Anwendungsweise jedoch ist 
ihrer Unsicherheit und Gefährlichkeit wegen fast verlassen ; nur bei chron., zumal 
syphilit. Hautaifectionen und verschleppten Fällen sonst noch da und dort z. B. 
in Spitälern im Gebrauch, auch bei Läusesucht (Prurigo pedicularis). Sonst sass 
dabei der Kranke nackt im Kasten, blos den Kopf frei; auf dem Heizungsapparat 
des Kastens wird z. B. 3J — jjj Zinnober verflüchtigt, der Kranke geräth bald in 
starken Schweiss, bleibt etwa 20 Minuten drin, wird beim Heraustreten sorg- 
fältig abgerieben, und die Räucherung 2mal die Woche wiederholt. Die Cur 
dauert meist 4 — 6 Wochen (Acton); Werneck, Parker, Lee u. A. bedecken den 
auf einem Stuhl sizenden Kranken mit einem mit Flanell gefütterten Wachs- 
tuch oder Mackintoshmantel, doppelten Leintuch u. dergl. über einem Gestell, 

i Sigmund schickt gleichfalls eine 6— lOtägige Vorbereitungscur voraus, um störende Krank- 
heiten zu beseitigen, an magere Kost u. s. f. allmälig zu gewöhnen: 1/4 Kost, Entziehen aller 
Spirituosa; Bäder; Laxanzen; Morgens längeres Verbleiben im Bett; Kräftigung Schwacher 
durch Landluft u. s. f. Als Salbe 3 Th. Ungut. Hi einer, s. commune mit 1 Th. Ungut. Hi 
fortius Ph. Austr. , für Erwachsene z. B. 3jjj jener, 3j dieser, div. in 8 dos. aeq. , 2 Päckchen 
p. Tag einzureiben; Einreibung Abends, in Extremitäten u. s. f. wie gewöhnlich, 20 Minuten 
durch ; bei harten Händen des Kranken Handschuhe aus weichem Leder, Sämisch Leder, vorher 
mit Fett getränkt, um den Eintritt der Salbe zu hindern; nachher Bedecken der Theile mit 
leinenen, wollenen Tüchern; von 5h Abends bis 11h Morg. im Bett, schwizt hier; Morgens 
Abwaschen der Stellen mit warmem Seifenwasser, rasch abgetrocknet. In Privathäusern wo 
möglich 2 grosse Zimmer, für Nacht und Tag, Temperatur 16—18°; Schlafzimmer täglich ge- 
lüftet, bei Tag im 2. Zimmer, warme Kleidung; wöchentlich 1 warmes Seifenbad, i/4 — l k St. 
Badezeit ; bleibt immer kürzer im Bett , vom 8. Tag an nur wie sonst. Tabakrauchen nur bei 
Halsgeschwüren verboten. Von Anfang an stündlich und öfter Mund-, Gurgelwasser, bei Mund-, 
Rachengeschwüren mit Sublimat, unterchlorigs. Natron, sonst Alaun, Tannin u. a. Kost massig 
beschränkt, bei guten Essern nur auf i/ 2 , bei Schwachen, Scorbut. u. a. nahrhaft, selbst mit 
Wein, Kaffee, Eiern, Citronensaft u. s. f. ; gewöhnlich Morgens und Abends Suppe oder Milch, 
Thee, Brod, Mittags Suppe, 3—5 Loth Fleisch mit Gemüse, Brod oder leichter Mehlspeise ; gegen 
Ende der Cur Erhöhung der Ration; zum Getränke viel Wasser in kleinen Gaben. Speichelfluss 
möglichst zu hindern durch örtliche Mittel, Laxanzen ; bei heftigem Sp. Aussezen der Frictionen. 
Meist reichen 20—30 derselben oder fjjj— jv Salbe aus ; selten 40—60 nöthig. Gleich nach der 
Schmierern- Seifenbad von 25— 27 °R. und t/2 St. Dauer; warme Kleidung, Schuz besonders gegen 
Morgen- , Abendluft ; allmälige Rückkehr zum gewohnten Leben , Anfangs noch 12—14 St. im 
Bett ; nach Umständen Dampf-, Schwefelbäder (Thermen), Mineralwasser, südliche Orte, Molken, 
Jod, kalte Waschungen u. a. zur Nachcur. 

Beobachtungsfrist etwa so lang wie die Frictionscur; nöfhigenfalls Wiederholung dieser. 
Schlimme Wirkungen selten, wie übermässiger Speichelfluss, Hautentzündung, Erythem, Eczem 
u. a. (meist durch ranzige Salben), starke Schweisse, Durchfälle, Schlaflosigkeit, heftige Schmer- 
zen in Kopf, Gelenken, Knochen, Zähnen ; Krämpfe, Convulsionen, Kopfcongestionen, Blutungen, 
Entkräftung u. dergl.; wie sonst behandelt; wenn erfolglos, Aussezen der Frictionen auf einige 
Tage oder auf später verschoben ; desgleichen wenn nach 14tägiger Cur keine Besserung der 
syphilit. Leiden, oft gar Verschlimmerung, wie zumal bei Scrofulösen, Scorbutischen , Leber-, 
Milzkrankheiten, Wassersucht. Bei Verlust der Haare Rasiren des Kopfs, Abends Waschen 
mit Wasser, Seife, Nachts gut bedeckt, Morgens Fetteinreibungen. 

Hebra, Martius, Bärensprung benüzen wesentlich dieselbe Methode bei Syphiliden, Psoriasis 
und chron. Hautleiden sonst: erst Bäder, grüne Seife u. dergl., dann Einreibungen von 3j— 3j 
Q.Salbe täglich, Bett von Wollenteppichen umgeben, Holztränke, Zittmann's Dec. , auch Q.- 
Chlorid, Jod u. a. innerlich, bis zur Heilung, diese meist nach 20—30, öfters erst nach 60—80 
Einreibungen. 

7. Aufl. 5 



66 Quecksilber. 

und lassen jezt feuchtwarme Q.Dämpfe einwirken, indem in einem Gefäss Wasser 
und auf einer Metallplatte oder Porcellanschale über der Spirituslampe (auch in 
besondern Apparaten : Langlebert, Matthews) Q. erhizt wird : bei Hautkrankheiten 
schwarzes SchwefelQ., bei Nasen-, Kachengeschwüren Q.Oxydul, rother Präcipitat ; 
nach Lee Calomel, gr. 10 — 20; am kräftigsten sollJodQ. wirken, gr. 5— 30 p. dosi. 
Dauer jeder Sizung nicht über V2 Stunde ; Zimmertemperatur -{-18 — 20° R., 
nachher in's Bett, Meiden jeder Erkältung. P. empfahl diese Methode als die 
wirksamste und unschädlichste bei allen Formen der Lues ; allein die Menge des 
aufgenommenen Q. lässt sich hier nie bestimmen, ihr Gebrauch ist jedenfalls bei 
Herz-, Lungenleiden bedenklich, und P. selbst gibt oft zugleich Sublimat, Jod- 
kai, u. a. innerlich. Debreyne rühmte Zinnoberdämpfe gar bei Cholera! Colles 
mischt Zinnober, Q.Oxydul mit Wachs, bildet daraus mit Hülfe eines Dochts eine 
Kerze, die man abbrennt. Aehnlicher Methoden bedienten sich schon alte Aerzte 
(Rondeletius) , besonders bei syphilit. Nasengeschwüren. Diese Räucherungen 
taugen nicht bei sog. allgemeiner Syphilis, höchstens bei syphilit. Localaffectionen 
z.B. der Nasen-, Mundhöhle, des Kehlkopfs; diesen kann man die Dämpfe durch 
Röhren zuleiten. Venot Hess hier mit Q. imprägnirte Salbeiblätter rauchen, 
Duisabo rothen Q.Präcipitat mit Opium, Serpentaria und Arab. Gummi 1 . Noch 
verkünstelter sind Mercurial-Cigarren; Bernard löst hier erst das Nicotin 
der Tabakblätter durch Maceriren in gesäuertem Wasser, Auswaschen, trocknet, 
zerschneidet sie, worauf man Sublimat und gepulvertes Opium-Extract beimischt ; 
aus der Masse rollt man Papiercigarren (s. Tabak). Auch manche Applications- 
weisen sonst gehören zu den obsoleten und immer wieder aufgewärmten Raritä- 
ten, z. B. mittelst Galvanismus, Klystieren (Ray er); Milch von Thieren, welchen 
Q. applicirt worden. 

1. Hydr. depurat, Metall Q. , Mercur. vivus rectificat., laufendes Q.: flüs- 
sig, flüchtig, bei — 40° C. fest; durch Verreiben mit fetten, gepulverten Stoffen 
graulich (EL extinctum^ ; oft mit Blei, Zink, Wismuth u. a. verunreinigt, daher 
blos gereinigt officin. 

Bei Volvulus, innern Incarcerationen, eingeklemmten Brüchen mit hefti- 
gem, jedem Mittel trozendem Erbrechen angewandt, auch nach dem Bruch- 
schnitt bei anhaltenden Incarcerationszufällen ; bei hartnäckiger Stuhlver- 
stopfung. 

D. ^jj — vj, 2mal täglich z. B. mit Electuar. e Senna. Bios im Magen können 
grösserere Dosen durch ihr Gewicht wirken, und vielleicht hört deshalb das Er- 
brechen öfters auf; in den Darm gelangt Q. nur allmäüg, fein zertheilt, so dass 
kaum an ein Ausstülpen der invaginirten Darmportion zu denken, auch nicht 
wenn die Invagination von unten nach oben ginge; anderseits schadet hier Q. 
auch nicht viel 2 . 

Aqua mercurial. simplex s. ad Vermes, Decoct. Mii : mit metall. Q. 
gekochtes Wasser, welches aber kein Q. aufnimmt; sonst bei Spulwürmern u. a. 
benüzt. H. cum Creta, Magnesia Ph. Lond. Dubl., durch Kreide, Magnesie 
fein vertheiltes Q. M. gummös. Plenkii Ph. Sax., M. saccharatus, Q. mit 
Arab. Gummi, Zucker zerrieben 3 ; auch mit Honig, Syrupen, Extracten, besonders 
Luft-Extracten , Terpenthin u. a. lässt sich Q. leicht exstinguiren. Wirkungen 
die der milden Mercurialien ; laxiren in grössern Dosen; bei uns kaum gebraucht, 
in England bei Kindern u. a. , überhaupt wie Calomel, D. gr. jj — xx, Pulver- 
form. Pilulae coeruleae s. Hi, Blue pills: Q., Rosenconserve, Extr. liquirit.; 
3 Pillen halten etwa 1 Gran Q.; in England häufig gebraucht, wie Sedillot's Pil- 
len in Frankreich; D. als Laxans gr. 5 — 15, mit Sennaaufguss, überhaupt wie 
Calomel. Pil. Hi ferrugineae (Collier) : Eisenoxyd 3j Q- 3jj m it Rosenconserve 3jjj 



1 Langlebert sezt zu Räucherkerzchen, oder sog. Pastilles du Serail (s. Benzoe) p. Stück 
gr. 2— 4Q.Jodür oder 3/? Zinnober, zündet sie an der Spize an und lässt sie langsam abbrennen ; 
Q.Jodür geht dabei unzersezt fort, Zinnober gibt metall. Q. und Schweflige Säure. 

2 Bei Harnröhi-enstricturen, die nicht mit Catheter, Bougies zu passiren, goss man Q. durch 
eine Glasröhre ein (Pauli, Reybard) ; um die Milchabsonderung zu sistiren, hängt v. Holsbeek 
Q. in einer mit Siegellack verschlossenen Federpose auf die Brust. 

3 Syrup. Hi (Ph. Fenn.): Q,. mit Gi Mimos. , Zucker, Rosenwasser exstinguirt. dann einf. 
Syrup zugesezt; für syphilit. Kinder. Mucilago Hi (Merc. gummosus Cod. Hamb.): Q,., Arab. 
Gummi mit dest. Wasser verrieben; Pilulae aethiopicae Ph. Dan. u. a. Q., Goldschwefel, 
Guajak, Seife. 



Quecksilber. 67 

verrieben; sollten wegen des Eisens bei Chlorotischen, Scrofulösen günstiger 
wirken; auch äusserlich benüzte C. dieses sog. H. ferrat. s. martiale. 

Unguent. Hi cinereum s. mercuriale, neapolitanum, Graue Q. Salbe: 
2 Th. Q. auf 2 Schweinefett und 1 Talg; nach altern Pharmacopöen noch mit 
Terpenthin. Ungut. Hi fortius Ph. Austr. 1 Q. mit_01. Cacao, Auxungia aa V«; 
Ungut, mitius s. einer, s. neapolit.: Q., Talg, Axungia aa 1 Th. exstinguirt, dann noch 
2 Axungia beigemischt l . 

Wirkt auch innerlich als mildes Q.Präparat, und kann alle Wirkungen 
des Q. herbeiführen. 

Selten mehr innerlich benüzt (Cullerier, Bierkowski, Murawjeff, Sedillot 
u. A.), z. B. bei Tuberculose, in Bolis, Pillen, z. B. 3jjj m ^ R. Alth. q. s., oder 
aä" Amyl. , Sapo med., gr. 6—10 p. die. Meist blos äusserlich zu Einreibungen 
u. s. f. bei Entzündung, Ablagerungen, wie Rothlauf, Panaritien, Ophthalmieen, 
Iritis, Peritonitis, Hepatitis, Pneumonie, Croup, Hydrocephalus, Hydrocele, Hydar- 
throse, Drüsengeschwülste, Hyperthrophieen; als Abortiv. (Ectroticum) bei Variola; 
bei Syphilis, Neurosen, Tetanus, Hydrophobie u. a.; zur Vertilgung von Epizoen, 
Läusen, Madenwürmern u. a. Ranzige, schärfere Salben machen leicht Haut- 
entzündung, Eczem, Rothlauf, zumal an wunden Stellen; auch kann sie z. B. 
bei Variola, Impetigo u. a. aufgestrichen rasch Speichelfluss bewirken. 

Je nach dem Fall reibt man täglich 3j — 5jj ein, in Nothfällen, bei Peritoni- 
tis , Croup u. a. oft alle St. — 2 St. gr. 10 und mehr 2 ; am besten ohne Beimischung, 
doch öfters mit narcot. (Opiate, Bilsenkraut) oder reizenden Stoffen (Kampher, 
Ammon.). Eine Mischung von 30 grm Ungut, ein. mit 8 Calcaria usta, 4 Salmiak, 
Schwefel "ää soll die Wäsche weniger verderben, nicht so leicht Speichelfluss 
machen (Cazenave). 

Emplastr. Hi s. mercuriale, Q.Pflaster: Bleiglättepflaster, 
gelbes Wachs , Terpenthin und 1 ji mit Terpenthinöl exstinguirtes Q. Ph. Bor. 

Aeusserlich benüzt bei Drüsengeschwülsten, alten syphilit. Geschwüren, 
Gicht u. a. (s. Ungut, mercur.) 

Sonst wollte man damit auch constitutionelle Q.Wirkungen erzielen, Hess 
sogar Syphilit. Unterbeinkleider aus diesem Pflaster tragen; wirkt aber örtlich 
reizend, und insofern oft unbequem. Wichtig ist seine Eigenschaft, auch des 
Emplastr. s. Sparadrap de Vigo, ein sehr zusammengeseztes Mercurialpflaster , 
der Q.Salbe, die Papeln, Pusteln u. s. f. bei Variola, Herpes, Zoster u. a. abor- 
tiren zu machen (Baillou, Serres u. A.), so dass jezt keine Narben zurückbleiben ; 
auch um variolöse Augenentzündung, Abscedirung der Augenlider u. s. f. zu 
hindern. Ob gewöhnliches Heftpflaster, Gummitaffet, Collodium, Cataplasmen u. 
dgl. nicht dasselbe leisten durch Druck, Abhalten von Luft, Licht, durch Wärme 
u. s. f. (Piorry, Latour), ist noch zweifelhaft, aber wahrscheinlich. Das Pflaster, 
gleich Anfangs aufgelegt, lässt man mit zeitgemässer Erneuerung 5 — 8 Tage lie- 
gen; bei der Application selbst wird es z. B. bei schwachem Feuer, im Marien- 
bad geschmolzen, mit Charpiepinsel auf Gesicht, Augenlider bis zu deren Rand 
gestrichen, und deren freier Rand mit Q.Salbe alle 4 Stund bestrichen (Champe- 
nois). Um das Ankleben der Haare an die Pflastermasse zu hindern, bedeckt 

1 Soll stets frisch, nicht ranzig sein , unter der Loupe keine Q.Kügelchen zeigen ; sollte, wie 
man sonst meinte , nur durch sein an Fettsäuren gebundenes Q.Oxydul wirken , hält aber ge- 
wöhnlich nur metall. Q. Statt des leztern schlugen Fuchs, Pleischl Q.Oxydul vor, Buchner 
ölsaures Oxydul (salpeters. Q.Oxydul zersezt durch venetian. Seifenlösung, der Niederschlag mit 
Fett gemischt) , weil Seife die Salbe wirksamer mache. Um das Exstinguiren des Q. zu be- 
schleunigen, verreibt Violard 2 Kil. Q. mit 60 Grm Ricinusöl , dann mit 250 Grm alter Q.Salbe 
und 2 Kil. Axungia. Leztere will Coldefiar gar ozonisirt wissen, durch Aufhängen von Ph. 
drüber unter Glasglocken. 

2 Bei Iritis z. B. reibt man sie mit Opium u. a. in die Schläfen, bei Encephalitis in den 
geschorenen Schädel, bei Croup in den Hals, oft — $ß p. Tag; bei chron. Gelenkkrankheiten 
legt Lowe damit bestrichene Leinwand auf, zulezt Compression mit Pflasterstreifen, lässt den 
Verband 4—8 Tage liegen , dann stärkere Einreibungen u. s. f. Syphilit. Kinder lässt sie Wor- 
mald auf Flanell gestrichen immerfort auf dem Bauch tragen , um innerlich weniger Q. geben 
zu müssen ; Pastorella reibt sie bei Zellgewebsverhärtung, Scleroma Neugeborener ein, nachher 
Milchbäder; Hebra als Palliativ bei Elephantiasis nach Cataplasmen, Bädern, mit Compression 
durch Binden ; bei Tripper auf Bougies in die Harnröhre (Piacoff) ; bei Geschwüren u. a des 
Gebärmutterhalses auch als Pessarien (Simpson), z. B. gr. 8 mit'^ä Wachs. 

Nüzlich bei Läusen der Schaamtheile u. a., beiAcarus der Augenlider, zumal in den Tropen; 
beiOxyurus vermicularis bringt man z.B. auf dem Finger ein Bohnen grosses Stück in's Rectum, 
auch auf Charpiewieken, nachher Klystiere z.B. mitDec. Cascarill., Absinth. Q.Salbe soll auch 
Eisen, Stahl vor Rost schüzen. 

5* 



68 Quecksilber. 

man leztere im Gesicht mit Leinwand; auch unter Nasen-, Mund-, Augenöffnun- 
gen legt man Leinwandstückchen, und streicht erst auf diese das Pflaster. Durch 
solche Masken werden jedoch besonders Kinder sehr belästigt, aufgeregt; besser 
bedeckt man Gesicht u. s. f. mit Q.Salbe, nur muss lezterer, um ihr Abfliessen 
zu hindern, eine festere Consistenz gegeben werden, z. B. auf 12 Th. 5 Wachs, 
3 Pech (Baudelocque, Bataille) ; 3JJ Amylum auf |j Salbe (Bricquet, Bennet). Um 
das Abreissen des Verbandes zu hindern, bindet man z. B. die Aermel unterhalb 
der Hände zu 1 . 

2. Cinnab aris , Sulphuretum Hi, Zinnober , Bisulphuret. Hi, 
H. sulphurat. rubrum. Schmelzbar , löslich in Schwefelalkalien , verflüchtigt sich 
in der Hize unter Entwicklung von Schwefliger Säure ; oft verfälscht mit Mennige, 
Realgar, Drachenblut, Ziegenmehl ; nur selbst bereiteter, C. factitia, darf innerlich 
gebraucht werden, dargestellt durch Schmelzen von Q. mit Schwefel. 

Bringt wie schwarzes SchwefelQ. auch in grossen D. weder örtliche 
noch sonstige Wirkungen hervor (Orfila u. A.), scheint auch als unlösliche 
Substanz im Darmcanal keine Veränderung zu erfahren. 

Entgegenstehende Beobachtungen (Smith, früher Orfila) erklären sich wohl 
aus fremdartigen Beimischungen, Sublimat u. a.; doch scheint Q.Mohr z. B. Speichel- 
fluss machen zu können. Zinnober benüzt man längst zu Räucherungen in eigenen 
Räucherungskästen , z. B. von Gales, jezt bequemer (S. 65), immer so dass keine 
Dämpfe austreten und in die Athmungswege gelangen; Hawkins empfiehlt solche 
auch bei syphilit. Kehlkopfschwindsucht zu 3/? — j» 1— 2mal täglich, Rockwell bei 
Croup, 3j auf glühende Backsteine gestreut, das Kind unter einem Betttuch; man 
erinnere sich dabei an die Bildung Schwefliger Säure 2 . 

Schwarzes SchwefelQ., Aethiops mineralis, H. sulphurat. nigrum , sonst 
auch innerlich bei »Scrofeln« benüzt, wie das folgende; von Serres, Becquerel bei 
Typhoidfieber 3 , Blattern; D. gr. 1 — 2 p. Tag, als Pulver, Pillen. 

Sulphur et. Hi stibiatum, Spiessglanzmohr, Schwefelspiess- 
glanzQ., H. et Stibium sulphurata, H. stibiato-sulphurat., Aethiops antimonialis : 
SchwefelQ. mit Schwefelantimon, grauschwarz, unlöslich in Wasser, verbrennt 
unter Bildung von Q.Dämpfen und Schwefliger Säure. Schliesst sich hinsichtlich 
seiner Unwirksamkeit an die vorigen an ; da und dort bei Scrofulose, Hautkrank- 
heiten angewandt. D. gr. 2—6, p. Tag 3j, als Pulver, Pillen, oft mit Conium 
maculat., Dulcamara u. dergl. 

3. Hydr. chloratum mite, Q. Chlorür , Calomel, Protochloret. 
s. Chloret. Hi., H. muriatic. mite, ChlorQ., Mercur. dulcis. Dargestellt auf trocke- 
nem Wege durch Sublimiren von Q.Chlorid mit Q. ( auch durch Fällen der 
entwickelten Calomeldämpfe durch Wasserdampf, C. ä la vapeur) , auf nassem 
Wege durch Fällen von Salpeters. Q.Oxydul mit Kochsalz, auch einer Sublimat- 
lösung mit SO 2 . 4 Unlöslich in Wasser, Alcohol, Aether, verflüchtigt sich in der 
Hize, durch's Licht theilweis reducirt, grau. 

Wirkungen die der mildern Mercuralien; macht ungewöhnlich leicht 
Eckel, Erbrechen, besonders das auf nassem Wege dargestellte, in grössern 
Dosen, gr. 5 — 20 Durchfälle, oft vermischt mit Gallenfarbstoff 5 . 

Zu gr. 15 — 20 allmälig gereicht bewirkt C. meist Speichelfluss , auch als 
Salbe, und zwar noch ungleich rascher, heftiger als Ugt. einer. Oefters wurden 
mehrere Drachmen, selbst ^j ohne schlimme Folgen verschluckt; anderseits 
können schon auf kleine Dosen Magen-, Darmentzündung wie die constitutionellen 



i Bei syphilit. Leiden, Gelenkentzündung-, Gicht u. a. bedeckt man die Theile mit Streifen 
des Pflasters, schüzt sie gegen Reibung, Luft, Kälte u. s. f. (Ricord, Piorry, Latour). 

2 Schuh benüzte Z. in geistreicher Weise zum Tätowiren, um nach Cheiloplastik die Lippen 
roth zu färben: mit einem Bündel aus 10—20 gewachsten Stecknadeln, die Spizen in Brei aus 
Z. mit Wasser getaucht. 

3 Mit Q.Salbe äusserlich, wofür B. den Preis der Academie erhielt; bei Tinea (Faivre 
d'Esnant) als Salbe, mit Wachskappe oder einer halben Schweinsblase drüber; bei Cholera 
(Ilameau) im Klystier, 8 grm p. d. , um Choleragift zu zerstören. 

* Hier und noch mehr dem fabrikmässig durch Erhizen von schwefeis. Q.Oxyd, Q. und 
Kochsalz dargestellten C. kann leicht Q.Chlorid beigemischt sein, weshalb durch Kochen mit 
Wasser u. s. f. zu reinigen. 

5 Die grünliche Färbung der „Calomelstühle" entsteht wohl einfach genug durch Umwand- 
lung des braunen Gallenfarbstoffs in grünen, auch durch theilweise Umwandlung des C. in HgS. 
Doch ist sie nicht constant, und kommt auch sonst oft genug vor, z. B. auch bei Q.Chlorid, 
MO 5 u. a. 



Quecksilber. 69 

Q. Wirkungen entstehen. Hier mag dem C. Q. Chlorid beigemischt gewesen sein, 
oder verwandelte es sich theilweis unter besondern Umständen in Chlorid *. 

Gebrauch äusserst häufig 2 (Calomelomanie). 

a) Als Laxans, wie Abführmittel überhaupt. 

Auch hier kann C. die allgemeinen Q.Wirkungen veranlassen, besonders in 
massigen, öfters wiederholten Dosen. Man bedient sich daher seiner am gernsten 
als Laxans, wenn diese Wirkungen zugleich gewünscht werden oder doch nicht 
schaden: z. B. bei Leberleiden, Gelbsucht, Wassersucht, Magen- und Darm- 
catarrh, sog. galliger Ruhr, Nerven-, Gelbfieber u. dgl., um zugleich «die Gallen- 
absonderung zu vermehren, die Blutmischung zu ändern» u. s. f.; als Derivans 
bei Hautkrankheiten, acuten Exanthemen, Gehirncongestion u. a., bei Geistes- 
kranken. Auch bei Kindern , oft mit Rheum , Jalape , weil ihnen C. leicht bei- 
zubringen; zum Entleeren von Entozoen, oft mit Wurmsamen, Santonin, Farren- 
krautwurzel. Jedes andere Laxans scheint indess für gewöhnlich den Vorzug 
vor dem möglicher Weise sehr schädlichen C. zu verdienen. 

b) Bei verschiedenen Graden und Formen des Typhus, wie Abdominal- 
typhus, Typhoid-, Schleimfieber, Pneumotyphus u. a., bei Gelbfieber, Pest, 
Cholera, Ruhr. 

Bei Typhus war C. lange ein Modemittel, und ist es theilweis noch jezt ; 
bald gibt man es gleich Anfangs in grossen Dosen, gr. v — x, 1 — 2mal täglich, 
um den T. abzuschneiden (Abel , Hamilton , Lesser , Schönlein , Pfeufer , Vogel, 
Schützenberger u. A.), bald im weitern Verlauf in kleinern Dosen, z. B. gr. ß— jjj, 
1 — 6mal täglich, um in schwerern Fällen Fieber u. s. f. zu massigen, Ausschei- 
dungen, Galle, Stuhlgang zu fördern, auch umgekehrt Durchfälle zu beschränken, 
oder besser gesagt, um irgendwie «specifisch» zu wirken, d. h. als Specificum 
(Chisholm, Reil, Bright, Serres, Becquerel, Wood, Dietl, Wunderlich, Lebert 
u. A.). Dass der Einfluss dieses wie aller «Specifica» auf Verlauf und Ausgang 
der Krankheit günstiger sei als bei rein exspectativem Palliativverfahren oder 
bei unschuldigeren Mitteln, hat man nie bewiesen, ist auch a priori unwahr- 
scheinlich genug; Erfahrung aber und Statistik sprechen entschieden dagegen. 
Gibt man C. gleich Anfangs als Abortiv, so bleibt immer zweifelhaft, ob die 
Krankheit auch T. geworden wäre ; bei 20 % und mehr solcher Fälle kommt es 
ja ohnedies nie zur völligen Entwicklung der Krankheit (sog. Abortiv-Typhus). 
Immerhin sind grosse Dosen C. nach Verlauf der 1. Woche zu meiden, auch 
gleich Anfangs wie späterhin bei Durchfall, Leibschmerzen, Meteorismus, Col- 
lapsus, und wenn es überhaupt bereits zu tiefern AiFectionen des Darmcanals 
u. s. f. gekommen. Am sichersten unterlässt man hier überall auch kleinere Dosen; 
denn Q. ist kein Stoff, mit welchem bei einer Krankheit wie T. gespielt werden 
darf. Kein gebildeter Arzt wird mehr dem Q. specifische Wirkungen hier oder 
sonstwo zutrauen, und statt den Kranken all dessen schlimmen Wirkungen 
auszusezen, lieber symptomatisch-palliativ nach möglichst vernünftigen Grund- 
säzen verfahren. 

Bei sog. Typhus recurrens, biliösem Typhoid, Gelbfieber, Pest, Asiat. Cholera, 
Ruhr, überhaupt bei sog. Malariakrankheiten gab man C. gleichfalls bald in klei- 
nen, bald in grossen Dosen, oft (zumal Britten) mit Opium, Chinin, selbst als Pro- 
phylacticum. Der angebliche Erfolg beruht wohl auch hier auf schlechter Be- 
obachtung, noch schlechterem Urtheil 3 . Dasselbe gilt von seinem Gebrauch bei 
Wechselfieber mit oder ohne Chinin (Willis, Seile u. A.), besonders bei Qartana. 



i Ein Kranker starb so auf gr. 5 C. mit Stachelbeercompot unter Zufällen der Sublimatver- 
giftung (Bonnewyn), wahrscheinlich durch Bildung citronens. , apfels. Q.Salze ; ein Anderer auf 
8 gr. C. mit Glaubersalz (Wislin). Gefährlich sind bei C. alle Präparate aus bittern, selbst 
süssen Mandeln , z. B. Emulsionen, indem so durch Amygdalin Ameisen-, Blausäure , Q.Chlorid 
und Cyanid entstehen können (Delioux). Auch in alten C.haltigen Salben bildet sich öfters 
Q.Chlorid. 

2 In den Recepten unserer Apotheken steht wohl bei 20—30% derselben C. verordnet, denn 
C. hat das Glück, auch der aufgeklärt-rationellen Medicin als Specificum und Universalmittel 
zu gelten, weshalb es bereits Chomel die Panacee der Aerzte nennt. Die fashionablen Kreise 
Englands aber suchen sich durch C. sogar einen feinern Teint zu verschaffen (Tilt). 

3 Bei Cholera wurden zuerst die grossen C.Dosen der Britten in Indien auch in Europa 
vielfach nachgeahmt , zumal gleich im Anfang der Ch. (Griffin , Smith , Searle , Ayre , Gibb, 
Pfeufer, Friedmann u. A.) ; auch gab man gr. 1—2 alle Stund — 2 St., selbst alle 10 Minuten, 
öfters mit Opium, Laudanum, Morphin, Ipecacuanha , Brausemischungen, Eis, Kampher, Küm- 
melöl, Rheum, Coloquintenextract, Capsicum u. a. Manchem Kranken gab man gr. 150—200 in 



70 Quecksilber. 

c) Bei Entzündung wie Croup, Diphtheritis , Laryngitis, Angina tonsil- 
laris, Ophthalmie en, Pneumonie, Pleuritis, Gehirnentzündung, Hepatitis, Ente- 
ritis, Darmcatarrh und Diarrhö, Kindbettfieber. 

Bei Phlebitis, sog. Pyämie u. dgl. wirkt auch C. wie alles Q. nur schädlich. 
Ausserdem oft benüzt bei chron. Krankheiten, als Alterans, Solvens, z. B. bei 
leichten Fällen secimdärer und primärer Syphilis, bei hartnäckigen Hautkrank- 
heiten, besonders Psoriasis, Lepra; auch bei Scrofulose, Wassersucht (z. B. mit 
Leberleiden), und bei Cataracten wie bei Wahnsinn. 

D. als Abführmittel gr. jv — xx, im Nothfall nach einigen Stunden repe- 
tirt; in gewöhnlichen Fällen gerne mit Rhabarber, Jalape. 

Calomel 3J B- Jalap., B. Bhei aa 3jj f- Pulv. Div. in 6 part. aeq. 2 — Sstündl. 
1 P. z. n., in Anisthee. 

Um die allgemeinen Wirkungen zu erzielen, gibt man meist kleinere 
häufigere Dosen, gr. V* — j? stündlich — 4stündl. 

Man gibt C. als Pulver, Bissen, Pillen u. a. ; je nach Umständen gerne mit 
Opium wegen der Durchfälle, mit Alaun, z. B. bei Croup (Barton), Ipecacuanha, 
Antimonialien u. a. ; um bei Croup u. a. rasch zu wirken, öfters mit Einreibungen 
der Q.Salbe. Wie Britten, Amerikaner u. a. zumal in den Tropen bei Entzün- 
dung, Ruhr u. a. QDosen 1— 3mal täglich rühmten, gibt man hier z. B. in Eng- 
land auch gr. Yis — V20 und weniger alle 2 Stund; Salivation wie die allgemeinen 
Wirkungen des Q. sonst sollen so am schnellsten entstehen. Da C. durch ver- 
schiedene Substanzen chemisch umgesezt werden kann, ist deren Zusaz zu meiden, 
z. B. Alkalien und deren Carbonate, Seife, Salmiak, Kochsalz, gesalzene Speisen, 
Eisen, Blei, Kupfer, Sülfüre, Kalk-, Chlorwasser, Säuren, Obst, Mandeln und 
deren Präparate, gebe auch solche nicht zu bald nach C. 1 

Aeusserlich benüzt bei chron. Hautaffectionen, Geschwüren, z. B. syphilit., 
bei Conjunctivitis, Blepharitis, Augenentzündung überhaupt und deren Pro- 
ducten; bei Catarrhen, Bleimorrhöen u.a., bald als Pulver aufgestreut, bald 
als Salbe, 1 Th. auf 10 Fett, auch mit Ungut. Porci u. a. 

Bei Condylomen z. B mit Zinkoxyd u. dgl. ; vermischt mit schleimigen Flüs- 
sigkeiten bei Tripper, Geschwüren, Blennorrhöen in die Harnröhre, Gebärmutter 
u. a. injicirt (Velpeau), hier oft mit Alaun, Bleiessig u. a.; als Wasch-, Gurgel- 
wasser bei syphilit. Geschwüren , Diphtheritis u. a. , z. B. mit Malvenabsud ; als 
Pulver bei Trübung , Leucom der Hornhaut , bei Ophthalmie , besonders sog. pas- 
siver 2 , aegypt. (gegen die Granulationen), bei diphtherit. Geschwüren u. a. aufge- 
streut , aufgepinselt , auch sehr fein pulverisirt z. B. mit Tubulus eingeblasen ; 
als Schnupfpulver bei sog. Stockschnupfen, syphilit. Geschwüren in Nase u. a., 
oft mit V 3 — V 2 Rothem Q.Präcipitat. Bei Amygdalitis, diphtherit. Angina rühmt 
Bretonneau neben andern örtlichen Mitteln auch O, oft mit Zucker, rothem Prä- 
cipitat, eingeblasen oder eingeathmet; Williams bringt C. bei Afterfisteln mittelst 
Röhrchen bis auf deren Grund. Tournie reibt C. als Salbe, 3J — jjj au f IJ Fett 
bei Pruritus Genitalium 2mal tägl. ein, nachher Kampher mit Amylum aufge- 
streut ; von Salmon bei Afterfissuren aufgestrichen ; öfters auch bei schuppigen 
Hautleiden, Grind u. a. benüzt, bei Eczema mammae 4 Grm C. mit 30 Cerat. alb. 



24 Stunden, zusammen 800, ja 1440 Gran (Ayre), oft ohne dass Salivation u. s. f. entstand, weil 
C. alsbald wieder entleert oder gar nicht mehr resorbirt wurde. Man wollte dadurch die Gallen- 
absonderung herstellen, die normale Darmabsonderung (!) u. s. f. Doch wie immer sterben 
eben je nach der Heftigkeit der Fälle 30— 50%, und die leichter Erkrankten, welche am häufig- 
sten genesen, leiden jezt oft noch an Speichelfluss u. s. f. dazu! Ganz verwerflich sind jeden- 
falls grössere Dosen C. wie alle Parforce-Curen. Dasselbe gilt von Ruhr u. a. ; hier gab z. B. 
auch Heymann auf Java die Johnson'schen C.Dosen bald auf. 

1 Chinin soll Speichelfluss u. s. f. (Harty u. A.), Natron bicarb. die Laxirwirkung sehr fordern 
(Hunt). Nach dem Einnehmen lasse man stets den Mund sorgfältig mit Wasser reinigen, zumal 
Kinder, weil vielleicht zurückbleibendes C. die Salivation fördern könnte (Malmsten). Aus 
demselben Grunde gibt man C. jezt öfters in Oblaten. 

Pilulae purgantes c. Hydrargyro (Pil. mercuriales) Cod. Hamb. Extr. Rhei comp., 
Res. Jalap., C, Sap. med. H7i^ß\ D. 10—15 St. Biscuits d'Olivier, C. mit Brodteig ge- 
backen, früher oft benüzt, sollten da und dort besser ertragen werden als andere Formen, leisten 
aber nicht mehr. 

2 Dupuytren's „trockenes Collyrium": Calomel, Tutia, Candiszucker JT U - Ruete streut C. zur 
Nachcur bei Hornhauttrübungen ein, später Zinkvitriol, Tavignot, Guepin C. mit Zucker £5. 



Quecksilber. 71 

und 20 Ctigrm Kampher (Velpeau) *. Syphilit. Geschwüre, Condylome bestreicht 
man öfters mit Salzwasser, und streut dann C. auf (wirkt nicht besonders). 

Aqua H i chlor a t i mitis c. Calcaria usta, Aqua s. Lotio nigra, 
Aqua phagetlaenica mitis Cod. Hamb. , 3J Calomel mit ^jv Kalkwasser ; enthält 
Q.Oxydul; selten äusserlich bei syphilit. u. a. Geschwüren, chron. Hautleiden 
benüzt. 

P u U i s P 1 u m e r i : C, Goldschwefel a 7 1 Thl., Guajak 2 Ph. Sax. ; C, Gold- 
schwefel äa als Pulv. alterans Plumeri Ph. Wirtemb. Sonst benüzt wie C, gr. 
10—20 p. d., jezt ziemlich obsolet. 

4. Hydr. bichloratum corrosivum, Ae zen des Q. Sublimat, 
Q.Chlorid, H. muriat. corrosiv. s. sublimat. , Bichloretum s. Chloridum Mercurii. 
Dargestellt durch Erhizen von Q., Schwefelsäure (oder schwefeis. Q.Oxyd) und 
Kochsalz; krystallin., löst sich in 16 Th. kaltem, 3 kochendem Wasser, in 2—3 
Th. Alcohol, Aether; seine wässrige Lösung durch Alkalien, alkal. Erden, Kleber, 
Extractivstoffe, Gummi u.a. organ. Stoffe zersezt, theilweis in Q.Chlorür. 

Wirkungen, a) ertlich wirkt S. schon vermöge seiner Löslichkeit und 
Affinität zu gewissen Bestandteilen, besonders Eiweiss der Gewebe mit 
Intensität ein, concentrirt selbst äzend. 

Die Niederschläge oder Albuminate, welche S. mit den Eiweissstoffen in 
Speichel, Mund-, Magenflüssigkeiten u. s. f. bildet, lösen sich mehr oder weniger 
in überschüssigem Eiweiss, in Alkalien, Säuren, Kochsalz; reichen jene Eiweiss- 
stoffe^ zur Sättigung des S. nicht aus, so geht es an diejenigen der Gewebe, der 
Schleimhäute , es entsteht Entzündung , selbst Verschorfung 2 . 

b) Innerlich auf kleine Dosen, gr. J /i2 — y* , wie S. medicinisch benüzt 
wird, entstehen gewöhnlich auch bei längerem Gebrauch blos die allgemeinen 
Q.Wirkungen, ohne dass Magen, Darmcanal merklich nothleiden, und auch 
jene bleiben meist auf einer niedern Stufe. 

Dagegen steigern sich öfters Pulsfrequenz, Eigenwärme, Hautausdünstung, 
der Harn geht reichlicher ab, bildet reichliche Sedimente, besonders von Harnsäure. 

c) Später und bei etwas grössern Dosen auch bald Anfangs kommt 
es meist zu stärkerer Reizung und Catarrh der Verdauungswege, selbst zu 
Gastroenteritis, mit Bauchschmerzen, Eckel, Brechdurchfällen u. s. f. Oft 
dazu Bronchialcatarrh, Bronchitis, mit Athemnoth, Auswurf mucopurulenter, 
blutiger Sputa, und bälder oder später treten die gewöhnlichen Q.Wirkun- 
gen ein, zumal heftiger Speichelfluss, oft mit besonders starker Behelligung 
der Lungen, bis zu Pneumonie, wie des Nervensystems (Neuralgieen, Zittern, 
Spasmen, Convulsionen, selbst Tetanus, Lähmung). Auch die Knochen kön- 
nen bedeutend nothleiden. 

5. wirkt nur örtlich anders als z. B. Calomel ; weil aber seine Albuminate 
in den Magen- und Darmflüssigkeiten löslich sind, treten sie theilweis doch in's 
Blut u. s. f. ; Kranke z. B. , welche S. eingenommen , können goldene Münzen, 
Ringe durch Bestreichen mit dem Finger amalgamiren. S. bewirkt wohl nur 
deshalb seltener Speichelfluss u. s. f., weil er in viel kleinern Mengen ange- 
wandt wird als z. B. Calomel 3 . 

d) In grossen Dosen, mag man S. in den Magen, Mastdarm, auf die 
Haut, in's subcutane Bindegewebe oder (hier schon in sehr kleinen Dosen) 
in eine Vene unmittelbar bringen, wirkt er als scharfes Gift; er verbindet 



1 Früher kam C.Salbe auch bei Schmiercuren in Gebrauch (Astruc u. A.), Clark rieb sie 
gar in die Mundhöhle; Speichelfluss u. a. waren so meist äusserst heftig-. 

2 Diese Wirkungen können auch durch S. in Dampfform entstehen, z. B. wenn man S.Dämpfe 
unvorsichtiger Weise bei syphilit. Geschwüren im Rachen, Kehlkopf einathmen lässt. In S.hal- 
tigen Badern, Iß S. aufs Bad, worin der Kranke V2- 3 /4 Stund bleibt, soll etwa gr. Vio S. resor- 
birt werden, bei 20 Bädern also gegen 2 Gran (Locher, Bock), wahrscheinlicher nicht einmal 
so viel. 

3 S. dient häutig zum Conserviren anatomischer Präparate wie von Holz, zum Tödten von 
Tnsecten u. a. ; auf Schiffen, deren Holz vordem mit S.Lösung getränkt worden, sah man schon 
all seine Giftwirkungeu eintreten (?). Bei Fröschen wird durch i/ 16 — 1 gr. S. das Athmen auf- 
gehoben, schliesslich auch die Herzthätigkeit (Joseph). 



72 Quecksilber. 

sich chemisch mit den Eiweissstoffen nicht blos der Darmsecrete sondern auch 
der Gebilde selbst, und zerstört, äzt sie ebendadurch. 

Schon im Mund entsteht scharfer Metallgeschmack, Schmerz, krampfhaftes 
Zusammenziehen des Rachens , der Schlundmuskeln , so dass oft S. hier aufge- 
halten den Magen gar nicht erreicht, und durch Brand des Schlunds u. s. f. 
tödten kann. Gelangt er in den Magen, so entstehen alsbald die Zufälle heftiger 
Magen- und Unterleibsentzündung, Schmerz, Erbrechen, Durchfälle mit Tenesmen, 
selbst Strangurie, Krämpfe, Zittern, Convulsionen u. s. f.; im schlimmsten Fall 
bald Collapsus, Bewusstlosigkeit , endlich Tod, meist 20 — 30 Stunden nach der 
Vergiftung. Oefters bleibt er länger am Leben , und nachdem Gastroenteritis 
u. dgl. theilweis geschwunden, können die constitutionellen Q.Wirkungen ein- 
treten, Stomatitis, Speichelfluss u. a. ; zuweilen stellt sich so Speichelfluss erst 
mehrere Wochen nach der Vergiftung ein, in andern schon nach einigen Stunden. 

In der Leiche finden sich alle Erscheinungen intenser Gastritis, Magenschleim- 
haut injicirt, öfters ecchymosirt, mit graulichweissen Flecken durch Anäzung, 
diphtherit. Exsudatmassen ; auch die Schleimhaut des Mastdarms oft injicirt, ent- 
zündet, desgleichen Rachen (seltener Schlund) u. s. f. 

Verfahren bei Vergiftung : man gibt sogleich die nächste beste Flüssigkeit, 
Eiweiss, noch das bequemste Gegenmittel, Tassenweise, v. 10 — 12 Eiern, und 
zwar Dotter samt Eiweiss, mit Milch u. a. ; in Ermanglung der Eier Milch, Ab- 
sud von Leinsamen, Eibisch, Kleber aus Weizenmehl (Taddee), Reis-, Zucker- 
wasser. Weil sich die so gebildeten Albuminate allmälig lösen , auch in über- 
schüssigem Eiweiss, ist lezteres nicht im Stande, die Wirkungen des S. ganz zu 
sistiren; besser geschieht dies durch hydrat. Einfach-Schwefeleisen, bildet mit S. 
SchwefelQ. und Chloreisen (Mialhe); nur hat man es selten schnell genug zur 
Hand ; Bouchardat und Sandras empfehlen durch H reducirtes Eisen ; Bussy, 
Schuchardt u. A. Magnesiahydrat, wodurch aber S. theilweis in Q.Oxyd umge- 
wandelt wird (Schrader). Gegen Gastritis u. s. f. wie sonst Emulsionen, Opium, 
Bäder u. dgl. 

Gebrauch. Innerlich gibt man S. wie andere Mercuralien, zumal bei 
secundärer Syphilis, chron. Rheumatismus, Ischias, Neuralgieen, inveterirten 
Hautkrankheiten, Flechten; bei Scrofulose, Wassersucht, selbst bei Entzündung, 
Cholera, Wechselfieber u. a. 

Für die Wahl des S. bei Syphilis im Vergleich zu andern Mitteln gibt es 
keine festen Anhaltspunkte; doch gilt S. bei inveterirten, hartnäckigen Fällen 
als eines der besten Mittel (Van Swieten, Dzondi, Kluge u. A.); selbst Neuge- 
borene sollen S. gut ertragen, z. B. zu gr. V90 p. d., in Lösung (Wormald). Bei 
den meist so kleinen Dosen kommt es seltener zu Speichelfluss u. a. Q.Wir- 
kungen als z. B. bei Calomel , Q.Salbe ; doch hat man oft gerade auf S.Curen 
die heftigste Salivation, selbst wirkliche Vergiftung beobachtet. Am besten be- 
ginnt man mit 1 /s — 7« Gran p. Tag, steigt allmälig bis gr. j— jj , und sinkt wie- 
der schliesslich damit (Sachs u. A.) ; oft gibt man S. mit Opium, und fördert wie 
immer während der Cur Hautausdünstung u. s. f. durch warme Kleidung, Betten, 
Getränke, Bäder. Entsteht Colik, Eckel, leichte Vergiftung, sezt man sogleich 
aus, und behandelt leztere wie sonst. 

Bei den andern genannten Krankheiten scheint S. ohne positiven Nuzen, 
und zu gefährlich. Doch rühmte man ihn auch wieder die lezten Jahre her bei 
chron. Entzündung des Gehirns u. a., bei Hydrocephalus (Holland, Rau, Weisse, 
Riecke), bei Pneumonie, besonders sog. typhöser, hypostatischer (Heine, Skoda, 
Hirsch u. A.), selbst bei Croup (Braun), und bei acut. Rheumatismus (Romberg 
u. A.), Hypertrophie des Uterus (Oldham) wie bei Wechselfieber, Typhus, Cholera 
(Spiritus, Rumbold, Winn, Taylor) und Amaurose (Devalj. 

Verboten ist S. jedenfalls bei allen Krankheiten des Magens, Darmkanals, 
auch des Herzens. 

D. gr. Y10 — J /4, leztere als Purgans, am besten in Pillen 1 , zuweilen 
in Lösung. 



1 Pilulae Ili bichlorati corrosivi Cod. Hamb. u. a. : S. gr. xv, mit etwas Aether oder dest. 
Wasser zusammentrieben , Sacchar. alb. 5/? Micae panis albi 3jj, f. Pil. 120: 8 halten 1 gr. S. 
Arabische Pillen, sonst bei der sog. arab. Behandlung der Syphi'l. in Gebrauch : Q. und Sublim. 
aa 3/* Lerchenschwamm, Senna a a 5j Honig q. s., f. Pil. p. gr. 3—4, 1 St. p. d., 2mal tägl. 



Quecksilber. 73 

Meide: Zusaz von Alkalien und .deren Carbonaten, Kalkwasser, Seifen, Jod- 
kai., Metallsalze und Sülfüre , auch Gerbstoff, Eiweiss, Kleber, Brodkrumen, 
Gummi, Extracte u. a., die S. theilweis in Q.Chlorür verwandeln, wie z. B. in 
Dzondi's Pillen. Am besten gibt man S mit Amylum, Zucker und Eibischwurzel, 
Succ. liquirit. , und nie bei ganz leerem Magen x . 

H. bichlorati corros. gr. j solve in Aq. fervidae q. s. adde Opii gr. jj Pulv. 
R. liquir. 3j Succ. liquir. q. s. f. pil. 20. ; 4 Pillen halten Vs Gr. S. 

Man verordnet blos auf kurze Zeit, und schüzt die Pillen gegen Sonnen- 
licht. In Frankreich Hess man Cigarren rauchen, bei syphil. Rachen-, Nasenge- 
schwüren, Ozaena u. a. : Tabak, seines Nicotin beraubt, auch Papier mit S. Lösung 
getränkt, getrocknet , dann mit Lösung von Kalicarbonat bestrichen (Q.Oxyd ent- 
steht, welches später reducirt wird). Gelöst in Wasser, Weingeist, Aether wirkt 
S. ungleich intenser auf die Verdauungswege ; z. B. gr. ß— j mit 3jj Weingeist 
und Jjj Wasser, tägl. 2mal 1 Kaffeelöffel ; zweckmässiger gr. 1 in ^v — vjjj Aq. dest. 
mit einigen Tropfen Weingeist gelöst, 2—4 Esslöffel tägl., z. B. b. Syphilis, Flech- 
ten, oft mit Laudanum u. a. 

Liquor Yan Swieten's: gr. 10 S. gelöst in 2 U Kornbranntwein, Mor- 
gens und Abends 1 Esslöffel voll ; Cullerier gab der Lösung in destill. Wasser 
den Vorzug, Andere der Lösung in Weingeist, Aether (Aether mercurialis), 
Tropfenweis in schleimigen Vehikeln. Mialhe, von der irrigen Ansicht ausgehend, 
alle Q.Präparate würden im Magen zu S. , empfahl statt ihrer als Liqueur mer- 
curielle normale: H. muriat. corros. grm 0,30 Salis marini, Salis ammoniaci ää 1 
grm, Album, ovi unius, Aq. destill, grm 500, solve, filtra, 30 grm halten V30 grm 
S.j 1 Esslöffel 1 Centigrm. 

Aeusserlich bald verdünnter bald concentrirter benüzt bei syphilit. Ge- 
schwüren, Condylomen, Tripper, chron., zumal syphil. Hautleiden, Psoriasis, 
Eczem, Acne, Lepra, Grind, Lupus, Kräze, Prurigo, Pruritus vulvae u. a., 
bei Ophthalmie, besonders syphilit., scroful., catarrhal., bei Entzündung des 
äussern Gehörgangs; als Aezmittel. 

Man gibt ihn dort in Lösung , gr. V 2 — v au ^ §j Wasser , z. B. auch bei 
Sommersprossen (Hebra), zum Entfernen von Schiesspulver (Busch), als Cpsmetic! 
oft mit Rosenwasser; bei Hautkrankheiten 1 Th. auf 1500—2000 Aq. (Devergie); 
öfters mit Weingeist zu Fomenten, Bädern, Injectionen, Augen-, Gurgelwassern; 
b. Nachtripper Anfangs V 5 g r - au f 6 5 Aq., a ll m älig stärker (Passavant); öfters 
mit Opiumtinctur u. a, ; um Decubitus zu verhüten, Waschungen der Sacralgegend 
3 — 4mal tägl. mit einer Lösung von 5 gr. auf ^j Weingeist (Van Nees) , auch 
gegen Druck durch Bandagen 2 . Weniger eignet sich die Salben form, 3j — 3j au f 
|j Fett (auch mit grauer Quecksilbersalbe), z. B. b. Syphilis vordem von Cirillo, 
Hufeland in die Fusssohlen eingerieben (!); bei hartnäckiger, z. B. scroful. Oph- 
thalmie öfters nüzlich, gr. jjj— x auf 3j Fett, auch bei Ergüssen in seröse Höhlen, 
bis zur Bildung von Pusteln, Blasen; in England öfters mit Seife, 10 gr. auf ^j 
(Corrosive Sublimate Soap) ; bei Croup als rasches Vesicans 3j — Zß m ^ Wein- 
geist zerrieben, dann mit 3jj— jjj Fett auf Leinwandstreifen um den Hals gelegt 
(Braun). Als Aezmittel ist Vorsicht nöthig, weniger wegen Gefahr einer Ver- 
giftung 3 , als weil oft tiefe , hartnäckige Geschwüre entstehen. Zur Zerstörung 
syphilit. Condylome, Geschwüre u. a. dient die vereinfachte P 1 e n k 'sehe Solution 
(ursprünglich S., Alaun, Bleiweiss, Kampher, Weingeist, Weinessig aä 3j) : S. 3jj 
Kampher 3j Alcohol Jjj (Berlin. Charite) , oder einfach 3j S. in §j Spir. vini 
rectif., tägl. applicirt. Bei Carbunkel nach Kreuzschnitt dient S. öfters zum Aezen; 



1 Bei Kranken , welche durch lange Curen u. s. f. erschöpft sind , bei sog. tertiärer Syphilis 
lässt Gibert ein frisches Ei mit gr. 1/4 S. und gr. 8 Kochsalz nehmen; S. wird so Monate durch 
gut ertragen, aber nur in winzigen Mengen resorbirt. 

2 Als Prophylactic. gegen Ansteckung beim Coitus ist ein altes, auch von J. Hunter empfoh- 
lenes Mittel Waschen mit S.Lösung (Mairoth); Preval sezt noch Kalkwasser zu. Bei Ophthalmia 
neonator. nimmt Eulenberg i/a Gr. S. auf f vj Aq. destill, zu lauwarmen Fomenten , oft mit 
Laudan. (Fröbelius). Bei Leberflecken (Chloasma) rühmt Paget Waschungen mit S.Lösung, 
gr. j auf fj, lmal tägl. 

3 Der Schorf aus Q.Chlorid-Albumin hemmt die Resorption ; doch sollen in Griechenland, 
im Orient in Folge des Gebrauchs von S. als Schminke, „Sulima", Vergiftungen häufig sein 
(Landerer), und Sublimat-Collodium, eines der stärksten Aezmittel, bewirkt bei ausge- 
dehnterer Application leicht Erbrechen, Fieber u. s. f. Auch durch S. 3jj auf f j Fett bei Tinea 
aufgetragen sind schon Kinder gestorben. 



74 Quecksilber. 

bei der sog. malignen Onychie streute man S. mit Zinkvitriol aä in Pulverform 
aufs Geschwür. Als Aezmittel wird dem S. öfters_ Arsen zugesezt ; nach Startin 
z. B. b. Lupus 3j/? S., weisser Arsen, Zinnober aa gr. v mit etwas Wasser als 
Paste, alle 14 Tage repet. ; am stärksten äzt S. gelöst in Collodium, z. B. 1 Th. 
S. auf 7—8 C. bei Nävus (Cösfeld) , bei Krebs (Williams) , Condylomen , Telangi- 
ectasieen u. a (Macke); bei Blattern 1,50 S. in 100 grm C. (Aran). Polli's Un- 
gut, corrosiv. s. escharotic. ist eine Aezpaste aus S. 3jjj Gi arab. 3j Aq. dest. 
gtt. 20 \ Zu Bädern bei Gicht, Rheumatismen, Gelenk-, Hautkrankheiten, be- 
sonders syphilit, bei Condylomen 3jj, oft allmälig %ß auf das Bad, bei Kindern 
gr. 15—30; man löst S. wie bei allen Lösungen erst in Weingeist, und mischt 
ihn dann dem Regenwasser bei; der Kranke bleibt V2 bis 1 Stunde und-länger im 
Bad , welches täglich, alle 2 Tage u. s. f gebraucht wird; solche Bäder müssen 
gewöhnlich lange Zeit durch fortgesezt werden 2 . 

Aqua phagedaenica, Lotio flava , Liquor Hi bichlorati corrosivi c. 
Calcaria usta Cod. Hamb. u. a. : S. gr. 24 mit g 16 Kalkwasser (Ph. Bor.), hält 
Q. Oxyd mit wenig unzerseztem Chlorid; äusserlich wie S.Lösung benüzt, um- 
geschüttelt. 

Liquor Hi bichlorati corrosivi Ph. Bor., Aq. phagedaen. decolor 
s. Liquor mercurialis Ph. Austr. Lösung von Salmiak und S. in dest. Wasser ; 
Salmiak soll nur die Zersezung des S. hindern; es entsteht so ein in Wasser lösl. 
Doppelsalz (Alembrothsalz), ehem. Zusammensezung und Wirkungen somit 
anders als bei Aq. phagedaenica ; öfters wie diese angewandt , obschon er sich 
bald zersezt. Eine ähnliche Lösung in England als L i q. H i b i c h 1 r i d i officin. 
Liquor corrosivus s. ad Condylomata Cod. Hamb. S. 3j mit Alaun, Kam- 
pher, Plumb. acetic. ää Zß, m Alcohol, concentr. Essig ää %ß gelöst. Liquor 
Gowlandii, S. mit Bittermandel-Emulsion, etwa 1 Gran auf £j (nach Foy S., 
Salmiak aä 1 Decigrm, fast gr. jj auf 200 grm, J 6 — 7 Wasser), hält gleifalls Chlor- 
Q.Ammonium (Alembrothsalz) ; als Waschmittel , Cosmeticum bei Hautaffectionen. 

Neuerer Zeit versuchte man auch sog. Alkaloid-Sublimate, z. B. 
Morphium- , Chinin- , Nicotinsublimat , 4 Th. S. auf 1 Th. Alkaloid ; so Mor- 
phium-Sublimat, Morph, muriatic. c. Merc. bichlorato corrosivo, Hi et Mor- 
phii Chloridum, ein Doppelsalz aus S. und salzsaur. Morphin, in Frankreich be- 
nüzt, gr. Ve — 73 p d., in Pillen. Hebra gab es Syphilit., bei Hautkranken auch 
ein Doppelsalz mit essigs. Nicotin, Acetas Nico tini etChloretiHi (Q.Chlorid 
verwandelt sich dabei in Chlorür), zu gr. Vs — 2 / 3 P- d. Dasselbe geschieht beim 
sog. Chinin-Sublimat, Chloridum Hi et Chinii , erhalten durch Mischen von 
S.Lösung mit salzs. Chinin , krystallin., schwer löslich in Wasser, von M'Dermott, 
Hamilton bei Lupus , scroful. Ophthalmie , Syphiliden versucht , gr. Y2— 1 p. d. 
Alle diese Verbindungen sind eine Spielerei weiter; durch ihr Calomel machen 
sie leicht Speichelfluss und leisten weniger als z. B. Sublimat, Schmiercur u. dgl. 

5. H. amidato-bichloratum, Weisser Q.Präcipitat, Q.Amid- 
chlorid, Salzsaures AmmoniakQ., Hydr. bichlorat. ammoniat. s. ammoniato-muriat., 
M. praeeipit. albus. Jezt nur der sog. unschmelzbare offic. , durch Fällen einer 
Sublimatlösung mit Ammon. im Ueberschuss erhalten (Chlorbimercurammonium) ; 
früher dargestellt durch Zusaz von kohlens. Kali zu einer Lösung von Sublimat 
und Salmiak aä (schmelzbarer Präcipitat, Chlormercurammonium) ; weiss, in Wasser 
kaum, in Weingeist nicht löslich, leicht in überschüssiger Salzsäure u. a. Säuren ; 
öfters verfälscht mit Kreide, Gyps, kohlens. Blei. 

Wirkungen die der scharfen Mercurialien, z. B. des Sublimat, doch wenig 
bekannt; sonst auch innerlich bei Syphilis angewandt, gr. V 4 — j P- d., jezt 



1 Troehisci e minio, Trochisques minium: S. 8 Th., Mennige 4, Brodkrumen 32, daraus 3— 4gr. 
schwere T. verfertigt-, in Frankreich zum Aezen benüzt, auch von Fistelgängen (Negrier). 

2 Suchanek, Hebra rühmen sie z. B. b. syphil. Hautübeln, alle 2 Tage 1 Bad, allmälig %ß— j S. 
aufs Bad; bei Prurigo Bärensprung (zu 5jj); bei Kräze nimmt Devergie 5jj— jjj, und lässt die 
Kranken 1—1 V2 Stunden drin. Solche Bäder, oft mit Salmiak oder gleichzeitig mit andern 
Q.Curen standen früher bei Secundärsyphilis , Syphiliden, Psoriasis, Lepra, Gicht u. a. in Ge- 
brauch (Kopp, Wedekind, Purmann, Fricke); man gab meist 15—20 Hader. Baume applicirte 
S. bei Syphilit. sogar in blossen Fussbädern (2stündigen), Rayer im Klystier. Doch wirkt wohl 
S. in all diesen Voll- wie Theilbädern nur örtlich , da so gut wie kein S. in den Körper tritt ; 
anderseits kann unter Umständen, z. B. bei blossgelegtem Corium, wunden Hautstellen auch 
Speichelfluss, selbst Vergiftung entstehen. 



Quecksilber. 75 

obsolet. Aeusserlich wie Sublimat, Q.oxyd bentizt (wirkt aber schwächer), 
bei chron. Ophthalmie en, Augenblennorrhöen, Leucomen; am häufigsten bei 
chron. Hautaffectionen, Kopfgrind, Kräze, Impetigo, Geschwüren. 

Dosis u. s. f. wie bei Q.Oxyd; bildet einen Bestandtheil in Jasser's, Zeller's 
Kräzsalbe, im Ungut, mercur. s. Hi alb. Werlhofii, 3j au f U Fett 1 ; dem Volk 
dient er zur Vernichtung der Läuse. 

6. Hydr. jodatum flavum, Q.Jo dür , Halb-JodQ., Jodet, hydrar- 
gyros., Protojoduret. s. Subjoclid. Mercurii. Dargestellt durch Fällen einer Lö- 
sung von Salpeters. Q.Oxydul mit Jodkai., durch Zusammenreiben von Q. mit 
Jod und wenig Alcohol; grünlichgelb, löslich in Jodkailösung, Aether, nicht in 
Wasser, Weingeist ; hält meist Q.Jodid (zu entfernen durch Weingeist), zersezt 
sich auch in der Wärme durch Eiweiss, Fette u. a. organische Stoffe leicht in 
Q.Jodid u. Q. 

Wirkt schon in mittlem D., gr. 20 — 30 scharf reizend, kann sogar Magen- 
und Darmentzündung machen (Cogswell), weiterhin Salivation u. s. f. Inner- 
lich wie äusserlich benüzt bei Scrofulose, Syphilis, zumal Scrofulöser a und 
der Kinder (Lugol, Biett, Ricord), bei Psoriasis, Lupus, Favus, Impetigo, 
Acne, Frambösie, alten Fussgeschwüren u. dergl. 

Man glaubte, das Jod wirke gleichfalls dabei; doch sind seine Wirkungen 
nur die des Q., und schon wegen seines häufigen Gehalts an Q.Jodid unsicher; 
soll übrigens doch öfters Kropf heilen, auch wo Jod nichts leistete (G. Jäger). 

D. gr. j, mehrmals tägl., bei Kindern gr. V 6 — V 3 5 ^ ast nur * n Pillen, 
selten als Pulver. 

Protojod. Merc. gr. vj Extr. Guajaci gr. 48 Extr. liquir. $ß f. pil. 48 (Ricord, 
b. Syphilis der Kinder). 

Aeusserlich ausser obigen bei serpiginösen Geschwüren, Tumor albus benüzt, 
bei Neuralgieen (Scott), als Salbe, 3j— 3J auf |j— jj Fett, gr. 10—15 p. Tag; 
wird die Salbe orangegelb, so hält sie Jodid, wirkt dann noch schärfer reizend 
als sonst, selbst äzend; macht auch bei grössern Mengen, auf grössere Flächen 
applicirt oft Speichelfluss. 

Ungut. Hi jodati (Cod. Hamb.) : 3j auf ^j Fett. 

7. Hydr. bij odatum rubrum. Q.Jodid, H. perjodat., Jodet, hydrar- 
gyric, Deutojoduret. s. Bijodid. s. Perjodid. Hi, Zweifach- (jezt Einfach) - JodQ. 
Dargestellt durch Fällen von Sublimat mit Jodkai., auch durch Zusammenreiben 
von Q. mit Jod und Weingeist; öfters verunreinigt durch Zinnober; roth, beim 
Erhizen gelb, in Wasser nicht oder kaum löslich, löst sich in Weingeist, in Lö- 
sung von Jodkai., Kochsalz, in Alkalien, Q.Salzen, Fetten, fetten Oelen, auch 
Leberthran. 

Wirkt örtlich scharf reizend, selbst äzend, wie Sublimat, und im Uebri- 
gen wie alle Mercurialien. Innerlich öfters benüzt wie Sublimat, Q.Jodür 
bei scroful., syphil. Leiden, chron. Hautkrankheiten, Lupus, Rheumat. u. a. 
D. gr. 1 l i2 — Ye, gelöst in Weingeist, Aether. 

H. bijodat. gr. xjj Spir. vin. ^j ; 10 — 15 Tropfen in Wasser und Wein z. n. 

Man kann auch Q.Jodid ex tempore bereiten, z. B. Q.Sublimat gr. jj, Jodkai. 
5/? in ^8 Wasser, 1 Kaffeelöffel p. d. Pulverform eignet sich weniger für ein so 
heftig wirkendes Mittel; für Pillen mischt man seine Lösung in Weingeist q. s. 
mit Rad., Extr. Liquirit. u. dgl. ; Barnes gibt es in Leberthran , Wells z. B. gr. 
Vi 2 P- d. auf 3>j Thran in Gallertkapseln, auch mit Jodeisensyrup ; Füller rühmt 
es sogar bei Epilepsie (duroh Schädelverlezungen) wie bei Taubheit durch Altera- 
tionen der innern Hörorgane. 

1 In England auch mit Seife applicirt, bei Corneageschwüren z. B. gr. j— jj mit 3j Fett u. 
gr. 5—6 Zinkoxyd; bei Augenblennorrhöen der Neugeborenen (Fischer): Axung. rec. 5j Cerae 
alb. gr. jv liquef. et triturendo semirefrigerat. adde M. praec. albi gr. jjj— jv; 2— 3mal tätlich 
in's äussere Augenlid samt Umgebung eingepinselt, die Lider mit schleimigen Augenwassern 
oft gereinigt. Bei Kopfgrind Hessen Heim, Itzigsohn in den zuvor mittelst Fett, Seifenwasser 
u. s. f. gereinigten Kopf 3jj mit 3vj Fett reiben, nur eine kleine Stelle auf einmal. 

2 Deshalb gibt man es oft zugleich mit Jodkai., z. B. Q.Jodür 3j Kai. jod. 5jjj Extr. & Pulv. 
Liquir. q. s. f. Pil. 60 (Hebra) ; ist Kicord's Lieblingsmittel bei Syphilis, doch wie die meisten 
Lieblinge ohne sonderliches Verdienst. Sigmund streut es wie Calomel auf Chankergesehwüre. 



76 Quecksilber. 

Aeusserlich bei scrofulösen, syphilit., krebsigen Geschwüren, Tinea, Pso- 
riasis, Lupus, Liehen, Leucom, chron. Blepharitis, Neuralgieen u. a. (Scott, 
Romberg). 

D. gr. j auf 3/?— j Fett, bei Kropf z. B. 1 Th. auf 50 Fett (Monat); um stark 
zu wirken 1 Th. auf 5—10 Fett, 3J au f 1J '•> hei Geschwüren, Lupus auch als 
Paste, z. B. 3/? — j auf |/J Süssmandelöl und Axungia (Biett, Bazin, Cazenave); 
man bepinselt damit alle 6—8 Tage nur eine kleine Stelle auf einmal , um hef- 
tigere Reizung zu meiden ; Flechten, Kräze bepinselt man auch mit einer Mischung 
von 3J— Sj au f ?j Wasser. Landerer nezt Tabak (Nicotinfreien) mit ätherischer 
Q.Jodidlösung, und lässt Cigarren draus bei syphilit. Rachengeschwüren, Ozäna 
rauchen. 

Ungut. Hi bijodati (Cod. Hamb.) : 3j auf Jj Axung. 

Q.Jodid bildet wie alle schwer- und unlöslichen Q.Präparate nach Bouchardat 
mit Jodkai. ein Doppelsalz * , Jodmercur Kalium , Hydrargyro- Jodidum 
Potassi, H. bijodat. c. Kalio jodato, Jodo-Hydrargyras Potassii (s. Jodkai.), in 
Wasser u. a. leicht lösl.; bei Syphilit. benüzt, in Lösung, als Pillen (Puche u. A.); 
D. wie bei Q.Jodid a . Channing gab wesentlich dieselbe Verbindung bei Tubercu- 
lose, Gibert als Syrup u. Specific, par excellence b. Syphilis., Syphiliden, Knochen- 
affectionen, Scrofeln, Q.Jodid 1 Th., Jodkai., Wasser aä 50 auf 2400 Syr. Sacch., 
1 — 2 Esslöffel tägl., als Pillen mit Arab. Gi , Honig. Aeusserlich wie Sublimat 
zu Verband-, Augenwassern, Injectionen (Bewley, Evans u. A.). 

Q. Chlorjodür, Chlor joduret. Mercurii, ChlorjodQ. , Jodum 
chlorat. hydrargyrat, Joduret. Chloridi Mercurii, H. bijodat. c. Chlorido Mercurii. 
Längst durch Einwirken von J. auf Q.Chlorür dargestellt, und als Jodure de 
Chlorure mercureux von Boutigny, Rochard, Sellier, Devergie u. A. theilweis 
als Geheimmittel benüzt, z. B. wie Höllenstein in Cylinder gegossen, als Salbe 
u. s. f. , 1 Th. auf 10 — 20 Fett; auch innerlich als Pillen, Syrup bei Drüsen, 
scroful. Geschwüren und Ophthalmie, Secundärsyphilis , Acne rosacea, Psoriasis, 
Mentagra, Lupus, Krebs 3 . Wirkt örtlich mehr oder weniger reizend, selbst 
äzend , ohne jedoch mehr zu leisten als z. B. Q.Jodid oder Sublimat. Dosis u. s. f. 
wie bei diesen. 

H. bromat, Q.Bromür, Bromet. Hi, Einfach-BromQ. , bereitet durch 
Fällen von Salpeters. Q.Oxydul mit Bromkai., auch durch Sublimiren von Q. 
und Brom; weiss, unlöslich in Wasser, Weingeist. Wirkt wie andere milde 
Mercurialien, z. B. Calomel; Brom selbst scheint somit zu keiner Wirkung zu 
gelangen. In mittlem Dosen, gr. 6—10 macht es Durchfall, oft mit Colik- 
schmerzen, Eckel; selten versucht, bei Syphilis, Croup, Hepatitis u. a. etwa 
wie Calomel. D. gr. j — jj mehrmals des Tags, als Laxans gr. v — vj, als Pulver, 
Pillen. 

H. bibromat. s. perbromat, Q.Bromiä, Bromidum s. Deutobromuret. 
Hi, Doppelt-BromQ., erhalten durch Lösen von Q.Oxyd in Bromwasserstoffsäure, 
durch directe Vereinigimg bei Siedhize u. s. f.; glänzendweiss, krystallinisch, 
schwer löslich in Wasser, leicht in Weingeist, Aether. Wirkt örtlich wie Subli- 
mat, schon zu einigen Gran scharf reizend, selbst äzend, mehr als Q.Jodid. 
Bei Vergiftung damit wäre Eiweiss u. s. f. wie bei Sublimat zu geben (Höring). 
Selten benüzt bei Syphilis, Tinea, wie Sublimat. D. gr. Vie, allmälig steigend; 
am besten gelöst in Wasser, z. B. H. perbromat. gr. jj Äq. destill, ^jj täglich 
15 [ — 100] Tropfen; auch gelöst in Aether, Weingeist. Aeusserlich bei syphilit. 
u. a. chron. Hautaffectionen , bei Kopfgrind, wie Q.Jodid, Sublimat. 



i Schon Fricke/and, dass Calomel bei mit Jod behandelten Kranken auf's Auge gebracht 
heftige Entzündung* mache. 

2 Auch eine Verbindung des Q.Jodid mit Morphin soll höchst intens wirken (Bouchardat); 
s. Q.Chlorid. 

3 Rochard's Salbe: Jod gr. 7 Calomel 3 j Ungut, simpl. §/?— jj. All diese Präpai-ate sind keine 
feste chemische Verbindung; je nach seiner Menge u. s. f. zersezt Jod das Q.Chlorür bald ganz, 
so dass nur Q.Chlorid und Jodid entstehen, bald bleibt Q.Chlorür unzersezt, und der Rest ver- 
wandelt sich in Q.Jodür mit wenig Jodid; deshalb war seine Farbe bald roth, bald röthlich 
gelb, und seine Wirkung bald äzend bald nicht. Durch Kochen von Q.Chlorür mit Wasser und 
allmäligen Zusaz von in Weingeist gelöstem Jod scheint man aber eine constantere krystallin. 
Verbindung von Q.Chlorid und Jodid zu erhalten (Dannecy, Parens, Soubeiran und Planche): 
scharlachroth, löslich in Weingeist, nicht in Wasser; wirkt äzend, und durch Zusaz z. B. von 
Calomel, Fetten n. a. lässt sich seine Wirkung nach Belieben massigen. 



Quecksilber. 77 

Auch von Q.B romchlor id und Kranke behandeln damit ist bereits die 
Rede (St. Martin); krystallin., flüchtig, wirkt etwa wie Q.Bromid. 

H. cyanat. s. bieyanat, CyanQ., H. borussic. , Cyanuret. Mer- 
curii, durch Lösen von Q.Oxyd in verdünnter Blausäure erhalten; weiss, kry- 
stallin., luftbeständig, schwer löslich in Weingeist, leichter in Wasser, bes. 
kochendem. Wirkt reizend, doch nicht stark; macht leicht Erbrechen, in grös- 
sern Dosen sogar Magen- , Darmentzündung. Verbindet sich im Magen (wie 
Sublimat) mit Eiweiss, scheint aber theilweis zersezt zu werden und jezt wie 
Blausäure zu wirken (Letheby) ; jedenfalls kann es wie diese Convulsionen, 
Athemnoth, Ohnmacht, Tod an Erstickung bewirken (Ollivier, Orfila, Coulon, 
Pelikan) ; auf kleine Dosen entsteht oft Speichelfluss. Da es kein Gegengift gibt, 
wäre das Verfahren bei Vergiftung nach vorgängiger Entleerung ein symptoma- 
tisches. Man gab es bei Syphil., Neuralgieen, syphil. Knochenschmerzen, Leber- 
leiden u. a. ; soll hier dem Sublimat gleichkommen, ohne doch ebenso zu reizen 
(Brera, Chaussier, Parent U.A.). D. gr. 7*2 — 7t, mehrmals tägl. , in wässriger 
Lösung; z. B. gr. jjj Aq. dest. ^jv Tct. Op. 3j, 2 Esslöffel tägl. (Mendozza, De- 
martin), als Pillen, Pulver; änsserlich bei syphil. Rachengeschwüren, syphil. u. 
chron. Hautleiden, Eczema, Acne u. a., bei Blepharitis, Conjunctivitis, gr. 15 — 20 
auf ^j Fett, gr. j — vj auf ^j Wasser. 

H. oxydulat. nigrum (purum), Oxydum hydrargyros. , Q. 
Oxydul: erhalten durch Fällen von Salpeters. Q.Oxydul mit Kali ; auch durch 
Zersezen von Calomel mit Kalilauge, als M e r c. n i g e r M s c a t i. Schwarz, oft 
grünlich, unlöslich in Wasser, Weingeist; wenig beständig, zerfällt durch Rei- 
ben, Sonnenlicht, Erhizen in Oxyd und metall. Q. Wirkungen, Dosis wie bei 
Calomel. Als unsicheres Präparat innerlich nicht benüzt; äusserlich mindestens 
überflüssig. 

H. oxydulat. nitricum ammoniacat. Salpeters. Q.O x y d u 1- 
Ammoniak, H. ammoniato - nitric. oxydulat. , Merc. solubilis Hahnemanni, 
Nitras hydrargyroso-ammoniacus s. ammonicus c. Oxydo hydrargyroso : erhalten 
durch Zusaz von Ammon. zu Salpeters. Q.Oxydul ; besteht aus gefälltem Oxydul 
mit etwas Salpeters. Ammon. ; schwarz, pnlverförmig, löslich in Essigsäure (daher 
sein Beisaz solubilis), nicht in Wasser. Wirkung, Gebrauch, Dosen wie bei Ca- 
lomel : fast obsolet. Eulenberg rühmte es wieder bei Augenentzündung Neuge- 
borner, gr. 1 mit gr. 100 Milchzucker, eine Federmesserspize voll p. d. ; bei Pocken 
im Eiterungsstadium. 

H. phosphoric. oxydulat., Phosphors. Q. Oxydul, Merc. phos- 
phorat., Phosphas hydrargyros., bereitet durch Zerlegen des Salpeters. Q.Oxydul 
mit phosphors. Natron ; weiss , unlöslich in Wasser ; hält oft Q.Oxyd , daher 
unsicher. Wirkungen die eines milden Q.Präparats; scheint sich wie auch Oxy- 
dul im Magen theilweisLin Q.Chlorür zu verwandeln ; sonst wie Calomel benüzt, 
z. B. bei Syphilis. ^ 

H. nitric. oxydulat., Salpeters. Q.O x y d u 1 , Merc. nitros., Nitras 
hydrargyros., weiss, krystallin., löslich in wenig destill. Wasser, zerfällt durch 
Ueberschuss von Wasser in ein lösliches saures und ein unlösl. bas. Salz; Liquor 
Hi nitrici (oxydulati) Pharm. Boruss. Wirtemb. u. a. (Liq. Mercurii nitrosi), 
die Lösung in Salpetersäurehaltigem Wasser, statt des alten Liquor (Aqua) Bel- 
lostii, welcher viel Salpeters. Q.Oxyd enthielt. Wirkt schärfer reizend als die 
vorigen, kann in grössern Dosen Gastritis veranlassen. Selten mehr benüzt, bei 
Syphil. etwa wie Sublimat (Sundelin). D. gr. 1 /s— 1 /2, steigend , vom Liquor gtt. 
jj — vj, gehörig verdünnt, in schleimigen u. a. Flüssigkeiten. Aeusserlich wie Subli- 
mat, als Lösung, Salbe, z. B. in Dupuytrens antiherpet. Salbe * Th. mit 4 Fett, 
etwas Rosenöl. Sehr concentrirt wirkt auch der Liquor Hi nitr. äzend (vergl. 
Salpeters. Q.Oxyd) ; gtt. 12 mit Tannin gr. v Fett 3ß braucht Vinot als «Nitro- 
tannate de Mercure» bei alten syphil. Geschwüren. 

H. acetic. oxydulat., E s sigs. Q.Oxy dul, Merc. acetat. , Acetas 
hydrargyros.; in Wasser wenig löslich, zersezt sich in feuchtem Zustand leicht; 
wirkt reizend, besonders bei Gehalt an Q.Oxyd; obsolet, sonst bei Syphil., 
gr. 74— j, als Pulver, Pillen, äusserlich als Waschwasser, Salbe. H. sulphuric. 
oxydulat., Schwefels. Q. Oxydul, fast niemals benüzt ( Santonsaures 
Q.Oxydul s. Wurmsamen). 



7 g Quecksilber. 

8. Hydr. oxydat. rubrum, Q.Oxyd, rothes, Rothes Q.Prä ci- 
pitat, M. praecipitat. ruber, Oxyd, hydrargyric. Erhalten z.B. durch Erhizen 
von Salpeters. Q.Oxyd oder Oxydul; durch Fällen des erstem, auch aus Sublimat 
mit Kali (als sog. via humida präparat.); roth (das beim Pulvern gefällte gelb), 
kaum etwas löslich in Wasser, gar nicht in Weingeist. 

Wirkt örtlich scharf reizend, wie etwa Sublimat, macht in grössern Dosen 
Gastritis 1 . Sonst bei inveterirter Syphilis benüzt, jezt selten mehr; D. gr. 
y 8 _y 4? steigend bis gr.j, als Pulver, Pillen, meist mit Opium, auch Schwefel- 
antimon. 

Scheint minder bedenklich als Sublimat; Berg gab es bei der nach ihm 
benannten Curmethode mit schwarzem Schwefelantimon als Pulver, gr. V 8 P- <*., 
2mal tägl., mit Tisanen, milder Diät ; Richter als Pillen : Hydr. oxyd. rubri gr. jv 
Stib. sulph. nigri %ß Extr. Chaeroph. silv. 3jjj Sacch. aqua sol. et Rad. liquir. 
pulv. q. s. f. pil. 150 ; tägl. 4mal 5 St. z. n. , allmälig 8 — 10. Auch Rigler fand 
es in der Levante nüzlich bei Secundärsyphilis , Melion u. A. bei hartnäckigen 
scrof. Geschwüren, Most bei Ischias. 

Aeusserlich öfter benüzt, z. B. bei chron., zumal scroful. Blepharitis, 
Conjunctivitis, hier die Salbe öfters auch Abends eingestrichen, um das Ver- 
kleben der Augenlider zu hindern; bei Ophthalm. neonatorum, Leucom. 
Mehr concentrirt, selbst als milderes Aezmittel bei Geschwüren, alten Chan- 
kern und Bubonen, eiternden Flächen, chron. Hautaffe ctionen, Tinea u. a., 
bei Caries, zum Aezen von Excrescenzen, syphilit. Warzen, Tuberkeln, Condy- 
lomen, vergifteten Bisswunden. 

Als Aezmittel wirkt er selten tief genug ; dafür macht er wenig Schmerzen? 
beschränkt seine Wirkung auf die gewünschte Stelle. 

Dosis, Form wechseln je nach dem beabsichtigten Grad der Wirkung, nach 
der Applicationsstelle : für die leichtern Wirkungsgrade gr. j, für die stärkern 
gr. 5 — 10 auf 3J Fett; Augensalben sezt man gerne etwas Wachs, Opiate zu, 
oder nimmt als Excipiens Ungut, leniens, sog. Cold-cream ; bei Leucom der Cornea 
auch als Pulver, 1 Th. mit 8—15 Zucker eingeblasen, aufgepinselt, bei Diphtherit. 
in den Rachen. Zum Aezen am besten als Pulver applicirt, gr. 10 — 20 je nach 
Grösse der Stelle, auch mit Alum. ust. u. a. 

Ungut. Hi rubrum Ph. Bor., Ungt. s. Balsam. Ophthalmie, rub- 
rum Ph. Sax. u. a. : gr. 10 auf ^j Ungu. rosat. ; überflüssig, zersezt sich bald. 
Aehnliche Mischungen waren Bals. ophth. St. Yvesii, mit Kampher, Zink- 
oxyd, Pomade de Regent, de Desault, mit Bleizucker, Alaun, Sublimat. 

9. H. nitricum oxydatum, Salpetersaures Q. Oxyd, Nitras 
hydrargyricus. Bios als saures Salz in flüssiger Form benüzt, als Liquor Hydr. 
nitrici oxydati s. Supernitratis Hi, erhalten durch Ächen von Q. in über- 
schüssiger Salpetersäure ; nicht offic, war aber im alten Liquor Bellostii enthalten. 

Wirkt stark äzend, tiefer als Höllenstein, nähert sich dem Sublimat, 
wird auch im Magen u. s. f. in Q.Chlorid verwandelt; macht grosse Schmerzen 
und bildet einen weissen, später gelb sich färbenden Schorf. 

Man sah auf die äusserliche Application hin Speichelfluss , auch Harnver- 
haltung entstehen (Syme u. A.). 

Sonst bei Syphilis auch innerlich benüzt, gtt. j — jj p. d., in Pillen. Jezt 
dient jene Lösung blos äusserlich als Aezmittel bei Krebs, Chanker, Biss 
wüthender Hunjje, Diphtheritis, Excoriationen des Muttermunds, Carbunkel, 
Herpes exedens, Lupus, Excrescenzen, Condylomen, Psoriasis, Ichthyosis, 
Tinea, Acne und ähnlichen Hautleiden, bei Rothlauf (Biett). 

Sehr verdünnt mit dest. Wasser, gtt. 1 — 2 auf Jjv von Chardon bei Urethral- 
catarrh, Tripper injicirt; bei Zusaz von viel Wasser scheidet sich aber basisch 
Salpeters. Q.Oxyd aus. Zum Aezen sollte nicht der offic. Liquor, welcher viel 
Wasser enthält, sondern das Salz selbst mit Salpetersäure benüzt werden (Nitrate 



1 Im Magensaft scheint es sich unter Umständen theilweis in Chlorid umzusezen (Buchheim, 
Oettingen). 



Antimon. 79 

acide de Mercure Ph. Gall.) \ Hebert's Seife, Sapo mercurialis Hebert i, 
saures Salpeters. Q.Oxyd (und Oxydul?) mit Talg und Aez-Natron, bei Hautkrank- 
heiten (s. oben) aufgestrichen 2 ; dasselbe Salz mit Essig dient zum Zerstören von 
Warzen u. a. (Vinaigre fondant). 

Ungut. Hi citrinum s. Merc. nitrosi, nicht offic. : eine Verbindung 
des sauren Salpeters. Q.Oxyds mit Fett, Olivenöl u. a., auf verschiedene Weise dar- 
gestellt (Ungut. Mercur. nitrici Ph. Austr. 1 Q. in 2 Salpetersäure gelöst, 
mit 12 Fett, in Papierkapseln gegossen). Meist bildet sich dabei basisch Salpeters. 
Q.Oxydul , später metall. Q. , Fettsäuren , eläin- , margarins. Q. Scharf reizend, 
gelind äzend ; selten benüzt bei chron. Hautaffectionen, Kopfgrind, Kräze (hier in 
Frankreich, Piemont oft misbraucht), bei torpiden Geschwüren, chron. Blepharitis, 
für sich oder z. B. mit Süssmandelöl u. dgl. Ungut. Plenkii, ein älteres Präparat 
aus Ungt. merc. citrin. ^j Merc. praecip. rubr. 3j Axung. %ß ; sonst z. B. bei 
Prurigo pudendorum, ani, Afterfissuren u. a. angewandt. 

H. oxydat. s ubsulphur i c. , Basisch schwef eis. Q. Oxyd, Sub- 
sulphas Hi flavus, früher als Turpethum minerale (Mercur. präcipit. flavus) 
innerlich und äusserlich benüzt. Wirkt scharf reizend, macht schon in kleinern 
Dosen heftiges Erbrechen, diente so besonders als Emeticum, gr. jj — jv p. d., als 
Niesmittel, ferner bei Syphilis, Aussaz u. a. Liesse sich äusserlich verwenden bei 
Geschwüren, Hautübeln, z. B. als Salbe 1 Th. auf 10 — 15 Fett; 1 Th. mit 2 
Schwefel , 15 Fett (Cazenave , b. chron. Eczem) ; als Aezmittel in Pulverform. 

H. oxydat. phosphoricum, carbonicum, boracicum, ace- 
ticum, tartaricum, phosphor-, kohlen-, borax-, essig-, wein- 
saures Q. Oxyd: alle wirken scharf reizend , überhaupt mehr oder weniger 
wie Q.Oxyd, Sublimat, wurden auch da und dort wie diese benüzt, zumal bei 
Syphilis, z. B. phosphors. Q.Oxyd für sich oder gelöst in Phosphorsäure (Bucholz), 
gr. V 4— V 2 P- d-, von der sauren Lösung gutt. 5 — 10; essigs. Q.Oxyd scheint den 
Hauptbestandtheil der Keyser'schen Pillen gebildet zu haben, mit Manna; wein- 
saures Q. war ein Hauptbestandtheil des sonst beliebten Liqueur de Pres- 
s a v i n (Eau vegeto-mercurielle) , dargestellt durch Lösen von Q.Oxyd in Wein- 
stein in der Wärme. 

2. Antimonium, Stibium, Spiessglanz. 

Wirkungen. 1. Regulin. A. scheint auch in grössern Dosen unwirksam. 

Soll öfters Durchfall, selbst Gastritis machen können (Plenk), wohl nur in 
Folge fremdartiger Beimengungen wie Blei, Arsen, von welchen sich A. nur schwer 
reinigen lässt, oder löste sich eine ungewöhnlich grosse Menge A. im Magen auf. 
Verflüchtigt und als Dampf, also grossentheils oxydirt eingeathmet macht A. 
Husten, Stickanfälle, Bronchien catarrh , Bronchitis. Wirkt es längere Zeit auf 
Haut, Athmungsorgane , tritt es von hier in den Körper , wie z. B. bei Metall- 
arbeitern, so scheint oft chron. A.Vergiftung entstehen zu können; doch mag 
auch sie theilweis durch beigemischtes Arsen, Blei bedingt sein. 

So unwichtig A. selbst in therapeut. Hinsicht ist, so zahlreich waren seine 
Ppte, und sind es noch jezt; Brechweinstein, etwa mit A.Chlorid könnte wohl sie 
alle ersezen. Im Allgemeinen wirken sie um so intenser, je löslicher sie als 



1 Condylome äzt z.B. Ricord mitH. oxydat. nitric. 5j Acidi nitrici conc, Camphor. ^ gr. 15 
Spir. vini rect. 3j Cretae alb. gr. 10; auf alte syphil. Geschwüre bring-t Venot gtt. 12 Nitrate 
acide de mercure mit 5 grm Tannin, 30 grm Fett; bei hartnäckigen Geschwüren z. B. der 
Füsse dient in England eine Salbe aus H. nitrico-oxydat., Zinnober ^ä %ß Kreosot gtt. 20 Axung. 
rec. § 16, mit passender Lage u. s. f. Bei Lupus, Carbunkel, Muttermälern u. a. trägt Stratin 
eine Lösung desselben Salzes, |j Q. in §ji Salpetersäure mit dem Glaspinsel auf, dann Collo- 
dium drüber, nöthigenfalls später seine Sublimatpaste mit Arsen; öffnet auch Furunkel statt des 
Messers damit; Bennet äzt damit Vagina, Vaginalportion bei chron. Entzündung, Blennorrhoe, 
Wulstimg; Cloquet den gespaltenen Gaumen (den obern Winkel, allmälig abwärts); Godemer 
bei Asthma den Rachen; Radley führt das Salz als Pulver auf einer mit Fett bestrichenen 
Sonde bei Hydrocele ein, durch die Canülle des Troikart (Schmerz, Entzündung dabei seien 
geringer als auf Injectionen). 

2 Oleo-stearat des Q., bereitet durch Lösen der Q.oxyde in den betreffenden Fettsäuren, auch 
durch Mischen löslicher Q.Salze mit Seifenlösung (Jeannel, Monsel): flüssig, unlöslich in Wasser, 
löslich in Oelen, Alkalien, Darmsecreten; macht in grösseren Dosen Brechdurchfälle; von Venot 
b. Syphil. äusserlich als Salbe, l Th. mit 4 Fett, wie in Pillen innerlich benüzt, gr. 1/2 P- d. 



80 Antimon. 

Ganzes oder doch mit einzelnen ihrer Bestandtheile ; fast alle wirken örtlich 
reizend, und machen leicht Erbrechen. 

2. Kleine und mittlere Dosen auch löslicher Antimonialien wirken ört- 
lich wenig reizend, mehren aber die Absonderung der Darmschleimhaut oft 
bis zu Durchfällen. Schnell gehen sie in's Blut über; man findet sie in 
Blut, Harn, Leber, Nieren u. a. Ihre allgemeinen Wirkungen sind dieselben, 
mögen sie in Magen, Mastdarm, subcutanes Bindegewebe oder direct in's 
Blut gebracht werden. Diese Wirkungen betreffen zunächst das Nerven- 
system, besonders dessen Centralorgane und die vom N. vagus versorgten 
Theile, musculöse, contractile, Herz, Athemmuskeln, Kreislauf und verschie- 
dene Ausscheidungsprocesse (Budge, Ackermann u. A.). Es entsteht so 
Schwindel, Uebelsein, Erbrechen, Collapsus. Die Absonderung der Schleim- 
häute, besonders der Darm- und Bronchialmucosa wird vermehrt, desgleichen 
wie immer bei Eckel Speichel und Mundflüssigkeit 1 , Hautausdünstung, 
Schweiss; nach Manchen auch Harn, besonders dann, wenn weder Erbrechen 
noch Durchfälle, Schweiss eintraten. 

Schon in Folge dieser reichlichen Ausscheidung von Wasser u. s. f. aus der 
Blutmasse scheint die Imbibition, die Aufsaugung vermehrt zu werden. Anfangs 
tritt meist eine Beschleunigung des Pulses wie der Athemzüge ein (Ackermann), 
früher oder später sinkt die Energie der Herzcontractionen, die Arterien werden 
schlaffer, der Puls seltener, kleiner, selbst unregelmässig (Giacomini, Trousseau, 
Pidoux). Diesem entsprechend sinkt die Zahl der Athemzüge, z. B. von 24—16, 
selbst bis auf 6 p. Minute, vielleicht die Intensität des ganzen Athmungsprocesses. 
All diese Wirkungen des A. halten längere Zeit an , bis sich sog. Toleranz ein- 
stellt, so dass jezt auch neue Dosen keine merklichen Wirkungen mehr hervor- 
bringen, kein Erbrechen u. s. f. 

3. Wirken Antimonialien, auch die weniger kräftigen, z. B. Sülfüre 
lange Zeit durch ein, so entsteht Magen- und Darmcatarrh mit Metallge- 
schmack, Appetitmangel, Colikschmerzen, öfters selbst Stomatitis, Angina u. 
dergl. Die höhern Grade dieser Störungen bezeichnet man als chronische 
A.Vergiftung 2 . Der Kranke fühlt sich äusserst matt, hat meist Fieber, 
unter reichlichen Schweissen, wozu sich oft Hauterythem und Entzündung 
mit Pustelbildung (Herpes, Impetigo, Acne), auch Aphthen, Pusteln der 
Mundhöhle gesellen, schlimme Geschwüre u. s. f. 

Da und dort kann unter Zufällen der Erschöpfung, Schwäche, selbst Tod 
eintreten. 

4. Grosse Dosen löslicher Präparate bewirken eine acute Vergiftung: 
Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Schluchzen, Meteorismus mit grossem 
Schwächegefühl, selbst Stupor, Bangigkeit, Beklemmung, Schwindel, Collapsus, 
Ohnmacht (s. Brechweinstein). Beim höchsten Grade der Wirkung, z. B. 
durch Chlor A., durch grosse Dosen Brechweinstein kann völlige Gastroen- 
teritis, selbst mit raschem Uebergang in Brand und Tod die Folge sein. 

Doch ist lezteres nur selten der Fall, wenn anders A. durch Erbrechen als- 
bald wieder entleert wurde. In der Leiche: Gastroenteritis u. s. f., Pusteln auf 
den getroffenen Schleimhäuten; Lungenstase; oft fehlen aber alle Texturverände- 
rungen dieser Art, ein Beweis weiter, dass A. nicht sowohl örtlich z. B. auf 
Magen , Darmcanal als vielmehr durch Vermittlung des Nervensystems auf Herz, 
Muskeln, Kreislauf u. s. f. wirkt. Auch treten dieselben Wirkungen b. Appli- 
cation des Brechweinstein u. a. in's subcutane Bindegewebe, in Venen ein. 

1 Deshalb werden mehr Flüssigkeiten ausgebrochen als auf Ipeeacuanha u. a. Brechmittel ; 
meist reagirt das Erbrochene sauer. Auf Brechweinstein z. B. soll die Umsezung des Trauben- 
zuckers im Blut gestört und so der Gehalt des leztern an T. vermehrt werden (Coze)? 

2 Im medicin. Gelehrten-Jargon heisst sie auch Stibismus , Stibialismus (Saurel u. A.). Nie 
kommt es dabei zu jener tiefern Zerrüttung wie b. Quecksilber, Blei u.a.; doch soll b. Arbeitern, 
die mitA. zuthun haben, ausser obigen Beschwerden mit Schwerathmigkeit, Kopfschmerz u.dgl. 
besonders noch ein Schwinden des Geschlechtstriebs, selbst der Hoden, des Penis eintreten 
(Hiftelsheim, Lohmeyer u. A.). Deshalb sollen sich auch Mönche des A. bedient haben, um 
ihrem Keuschheitsgelübde zu Hülfe zu kommen, daher der Name Antimon; nach Andern, weil 
Mouche, denen Basil. Valentinus A. gegeben, statt fetter zu werden starben. 



Antimon. 81 

Verfahren b. acuter Vergiftung : je nach Umständen Beruhigung des Magens, 
des Erbrechens oder Fördern des leztern ; Eiweiss, Milch u. dgl. für den Augen- 
blick, dann Gerbstoffreiche Decokte u. a. (s. Brechweinstein); b. Collapsus wie 
sonst, Senfteige, Bäder, Wein u. a. 

Gebrauch. 1. Bei den verschiedensten Krankheiten, um Eckel, Erbre- 
chen, auch Durchfall zu erregen, und zugleich beruhigend, schwächend bei 
gewissen Zuständen der Aufregung im Nervensystem zu wirken 1 . Man gibt 
so zumal die leicht löslichen Antimonialien bei Magencatarrh, sog. Gastricis- 
mus, überhaupt um Magen- und Darminhalt zu entleeren; weiterhin bei 
Krampf, Convulsionen, Neuralgieen, Keuchhusten, Catarrh, Bronchitis, Croup, 
Pneumonie, Dermatitis, acut. Rheumatismus wie bei Typhus, Meningitis, 
Manie, sogar bei Aneurysmen des Herzens, der Aorta u. a. 

2. Die chronischen Wirkungen des A. , wie sie vielleicht bei längerem 
Gebrauch in Blutmischung, Ernährung, Stoffumsaz eintreten mögen, bezweckt 
man jezt selten mehr : so bei Scrofulose, Tuberculose, Syphilis, Gicht, chron. 
Hautleiden u. a. 

Quecksilber, noch mehr Jod, Leberthran haben hier A. grossentheils verdrängt, 
wie jene selbst einmal dem hygieinischen Heilapparat grossentheils werden weichen 
müssen. Dem Quecksilber, Jod steht A. nach Intensität wie Umfang der Wir- 
kung bedeutend nach, ausgenommen vielleicht als Brechmittel bei öfterer Wieder- 
holung, greift anderseits auch nicht so tief und feindlich in Stoffumsaz, Ernäh- 
rung des Körpers ein. Man gab daher A. den Vorzug in leichtern Fällen, auch 
wenn Quecksilber, Jod zu schädlich wirken könnten, wie b. Geschwächten, schlecht 
Genährten, am Ende schwerer Krankheiten, b. Mercurialcachexie u. besonderer 
Empfindlichkeit für d. Wirkungen jener Stoffe. 

Contraindicationen bilden Magen - und Darmentzündung , Geschwüre , über- 
haupt jede jDalpable Alteration der Verdauungswege. A.Präparate stören leicht 
die Verdauung; leidet sie deshalb schon zuvor, so passt A. nicht, ausser wenn 
man gerade durch Eckel, Erbrechen u. s. f. dabei wirken will. 

Gebrauchsregeln. Brechweinstein ersezt innerlich alle A.Präparate; manche 
dieser leztern sind schon in ihrer ehem. Zusammensezung nicht constant, zumal 
Sülfüre, wirken deshalb oft unerwartet heftig, wenn sie z. B. grössere Mengen 
A.Oxyd , lösliche Oxydsalze enthalten oder solche im Magen , Darmcanal sich 
bilden. Um dies zu hindern, meide man gleichzeitigen Gebrauch von Säuren, 
sucht übermässige Säurebildung im Magen durch Absorbentien , bittere Stoffe, 
Diät zu beseitigen , saure Magenflüssigkeiten zu neutralisiren. Man untersagt 
säuerliche Speisen , Getränke , Früchte , selbst Wein ; denn Wein- , Apfel- , Ci- 
tronensäure u. a. bilden mit A. leichtlösliche Salze, welche Uebelsein, Erbrechen, 
Durchfälle machen können. In hartnäckigeren Fällen dieser Art ist mit A. ganz 
auszusezen. 

A. s. Stibium metallic, Regulus Aii, Spiessglanzkönig : käuflicher hält meist 
Blei , Kupfer , Eisen , Arsen , Schwefel u. a. Sonst auf abenteuerliche Weise in 
Gebrauch als Pocula emetica, Becher aus A. , gefüllt mit Wein, welcher etwas 
A.Oxyd löste; als Pilulae aeternae : im Magen u. s. f. löste sich etwas A.Oxyd, 
die im Stuhl abgegangenen Kügelchen benüzte man wieder; obsolet, nur nicht in 
Frankreich (Trousseau). 

Sb. sulphurat. nigrum, Schwarzes Schwefelspiessglanz, Sulphuret. Aii nigrum, 
Dreifach-SchwefelA. , unrein in der Natur als sog. Grauspiessglanzerz ; fabrik- 
mässig dargestellt, schwarzgrau, gepulvert bräunlich, unlöslich in Wasser. 

Aeussert selbst in grossen Mengen, zu J/? und mehr oder in Wunden ge- 
dacht keine Wirkung (Rayer); Wasser, lange damit gekocht, macht oft Brech- 
durchfälle, weil A. theilweis oxydirt, gelöst wurde. Sonst benüzt bei chron. Haut-, 
Drüsen\Qiden , Scrofulose, Rheumat., Gicht, Metallcachexieen , Hydrargyrose , Sy- 
philis. Sc^int hier überall wenig oder nichts zu leisten ; auch benüzt man jezt 
statt seiner Goldschwefel. Früher das rohe SchwefelA. selbst als A. crudum in 
Gebrauch, welches grösstenteils seinem Gehalt an Schwefel, Arsen, Blei, Kupfer 

n-4-t "zo .^ n S e die Medicin als Schlotfeger wirkt, habe ich immer Vertrauen auf sie", sagt 
brotne (Briefe an Frau v. Stein); G. lebte in der humoralen Epoche der M. 
7. Aufl. q 



82 Antimon. 

u. a. seine Wirkungen verdankte; jezt ^höchstens noch in der Thierarzneikunde, 
b. Menschen aber das gereinigte pder durch Zusammenschmelzen von Schwefel 
und A. bereitete in Gebrauch, als Sb. sulph. nigrum laevigat. s. praeparat. D. 
gr. 6—12, mehrmals tägl. , als Pulver, mit Absorbentien , Aromaticis, auch in 
Trochisken, Pillen, Latwergen. 

Vordem als A. crudum zu manchen quacksalberischen Decokten, Tisanen, 
wie Decoct. lusitanic, Feltzii, Pollini benüzt, mit Sassaparille, Guajak, 
Sassafras u. a. abgekocht, b. denselben Krankheiten wie SchwefelA. Mögen nun 
auch solche Decokte nicht ohne Wirkung sein, so weiss man doch nie, welche 
Stoffe, welche Dosen man gibt. PuWis depurator. Jasseri: A. crud., 
Schwefelblumen, Salpeter, Rad. Iridis aa; sonst b. chron. Hautkrankh. benüzt; 
Morsuli antimoniales Kunkelii: Morsellen aus SchwefelA., Süssmandeln, 
Zimmt, Cardamomen. 

1. Stih. sulphur at. aurantiacum, Goldschwefel , Sulphur aurat. 
Antimonii, Sulphid. stibic, Oxyd. Stibii hydrosulfurat. aurantiac, A.Sulfid, Fünffach- 
SchwefelA.: Darstellung verschieden, nach Ph. Bor. Austr. durch Zusammenschmelzen 
von schwarzem SchwefelA. u. Schwefel mit Natroncarbonat , Kalk (nach andern 
statt der beiden leztern Natronlauge, auch schwefeis. Natron u. Kohle), Lösen der 
Masse in Wasser u. Fällen mit Schwefelsäure ; hält oft etwas A.Oxyd , selbst 
Arsen, mehr oder weniger je nach der Reinheit des Spiessglanzes u. der Zweck- 
mässigkeit der Darstellung überhaupt. Durch Luft , Licht scheidet sich etwas 
Schwefel (z. Theil als Schwefelsäure?) aus, und mehr A.Oxyd bildet sich; gelb- 
roth, löslich in caust. Alkalien, nicht in Wasser, Weingeist. 

Macht in grössern Dosen, gr. 15 — 20 Eckel, selbst Erbrechen, Durch- 
fälle. Seine Wirkungen hängen grossentheils von dem schon vorhandenen 
oder theilweis erst im Magen und Darmcanal sich bildenden A.Oxyd ab, 
sind daher nicht constant. 

Vielleicht tritt auch ein Theil des SchwefelA., sobald es sich z. B. in alka- 
lischen Flüssigkeiten löst, als solches in's Blut, und würde hier wie alle Schwefel- 
metalle oxydirt werden; jedenfalls geht nur wenig A. in's Blut, und langsam; 
die Schwefelsäure im Harn scheint dadurch vermehrt zu werden (Böcker, Cläre, 
Buchheim). Kleine Dosen scheinen ohne merkliche Wirkung im Stuhl abzugehen. 

Gebrauch : vorzugsweise als Expectorans, b. Bronchialcatarrh, Bronchitis, 
Croup, Keuchhusten, Asthma, in spätem Stadien der Pneumonie ; als Diapho- 
reticum, Alterans, Solvens bei Hautkrankheiten, Rheumat., Ischias, Gicht, 
Syphilis, Scrofulose, Hypertrophie der Leber u. a. 

Sein Nuzen scheint hier überall klein genug, und was man etwa von ihm 
erwartet, lässt sich durch kleine Dosen Brechweinstein ungleich sicherer, rascher 
erzielen. Auch Goldschwefel kann aber schon seiner Wirkung auf Magen, Darm- 
canal wegen nicht lange gegeben werden. 

D. gr. 1 — 6, mehrmals täglich 1 , als Pulver, selten als Linctus, Pillen. 

Oefter in Schüttelmixturen , z. B. abgerieben mit Zucker, einigen Tropfen 
Süssmandelöl und Syrup ; oft mit Neutralsalzen, Calomel, Bilsenkraut, Brechwurzel 
u. a. Zu meiden: alkalische, saure Stoffe, Eisen- u. a. Metallpräparate; auch 
Syrupe mit viel Schleim, z. B. Syr. Althseae fördern seine Zersezung, daher z. B. 
Syr. simplex bei Linctus vorzuziehen. 

Sulph. aurat. Antim. gr. xjj Calomel gr. vj Sacch. alb. 3J £ P urv - Div. in 
6 part. aeq. 4stündl. 1 Pulver. Stib. sulph. aurant. gr. xv Extr. gramin. J/J Syr. 
simpl. ^j Aq. fönic. Jjj; Kaffeelöffelweis. 

Sapo antimonialis s. stibiat, Spiessglanzseife , Sulphur aurat. Antimonii sa- 
ponat : bereitet durch Zusaz v. medicin. Seife zu Goldschwefel gelöst in Kalilauge ; 
variables Gemenge von SchwefelA., Schwefelkalium, antimons. Kali u. a., graulich 
bröckelig, in Wasser löslich, zersezt sich allmälig ganz. Sie wie ihre Läsung 
in Wasser mit Weingeist, Liquor saponis stibiati, Sulph. aurat liquid., 
Tinct. Antimonii Jacobi, unsicher, obsolet; sonst gab man die Seife zu einigen 
Gran p. d. in Lösung, Pillen; vom Liquor gtt. 10—20, für sich, in Mixturen. 



1 Jacobi u. A. geben stündlich selbst Kindern gr. j— jj, für sich oder mit Extr. Beilad., 
Chinin u. a. 



Antimon. 83 

2. Stib. sulphurat. r übe um, Mineralkermes, Sulphuret. Antimonii 
rubrum, Kermes mineralis, Rothes Schwefelspiessglanz, Rother Spiessglanzschwefel : 
Darstellung verschieden, nach Ph. Bor. Austr. durch Kochen von Schwarzem Schwe- 
felA. mit Soda und Abfiltriren des Niederschlags ; nach Ph. Dan. Norveg. als Pulvis 
stibicus durch Mischen von Goldschwefel und A.Oxyd; wesentlich ein Gemenge 
von Dreifach SchwefelA. mit A.Oxyd-Kali; braunroth, geschmacklos, unlöslich in 
Wasser, Weingeist, nur theilweis löslich in caust. Alkalien ; Pflanzensäuren bilden 
mit dem Oxyd leichtlösliche Salze. Nach Ph. Wirtemb. u. a. auch ein A.Sülfür, 
Kermes ohne A.Oxyd offic. 

Wirkungen etwas stärker als bei Goldschwefel, zumal bei grösserem 
Gehalt an A.Oxyd, macht leichter Uebelsein, Erbrechen u. s. f. Sonst wie 
Goldschwefel benüzt 1 , und noch heute z.B. in Frankreich, Italien; wie schon 
Rasori geben Manche K. statt Brechweinstein bei Bronchitis, Pneumonie zumal 
der Kinder, Greise, um den Magen mehr zu schonen. D. gr. y 2 — jj, mehr- 
mals täglich; sonst wie Goldschwefel. 

Bei Pneumonie u. a. öfter wie Brechweinstein in grossen Dosen als sog. 
Contrastimulans, z. B. gr. 15—30 p. Tag; Rasori gab z. B. b. Typhus gr. j— jj, 
1— 2stündlich, mit Salpeter! 

Calcaria sulphurato-stibiata s. stibiato-sulphurata , Kalkhaltige Spiessglanz- 
leber , Calx Antimonii cum Sulphure: bereitet durch Glühen von Schwarzem 
SchwefelA. mit Schwefel und Kalk; wesentlich SchwefelA. mit Schwefelcalcium ; 
graulich, in Wasser grossentheils löslich. Scheint concentrirt reizend zu wirken, 
im Uebrigen wie Goldschwefel; obsolet. Ehedem hat man aber b. Scrofulose, 
Hautaffectionen u. a. denselben Nuzen davon gesehen und gerühmt wie jezt von 
Jod, Leberthran u. a. D. gr. jj— jv, als Pulver, Pillen, meist im Absud, wobei 
grossentheils zersezt, 3j— jjj niit U 1—2" Wasser gekocht, Becherweise getrunken, 
mit Fleischbrühe u. a. Kali sulphurato-stibiat. s. Hepar Antimonii, Spiessglanz- 
Schwefelleber : von ihm gilt alles beim vorigen Angeführte in noch höherem 
Grade ; obsolet. 

Pulvis Antimonii composit., Jamespulver, Pulvis febrifugus Jacobi: durch 
Glühen von SchwefelA. mit Hornsubstanz , Knochen erhalten ; eine variable Mi- 
schung von A.Oxyd , Antimoniger Säure mit Aez- u. phosphors. Kalk ; weiss. 
Wirkungen sehr wechselnd je nach s. Gehalt an A.Oxyd; sonst, in England noch 
heute als Diaphoretic. benüzt, b. Rheumatism., Catarrhen, Fieber, Hautaffectionen, 
gr. 2 — 6 p. d. , als Pulver, Pillen, Bissen, oft mit den zwei Hauptmitteln Britti- 
scher Aerzte, mit Calomel und Opium. 

Stib. s. Antim. oxydat., A.Oxyd: dargestellt Ph. Bor. Austr. durch Lösen 
von Schwarzem SchwefelA. in Salzsäure, Fällen mit überschüssigem Wasser und 
Digeriren des Niederschlags mit kohlens. Natron ; weiss, pulverförmig, in Wasser 
kaum löslich. Macht Uebelsein, Erbrechen, in grössern Mengen Reizung, selbst 
Entzündung des Magens ; auch Brechweinstein wirkt nur durch sein A.Oxyd. 
Bei uns obsolet; früher, in Frankreich noch jezt in wechselnder Mischung mit 
SchwefelA. u. a. viel gebraucht, als Calx, Flores, Cinis, Vitrum, Cro- 
cus Antimonii, Pulvis Algarothi u. a., etwa wie Goldschwefel, Brech- 
weinstein , Kermes. Huxham z. B. rühmte einen weinigen Aufguss des Spiess- 
glanzglases als Diaphoret., b. Rheumatism. u. a. ; «nihil tarnen inveni praestantius, 
nihil melius, nihil tutius, nihil efficacius» sagt der alte Huxham. 

Kali stibicum , Antimonsaures Kali, Weisses oxydirtes Spiessglanz : bereitet 
durch Zusammenschmelzen von A. mit Salpeter , Auswaschen u. s. f. Ph. Bor. ; 
statt des alten A. diaphoret. ablut. ; von ihm gilt alles beim vorigen Ange- 
führte; obsolet. 

3. Tartarus stibiatus s. emeticus, Brechweinstein, Kali stibiato- 
tartaric, Stibio-Kali tartaric, Tartras kalico-stibic, Weins. A.Oxyd-Kali : dargestellt 
durchkochen von Weinstein mit A.Oxyd; lösl. in 14 Th. kaltem, 3 siedend Wasser, 
unlöslich in Weingeist, Geschmack süsslich, dann scharf, styptisch ; öfter vermischt 



4 Ursprünglich als Pulvis Carthusianorum, Kartliäuserpulver. Sog. Spiessglanzzinnober, 
Cinnabaris Antimonii, durch Behandeln einer wässrigen Lösung von A.Chlorid mit unterschwefligs. 
Natron erhalten, gleichfalls eine Verbindung von SchwefelA. mit A.Oxyd, carmoisinrothes 
Pulver; auch zu medicin. Zwecken empfohlen (Strohl). 



6* 



84 Antimon. 

mit Arsen , Eisen , Weinstein. Alkalien , Säuren , Gerbstoff fällen draus A.Oxyd ; 
Schwefelwasserstoff, Schwefelmetalle Schwefel A. l . 

Wirkungen. 1. Concentrin genug wirkt B. reizend auf Magen- und 
Darnischleimhaut wie auf die Haut, kann hier Schmerz, Entzündung veran- 
lassen mit Bildung von Variola-, Ecthymaähnlichen Pusteln 2 ; in Mundhöhle, 
Schlund, Magen können sich diphtherit. Flecke, dort selbst Aphthen, wirk- 
liche Pusteln bilden. 

B. sollte auch von der Haut aus resorbirt werden und seine allgemeinen 
Wirkungen sezen können (?) ; in seltenen Fällen soll z. B. Eckel , Erbrechen, 
Durchfall, auch Stomatitis, Speichelfluss (Griffith, Jackson) drauf folgen. Giaco- 
mini, Hutchinson wurden von Schlummersucht befallen, als sie die Hände wieder- 
holt in B.Solution getaucht; bei Kranken soll auf äusserliche Application des 
B. Schwindel, Collapsus u. s. f. entstehen (Duparcque, Guerin u. A.) 3 ? In wäss- 
riger Lösung scheint B. solche Wirkungen eher zu veranlassen , während er in 
fester Form mehr örtlich reizend wirkt. Vom Magen aus tritt B. sehr schnell 
in's Blut u. s. f.; man findet B., A. in Blut, Harn, Leber, Nieren, Gehirn, Fett 
u. a. (Orfila, Millon, Marchai de Calvi u. A.) 4 . 

2. Auf kleine Dosen (refracta dosi) von gr. yio — y 8 treten anfangs keine 
merklichen Wirkungen ein; erst bei wiederholter Application entsteht Uebel- 
sein, Schwächegefühl mit Bauchschmerzen und vermehrter Absonderung der 
Darmschleimhaut, Speicheldrüsen, wahrscheinlich auch der Bronchialschleim- 
haut, Leber, des Pancreas. Zugleich wird der Puls immer frequenter, schwä- 
cher, Eckel, Schwächegefühl grösser, die Haut bedeckt sich mit Schweiss, 
bis endlich Erbrechen meist mit Durchfall eintritt. Grössere Dosen, gr. jj — vj 
bewirken dieses ungleich rascher und "intenser. 

Alle Symptome der sog. Nausea samt Erbrechen u. s. f. weisen auf eine 
der Lähmung sich nähernde Behelligung der Nervencentra und des N. Vagus hin, 
werden mindestens durch diese vermittelt, und zwar vorzugsweise wie es scheint 
durch Störung ihres moderirenden Einflusses auf's Herz. Dessen Contractions- 
fähigkeit oder Energie sinkt , damit die Grösse des Blutdrucks (Lenz) , während 
die Geschwindigkeit der Herzcontractionen , die Pulsfrequenz steigt, parallel da- 
mit die Frequenz der Athembewegungen , und der Puls zugleich schwach , selbst 
unregelmässig wird (Ackermann) 5 . Mit dem Sinken des Blutdrucks, der Energie 
der Herzcontractionen ist eine andere Vertheilung des Bluts wie eine Verlang- 
samung seiner Strömungsgeschwindigkeit gegeben , zumal in den Capillargefässen, 
Venen. Die Haut des Gesichts, der Extremitäten wird blass, oft bläulich, deren 
Temperatur sinkt, oft mit allgemeinem Kälte- u. Schwächegefühl, Schwindel, Zit- 
tern der Unterlippe, selbst der Extremitäten, mit Sinken der Functionsfähigkeit 
des Gehirns u. s. f. fast wie bei Sterbenden. Gleichzeitig ist die Summe der 

1 Wässrige Lösungen desB. zersezen sich bald-, wie in andern Weinsäurehaltigen Lösungen 
bildet sich oft eine Alge, Sirocrocis stibica (Kützing). Alcohol hindert jene Zersezung (Harms). 

2 Die Lymphe der B.Pusteln sollte inoculirte Pusteln wie Vaccine veranlassen und wie diese 
gegen Variola schüzen (Bechstein)? B. als Pulver auf Pflastern applicirt bewirkt die grössten 
geteilten Pusteln, in wässriger Lösung kleinere, mehr runde; öfters folgt heftige Entzündung, 
Rothlauf, selbst Brand. Pusteln können sich auch am Scrotum, After u. a. von B. nicht be- 
rührten Stellen bilden. 

3 Vergl. die interessanten Versuche von Krimer, Horns Arch. 1816. Hunde, welchen Richard- 
son Ijß B. mit §4 Fett auf eine Wunde applicirte, verloren den Appetit, magerten ab, ohne sich 
zu erbrechen, und starben schliesslich an Inanition; Injection von 3j in §jj Aq. dest. in's Haut- 
zellgewebe dagegen hatte Zittern, Erbrechen, Durchfall, Collapsus und raschen Tod zur Folge. 

4 Orfila fand A. bei einem Hund, dem gr. 45 B. injicirt worden, noch 4 Monate nachher in 
Leber u. a. ; auch im Darmcanal der mit B. Vergifteten lässt sich A. oft noch nach Monaten 
nachweisen, indem derselbe durch B. wie z. B. durch Arsenik conservirt wird (Taylor). B. 
bildet mit Eiweiss u. s. f. keine Niederschläge, und geht wohl unverändert in's Blut über; nach 
Mialhe sollte sich durch Zersezung des B. mit den Chlorüren, Kochsalz u. a. der Magensecrote 
Chlor.A. und Salzsäure bilden. Seine Weinsäure scheint öfters schon im Magen in Kohlensäure 
umgesezt zu werden, z. B. im Erbrochenen (Mayerhofer) ; jedenfalls geht das weinsa^re Kali 
des B. im Harn als kohlens. Kali ab (Scherer, Zimmermann). 

s Während man seit Rasori u. A. fast nur von einer Verlangsamung des zuvor abnorm 
beschleunigten Pulses durch B. z. B. bei Fiebernden sprach, scheint er wenigstens auf kleine 
Dosen B., gr. i/ 5 — 3 constant frequenter zu werden, parallel dem Eckel wie der Grösse der B.Dosen, 
bis Eckel, Erbrechen nachlassen, und jedenfalls nie unter die normale Frequenz zu sinken. 
Nach dem Erbrechen tritt eine neue Beschleunigung ein, doch geringer als bei der ersten 
Steigung (Ackermann). 



Antimon. 35 

Ausscheidungen vermehrt, nicht blos durch Magen- und Darmschleimhaut (Er- 
brechen, Durchfall), sondern auch durch Lungen, Haut (Schweiss), Speicheldrüsen 
u. a. Der* gewöhnlichen Ansicht entgegen fand Ackermann den Harn vermindert, 
nicht vermehrt, und demgemäss die Harnstoffmenge, das specif. Gewicht grösser. 
Beim Brechact bläht sich der Magen auf (Magendie, Marshall Hall, Budge), 
der Pylorustheil schnürt sich zusammen , während Cardia , Zwerchfell , Schlund 
erschlaffen; die Bauchmuskeln ziehen sich zusammen, und schliesslich wird der 
Mageninhalt nach oben entleert. Auch hiebei ist der N. Vagus der Hauptver- 
mittler. Der Brechact selbst findet während der Exspiration statt, die Stimmrize 
ist dabei geschlossen, das Zwerchfell erschlafft. Im Allgemeinen treten die Wir- 
kungen des B. auf Nervensystem, Kreislauf, Schweiss u. s. f. um so stärker her- 
vor, je weniger Erbrechen, Durchfall; dies lässt sich bis zu einem gewissen 
Grad erzielen durch grössere Dosen, gr. 2 — 6 rasch aufeinander, in 24 St. 
gr. 15—30; denn nachdem meist auf die ersten Dosen Erbrechen, Durchfall ein- 
getreten , pflegen solche späterhin auszubleiben (sog. Toleranz). 

3. In grossen Dosen, gr. 20 — 40 und mehr pflegt B. stärker reizend 
auf Magen, Darmcanal und zugleich lähmend auf Nervencentra, Herz u. s. f. 
zu wirken; es entsteht Brennen im Schlund, Magen, Colik, heftiges Würgen 
und Erbrechen, oft mit Schluchzen, Athemnoth und allen Symptomen der 
Gastroenteritis; endlich können Schwindel, Sinken der Kräfte, Bewusstlosigkeit, 
Ohnmacht, Wadenkrämpfe, selbst Convulsionen, Delirien und Tod eintreten. 

Oft kommt es gar nicht zu Erbrechen , Durchfall ; dann pflegen die Wir- 
kungen auf Nervensystem, Kreislauf u. s. f. mit um so grösserer Intensität ein- 
zutreten, und Tod kann leichter die Folge sein. Nicht selten entstehen hier Bron- 
chitis, Pneumonie, dagegen keine Alteration des Magens, Darmcanals. Rasori, die 
Contrastimulisten Italiens machten zuerst diese Beobachtung an Kranken, z. B. 
b. Pneumonie, acut. Rheumat. Haben diese in 1 — 2 Tagen gr. 20 — 40 und mehr 
B. genommen , so entsteht oft kein Erbrechen und Durchfall mehr , dagegen 
grosse Schwäche, Schwindel, Sinken der Pulsfrequenz u. Körperwärme; der Puls 
sinkt oft auf 50 — 40, die Zahl der Athemzüge (b. Pneumonie) auf 10—15, sogar 
auf 6 (Trousseau) ; auch kann Erstickung eintreten durch Lähmung des N. Vagus 
u. s. f., z. B. bei Pneumonischen, Croupkranken. Dasselbe tritt zuweilen b. Ge- 
sunden ein, welche absichtlich oder durch Zufall B. Drachmenweise verschluckten ; 
wie bei andern Brechmitteln in solchen Dosen kommt es jezt oft nicht zum Er- 
brechen, wohl in Folge einer Lähmung des N. Vagus u. aller dazu erforderlichen 
Apparate. Oefters kann jezt der Kranke erst auf Zinkvitriol, Kochsalz mit Senf 
u. dgl. sich erbrechen. 

Obige Thatsachen begreifen sich aus der ganzen Wirkungsweise des B. und 
aus der auch b. Gesunden so verschiedenen Empfänglichkeit für s. Wirkung. 
Während z. B. Rasori u. A. oft 3j— jj P- Tag ohne schädliche Wirkung (?), selbst 
ohne Erbrechen gaben, brachten in andern Fällen schon viel kleinere Dosen den 
Tod *. Auch auf Wiederkäuer wirkt B. schwächer als z. B. auf Pferde. 

Verfahren bei B.Vergiftung: man fördere nöthigenfalls, bei mangelndem Er- 
brechen seine Entleerung durch Kizeln im Schlund, selbst durch die Magenpumpe. 
Als Gegenmittel gibt man Gerbsäure, welche den B. zersezt, Absud von China-, 
Eichen-, Weidenrinde, Galläpfeln, grünem Thee; doch lässt sich dadurch seine 
Wirkung nur schwächen, indem A.Oxyd troz seiner Verbindung mit Gerbsäure 
resorbirt wird, Erbrechen macht u. s. f. Magnesie, Alkalien, Schwefelverbindungen 
u. a. wirken aber noch weniger. Bei gelindern Graden der Vergiftung, Hypere- 
mese u. s. f., desgleichen wenn fast aller B. wahrscheinlich ausgebrochen, milde 
Getränke, Eiweiss, Milch, Opiate (auch bas. Salpeters. Wismuthoxyd: Trousseau), 
nach Umständen Eis, Limonade, Münz-, Anisthee, Brausemischungen, Frictionen, 
Sinapismen, b. Collapsus selbst Kaffee, Wein, Thee mit Rum, warmes Bad, Be- 
messungen; b. tieferen Alterationen des Sohlunds, der Verdauungsorgane Emul- 
sionen, Opiate, Bäder, Cataplasmen ; bei Stomatitis Alaun, Salzsäure, Silbernitrat u. a. 



1 In England besonders dienen jezt solche nicht selten zu absichtlichen Vergiftungen; die kleinste 
Dosis, welche Tod zur Folge hatte, soll gr. 10 gewesen sein (Webster); doch sahen z. B. erst 
kürzlich wieder Falot, Hulot schon auf 2—3 Dosen ä 3 gran heftige Vergiftungszufälle, und ein 
Studirender in Andral's Behandlung soll diesen schon auf 2 gran B. in Wasser nach 30 St. er- 
leben sein. 



36 Antimon. 

Gebrauch. B. wird theils in grösseren, rasch wiederholten Dosen schlecht- 
hin als Brechmittel oder schwächendes, beziehungsweise beruhigendes, seda- 
tives Mittel benüzt, theils in kleineren Dosen, um Eckel samt dessen Neben- 
wirkungen zu erzielen, diese und jene Absonderungen zu vermehren, die 
Aufsaugung zu fördern,' vielleicht auch Blutmischung, Stoffumsaz u. s. f. 
günstig umzuändern 1 . Man gibt so B. 1. als Brechmittel überall wo man 
Erbrechen, Entleeren des Mageninhaltes von Speisen, Flüssigkeiten, Giften 
u. s. f. für passend hält 2 . 

B. allein ist indess kein mildes, sicheres Brechmittel wie z. B. Ipecacuanha, 
Zinkvitriol; deshalb gibt man ihn in dieser Absicht meist mit ersterer, auch in 
Fällen, wo seine übrigen Wirkungen, Eckel, Durchfälle, Schwäche, Schweiss u. s. f. 
wünscnenswerth oder doch nicht bedenklich scheinen, kurz bei all den Krank- 
heiten, wo B. auch als Nauseosum, Sedativum u. s. f. benüzt wird. 

2. Als Nauseosum (zeitweise auch als Brechmittel), um die Absonderung 
der Magen- und Darmschleimhaut, Leber, Bronchialschleimhaut und Auswurf 
oder um Hautausdünstung, Schweiss, Aufsaugung zu fördern. So bei Gastri- 
cismus, Magen-, Darmcatarrh, sog. Status pituitosus, biliosus, Gelbsucht, 
mögen sie nun für sich, idiopathisch oder secundär, symptomatisch z.B. bei 
Krankheiten der Unterleibs- und Brustorgane, Typhus, Wechselfieber, acuten 
Exanthemen, Rothlauf, Rheumatismen, Gicht u.a. auftreten; ferner bei Bron- 
chialcatarrh, Lungenemphysem, Oedem, Bronchienerweiterung, Asthma, Keuch- 
husten, Lungentuberculose, Glottiskrampf wie bei Pneumonie, Bronchitis, 
Croup u. a., bei acuter wie chron. Wassersucht, Albuminurie, Pleura-Ergüssen, 
bei den verschiedensten Producten und Residuen früherer Entzündung, bei 
Exsudaten, Hypertrophieen, Neubildungen, um deren Verflüssigung und Auf- 
saugung zu fördern. 

Bei Albuminurie z. B. Scharlachkranker rühmten ihn wieder Barlow, Nelson, 
mit Narcoticis; als Diureticum b. Wassersucht u. a. scheint B. jedenfalls nichts 
zu leisten. Von Bernardeau, Bricheteau bei Phthise, Asthma nach Giovanni de 
Vittis Methode benüzt, gr. V*— 1 /* P- Tag, auf 5 — 6 Pillen vertheilt, auch in Lösung, 
soll so beruhigend wirken wie Morphin. 

3. Als Sedativum bald in nauseosen, bald in Brechenerregenden Dosen 
bei Exaltation, Reizung des Nervensystems, bei Wahnsinn, Puerperalmanie, 
Hypochondrie, Melancholie, Satyriasis, Nymphomanie, Delirium tremens, 
Delirien und grosser Aufregung Typhuskranker (Graves); bei schmerzhaften, 
neuralgischen, krampfhaften Leiden der verschiedensten Art, Tetanus, Tris- 
mus 3 , Chorea, Epilepsie, Convulsionen Gebärender; bei Wechselfieber 4 ; bei 



i B. entspricht so den verschiedensten Absichten oder „Indicationen" , und wird nahezu hei 
allen Krankheiten der Nosologie benüzt; immerhin ist B. eines der wohlfeilsten Mittel, und be- 
quem durch s. Geschmacklosigkeit, die relative Unschuld wie Vielgestaltigkeit seiner Wirkungen. 
Wenn man ihn aber bei vielen der unten anzuführenden Krankheitsformen als Specificum benüzt 
und in Rossgaben misbraucht hat, so muss dies dem Unverstand der frühern Krankheitslehre 
und Therapie zu gute gehalten werden. 

* In England ist es ein altes Mittel der Frauen, ihren betrunkenen Männern Nachts zur 
Beruhigung sog. Quietness Powder zu geben, gr. 5 B. mit 15 Cremor tartari; um Schnapstrinker 
durch Nausea und Erbrechen zu curiren, mischt man oft dem Branntwein, gr. 3—10 B. aufs 
Glas bei (Joux, Gilbert u. A.). Wie andere Brechmittel gibt man B. auch um die Ausleerung 
von Gallen-, Nierensteinen, und bei Wehenmangel, um die Geburt zu fördern (Stedman, Dicken 
u. A.),_ vorausgesezt dass weder Gehirn congestion noch Schwäche, Möglichkeit einer Ruptur 

lern ein Hauptmittel (Stoll, Puchelt 
entschiedener Brechneigung u. s. f. 
Ipecacuanha meist vor; 
doch gibt ihn wieder Renouard bei T. sogar in Rasorischen Dosen ! 

3 Hier gibt man jeztB. öfters auch in grössern Dosen, mit oder ohne Opium, Laudan. (Brown, 
Cornaz, Poitevin); bei Chorea sogar als Brechmittel (Lännec, Breschet, Bonfils, Gillette U.A.); 
bei Epilepsie sollen dadurch die Anfälle seltener, schwächer werden (Ackerley, Jos. Bell); bei 
Delir. tremens zieht Peddie B. zu gr. i/ 4 — 1/ 2 in einfacher Lösung alle St. — 2 St. weit dem 

Durchfälle u. s. f. 
Legrand u. A., 
soll dadurch die 

Wirkung des später gereichten Chinin sehr gefördert * und Recidite erschwert werden. Selbst 
b. Asiat. Cholera wollte ihn Billing mit Bittersalz nüzlich gefunden haben! # 





Antimon. 87 

Asthma, Athemnoth; bei Luxationen grosser Gelenke, um deren Einrichtung 
durch die sedative, lähmende "Wirkung des B. auf Rückenmark, motorische 
Nerven, Muskulatur zu erleichtern; bei eingeklemmten Brüchen, Contractur 
einzelner Muskeln, z. B. am Halse, bei Krampf, Rigidität der Gebärmutter, 
Scheide u. s. f. bei Geburten. 

Bei obigen Krankheiten wie bei Exsudaten und palpabeln Structurveräncle- 
rungen z. B. der Lungen, Leber (Hypertrophie, Cirrhosis, Tuberculose), auch der 
Haut u. a. wird B. oft zur sog. E c k e 1 c u r benüzt, eine der barbarischsten Curen, 
und meist ohne positiven Nuzen. Man gibt dabei B. gelöst in Wasser, gr. Vi 6— Vs 
p. d. , also auf §6 — 8 etwa gr. x Ji — jj p. Tag ; oft nimmt man dazu auch B. 
Wein. Tritt Erbrechen oder Brechneigung ein, setzt man aus, um später von 
vorne anzufangen. In ähnlicher Weise gaben Smee, Lange u. A. B. b. Syphilis, 
bes. b. Primärgeschwüren, indurirten Chankern, Hauteruptionen, doch mit schlech- 
tem Erfolg. 

4. Bei Entzündung, Fieber, um durch grössere und raschere Dosen 
herabstimmend auf Nervensystem, Herz, Kreislauf, Eigenwärme zu wirken, 
oft um die Krankheit wo möglich zu coupiren; hieher Pneumonie, Bron- 
chitis, Croup, auch Pleuritis, Keuchhusten, acute, entzündliche Affectionen 
der Gelenke, Synovialhäute (acut. Rheumat., Hydarthrose); Orchitis, Epidi- 
dymitis, Bubonen, Phlebitis, Entzündung der Gebärmutter (Kindbettfieber), 
der Mamma; Ophthalmie, Ophthalmoblennorrhöen, Bluthusten, parenchymatöse 
Lungenhämorrhagieen, Gehirnapoplexie, Gehirnentzündung, Panaritien, Angina. 1 

Rasori gab b. Pneumonie in den ersten 3—4 Tagen gr. 10 — 20 p. d. in Dec. 
Hordei, 2mal täglich, oft 3J — jj P-Tag, bald mit bald ohne Aderlass; seitdem 
hat man seine Methode in bescheidenerer und weniger exclusiver Weise benüzt 
(Peschier, Lännec, Louis, Graves, Stokes u. A.): bei einfacher (sthenischer) P. 
erst wie gewöhnlich Aderlass, dann B. gr. j— jj, b. Schwächeren, bei leichtern 
Fällen gr. ß p. d. alle 2—3 St., p. T. gr. 5—10 (—20 u. mehr), in Wasser, Inf. 
Fol. Aurant. u. a.; nach 5 — 6 Dosen sezt man mit B. aus, um den Tag darauf 
von neuem zu beginnen, bis Besserung oder Collapsus u. s. f. eintritt, und gibt 
dann allmälig kleinere, seltenere Dosen 2 . Meist, doch nicht immer entsteht da- 
bei Erbrechen, Durchfall, reichlicher Schweiss, Sinken des Pulses, der Athemnoth 
u. s. f. ; entstehen Stomatitis , Aphthen , Geschwüre der Mundschleimhaut u. s. f., 
gibt man wie sonst Gurgelwasser mit Alaun, Salzsäure, Höllenstein u. a. ; bei über- 
mässigem Erbrechen, Durchfall, Magen-, Darmentzündung, Krämpfen, Collapsus 
u. s. f. verfährt man wie bei leichtern Vergiftungsfällen sonst (s. oben) , und meist 
wird so B. nach 1 — 2 Tagen besser ertragen. Wo nicht, tritt statt Besserung gar 
Verschlimmerung ein, so muss auf B. verzichtet werden. 

Noch am passendsten ist dieses Verfahren bei Kräftigen u. gleich im Anfang 
b. Schwachen, Reizbaren, in schwerern Fällen fordert es doppelte Vorsicht; b 
Kindern, Greisen, Schwangern unterbleibt es besser ganz. Ueberhaupt fand sich 
dass der NuzefFect auch grosser Dosen B. z. B. bei Pneumonie gering ist, über 
flüssig in leichtern Fällen und in schwerern , bei Hepatisation u. s. f. ohne posi 
tiven Einfluss auf Dauer wie Ausgang der Krankheit; ja wie nach jeder activen 
schwächenden Behandlung ist die Reconvalescenz meist nur um so schwieriger, 
länger. Dasselbe hat sich b. Pleuritis, Peri-, Endocarditis, Gelenk-Rheumat., Hy 
drothorax wie b. Panaritien, Bubonen u. a. herausgestellt (Lännec, Chomel, Rostan 
Milton u. A.). Immer möge man auch hier das »Primum non nocere« beherzigen 
auch das Widersinnige früherer Ansichten, durch irgend welche Arzneistoffe bei 
Krankheiten obiger Art positiv in den natürlichen Gang der Dinge eingreifen zu 
können. 



* Um bei schweren Verlezungen Nervenzufälle , Entzündung u. s. f. zu hindern oder zu be- 
seitigen, gab schon J. Frank B. in grossen Dosen, und Boer wollte durch ein Antimonialpulver, 
dessen Zusammensezung er nie angab, Kindbettfieber unfehlbar heilen. 

2 Wesentlich nach derselben Methode gibt man B. bei allen oben angeführten Krankheiten, 
immer in Lösung, Zuckerwasser, oft in Dec. Alth. , Liquirit. ; b. Keuchhusten z. B. gr. 2 in §j 
Aq. dest. , Foeniculi , auch in Wein , mit Syr. Ipecac. , gtt. 6—12 alle St. — 2 St. (Burdach) ; b. 
Croup junger Kinder gr. j in Aq. §jj , auf 3mal z. n. (Baizeau , Elliotson u. A.). Da B. um so 
günstiger wirken soll, je weniger Erbrechen, Durchfall eintritt, gibt man B. oft sogleich mit 
Opium, Laudan.. Aq. laurocerasi, auch mit gewürzigen Stoffen; doch trifft ersteres nicht zu, 
uad Op. hindert Erbrechen u. s. f. nicht. 



gg Antimon. 

Gegenanzeigen bilden Stomatitis, noch mehr Reizung, Entzündung der Unter- 
leibsorgane, des Bauchfells, Neigung zu Gehirncongestion , Apoplexie; Aneurys- 
men des Herzens, der Aorta, hohe Grade von Schwäche , Erethismus ; bei jungen 
Kindern u. Greisen ist B. immer bedenklich, besser gibt man ihnen Ipecacuanha 
als Brechmittel. 

D. als Brechmittel gr. V*— jj, nach 5—10 Minuten wiederholt; sonst 
als Sedativum gr. ß— j, 2—3 stündl., p. Tag gr. 5 — 10, mit zweckmässiger 
Unterbrechung oder Suspension, als Nauseosum u. s. f. gr. i/io— % p. Tag 
g r - j — jj? i n leztern Fällen immer gelöst in Aq. destill., Samb., Aurant., 
Fönic. u. dergl. *, als Brechmittel auch in Pulverform, meist mit Brechwurzel, 
auch Meerzwiebel u. a. 

Zu meiden: Alkalien , Erden u. ihre kohlens. Salze, Kalkwasser, Sülfüre, 
Bleisalze, Gerbstoff, Säuren, Limonade, Syr. rubi id., moror. ; doch wird dadurch 
die Wirkung keineswegs aufgehoben. Als Brechmittel darf mit obigen Dosen nicht 
zu lange fortgefahren werden; leicht entstehen, sobald B. nicht entleert wird, cu- 
mulative Wirkungen, Collapsus u. s. f. Oefters kommt es auch auf grössere Dosen 
zu gar keinem Erbrechen ; man kann es durch warmes Getränke, Kizeln im Schlund 
u. s. f. fördern , oder gibt andere Brechmittel ; noch besser verzichtet man ganz 
auf solche. Bei übermässigem Erbrechen ist mit B. sogleich auszusezen; man 
lasse den Magen überhaupt in Ruhe und beschränke sich auf äussere Mittel, Ca- 
taplasmen, Einreibungen flüchtig reizender Stoffe, Klystiere, Bäder, Riechmittel; 
im Nothfall je nach Umständen schleimige Getränke, Opiate, Brausemischungen, 
Champagner, Wein, Naphthen u. s. f. 

Ausnahmsweise wird B. auch andern Applicationsstellen als dem Magen ein- 
verleibt, b. fremden Körpern im Schlund, Trismus, Convulsionen, Erstickten, z. B. 
durch Kohlendunst : im Klystier, gr. 5 — 20 p. d., selbst in Venen injicirt, gr. j — jjj 
in Jj — jj Aq. dest. B. Pneumonie gab Boling B. statt innerlich im Klystier, gr. 3 
mit gtt. 15 — 20 Opium tinctur , in Jjjj — v Wasser; Young b. rigidem Uterus u. 
Wehenmangel; Duparque, Guerin neben B., 1 Th. auf 20—30 Fett als Salbe ein, 
2stündl., in Brust, Schenkel u. s. f., b. Pneumonie, acut. Rheumat., Arthralgieen u. a., 
doch ohne Nachfolger zu finden. 

Tart. stib. gr. j R. Ipecac. gr. x Sacch. albi gr. vj. f. Pulv. D. tal. dos. 4, 
alle 10 Min. 1 Pulver. Emeticum. T. stib. gr. x Aq. fl. aurant. §v Sacch. albi J/f; 
2stündl. 1 Esslöffel (b. Pneumonie). 

Aeusserlich benüzt 1. als Derivans bei Meningitis, tiefern Gehirnleiden, 
Wahnsinn, Keuchhusten, Asthma, Bronchialcatarrh, Tuberculose, Rheumat., 
Neuralgieen (längs der Nerven), Lähmungen, Spinalempfindlichkeit, Typhus 
(in die Cöcalgegend) u. a. 2. als örtliches Mittel bei Geschwüren, chron. 
Hautaffectionen, Kopfgrind, Porrigo decalvans, Acne, Psoriasis, Alopecie, 
Nävus, Hauterythem, Rothlauf, Entzündung der Drüsen, Mamma, Orchitis, 
chron. Ophthalmie, Corneaflecken, Hydarthrose, Tumor albus, Hydrocele; zu 
Injectionen in Abscesse, Fistelgänge, bei chron. oder unterdrücktem Tripper, 
Leucorrhoe. 

Hier überall ist zu beachten, dass B.Salbe u. dergl. bei tieferer Einwirkung 
heftige Entzündung, selbst Brand 2 bewirken kann, dass dort immer Narben zurück- 
bleiben, an manchen Stellen nicht unwichtig, und dass man Kranke nicht ohne 
dringende Noth damit quälen darf. 

Man applicirt hier B. gelöst in Wasser oder als Salbe, für die stärkern 



i Weil durch längern Gebrauch von Lösungen öfter Stomatitis, Pusteln entstehen, gibt ihn 
z. B. Trousseau auch in Pillen; Pilulae resolventes Schmücken: T. stib. gr. 4. P. R. Rhei, Sapon. 
med., Galbani, Sagapen. äa 3 j , Succ. liquir. 3jv. f. c. Aq. dest. q. s. Pil. 90; consp. c. P. Nuc. 
mosch. ; 2— 3mal tägl. 10—15 St., bis Uebelkeit entsteht. 

2 Um solche zu verhüten, reibe man die Salbe blos in gesunde Hautparthieen ein, und 
wechsle mit den Stellen. Sonst wurde damit zumal b. Geisteskranken arger Misbrauch getrie- 
ben, welchen man die Salbe in den rasirten Scheitel einrieb; oft kam es so zu Schorfen, selbst 
Necrose des Schädels (Jacobi). J. legt ein Stück Pappe auf mit Thalergrossem Ausschnitt, und 
lässt d. Salbe J /4 Stunde lang 2mal tägl. aufpinseln, bis Pusteln entstehen. Subcutanen Nävus 
heilte Brown durch 3j/f mit Ungut. Spermaceti %ß , Nachts eingerieben, bis Pusteln entstanden, 
und erst nach Schwinden der Entzündung wiederholt; bei Corneaflecken bringt Witzmann von 
einer Salbe aus B. gr. 4 Ol. Riein., Butyr. insulsi ää 5j tägl. 2mal Linsengross aufs Auge. . 



Antimon. 89 

Grade der Wirkung gr. xv — xxx auf §j Wasser oder 3>j Fett, für die milde- 
sten gr. j— jjj. 

Lösungen in Wasser machen weniger Schmerz, Entzündung, Pusteln, und 
sind reinlicher; um stärker zu wirken, legt man auch B. als Pulver auf Pflaster 
gestreut oder damit gemischt auf, z. B. 3J — jjj au f §j Harzpflaster, Pech (Em- 
plastr. stibiat. Ph. Dan. Norv. u. a. 1 B. auf 3 Empl. adhäsiv.), lässt es 20, 
30 St. liegen, z. B. auf Rücken, Magengegend, entfernt es wieder mit fettem Oel. 
Antirheumat. Papier (Steege) : 8 Th. Ammoniakgummi, 4 Terpenthin, Talg, 
Wachs aa 1 geschmolzen, colirt, auf 36 Theile davon 4 Th. fein gepulverter B., 
auf schwach geleimtes Goldschlägerpapier gestrichen; macht leichte Entzündung, 
höchstens kleine Pusteln. Möglichst concentrirte Lösung in Wasser, auch B. mit 
Oel impft Debouge ein , um Pusteln u. s. f. zu erzeugen, b. Naevus, Algieen, Hy- 
pertrophieen, Ophthalmie u. a. 1 

Ungut. Tart. stibiati s. Stibio-Kali tartarici, B.Salbe, Ungt. Autenriethii s. e 
Tartaro emetico: "$ß B. auf Jjj Fett Ph. Bor., nach andern schwächer; Krembs 
reibt 3jj B. in %ß Weingeist gelöst warm mit 3jj venet. Seife zusammen. Gebrauch 
s. oben; man reibt sie, um stärker zu reizen, wiederholt ein, z. B. alle 2 — 4 St. 
3ß — Üi l e gt sie auch auf Leinwand gestrichen auf, öfter mit Ungut. Mezerei u. a. 

Vinum stibiat, Spiessglanzwein , Vin. antimoniat. s. stibiato-tartaric. s. Airti- 
monii potassico-tartrati s. emetic. s. Antimonii Huxhami, Brechwein: B. gelöst in 
Madera u. a. Sectweinen ; Jj hält gr. jj. B. Ph. Bor. 2 Gilt als mildes A.Präparat, 
welches zugleich erregend wirkt , in grössern Dosen Brechenerregend; b. acuten 
Exanthemen, Rheumatismus, Catarrh benüzt, als milderes Brechmittel b. Kindern, 
Schwächlichen, Empfindlichen. D. als Nauseosum u. s. f., gtt. 10—15 p. Tag, 
3j— jv, Kindern tägl. gtt. 20 — 40; als Brechmittel 3jj — 3J P- d., Kindern Kaffee- 
löffelweis. 8 

4. Chloruret. Antimonii, Chlor-, Aez.A., Liquor Stibii chlorati s. 
muriatici, A. chlorat. liquid. Ph. Bor. Austr. Wirtemb. Früher als sog. S p i e s s- 
glanzbutter, Butyr. Aii in Gebrauch, deren Zusammensezung nicht constant, 
die Bereitung ziemlich complicirt war; statt ihrer dient jezt obiger Liquor 
Stibii chlorati , bereitet durch Kochen v. SchwefelA. mit Salzsäure und Zusaz. 
von weiterer Salzsäure (besser wäre Weinsäure) zur Lösung; A.Oxyd ist drin 
nur durch diese überschüssige Salzsäure gelöst; b. Zusaz von Wasser schei- 
det sich als weisses Pulver A.Oxychlorür , Pulvis Algarothi aus. A.Chlorid 
wirkt stark reizend, äzend; innerlich daher nicht benüzt. B.Vergiftung damit 
sättigt man erst d. überschüssige Salzsäure durh Alkalien, Bittererde, Seifen- 
wasser u. dgl., und verfährt übrigens wie b. andern A.Salzen. 

Als Aezmittel fast ganz von andern verdrängt; nur da und dort noch 
bei chron. Hautaffectionen, Lupus, Kopfgrind, Acne, Excrescenzen, Condylo- 
men, Chanker, Pustula maligna, Staphylom, besonders aber bei Biss von 
Schlangen, wüthenden Hunden. 

Am besten unverdünnt aufgepinselt, öfter mit Jodtinctur, Kreosot; als 
Salbe gtt. jjj — x — xx auf 3j Fett ; ist auch in der Autenrieth'schen Salbe (s. Can- 
thariden) enthalten. Durch Verdampfen seines Wassers kann man den Liquor 
in eine consistentere, stärker äzende Masse verwandeln ; auf der Geschwürsfläche, 
welche folgt, bilden sich oft keine gesunden Granulationen, zudem lässt sich 
seine Aezwirkung nicht leicht auf die gewünschte Stelle beschränken; daher 
ziemlich obsolet, u. zumal b. Cachectischen , Erschöpften nie mit Sicherheit 
zu benüzen. • 

A. s. Stib. jodat, JodA., Joduret. Antimonii , durch Erhizen von Jod u. A. 
ää erhalten; braunroth, zersezt durch Wasser, Weingeist; wirkt reizend; bloss 
äusserlich wie Brechweinstein benüzt (Dupasquier) , als Salbe 3J u - mehr auf 
3j Fett, macht concentrirt Hautentzündung, Pusteln; zersezt sich leicht, daher 
unpassend. 

Antimon- Wasserstoff bewirkt eingeathmet Brechdurchfälle, Collapsus, con- 
centrirt selbst Tod (Richardson). 

1 Bei Nävus legte Cumming gr. 15 B. mit 5j Galbanumpflaster auf Leder gestrichen auf; 
durch die Entzündung, Eiterung obliterirten die Gefässe. 

2 Liquor Antimonii tartarisati Ph. Dubl.: B. 3j Aq. dest. ßj Spirit. rect. |vjj. 

3 Saures weinsaures A.oxyd gab Clarke als Brechmittel b. hyster. Anfällen , Convuls. der 
Kinder, gr. i/ 2 p. d. alle 10 Minuten. 



90 Arsen. 

3. Arsenicuni. Arsen \ 

Wirkungen. 1. A. gilt als stärkstes Gift des unorganischen Reichs; 
fast all seine Verbindungen wirken bei längerer Einwirkung, in grössern 
Mengen giftig, auch auf Gewächse, Samen. Doch kann das Schaf, Pferd 
grosse Dosen A., bis zu mehreren Drachmen ohne Schaden ertragen 2 ; in 
organischer Verbindung, als Kakodylsäure wirkt A. nicht giftig, obgleich das 
Radical Kakodyl über 50°/o A. enthält, und Kakodylsäure als leicht lösliche 
Substanz rasch in's Blut übergeht. Je leichter indess Arsenikalien sich lösen, 
desto heftiger pflegen sonst ihre örtlichen wie allgemeinen Wirkungen zu 
sein; so wirkt Arsenige Säure minder giftig als das leicht lösliche arsenig- 
saure Kali. 

Metall., z. Theil oxydirtes A. wirkt in Substanz weniger giftig 3 , dagegen 
sehr heftig, wenn in Dampfform eingeathmet, z. B. in Hüttenwerken. Die Sül- 
füre stehen gleichfalls in der Intensität ihrer Wirkung den Oxyden und ihren 
Salzen nach, besonders rothes SchwefelA., Realgar, während das gelbe, Oper- 
ment, s. Gehalts an AsO 3 wegen viel heftiger wirkt. Arsensäure, AsO 5 , samt 
ihren Salzen, vordem für giftiger gehalten, ist nachWöhler u. Frerichs weniger 
giftig als AsO 3 u. deren Verbindungen, ja ihre Wirksamkeit überhaupt soll 
nur von der theilweisen Reduction der AsO 5 zu AsO 3 im Darmcanal abhängen; 
nach Schroff, Buchheim dagegen soll AsO 5 so giftig wirken wie diese. 

JodA. wirkt der Arsenigen Säure analog, A.Wasserstoff gas einge- 
athmet als intenses Gift 4 . Die Wirkungsweise kleiner und mittlerer Dosen 
ist nur bei AsO 3 (Weisser A.) genauer bekannt; das Folgende gilt daher von 
ihr vorzugsweise. 5 

2. In kleinen Dosen, gr. y 2 o — Yio täglich, kannA. längere Zeit innerlich 
wie auf die Haut u. s. f. ohne merkliche allgemeine Störungen applicirt 
werden, und wechseln überhaupt die Symptome seiner leichtesten Wirkungs- 
grade in hohem Grade. Doch entsteht örtlich an den Applicationsstellen 
(Schlingwerkzeuge, Magen, Haut) fast immer frühe genug Reizung, selbst 
Entzündung, desgleichen früher oder später in innern Schleimhäuten, im 



1 Ausser Arseniger Säure (AsO 3 ) und ihren Präparaten ist keine Verbindung des As offic. A. 
scheint in der Natur ziemlich verbreitet, doch nicht wie z. B. Jod; Daubrße fand es auch in 
Steinkohlen. 

2 Da und dort mischen Bauern, Pferdehändler A. dem Futter bei, um den Hunger derThiere 
u. damit deren Mästung, Fettwerden zu fördern; ja in Niederöstreich , Steiermark essen die 
Bauern selber A. (S. 45). Pferde jedoch, denen z.B. Delafond §j— ji AsO 3 in wässriger Lösung 
gab, starben meist in 1—8 Stunden. Nach Bouchardat wirkt AsO 3 auf Fische viel weniger 
giftig als AsO 5 , sogar weniger als Brechweinstein; für niedere Gewächse, z. B. Schimmel 
scheint A. kein Gift. 

3 Unreines metall. A. , welches wie z. B. Scherbenkobalt AsO 3 enthält, wirkt immer giftig, 
nach Schroff, Schneider auch reines metall. A. , indem es sich im Darmcanal durch Oxydation 
in AsO 3 verwandle. Nach Schmidt , Bretschneider trifft lezteres nicht zu , metall. A. finde sich 
vielmehr nur als solches in Fäces, Harn; ebensowenig kann Kalk, welchen z. B. Thiere in 
ihrem Futter zugleich einführen, selbst grosse Dosen AsO 3 unschädlich machen, indem arsenigs. 
Kalk so gut als arsensaurer in den Darmsäften sich löst und selber giftig wirkt. Reines metall. 
A. dagegen erklären S. u. B. für durchaus ungiftig , freilich auf allzu sparsame Versuche hin ; 
und mag es auch an sich wenig oder gar nicht giftig sein, jedenfalls oxydirt und löst sich kein 
Met.'ill leichter zu giftigen Verbindungen als A. Nach Savitsch, Buchheim sollte der Grad der 
Giftwirkung der Arsenikalien ihrem Gehalt an metall. A. parallel gehen; bei Kakodylsäure 
trifft dies jedenfalls nicht zu. 

4 Vogel sah auf Einathmen von A.Wasserstoff Collapsus u. s. f. eintreten , mit schwarzer 
Färbung des Harns durch aufgelösten Blutfarbstoff. Kakodyl (Arsendimethyl, C4H 6 As) und 
K.Oxyd (erhalten durch trockene Destill, v. essigs. KaliNatron mit AsO 3 , ölartig, stinkend, an der 
Luft entzündbar, wobei sich Ai-senige und Kohlensäure, Wasser bilden) wirken gleichfalls sehr 
giftig, nicht dagegen Kakody lsäure, die sich durch Oxydation des vorigen bildet. Während 
z.B. K.Säure selbst bei directer Injection in Venen nicht giftig wirkt, veranlassen K., K.Oxyd 
schon vom Magen und selbst von der Haut aus Gastritis, Collapsus, Tod, eingeathmet Schwindel, 
Athemnoth, Convulsionen , und hier wie dort raschen Tod. Hiebei wird das Radical Kakodyl 
selbst nicht zersezt im Körper, vielmehr als solches durch Lungen, Harn wieder ausgeschieden, 
und soll seine Giftwirkung überhaupt nicht von seinem Gehalt an A. sondern von seiner vehe- 
menten Oxydirbarkeit auf Koston der organischen Substanz abhängen (Schmidt, Chomse). 

5 Vergiftungen durch A. gehören zu den häufigsten wie schlimmsten, sei es aus Absicht 
oder zufällig durch Leichtsinn, Verwechslung u. s. f. ; in England zählt man nur in Folge dieser 
leztern 2—3 Todesfälle p. Woche. 



Arsen. 91 

Nervensystem u. s. f. 1 . Anfangs steigert sich oft nur der Appetit, so dass 
z. B. Kranke auf kurze Zeit sogar beleibter werden; bald pflegt jedoch 
Magen- und Darmcatarrh zu entstehen, Uebelsein, Durst, Verdauungsbeschwer- 
den, leichte Magen- und Colikschmerzen , mit Reizung der Mundhöhle, des 
Schlundes, der Kehle; daher bald belegte Zunge, Speichelfluss, Schlingbe- 
schwerden, Heiserkeit, Husten, Appetitlosigkeit, Würgen, Erbrechen, Fieber; 
die Haut wird trocken, heiss, schülfert sich ab, Augenlider schmerzhaft, ge- 
schwollen, oft Conjunctivitis, Harn bald vermehrt, bald sparsam, sedimenti- 
rend, Schlaf unruhig, mit bangen Träumen, dabei Herzklopfen, Schwindel, 
Kopf-, Gliederschmerzen. All diese Symptome steigern sich allmälig, beson- 
ders Magen-, Bauchschmerz, doch anfangs mit längern Intermissionen ; dazu oft 
Meteorismus, Durchfall, Oedem des Gesichts, der Augenlider, Beine, Anämie; 
nervöse Depression und Schwäche, Mattigkeit, Einschlafen der Glieder, Formi- 
cation, Zittern, Verstimmung, Schlaflosigkeit, Angst- 

Solche Zufälle treten am häufigsten b. Arbeitern in A. ein, u. auch hier 
bleibt oft zweifelhaft, wie weit gerade in Folge des A. Doch kommt es auch 
b. Kranken früher oder später zu solchen, und jezt ist es höchste Zeit, mit 
A. auszusezen; wo nicht, so erreicht d. Vergiftung höhere Grade, und Gene- 
sung ist selten mehr möglich. 

3. Wirkt A. weiter ein, so pflegen sich all jene Zufälle zu steigern, 
schliesslich bis zu Hectik (Tabes arsenicalis) : völliges Darniederliegen der 
Verdauung, Erbrechen, besonders nach dem Essen, Trinken 2 , Colikschmerzen, 
Durchfälle (stinkend, dünn, flockig) mit Tenesmus, abwechselnd mit Stuhl- 
verstopfung; oft Schnupfen, Bronchitis, Entzündung der Tonsillen, beständiges 
Speicheln, Harn meist sparsam 3 , Conjunctivitis, Haut trocken, heiss, Gesicht 
blass, ödematös, entstellt, schmuziggelb, Zunge trocken, rissig, Rothlauf oft 
mit Vesikeln, Pusteln, zumal im Gesicht, am Scrotum, bei Einwirkung von 
A.Staub auf die Haut selbst Furunkeln, Abscesse, oft mit Uebergang in Ver- . 
schwärung, Brand, Ausfallen der Haare, Nägel; Abzehrung bis zum Skelet; 
dazu mannigfache Störungen des Nervensystems, Schmerzen in Gliedmassen, 
Rumpf, Zittern, Krämpfe, Schwindel, Kopfschmerz, Athemnoth, Schlaflosigkeit, 
Unruhe, Angst, Mattigkeit, Apathie und Stumpfheit; schliesslich Ohnmächten, 
Collapsus. 

So stirbt er endlich unter Zufällen der Hectik oder Lähmung, meist bei 
vollem Bewusstsein; selten zulezt noch Delirien, Betäubung, Schlummersucht. 
Aqua Toffana: es gab mehrere Arten, deren eine wie das Poudre de succession 
Bleizucker enthielt. Genesung selten und schwierig; oft bleiben Nervenleiden, 
Epilepsie, Wahn-, Blödsinn, ^Lähmungen, chron. Gastroenteritis u. s. f. lange 
zurück. 

4. Bei stärkern Dosen, gr. j — 5 Wirkungen meist ungleich rascher, 
heftiger, noch mehr auf gr. 10 — 30 (acute A.Vergiftung). 

Auch hier Verschiedenheiten je nach Individualität, Dosis, Pulverform 
oder Lösung, vollem oder leerem Magen. 

a. Meist (gastroenteritische Form) alsbald neben dem süsslich herben, 
dann scharfen Geschmack heftiges Brennen, Zusammenschnüren in Schlund, 
Kehle, Magengegend, Heiserkeit, Uebelsein, Würgen, Erbrechen 4 ; dazu oft 
Meteorismus, Durchfall, Colik, Tenesmen, kurz Gastroenteritis, mit Strangurie, 

1 Selbst schwache A.Lösungen, A.haltige Salben und Pasten, desgleichen Schweinfurter 
Grün bewirken (lezteres z. B. bei Fleuristen und Arbeitern sonst) Hauterythem, Rothlauf, oft 
mit Uebergang in schlimme Geschwüre, selbst Brand. Auch eignet sich schon deshalb A. nie 
zu Waschwassern und Cosmeticis, ausser A. wäre drin so verdünnt, dass er gar nicht wirkt. 

2 Ausser Speiseresten werden meist Schleimmassen ausgebrochen, oft blutig, immer A.haltig. 

3 Neben A. führt der Harn oft Blutkörperchen, sog. Faserstoffcylinder (Schroff). 

4 Diese Zufälle entstehen rascher, wenn A. in Lösung verschluckt worden, schon nach 
5—15 Minuten, während A. in Pulverform , wenn nicht in sehr grossen Mengen verschluckt , oft 
erst nach Stunden bedeutendere Zufälle hervorruft. Bei einem Mann z. B. sahen Ogston, Ryan 
auf 5/J A. erst nach 9 St. Erbrechen eintreten ; nach Christison soll öfters Schlaf die Ursache so 
langsamer Wirkung sein. 



92 Arsen. 

Bangigkeiten, Schluchzen, Durst, kleinem frequentem Puls, kalter, von Schweiss 
bedeckter Haut, Frost, oft sogar Ohnmacht, Dyspnoe, Zittern, Krämpfe, Con- 
vulsionen, Trismus. 

Tod meist nach vielen Stunden, selbst Tagen, — oft viel später an Darm- 
entzündung, allgemeiner Zerrüttung u. s. f. Die zur Vergiftung und Tödtung 
erforderliche Menge lässt sich nicht genau bestimmen; b. Kranken z. B. kann 
Vergiftung, selbst Tod schon nach wenigen kleinen Gaben, auf gr. V2 — 2 ent- 
stehen , bei blosser Application auf äussere Theile ; Andere können umgekehrt 
A. lange einnehmen ohne irgend welche Störung (Romberg, Mauthner , Armand 
u. A.). In Lösung wirkt A. im Allgemeinen ungleich rascher, stärker als in 
Substanz, u. schon einige Gran reichen dort zur Tödtung aus 1 . 

Acute A.Vergiftung zeigt manche Aehnlichkeit mit derjenigen durch Queck- 
silberchlorid; doch wirkt lezteres, abgesehen von seinem scharf metallischen 
Geschmack, örtlich ungleich rascher, heftiger, selbst äzend; Reizung der Mund- 
höhle, des Schlunds, Magens u, s. f. tritt daher viel schneller ein, erreicht 
höhere Grade, Massen schleimiger Flüssigkeit werden nach oben wie unten ent- 
leert, denen häufiger und mehr Blut beigemischt ; auch Urogenitalorgane stärker 
afficirt. Dagegen ist die Gefahr der A.Vergiftung viel grösser als b. Q.Subli- 
mat, und troz der heftigem Zufälle, soweit sie durch Verlezung von Magen, 
Darmcanal bedingt sind, ist doch bei S.Vergiftung noch eher Hülfe möglich 
als bei A. 

ß. Oefters gleichen die Vergiftungszufälle vielmehr denjenigen scharf- 
narcotischer Gifte (nervöse, cerebrospinale Form). Die Verdauungswege 
erscheinen nicht oder nur wenig afficirt; dagegen gleich Anfangs, oder nach- 
dem wie sonst Erbrechen u. s. f. vorangegangen, tiefes Ergriffensein des 
Nervensystems, Collapsus, Athemnoth, selbst Ohnmacht, Asphyxie, oder Kopf- 
schmerz, Schwindel, Delirien, Betäubung, Sopor, Convulsionen, Unempfind- 
lichkeit, lähmungsartige Zufälle sonst, meist rascher Tod. 

Derartige Wirkungen am häufigsten, wenn grosse Mengen verschluckt wor- 
den oder ungewöhnlich schnell in's Blut gelangten; erholt sich der Vergiftete, 
so kann auf lange, selbst für immer Lähmung z. B. des Arms zurückbleiben; 
öfters folgen schlimme, brandige Geschwüre, zumal an den Beinen, Parotiden- 
geschwulst, Angina, Hautausschläge u. a. A. bringt seine Wirkungen zustande, mag 
er in Magen, Lungen, Mastdarm, Vagina, auf Haut, subcutanes Bindegewebe, seröse 
Säcke oder unmittelbar in's Blut gebracht werden 2 . A. wird unverändert resor- 
birt, nach Chevallier, Martin-Solon höchstens 7» desselben, 2 /s u. mehr gehen im 
Stuhl ab ; man findet A. in Blut, Harn (b. A.Lösungen schon nach 1 Stunde), Speichel, 
Exsudaten, Leber, Milch, Nieren 3 . Auch bewirkt A. z.B. Magen-, Darmentzündung, 
wenn er nur auf Haut, Geschwüre u. s. f. applicirt worden. Ob A. im Körper Ver- 
bindungen mit gewissen Stoffen eingeht , ist zweifelhaft ; auf Eiweiss wirkt A. 
jedenfalls nicht verändernd (Edwards, Kendali, Herapath). Dagegen hemmt A. 



1 So starb ein Kind durch gr. 4t/ 2 in Lösung- in 6 St. (Christison), ein Weib durch §/f Fow- 
ler'sche Lösung 1 = gr. 2 A. ; als Pulver kann dagegen A. oft in enormen Mengen verschluckt 
werden, ohne dass unter Mitwirkung günstiger Umstände wie voller Magen, schnelles Erbrechen 
u. s. f. Tod nothwendig die Folge wäre. Christison fand gr. 30 als die kleinste Menge, in wel- 
cher feste AsO 3 tödtete, und hier trat Tod am 6. Tage ein. Bei arsenigs. Kali können schon 
gr. 10, b. SchwefelA. erst gr. 40—60 als tödtliche Dosen gelten. 

2 Vergiftungen durch A.haltige Salben, Wasser u. dergl. oder durch A.haltige Farben, Tapeten, 
Zimmeranstriche u. s. f. (s. arsenigs. Kupfer) sind nicht eben selten ; auch der Rauch von Stearin-, 
Wachskerzen, welchen zufällig oder absichtlich A. beigemischt war, hat vordem Manchen ver- 
giftet, und einem alten Glauben zufolge soll sich der Clerus öfters dieses Mittels bedient haben, 
z. B. bei Kaiser Leopold I, Joseph IL Selbst Fliegen in der Nähe mit A. behandelter Kranker 
sollen sterben (Capello). Eine Vergiftung durch A.haltige Cigarren ist vielleicht möglich , z. B. 
durch den Mundtheil der Cigarre (?), nicht aber durch's Rauchen derselben, indem schon der 
Knoblauchgestank des A. drin Jeden abhalten würde, so lange fortzurauchen um vergiftet zu 
werden (Bunsen). Dass aber winzige Mengen A. unschädlich sind, dürfte z. B. schon dessen 
Vorkommen in vielen Mineralwassern beweisen. 

Auf directe Injection arsenigs. Salze in die Drosselvene sinken Herzthätigkeit, Blutdruck, 
Eigenwärme u. s. f. auffallend stark und rasch (Briquet). 

3 Oefters hat man A. noch mehrere Jahre nach dem Tod in Leichen gefunden , z. B. in den 
Knochen, in mumificirten , vermoderten Eingeweiden ; ein Theil des A. u. allmälig aller A. ver- 
flüchtigt sich aber aus der Leiche, vielleicht als Arsenwasserstoff, als arsenigs. Ammoniak, und 
ein Theil scheint mit dem bei der Fäulniss entstandenen SH SchwefelA. zu bilden (Lerch, 
Kelp u. A.). 



Arsen. 93 

die Gährung (Savitsch) wie die Fäulniss 1 ; die Menge ausgeathmeter CO 8 soll 
durch A. vermindert und so vielleicht der Oxydationsprocess im Körper über- 
haupt gehindert werden (Schmidt); doch erklären für jezt weitgreifende chemische 
Hypothesen dieser Art, wie sie zumal seit Liebig Mode wurden, die Wirkungen 
des A. nicht im Geringsten. 

Läsionen in der Leiche: wechseln nach Intensität und Raschheit der A. 
Wirkungen, des Todes; noch die constantesten an den Applicationsstellen, Ma- 
gen, Hautdecken u. s. f.; diese sind mehr oder weniger entzündet, infiltrirt, 
ecchymosirt, erweicht, selten stellenweise ulcerirt, brandig; in den Schleimmas- 
sen des Magens oft noch A. ; zumal bei raschem, paralytischem Tod können 
alle Läsionen des Magens, Darmcanals fehlen. 

Verfahren bei A.Vergiftung: wenn man sonst durch Schwefelpräparate, 
Schwefelwasserstoffwasser, Fette, Kohle, Zucker-, Kalkwasser, Blut, Gerbsäure 
u. a. die Wirkung des A. zu sistiren suchte, kann jezt fast blos vom frisch 
gefällten Eisenoxydhydrat, Ferr. oxydat. hydrat. s. hydric. (Bunsen, Berthold) 
u. von Magnesiahydrat die Rede sein, obschon auch sie keine wirklichen, che- 
mischen Gegengifte sind ; denn A. wird dadurch nicht in durchaus unschädliche, 
unlösliche Verbindungen umgewandelt, am wenigsten wenn wie gewöhnlich 
in Pulverform verschluckt. Jenes Eisenpräparat wird nach mehreren Pharmacop. 
mit Aq. dest. gemischt vorräthig gehalten, als F. oxydat. hydrat. liquid, s. Li- 
quor Ferri oxyd. hydrati; doch verdient frisch gefälltes immer den Vorzug. 
Schaffner u. A. empfahlen Eisenoxydulhydrat, Andere EisenAcetat, Mialhe 
u. A. Schwefel-Eisenhydrat, Meurer, Bussy, Schroff, Schuchardt u. A. Bitter- 
erdehydrat, ziehen es sogar dem Eisenhydrat vor, mit Milch, eingeschlagenen 
Eiern u. dgl., nach Pleischl mit Wasser und Zucker als sog. Lac Magnesiae 
(Mialhe's); jedenfalls ist Magnesiahydrat wirksamer als nicht frisches Eisenoxyd- 
hydrat. Fuchs empfiehlt bei allen A.Vergiftungen als wirksamstes Präparat, 
welches sich rasch bereiten und unverändert aufbewahren lässt, frisch gefälltes 
Eisenoxydhydrat mit Bittererdehydrat, Bittersalz und Wasser 2 . 

Noch bevor ein solches Präparat anlangt, suche man den A. schleunigst 
zu entleeren durch Kizeln im Schlund , Trinken kalten Wassers, Zuckerwassers 
in grossen Mengen, von fetten Oelen, Milch, Eiweiss, im Nothfall durch Brech- 
wurzel , Zinkvitriol , Magenpumpe. Man gibt nun sogleich frisch gefälltes , nur 
in dessen Ermanglung trockenes Eisenoxydhydrat möglichst warm in raschen, 
grossen Dosen, angerührt mit warm Wasser, etwa alle 10 Minuten 1 Kaffee- 
löffel; kennt man ungefähr die Menge des verschluckten A. , so rechnet man 
auf gr. j A. gr. 15 — 30 Hydrat , %ß Liq. Ferri oxydati hydrati. Meist wird das 
Eisen, theilweis als arsenigs. E.Oxyd erbrochen; man gibt es fort, bis voraus- 
sichtlich aller A. an Eisen gebunden und ausgeleert oder bis arsenigs. Eisen 
im Stuhl entleert wird; bliebe ja dieses Salz zu lange imDarmcanal, so entleert 
man es durch Laxanzen, Klystiere; im Fuchs'schen Präparat leistet dies das 
Bittersalz drin. In Ermangelung des Eisenoxydhydrat , welches auch noch z. B. 
12 St. und später nach der Vergiftung anzuwenden, gibt man Magnesie, 
Kalkwasser. Bei Collapsus, Ohnmacht die gewöhnlicüen Mittel, Hautreize, Spi- 
rituosa 3 u. dgl.; b. Gastritis u. s. f. wie sonst. Bei chron. Vergiftung sucht 
man den A. allmälig durch Fördern der Harn-, Hautausscheidung u. dgl. zu 
entfernen ; vielleicht Hesse sich an seine Neutralisation durch Eisenpräparate, 
Eisenhaltige Mineralwasser denken? Salmiak, v. Hannon empfohlen, um A.Reste 
im Körper zu lösen und fortzuführen, nüzt wohl noch weniger, am meisten 
allgemeine Kräftigung und Restauration durch diätet. Mittel. 



• Auch die Leichen der mit A. Vergifteten pflegen zu mumificiren , einzutrocknen statt zu 
faulen; doch ist dies an sich noch kein Beweis für A.Vergiftung, da es auch sonst unter Um- 
ständen stattfindet; auch wird die Fäulniss, hat sie einmal begonnen, durch A. nicht gehemmt 
(Geoghegan). 

Dem Blut direct beigemischt hindern A., arsenigs. Kali seine Gerinnung nicht. 

2 Liquor Sulphatis ferri oxydati fj Aq. destill, fvjjj Magnes. ustae levioris 3jjj; wohl ge- 
schüttelt i/ 4 stündl. den 4. bis 3. Theil in einem Glas Wasser z. n. ; 5j der Lösung soll mindestens 
gr. j der A.Verbindung sättigen. Auch Zeller fand diese Mischung als die wirksamste, bes. b. 
Vergiftung mit Schweinfurter, Scheel'schem Grün, Fowler's Lösung. Liquor Ferri sulph. oxyd. 
Wittstein's : l Th. mit 8 Aq. dest., auf §j dieser Flüssigkeit 5jjj Magnesia usta; wirkt auch bei 
arsensauren Salzen als Gegenmittel. 

3 Branntwein z. B. bes. auf dem Lande schon oft genug mit Erfolg benüzt, nachdem die 
Entleerung des A. wie sonst gefördert wurde; Erbrechen, Colik, Schwäche, Angst u. s. f. schwin- 
den jezt oft am schnellsten auf B. u. dergl. 



94 Arsen. 

B. Vergiftung mit andern Arsenikalien als freier Arseniger Säure gibt es noch 
weniger Gegenmittel; Eisenoxydhydrat wirkt auch b. Arsensäure, doch schwach, 
denn das so entstehende arsens. Eisenoxyd ist selbst noch ziemlich giftig. B. 
arsenigs. u. arsens. Alkalien leistet es noch weniger: Duflos empfahl hier essigs. 
Eisenoxyd, Liquor Ferri oxydati acetici, auch gegen SchwefelA., ScheePsches Grün 
(arsenigs. Kupferoxyd), Buchner frischgefälltes Eisenoxydhydrat mit flüssigem essigs. 
Eisenoxyd. Doch scheint lezteres auch b. arsenigs. Kali u. a. nichts zu leisten 
(Schroff u. A.) B. Vergiftung durch äusserlich applicirten A. entfernt man sogleich 
dessen Reste, z. B. Pulver, Paste, Salbe samt etwaigen Schorfen, reinigt die 
Stelle durch kaltes, auch alkalisches Wasser; dazu Cataplasmen, auch mit Zusaz 
von Eisenoxydhydrat, Bäder, innerlich Milch, Eier, Opium. 

Gebrauch. Innerlich A. wieder häufig benüzt, nahezu bei allen Krank- 
heiten der Nosologie, wie 1. Neurosen, Epilepsie, Veitstanz, Keuchhusten, 
Asthma, Tetanus, Trismus, Wasserscheu, giftiger Schlangenbiss, Gastralgie, 
Ischias, Gesichtsschmerz, Migräne, Knochenschmerzen Syphilitischer , chron. 
Rheumatismus, Pruritus vulvae u. a., selbst Hypochondrie, Schwermuth; doch 
vor allen Wechselfieber, auch Cholera, Typhus. 

Bei Wechselfieber schon im alten Griechenland (Dioscorides, Galen), in China, 
Indien wie späterhin bei uns in Credit (Slevogt, Fowler, Heim, Fothergill u. A.), 
hauptsächlich als Volks- u. Quacksalbermittel ; jezt halfen ihm vor Allen Boudin, 
Girbal u. a. französ. Militärärzte zu dem Ruf, das zweitbeste Mittel b. W. zu 
sein, oft sogar mehr zu leisten als Chinin 1 . Lezteres hat sich jedenfalls nicht 
bestätigt, wie denn überhaupt z. B. Jacquot, Champouillon , Cordier, Armand, 
Gibert u. A. den A. nicht entfernt so nüzlich fanden wie seine Freunde, u. die An- 
zeigen für seinen Gebrauch im Vergleich zu Chinin keineswegs festgestellt 
sind. Doch stimmen Viele darin überein, dass auf A. zwar die einzelnen Fie- 
beranfälle, zumal leichterer Art rasch schwinden können, die Heilung dagegen 
länger dauert und Recidive noch häufiger sind als bei Chinin; dass lezteres 
oft genug Hülfe bringt, wo A. ohne oder nur mit vorübergehendem Erfolg ver- 
sucht wurde. Leichtere Fälle heilen aber gewöhnlich ohne alle Specifica dieser 
Art, zumal wenn die Kranken in gesündere Orte kommen, bei nahrhafter Kost, 
guter Pflege, wie dies bei vielen mit A. behandelten Kranken zutraf; und bei 
schwereren Fällen haben ihn selbst seine Freunde grossentheils nuzlos gefun- 
den. Jedenfalls ist A. bei perniciösen Fiebern nie erlaubt; sonst nur wenn 
Chinin ohne Erfolg benüzt wurde oder nicht zu haben ist; der Vorzug der 
Wohlfeilheit auf Seiten des A., vielleicht bei Armeen u. a. nicht immer ohne 
Werth , wird durch die längere Verpflegungszeit, die minder solide Heilung und 
die meist nothwendige kräftige Kost grossentheils aufgewogen. Meist gab man Ar- 
senige Säure gelöst in Wasser, oft mit Wein , Zimmttinctur u. dgl., auch als 
Pulver, Pillen, in sehr kleinen, oft wohl nahezu unwirksamen Dosen, z. B. 
gr. Yioo, später 1 /so — V 20 ? mehrere Stunden vor dem Anfall, z. B. Morgens 
nüchtern, und nur einmal täglich, da u. dort auch 2 — 3mal, p. Tag gr. 1 /ao — V 5 ? 
selbst gr. 72, dazu nahrhafte Kost, Braten, Wein u. s. f. Nur selten (Schau- 
bert, Zeroni u. A.) riskirte man grössere Dosen, z. B. gr. Yio — V 6 au f einmal. 
Schon auf jene kleinern Dosen kommt es oft zu leichten Vergiftungsgraden, z. B. 
Magenschmerz, Erbrechen, Colik; auch darf deshalb A. nie längere Zeit fort- 
gegeben werden (s. unten). 

Dass sein Nuzen bei Nervenleiden wie Chorea, Neuralgieen, Asthma u. a. 
bedeutend übertrieben worden und wohl grossentheils ein rein illusorischer, 
scheint kaum zweifelhaft; bei giftigem Schlangenbiss 2 , Wasserscheu nüzt A. 
entschieden nichts Positives, und dasselbe gilt b. Typhus, (Ferrier), Gallen-, 
Gelbfieber, Asiat. Cholera (Burow, Saemann, Black, Güterbock u. A.). 

2. Hautkrankheiten wie Lepra, Psoriasis, Pityriasis, Elephantiasis, Fram- 



1 Die Masse Fieberkranker in Algerien , Rom u. a. wie die Aufforderung der Regierung 
trieb dazu, ein wohlfeileres Mittel als Chinin zu suchen; doch das Gefährliche des A.Gebrauchs 
hat diesen immer wieder verhindert. Gar zu naiv ist es aber, wenn jezt Martinet den Sümpfen 
selber A. eingeben will, um deren vermeintliche Miasmen zu zerstören! 

2 Hier standen sonst die sog. Tanjore-Pillen, A. mit Quecksilber in Credit (Hunter, Rüssel, 
Ranker). 



Arsen. 95 

bösie, auch Alopecie, chron. Eczem, Liehen, Prurigo, Impetigo, Pemphigus, 
Urticaria tuberosa u. a. 

Oft kommt hier auf A. mehr Leben in die Haut, während Nieren-, Haut- 
ausscheidung vermehrt ist; sie röthet und entzündet sich, Schuppen, Krusten 
fallen ab, Knoten, Knollen werden dünner u. s. f. (Willan, Biett, Romberg, 
Cazenave, Demarquay, Erichsen, Hunt, Hebra, Veiel u. A.). Wohl mit Recht 
gilt hier A. oft mit Jod, Quecksilber als einer der wirksamsten Arzneistoffe; 
nur will dies noch nicht viel heissen. Dieselbe Besserung des Hautleidens 
kommt auch sonst vor, z. B. b. Fieber, Rothlauf u. a. ; auch sahen Rayer, Emery, 
Devergie, Gibert, Bock, Hebra durchaus nicht die von Andern gerühmten Er- 
folge, am wenigsten bleibende. Meist benüzt man neben A. (z. B. Fowler's Lö- 
sung) Leberthran, Einreibungen v. Theer, Bäder, Waschwasser, Aezmittel 
u. s. f., u. äusserlichen wie diätetischen Mitteln dieser Art kommt wohl das 
meiste Verdienst dabei zu. Trozdem ist A. des Versuches werth; nur vergehen 
Monate, ehe Besserung eintritt, oft bleibt solche ganz aus, während man dafür 
die Kranken vergiftet, u. Recidive sind nicht seltener als sonst; deshalb ent- 
lässt man auch die Kranken oft möglichst bald , ehe leztere eintreten. 

3. Dyscrasieen und damit zusammenhängende Localleiden, Syphilis, 
syphilit. Affectionen der Haut (z. B. Hypertrophieen, Condylome), der Kno- 
chen, Tuberculose der Lungen, Knochen, Scrofulose, Krebs, Honigharnruhr, 
Wassersucht, Rozkrankheit, sog. Pyämie u. a. 1 . 

Genauere Indicationen des A. und Beweise für s. Nuzen b. Syphilis fehlen, 
troz eines Hoffmann, Harless, Adams, Biett, Boudin u. A. ; noch am meisten 
bessern sich dabei einzelne Nervenleiden, Knochenschmerzen u. a., wie b. so 
vielen Mitteln sonst. Dasselbe gilt b. Gicht (Hoffmann, Begbie, Bardeley), Scro- 
feln, Tuberculose, Caries u. dgl. ; seine Erfolge b. Krebs rühmen Harless, Ber- 
nard, Lefebvre, E. Home, Simmons, Thompson, Hunt, Schubert U.A., während 
sich Bell, Acrel, Fodere, Gibert u. A. mit ungleich besserem Grund dagegen 
aussprechen; dasselbe gilt b. Wassersucht, z. B. mit Tuberculose der Ge- 
krösdrüsen, Milztumoren u. a. , gegen Arnemann, Fodere, Desgranges, Trous- 
seau , Debavay, Debout , Schubert u. A. 

Bei dieser langen Reihe von Krankheiten (1. — 3.) oft der verschiedensten 
und schlimmsten Art gibt man A. kurzweg als Specificum, als ein gerade jezt 
wieder sehr beliebtes Mode- u. Universalmittel; und bedenken wir, dass hier 
überall selbst Therapeuten vom ersten Kaliber dem A. absolut unmögliche Heil- 
erfolge beilegen, so könnte man am Fortschritt der Heilkunde zum Vernünfti- 
geren stuzig werden. Manchen Britten, Romberg u. A. gilt A. vielmehr als 
Tonicum, als Nutriens denn als Gift, Andern als das mächtigste Alterans, Irri- 
tans, Sedativum, Solvens u. s* f. 1 Ein Stoff wie A., wenn mit Vorsicht benüzt und 
durch diätetische Mittel unterstüzt, mag allerdings zu Umänderungen im Körper 
führen können , die man sich vielleicht in verzweifelten Fällen zu Nuzen machen 
darf. Nur ist A. ein zweischneidiges Schwert, noch zehnmal mehr als«z. B. 
Quecksilber, selten oder nie von wirklichem, dauerndem Nuzen, sehr leicht von 
schlimmen Folgen. Will man trozdem A. geben, so beginne man mit sehr kleinen 
Dosen, gr. V 30 — V 10 > z - B- Fowler's Lösung gtt. vj täglich, u ; steige nur all- 
mälig damit; b. kürzerer Behandlungszeit kann auch bis zur doppelten Dosis 
gegeben werden. Anfangs besonders gibt man A. meist bei oder nach der 
Mahlzeit, nicht bei leerem Magen, denn A. wird hier selten ertragen u. noch 
leichter als sonst ausgebrochen 2 ; überhaupt muss die Kost nahrhaft , selbst reich- 
lich u. leicht verdaulich sein. Treten Symptome der Vergiftung ein, Hals-, 
Colik-, Magenschmerzen., Uebelsein, Conjunctivitis, Angina u. a., so muss aus- 

* Bei Diabetes_mellit. gibt Hoog Liquor arsenic. 3j Hydrosulphuret. Ammon. gtt. x Tct. 
Hyosc, Lavand. „a 5j Infus. Herb. Diosm. cren. §jv, alle 4 St. 1 Esslöffel, vor dem Schlafen- 
gehen Opium, um so durch Einführen eines löslichen SchwefelA. die Zuckerbildung zu hindern (?) ; 
bei Rozkrankheit mit sog. multiplen Abscessen will Mackenzie A. nüzlich gefunden haben ; bei 
allen möglichen Uterinleiden. Dys- und Amenorrhoe, Blutflüssen, Krebs u. a. Hunt, Locock, 
Simpson, wie Andere bei Geschwülsten, Rothlauf u. s. f., die in Brand überzugehen drohen, bei 
Lungentuberculose, chron. Bronchitis, Durchfall, Wassersucht, Eingeweidewürmern (Trousseau, 
Pidoux u. A.); bei Gehirncongestion und drohender Apoplexie durch allzu plastisches, an Blut- 
körperchen überreiches Blut (Lamarre-Picquot) ! 

~* Boudin und seine Nachahmer gaben umgekehrt A. bei Wechselfieber Morgens nüchtern, 
weil A. so wirksamer sei. 



96 Arsen. 

gesezt oder die Dosis wenigstens sehr vermindert werden ; nie suche man durch 
langen Gebrauch einen endlichen Erfolg zu erzwingen. Ueberhaupt ist es ge- 
rathen, sobald manA. lange Zeit durch geben will, öfters Wochen-, Monatweise 
auszusezen, u. dann wieder mit kleinen Dosen zu beginnen; in der Zwischen- 
zeit kann A. ausgeschieden werden durch Nieren u. s. f., weshalb der Harn 
wiederholt auf A. zu untersuchen ; auch ein Wechsel mit den Präparaten ist 
öfters passend. Soll A. gut ertragen werden, so sezt es meist einen guten 
Magen, eine robustere Constitution voraus; bei Frauen, Kindern, Alten, Voll- 
blütigen, Reizbaren, Schwächlichen eignet er sich noch weniger als sonst. 
Manche ertragen selbst kleine Dosen nicht, erbrechen sie ; hier ist auf A. ganz 
zu verzichten; Andere gedeihen dabei, nehmen selbst an Beleibtheit zu, beson- 
ders in Spitälern; nur wissen wir nicht, in wie weit gerade durch A. ? Contra- 
indicirt ist A. b. entzündlichen Affectionen des Darmcanals, der Lungen, bei 
Verdauungsbeschwerden, Fieber; b. sehr Geschwächten, Heruntergekommenen; 
wenn die Kranken nicht genau überwacht werden können, wenn man ihnen 
nicht die gehörige Diät u. s. f. verschaffen kann , wie z. B. b. ärmern Volks- 
klassen. 

Aeusserlich dient A. 1. zum Aezen bei Hautkrebs, Lupus, Geschwüren, 
brandigem, phagedän. Chanker (Ricord, Teissier) , bei Condylomen, Onychia 
maligna. 

Seine Aezwirkung bleibt begrenzt; die geäzte Stelle verwandelt sich, nach- 
dem heftiger Schmerz , Entzündung vorausgegangen , in einen Schorf, wel- 
cher durch Eiterung abgestossen wird, und oft bilden sich glatte, wenig ent- 
stellende Narben. Doch als Aezmittel kaum besser denn andere, auch b. Haut- 
krebs, und weil immer Vergiftung möglich, lässt man A. meist besser ganz weg. 

2. Als Reizmittel bei chron. Hautleiden (s. oben), Geschwüren, Hyper- 
trophie en, Schwellungen u. a. 

Hier nimmt man seltener Arsenige Säure als andere Arsenikalien ; auch um 
Haare zu zerstören u. umgekehrt b. Alopecie, um sie wachsen zu machen, b. 
Parasiten, wobei zu beachten, dass A. gerade in Fällen, wo die Haut nicht 
durchaus zerstört , verschorft wird , am leichtesten vergiftet *. 

1. Acidum arsenicosum, Arsenige Säure, Arsenicum s. Oxydum 
Arsenici album , Weisser A.: erhalten durch Rösten von SchwefelA.metallen ; in 
kaltem Wasser schwer löslich, zumal die undurchsichtige, porcellanartige, leichter 
in kochendem (in 10 Th.), in verdünnter Salzsäure, auch in Oelen, kaum in 
Alcohol; Gegenwart organ. Stoffe z. B. im Magen scheint s. Lösung in Wasser 
noch zu erschweren (Pereira). 

Innerlich selten benüzt. 

Macculloch u. A. wollten ihn auch bei Wechselfieber wirksamer gefunden 
haben als Fowler's Solution , für sich mit Zucker, Milchzucker oder mit China, 
Chinin,, Opium, Schierling; überhaupt jezt wieder häufiger benüzt (s. oben). Zu 
meiden: Säuren, Metallpräparate, Eiweiss-, Amylumhaltige Substanzen. 

D. gr. y 2 o — Vio mehrmals täglich, allmälig steigend, nie über gr. */4 — V 3 
p. d. 2 ; als Pulver, Pillen, zuvor mit Zucker, Milchzucker fein abgerieben, 
dann mit Brodkrume, Arab. Gummi, Syrup u. dergl. vermischt, überhaupt 
stets in sorgfältiger Vertheilung; auch zieht man oft die zuvor filtrirte Lö- 
sung in kochendem Wasser vor. 

Solche einfache Applicationsweisen im Ganzen passender als Fowler's Liquor 
u. a. ; in Pulverform meist leichter ertragen als in Lösung , Pillen. Oefters sezt 
man kohlens. Kali zu, wobei sich arsenigs. Kali bildet; De Valangin bereitet 
seine Solution durch Sublimiren von A. mit Kochsalz und Lösen des sublimirten 



1 Weil auch hier zumal bei Application auf grössere oder wunde Flächen Vergiftung: folgen 
kann, darf A. nicht auf einmal auf grössere Flächen gebracht werden. In England, wo A. bei 
Kräze der Schafe in Gebrauch steht, z. B. mit ^i Schwefel, Aezkali, Fett zu Bädern, entsteht 
dadurch oft Vergiftung, Lähmung, Abgehen der Haut, selbst Tod. 

2 Sonst gab man bei Wechselfieber selbst gr. i/ 2 — jj p. d., auch Boudin, Girbal, Fuster u. A. 
stiegen öfters auf gr. j— jjj p. d. , und haben stehende Formeln mit den pompösen Namen 
Poudre, Solution, Sirop febrifuge u. a. Bei grössern Dosen geht mindestens % im Stuhl ab 
(S. 92), nur sehr wenig in's Blut. 



Arsen. 97 

A. in Salzsäurehaltigem Wasser, Pereira einfacher durch Lösen des A. in Salz- 
säure und Wasser, als Liquor Acidi arsenicosi hydrochloricus , in England öfter 
benüzt, gtt. 5—10 p. d. 

Pulv. Arsen, alb. alcohol. gr. j Amnion, carbon. gr. xl E. Gentian. 3j R. 
Liquir. 3j f. Pulv. Div. in Pulv. vj aequal.; vor d. Fieberanfall 1 Pulver (Schau- 
bert, b. Wechselfieber). A. albi gr. jj Opii gr. vj R. Liquirit. Zß Extr. Gent, 
q. s. f. Pil- 30 ; tägl. 2mal 1 St. Acidi arsenicosi gr. ß solve in Aq. dest. gvj ; 
1— 2mal tägl. 1 Theelöffel. 

Pilulae asiaticae: in Deutschland nicht benüzt , öfter im Orient , in 
Britannien, z. B. A. alb. gr. 2, Pfeffer 3jj mit Gi arabic, Wasser zu 32 Pillen, 
Anfangs p. d. 1 St.; die Pille hält je nach den Pharmacop. gr. 1 /i& — ^a A. 

Aeusserlich meist zum Aezen als Paste, Salbe, Pulver, vor der Appli- 
cation mit Wasser angerührt, auch in Lösung, gr. 4 — 20 und mehr auf 3j 
Fett, Oel, Cerat. simplex, Zucker, Arab. Gummi, Schwefel u. a. indifferente 
Stoffe; zu Verbandwassern, Injectionen gr. i /i — 1 auf gj Wasser 1 . 

Pulv. arsenicalis Cosmi, Frere-Cöme'sche A.Paste , Poudre, Pate de 
Rousselot, Dubois, Cosmisches Mittel: hält ausser A. Zinnober, Drachenblut, ver- 
brannte Schuhsohlen (Thierkohle) in verschiedenen Proportionen, welche Stoffe 
alle blos als Verdünnung des A. gelten können; enthält aber oft 20—30 % A. 
(nach Ph. Gall. 1 Th. auf 2 Zinnober, 2 Drachenblut), wirkt daher langsam, doch 
tief äzend, meist mit Entzündung weit umher. Wird bald so bald anders mit etwas 
Wasser, Speichel, Gummiwasser zu Teig angerührt in Schichten von 1 — 2'" auf- 
gepinselt oder mit der Spatel aufgestrichen, auf etwa 1 — 3 Quadratzoll Fläche; 
auch auf Geschwüre u. a. gestreut 2 . Hellmund' sehe Salbe, Ungut. Hell- 
mundi arsenicale : einer sehr susammengesezten Salbe (Ungut, narcotico-balsamic. : 
Wachssalbe mit Perubalsam , Extr. Conii m. Bleizucker , Tct. Opii) auf 3j Salbe 
gr. l 1 /* — jj Cosmisches Pulver beigemischt; nach Ph. Wirt. 1 Th. auf 8 Salbe; 
hält somit viel weniger A., wirkt ungleich schwächer als Cosmisches Pulver. Mit 
obiger Salbe verbindet man nach der Aezung die Geschwürfläche. Dupuytren 's 
Pulver: 1(— 6) Th. A. auf 99 Calomel; wirkt mehr reizend, wenig äzend; b. Ge- 
schwüren , Hautleiden u. dgl. als milderes Caustic. zumal b. Frauen , sensibeln 
Theilen benüzt, wo jedoch Höllenstein, Jodtinctur u. dgl. meist Besseres leisten; 
Gebrauch wie bei Pulv. Cosmi. 

Man hat A. noch in verschiedenen Formen und Mischungen applicirt , z. B. 
mit Quecksilberchlorid (S. 74) ; soll aber A. tiefer äzend wirken , und anders 
sollte er gar nicht benüzt werden, so muss er concentrirt genug sein. Justamond 
nahm auf 1 Th. A. 4—8 Antimon, crud. , Teissier bei Chanker u. a. gar 1000 
Mehl , oft auch wässrige Lösungen des A. , wie Ricord u. A. ; Dypuytren nahm 
zu s. Pulver anfangs 4 Decigr. A. auf 40 Grm Calomel, etwa gr. 3 auf 3x, später 
3j A. auf dieselbe Menge Calomel. Vor dem Aezen reinigt man die Theile stets 
von Krusten u. dgl. , entfernt nötigenfalls , z. B. b. hypertroph. Lupus die Epi- 
dermis durch Vesicantien (s. Höllenstein); über 1—1 x /2 Quadratzoll Umfang soll 
gewöhnlich nicht auf einmal mit A. bedeckt werden 3 ; den Schorf lässt man sich 
selber durch Eiterung abstossen. 

Solutio arsenicalis (Fowleri) , Liquor Arsenici Tcalinus , Fowler's Tropfen, 
Solutio Arseniitis kalici , Liquor Potassae Arsenitis : nach Ph. Bor. Austr. u. a. 
bereitet durch Kochen von Arseniger Säure und kohlens. Kali mit Wasser, später 
Spirit. Angelicae comp, zugesezt (bliebe besser weg; hält Kampher, daher der 
Geruch darnach) ; 90 Tropfen, 3J/J halten gr. j Arsenige Säure als arsenigs. Kali ; 

1 Bei Uteruskrebs injicirt z. B. Lloyd gegen den Gestank gr. 2—8 A. in 1 Pinte = §16 Wasser ; 
Boudin gibtA. bei Wechselfieber auch imKlystier, gr. %— 1/2 P- d., desgleichen Fowler's Lösung ; 
bei Schusswunden mit Knochensplittern appliciren die Bergvölker des Caucasus A. mit Auri- 
pigment , Antimon, crud. , um deren Ablösung zu fördern , doch schadet A. mehr dabei (Wil- 
czkowzki) •, bei Geschwüren des Mutterhalses bringt Cramoisy z. B. 1 Th. A. mit 1000 Amyl. 
auf Tampons ein, entfernt sie am 3. Tag und injicirt dann kalt Wasser. 

Hebra nimmt A. 3jj Zinnober 3jj auf |jj Axungia , bestreicht damit Lupus u. a. täglich ; 
Verschorfung meist erst nach etwa 6 Tagen. Landolfi äzte Krebs mit einer Salbe aus A. 5j 
Cerat. |j Morph, gr. 5. 

3 Cosmische Paste soll nie Vergiftung bewirken, wenn die auf einmal geäzte Stelle nicht 
grösser als ein Zweifrankstück; und weil A. in 8 Tagen aus dem Körper ausgeschieden wird, 
soll die Aezung nicht vor dem 9. Tag wiederholt werden (Manec). Doch sind solche allgemeine 
und categorische Säze wie überall in der Therapie von wenig Werth. 

7. Aufl. 7 



NT 



98 Arsen. 

nach Fowler's Vorschrift 160 Tropfen. Innerlich oft benüzt, D. gtt. jjj— vjjj, = 
gr. »/so— V12 A. 3 tägl. 1— 3mal, allmälig — gtt. x—xx (gr. Vio— 1 /« A.); b. Kindern 
unter 14 Jahren i /a dieser Dosen. Man gibt sie in Wasser, Zuckerwasser, z. B. 
gtt. v in g/J Wasser , Münzwasser p. d. , tägl. 1 Tropfen der F. Lösung mehr ; 
in schleimigen Getränken, oft mit Opiumtinctur, kann auch solche Flüssigkeiten 
nachtrinken lassen. Zu meiden : Säuren , saure Salze , Schwefelmetalle , Metall-, 
Erdsalze, Kalkwasser, hartes Brunnenwasser. Aeusserlich fast nie benüzt (Plunket, 
Justamond u. A.). Als schwächere, leichter zu dosirende Lösung nimmt Devergie 
A., kohlens. Kali ää 1 Th. auf 5000 Wasser ; ist also wenigstens 50mal schwächer 
als Fowler's. Romberg verdünnte F.Lösung mit aa Wasser, davon als mittlere 
D. gtt. 4 ; entsteht Uebelsein , sezt er Pfeffermünzwasser zu : Marchand gibt b. 
Hautkrankheiten A., Kali w gr. 1 auf 20 Esslöffel Wasser, D. 1 Esslöffel, also 
gr. Y20 A. oder gr. Y10 arsenigs. Kali, mehrmals tägl. * 

Liquor (Tinct.) arsenicalis Pearsonii, Solutio Arseniatis natrici : 
Lösung von gr. j arsensaurem Natron in 3J (bis 3)') Aq. dest. ; soll milder, 
sicherer als Fowler's wirken (?) ; in Frankreich u. a. öfters gebraucht ; D. gtt. x — xx, 
tägl. mehrmals, allmälig bis gtt. xxx p. d. (gtt. x = gr. 1 /e arsens. Natron). Trous- 
seau liess gleichfalls damit getränktes, getrocknetes Papier Schwindsüchtige rauchen, 
1 Th. auf 10 Wasser ; mehr nüzt es vielleicht bei Asthmatischen (Boudin) ? 2 
Aeusserlich b. Kräze v. Bodard empfohlen; überflüssig, bedenklich. Solutio 
Ammoniiarsenicici s. Arseniatis ammonici (Biettii), Lösung 
von gr. 1 arsens. Ammon. in Jj Aq. dest. ; D. wie b. vorigen ; von Biett u. A. 
vorgezogen ; doch sah z. B. Emery b. Hautkranken von diesem wie von den an- 
dern lezterwähnten Präparaten nicht einmal denselben Nuzen wie von Fowler's 
Lösung u. Arseniger Säure, 

Ferrum oxydulat. arsenicicum, Arsensaures Eisenoxydul, Eisen Arsenit , Ar- 
senias Ferri : bläulichgrün , in Wasser wenig löslich ; Wirkungen die des A. , 
doch schwächer ; innerlich wie äusserlich b. Krebs , Lupus , Psoriasis , Ichthyo- 
sis , Elephantiasis u. dgl. benüzt (Carmichael , Duchesne-Duparc , Biett u. A). ; 
meist leichter ertragen als A. D. gr. Y20— Vi° > nieist in Pillen, z. B. mit Extr. 
Humüli u. R. Alth. ; äusserlich b. Lupus, Krebs als Salbe, 1 Th. auf 10 — 20 Fett, 
Cerat. — Mixtura Ferri arsenicalis (Pharm, of the Lond. Hosp. for Dis. of the skin) : 
Acidi arsenicosi gr. 4 Acidi hydrochlorici 3/? Tinct. Ferri sesquichloridi ^jj Aq. 
U 1 ; 3J — jj P- d. mit Wasser. 

Arsenic. jodatum, Arsenjodür , Jodid. Arsenici. Direct durch Erhizen von 
metall. A. mit Jod erhalten ; Zusammensezung nicht constant , röthlichgelb , in 
Wasser schwer löslich. Wirkt schon in ziemlich kleinen Dosen giftig ; b. Brust- 
krebs, Lepra u. a. benüzt (Thompson), D. gr. i /io— i /e, mehrmals tägl. in Pillen, 
mit Extr. Conii macul. In Philadelphia gab man auch Jodlösung mit Fowler's Lösung ; 
Neligan leztere mit Jod, Jodkai. u. Syrup b. schuppigen Hautkrankheiten. Aeusser- 
lich b. chron. Hautleiden, Hypertrophieen u. a. als Salbe, gr. jj — jv auf 3j Fett (Biett). 
Liquor Hydrojodatis Arsenici et Hydrargyri s. Hydrargyri Jodo-Arsenitis , Do- 
novan' s Liquor, Solutio Donovani : Lösung von JodA. und JodQuecksilber in Aq. 
dest. ; 3J soll deren so viel enthalten als entsprechend gr. l /a A. , gr. */* Queck- 
silberoxyd und gr. Y* Jod (Jodwasserstoff) , also etwa 4mal weniger A. als Fow- 
ler's Lösung 3 . Gelb, durch Opium, Morphinsalze, Säuren, die meisten Salze zer- 
sezt ; daher deren Zusaz zu meiden. Wirkungen wie b. vorigem nicht näher be- 
kannt ; innerlich b. squamösen , tuberculösen Hautaffectionen , Lupus u. a. (Dono- 
van, Taylor, Graves, Ditterich, Cazenave u. A.), auch bei Syphilis, scrofulösen Ge- 
schwüren , Caries ; D. gtt. x — xl , mehrmals täglich , allmälig bis 3J P- d. , in 
schleimigen Getränken; 3$ mit Aq. dest. Jj, Syr. Zingib. 3J P- d. (Donovan); 
b. Psoriasis 3/? P- d. , 4mal tägl. , mehrere Monate lang (Graves). Leicht ent- 
stehen bei grössern Dosen Erbrechen, Colik u. s. f., weshalb Ditterich viel klei- 

1 Trousseau lässt gar Phtisiker mit Lösung von arsenigs. Kali, 1 Th. auf 20 Wässer beneztes, 
dann getrocknetes und zu Cigarren gerolltes Filtrirpapier rauchen (S. 48) ; nüzt natürlich gar 
nichts, aller A. verflüchtigt sich. Insectenlarven in den Stirnhöhlen wollten Dusnaenil u. A. 
dadurch tödten. 

2 Pilules minörales febrifuges Boudin's : Natri arsenicici gr. Vs solve in Aq. dest. q. s. adde 
Amyli q. s. f. Pil. 20; p. Tag 1—2 St. B. gibt es auch im Klystier bei Wechselfieber, gr. 1/50 P- d - 

3 Donovan reibt gr. 6,08 Arsen , 14,82 Quecksilber , 49,00 Jod mit etwas Alcohol zusammen, 
löst sie in %S Aq. dest. mit ein wenig Acid. hydrojodic. ; Soubeiran löste Quecksilber- und 
Arsenjodid aa 1 Th. in 98 Aq. dest. , so dass die Lösung gerade Vioo von jedem Jodür enthielt. 



Chrom. 99 

nere Dosen gab, 5j des Liquor mit Aq. (lest., Aq. cinnamorni aä ^jjj Syr. aurant. Jj, 
KafFeelöffelweis. Aeusserlich bei Lupus, Psoriasis mit Wasser aa applicirt, wo- 
bei er kaum äzend wirkt. Genügende Erfahrungen über diese und ähnliche Ver- 
bindungen des A. mit Jod, Quecksilber fehlen; Hebra sah davon bei obigen Haut- 
leiden keinen dauernden Frfolg '. 

A. C h 1 o r i d , Arsenbutter , bereitet durch Destilliren von A. mit Kochsalz 
u. Schwefelsäure ; ölartig , flüchtig ; als Aezmittel benüzt (Ebert, Clemens u. A.) 2 . 

Schwefelarsen, A. sulphurat. : Dreifach SchwefelA. (Auripigment, Oper- 
ment , Rauschgelb , Sulfid, arsenicos. ) wie Zweifach SchwefelA. (Bisulphuret. Ar- 
senici, Realgar, Risigallum) wirken vermöge ihres häufigen Gehalts an Arseniger 
Säure giftig, dagegen reines SchwefelA. auch nach Schroff's Versuchen ziemlich 
unschuldig. Sonst diente Operment zum Enthaaren, als Depilatorium, in der Le- 
vante noch jezt, mit Aezkalk, Wasser, Mehl als Teig oder Salbe (sog. Rhusma) 
eingerieben 3 , auch in Frankreich. 

4. Chromum. Chrom. 

Keine seiner Verbindungen offic. ; nur Chromsäure u. deren Kalisalze da 
und dort bei Kranken versucht ; auch gibt die Fabrication wie Anwendung der 
Ch.Präparate als Farbstoff nicht selten zu Vergiftungen Gelegenheit; wirken als 
scharfe Gifte. 

Ch. Oxydul (Chromgrün), Ch. Oxyd, beide unlöslich in Wasser; schei- 
nen nur wenig oder gar nicht schädlich zu wirken. Chromsäure, Acidum chro- 
micum : scharlachroth , zerfl iesslich , in Wasser , Weingeist leicht löslich. Wirkt 
örtlich reizend , concentrirt ziemlich stark äzend , färbt Haut , organ. Stoffe gelb ; 
verschorft die mit Epidermis bedeckte Haut nicht, macht aber an Armen, Hän- 
den der Arbeiter, Färber oft heftige Entzündung, schlimme Geschwüre. Wirkt 
verschluckt wie andere Mineralsäuren ; bei Vergiftung Behandlung wie bei die- 
sen : neutralisirende , milde Flüssigkeiten , Wasser mit Kreide , Magnesie , Ei- 
weiss , Seife. Zum Aezen benüzt b. Hämorrhoidalknoten , Condylomen u. dgl. 
(Ure, Schuh, Frommer, Marshall), mit wenig Wasser als Brei aufgetragen, oder 
die concentrirte Lösung mit Glasstab, Asbestpinsel; auch b. granulöser Ophthal- 
mie , mehr verdünnt b. catarrhal. (Hairion). Mit Blei , Quecksilberchlorid gibt 
Chromsäure schön gefärbte Verbindungen, Chromgelb, Chromroth u. a. C h. C h 1 o- 
rür, Chlorid: beide wirken reizend , doch weniger als Chromsäure. 

Kali bichromicum s. chromic. acid. , Zweifach-chromsaures Kali , Bichromas 
Potassae s. Kalicus : orangefarb, schwer löslich in Wasser. Wirkt scharf reizend 
(Gmelin, Duchatel, Duncan, Jaillard 4 u. A.) ; macht verschluckt Erbrechen, Durch- 
fall, Gastroenteritis ; in der Leiche Magen- , Darmschleimhaut stellenweis ulcerirt, 
brandig. Unter die Haut , in Venen gebracht hat es gleichfalls Tod zur Folge. 
Bei Vergiftung neutralisirt man durch alkal. Stoffe, z. B. Natron bicarb. die über- 
schüssige Säure, dann symptomatisch; Buchner empfiehlt Eisenoxydhydrat, Berndt 
Eisenvitriol als Gegenmittel. Als Aezmittel benüzt b. Excrescenzen, sog. Schleim- 
platten, Condylomen, Warzen, scrofulösen, Krebs^eschwüren u. a. (Cumin, Bou- 
neau , Puche , Hauche , Blaschko u. A.) ; scheint alsT Aezmittel kaum stark genug, 
dazu sehr schmerzhaft. In concentrirter Lö&ung applicirt man auch das Pulver 
mit etwas Wasser befeuchtet , gr. 5 — 3J au f 3J Aq. von Lloyd als Adstringens 



i Arsenigsaures Bromkali, durch Zusaz von Brom zu arsenigs. Kali gelöst in Wasser 
bereitet; bei Flechten , Syphiliden u. a. empfohlen (Clemens), gtt. jjj— jv p. Tag, in einem Glas 
Wasser, soll auch in grössern Dosen lange Zeit durch gut ertragen werden ; überflüssig. 

2 Soll stärker äzen als ChlorAnfimon , ChlorBrom ; Clemens legt z. B. bei Krebfc damit ge- 
tränkte Baumwolle auf, mischt es auch mit Oelen, Chloroform, Aether anästheticum, und will es 
sogar innerlich bei Krebs mit Erfolg gereicht haben, gtt. j— jj in §jj— jv, 2—4 Löffel p. Tag. 
Liquor Arsenici Chloridi Ph. Lond. , schwächer als Fowler's Losung, D. gtt. v— x und mehr, 
z. B. bei Hautleiden (Hunt). 

3 Rusma (Rhusma Turcorum), Pasta depilatoria : z. B. Operment 3/? Aezkalk. %ß Weizen- 
mehl 3jj Aq. fervid. q. s. f. Pasta (Plenck) ; doch wirkt hiebei nicht Sehwefelarsen sondern das 
aus seiner Zersezung durch Kalk entstandene Schwefelcalcium (s. dieses). Als Aezmittel bei 
Krebs z. B. in Belgien zerschnitten zu kleinen Troehisken applicirt (Delnaie). Chinesen rauchen 
es mit Tabak (Macgnowan). 

Arsenigs. Kupferoxyd, Scheel'sches, Schweinfurter Grün s. Kupfer. 

4 J. fand es auch im Harn ; wirkt concentrirt aUf die Haut z. B. bei Färbern wie Chrom- 
säure; Heathcote sah auch Entzündung und Verschwärung der Tonsillen, Fieber dadurch ent- 
stehen; gab innerlich Q.Sublimat und pinselte Höllensteinlösung auf, um unlösliches chroms. 
Silber zu bilden. 



100 Blei. 

b. Leucorrhoe, Eiterung. Vicenti, Robin, Heyfelder, Gamberini gaben es innerlich 
b. Syphilis, gr, */* p. d., in Pillen; oft nicht ertragen, macht leicht Erbrechen, 
nuzlos *. 

Kali chromicum neutrale s. flavum, Einfach chromsaures Kali: citrongelb, 
in Wasser leicht löslich; wirkt minder reizend als das vorige, macht aber gleich- 
falls schon zu gr. jj — vj Erbrechen, Durchfall, Colik, selbst Gastroenteritis. Von 
Jacobson, Holscher u. A. wie Antimonialien benüzt, gr. V»— 7* P* d., mehrmals 
tägl., als Brechmittel gr. jj— jv; äusserlich b. chron. Ophthalmieen , Hautkrank- 
heiten, Geschwüren, Leberflecken, 1 Th. gelöst in 10— 15 Aq.; auch als Aezmittel 
wie das vorige. Papier (sog. Josephpapier), mit concentrirter Lösung benezt, 
dann getrocknet, kann als Moxa benüzt werden, zu 1 Th. auf 2—300 Wasser 
als antiseptisches Mittel (Liquor conservatrix). 

Es gibt noch viele meist seltene Metalle, bei Kranken kaum je versucht, in 
ihren Wirkungen vor Allen durch C. G. Gmelin etwas näher erforscht. 

Scharfreizende Metalle : Kobalt (K.Oxyd , ChlorK. , Schwefels. K.Oxyd ; K. 
hält immer Arsen beigemischt), Nickel (Schwefels. N.Oxyd) ; Molybdän (Molybdäns. 
Ammon.) , Tellur, Palladium (P.Chlorür) , Iridium (lösl. Salze) : machen in mittlem 
und grössern Dosen Reizung, selbst Entzündung im Magen, Darmcanal, öfters 
Convulsionen u. s. f. 3 

Metalle, nur in grössern Dosen scharf reizend : Wolfram (wolframs. Ammon.), 
Titan (T.Säure), Uran (Salpeters. U. fand Leconte giftig, macht starkes Erbrechen 
u. s. f.), Cerium u. deren Salze, Rhodium, Osmium. O.Säure wirkt nach Baruell 
in Dampf- und flüssiger Form heftig reizend, b. grossen Dosen tödtlich. 

5. Plumbum. Blei. Saturnum. 

Wirkungen. 1. Metall. B., ebenso B.Sulphuret und Sulphat scheinen 
an sich auch in grössern Dosen kaum eine Wirkung auf den Körper zu 
äussern; dagegen kann sich B. zumal in Pulverform, überhaupt in fein zer- 
theiltem Zustand bei seiner grossen Verwandtschaft zu und Säuren leicht 
oxydiren, lösen und jedenfalls vom Darmcanal, den Luftwegen wie von der 
Haut aus vergiftend wirken, sobald es lange genug und in der nöthigen 
Menge in den Körper gelangt. 

Alle Verbindungen des B. , auch die gemeinhin für unlöslich geltenden 3 
und metall. B. können somit als feine langsame »Gifte« wirken (Mialhe, Chevreuil, 
Flandin u. A.), obschon in verschiedenem Grad, und bezieht sich diese Diffe- 
renz mehr auf die örtlichen als allgemeinen Wirkungen. Die löslichen Verbin- 
dungen wirken verschieden je nach ihren chemischen Eigenschaften, nach der 
Länge ihrer Einwirkung, der Grösse der Dosen und der Individualität des in- 
fluenzirten Organismus. Kommen lösliche B.Salze, z. B. B.Acetat mit Eiweiss- 
stoffen im Magen , auf eiternden Flächen u. a. in Berührung, so bilden sie oder 
ihr Oxyd in Wasser unlösliche Verbindungen, B.Albuminate ; desgleichen 
fällen sie das Pepsin des Magensaftes (Wasmann). Da ferner B. überall im 
Körper, im Magen, auf Geschwürflächen u. s. f., auch auf alkalische Chlorüre, 
Chlornatr. u. a. stösst, so bildet sich meist zugleich B.Chlorür neben einer 
neuen alkalischen Verbindung ; solche Verbindungen des B. bedecken auch z.B. 

i Heyfelder gab es sypb.il. Weibern, grm 1 zu 80 Pillen, 1 St. tägl., dann 2 ff., und sah ihre 
Condylome darauf schwinden, aber nicht früher als dies häufig bei blosser Ruhe, Reinlichkeit 
geschieht; zudem bediente sich H. noch anderer örtlicher Mittel. Piragoff, Zablotsky sahen 
keinen merklichen Nuzen davon (Pelikan), ebensowenig Böeck. Dient nüzlicher z. Conserviren 
anatom. Präparate, z. B. gr. 4 auf §j Aq., verhärtet sie nicht wie z. B. Weingeist. 

2 Nach Hansen macht tellurigs. Kali leicht Uebelsein, Erbrechen, Athem, Harn riechen 
Knoblauchartig, das Blutserum färbt sich violett, wie schon Gmelin fand, Koth, Erbrochenes 
schwarz durch reducirtes T. Schwefels. Nickeloxyd wirkt nach Simpson ähnlich dem Eisen, 
Mangan, gab es wie Symonds mit Erfolg bei Algieen , Migräne, z. B. gr. j p. d., desgleichen 
oxals. Ceriumoxyd bei Gastralgie, Indigestion, Erbrechen. 

3 B.Oxydhydrat z. B. löst sich in 10,000 Th. Wasser, schwefeis. B. in 22,816, kohlens. B. in 
50,551 (Fresenius); man kennt aber Fälle, wo Menschen z. B. Louis Philippe und seine Leute 
in Claremont schon durch Trinkwasser vergiftet wurden , das nur 1 Gran B. p. Gallone ent- 
hielt, ja sogar nur gr. j in 7 Gallonen, d. h. Vaxhooo Theil B. Bei Hunden kann auf Einreibungen 
des B.Sulphat als Salbe schon nach 10 Tagen Obstipation, Abmagerung und am 22. Tag Tod 
eintreten (Flandin). Bleikugeln, die Jahre lang im Körper lagen, z. B. eingesackt selbst in den 
Lungen, fand man erodirt, aussen in B.Chlorid verwandelt; sie können viel an Gewicht ver- 
lieren, während man in Lungen, Muskeln u. a. ziemlich viel B. findet (Wurtz u. A.). 



Blei. 101 

nach Verschlucken grosser Dosen die Magenschleimhaut als graulichweisse 
Schichte. In Wasser unlöslich lösen sie sich in verdünnten Säuren , alkal. Flüs- 
sigkeiten, z. B. in Salz-, Milchsäure wie in deren Salzen, im Magensaft, in der 
künstlichen Verdauungsflüssigkeit, in Magen-, Darmsecreten, und treten jezt in's 
Blut-. Man findet B. nicht blos in den Fäces , auch in Blut, Harn, Galle, 
Muskeln, Lungen, Nieren, Leber, Milz, Gehirn u. a., z. B. bei Bleicolik \ Ge- 
langen lösliche Salze in solchen Mengen in den Magen, dass Magen-, Darmsecrete 
zu ihrer Bindung nicht ausreichen, so durchdringen sie die Schleimhaut; daher 
z. Theil Reizung, Hyperämie, rothe, braune Färbung derselben. Die Wirkungen 
aller resorbirten B.Verbindungen treffen besonders Nervensystem samt Muskel- 
apparaten, Ernährung, Stoffumsaz, Ausscheidungsprocessen. 

2. Wirkt B. in kleinen Mengen längere Zeit ein, so zeichnet es sich 
vor andern Metallen durch die Langsamkeit seiner Wirkung aus; und ist 
eine solche eingetreten, so zeichnet sie sich wiederum durch ihre Hartnäckig- 
keit, durch die Länge ihres Bestehens aus. Reihenfolge wie Intensität der 
Wirkungsphänomene zeigen manche Verschiedenheiten. Meist entstehen zuerst 
Verdauungsbeschwerden, Appetitmangel, Flatulenz, träger Stuhl, auffallende 
Abnahme der Ausscheidungen , zumal der Schleimhäute. Nicht blos die Fäcal- 
stoffe, auch Nasen-, Mundschleimhaut sind trockener als sonst, leztere zugleich 
blasser; der Rand des Zahnfleisches samt angrenzenden Parthieen der Zähne 
färben sich grau bei Solchen, welche B. Partikelchen einathmen oder schlucken 
(Tanquerel, Burtori 2 ), auch die Ränder der Nagelwurzeln. Der Athem wird 
stinkend, die Zunge belegt, der Geschmack oft süsslich, metallisch, Harn, 
Speichel sparsamer, lezteier oft umgekehrt vermehrt (Warren, Golding Bird), 
selbst bis zu wirklicher Salivation, und das übrigens feste Zahnfleisch blutet 
leicht. Die Haut wird trocken, spröde, ihre Ausscheidung, die Perspirations- 
grösse sinkt; färbt sich später wie die Conjunctiva schmuzigweiss, gelblich 
(Icterus saturninus), während der Kranke abmagert, sein Fett schwindet, 
so dass sich die Haut faltet, am deutlichsten im Gesicht, und dieses einen 
eigenen unbeweglich starren Ausdruck annimmt. Augenlider oft ödematös; 
contractile Gewebe, z. B. Gefässwandungen ziehen sich auf einen kleinern 
Durchmesser zusammen, der Puls, Anfangs oft frequent, wird kleiner, seltener, 
bis 50 und 40 (Tanquerel, Corson). Wie die normalen Ausscheidungen 
können auch pathologische stocken, Eiterbildung u. a. 

Das Nervensystem zeigt sich bei diesen Wirkungsgraden selten gestört, ab- 
gesehen z.B. von Mattigkeit, Kopfschmerz, Nervosität, Schwindel, Ohrensausen, 
Flimmern vor den Augen, oft bei grosser unbeweglicher Pupille, vertaubtes Ge- 
fühl der Haut, Finger, Anästhesie, zumal der Vorderarme, Schwäche, Zittern 



1 Blei verbreitet sich also durch den ganzen Körper, doch nicht gleichförmig; das meiste 
scheint sich in Milz, dann in Leber abzulagern, und vor allen im Harn wieder ausgeschieden 
zu werden. Die Art seiner chemischen Verbindung in den Organen wie bei Quecksilber u. a. 
Metallen noch zweifelhaft; doch scheint sich B. jedenfalls besonders mit den EiweissstofTen des 
Bluts wie der Organe zu verbinden, sei es z. B. als B.Oxyd (Cozzi u. A.) oder als B.Chlorid, 
als Doppelverbindung von B.Chlorid mit Chlornatrium (Mialhe) ; auch soll die verschiedene 
Wirkungsintensität der B.Präparate abhängen von der Menge des bei ihrer Zersezung ent- 
stehenden B. Chlorid (Mialhe) ? Jedenfalls werden jene B.Albuminate im Innern der Organe sehr 
schwer wieder zersezt und ausgeschieden, z. B. im Harn ; auch dies soll besonders durch Hülfe 
der Chlorüre im Blut u. s. f. geschehen (Mialhe). 

Findet man B. bei Vergiftungen damit constant in Blut, Organen, Harn u. a. (Tiedemann 
und Gmelin, Guibourt, Lassaigne, Taylor, Todd, Heller u. A.), so kommt freilich in Betracht, 
dass winzige Mengen B. schon normaler Weise im Körper enthalten sein können (Devergie, 
Henry, Guibourt, Millon , Legrip u. A.); und sollte dies auch nicht constant der Fall sein (Che- 
vallier, Melsens), so wird doch dem Menschen nur zu häufig B. im Trinkwasser, Wein, Bier, 
Obstmost , aus Geschirren u. s. f. zugeführt. Vergiftung aber sah man schon durch B. haltige 
Schminken u. dergl. (Krimer, Heim, Fievee, Lacy u. A.), durch Schnupftabak (Chevallier), mit 
Bleifarbe angestrichene Käfige im Zimmer (Watson), durch Oblaten, Visitenkarten (Eichmann) 
entstehen, und in Frankreich z. B. erkranken jährlich über 2000 Arbeiter an den Wirkungen 
des B. Auch die Ursache der sog. nervösen Colik z. B. auf Schiffen , in den Tropen , der sog. 
Madrider C. u. a. findet man mehr und mehr im B. (Chevallier u. A.). 

2 Die Färbung scheint dadurch zu entstehen, dass sich B.Dämpfe, Staub mit dem Eiweiss 
der Mundflüssigkeiten und deren Schwefel verbinden. Hierauf beruht wohl auch die Färbung 
von Haut, Haaren; nur wird zugleich B. durch die Haut wieder ausgeschieden; SchwefelB. 
bildet sich wenigstens z. B. auf der Haut von Bleikranken, welche Schwefelbäder brauchen, 
auch durch Schwefel- und Phosphorwasserstoff, was Burton sogar zur Diagnose benüzt. 



102 Blei. 

der Extremitäten, zeitweiser Colik, Schmerzen in Lenden u. s. f. Jene Sym- 
ptome alle können lange auf diesem niedrigem Grade bleiben; ihre Diagnose 
höchst unsicher; treten sie z.B. bei Arbeitern, nach Genuss B. haltiger Speisen, 
Getränke ein, so kann fast nur der Nachweis des B. in diesen wie im Harn 
u. a. den ursächlichen Zusammenhang klarer machen^ und selbst dann wird 
vielleicht dem B. an sich oft eine zu wichtige Kolle beigelegt. x 

3. Bälder oder später erreichen jene Symptome, zumal soweit sie in 
einer Störung- des Nervensystems beruhen, einen höhern Grad, es entsteht 
sog. Bleicolik. Meist gehen ihr obige Störungen voraus; oft aber entsteht 
sie auch sogleich, d.h. heftiges inter- oder doch remittirendes Leibschneiden, 
zumal in der Nabelgegend, oft mit Wadenkrämpfen, starrer, tonischer Con- 
tractur der Bauchmuskeln, dazu Stuhlverstopfung, oft Eckel, Erbrechen; zu 
leztern kommt es noch häufiger späterhin, mit sog. Gastricismus , Dyspepsie, 
Appetitmangel, während der Stuhl sparsam, träge bleibt, oft blos einer alle 
4 — 8 Tage (Brächet u. A.). Auch treten jezt, wo nicht gleich Anfangs in 
den verschiedensten peripherischen Nervenparthieen, Muskeln theils Schmer- 
zen, theils Krämpfe, Zuckungen, Lähmungen ein, mit Schwindel, Amblyopie, 
Schlummersucht, Kopfweh, zuweilen Asthma, Delirien, Coma; oft steigert es 
sich zu wirklichen Convulsionen, partiellen oder allgemeinen, clonischen wie 
tonischen, cataleptischen und epileptischen, auf welche zulezt Lähmung folgt. 

Der höchste Grad jener Störungen im Nervensystem mit Verlust des Be- 
wusstseins u. s. f. heisst Epilepsia saturnina (ohne sog. Aura epil.); oft ent- 
stehen heftige Schmerzen in Kopf, Kumpf, Genitalien, Extremitäten, Gelenken 
(Arthralgia saturnina), meist mit nächtlichen Exacerbationen, oder Krämpfe der 
Nacken-, Kehlkopf-, Rumpfmuskeln, der Gliedmassen, von leichtem Muskelzittern 
bis zur tonischen Contractur; Arme, Beine werden steif, schwer beweglich, Gang, 
Bewegungen unsicher, linkisch. Endlich Lähmung dieser u. jener Muskelpar- 
thieen, wo nicht ganzer Extremitäten, am häufigsten der Arme, der Streck- 
muskeln des Vorderarms, Unterfusses. An den Armen trifft die Lähmung die 
an der Dorsal- oder Extensionsseite, an den Beinen die nach vorne gelegenen 
Muskelparthieen, während die Flexoren krampfhaft contrahirt sind. 2 Doch 
kommt es auch oft zu allgemeiner Lähmung der Arme, Beine (Falck u. A.). Läh- 
mungen wie Contracturen u. s. f. entstehen oft ungewöhnlich schnell ; Bleiarbeiter 
sterben sogar öfters plözlich unter Schlagartigen Zufällen. Nur selten entsteht 
Amaurose, Taubheit, doch zuweilen plözlich; wegen Schwäche, Lähmung des 
Stimmapparats kann Stottern, Aphonie eintreten. 

Wirkt B. sehr lange ein, so können zulezt, nachdem Bleicolik u. a. wiederholt 
vorausgegangen, völlige Blutarmuth, Inanition und palpable Veränderungen der Ge- 



1 Chron. B.Vergiftung tritt auch bei Hausthieren, Ratten, Geflügel u. a. ein, z. B. in Blei- 
weiss-, Mennige-Fabriken, in der Nachbarschaft von Hüttenwerken. Wie Frauen leicht abortiren 
sollen, werden Ziegen u. a. oft unfruchtbar, Hühner legen keine Eier mehr (Tanquerel, Sander, 
Langendorff u. A). 

Bei Versuchen an Tauben sah Falck Abnahme der Fresslust, Dyspepsie, wohl theilweis 
schon durch Fällen des Pepsin, durch Alterationen der Schleimhäute; das Quantum der Aus- 
leerungen, Fäces, Galle, Perspiration u. a. nicht kleiner als sonst bei Nahrungsmangel, der 
Stoffumsaz schien also nicht zu stocken, und schon in Folge mangelhafter Stoffzufuhr entsteht 
daher schliesslich ein Deficit, d. h. Blutarmuth, Abzehrung, Verlust an Körpermasse oder Ge- 
wicht, allmälig bis zu 35%; zugleich sinkt die Eigenwärme. Corson legt dem B. einen schwächen- 
den, selbst lähmenden Einfluss aufs Herz und seine Contractionen bei. 

2 Die Arme pflegen früher denn andere Theile zu erlahmen (nach Todd , weil sie mehr an- 
gestrengt werden und so ein grösseres Nährbedürfniss haben, nach Lloyd, weil ihre Arterien 
relativ kleiner und jezt unter dem Einfluss des B. sich noch mehr verengern) ; am häufigsten 
die rechte Hand. Oft entstehen ganz locale Lähmungen der Hand, ohne alle Behelligung des 
Gehirns wie anderer Muskeln (Carlisle), z.B. durch häufige Berührung mit Bleiweiss, bei Sezern 
durch neue Lettern, z. B. wenn diese die Haut rizen (Salter). Lähmungen sollen überhaupt bei 
Malern, Anstreichern häufiger sein als bei Fabrikarbeitern (Bright, Falck u. A.), während bei 
leztern Colik häufiger ist; Säufer, Unreinliche unter den Arbeitern werden öfter als Andere 
befallen, und in ungeeigneten , zumal schlecht ventilirten Arbeitslocalen häufiger als sonst. Mit 
der Muskelparalyse sind meist, zumal Anfangs Schmerzen in den afficirten Theilen verbunden, 
ungleich seltener Anästhesie; die lahmen Muskeln reagiren nicht mehr auf den galvan. Strom, 
während sie sich noch willkürlich bewegen lassen, z. B. Vorderarm, Finger; bei Lähmung 
nach Apoplexie ist's vielmehr umgekehrt; auch sind oft die lezten Fingerphalangen noch be- 
weglich , die ersten nicht mehr (Duchenne). Als characteristisch gelten auch die zwischen 
Carpus und Metacarpusknochen hervorragenden Köpfe dieser leztern wie des Os scaphoid. und 
semilunare in Folge der Lockerung der sie verbindenden Ligamente (Tanquerel). 



Blei. 103 

webe, der Organe eintreten. Die lahmen Muskeln atrophiren, wenigstens parthieen- 
weise, die rothen Muskelfasern scheinen oft ersezt zu werden durch blasses, fibröses 
Gewebe; der Kranke zehrt ab, oft unter reichlichem Schweiss, wird blödsinnig, 
dazu Oedeme, zeitweis Delirien, Betäubung, Schlummersucht, oft mit Convulsionen. 
All diese Symptome chron. B.Vergiftung, sonst Hüttenkaze, Cachexia s. Tabes 
saturnina genannt, können Jahre durch bestehen, oft mit längern Remissionen, 
freien Zwischenpausen ; endlich kann Tod unter Convulsionen oder apoplectisch 
eintreten. 

4. Grosse Dosen zumal leicht löslicher B.Präparate, z. B. essigsaurer 
Salze bewirken acute B.Vergiftung, doch nur wirklich grosse Mengen, %ß — j 
und mehr, überhaupt ziemlich selten. Es entstehen Schmerzen in Magen, 
Bauch, Erbrechen, Durchfall, selbst wirkliche Gastro-enteritis ; oder rascher 
Collapsus", Schwindel, Bangigkeit, Ohnmacht, Delirien, Convulsionen, Krämpfe, 
doch nur selten mit tödlichem Ausgang, fast nie schon am 1. Tag. 

Läsionen in der Leiche durchaus nicht constant, können ganz fehlen. Bei 
chron. B.Vergiftung findet man selten mehr als Darmcatarrh u. dgl., Magen-, 
Darmschleimhaut stellenweis injicirt, erweicht, misfarbig, die Darmfollikel, 
Peyer'sche Drüsenflecken geschwollen , das Darmrohr stellenweise contrahirt, 
geschrumpft, auch gegentheils ausgedehnt, gefüllt mit grauen, festen Kothmassen. 
Veränderungen anderer Theile noch weniger constant, z. B. grauliche Färbung 
innerer Schleimhäute, Organe (Flandin, Danger, Tanquerel); Windungen des 
Grossgehirns öfter abgeplattet, seine Substanz verdichtet, auch erweicht, matt- 
gelb, bei Epileptischen hypertrophisch; Cerebrospinalflüssigkeit öfter vermehrt 
(Tanquerel); Muskeln blass, atrophisch, in fibröses Gewebe umgewandelt; Blut, 
Harn, Leber u. a. enthalten B. ; Fäulniss der Leichen oft verzögert, wo nicht 
sistirt. Bei acuter Vergiftung z. B. durch Bleizucker Schleimhaut des Magens, 
auch des Darmcanals bedeckt von weisslichen B.Albuminaten, drunter die Schleim- 
haut geröthet, ecchymosirt, oft wie gegerbt. 

Verfahren bei acuter Vergiftung: Fördern des Erbrechens durch reich- 
liche, indifferente Getränke, Kizeln im Schlund, nötigenfalls Zinkvitriol, Brech- 
wurzel, Magenpumpe ; lösliche B.Salze sucht man durch Eiweiss, mit Wasser zu-r 
sammengerührte Eier, Schwefelsäurehaltige Getränke, Lösungen schwefeis. Salze, 
z. B. Alaun, Bitter-, Glaubersalz, auch kohlens., phosphors. Natrons in unlösliche 
Verbindungen zu verwandeln. Bouchardat und Sandras empfehlen Schwefeleisen- 
oxydhydrat als Gegengift, Andere Schwefelwasserstoff, Schwefelmetalle, die jedoch 
nicht viel leisten, und selbst leicht giftig wirken. Bei Bleicolik und chron. 
B.Vergiftung scheinen überhaupt Opiate noch am nüzlichsten, abwechselnd mit 
Laxantien, Glauber-, Bittersalz, Ricinus-, Crotonöl, Senna, Klystiere, Cataplas- 
men, Bäder. ■ Durch reichliches Trinken von Wasser, Tisanen , warme Bäder 
u. s. f. sucht man die Absonderungen, besonders den Harn und damit die Aus- 
scheidung des B. zu fördern ; weniger leisten Alaun (Gaussail, Brächet), Schwefel- 
wasser, Schwefellebern, Schwefelsäure und selbst Jodkai. (Melsens, Parkes u. A.), 
welches für jezt am meisten ä la mode. Bei Lähmungen ausser Electrisation, 
jezt auch electro-chemischen Bädern u. a. vor Allem Regulirung des Stuhlgangs. 
Immer und überall aber am nüzlichsten eine gute, reine Luft, nahrhafte Kost, 
Wein u. s. f., dazu bei Bleiarbeitern u. a. eine tüchtige Präventive 2 . 



1 Belladonna rühmen Fonssagrives, Malherbe ; Chloroform Aran, Faradisation Briquet. Das 
alte Verfahren der Pariser Charite, welches 7 Tage dauert, besteht in Klystieren, Brechmitteln, 
Laxanzen, warmen Tisanen mit Opium und Anfangs strenger Diät; von Trousseau u. A. ver- 
einfacht. 

2 Das Wichtigste hiebei scheint gute Einrichtung der Werkstätten, Ventilation, Hindern 
jeden Verstäubens von B., Meiden der Arbeit bei leerem, nüchternem Magen, nahrhafte Kost, 
scrupulöse Reinlichkeit, häufiges Waschen, auch des Mundes, Baden, auch in Schwefelwassern, 
um dasB. auf der Haut zu binden, Meiden von Nasse, Kälte; Regulirung des Stuhlgangs (öfteres 
Laxiren), der Exoretionsprocesse. Benson empfahl Bier mit Schwefelsäure und kohlens. Natron, 
Mialhe Schwefelalkalien innerlich wie zu Waschungen ; Meillet u. A. eine damit benezte Maske, 
Gros Eisenvitriolsyrup , 30 grm mit 15 Branntwein; zugleich soll Kochsalz möglichst gemieden 
werden, seiner ehem. Wirkung wegen. Dergleichen speeif. Prophylactica sind indess eitel 
Spielerei, und z. B. schon ein guter Arbeitslohn samt Allem, was davon abhängt, zugleich mit 
obigen Sanitätsmassregeln unendlich wirksamer. Gut ist die Sitte vieler Arbeiter, mehrmals 
jährlich nach Haus zu gehen und sich „entbleien" zu lassen, durch Milch, Fleisch, Tisanen u. a. 
(Gros) ; auch hiebei scheint die Entfernung von B. das Meiste zu leisten. Endlich muss B. in 
der Industrie möglichst durch unschuldige Metalle u. s. f. ersezt. seine Beimischung zu Getränken, 
Speisen u. s. f. verhütet werden. 



104 Blei - 

Gebrauch. Innerlich sowohl als äusserlich um tonisch-contractilen Ge- 
weben, Gefässwandungen, Bindegewebe u. a., welche ihres Tonus, ihrer Con- 
tractionsfähigkeit verlustig geworden, diese wieder zu geben, erweiterte Ge- 
fässe, Capillare zu verengern und etwaige Folgen jener Erschlaffung oder 
Expansion zu beseitigen, wie z.B. Congestion, Stase, Exsudation, Blutflüsse, 
Schweisse, Durchfall, Blennorrhöen, Eiterung. 

Man will somit durch B. vor Allem adstringiren, weil äussere Blutungen, 
Eiterung u. dgl. auf deren örtliche Application schwinden können; doch hängt 
wohl ein Heilerfolg z.B. bei Durchfällen, kommt anders' dem B. ein Verdienst dabei 
zu, von sehr complicirten , theilweis chemischen Vorgängen ab, vielleicht z. B. 
von Coagulation des Eiweiss in den Darmsecreten , sedativer Wirkung auf Mus- 
kelhaut, Darmnerven u. s. f. Ausser dieser adstringirenden, trocknenden Wir- 
kung wird B. benüzt, um auf's Nervensystem, auch auf Herz und seine Con- 
traction und damit auf den Kreislauf deprimirend, beruhigend zu wirken, z. B. 
bei schmerzhaften Leiden, Neurosen, Fieber. 

Innerlich werden so mit B.Präparaten, Bleizucker (meist mit Opium) 
behandelt 1. Magen-, Darmcatarrh, Durchfälle, Gastritis, Enteritis, Magen- 
und Darmgeschwüre (selbst bei Abdominaltyphus), Ruhr, Cholera, Magen-, 
Darmblutung, Magen-Erweichung, Tympanitis; Blennorrhöen der männlichen, 
weiblichen Genitalien, Bronchien, Bronchien-Erweiterung, Nasenbluten, Blu- 
tungen aus Lunge, Gebärmutter, profuse Schweisse, Eiterungen, 'grosse Abs- 
cesse, Speichelfluss ; zumSistiren der Milchsecretion; Scrofulose, Tuberculose, 
um Erweichung, Eiterbildung, Hustenreiz, Auswurf, Schweisse, Durchfälle zu 
hemmen; Aneurysmen grosser Gefässe, des Herzens, Hypertrophie des Herzens. 

Bei Pneumonie z. B. gab man Bleizucker besonders in Fällen, wo man 
Aderlass, Brechweinstein fürchtet, wie bei Schwangern, Alten, Schwachen; Rit- 
scher empfahl hier seine Mixt, narcotica: gr. 3 — 6 B. mit Laudan. £ß Aq. ceras. Jjv, 
3stündl. 1 Löffel, auch mit Digitalis. Bei Aneurysmen gab Dupuytren B. bis 
zu gr. 6, selbst 10 täglich, dazu Compressen in B.Solution getaucht auf Herz- 
gegend, Tumor, massige Blutentziehungen, Ruhe, strenge Diät. 

2. Neurosen, Epilepsie, Veitstanz, Hydrophobie, Neuralgieen, sog. Spinal- 
irritation , Herzklopfen mit oder ohne Hypertrophie , Erweiterung des Her- 
zens (Salgues, Brächet u. A.); Nymphomanie, heftige Erectionen, Chorda; 
Wechselfieber. 

Sein Nuzen bei obigen Krankheiten scheint oft mehr illusorisch oder irrig 
gedeutet. Mit einiger Sicherheit lassen sich höchstens seine örtlichen Wirkun- 
gen bei manchen Krankheiten des Magens und Darmcanals, z. B. bei Durchfall 
benüzen, nicht aber seine Wirkungen im Innern des Körpers; denn troz der 
frühern Ansicht eines Trousseau, Graves, Dupuytren, Laidlaw, Richter u. A. 
von der Unschädlichkeit des B. gilt es jezt mit Recht als ein perfides Mittel, 
bald in grossen Dosen ohne allen Nuzen, bald in viel kleinern schädlich, und 
bei längerem Gebrauch immer durchaus giftig, d. h. dem Leben feindlich wir- 
kend. Deshalb unterlässt man wohl besser seinen innerlichen Gebrauch für ge- 
wöhnlich ganz, und lassen sich seine geringen Palliativdienste leicht ersezen 
durch andere unschuldigere, zumal diätetische Mittel. Jedenfalls muss bei sei- 
nem Gebrauch der Kranke genau beobachtet, bei eintretender Färbung des 
Zahnfleisches, Indigestion u. s. f. sogleich ausgesezt und gegen etwaige B.Ver- 
giftung verfahren werden. Um solche zu meiden, gebe man B. nie zu lange 
fort, und stets mit längern Zwischenpausen; kleine, oft repetirte Dosen schü- 
zen nicht entfernt gegen Vergiftung; Zusaz von Opium meist passend. 

Aeusserlich nach denselben An- und Absichten benüzt wie innerlich, 
nur mit dem Unterschied dass man hier ausser adstringirenden auch verflüs- 
sigende, auflösende wie beruhigende Wirkungen erwartet, je nachdem bald 
diese bald jene passlich scheinen. 

Kurz »praxis est multiplex« heisst es auch hier; man applicirt B., um er- 
schlaffte Gewebe, Gefässe u. a. zu contrahiren, Exsudations-, Eiterungsprocesse 
zu hemmen, oder vielmehr einzelne Bestandteile des Eiters u. a. in schwer 
lösliche Verbindungen umzuwandeln , ihr Eiweiss zu coaguliren ; öfter scheint 



Blei. 105 

auch B. auf gereizte Hautnerven u. s. f. beruhigend, lähmend zu wirken. Mit 
B.Präparaten (in Salbenform, gelöst in Wasser, zu Fomenten, Injectionen) wer- 
den so behandelt seröse Exsudation, Eiterung, Schmerz, Reizzustand, Ent- 
zündung, Catarrh, Blennorrhöen von aussen zugänglicher Theile (Hautdecken, 
Auge, Mundhöhle u. s. f., Mastdarm, Urogenitalorgane), z.B. Dermatitis, Eczem, 
Rothlauf, Ophthalmie, Tripper, chron. Ruhr u. a.; Excoriationen, Geschwüre, 
Quetschungen, Luxation, Fracturen, Wunden, Frost-, Brandverlezungen, Incar- 
ceration von Hernien, Ileus (hier sogar in Klystieren), Teleangiectasieen, Ex- 
crescenzen , z. B. syphilit. Geschwüre der Vaginalportion , Stomatitis , z. B. mer- 
curielle, scorbut. ; Pruritus ani, vulvae, Hämorrhoidalknoten, Tic douloureux, 
Neuralgieen sonst. 

Hier überall um so nüzlicher je mehr das Leiden ein örtliches, idiopathi- 
sches, weniger bei Cachectischen , Heruntergekommenen, bei Tendenz zu Gangrän, 
Lähmung. Bei Application des B.Zucker, B.Essig u. a. auf's Auge kann sich 
B. in Erosionen, Geschwüre der Cornea, Conjunctiva niederschlagen, meist unheil- 
bare Flecken bilden \ Auch beim äusserlichen Gebrauch von B., selbst von B.Pfla- 
stern ist Resorption, Vergiftung möglich (Chomel, Tanquerel des Planches, Carriere 
u. A.); B. darf daher nie zu lange applicirt werden. Ueberhaupt leisten aber 
Bleimittel, B.Lösungen oft genug, z. B. bei Entzündung, Schwellung u. a. kaum 
so viel als einfach kaltes, warmes Wasser. Als-Cosmetic. für die Haut sollte B. nie 
benüzt werden; trozdem oft in Gebrauch, z. B. B.Oxyd als Färbemittel für Haare, 
Bleiweiss als sog. Blanc de Fard, Prinzessenwasser u. a. 

Metall. B.: nicht benüzt 2 , ausgenommen etwa Bleiplättchen als Compressions- 
mittel bei Geschwülsten , Cysten , alten Fussgeschwüren (zur Consolidation der 
Narbensubstanz), zum Plombiren cariöser Zähne ; zu Cathetern , als Bleidraht zum 
Offenhalten von Fistelgängen u. s. f. Um so häufiger benüzt zu Gefässen, Wasser- 
röhren , Destillirapparaten u. s. f. ; Häufigkeit der Vergiftungen mit B. in Folge 
seiner leichten Oxydation und Löslichkeit in Wasser, geistigen Getränken, Speisen 
u. s. f. 3 . 

PI. oxydat, B.Oxyd, als sog. Massicot, geschmolzen als Blei glätte, 
Lithargyrum , PI. oxydat. fusum benüzt , wenn gereinigt pulverförmig , röthlich-^ 
gelb, in Wasser spurweise löslich. Dient ausser zum Haarfärben 4 wie andere B.Prä- 
parate zur Bereitung von Pflastern, als margarin-, eläinsaures Salz : Emplastr. Pi s. 
Lithargyri simplex , Diachylon simplex, Bleiglättepflaster, durch Kochen von Blei- 
glätte mit Baumöl (auch Axungia), weisslich, zähe. Empl. Pi composit, Diachylon 
composit., Empl. gummi-resinosum, das vorige mit Wachs, Ammoniakgummi, Gal- 
banum, Terpenthin, bräunlichgelb, zähe ; mit Leinöl aa z. B. auf durch Fussschweisse 
erweichte Sohlen und Zehen gestrichen, dann mit Leinwandlappen bedeckt (Hebra). 
Empl. adhaesivum, Heft-, Klebpflaster, durch Kochen von Bleiglätte mit Baumöl und 
Zusaz von Geigenharz, Terpenthin, auch durch Zusammenschmelzen des Empl. litharg. 
simplex mit gereinigtem Fichtenharz, Pech 5 ; bräunlich, klebend; oft benüzt zu 
Verband, Compression, z. B. bei Geschwüren, entzündeten, geschwollenen Theilen, 



1 Nur gleich Anfangs vielleicht noch zu beseitigen durch Aufpinseln von Wasser mit etwas 
Salzsäure, Kochsalz, später durch Abkrazen mit Scariflcator u. a. (Desmarres). 

2 Bleikugeln schluckt das Volk in Dalmatien bei Stuhlverstopfung (Pissling , Lambe); auch 
Schrotkörner gab man öfters zu §5—10 bei Darmeinklemmungen , wie Quecksilber. 

3 Selbst in destill. Wasser überzieht sich B. bei Gegenwart von Luft mit einer weissen Haut 
von B.Oxyd oder kohlens. B., und im Wasser findet man jezt B.Oxyd gelöst; kleine Mengen 
schwefeis. Salze u. a. im Wasser erschweren bis zu einem gewissen Grad jene Oxydation, 
weshalb hartes Wasser, Quellwasser in Bleiröhren, Cisternen u. a. immerbin weniger B. auflöst 
als weiches, z. B. als Fluss-, Regenwasser. Noch mehr als Kohlensäure fördern Pflanzen-, 
Fettsäuren die Oxydation und Lösung des B. , weshalb Speisen, Getränke in Gefässen aus B. 
weder zubereitet noch aufbewahrt werden dürfen; nur Legirung mit Zinn schüzt B. mehr oder 
weniger gegen jene Oxydation und Lösung. 

* Zum Schwarzfärben der Haare dient seine Lösung in Kalk, wobei sich B. mit dem Schwe- 
fel der Haare zu schwarzem SchwefelB. verbindet; man trägt z. B. 2 Th. Bleiglätte, auch 
kohlens., essigs. Blei mit 1 Th. Kalkhydrat, gewöhnlich mit Stärkmehl, oft auch etwas Potasche 
mit Wasser angerührt mittelst Bürste , Pinsel u. s. f. auf, bedeckt den Kopf mit Taffetmüze 
u. dergl., wascht ihn nach 5—6 St. 

5 Gutes Heftpflaster gibt Pechharz (sog. Galipot) mit ü gelbem Wachs , Colophonium und 
Axungia (Wucherer); auch etwa9Th. Dammarharz mit 2 Baumöl, 2 Wachs und 1 Th. Bleiglätte- 
pflaster zusammengeschmolzen (Kausler). Ceratum s. Ungut, fuscum Ph. Austr. Diachylon- 
pflaster geschmolzen mit gelbem Wachs, Talg, Axungia. Zur Reinigung der Haut von Pflaster- 
resten dient besser als Spatel, Reiben, Fette u. s. f. Aufdrücken warmer Leinwandstücke 
(Forget). 



106 Blei. 

Bubonen , Abscessen , Tumor albus , Wassersucht , Anasarca , Hydrocele , chron. 
Hydrocephalus, zu sog. unverrückbaren Verbänden (hier öfters mit Seifenpflaster), 
bei Hautentzündung, Blattern u. a. ; altes Heftpflaster verdient immer den Vorzug. 
Sie alle können unter Umständen B.Colik veranlassen, und bei Gebrauch von 
Schwefelbädern braune Flecken. 

PI. oxydai. rubrum s. superoxydat, Mennige, Minium (B.Oxyd mit 
Hyperoxyd), durch Erhizen des B.Oxyd an der Luft erhalten; roth, unlöslich in Was- 
ser ; dient blos zur Bereitung des Emplastr. nigrum s. fuscum, Schwarz- 
pflaster, Empl. Minii adustum, noricum, plumbic. camphorat. : M. gekocht mit 
Baumöl, später gelbes Wachs, etwas Kampher zugesezt (einfaches Schwarzpflaster 
hält z.B. nach Ph. Wirtemb. keinen Kampher); braun, schwärzlich, zähe. Empl. 
Minii s. de Minio rubrum, Mennigpflaster, Cerat. de Minio : M., 
Kampher geschmolzen mit Wachs , Talg , Provencer Oel 1 . 

Bleiweiss, Cerussa, basisch kohlens. B.Oxyd; fabrikmässig dargestellt 
aus bas. essigs. B.Oxyd; löslich in Aezalkalien, nicht in Wasser, oft vermischt mit 
Gyps, Kreide, Bleisulphat u. a. Wirkt örtlich auch in grossen Dosen als mildes 
B.Präparat , innerlich wie B. überhaupt ; für Arbeiter in B. eines der gefährlich- 
sten B.Präparate , besonders eingeathmet. Innerlich nicht benüzt 2 , nur zur Be- 
reitung von Salben, Pflastern ; officin. sind : Empl. Cerussae s. album coct, 
Bleiweisspflaster, durch Kochen von Bleiglätte mit Baumöl , Bleiweiss ; 
weiss, zähe, weniger klebend als Diachylon. simpl., z. B. am Rand mit Heftpflaster 
bestrichen bei Decubitus aufgelegt ; gibt mit Terpenthin, Pech gleichfalls Heftpflaster 
(Martius u. A.). Empl. Cerussae rubrum Cod. Hamb. Bleiweiss, Mennige 
mit Wachs, Talg, Olivenöl, Kampher geschmolzen. Ungut. Cerussae s. a 1 b. 
simplex, Bleiweisssalbe, Axungia mit B. ; oft benüzt als schmerzstillende, 
trocknende Salbe ; mit ein wenig Kampher nach Ph. Wirtemb., Hamb. als U n g u t. 
Ceruss. camphorat. offic. — B. mit Wasser zu Brei angerührt, V 2 '" dick auf- 
getragen bei Tic douloureux , Verbrennungen , Decubitus , Frostbeulen (Ouvrard 
u. A.), mit g^ Leinöl (Henry), bei Rothlauf mit Wasser (Goolden) ; gepulvert bei 
Excoriationen u. dgl. aufgestreut , kann aber zu Vergiftung führen , zumal bei 
Kindern. 

PI. aceticum oxydatum, BleizucJcer, Sacchar. Saturni, Acetas 
Plumbi s. plumbic., Essigs. B.Oxyd: käufliches, rohes durch Lösen in Aq. dest. 
mit Essig gereinigt , als PI. a c e t i c. d e p u r a t. offic. ; krystallin., löslich in 
l 1 / 2 Wasser , 8 Weingeist ; durch Kohlensäure der Luft , des Wassers theilweis 
zersezt, unlösl. kohlens. B.Oxyd bildet sich. 

Wirkungen die der löslichen wirksameren B.Präparate. 

Verwandelt sich im Magen theilweis in kohlens. B.Oxyd (Thomson, Danger, 
Flandin) ; nach Mitscherlich bildet es als solches mit den Eiweissstoffen der 
Magenflüssigkeiten u. a. Albuminate, welche zum Theil sich lösend in Salz-, 
Milchsäure , im sauren Magensaft theilweis resorbirt werden , zum grössern Theil 
aber ungelöst bleiben und im Stuhl abgehen. Kann in kleinen Dosen oft längere 
Zeit ohne merkliche Wirkungen genommen werden (Latham, Daniell, Laidlaw, Chri- 
stison, Thomson, Pereira u. A.), selbst 3j— %ß haben oft keine schädlichen Folgen 
(Thomson , Gardner). In andern Fällen kommt es schon auf viel kleinere Dosen 
zu Vergiftung, auch bei Application auf die Haut, zumal wenn ihrer Epidermis 
beraubt, sogar bis zu Lähmung, Tod. In grossen Dosen wirkt B. reizend, selbst 
äzend, indem er sich chemisch mit dem Eiweiss der Gewebe verbindet; macht 
so alle Symptome der acuten B.Vergiftung 3 . 

Innerlich fast allein unter allen B.Präparaten benüzt (s. oben). D. gr. 



1 Viele sog-. Arcana sind nichts als derartige B.Pflaster und Salben, z. B. das Lauer'sche 
Heil- und Wundpflaster, die Le Grand'sche Mutter- oder Universalsalbe: M. gekocht mit Olivenöl 
und etwas Kampher. Als nicht reizendes Heftpflaster empfiehlt Colson M. 250 Th., Olivenöl 500, 
gelb Wachs 185 leicht gekocht und zusammcngerührt. Bei stinkenden Fussschweissen bringt 
Gaffard M. mit Liquor Subacetatis Plumbi zwischen die Zehen. 

2 Bei Lungentuberculose gibt es jezt Beau, gr. 2—15 p. d.! 

3 In Venen gesprizt wirkt gelöstes essigs. B.Oxyd nicht so bedeutend als manche andere 
mineralische Stoffe ; doch kommt es nicht selten zu Hyperämie, Stase, selbst Ecchymosirung der 
Darmschleimhaut, Lungen, Nieren (mit Abgang blutigen Harns : Gaspard), und bei grössern 
Dosen sterben Thiere sehr schnell unter Erscheinungen von Lähmung des Gehirns, Rücken- 
marks. Seine Lösung gab auch eine Aqua Toffana ab. 



Blei. 107 

j — Jj, tägl. mehrmals 1 , allmälig bis gr. 6; als Pulver, Pillen, auch in wäss- 
riger Lösung, z. B. Aq. cerasor. 

Oefters sezt man etwas Essigsäure bei, um die Bildung von kohlens. B. zu 
hindern ; der passendste Zusaz ist Opium , Tinct. Opii , Morphin ; die Zersezung 
in etwas essigs. Morphin und mekons. B.Oxyd dabei stört seine Wirkung nicht. 
Meide : Alkalien , Erden , Säuren , Alaun , Gerbstoff u. a. , hartes Wasser , auch 
Milch, der Bildung von Albuminaten wegen. 

Sacchari Saturn, gr. jjj Extr. Opii aquos. gr. j Pulv. H. Hyoscyami gr. vj 
f. Pil. 8 ; Morgens und Abends 1 Pille, bei Epilepsie : Kecamier. PI. acet. oxyd. 
gr. vj Extr. Opii gr. jv Aq. destill. 3gv Sacch. albi %ß; 2mal tägl. 2 Esslöffel, 
z. B. bei Durchfall, Buhr. 

Aeusserlich, doch ziemlich selten wie andere B .Präparate benüzt, gelöst, 
meist gr. 1 — 6 auf Jj Aq. dest., zu Augenwassern bei Conjunctivitis u. a.; zu 
Klystieren, z.B. bei Durchfall, Ruhr 2 u. a.; zu Gurgelwassern bis 3jauf Jj. 

Bei Geschwüren der Hornhaut zu meiden , weil B. in die sich bildende 
Narbensubstanz eingeschlossen werden kann ; bei sog. contagiöser , granulöser, 
belgischer Augenentzündung, bei Augentripper streicht man B. als Pulver auf die 
umgestülpten Augenlider mittelst eines feuchten Pinsels oder mit Wasser als Paste 
(Buys, dinier, De Conde, David, Gouzee), was übrigens ziemlich schmerzhaft ist, auch 
können bleibende B.Niederschläge in Cornea, Augenlidern entstehen (Ross) 3 . Bei 
chron. , tuberculöser Laryngitis Hess man fein gepulverten B. mit 7 Th. Zucker 
einathmen (s. Calomel, Silbernitrat). Auch als Salbe, Cerat bei Geschwüren u. a. 
applicirt , mit Baumöl , Wachs u. dgl. Ungut. PI. acet. s. saturnin. Ph. 
Austr. Zu seinen medicamentösen Pessarien bei Krankheiten des Mutterhalses, 
der Scheide nimmt Simpson u. a. 2 grm B. auf 24 Axungia, 4 Wachs. 

Liquor Subacetatis plumbi, Bleiessig, Basisch essigs. B.Oxyd, Liquor Plumbi 
hydrico-acetici , Acetum Saturni s. plumbic, PI. subacetic. liquid, s. solut. , Acetas 
Plumbi basicus : ein Gemenge basischer B.Acetate, besonders von Halb- und Drit- 
tel-essigs. B.Oxyd; erhalten durch Mischen von Bleizucker mit B.Oxyd und Ab- 
filtriren des Gelösten, übrigens in beliebter deutscher Weise fast nach jeder 
Pharmacopoe wieder anders, Ph. Bav., Wirtemb., Bad. u. a. ; soll das alte unreinere 
Bleiextract, Extract. Saturni ersezen ; wasserhell , oft durch kohlens. B.- 
Oxyd getrübt. 

Wirkungen die der löslichen B.Präparate, des Bleizuckers ; seine örtlichen 
hängen grossentheils ab von seiner Affinität zu den Eiweissstoffen organischer 
Substanzen. 

B.Subacetat bildet nemlich mit Eiweiss ein in Wasser unlösliches B.Albu- 
minat , welches sich in überschüssigem Bleiessig , in essigs. , Salpeters. Kali löst 
(Lassaigne), theilweis auch in den Magen- und Darmflüssigkeiten. 

Bios äusserlich benüzt 4 , hier unter allen B.Präparaten am häufigsten, 
mit Wasser zu Fomenten, Injectionen, auch Cataplasmen, mit Fett, fetten 
Oelen zu Salben. 

Statt Cataplasmen legt Lippert 8fach zusammengelegte Compressen auf, ge- 
taucht in Bleiessig 1 Th. , Wasser 5 , umwickelt das Ganze mit Wachstaffet ; da- 
mit getränkte Charpie , Baumwolle auf Panaritien (Riecke) ; bei Anthrax , Brand 
Umschläge mit Bleiessig Jjj, Schwefelsäure 3j, Wasser 2 U (Beyschlag, Mayer- 



1 Bei Cholera sogar gr. jj p. d. alle */2 St. (Graves), oft mit Opium, Tct. Opii, essigs. Morph, 
und Essigsäure, Wasser (Sanders); bei Ruhr gab Stäger gr. 10— 20— 60 p. Tag; bei Hypertrophie 
des Herzens, Palpitationen Brächet, mit Extr. Digital. 

Tinctura antiphtisica (Grammann, Füller): Bleizucker mit Eisenvitriol. 

2 Bei Ruhr injicirt Hare B. und Alaun in kaltem Wasser mit einer Clysopompe, Craigie 
gr. 10 mit an Tinct. Opii; bei Cholera Rae 12—15 gr. mit §/?— j Tct. Catechu auf 5 8 Stärke- 
lösung, alle paar Stund; bei Schweissen Phtisischer (Devergie). 

3 Zu Gurgelwassern bei Angina tonsill. als Abortiv nimmt Rul-Ogez gr. 6—10 auf %v Wasser, 
%ß Gi arab. und £j Syr. simpl. B. als Pulver applicirte Riecke auf Warzen, Markschwamm, 
Condylome, Granulationen u. dergl., Quaglino auf Thränensackgeschwulst nach deren Ent- 
leerung, 1— 2mal täglich, Deconde bei Pterygium, entfernt ihn wieder nach einigen Secunden 
mit dem nassen Pinsel. PI. acetic. solut., Acetas Plumbi acidulus solut. Ph. Austr. 
Lösung in 6 Aq. dest. 

4 Innerlich bei Wasserscheu versucht. Zusaz von Schleimen, Brunnenwasser ist stets zu 
meiden. 



108 Blei. 

hoffer) ; bei Afterfissuren mit Ungut, popul. , Extr. Mones. , Bellad. , Mandelöl 
(Perrin) ; bei Ileus, Brucheinklemmung Klystiere z. B. von 3jj auf ^8 Aq. (Sewruck) ; 
bei Tripper injicirt man einige Gran bis 3j au ^ Jj Aq. dest. ; bei Hypertrophie 
der Mamma reibt Brodie Extr. S. 1 Th. mit 3 1 /» Spirit. camphorat. und Wein- 
geist mehrmals täglich ein; bei Hautkrankheiten, Geschwüren u. a. sezt man oft 
Opium , Tct. Opii u. dgl. bei , zu Waschungen bei Acne Weinessig (Bretonneau) ; 
auch mit Bolus, Kampher (Veiel) ; als P a p i e r - M o x a ungeleimtes Druckpapier 
in eine Lösung des Bleiessig s. Bleiextract getaucht und getrocknet; brennt gut 
ab (Marmorat). 

Aqua Plumbi s. saturnina, plumbica, Bleiwasser, Mischung 
des vorigen mit Aq. dest., etwa gr. 10 auf ^j ; statt des alten Aqua vegeto- 
mineralis Goulardi: 1 Th. Bleiessig, 4 Weingeist, 48 Brunnenwasser, wo- 
bei durch Kohlensäure, Salze des Wassers ein weisser Niederschlag von kohlens., 
schwefeis. B. entsteht ; beide äusserlich viel benüzt , zu Umschlägen , Injectionen 
u. a., meist verdünnt mit Wasser, oft mit Tct. Opii u. dgl. Ungut, s. Cera- 
tum Plumbi, Bleicerat, Ungt. saturnin., plumbic. : Bleiessig mitProvencer 
Oel, weiss Wachs; wirkt z. B. bei Decubitus meist besser als B.Tannat, Öfters 
mit Ol. Tereb., Kampher. Ungt. plumbic. composit. s. haemorrhoi- 
d a 1 e Ph. Dan. Norv., mit etwas Kampher, Ol. Hyoscyam. infus, und Safran dazu. 

PI. phosphoric. oxydat., Phosphors. B., weiss, unlösl. in Wasser; 
selten wie Bleizucker innerlich versucht (Hoffmann); überflüssig; ebenso PI. 
sulphuric, Schwefels. B. 1 ; Cyanblei, Cyanuret. Plumbi, PI. hydro- 
cyanic, wirkt wie Blausäure (Pelikan). 

Chloridum Plumbi, ChlorB., PI. chlorat., muriatic, durch Mischen 

von Bleiacetat mit Kochsalz erhalten , weiss , schwer löslich in Wasser ; als Cos- 

metic. benüzt ; als Lösung , Salbe bei Krebs , schmerzhaften Geschwülsten , Ent- 
zündung (Tuson). 

PI. jodat. , Jodid. Plumbi, JodB. , bereitet durch Mischen von 
Bleizucker mit Jodkai. oder Eisenjodür, krystallisirbar , gelb, in kaltem Wasser 
kaum , in kochendem leicht löslich , auch in Alcohol , Aezkali ; bildet mit Jodkai. 
u. a. Doppelsalze. So z. B. Kalium-Bleijodür, Jodoplumbat des Kalium: 
Wirkungen die eines milden B.Präparats, scheint örtlich nichts zu wirken, und 
das Jod selbst völlig wirkungslos ; trozdem als Jodpräparat innerlich wie äusser- 
lich benüzt (Cottereau, Delisle, Velpeau, Pereira), bei Scrofulose, Drüsenschwel- 
lungen, Lungentuberculose, D. gr. 2 — 4, mehrmals tägl. als Pulver, Pillen ; äusser- 
lich als Salbe, 1 Th. auf 4—12 Fett (Coste, Hirigoyen). 

PI. nitric, Salpeters. Blei, Nitras Plumbi , leicht löslich in Wasser, 
wirkt ziemlich wie Bleizucker; innerlich bei Epilepsie, Asthma u. a. , äusserlich 
bei Geschwüren, Rupia, Schrunden der Brustwarzen, Hände u. dgl. (Lemaitre, 
Volz), in concentrirter Lösung oder wie Höllenstein geschmolzen, desgleichen als 
Geheimmittel z.B. Liebert'sches im Handel; Ledoyen's, Raphanel's «Desinficirende 
Flüssigkeit» : wässrige Lösung dieses Salzes, quacksalberisch in England u. a. em- 
pfohlen , besonders seit der Cholera 2 . 

Blei-Tannat, Gerbstoffblei , PI. tannicum s. scytodepsic. s. Autenrieth's 
bei Decubitus, Cataplasma ad decubitum Ph. Bor. Austr. : der Niederschlag eines 
concentrirten Absuds von Eichenrinde durch Bleiessig, oft mit Zusaz von etwas 
Weingeist ; auf Leinwand gestrichen aufgelegt. Nur leichtere Grade des Decu- 
bitus heilen dabei, besonders wenn zugleich der Druck auf die Stelle nachlässt; 
sein Gerbstoff scheint weniger dabei zu wirken als das Blei ; hat den Nachtheil, 
dass es schnell trocknet, zerbröckelt und so die Theile drückt, reizt. Man kann 
daher Bleicerat beimischen, auch andere Salben, z. B. 1 Th. auf 4 Th. Ungut, 
rosat. (Tott), Kampher, Weingeist u. dgl. Derartige Linimente so gut als Blei- 
tannat applicirt man auch sonst auf Geschwüre , Excoriationen u. a. , z. B. 



1 Apfelsaures B., saures weinsaures und oxals. B., zum Lösen phosphatischer 
Blasensteine für Injectionen empfohlen (Hoskins), nicht erprobt. Arsenigs. B.Oxyd dient in 
der Pfalz als Lapis antifebrilis bei Wechselfieber (Winkler). 

1 Bei stinkenden Geschwüren, Krebs, Blennorrhöen , Lochien u. a. nimmt Ward kohlens. 
Blei gelöst in Salpetersäure q. s. und 2—400 Aq. dest. zu Injectionen, Umschlägen; Schwefel- 
ammon, SH wird dadurch zersezt, SchwefelBlei bildet sich. Auch obige Lösungen eignen sich 
höchstens zum Geruchlosmachen von Jauche, Koth, anatom. Präparaten u. dergl. , nicht zum 
Reinigen der Luft z. B. in Krankenzimmern. 



Kupfer. 109 

PI. tannic. siccum, pulverförmig , als Salbe, mit 4—8 Th. Honig u. a. Blei- 
extract mit Kinotinctur nimmt Bucknill bei brandigen Geschwüren, zum Ab- 
härten der Haut; bei alten Trippern injicirt Hecker gr. 10 B.Tannat auf §vj 
Wasser ; zu Klystieren bei Ruhr u. a. dient in Chile ein Absud der Ratanha 
mit Bleiessig, 3j auf %8 und 3j Tct. Opii (Piderit) ; bei Fluor albus bringt Lip- 
pert damit getränkte Charpietampons in die Scheide. 

6. Cuprum. Kupfer. 

Wirkungen. 1. Regulin. K. wie K.Oxyd, SchwefelK. äussern auch in 
beträchtlichen Dosen keine Wirkung, mag z. B. K. in grössern Stücken oder 
fein zertheilt in den Magen gelangt sein l . Anderseits scheint an der Ober- 
fläche oxydirtes, auch metall. K., wenn es unter Mitwirkung der Magen-, Darm- 
contenta oxydirt und theilweis in lösliche Verbindungen umgewandelt worden, 
wie K.Salze wirken zu können. Jedenfalls wirken alle löslichen K.Verbin- 
dungen in grössern Mengen schädlich auf Menschen, Thiere, auch auf Pflanzen 
(Decandolle), obschon in geringem Grade, nicht constant. 

K.Staub, welchem Schmiede, Giesser u. a. Arbeiter in K. ausgesezt sind, 
soll Schnupfen, Husten, Catarrh, Asthma, selbst leichte K.Vergiftung veranlassen 
können, wie Uebelsein, Verdauungsbeschwerden, Erbrechen, Colik, Durchfall u. a. 
(Chevallier, Blandlet, Falck, Tardieu, Boys de Loury u. A.). Ob aber K. oder 
schlechte Luft, Ueberarbeiten, Erschöpfung, Hize, kaltes Trinken, Begiessen u. s. f. 
hiebei die Hauptrolle spielen , ist zweifelhaft 2 . 

Mit Eiweissstoffen verbinden sich auch die K.Salze zu sog. Albuminaten, 
löslich in verdünnten Säuren, Alkalien, Magen- und Darmflüssigkeiten, bei grös- 
serem Gehalt an Eiweiss selbst in Wasser. Doch tritt wenig davon in's Blut 
(Reiter , Wibmer , Flandin , Danger) , vielmehr geht fast alles K. im Stuhl ab 8 . 
K.Acetat u. a. verwandeln sich im Darmcanal in Schwefelkupfer und färben die 
Faeces braun. Kommen grosse Mengen K.Salze mit Magen, auch Geschwüren,. 
Haut in Berührung , reichen Eiweiss u. a. zu ihrer Bindung nicht aus , so ver- 
binden sie sich mit den Geweben selbst, wirken jezt äzend. 

2. Die Wirkungen kleiner Dosen sind bis jezt zweifelhaft, und deshalb 
sogar die Ansichten über Existenz oder Nicht-Existenz einer Vergiftung sehr 
verschieden 4 . Immerhin leiden aber Arbeiter in K. häufig an Indigestion, 
Eckel, oft mit metall. Geschmack im Munde 5 , mit Magen- und Darmcatarrh, 
Erbrechen, Durchfall, Colik, Fieber u. dergl. Ja zuweilen scheint sich das 
Leiden theils zu tiefern Störungen des Nervensystems wie Krämpfe, Läh- 



1 Toussaint schluckte %ß K.Feile, selbst mit Limonade ohne alle Wirkung. 

2 Wie hei Blei gelten Unreinlichkeit, schlechte Ventilation, Einathmen, Schlucken von K.Staub 
als die wichtigsteu begünstigenden Umstände, und die Arbeiter suchen sich u. a. durch Milch, 
schleimige Getränke , Eiweiss mit Zucker zu schüzen. Ja schon kupferne Rauchfänge an Gas- 
lampen sollten schädlich wirken, durch Bildung von SchwefelK. und schwefeis. K.Oxyd bei 
Gehalt des Gases an Schwefelwasserstoff (Cordier) ? Kupfer-, Broncegiesser leiden oft an Brust- 
beschwerden, Lungenmelanose, vielleicht aber mehr in Folge des Rauchs und Kohlenstaubs 
dabei (Tardieu)? 

3 Wie andere Metalle wird K. besonders durch die Leber wieder ausgeschieden; man findet 
K. in derselben, auch in der Galle (Haller, Mosler u. A.), sparsamer im Harn, Blut (Lebküchner). 
K. fanden Millon, Chevallier u. A. z. B. auch in den oft grün gefärbten Haaren und Knochen 
von K.Arbeitern; selbst die Erde der Kirchhöfe soll in der Umgebung ihrer Leichen K. enthal- 
ten. Ob K. einen constanten Bestandtheil thierischer Substanzen bildet (Devergie u. A.), ist 
noch unentschieden. 

4 Während z. B. Falck , Corrigan u. A. noch ganze nosologische Gemälde der K.Vergiftung 
entwarfen, ist nach Toussaint, Pietra-Santa , Hönerkopf u. A. K. eine harmlose Substanz, kein 
Gift, und gibt es nichts wie z. B. eine K.Colik. Beide Ansichten scheinen übertrieben und ein- 
seitig; lässt sich an der schädlichen, selbst tödlichen Wirkung grosser Dosen K. gar nicht 
zweifeln, so hat man von der andern Seite die Schädlichkeit kleinerer Mengen z. B. bei Arbei- 
tern übertrieben, und den Einfluss des K. bei der sog. chron. K.Vergiftung in allzu categorischer 
Weise behauptet. Denn seine Wirkungen hiebei sind noch lange nicht festgestellt, und statt 
sie positiv zu erforschen, schilderte man sie oft nach alten Mustern oder nach dem Vorbild z. B. 
der Bleivergiftung. 

5 Dies sogut als Catarrhe, Asthma u. dergl. oder als die oft grünliche oder schmuzig gelbe 
Färbung von Haut und Haaren , selbst innerer KÖrpertheile begreift sich leicht in einer Atmo- 
sphäre voll K.Staub, Dämpfen, Rauch, aus Erkältung u. s. f. Eine besonders schädliche Wirkung 
des K. aber ist damit nicht bewiesen. 



HO Kupfer. 

mungen, theils zu Inanition, Abzehrung, Wassersucht u. dergl. steigern zu 
können. 

Hiebei kommt jedoch in Betracht, dass K.Arbeiter meist zugleich mit Blei, 
Zink , Zinn u. dgl. umzugehen haben , dass sie gleichzeitig hundert jedenfalls 
schädlichem Einflüssen als K. ausgesezt und überhaupt die Umstände , wo man 
chron. K.Vergiftung beobachtet, immer viel zu complicirt sind, als dass sich die 
Rolle des K. dabei beurtheilen Hesse (auch z. B. bei Speisen im Vergleich zu 
Blei, Fettgift u. a.) \ Man gab sich viele Mühe, zwischen Kupfer- und Bleicolik 
diagnostische Scheidewände aufzuführen, und allerdings unterscheidet sich die 
bei K.Arbeitern oder sonst eintretende Colik wie jeder Darmcatarrh z. B. durch 
öftere Durchfälle, Meteorismus, kürzere Dauer u. s. f. von Bleicolik. Doch eine 
K.Colik als besondere specif. Krankheit gibt es nicht, und fordert ebensowenig 
eine besondere Behandlung ; wie bei allen Zufällen der sog. chron. K.Vergiftung 
aber wird die Diagnose nur durch genaue Untersuchung des einzelnen Falls, 
Anamnese (Beschäftigung, Lebensweise, Möglichkeit einer K.Vergiftung) und den 
chemischen Nachweis des K. in Harn, Stuhl u. s. f. sicherer gestellt. 

3. In grössern Dosen, wie sie auch bei Kranken öfters in Anwendung 
kommen, machen K.Salze leicht Erbrechen, oft mit Durchfällen. Auf sehr 
grosse Dosen können ausserdem alle Symptome der Gastroenteritis entstehen, 
zuweilen mit Betäubung, Krämpfen, Ohnmacht, überhaupt Collapsus mit tieferm 
Ergriffensein der Nervencentra, und schliesslich kann Tod eintreten. 

Ist die Vergiftung durch K. haltige Speisen entstanden, so pflegen deren 
Symptome erst nach einigen Stunden einzutreten , z. B. herber metallischer Ge- 
schmack, Eckel, Kopfschmerz, Schwindel, Colik, Schwächegefühl, kleiner unglei- 
cher Puls ; die nach oben und unten entleerten Flüssigkeiten oft grün , auch bläu- 
lich, gelblich gefärbt. Wesentlich dieselben Zufälle entstehen durch Injection 
von K.Salzen in Venen, Wunden u. s. f. 2 

In der Leiche: meist Gastroenteritis in wechselnder Intensität , Magen-, 
Darmschleimhaut injicirt, ecchymosirt, selbst stellenweis verschorft, perforirt; zu- 
gleich oft grünlich gefärbt durch K.Salze; obige Alterationen fehlen nur ausnahms- 
weise, z. B. wenn Tod sehr rasch oder ohne Betheiligung der Dauorgane mehr 
durch Lähmung der Nervencentra , des Herzens eintrat. 

Verfahren bei acuter K.Vergiftung : erst Fördern des Erbrechens wie sonst, 
dann Eiweiss von mehrern Eiern, z. B. mit Wasser und Zucker, auch ganze 
eingeschlagene Eier, nöthigenfalls Fördern des Erbrechens der so gebildeten K.- 
Albuminate durch Kizeln im Schlund. In Ermanglung des Eiweiss grosse Men- 
gen Fleischbrühe, Milch, Eibischthee, Emulsionen von Pflanzensamen, Mandeln, 
Weizenmehl, Zuckerwasser, Syrup (Marcelin Duval, Barbet, Lartigue , Postel). 
Auch Lösungen von Cyaneisenkal. , Eisen- , Zinkfeile , durch H reducirtes Eisen, 
gebrannte Magnesie (Bussy, Roucher), Holzkohle (Chevallier), Galläpfelinfus, Kalk- 
schwefelleber, Eisensülfür (Bouchardat und Sandras) hat man als Gegenmittel em- 
pfohlen ; sie alle sind aber keine wirklichen Gegengifte , denn K. wird dadurch 
kaum je in ganz unlösliche und unschädliche Verbindungen übergeführt. Un- 
passend sind jedenfalls alle Säuren, welche Kupfer, K.Salze leicht auflösen, wie 
z. B. Essigsäure. 

Gebrauch. K.Präparate werden zumal innerlich selten benüzt; noch am 
häufigsten als Brechmittel (s. Kupfervitriol); da und dort behandelt man damit 
Epilepsie, Veitstanz, Neuralgieen, Tic douloureux, Wechselfieber (s. Kupfer- 
salmiak), auch Scrofulose, Krebs, Rhachitis, Syphilis, Honigharnruhr. 

Ob und wie hier K.Präparate etwas nüzen mögen, wissen wir nicht; als 
sie am meisten in Gebrauch waren , existirte noch keine genauere Pathologie, 
und seit diese Fortschritte gemacht , werden K.Präparate selten mehr benüzt, 
ausser etwa von Rademacher und seinen Schülern 3 . 



1 Selbst K.Vitriol macht nur in grössern Dosen Erbrechen u. s. f. , aus K. Gesehirren u. dgl. 
konnten aber gewöhnlich höchstens kleine Mengen K.Oxyd verbunden mit Essigsäure, Fett- 
säuren u. a. gelöst werden. 

2 Bei Fröschen, denen K.Vitriol in Wunden beigebracht wurde, sollen die Contractionen des 
Herzens erlöschen, nicht aber die Reizbarkeit der Nerven, Muskeln (Moreau). Beim Menschen 
kann Jj— jj K.Vitriol, Grünspan u. dergl. tödlich wirken. 

3 Wie bei Quecksilber u. a. Metallen sollten auch die verschiedenen K.Salze bei Kranken 



Kupfer. 111 

Aeusserlich benüzt man K.Salze u. a. selten als adstringirende Mittel, 
fast allein zu Collyrien, Salben bei Ophthalmie, Blennorrhöen, Geschwüren, 
Prurigo, Blutungen, zu Einsprizungen bei chron. Tripper, Leucorrhoe; als 
mildere Aezmittel bei Geschwüren, syphilit., krebsigen Excrescenzen, Diph- 
theritis, Soor. 

K.Vitriol dient auch zum Conserviren von Holz, Getreide u. a. , indem K.- 
Salze so gut als andere Metallsalze, Gerbstoff u. s. f. deren Eiweissstoffe fällen 
und überhaupt Verbindungen bilden, welche der Fäulniss widerstehen; wirken 
auch vielleicht durch Tödten von Pilzen, Insecten u. dgl. 

K.Feile, Limatura Cupri, sonst zu gr. 2 — 6 p. d. angewandt bei neu- 
ralgischen, krampfhaften Leiden, Rheumatismus , Wassersucht, Biss wüthender 
Hunde, hier z. B. in Pillen mit Brod. Aus dem schon oben Erörterten begreift 
sich seine Unwirksamkeit; gilt bei Jägern als ein Mittel zur Erregung des Ge- 
schlechtstriebs bei Hündinnen 1 . Als Cauterium actuale gibt man öfters K. den 
Vorzug vor dem Glüheisen , weil seine Wärmecapacität grösser. Reines Wasser 
äussert wenig Wirkung auf K. ; oxydirt sich auch K. allmälig , so löst doch das 
Wasser nichts oder wenig, besonders wenn K.Geschirre beständig rein gehalten 
werden ; nur Wasser mit grösserem Gehalt an Salzen scheint K. reichlicher zu 
lösen. Beim Kochen von Speisen, Getränken in rein gescheuerten K.Gefässen, 
frei von Grünspan, K.Grün, scheint sich kein K. zu lösen; Salze, Fette, Säuren 
dagegen, selbst Milch, Wein, Blut u. s. f. wirken in der Art oxydirend , lösend 
auf K., dass sich wohl immer jenen Substanzen etwas K. beimischt, so besonders 
Säuren, gesäuerte Speisen, Früchte, Fette (Lösung des K. durch gebildete Fett- 
säuren 2 ), sobald sie längere Zeit mit K. in Berührung sind. Verzinnung der 
K.Geschirre d. h. Bedecken mit einer Legirung aus Zinn und Blei schüzt sie 
ziemlich , nur darf sie nicht über 30 % Blei enthalten , und muss öfters er- 
neuert werden. 

1. Cupr. sulphuricum, Schwefelsaures X.Oxyd, Sulphas s. Vi- 
triolum Cupri s. coeruleum, K.Vitriol, dargestellt für medicin. Zwecke als C. sulph. 
purum durch Lösen von K. in Schwefelsäure ; lasurblau , von metall. , besonders 
Kindern sehr widrigem Geschmack, in Wasser leicht löslich, nicht in Weingeist ; 
käuflicher K.Vitriol, C. sulph. venale hält meist Eisen-, Zinkoxyd. 

Wirkt concentrirt örtlich reizend, selbst äzend, indem er sich mit den 
Eiweissstoffen z.B. der Magenschleimhaut chemisch verbindet; wirkt auf die 
von Epidermis bedeckte Haut nicht äzend. Macht zu einigen Gran p. d. 
heftiges Erbrechen u. s. f. (s. oben) 3 . 

Gebrauch: als Brechmittel; auch bei Catarrh der Verdauungswege, Bron- 
chien, Urogenitalorgane, bei Croup, Pneumonie, chron. Durchfällen, Ruhr, 
Magenerweichung, Lungentuberculose, Wassersucht, Epilepsie, Chorea, Wechsel- 
fieber u. a 4 . 

Jezt fast blos als Brechmittel benüzt, um rasch zu wirken, oft mit Brech- 
wurzel, z. B. bei Vergiftung mit narcot. Stoffen, Opium, bei Croup, Keuchhusten; 
doch nüzt er hier nicht mehr als andere Brechmittel, und wirkt weniger sicher 

ganz verschieden wirken ; besonders deren allgemeine Wirkungen aber, die man doch fast allein 
bezweckt, scheinen bei allen wesentlich dieselben, und etwaige Unterschiede Hessen sich durch 
verschiedene Dosirung leicht compensiren. So scheint es unpassend, K.Vitriol Äuptsächlich 
als Brechmittel anzusehen, und nur vom K.Salmiak ganz absonderliche sedative, „antispasmo- 
dische" Wirkungen bei Nervenkranken zu erwarten. Die Dosis aller K.Präparate ist als Brech- 
mittel gr. jjj— vj, sonst gr. j— jj. 

1 K.Oxyd, schwarzes, durch Zersezen von Salpeters., kohlens. K. mit K.Feile erhalten, 
scheint an sich gleichfalls unwirksam; von Rademacher als Wurmmittel benüzt, zumal bei 
Bandwurm ; als Salbe , gr. 4—60 auf § j Fett , Rosensalbe bei Ophthalmie , Hornhautflecken, 
Drüsengeschwülsten eingerieben oder aufgelegt und mit Wachstaffet, Watte, Flanellbinden 
u. dergl. bedeckt; als Pulver bei lockern Zähnen in's Zahnfleisch gerieben (Hoppe, Löffler u. A.). 

2 Oel, in K.Gefässen aufbewahrt, dient in der Türkei oft zu Vergiftungen (Landerer) ; auch 
Städeler fand die fettsauren K.Salze, z. B. butters. K.Oxyd gifitg. 

3 Hönerkopf sah sogar von gr. 40—70 p. d. keine besonders schädlichen Wirkungen, und 
ebensowenig hatten Dosen von gr. j— jj p. Tag chron. Vergiftung zur Folge. Da und dort von 
Bäckern benüzt wie Zinkvitriol, um die Brodgährung zu fördern, das Brod lockerer, weisser 
zu machen. 

4 Ein altes, von Seyfert aufgewärmtes Mittel bei Wechselfieber ist, K.Vitriol mit Pfeffer 
(nach S. mit Zink- und Eisenvitriol) in einem Säckchen auf der Magengrube oder in der 
Achselhöhle tragen zu lassen! 



112 Kupfer. 

als Brechweinstein mit Ipecacuauha. Bei chron. Durchfall, Ruhr oft mit Opium 
(Elliotson u. A.). 

D. als ;Brechmittel gr. jjj— vj, in Nothfällen bis gr. xv und mehr, öfters 
wiederholt,' b. Kindern gr. 1 / 2 — jv; sonst, als Adstringens, Sedativum gr. 
y 4 — j mehrmals täglich; meist als Pulver, seltener gelöst (wirkt so intenser, 
rascher), in Pillen. 

C. sulphur. 3jj Pulv. gummosi 3j# £ ?ulx. , div. in part. aequal. 10 ; gleich 
1 Pulver z. g., laues Wasser nachtrinken zu lassen , nach dem Erbrechen 2 — 3- 
stündlich l /a Pulver; bei Croup. 

Aeusserlich wie alle K.Präparate benüzt, gelöst in Wasser, gr. j — x auf 
§j, z.B. bei syphilit. u. a. Geschwüren, bei purulenter Ophthalmie gr. 10 — 60 
auf 1) zu Umschlägen 1 ; mit Syrup, Honig, z. B. bei Aphthen gr. 3 — 6 auf 
Iß Rosenhonig; oder, zuvor gelöst in Wasser, mit Fett, gr. j — jv auf 3j- 

Bei Kehlkopfkrankheiten, Croup in Pulverform eingeblasen, z. B. mit 30 
Th. Zucker, auch Alaun u. a. Als Aezmittel gepulvert und zuvor befeuchtet auf 
Geschwüre, Excrescenzen u. a. gebracht, oder leztere mit Krystallen, K.Stift (wie 
Höllenstein) betupft, z. B. bei chron. Augenleiden; bei Blutungen, Blennorrhöen 
u. dgl. mit Alaun, Eisenvitriol u. a. Diese mit Grünspan, Salmiak zusammenge- 
schmolzen von Hesselbach, Ammon als Aezmittel benüzt, sog. Lapis Hesselbachii. 

C. sulphur. gr. jj Laudan. Sydenh. gtt. x Aq. destill, ^ß; zum Einträufeln 
bei chron. Conjunctivitis. C. sulph. 3j Aq. destill, ^vj ; zu Injectionen bei Metror- 
rhagie, Blennorrhöen. C. sulph., Vitrioli martis aä 3JÜ Aluminis 3 V J> a l s Styp- 
ticum, z. B. ein Th. in 20 Wasser zu Einsprizungen, Umschlägen , zum Benezen 
von Compressen, Charpie. 

Cupr. dluminatum , Lapis divinus , Kupferalaun , Augenstein : K.Vitriol, 
Alaun, Salpeter aä zusammengeschmolzen , mit Kampher ; löslich in Wasser ; ad- 
stringirendes , concentrirt schwach äzendes Mittel bei Blepharitis , Conjunctivitis, 
Geschwüren der Cornea , • Blennorrhöen , Leucom ; als Aezmittel in Pulverform, 
auch mit Eigelb verrieben, sonst gelöst in Wasser, gr. jj — vj auf §j, oft mit Tct. 
Opii croc, Aq. laurocerasi ; auch zu Bougies (s. Wachs). 

Lapid. divini gr. j Aq. rosar. 3j# Laudan. Syd. gtt. xv ; zum Einträufeln bei 
Conjunctivitis u. a. 

Lapis miraculosus, Wundstein: Kupfer, Eisenvitriol, Alaun, Grünspan, 
Salmiak geschmolzen und gepulvert; z. B. noch nach Ph. Wirtemb. offic. 

2. Cupr. sulphuric. ammoniacatum, Schwefelsaures Kupfer- 
oxyd-Ammoniak, Ammoniacum cuprico-sulphuricum, Cupr. ammoniat. s. am- 
moniacale, Sulphas Cupri ammoniacalis s. cuprico-ammoniacus , K.Ammonium, K. 
Salmiak : durch Lösen von K.Vitriol in Ammoniak und Zusaz von Weingeist er- 
halten ; blau, löslich in 1 */» Th. Wasser, nicht in Weingeist, durch Ueberschuss von 
Wasser zersezt, alles K.Oxyd scheidet sich als basisch schwefeis. Salz aus; an der 
Luft entweicht Ammon, verwittert. 

Von widrigem Metallgeschmack, wirkt so ziemlich wie K.Vitriol, nur 
ungleich schwächer 2 . Man behandelt damit Epilepsie, Veitstanz, Hysterie, 
Asthma, Cardialgie, Wechselfieber; vordem auch Syphilis, Honigharnruhr, 
Wassersucht. 

SeinJ^uzen hier überall höchst zweifelhaft, jedenfalls klein genug; Epilepti- 
schen u. a. gab man es oft mit Baldrian; bei Diabetes wollten P. Frank, Berndt 
u. A. gute Dienste davon gesehen haben, öfter mit Opium, Morphin, Quassie, Galle ; 

i Bei Leucom als Pulver,. Lösung mit Morphin (Guepin), z. B. Cupri sulphur. gr. x Morph, 
sulphur. gr. jv Saccli. albi %jß— jj, tägl. eine gewisse Menge zwischen die Augenlider gebracht. 
Bei Croup injicirt Loiseau eine gesättigte Lösung mittelst des in Kehlkopf eingeführten Ka- 
theter; Leher bläst K. als Pulver mit 1—3 Th. Zucker in den Rachen, mittelst 2 in einander 
gesteckter Federkiele, 2stündl. 2 Federkiele voll, als Brechmittel u. s. f., statt Zucker öfters mit 
Alaun, Borax aa . 
I 

2 

14 Monate 

auffälligere Wirkung; sonst legte" man ihm ganz besondere Wirkungen auf s Nervensystem bei, 
weil man sich seiner bei Nervenleiden bediente. Merkwürdig ist die Eigenschaft des K.Oxyd- 
Aiumoniakj organisirte C.Hydrate, Baumwolle, Seide, Papier u. a. sonst schwer ohne Verän- 
derung lösliche Substanzen aufzulösen (Schweizer). 




Kupfer. 113 

leistet aber bei dieser fast unheilbaren Krankheit ohne wesentliche Unterstüzung 
durch diätetische und andere Mittel jedenfalls so gut wie nichts. 

D. gr. Vs — jjj, mehrmals täglich, meist als Pillen. 

Als Pulver wie in Lösung leicht zersezt. 

Cupri sulph. ammon. gr. x solve in Aq. dest. q. s. Micae panis 3j Liquor. 
Ammon. carbon. q. s. f. pil. 30; D. in vitro rite clauso, tägl. 2mal 2—4 Stück Ph. 
Edinb. C. ammoniati gr. vjjj Rad. Valer. $ß Elaeos. cinnam. 3j f- Pulv. Div. in 
8 part. aequal. ; tägl. 2 Pulver. 

Aeusserlich fast nie benüzt, z. B. als Adstringens, gelöst in Wasser, in 
welchem es sich alsbald zersezt, zu Einsprizungen, Augen-, Verbandwassern 
wie K.Vitriol, auch bei Prurigo, Pruritus als Waschwasser. 

Aqua coerulea s. saphirina s. coelestis, Liquor Sulphatis cuprico-ammonici : 
wesentlich das vorige gelöst in Wasser; blau; sonst bei chron. Ophthalmie, Blen- 
norrhöen, Geschwüren applicirt; obsolet. 

Liquor Cupri ammoniato-muriatici s. hydrochlorici , Liquor Cupri ammonico- 
chlorati, Flüssiges Chlorkupfer - Ammonium , Kupfersalmiak, Murias Ammoniae et 
Cupri liquidus : wesentlich eine Lösung 'von kohlens. K. in Salzsäure mit Salmiak, 
dest. Wasser; ursprünglich K. gelöst in Ammon mit Zusaz von Salzsäure; hellgrün, 
von herbem Geschmack; gelöst in Wasser als sog. Aqua s. Liquor s. Tinct. 
antimiasmatic. Köchlini s. Beisseri, 3j> beim Liq. fortior 3jj auf 1 20 
Wasser : marktschreierisch angerühmt bei Syphilis , Caries , scrofulösen Drüsen- 
leiden, Flechten, Krebs, innerlich und äusserlich, auch bei Indigestion, Epilepsie, 
Keuchhusten, Prosopalgie u. a. Jezt obsolet, doch nach manchen Pharmac. noch 
offic. Dosis des Liqu. antimiasmat. Köchl. Jj— jj p. Tag, mehrere Esslöffel. Die 
Menge K., welche hier beigebracht wird, ist so gering, gr. Y40 tägl. (Riecke), dass 
seine Wirkungen rein illusorisch. Die concentrirtere Lösung (Liq. fortior) sonst 
auch bei syphilit. u. a. Geschwüren zu Verband , Injectionen , Gargarismen benüzt. 
Als Liq. (Tct.) antimiasmat. composit. (C. chlorat. ammoniacale cum Hy- 
drargyro solut. Ph. Austr.) gab man bei Syphilis eine noch abenteuerlichere Mi- 
schung des vorigen mit Sublimat, sonst durch Lösen von Calomel in Königswasser 
mit Zusaz von Liq. Köchlini und Salzsäure bereitet, 1—2 Esslöffel p. Tag. 

Subacetas Cupri, Basisch essigsaures K.Oxyd, Cupr. subacetic. s. diacetic, 
Cupri Diacetas, Aerugo, Viride aeris, Grünspan: fabrikmässig dargestellt durch 
Einwirken von Essigsäure in gährenden Weintrebern, von Essigdämpfen u. s. f. 
auf K.; ein Gemenge von halb- und zweidrittel essigs. K.Oxyd; bläulichgrün, luft- 
beständig, in Weingeist nicht, in Wasser nur theilweis löslich, indem K.Oxyd mit 
etwas Essigsäure verbunden ungelöst bleibt; im Handel meist mit Kalk u. a. ver- 
unreinigt. 

Wirkungen die der intenser wirkenden K.Präparte; unter allen K.Ver- 
giftungen die durch Grünspan am häufigsten (s. oben). 

Innerlich mit Recht nicht mehr benüzt, ausser von Rademacher als Tct. 
Ci acet. und eine Art Universalmittel ; sonst zu gr. j — jjj p. d. , als Brechmittel, 
auch bei Syphilis , Epilepsie , Krebs u. a. , allmälig bis gr. 10 u. 20 p. Tag , oft 
Monate durch zugleich mit äusserlichem Gebrauch des G. Vordem überhaupt 
äusserlich benüzt bei syphilit. Geschwüren, Vegetationen, Condylomen, Angina 
tonsillaris, chron. Blepharitis, Pannus u. a. , mit Fett, Honig, als Pflaster; zum 
Aezen von Geschwüren, Excrescenzen u. dergl. als Pulver aufgestreut, z. B. mit 
Sabina u. dergl. Obsolete , sonst noch offic. Präparate : Liniment. (Oxymel) 
Aeruginis s. Ungut, aegyptiac. und Cerat. viride s. Aeruginis, jenes 
durch Kochen von Grünspan mit Essig und Zusaz von Honig, dieses durch Mischen 
von Grünspan mit Harz, Terpenthin, Wachs. 

3. Acetas Cupri s. cupricus, Neutrales essigs. K.Oxyd, C. 
acetic, Aerugo crystallisata s. depurata : durch Lösen von Grünspan in Essigsäure 
und Krystallisiren bereitet; dunkelgrün, leicht löslich in Wasser, Weingeist, Ammon. 
Wirkt örtlich etwas stärker reizend als Grünspan (?) ; sonst als mildes Aezmittel (?) 
bei Krebs benüzt, mit Sublimat (Lachapelle) , mit Eisenfeile, Extr. Conii macul. 
(Gamet's Opiat). 1 

* Toussaint fand dieses K.Acetat wie Grünspan zu gr. j und mehr ziemlich unwirksam, 
auch bei Gebrauch 6 Wochen durch; erst z. B. auf gr. 14 G. kam es zu Eckel, Erbrechen. 
7. Aufl. g 



114 Silber. 

Cuprum nitricum, Salpeters. K.Oxyd: in Wasser, Weingeist leicht 
löslich; wirkt dem K.Vitriol ähnlich, concentrirt äzend; sonst bei Syphilis benüzt, 
gr. Vs p. d., in Pillen (Chevallier), äusserlich bei Chanker, zu Einsprizungen bei 
Tripper (Graves). Chlorid, s. Hydrochloras Cupri, K.Chlorid, C. chlorat, 
muriatic: sonst bei Scrofeln, Rhachitis, Hautkrankheiten, Flechten bes. gelöst in 
Alcohol (Tct. Helvetii), auch mit Zusaz von Amnion., einige Tropfen p. d., oder 
gelöst in Aether, als Aether Cupri. C. jodatum, K.Jodür, weiss, unlöslich, 
unwirksam; äusserlich da und dort zu Salben, Pflastern. 

Cuprum subcarbonic. s. C. carbon. basic, Basisch-kohlens. K. 
Oxyd, Kupfergrün: unlöslich in Wasser, geschmacklos; sonst in England bei 
Neuralgieen, 5/?— j— %ß p. d., als Pulver, Pillen. K.Cyanür, K.Cyanid, Ka- 
liumK.Cyanür wirken wie andere Cyanmetalle giftig (Pelikan). 

Arsenigs. K.Oxyd, Scheel'sches Grün, Rhusma, K.Arsenik, erhalten 
durch Mischen von kohlensaurem Kali und Arseniger Säure mit K.Vitriollösung. 
Schwein furter Grün, ein Doppelsalz von arsenigs. und essigs. K.Oxyd, er- 
halten durch Mischen von Arseniger Säure und krystallis. Grünspan. Beide können 
giftig wirken, daher zumal lezteres bei seiner häufigen Verwendung als Farbstoff 
zu Tapeten, künstlichen Blumen u. a. auch für die Gesundheitspolizei von Bedeu- 
tung 1 ; chemisch reines arsenigs. K.Oxyd wirkt noch giftiger als käufliches Scheel'- 
sches Grün (Schroff). 

7. Argentum. Silber. 

Argent. purum (divisum), metall. Silber, hält meist etwas Kupfer, 
auch Gold, Wismuth, Blei : rein und feiner vertheilt erhalten durch Zersezen einer 
S.Lösung, z. B. des S.Nitrat mit Salzsäure, Eisen, Zink, Zinn u. s. f. Unlöslich 
im Magen u. s. f., daher unwirksam , und Wirkungen , z. B. Colik , die man ihm 
zuschrieb, können nur Täuschung oder durch beigemischtes Kupfer, Blei u. a. be- 
dingt gewesen sein. Serre gab es trozdem wie andere S.Präparate bei Syphil., 
gr. i /2 — 1 p. d. Als Blattsilber, A. foliatum sonst zur Versilberung von 
Pillen benüzt, zum Plombiren der Zähne, öfters mit Quecksilber amalgamirt, auch 
als Ammonium S.Amalgam, wird aber durch Bildung von Schwefelsilber schwarz. 
S. dient auch zum Fixiren künstlicher Zähne, Gaumenplatten u. a. 

A. oxydat. (fuscum), S.Oxyd, Oxydum Argenti: bereitet durch Fällen des 
S.Nitrat mit Kalilauge ; braun, in Wasser etwas löslich. Wirkungen nicht genauer 
bekannt, jedenfalls unbedeutend, obschon es resorbirt wird; kann bei längerem 
Gebrauch wie andere S.Präparate die Haut bleibend grau färben. Bei Syphilis, 
Nervenleiden, Epilepsie, Gastralgie, Durchfall, Ruhr, Cholera benüzt (Chrestien, 
Serre, Butler Lane, Eyre u. A.), auch bei Gebärmutterblutung, übermässiger Men- 
struation (Lane, Thweatt, Terrier), und Whitell will damit Bandwurm abgetrieben 
haben (gab es mit Weinstein , Purgantien). Dosis gran V 3 — jj mehrmals täglich, 
als Pulver, iatroleptisch oder in den Magen applicirt, in Pillen. Aeusserlich bei 
syphil. Geschwüren, Tripper, Ophthalmie, z. B. gran 10 auf 5j Fett. 

Argentum (oxydatum) nitricum, Silbernitrat, Silbersalpeter, 
Nitras Argenti s. argenticus. In zweiFormen benüzt: 1. als A. nitric. cry- 
stallisat., z. B. durch Lösen reinen Silbers in Salpetersäure und Krystallisiren (blos 
dieses innerlich in Gebrauch) ; 2. A. nitric. fusum, Lapis infernalis, Höllenstein, das 
vorige geschmolzen und in Stangenformen gegossen. Leicht löslich in Wasser, 
Weingeist, luftbeständig, durch Licht, zumal bei Gegenwart von Staub, organ. 
Stoffen theilweis zersezt, schwärzlich gefärbt. 

Wirkungen. 1. ertlich wirkt S.Nitrat vermöge seiner grossen Ver- 
wandtschaft zumal zu Eiweissstoffen äzend, z. B. auf Geschwürflächen, auf 
benezter Haut. 



Rademacherianer aber curiren noch heute mit Tct. Ci acet. sog. Dyscrasieen , Croup , Hirn-. 
Lungenentzündung und alle möglichen Krankheiten sonst. Auch Lafargue gibt C. acet. bei 
Hautjucken in fast homöopath. Dosen. 

* Die Furcht, dass sich aus solchen Tapeten Arsen oder Arsenwasserstoff, Kakodyl ver- 
flüchtigen könnten , scheint ungegründet (Schmidt) ; als Pulver verstäubt soll ihr A.haltiger 
Farbstoff schädlich wirken (Taylor, Chevallier u. A.) ? 



Silber. 115 

Die weissen Albuminatgerinnsel ! z. B. auf Augengeschwüren hielt man sonst 
öfters für Pseudomembranen; sie schüzen zugleich die Stelle vor tieferer Einwir- 
kung des H. Wiederholt auf die befeuchtete Haut applicirt macht es bei ober- 
flächlicher Einwirkung Blasen. . 

2. Innerlich kann es in kleinen Dosen lange ohne Schaden genommen 
werden; nur die Haut färbt sich früher oder später bleibend grau. 

Indem sich S.Nitrat mit Eiweiss wie mit dem Chlor der Chlorüre, der Salz- 
säure im Magensaft u. a. verbindet, wird seine Wirkung auf die Schleimhaut selbst 
erschwert, wenigstens jede tiefere Behelligung derselben 2 ; durch spätere Lösung 
jener Gerinnsel u. s. f. in den Magen - und Darmflüssigkeiten gelangt aber eine 
Verbindung desselben (nach Einigen S.Nitrat selbst, nach Andern S.Oxyd, Chlorsilber) 
als Albuminat in's Blut. Dies erhellt z. B. aus der oft eintretenden Graphitartigen 
Färbung der Haut (Argyria) wie innerer Theile (Wedemeyer, Lehrt), z. B. des 
Plexus choroideus im Gehirn; auch lässt sich S. in Leber, Milz, Nieren, Harn 
chemisch nachweisen; ein Theil geht wohl immer als SchwefelS. in den oft dunkel 
gefärbten Fäces ab. Jene Färbung der Haut entsteht in Folge einer Oxydation 
der im Papillarkörper abgelagerten S. Albuminate 3 , und kann eintreten , sobald 
S.Nitrat u. a. längere Zeit eingenommen werden. Kranken soll man leztere etwa 
6 Wochen ohne solche Gefahr geben können, und nach Krahmer entsteht die 
Färbung erst durch etwa 3 V JJ S., doch geschah dies schon z. B. auf 3j S.Nitrat; 
auch kam es deshalb z. B. in England schon zu schweren Processen gegen allzu 
leichtsinnige Aerzte. 

3. In grossen Dosen wirkt S.Nitrat stark reizend, selbst äzend, beson- 
ders wenn es in Lösung in den Magen gelangte, und durch Eiweiss, Chlorüre 
u. s. f. der Magenflüssigkeiten nicht vollständig gebunden wird. Ausser 
Brechdurchfällen, Bauchschmerz u. s. f. kann tiefere Störung des Nerven- 
systems entstehen, Collapsus, Athemnoth, Betäubung, selbst Zuckungen, Con- 
vulsionen, Lähmung der Extremitäten. 

Diese Wirkungen treten bei Injection schon kleiner Mengen seiner Lösung 
in die Drosselvene ein, Stickanfälle, Störung des Kreislaufs, Betäubung, Convul- 
sionen, zuweilen Würgen, Erbrechen ; das arterielle Blut färbt sich dunkel, endlich 
Tod an Erstickung (Orfila). Läsionen in der Leiche wechselnd, besonders die des 
Magens, Darmcanals je nach Dosis und fester oder flüssiger Form des S.Nitrat; 
Magenschleimhaut, Schlund, Mundhöhle oft blos von weisslichen Gerinnseln bedeckt, 
oft injicirt, stellenweis verschorft, selbst perforirt. 

Verfahren bei Vergiftung : am besten gibt man sogleich Lösungen von Koch- 
salz, nach Delioux auch hydrat. SchwefelEisen ; hat S.Nitrat bereits tiefer ge- 
wirkt und seine Verbindung mit Eiweiss u. a. der Magensecrete, Magenhäute 
eingegangen, nüzt Kochsalz wenig mehr, daher schleimige Getränke u. s. f. wie 
bei Magen-, Darmentzündung. 

Gebrauch. Innerlich gibt man S.Nitrat 1. bei Gastralgie, Dyspepsie, 
chron. Erbrechen u. dergl., oft mit Opium (Johnson, Autenrieth); bei Catarrh, 
Entzündung, Geschwüren des Magens und Darmcanals, selbst bei Typhus, 
Cholera, Ruhr, oft zugleich im Klystier. 

Die Durchfälle schwinden wohl öfters dabei, kehren aber meist zurück. 



i Diese bilden sich im Serum, Eiter, auf Geschwüren wie im Magen u. a. , indem S.Nitrat 
mit deren Eiweiss unlösliche Verbindungen eingeht, die sich aber in Säuren, Magensaft, Koch- 
salz u. a. mehr oder weniger lösen; durch spätere Reduction des S. färben sie sich grau 
(Lassaigne, Mitscherlich, Delioux, Krahmer u. A.). Auch Haare, Nägel färbt es schwarz. 

2 Wie schon Esquirol konnten deshalb Krahmer u. A. ott grosse Dosen S.Nitrat ohne er- 
heblichen Schaden geben, auch Powell z. B. gr. 15 in Pillen, während gr. 5 in Lösung heftig 
genug wirkten; sehr verdünnte Lösungen bilden keine solchen Niederschläge und Gerinnsel 
mit Eiweiss u. s. f. Bei einem Blödsinnigen dagegen, der eine sehr concentrirte Lösung, 3j Höl- 
lenstein in %jß Wasser auf einmal trank, wurden Mund, Rachen oberflächlich verschorft (Böcker): 
bei Hunden, welchen G. Simon Lösungen von gr. 15 H. auf |j Wasser in die Harnröhre spriztej 
entstand kein Schmerz , und die Schleimhaut war wohl entzündet , braunroth , aber nur bis zur 
Mitte der Urethra. 

3 Das Sonnenlicht mag hiebei wohl mitwirken, auch soll jene Färbung bei dünner Epider- 
mis, blutreichem Corium leichter entstehen, zuerst im Gesicht, um die Augenlider herum; doch 
tritt sie im Innern des Körpers gleichfalls ein, so gut als in Conjunctiva, Nasenschleimhaut u. a. 
Barthaare sollen sich öfters roth färben (Nelaton). Jene Wirkung kommt allen S.Präparaten 
zu, z. B. auch dem S.Oxyd, am wenigsten dem JodS. (Delioux), weil es durch Licht, organ. 
Stoffe schwieriger zersezt wird (?). 

8* 



116 Silber. 

Man gab S.N. bei Aphthen, Croup, Diphtheritis , Durchfällen zumal der Kinder, 
Säuglinge, Phthisiker (Trousseau, Hirsch, Hauner, Thielmann u. A.), bei allen 
catarrhalischen, entzündlichen Darmaffectionen, bei Asiat. Cholera (Barth, Garrick, 
Levy, Koss, Delbrück u. A.), auch bei Darm- und Uterinblutungen (Byrd), Icterus 
(Peebles), Uterincatarrh, Tripper (Hudson u. A.) ; sein positiver Nuzen hier überall 
ist höchst zweifelhaft 1 . 

2. Bei Nervenleiden, Convulsionen, Epilepsie, Veitstanz, Asthma, Keuch- 
husten, Neuralgieen u. a. 

S. gilt bei Epilepsie u. dergl., oft mit Chinin als leztes Refugium, wenn jede 
rationellere, auf die ursächlichen Momente basirte Behandlung ohne Erfolg blieb ; 
doch bringt auch S. höchstens palliative Hülfe , auf kurze Zeit. 2 Die einzige, 
freilich schlimme Gefahr bei seinem umsichtigen, aber lange, über 6—10 Wochen 
fortgesezten Gebrauch ist die Färbung der Haut. Um sie möglichst zu verhüten, 
darf S.Nitrat wie alle S.Präparate nicht über 4 — 6 Wochen gegeben und immer 
muss wieder einige Wochen ausgesezt werden, besonders wenn einmal die Augen- 
lider sich färben. Man rühmt dagegen Schwefelalkalien, z. B. unterschwefligs. 
Natron, weil sie S.Oxyd, Chlorsilber lösen sollten; Salpetersäure u. a. Säuren, 
innerlich wie zu Waschungen, Weinstein, Jodkai. (s. Jod), electrisch - chemisches 
Bad, Sonnenlicht; doch sie alle leisten wenig oder nichts. 

D. gr. V« — V 2 mehrmals täglich, allmälig bis gr. jj und mehr 3 , in Pil- 
len, Lösung. 

Nie verordne man zu viel auf einmal , und meide gesalzene Speisen ; am 
besten gibt man S. in Pillen, zuvor gelöst in etwas destill. Wasser, mit milden 
Pflanzenpulvern, Rad. Alth., Liquirit., Gi arabic, Zucker, Semmel-, Brodkrumen; 
doch wird es theilweis durch fast alle diese Stoffe , besonders durch Extracte 
zersezt. 

A. nitrici crystallis. gr. vj solve in Aq. destill, q. s. adde Opii gr. xjj Pulv. R. 
Alth. 3/? Succi liquirit. q. s. f. pil. 30; consp. Pulv. R. Alth., cL in vitro bene 
clauso; täglich 2mal 2 P. z. n., vom 5. Tage an 3. 

Auch als Pulver gab man S. , mit Zucker u. dgl. ; gelöst wirkt S. intenser, 
auch färbend auf Lippen, Zähne, Mund, und ist Zersezungen leichter ausgesezt; 
doch gab man es bei Durchfällen , Darmentzündung, Typhus , Cholera u. a. gelöst 
in dest. Wasser, Dec. Rad. Alth., Salep, gr.jj — vj in ^jvColat., täglich 3 — 4 Löffel. 
Immer müssen die Gefässe fest verschlossen und mit schwarzem Papier überzogen 
sein; bei seiner leichten Zersezung gibt man S. am besten ohne weitere Zusäze, 
einfach in dest. Wasser, mit Zucker, z. B. gr. jj in Jjjj, 3mal täglich 1 Thee- 
löffel. Meide: Alkalien, Metalle und deren Chlorüre, Jodüre, Sülfüre, Kalk, 
Seifen, Gerbstoff, Extracte. Seine Zersezung will Delioux durch eine Lösung 
von Eiweiss in Wasser und Syrup, welcher S.Nitrat mit aä Kochsalz zugesezt 
wird, hindern (?); oft sezt man deshalb einige Tropfen Salpetersäure zu. 

Aeusserlich äusserst häufig benüzt, und würde die Chirurgie kaum ohne 
ihren Höllenstein oder Lapis bestehen können, so wenig als die Arznei-Medicin 
ohne Quecksilber und Chinin. Der Grad der beabsichtigten Wirkung wech- 
selt bedeutend, von leichter Reizung bis zur Aezung. 

Verdient als Aezmittel in mancher Hinsicht den Vorzug; äzt nur die ge- 
wünschte Stelle, rasch, gewöhnlich auch stark genug, meist bildet sich nachher 
ein guter Eiter, und als weitere Folge baldige, nicht entstellende Vernarbung. 
Dagegen eignet sich H. nicht, um tiefer zu äzen, verdächtige Stellen, Krebs, 
Krebsgeschwüre, Excrescenzen u. dgl. oder die gesunde Haut (zu Fontanellen, 

1 Boerhaave u. A. gaben S. gar als Purgans, gr. 1/2 P> d- in Pillen, Dreyer zum Harntreiben 
bei Wassersucht, Brady erst kürzlich bei Lungentuberculose , Sokolow bei Wechselfieber ! Bei 
Secundärsyphilis wie andere S.Präparate versucht, doch selten. 

2 Am nüzlichsten soll S. bei Epilepsie u. a. durch peripherische Reizung des Rücken- und 
verlängerten Marks z. B. vom Magen oder Darmcanal aus sein (?). Auch Schröder van der 
Kolk bemüht sich wieder, die Wirkungsweise des S. wie anderer speeif. Mittelchen dabei aus 
einem Herabstimmen peripherischer Reizungen jener Centralorgane zu erklären , während doch 
bis beute ihre positiven Wirkungen überhaupt dabei völlig unerwiesen sind, und ein Physiologe 
am wenigsten an solche wird glauben wollen. 

3 Epileptischen z. B. kann man auch täglich ohne Schaden gr. jv geben; Cholerakranken 
gab Levy gr. 5—10 in ij.jj— jv Flüssigkeit (»/4Stündl. 1 Löffel), Powell bei Veitstanz gr. 15 p. d. 
(in Pillen), Bleeker bei chron. Diarrhoe, Ruhr zulezt 3j p. Tag. 



Silber. 117 

Oeffnen von Abscessen u. a.) gründlich zu zerstören; hier verdienen Aezkali, 
Wiener Aezpaste, Chlorzink, Glüheisen u. a. den Vorzug. 

Des Höllensteins bedient man sich bald in Substanz, bald als Lösung, 
Salbe 1. um Condylome, Warzeh, Verdickungen und Verengerungen, Stric- 
turen (der Harnröhre, des Schlundes, Mastdarms), kleinere Excrescenzen, 
Muttermäler, Varices, Staphylome, Lupus, Hordeolum, Ranula u. dergl. zu 
zerstören 1 ; bei Stich-, Quetsch-, Schuss- und Bisswunden, zumal vergifteten, 
bei Verlezungen an Leichen; bei hartnäckiger Blutung aus Fungositäten, 
Blutegelbissen, Zahnhöhlen, Scheide, Mastdarm u. a. (nach momentan durch 
Druck u. s. f. sistirter Blutung). 

2. Bei Geschwüren mit abnormen, z. B. luxurirenden Granulationen, 
schlaffem, callösem Grund, bei profuser Eiterung, Neigung zu Brand, Infec- 
tion; bei sehr schmerzhaften Geschwüren, um deren Reizbarkeit abzustum- 
pfen: z.B. bei syphilit., diphtheritischen, phagedänischen, fistulösen Geschwüren, 
Thränenfistel, Fisteln überhaupt; bei Corneageschwüren , Leucom, Excoria- 
tionen der Lippen, Brustwarzen (wobei das gebildete Häutchen von Silber- 
albuminat schüzt), des Mastdarms, der Tuba Eustachii, z. B. bei syphilit. 
Ulcerationen und dadurch bedingter Kophose; bei Periostitis, Caries des 
Gehörgangs, Oeffnungen des Trommelfells, Wulstung, Geschwüren des Gebär- 
mutterhalses, der Scheide, überhaupt aller von aussen zugänglichen Theile, 
besonders auch des Rachens, Kehlkopfs; bei allen möglichen chron. Kehlkopf- 
leiden, Phthisis laryngea, Aphonie, Glottiskrampf; bei Afterfissuren, Damm- 
rissen, kalten Abscessen, Hydrocele (zu Injectionen) u. a. 

3. Bei Reizung, Entzündung, besonders bei Verdacht auf etwas Specifi- 
sches, Virulentes dabei, gleich Anfangs als Abortiv wie späterhin. 

Hieher Angina, Amygdalitis (Brown, Hawkins, Herpin u. A.), sog. Rachen- 
Croup oder Diphtherit. , Stomatitis, Salivation , scorbut. Zahnfleisch, Aphthen, 
Soor, Croup, Glottisödem, Glotiskrampf, Asthma, Keuchhusten, Aphonie, Bron- 
chitis , Coryza (Carpenter , Bell , Watson , Quain , Lockwood u. A.) 2 ; Catarrh 
der Tuba Eustachii , Phlebitis, Lymphangoitis , Bubonen , Orchitis , Panaritien, 
Chankerpusteln, Ophthalmie, Augenblennorrhöen (Blepharitis neonatorum, gonor- 
rhoische , syphilit. , variolöse , catarrhal. , ägypt. Ophthalmie) , Pusteln , Phlyc- 
tänen der Cornea und drohende Perforation ; Dermatitis , Erysipelas , Spitalroth- 
lauf; Pernionen, Verbrennungen; acute, chron. Hauteruptionen , Variola, Herpes, 
Zoster, Porrigo s. Tinea, Eczem, Acne, Liehen, Impetigo, Sycosis, Mentagra, 
Lupus, Psoriasis, Elephantiasis; Hyperästhesie, Neuralgieen, juckende Hautaffec- 
tionen , Prurigo , Pruritus ani , vaginae (H. als Crayon wie zu Fomenten : Uytter- 
höven, Goldberger, Winternitz, Devergie); entzündliche, scrofulöse Gelenkleiden, 
Tumor albus ; Tripper, Catarrh , Blennorrhöen der Genitalorgane (besonders Nach- 
tripper , Goutte militaire) , der Harnblase, des Mastdarms ; Spermatorrhoe , Pollu- 
tionen, Onanie; Harnincontinenz (Cauterisation des Blasenhalses: Demeaux, Thom- 
son u. A.); chron. Entzündung des Dick-, Mastdarms; Diarrhoe, Ruhr, Typhus 
(zu Kly stieren). 



1 Auch Verdickungen des Trommelfelles, Wulstungen und Verengerungen des Nasencanals, 
Gehörgangs, der Tuba Eustachii, Excrescenzen der Paukenhöhle nach Zerstörung des Trommel- 
felles u. s. f. (A. Cooper, Frank, Toynbee u. A.). Zum Schwärzen der Haare kommt H. mit 
Metallsülfiiren , Schwefelkal. , -Ammon. u. a. oft in Gebrauch, z. B. 1 Th. auf 20 Bleiglätte, 
10 Kalk; Wimmer nezt die Haare Abends mit einer verdünnten H.Lösung genau, bedeckt sie 
dann mit einer Müze (Wacbstaffet), reibt sie Morgens drauf mit einer Lösung von Einfach- 
Schwefelkalium (Natrium) ein , und kämmt zulezt wieder mit in die H.Lösung getauchtem 
Kamm aus; nachher Pomade, Haaröl. Cazenave nimmt dazu theils H.Lösung, 1 Th. auf 8 Wasser, 
oft die Haare zuvor mit Liq. Kali carb. 12 Th., Ammon. hydrothion. und Wasser äa 30 gebürstet; 
theils H. als Salbe: H. , Cremor_tartari ää 8, Ammon., Fett ä~ä 15 Th. , mit Kamm, Bürste auf- 
getragen; auch als Paste, mit ä~ä Salpeters. Quecksilberoxydul in destill. Wasser gelöst, dann 
mit Amylum q. s. gemischt. H. und Schwefellebern enthält auch Faivre's Liqueur transmutative. 
Bei umschriebener Alopecie bestreicht Startin (statt Vesicantien) mit H.Lösung , dann mit Liq. 
Ammon. sulphuret.; die schwarze Schwefels. Verbindung maskirt so die Stellen. 

2 M. Hall, Watson, Green äzen gar bei Epileptischen, um Glottiskrampf, Anfälle für länger 
zu heben, den Kehlkopf selbst (wie Lallemand die Harnröhre !), der hiebei so unempfindlich sei, 
dass dadurch keine Spur von Reizung, Husten u. s. f. entstehe; Quintard äzt bei Erbrechen 
Schwangerer den Rachen! 



118 Silber. 

Hier überall wird S.Nitrat in verdünnteren Lösungen wie concentrirt, selbst 
in Substanz, auf Aezmittelträgern angewandt. Will man dadurch die weitere 
Ausbildung bei Chanker, Tripper, Variola, Panaritien, Erysipelas, Angina, Oph- 
thalmie u. a. hemmen, so muss H. stark genug, oft selbst äzend einwirken. Bei 
Tripper z. B. wurden Einsprizungen in die Harnröhre sogar zu gr. 10—20 auf 
gj Wasser gemacht (Carmichael , Debeney , Acton , Simon u. A.) ; auch bei Oph- 
thalmie, Blepharitis , Conjunctivitis u. a. wirkt Bestreichen mit H. oder Aufpinseln, 
Einträufeln einer Lösung von gr. 15 — 30 auf ^j Wasser besonders bei schlimmem, 
hartnäckigen Fällen meist günstiger als schwächere Lösungen (Delasiauve, Kerst, 
Dieffenbach, Acton, Ulrich, Velpeau u. A.). 

Wir sehen so, dass Medicin, Chirurgie im Gebrauch des H. wetteifern, und 
zwar ohne dabei immer vom Vorwurf unbefugten Hazardirens oder Quälens der 
Kranken durchaus frei zu sein. Denn gewöhnlich lassen sich dieselben , ja gün- 
stigere Resultate ohne H. oder doch bei milderer Anwendung erzielen. Dies gilt 
z. B. bei manchen Krankheiten der Luftwege, des Kehlkopfs, bei Croup u. a., 
vom Aezen einfacher Wunden, Quetschungen , Verbrennungen, Angina's, Roth- 
laufe, bei jedem Fluor albus, Tripper, jeder Strictur, Spermatorrhoe , Pollution, 
wie sie durch Lallemand in Mode kam (Pickford, Milton u. A.). Bei Tripper 
wollten Carmichael, Ricord, Debeney, Langlebert u. A. sämtliche Grade mit 
Ausnahme wirklicher Phlegmone dadurch beseitigen , dass durch H. die Schleim- 
haut in einen Zustand der Entzündung versezt, Tripper in einfachen, indolenten 
Ausfluss umgewandelt wird; deshalb sogleich, je früher desto besser Einsprizun- 
gen von 1 grm H. auf 30 Wasser, gr. 15 — 20 auf ^j; Schmerz oft bis zur Ohn- 
macht, Harnbeschwerden drauf schwinden in 1 — 2 Tagen; jezt wiederholte In- 
jection, bis die Entzündung schwindet, statt dicken Eiters ein seröser, dünner 
abgeht; zur Beseitigung dieses leztern adstringirende Injectionen, von Bleiacetat, 
Zinkvitriol, Gerbstoff; oder Copaiva u. a. ; nöthigenfalls , besonders wenn auf's 
Neue Entzündung , dicker Ausfluss eintritt , wieder H. Dass so Tripper coupirt, 
leichter curirt und Nachtripper öfter verhütet würden , ist zweifelhaft, ja durch 
die Erfahrung bereits widerlegt; vielmehr werden dadurch Entzündung, Cystitis, 
Nachtripper, Stricturen u. s. f. nur befördert. Auch sind Ricord, Venot, Midden- 
dorf, Sigmund, Acton u. A. fast ganz vom H. abgekommen ; und weil H. selten genug 
mehr leistet als Ruhe und die einfachsten diätetischen Mittel, beschränkt man wohl 
H. am besten auf einzelne chronische hartnäckige Fälle. Bei Spermatorrhoe 
scheint H. selten oder nie erlaubt; Stricturen der Harnröhre werden durch 
Aezen oft in harte, knorpelartige Narbensubstanz verwandelt, weshalb man wieder 
für gewöhnlich einfache Bougies dem H. vorzieht , im Nothfall Urethrotomie u. s. f. 
Chanker lassen sich dadurch nicht in einfache Geschwüre verwandeln (Hunter), Lues 
nicht einmal durch Aezen am ersten Tag verhüten (Colles, Wallace u. A.) ; vielmehr 
entsteht dadurch oft nur stärkere Reizung und Verhärtung des Geschwürs, Affec- 
tion der Nachbardrüsen, und Lues soll sogar nach Aezung häufiger, schlimmer 
sein (Biett, Dupuytren, Cazenave). Auch bei Uteruskrankheiten curiren wohl 
Manche mit H. zu sehr auf's örtliche Uebel los, mit zu wenig Rücksicht auf das 
Allgemeinleiden ; sollten auch H.Injectionen nicht durch die Tuben in die Bauchhöhle 
dringen können, wie Manche wollten , so sind sie doch höchst schmerzhaft, wo nicht 
lebensgefährlich (Tiltu. A.) *. Nicht minder gefährlich , wo nicht abgeschmackt ist es, 
nach der sog. substitutiven Methode bei W u n d e n , besonders Stichwunden, Verbren- 
nungen u. a., bei Gangrän durch concentrirte H.Lösung das Entstehen oder 
Weiterschreiten von Entzündung, Rothlauf hindern zu wollen (Higginbottom u. A.). 
Auch bei Typhus, Durchfall, Blutungen wirken concentrirte H.Lösungen im Kly- 
stier nur schädlich. Bei Hautkrankheiten wie Rothlauf, Zoster, Variola 
u. a. scheint sein positiver Nuzen mehr als problematisch, selbst bei Lupus, wo 
H. vielleicht noch am meisten nüzt (Cazenave, Hebra u. A.). Bei Diphthe- 
ritis u. dgl. schadet Aezen mit H., Säuren mehr als es nüzt, bei Croup hindert 
es selten oder nie die weitere Entwicklung , wie denn überhaupt sein Einfluss auf 
dessen Ausgang bis heute zweifelhaft ist. Bei Ophthalmie, Augenblennorrhöen 
ist die Application des H. meist sehr schmerzhaft, während anderseits sein häu- 
figer Nuzen nicht zu verkennen; nur werden gewöhnlich schwache H.Lösungen 
nicht weniger leisten als die stärksten. Dies gilt z. B. nicht blos von Ophthalm. 



1 Von 7 so Behandelten z. B. folgte bei 3 plözlich heftige Metroperitonitis (Becquerel). 



Silber. 119 

der Neugeborenen sondern auch von der ägyptischen, wo z. B. Seidl von Rein- 
lichkeit, Umschlägen u. s. f. mehr erwartet als vom H. ; auch bei Corneage- 
schwüren oft misbraucht; Aezen der Augenlider selbst aber mit H. in Substanz 
ist nicht blos höchst schmerzhaft, auch die Cornea kann dabei durch H. noth- 
leiden (Delasiauve, Desmarres u. A.) ; leicht werden überhaupt Conjunctiva, Augenlid 
durch längern Gebrauch von H.Lösungen misfarbig, callös (Jones). Von gerin- 
gerer Bedeutung ist der Umstand, dass Leinwand , Wäsche durch den so häufigen 
H.Gebrauch z. B. bei Tripper übel wegkommt; dass besonders in Spitälern auf 
H. oft mehr Geld verwendet wird als er verdient, indem er selten viel Positive- 
res leistet als andere Aez-, Metallmittel, Adstringentien u. s. f. auch 1 . 

Bei Erschöpften , Beizbaren, zumal Kindern , darf H. nie zu energisch ange- 
wandt werden, und blos mit gehörigen Zwischenpausen, z. B. von 3 — 5 Tagen; 
denn hier kommt es öfters zu starker Aufregung, Fieber, selbst Delirien, Ohn- 
macht u. s. f. 

Gebrauchsweise: zum Aezen dient Arg. nitric. fusum (Lapis infernalis); 
um schwächer zu wirken auch Arg. nitric. crystallisat., obschon ersteres fast 
immer den Vorzug verdient, wegen sicherer Begrenzung der Wirkung, leich- 
terer Handhabung 2 . Zu Lösungen für die milderen Wirkungsgrade z. B. 
bei Ophthalmie, Hautkrankheiten, Chanker, Croup, Bräune, auch zu Klystieren 
etwa gr. 2 — 10, für die stärkeren, selbst äzeiiden gr. 40—60 auf §j Aq. 
dest., bis zu V 3 ; zu Lösungen in Glycerin V 6 — V 100 , z. B. gr. 10 auf 3j GL, 
für die schwächere auf §j — jj. Für Salben gr. j — x auf 3j Fett, Ungut, simplex. 

Ward zieht Lösung z. B. von gr. 8 auf Jj Salpeteräther der wässrigen 
vor, verdunste, trockne rascher, und erzeuge dabei eine angenehme Kühle. Zu hef- 
tige Schmerzen u. s. f. lassen sich durch Lösungen von Kochsalz , durch verdünnte 
Salzsäure mildern. Stets verordne man nur kleine Portionen auf einmal 3 . Um zu äzen 
ist wesentlich , dass keine trockene Fläche getroffen wird , man nezt daher leztere 
nötigenfalls mit Wasser; an empfindlichem Theilen, zumal am Auge dürfen nur 
kleine Stellen auf einmal touchirt, Pusteln, Nävi u. s. f. müssen vorher gespalten, 
Schorfe , Pseudomembranen , Excrescenzen , wulstige, callöse Massen erweicht , ge- 
spalten , selbst abgetragen werden. Nach der Cauterisation, z. B. bei Geschwüren 
Verband mit Charpie, gegen Reibung mit Oel, Glycerin, einfachen Salben, Cerat, 
Collodium. Um tiefer zu äzen applicirt man H. wiederholt und derb, auch als 
Pulver, z. B. mittelst Pflasterstreifen festgehalten 4 ; mit Eiter u. a. bedeckte 
Flächen trocknet man erst, damit nicht H. zu sehr verdünnt oder die Umgebung 
z. B. an Auge gleichfalls geäzt wird; um beim Touchiren der Augenlider eine 
Berührung des Augapfels durch H. zu hindern, zieht man sie von ihm ab. Bei 
callösen, fistulösen Geschwüren, Chankern, Bisswunden u. a. müssen alle Stellen 
sorgfältig touchirt werden; entzündete Hautstellen, Augenlider, Schleimhäute, 
Testikel, auch Varices, Gerstenkörner, Bubonen werden mit dem Stift leicht 
überfahren, tiefere Geschwüre der Hornhaut, Scheide, Harnröhre u. a. mit fein 
zugespiztem H. betupft. Bei Gelenkaffectionen , Tumor albus zieht man damit 
Streifen um's Gelenk (Bennet äzt die Knorpel selbst) , oder benüzt (Cortis u. A.) 
concentrirte Lösungen, statt Blasenpflaster; bei Erysipelas u. dgl. äzen Higginbot- 
tom , MDowel 5 die entzündete Stelle samt Umgebung bis zur Vesication , nach- 



l Zur Entfernung- der H.Flecken auf Wäsche, Haut, Fingern , der Färbung der Zähne nach 
Bepinseln der Mundhöhle u. s. f. dient noch am besten Lösung von Cyankal.. auch Jod-, Schwe- 
felkai., unterschwefligs. Natron, Säuren. 

8 In Fonn von Stengelchen, als Stift, Crayon. stets sicher befestigt, zumal beim Aezen innerer 
Theile, z. B. in Federposen, auch mit Siegellack überzogen, in Aezmittelträgern u. s. f. , und 
passend zugespizt, nicht mit dem Messer, besser z. B. durch Reiben des H. auf einem mit 
Wasser benezten Fliesspapier, Läppchen, Schleifstein u. dergl. 

3 Um H. minder zerbrechlich zu machen, schmilzt ihn Nivet mit Asbest zusammen, Desmarres 
mit i k— i lz Kxlinitrat, Seidl bei Ophthalmie, z. B. ägypt. mit ife - 2, um ein milderes Causticum 
zu erhalten. 

Chavet rollt den H. um eine Spirale von Platin, deren Ringe ihn im Fall des Abbrechens 
z. B. in Schlund, Harnröhre u. a. zurückhalten. Als „caustische Charpie" tränkt Riboli Charpie 
mit concentrirter H.Lösung und trocknet sie. 

4 Bei diveigirendem, paralyt. Strabismus z. B. äzten Dieffenbach, Deval den innern Augen- 
winkel, die Insertion des gelähmten Augenmuskels stark; bei leichteren Verbrennungen äzten 
Higginbottom, Bernhardi u. A., um durch den Schorf eine Art künstlicher Epidermis oder Decke 
zu bilden; grosse Geschwüre äzt Hecker in der Mitte (centrale Cauterisation). 

5 Mascarel verschorft bei epidem. Rothlauf die angrenzende Haut mit einer Lösung von 3.jv H. 
in 3xvj Aq. dest.; Andere sezen Salpetersäure zu, z. B. gtt. XO; bei Lupus nimmt Hebra 3j H. 



120 Silber. 

her Verband mit Charpie, Salben, Collodium, Goldschlägerhäutchen ; bei Al- 
gieen, Rheumat. soll Yesication mit H. rascher wirken als Canthariden; Uytter- 
höven überfährt die Stelle mit in Wasser getauchtem H. 1—2 Minuten, und be- 
deckt die Stelle sogleich mit Cerai Bei chron. Ophthalmie äzt Tavignot die Na- 
senhöhle mit Schnupfpulver aus 1 Th. H., 30 Rad. Iridis, 2 Kampher, 1—2 
Prisen täglich. Bei Vaginitis jeder Art, Tripper äzen die Scheide z. B. Cazenave, 
Cullerier, Legrand u. A. mit H. in Substanz, vor- und nachher meist Injectionen 
von kalt Wasser; Streubel führt dabei eine vorn in H.Pulver gerollte, dann mit 
Oel überstrichene Wachsbougie in die Harnröhre ein; doch sind diese Aezungen 
der Scheide u. s. f. schmerzhaft , beschwerlich , unanständig , unsicher , und tau- 
gen im Ganzen wenig (Debeney u. A.) ; bei Blutung , Blennorrhöen äzt gar Chiari 
die Uterinwandungen selbst mittelst seines Porte-lapis, eine Art Uterussonde mit 
H.Stift ; Pleindoux schmilzt hiefür an der Lampe H. in die Rinne eines biegsamen 
Eisenstäbchens. Bei Stricturen der Urethra u. a. dienen mitH. armirte, auch inH. ge- 
tauchte Bougies ; zum Einschmelzen in Aezmittelträger eignet sich crystallis. S.Ni- 
trat besser als H., gibt eine gleichförmigere, compactere Masse. Zur Cauterisation 
enger Höhlen, blutender Stellen u. dgl. taucht Leville ein erst beneztes spizes 
Stilet in gepulverten H., und schmilzt ihn in der Weingeistflamme. Zur Radi- 
calcur bei Hydrocele führte Defer den H.Stift in den entleerten Sack selbst ein, 
oder bringt in den mit Wasser noch theilweis gefüllten Sack durch die Canülle H., 
Lapis divin. u. a. Aezmittel; Baudens injicirte gr. 1 gelöst in ^jv Aq. Um bei 
Kehlkopfaffectionen , Laryngitis, Croup, Tuberculose , Krebs , Aphonie S.Nitrat in 
Substanz beizubringen, Hessen es Trousseau , Belloc mit 70 Th. Zucker fein ge- 
pulvert aus Röhrchen einathmen, wobei freilich der grösste Theil den Rachen 
trifft i ; Thomas lässt den beim Abschleifen des H. am Schleifstein sich bildenden 
Staub einathmen, 4 — 5 Athemzüge auf einmal! 

Lösungen in Wasser applicirt man mittelst Umschlägen, Pinsel, Charpie, 
Schwamm, Sprize 2 . Bei Augenleiden z.B., wo die Anwendung des H. ganz be- 
sonders eine geübte, leichte Hand fordert, nimmt man meist schwächere Lösungen, 
oft mit Opiumtinctur u. a. (z. B. für Einsprizungen), dazu feine , weiche Pinsel ; 
ebenso bei Cauterisation des Kehlkopfs nach Tracheotomie, bei Croup, Phthise; 
sonst bringt man bei Croup u. a. vom Mund aus ein an gekrümmte Fischbein- 
stäbchen , Drähte u. dgl. sicher befestigtes , feines Schwämmchen , zusammenge- 
rollte Papierstreifen u. a. , mit einem Ende in die Lösung getaucht, während 
einer Schluckbewegung an die Oeffnung des Kehlkopfs; Cotton nimmt dazu ge- 
krümmte Zangen ; Green zum Niederdrücken , Anziehen der Zungenwuizel vorn 
im rechten Winkel gebogene Fischbeinstiele, lässt den Kranken unmittelbar vor- 
her tief ein-, im Moment der Aezung langsam ausathmen 3 . Bei Leucorrhoe, 
Amenorrhoe, Krankh. des Mutterhalses u. a. kann H.Lösung mittelst des Muiter- 
rohrs injicirt , besser mit Charpiepinsel, Schwamm , Tampons (auch bei Blalsen- 
scheidefisteln) applicirt werden. Zu Einsprizungen bei Tripper nahm man in 



auf gtt. 50—80 Aq.; bei Variola pinselt wieder Roward concentrirte Lösungen, 5J in IJ Wasser 
aufs Gesicht-, bei Scharlach reibt Günsburg gr. j gelöst in %8 Aq. mit Schwamm ein. 

1 Burow, Saemann lassen hier gr. 3 H. auf 3j Milchzucker einathmen, gr. 5— ;0 p. Tag; 
um das Wegblasen des Pulvers beim Ausathmen zu hindern, nimmt B. eine gekrümmte, in 
2 Röhrchen sich endende Glasröhre, jedes mit einem Seitenventil versehen, wovon das eine 
sich nur beim Ein-, das andere beim Ausathmen öffnet; Mund, Nase müssen fest g-eschlossen 
sein. Wagstaffe bläst 1 Th. auf 6 Zucker ein; Ebert lässt eine schwächere Mischurg auch bei 
Catarrh , Aphonie einathmen aus der Rinne damit gefüllter Stahlfedern , diese in offene Feder- 
posen gesteckt, bis auf die Zungenwurzel eingeführt. 

2 Auf Schuss- , Quetschwunden z. B. durch Bombensplitter legt man oft mit HLösung ge- 
tränkte Compressen; durch Schusscanäle zieht man drein getauchte Haarseile, sprizt sie ein; 
Stromeyer, Esmarch nehmen dazu einen Irrigator. Bei Ophthalmie, z. B. ägyptischer äzen- 
Tarow u. A. mit Sß—^ß H. auf §j Wasser; nachher oftFomente mit schwachen Lösungen aufs 
Auge, Mandelöl, schleimige, narcotische Stoffe; bei Ophthalm. neonatorum nimmt Szokalski 
gr. j auf |j : Compressen mit Baumwolle bedeckt, diese mit Binden fixirt , nach 1 St. mit lau 
Wasser abgewaschen. Aehnliche Umschläge bei Prurigo, Rothlauf, Bisswunden u. a. , z. B. 
gr. 3—10 auf §j. 

3 Zu H.Lösungen nimmt man bei Croup u. a. bald gr. 5, bald 20—80 auf f.j A4, dest. ; meist 
trifft aber das Schwämmchen nur den Schlund (Erichson u. A.). Green , Bennct sprizen jezt 
dieselbe gar in die Bronchien bei chron. Bronchitis, Asthma, Lungentuberculose (um Cavernen 
direct zu heilen!), mittelst Catheter, nachdem die Glottis zuvor abgehärtet worden durch Ein- 
bringen einfacher Schwämmchen erst an Kehldeckel, dann drunter, dann in Kehlkopf u. s. f. 
Trozdem pflegt wohl die Flüssigkeit mehr in den Schlund als die Luftröhre zu gelangen, ab- 
gesehen von ihrer Gefährlichkeit bei so zweifelhaftem Nuzen. 



Silber. 121 

leichten Fällen gr. 2—10, selbst 20 auf Jj Wasser, gab zumal für den Anfang 1 
concentrirteren den Vorzug ; jezt meidet man H.Lösungen überhaupt immer mehr, 
und zieht Blei-, Zinksalze, Tannin u. dgl. vor. Bei chron. Cystitis, Blasen- 
catarrh injicirt Macdonell in die zuvor durch Injectionen von warm Wasser 
gereinigte Blase schwache H.Lösung (Ricord oft 3jj H. auf ^j) warm ein, hält sie . 
durch Zusammendrücken des Catheter 1—2 Minuten zurück. Bei Prolapsus 
a n i z. B. nach Ruhr bringt Balassa in H.Lösung getauchte Wieken, 3j auf ^j 
täglich einmal in den Mastdarm. Zu Klystieren nimmt Delioux gleichfalls 
sein Silberalbuminat (s. oben), gr. 2—6 H. in Aq. dest. q. s. gelöst, der filtrir- 
ten Mischung vom Ei weiss eines Ei's mit c a J8 Wasser zugesezt, und durch 
g r- 3_ß Kochsalz geklärt; diese Lösung wird nicht wie sonst durch zinnerne 
Sprizen zersezt. Yates nimmt zu Klystieren bei Typhus gr. 1 — 2 H. mit etwas 
Tct. Opii, Amylum; Schultz zum Tödten der Oxyurus vermicularis im Mastdarm 
gr. 10—15 auf ^v. 

Als Salbe öfters bei Augenleiden , Vaginitis , Tripper des Weibs 2 (auch des 
Manns , auf Bougies) , bei Hautkrankheiten , Verbrennungen u. a. benüzt ; bei 
Rothlauf, Tumor albus gr. 16 — 20 auf ^jFett, 2mal täglich einzureiben (Jobert); 
bei Wanderrose 1 H. auf 3 Fett (Backer); bei Verbrennungen, Pernionen, Ge- 
schwüren gr. 10 — 15 auf Jj Leinöl (Kelt , Recknitz) , auf Jjj Fett (Bernhardi) ; 
Bubonen reiben Lutens u. A. mit 3j H. auf ^j Fett Morgens und Abends ein, die 
gebildeten Krusten u. s. f. jedesmal mit der Spatel entfernt. 

Ungut. Arg. nitrici composit. (Ungut, nigrum) Cod. Hamb. Höllen- 
stein 3j mit Zinkoxyd, Perubalsam auf Jj Fett. 

A. chloratum, Chlorsilber, A. chlorinicum s. muriatic, Chloruret. s. Chlo- 
ridum Ai : durch Fällen des S.Nitrat mit Salzsäure , Kochsalz erhalten ; weiss, 
unlöslich in Wasser, dunkelt durch's Licht. A. jodat, Jods über, Joduret. Ai: 
dargestellt durch Fällen von S.Nitrat mit Jodkai. ; gelbl., löslich in Jodkal.Lösung, 
wenig in Ammon. , gar nicht in Wasser. A. cyanat. s. cyanogenat. , Cyan- 
silber, Cyanid, s. Cyanuret. Ai, Cyanetum argenticum, A. hydrocyanic. : bereitet 
durch Fällen von Silbersalzen mit Blausäure , Cyankal. ; weiss , dunkelt durch's 
Licht, unlöslich in Wasser, leicht in Ammon., Cyankal. A. chlorato- s. muria- 
t ico-ammoniat, Chlorsilberammonium, S.Salmiak: durch Verbindung 
des ChlorS. mit Ammon. erhalten, bläulichweiss, durch Wasser theilweis zersezt; 
Liquor Aimuriatico-ammoniati (Kopp): Chlorsilber, gelöst in Ammon, 
mit Zusaz von Salzsäure ; 3J hält gr. '/» Chlorsilber ; wasserhelle Flüssigkeit, durch 
Licht zersezt. 

Wirkung all dieser Präparate nicht weiter bekannt; örtlich wirken sie 
nicht oder doch viel schwächer als S.Nitrat 3 . Keines offic. ; von Serre , Sicard, 
Payen, Savolini u. A. bei Syphilis, Tripper angewandt; Ricord erklärt sie für 
unwirksam. Silbersalmiak scheint ziemlich wie S.Nitrat zu wirken; benüzt wie 
dieses bei Hirnreizung, Convulsionen, Epilepsie, Chorea, Wassersucht, Durchfall, 
auch Chlorsilber (Kopp, Hoffmann, Trousseau U.A.); Jodsilber gaben Patterson, 
Delioux statt S.Nitrat, weil von ihm keine Färbung der Haut zu befürchten, Delioux 
auch Lösung von S.Oxyd in unterschwefligs. Natron, sog. Natrium Silbersul- 
furet, unterschwefligs. S.Oxyd-Natron, Hyposulfite de Soude et d'Argent., kry- 
stallisirbar, löslich in Wasser, nicht in Weingeist, äusserlich wie innerlich, weil 
sie Leinwand, Haut nicht färbt, örtlich nicht reizend wirkt, bei chron. Tripper 
z. B. gr. 8—15 auf ^jv Wasser zu Injectionen, innerlich gr. 1, allmälig 10 und 
mehr, gelöst in Aq. dest. 



1 Hier lässt man den Kranken erst harnen, presst Eiter u. s. f. aus der Harnröhre, hält beim 
Einsprizen (aus gläserner Sprize) den Penis hinter der Eichel leicht gespannt und die Lösung 
nachher durch Zusammendrücken des Penis einige Secunden zurück. Nachher Ruhe ; Harn- 
entleerung nicht vor 1 Stunde; bei heftisrem Schmerz Tauchen des Penis in kalt Wasser, In- 
jection lauen Wassers, später von Zinkvitriol, Lapis divinus u. a. Sollte je einmal H.Lösung 
bis in die Harnblase dringen, überhaupt unwirksam gemacht werden wollen, z. B. wenn H.- 
Stückchen in Harnröhre u. s. f. geriethen , so injicirt man Kochsalzlösung. Zu H. Injectionen 
nimmt Langlebert Sprizen aus Hörn , Elfenbein mit Knopf, unten mit vielen feinen Löchern 
versehen, so dass die Lösung nur langsam und von hinten nach vorn abfliesst. 

2 Hier reiben Legrand u. A. in Fällen, wo H.Lösung nicht ausreicht, H.Salbe eingeschlossen 
in Mousselinzeug , der sie leicht durchtreten lässt, mit dem Zeigefinger überall in der Scheide 
umher (sog. Badigeonnage) ; bei Fissura ani führt Bourgeois die Salbe auf dem Finger ein, 
dann kalte Klystiere. Ungut. Argenti nitrici Clinici s. Guthrianum : Arg. cryst. gr. 3 Axung. 3j 
Liq. Plumbi hydrico-acet. gtt. 5. 

3 CyanS., auch KaliumSilbercyanür wirkt giftig wie Blausäure (Pelikan). 



122 Gold. 

D. bei Chlorsilber gr. */ 6 — jjj ; bei Jod-, CyanS., Chlorsilberammon. gr. Vio— '/• 
allmälig steigend 1 ; Liquor Ai muriatico-ammoniati gtt. vj— xjj p. d., mit Wasser. 

8. Aurum. Gold. 

Die Wirkungen der Goldpräparate sind wenig untersucht; löslichere Ver- 
bindungen, G.Chlorid, Chlorgoldnatrium wirken örtlich reizend, selbst äzend, 
und werden resorbirt ; Orfila fand Chlorgold in Harn , Leber. G.Chlorid verbindet 
sich wie Quecksilberchlorid energisch mit Eiweissstoffen im Magen u. a.; diese 
Verbindungen lösen sich in verdünnten Säuren , Alkalien. In kleinen medicin. Do- 
sen machen sie örtlich nur wenig Reizung ; in Zunge, Zahnfleisch gerieben vermeh- 
ren sie die Speichelsecretion ; der Appetit soll oft gesteigert, Harn, Hautausdünstung, 
Menses vermehrt, Verdauung, Ernährung gefördert werden, auch Aufregung des 
Nervensystems und Geschlechtstriebes, Fieber entstehen können (Chrestien, Le- 
grand u. A.)!? 

In grossen Dosen wirken die löslichen Salze, zumal Chlorgold reizend, äzend, 
machen verschluckt wie z.B. Sublimat leicht Gastritis. In Venen gesprizt (Orfila) 
tödten sie schnell ; man findet das Blut ungewöhnlich dunkel, auch in den Arterien, 
Lungen mit Blut überfüllt u. s. f. 

Verfahren bei Vergiftung wie bei Quecksilberchlorid u. a., Eiweiss, Milch 
u. s. f. 

Gebrauch: innerlich wie äusserlich bei Secundärsyphilis , Mercurialdyscrasie, 
Scrofulose, Drüsenschwellungen, Hautkrankheiten, Aussaz, Krebs, Wassersucht, 
Chlorose , Amenorrhoe , auch bei Indigestion , Brechdurchfällen , Rheumat. , Gicht, 
Nervenleiden u. a. Wie schon Paracelsus, Avicenna bei Epilepsie, Melancholie 
u. dgl. viel auf G. hielten, rühmten es später Chrestien, Legrand u. A. bei obigen 
Krankheiten, zumal bei Syphilis; doch haben sie sich als unwirksam und höchst 
überflüssig erwiesen (Ricord, Biett, Cazenave); obsoleter Humbug. D. der lös- 
lichen Präparate gr. V20 — V 10 j d er unlöslichen Vs— V2 2 ; seit Chrestien aus öcono- 
mischen oder industriellen Gründen in Mundschleimhaut, Zunge eingerieben, mit 
dem 3 — lOfachen Gewicht Stärke, Sem. Lycopodii, gepulverter Veilchenwurzel, 
der reichlich fliessende Speichel samt Pulver, Pillen u. a. verschluckt. Sonst gibt 
man sie gelöst in Wasser, als Pillen, Pulver mit Sem. Lycopod. u. a. ; lösliche 
G.Salze färben die Zähne schwarz, durch organ. u. a. Substanzen leicht zersezt. 

Aeusserlich bei Geschwüren, Verhärtungen, chron. Ophthalmie, u. a. mit 
Speichel, gelöst in Wasser, auch als Salbe eingerieben, gr. j— jj auf 3j Fett, Jj 
Wasser; concentrirt als Aezmittel (s. unten). 

A. präcipitat. s. metallic. purum, reines G., A. pulverat, präparat., 
erhalten durch Lösen käuflichen G. in Salpetersalzsäure und Fällen mit Eisen- 
vitriol; braunes Pulver, nach Ph. Bor. u. a. gelten schon Holländer Dukaten mit 
Recht als rein genug; A. limatum, Limatura auri, gefeilte Dukaten. G. scheint 
als durchaus unlöslicher Stoff selbst in feinst vertheiltem Zustand kaum zu wir- 
ken 3 ; trozdem sollG. wie andere G.Präparate wirken und nüzen (Chrestien, Niel, 
Becker u. A.). D. gr. V 4 ~jj > a l s Pillen, Pulver, z. B. iatroleptisch. Bei Quecksil- 
bercachexie Hess man sonst Dukaten zu Kugeln geschmolzen schlucken! A. foliat., 
Blattgold, sonst zum Vergolden von Pillen, jezt nur Plombiren der Zähne auf 
kaltem Wege benüzt (G.Amalgame, Goldzahnkitt, Richmond'scher u.a. 4 ). A. oxy- 
d a t. , G.O x y d , Peroxydum Auri , Goldsäure : erhalten durch Zusaz von Kali, 
Magnesie zu G.Chlorid; braun, als Hydrat gelblich, löslich in Säuren, Alkalien, 
nicht in Wasser; leicht zersezt, reducirt. Wirkt örtlich kaum reizend; selten 
benüzt bei Syphilis u. a., D. gr. 1 /& — 7 2 > a l s Pulver, Pillen, z. B. gr. 6 mit 3jj 
Extr. Mezerei , zu 60 Pillen : Pierquin. 



1 Oft wie Gold iatroleptisch angewandt, unter die Zunge gestrichen, mit Pulv. Iridis flor. u. a., 
in Pillen. 

2 Hiebei entscheidet nur der Kostenpunkt; denn auch zu gr. 10 und mehr wirken die un- 
löslichen Verbindungen nichts. 

3 In Eiweiss und serösen, alkalischen Flüssigkeiten des Körpers soll sich etwas G. lösen 
(Buchner)? 

* Amalgame mit G., Silber dienen längst hiezu; Robertsons ZahnAmalgam: 1 G. 3 Silber 
2 Zinn geschmolzen, als Pulver aufbewahrt, beim Gebrauch mit ää Quecksilber geknetet; Watt's 
Krystallgold, wahrscheinlich ein ähnliches Amalgam, bequem um jede Höhlung, selbst alle Sub- 
stanzverluste an Krone u. s. f. auszufüllen , da es nur einen Haltpunkt im Zahn braucht um zu 
halten. 



Platin. 123 

Chloridum Auri, Chlorgold, G.Chlorid, A. muriat.acid. s. sesquichlorat., 
Perchlorid, s. Murias Auri, Dreifach Chlorgold: durch Lösen von Gold in Königs- 
wasser erhalten ; gelber Syrup oder Krystalle, zerfliesslich, leicht löslich in Wasser, 
Aether, Weingeist; durch Licht scheidet sich G. aus, auch durch Metalle, Metall- 
salze, organ. Stoffe, Zucker, Gummi, Gerbstoff, Extracte reducirt. Wirkt äzend, daher 
sein Name Aezgold, Caustique dore, färbt Haut, Haare purpurroth. Besonders 
in Italien noch benüzt; D. gr. Vi»— 1 /«) a ^ s Pulver, Pillen, mit Sem. Lycopod., 
Pulv. R. Irid. flor. , Amylum u. dgl. ; besser um seine Zersezung zu verhüten, in 
Aq. dest. gelöst, auch als Syrup, oder iatroleptisch eingerieben. 

Liquor Auri chlorati Cod. Hamb. gr. 3 Chlorgold gelöst in 3j dest. Wasser. 

Aeusserlich wie andere G.Präparate benüzt, 1 Th. auf 20—30 Fett, gr. 1 
auf Jj— jj Aq. dest. ; noch am wichtigsten als Aezmittel (Legrand , Kecamier, Ca- 
zenave), z. B. bei Geschwüren , Scrofeln , Lupus , Krebs , zumal der Gebärmutter, 
oft mit Salpetersäure, Chlorbrom u. a. Krusten u. dgl. auf Geschwüren, Lupus 
beseitigt man erst durch Cataplasmen , Waschungen, pinselt dann G.Chlorid auf; 
die geäzten Stellen bleiben ohne Verband. Schmerzen meist heftig; der geäzte 
Theil färbt sich gelb , dann violett , schwärzlich , nach 24 Stunden hat sich ein 
Schorf gebildet, nach dessen Ablösung die Aezung wiederholt wird. Gelöst in 
Wasser bei Ascites in die Bauchhöhle injicirt (Ogez), wie jezt Jodtinctur. 

Auro-Natrium chlorat., Chlorgoldnatrium, A. chlorat. s. muriatic. 
natronat. , Natriumgoldchlorid , Chloret. Auri c. Chloreto Natrii , Sodii Auro-Per- 
chlorid. : z. B. durch Mischen von G.Chlorid mit Chlornatrium dargestellt, hält 
meist etwa gleiche Theile von beiden Chlorüren ; in Frankreich , nach Ph. Austr. 
Wirtemb. überwiegt G.Chlorid bedeutend; gelb, bei Ueberschuss von G.Chlorid 
zerfliesslicher , löst sich leicht in Wasser. Wirkt etwas milder als G.Chlorid; 
innerlich von allen G.Präparaten noch am häufigsten benüzt, D. gr. Vi«— 1 /* 
(gr. 6—10 sollten selbst schlimme Fälle der Syphilis heilen) ; gelöst in Aq. dest. 
z. B. gr. 2—3 in Jj , gtt. 10 p. d. , auch in Pillen , Pastillen ; Legrand gab es 
meist mit Syr. Alth. u. dgl., gr. 3 auf Jjjj Syrup , Andere iatroleptisch x ; äusser- 
lich wie G.Chlorid, z. B. als Salbe, gr. j auf 3J Fett. 

Auro-Natrii chlorati Ph. Bor. gr. jv Pulv. R. Irid. flor. 3j/J f. Pulv. div. in 
x part. aequal. ; täglich ein Pülverchen in's Zahnfleisch u. s. f. einzureiben. ' 
A. muriat. natron. gr. jv Sacchari albi Jj Mucil. G. tragac. q. s. f. Pastill. 
60, tägl. 2 St. (Chrestien). A. chlorati natr. soluti in Aq. dest. q. s, 
S T - jjj Syr. sacch. Jv; tägl. 3 Löffel. 

G. Ammoni umChlorür, Chloretum Auri c. Chloreto Ammonii, 
bereitet durch Lösen von G.Chlorid, Salmiak in Wasser q. s. mit Zusaz von 
etwas Königswasser, Abdampfen; von Furnari empfohlen bei Amenorrhoe u. a.; 
seine Solution de Chlorure d'or et d'Ammonium : gr. 9 gelöst in Aq. dest., Alcohol 
aa Jj, täglich 2 Kaffeelöffel. A. jodat., JodG. , G.Jodid, Auri Jodidum: erhalten 
durch Fällen von G.Chlorid mit Jodkai. ; grünlichgelb , in Wasser schwer löslich ; 
selten benüzt bei Syphilis, Scrofulose u. a. innerlich und äusserlich; D. u. s. f. 
wie oben. A. cyanogenat. s. cyanat., Cyangold, G.Cyanid, Cyanidum 
Auri, erhalten durch Mischen von G.Chlorid mit Cyankal. ; gelb, unlöslich in 
Wasser, Weingeist, Aether. Wirkungen die der mildern G.Präparate ; bei Scro- 
fulose, Lungentuberkulose, Amenorrhoe versucht (Chrestien). A. cyanati gr. jjj 
Chocolad. Jj/J f. Pastill. 24, täglich 2—4. 

Purpura mineralis Cassii, Cassius' scher Purpur, Stannatum 
Ai, A. Stanno paratum : dargestellt durch Mischen von G /Chlorid mit Chlorzinn ; 
hält G.Oxyd, Zinn (Zinnoxyd); löslich in Ammon, nicht in Wasser; selten benüzt 
z. B. bei scrofulösen Knochenleiden (Legrand). Ammonium aurat, Knall- 
gold, A. fulminans: G.Oxyd mit Ammoniak, bereitet durch Mischen von 
G.Chlorid mit Ammon.; gelblichbraun, detonirt bei grösserer Hize; bei Syphilis, 
Wechselfieber, Wassersucht versucht; obsolet. 

9. Piatina, Platinuni, Platin. 

Wirkungen nur bei ChlorP. , ChlorP.Natrium bekannter (Jung, Höfer) ; beide 
wirken in mittlem Dosen , gr. 10—30 mehr oder weniger reizend, sogar äzend, 

l Von Chatterley, Rouault, Debreyne wieder bei Syphilis, Scrofulose, Krebs benüzt, z. B. 
S r - V»— % mit dem 3 f. Gewicht indifferenten Pulvers in Zunge, Haut eingerieben; v. Charriere 
b. Neuralgieen. 



124 Zink. 

besonders P.Chlorid, doch weniger als die entsprechenden Goldverbindungen; all- 
gemeine Wirkungen ziemlich wie bei diesen. Metall. P. ist ganz unwirksam; Chlor- 
platinkalium und -Ammonium wirken milder als Natriumplatinchlorid. Gebrauch 
auf einzelne Curiositätsliebhaber beschränkt, wie Gold bei Syphilis, Scrofulose, 
Blennorrhöen , Rheumatismus, Epilepsie (Prevpst u. A.). 

Bichlorid. s. Chlorid, s. Murias Platinae, P.Chlorid, P. muriat. 
bichlorat. : erhalten durch Lösen v. P. in Königswasser, Abdampfen zur Trockene ; 
braungelb, zerfliesslich, leicht löslich in Wasser, Weingeist, Aether. Platino- 
Bichlorid. Sodii, P. muriat. natronat., ClorplatinNatrium, Natrium- 
PlatinChlorid : erhalten durch Mischen des P.Chlorid mit Chlornatrium ; purpurroth, 
leicht löslich in Wasser, Weingeist, nicht zerfliesslich ; wirkt milder als das vorige, 
jedenfalls innerlich allein zu benüzen \ D. beider gr. 1 /s — 7*> als Pulver, Pillen, 
gelöst in Aq. dest., z. B. Chloridi Platinae gr. 5 Extr. liquir. 3j Pulv. R. liquir. q. s. 
f. pil. 30; täglich 2mal 3 St. 

10. Zincum, Zink. Spiauter, Speltrum. 

Wirkungen. Metall. Z. an sich unwirksam, wird durch Wasser, Säuren, 
Fette (Fettsäuren) leicht oxydirt und theilweis gelöst, lezteres auch durch 
Kochsalz, Salmiak (Vauqelin, Deyeux), durch Wein, Weingeist u. a. Sobald 
daher Zink z. B. in Gefässen wie in den Verdauungswegen mit derartigen 
Substanzen längere Zeit in Berührung, kann es wie Z.Salze wirken. 

Hinsichtlich der Schädlichkeit oder Unschädlichkeit des Z. und seines Staubs, 
seiner Dämpfe (Z.Oxyd), z. B. für die damit beschäftigten Arbeiter dieselbe Mei- 
nungsverschiedenheit wie bei Kupfer ; Flandin , Tardieu u. A. erklären Z. für 
ganz unschädlich, Blandet, Landouzy, Macmene, Langendorff, Falck dagegen sahen 
Arbeiter , welche z. B. den beim Schmelzen von Bronce, Messing u. a. entwickel- 
ten Z.Dämpfen oder Z.Staub ausgesezt waren, von Muskelschmerzen, Contrac- 
turen, Kopfschmerz, Indigestion, Colik, Brechdurchfällen, Catarrh, Asthma, Fieber 
u. a. befallen werden. Immerhin wirkt hiebei Z. nicht mit Intensität ein, so 
wenig als Kupfer; auch kommt vielleicht' in Betracht, dass käufliches Z. ausser 
Eisen auch Blei, Cadmium, oft sogar Arsen enthält, und dass jene Krankheiten 
grossentheils schon die Folge von Erkältung, unreiner Luft u. s. f. sein können. 

Die Wirkungen der einzelnen Z.Präparate sind sehr verschieden, doch 
im Ganzen denen des Kupfers ziemlich ähnlich. 

Wie Blei-, Kupfersalze verhalten sich auch die des Z. zu den Bestandtheilen 
thierischer Secrete und Gewebe , bilden z. B. mit Eiweiss Verbindungen , schwer 
löslich in Wasser, leichter in sauren, alkalischen Flüssigkeiten, in Magen-, Darm- 
secreten ; dasselbe geschieht mit Z.Oxyd (Michaelis). Derartige Z.Verbindungen 
s. Albuminate treten theilweis in's Blut (Orfila) , und Z. wird wie alle Metalle 
durch Leber , auch Nieren u. a. wieder ausgeschieden (Bouchardat , Schloss- 
berger); die Milch von Ziegen, die Z.Oxyd erhielten, hält Z. (Henry, Chevallier, 
Harnier u. A.). 

Schwer lösliche Z.Verbindungen wirken örtlich auch in grössern Men- 
gen wenig oder nichts; leicht lösliche schon in mittlem Dosen reizend, auf 
Schleimhäute, eiternde Flächen selbst gelind äzend. Längere Zeit in kleinen 
Dosen innerlich gegeben haben sie keine merklichen Veränderungen zur 
Folge, ausser etwa Uebelsein, Störung des Appetits, der Verdauung 2 . 

In mittlem Dosen, gr. v — x erregen lösliche Präparate Erbrechen, in 
grossen Dosen metallisch herben Geschmack, Eckel, Colik, Würgen und Er- 
brechen, meist mit Durchfällen, auch Bangigkeit, Schwindel, Collapsus, Frost, 
Betäubung, Coma. 

Zufälle lezterer Art entstehen am intensesten nach Injection von Z.Salzen 
in's Blut, auch wenn die Salze nicht alsbald ausgebrochen werden. In der Leiche 



l Bei Tripper v. Höfer injicirt, gr. 3—6 auf %} Aq. dest., Dee. Cap. papaveris; als Liniment 
gr. jj auf 3j Olivenöl ; auch P.Chlorid bei Geschwüren u. a. benüzt, gr. 10—15 auf §j Fett. 

' Auf sehr lange fortgesezten Gebrauch sahen Wibmer u. A. Abzehrung, hartnäckige 
Stuhlverstopfung u. s. f. eintreten. 



Zink. 125 

nur zuweilen Injection, Entzündung der Magenschleimhaut, bei ChlorZ. bis zu 
Verschorfung. 

Verfahren bei acuter Vergiftung wie bei Kupfersalzen : Eiweiss, 
Milch u. a. ; Gerbstoffhaltige Decocte von China, Grünem Thee scheinen über- 
flüssig; gegen Würgen, Erbrechen u. s. f. wie sonst, z. B. Opiate, Hautreize, 
Bäder. 

Gebrauch im Ganzen sehr beschränkt, zumal bei unlöslichen Präparaten 
ohne positiven Nuzen. Innerlich gibt man sie als Brechmittel (s. Zinkvitriol), 
bei Ecclampsieen, Convulsionen, Muskelzittern, Paralysis agitans, Epilepsie, 
Veitstanz, Keuchhusten, Asthma, Wechselfieber, wie Kupfer; auch Magen-, 
Darmcatarrh und -Geschwüre, Blennorrhöen der Bronchien, Urogenitalorgarie, 
Diabetes, Cholera, Syphilis behandelt man mit Z. 

Aeusserlich häufiger angewandt: alsAezmittel (s. Chlorzink), als adstrin- 
girende, trocknende Mittel bei Eiterung, Geschwüren, Blennorrhöen, Exsuda- 
tionen durch Reizung, Entzündung der Haut (z. B. Eczem, Kräze), auch 
des Augs, der Schleimhäute, bei Blutungen. 

Vor Höllenstein haben sie wenigstens den Vorzug der Wohlfeilheit, und 
dass Wäsche, Leinwand weniger nothleidet. 

Z. m e t a 1 1 i c. , m e t a 1 1. Z. : von Bouchardat und Sandras als Gegenmittel 
von Sublimat, Kupfersalzen empfohlen, mit gepulvertem Eisen; scheint zumal 
bei Q.Chlorid unsicher und zu langsam zu wirken l . 

1. Z. oxydat., Z.Oxyd, Oxyd, zincicum: als Z. oxydat. via humida parat, 
durch Fällen von Z.Salzen, Z.Vitriol durch Alkalien (kohlens. Natron : Ph. Boruss. 
Austr.) dargestellt, als Zinkblumen, Flores Zinci, Nihilum album, durch Glühen 
von Z. , .besser von Salpeters., kohlens. Z. , hier oft vermischt mit metall. Z. f 
selbst Arsen, daher ersteres, zugleich wirksameres stets vorzuziehen. Sonst in 
unreinem Zustand als Tutia (grisea) besonders äusserlich in Gebrauch. Weiss, 
leicht löslich in Säuren , auch organischen , in Alkalien , nicht in Wasser. 

Wirkt schon in Folge seiner Schwerlöslichkeit höchst unbedeutend oder 
gar nicht, obschon Einiges davon allmälig in's Blut gelangt; kann örtlich 
trocknend wirken, durch Bildung unlöslicher Verbindungen mit Eiweissstoffen 
des Eiters u. a. 

Selbst grm 10 und mehr machen bei Hunden blos einige Brechdurchfälle 
(Orfila) ; ein Kranker schluckte tägl. gran 20 ohne alle merkliche Wirkung (Barbier) ; 
Heller sah auf 3jj in 24 St. ebensowenig eine Wirkung, fast alles gieng im Stuhl 
ab. Schlossberger fand Zink im Harn, Michaelis in Blut, Galle, Leber u. a. 
Flandin konnte Z.Oxydhaltige Salbe Thieren lange Zeit einreiben, ohne dass sie 
irgendwie litten, während Bleioxyd, Bleisulphat eingerieben vom 10. Tage an schäd- 
liche Wirkungen offenbaren und am 20. Tag tödten können. Freilich leiden 
oft die Arbeiter in Zinkweissfabriken u. dgl. (s. oben) ; nur wirken wohl Hize 
u. a. in ihren Werkstätten mehr dabei als Z.Oxyd, oder waren es seine Salze, 
welche schädlich wirkten 2 . Bei Kranken soll da und dort auf grössere Dosen 
wie bei längerer Anwendung kleiner Dosen Uebelsein , Erbrechen u. s. f. , sogar 
Schwindel , Betäubung entstehen ; doch gab man z. B. in Pariser Spitälern Kran- 
ken Z.Oxyd bis zu |j— jj p. Tag, selbst Kindern gr. 10 und mehr p. d. ohne 
derartige Wirkungen (Bouchut, Trousseau). 

Mit Z.Oxyd behandelt man noch oft genug Convulsionen besonders der 
Kinder, Glottiskrampf, Keuchhusten, Chorea, Epilepsie, Neuralgie, Prosopalgie, 
hysterische Leiden; seiner Unschuld wegen auch Nervenzufälle bei Entzün- 
dung, z. B. Meningitis; endlich chron. Durchfälle, zumal der Kinder, Cholera. 

So sehr es früher z. B. bei jenen Nervenleiden gepriesen wurde, als eine 
Art «Opium minerale», ebenso sehr hat es an Credit verloren 3 ; mit Recht legt 

* Bei Homöopathen als Z. metall. divisum in Gebrauch. 

2 Leclaire , Bouchut bewiesen seine Unschädlichkeit , empfehlen Z.Oxyd statt Bleiweiss für 
Malerei, Anstriche u. s. f.; lezteres überhaupt dadurch mehr und mehr verdrängt, aber nicht 
ersezt (Chevreul u. A.). 

. 3 B. Epilepsie gab wieder Herpin oft $jß p. Tag. selbst Kindern nach und nach über §vj, 
ja in einem Fall grm 600 in 15 Monaten, dann Kupfersalmiak (s. oben), dann Baldrian bis zu 



126 Zink. 

man bei deren Behandlung mehr Gewicht auf diätetische Mittel als auf Z. u. a. 
Specifica. Dass es bei Cholera, Keuchhusten u. a. unmöglich Positiveres leisten 
kann , bedarf nicht erst des Beweises. 

D. gr. j — jv, mehrmals täglich, gr. */* — V 2 bei Jüngern Kindern. 

Als Pulver , Pillen , Trochisken , oft mit Moschus, Kampher, Baldrian, Bella- 
donna, China, Chinin, Rhabarber, Magnesie u. a.; Säuren, säuerliche Speisen 
und Getränke sind dabei zu meiden, weil durch Lösung des Z.Oxyd emetische 
Salze entstehen. 

Z. oxyd. 3j Pulv. R. Valer. 3jj Castorei gr. jv Syr. simpl. q. s. f. Pil. 10 
Dupuytren. Z. oxyd., Extr. Hyosc, Extr. Valer. aa 3J f- Pü. 60 Consp. Pulv. 
C. Cinnam. : Meglin'sche Pillen bei Algieen, Epilepsie u. a., Morgens und Abends 
1 St., allmälig 6. 

Aeusserlich als trocknendes Mittel benüzt bei Augen-, Hautkrankheiten, 
Verbrennungen, Afterfissuren , Decubitus, Geschwüren, Excoriationen, z. B. 
der Brustwarzen, der Hautfalten bei Kindern. 

Man streut das Pulver auf, oft mit Opium u. a. ISTarcoticis , mit Stärkmehl, 
Zucker; als Salbe gr. jj— x auf 3j Fett; mit Benzoe von Wilson bei allen chron. 
Hautkrankheiten applicirt, jezt oft mit Glycerin, z. B. Z.Oxyd 5—10 Th. , Ol. 
amygd. dulc. , Glycerin. aa 10, bei Eczema u. a. ; auch mit Wasser, schleimigen 
Flüssigkeiten bei Ophthalmie, zu Einsprizungen bei Tripper, 3J au f 1J V — V J Flüs- 
sigkeit. Ungut. Zinci, de Nihilo albo : 1 Z.Oxyd auf 8 — 9 Fett (Rosensalbe : 
Ph. Bor.) ». 

Z. carbonicum, Kohlensaures Zinkoxyd, Carbonas Zi, Calamina 
präparata, Galmei 2 : Eigenschaften, Wirkungen wesentlich die des Z.Oxyd: höch- 
stens noch wie dieses äusserlich benüzt , als Pulver , Salbe , z. B. mit Cerat , 
Wachs aü und 2—3 Th. Olivenöl; bei confluirenden Blattern applicirt es George 
als Pulver, Bennett mit Olivenöl aä- 

Emplastr. consolidans Ph. Wirtemb. u. a., Galmei, Weihrauch, Mastix 
u. s. f. mit Bleipflaster. 

2. Z. sulphuricum, Schwefelsaures Z.Oxyd, Sulphas s. Vitriolum 
Zi, Vitriol, alb., Z.Vitriol, Weisser Galizenstein : bereitet durch Lösen von Z. in 
Schwefelsäure; s. Krystalle durchscheinend, an der Oberfläche weiss, verwittert, 
leicht löslich in Wasser, nicht in Weingeist, schmeckt styptisch; käuflicher hält 
Eisenvitriol u. a. , selbst Arsen. 

Wirkungen die der leicht löslichen Z.Präparate, concentrirtäzend; wirkt 
zu gr. Y 2 — j gelind adstringirend, zu gr. v — xv Brechenerregend, in sehr 
grossen Dosen als scharfes Gift (s. oben). 

Wirkt conservirend auf thierische Stoffe; bewirkt in's Blut gesprizt hefti- 
ges Erbrechen, Betäubung, Athemnoth, selbst Lähmung der Extremitäten, tödtet 
zu gr. 30—40 injicirt Hunde fast augenblicklich. Wesentlich dieselben Zufälle 
kann schon seine Application unter und sogar auf die Haut (Christison) zur 
Folge haben; öfters finden sich dann Entzündung, folliculäre Magengeschwüre 
(Hertwig, Orfila, Smith). 

Innerlich benüzt 1. als Brechmittel, wie Kupfervitriol, z. B. bei Vergif- 
tung zumal durch narcotische Stoffe, bei Ueberladung des Magens mit Speisen, 
geistigen Getränken, bei Asphyxirten, Wahnsinnigen, beiBronchorrhöen, Croup; 
2. als Sedativum bei Nervenleiden, Asthma, Keuchhusten, Veitstanz, Epilepsie, 
Hysterie, Wechselfieber. 3 



grm 3j p. Tag, zusammen über 26 Kilogrm, ohne Schaden aber auch ohne Nuzen. Noch we- 
niger konnten Moreau am Bicetre u. A. irgend einen Nuzen des Z. dabei sehen. Dickson, 
Thompson rühmen es gegen die Schweisse der Phtisiker, mit Extr. Hyosc; Marcet bei Ner- 
vosität, Indigestion u. dergl. der Säufer, und obgleich sich diese wohl nur in Folge geordneterer 
Lebensweise besserten, soll Z.Oxyd ein Specificum auch gegen chron. Alcoholismus sein! 

1 Zu Pessarien nimmt Simpson u. a. Z.Oxyd, weiss Wachs äk grm 4, Fett grm 24. Als 
Zahnpaste, Zahnkitt dient die Mischung von 3 Th. reinem Z.Oxyd und 1 Th. fein gepulvertem 
Glas mit 50 Th. Zinkchloridlösung von 1,5—1,6 und im Minimum heissen Wassers gelöstem Borax. 

2 Natürlicher Galmei, Lapis calaminaris, kohlens. Z. und Eisenoxyd mit Kieselerde, dient 
zu Bereitung eines Ungut, lapidis calamin. (Cerat., Ungut. Turneri s. exsiccans) Cod. Hamb. mit 
Wachs, Olivenöl, auch Bleiglätte. Emplastr. Lapid. calam. Ph. Dan. Norv., mit Bleipflaster, 
Wachs, Terpenthin. 

3 Bei Chorea rühmen ihn Addison, Barlow, Stone, wie früher b. Epilepsie, Hysterie Bright, 



Zink. 127 

D. als Brechmittel, gr. 5—15 — 20, sonst gr. 72— jj, mehrmals täglich. 

Brüten, z. B. Bright, Babington gaben auch hier bis zu 3j— 3j p. d.! Man 
gibt den Vitriol als Pulver, Pillen, seltener (ausser als Brechmittel) in Lösung. 
Meide: Alkalien, kohlens. Alkalien, Blei-, Barytsalze, Gerbstoff. 

Z. sulphur. Zß Aq. dest. ^jv Sacch. albi 3jjj ; V4Stündl. 1—2 Löffel , bis 
zum Erbrechen. 

Aeusserlich als Adstringens u. s. f. benüzt bei chron. Ophthalmie, Thrä- 
nen der Augen, Angina, Aphthen, Scorbut, Blennorrhöen, Tripper, Exsuda- 
tionen, Geschwüren, Kräze u. a.; als Aezmittel bei Geschwüren, Chanker, 
Excrescenzen, Hornhautflecken, Krebs u. a. 

Man gibt ihn dort in wässriger Lösung, gr. 1 — 15 und mehr auf Jj 
Wasser, z. B. zu Einsprizungen bei Tripper, Scheidenflüssen, Pollutionen, zu 
Gurgel-, Verbandwassern; als Salbe gr. j — vj auf 3J Fett; Hegewisch's Kräz- 
salbe : 3jj auf Jj Ungut, simpl. Zumal bei Tripper , frischem und chron., 
wie andere Z.Salze jezt häufig eingesprizt, leistet zumal bei leztern nicht weni- 
ger als z. B. Höllenstein, obschon auch selten mehr als einfache diätet. Mittel; 
bei stärkerer Entzündung , im Anfang gr. 2 — 6 auf Jj Aq. dest. , sonst bis 
3/? — j l . Bei scroful. Ophthalmie, Hornhautflecken pinselt Ruete Z.Vitriol 
gr. 16, Morph, acet. s. sulphuric. gr. 8 Amyl. 3jj als Pulver auf. Bei chron. 
Ophthalmie äzt Tavignot die Nasenhöhle durch ein Schnupfpulver aus einigen 
Grm Z.Vitriol, mit Rad. Iridis (s. Höllenstein); Pretty injicirt als Abortivmittel 
bei Schnupfen gr. 3 gelöst in Jj Aq. Bei Kräze u. a. chron. Hautaffectionen, 
Prurigo, Eczem zu Bädern, Jjj — jv auf's Bad (Vorsicht bei wunden, ihrer Epi- 
dermis beraubten Hautstellen) ; Z.Vitriol, Alaun aa zusammengeschmolzen, 9j — 3J 
in 1 Liter siedend Wasser applicirt Richard auf Schwamm, Compressen bei Pru- 
rigo ani, vaginae (leistet nicht viel); bei Mentagra J/? mit 3jv Kupfervitriol in 
Aq. dest. &j/f Aq. laurocerasi J/f; Druitt als Gurgel-, Waschwasser bei Speichel- 
fluss, scorbut. Zahnfleisch, Angina, Aphonie u. a. 

Z. sulph. gr. jj Aq. dest. Jjv Extr. Opii gr. j/f ; Augenwasser, bei Conjuncti- 
vitis. Z. sulph., Alumin. crudi aä 3j Aq. dest. Jjjj; zu Inject, bei Metrorrhagie 
(Aqua Betanea). 

Als Aezmittel bei Krebs , Lupus u. a. mit conc. Schwefelsäure gesättigt, 
getrocknet und gepulvert als sog. Supersulphat (Simpson, Thompson) 2 . 

Z. aceticum, Essigs. Z.Oxyd, Acetas Zi s. zincicus, erhalten durch Lösen 
von Z.Oxyd in Essigsäure, Zersezen von Z.Vitriol mit essigs. Blei; weiss, leicht 
löslich in Wasser , schwieriger in Alcohol ; ein Theil der Essigsäure verflüchtigt 
sich leicht. Wirkungen wie bei Z.Vitriol, nur milder (Deveaux, Dejaer, Orfila); 
wie dieser innerlich und äusserlich benüzt, z. B. in England, selten auf dem Con- 
tinent 3 ; D. als Brechmittel gr. 10 — 20, sonst gr. j — jjj, mehrmals tägl., in Pillen, 
wässriger Lösung; z. B. bei Veitstanz 3J m J V J Wasser, Kinderlöffelweise alle 



Babington u. A. Sonst auch b. Catarrh des Darmcanals, der Bronchien, Urogenitalorgane als 
Adstringens benüzt, b. chron. Durchfall, Ruhr, Tripper, Gastroenteritis, Flatulenz; und umge- 
kehrt z. B. von Strong b. Obstipation durch sog. Atonie des Darmcanals (Wochen durch gr. 5 
p. d. als Pillen mit Brodkrumen), freilich nebenher Coloquinten, Calomel u. dergl. 

* Sigmund injicirt z. B. oft Z.Vitriol, Alumen crud., Tannin Tiä gr. 1—2 auf §j Aq. ; auch 
Z. acetic, citric. ; Bultynck Z. Vitriol %ß, Laudan. gtt. 20, Aq. §6— 8; Ricord, Acton (neben Co- 
paiva) Z.Vitriol, Bleizucker äa gr. 15, Tinct. Catechu, Laudan. aa 3j, Aq. Rosar. §6—7. White's 
Augenwasser, Lösung des Vitriol in Aq. rosar., foeniculi (mit Extr. Hyosc. und etwas altem 
"Wein : Fuchs) ; — 3 Th. Z.Vitr. 4 Honig 80 Aq. parfümirt mit etwas Nelken- und Senföl : Wittstein. 
Aqua (Liquor) ophtharlmic. alba Ph. Dan. Norv. Z.Vitriol, Bleizucker in Wasser, mit 
Kamphergeist; Ungut, zincic. sulphurat. , mit Fett und etwas Schwefel. Zum Conserviren 
von Leichen sprizt Falcony seine Lösung in Arterien. 

2 Simpson entfernt so z. B. Krebsgeschwülste in 5—8 Tagen, indem er mittelst eines mit 
Z. Supersulphat gefüllten Federkiels mehr oder weniger Linien quer darüber zieht und die 
Haut hier durch Krazen damit allmälig verschorft; auch mitGlycerin als Paste in Form kleiner 
spizer Kegel s. Pfeile rings herum in den Tumor geführt (wie v. Maisonneuve Z.Chlorid, s. 
dieses), oder durch fein zugespizte Sprizen, Troicarts- injicirt, auch in Lipome u. a. S. äzt 
damit auch bei Prolapsus uteri , vesicae , indem sich die so entstehende Narbensubstanz con- 
trahirt. 

Statt Bleipflastern mischt Gueneau de Mussy den Niederschlag bei Zersezung von Z.Vitriol 
durch weisse Seifenlösung (fettsaures Z.Oxyd) mit Harzen, auch Oel, Wachs, wie bei Diachylon. 

3 Wolf gab es bei Delirium tremens, Rademacherianer bei Nervenleiden sonst, Delirien, 
Wahnsinn; Rieder bei Cholera, gr. 4 in J 4 Aq. mit %ß Arab. Gi; Klusemann bei rheumat. 
Augenentzündung als Pulver, gr. 2 p. d. alle St. — 2 St. 



128 Zink. 

paar St. (Gobbin). Zu Einsprizungen z. B. in die Harnröhre bei Tripper gr. 
2—20 auf gj Aq. (A. Cooper injicirte Zinkvitriol und Grünspan, wobei essigs. 
Z. entstand). 

Z. citric. , lactic, Citronens., Milchs. Z.Oxyd, wie das vorige be- 
nüzt, lezteres z. B. von Herpin bei Epilepsie; aucb Salpeters. Z.Oxyd, 
Nitras Zi, Z. nitric, z. B. in England zu Augenwassern. 

Z. cyanat. (sine ferro Ph. Austr.), CyanZ., Cyanet. s. Cyanuret. Zi, Z. borus- 
sic., hydrocyanic, zootic, durch Mischen von Cyankal. mit Z.Sulphat, durch Lösen 
von Z. in Essigsäure und Fällen mit Blausäure erhalten ; weiss , anlöslich in 
Wasser, Weingeist, geschmacklos. Wirkt giftig, wie Cyankal. (Coullon, Pelikan); 
selten benüzt, häufiger das folgende, wie Z.Oxyd, besonders bei Neuralgieen, Car- 
dialgie, Rheumatismus, Asthma, Krämpfen, Keuchhusten; D. gr. 1 /&— y*, als Pul- 
ver mit Zucker, Magnesie, Milchzucker, Morphin. 

Z. ferro- s. ferrosocyanat , Cy anEisen Z., Eisenblaus. Z.Oxyd, Z. ferro- 
hydrocyanic. , Ferrocyanid. Zi, Cyanuret. Zi ferros., erhalten durch Fällen von 
Z.Vitriol mit KaliumEisenCyanür ; weiss, unlöslich in Wasser, Weingeist. Wirkt 
nur wenig oder nichts, jedenfalls nicht giftig ; bei Nervenleiden als Sedativ benüzt, 
seit Hufeland, der so manches in die Arzneimittellehre eingeschwärzt * ; D. gr. j— jjj, 
mehrmals tägl. , als Pulver, Pillen, Trochisken. 

Z. jodat, JodZ., Jodet, s. Joduret. Zi, Z.Jodür , bereitet durch directe Zu- 
sammensezung, Mischen von Z.Sulphat mit Jodbaryum; zerfliessend, leicht löslich 
in Wasser; wirkt scharf reizend , sogar äzend, überhaupt ziemlich wie ChlorZ. 
(Cogswell u. A.). Selten äusserlich benüzt (Ure u. A.) , etwa wie Jodquecksilber, 
bei Drüsenschwellung, chron. Hautleiden, als Salbe, 1 Th. auf 10 Fett ; in Lösung, 
gr. j— jv auf Jj Aq. ; 3j — 3j i n ?j Aq. auf granulöse Augenlider gepinselt (Pitcher). 
Innerlich als Syrup. Zi jodati in Dosen wie Jodeisen bei Kropf, Chorea u. a. 
(Barlow). 

Verbindungen des J.Zink mit Strychnin, Morphin, Jodure de Zinc 
et de Morphine, de Strychnine, welche die Wirkungen obiger Alkaloide wie des 
Z. äussern sollten, benüzte Bouchardat, JodZ.Morphium z. B. bei Gastralgie u. a., 
JodZ. Strychnin bei Gelähmten, Epileptischen u. a. , gr. */« — V 3 p. d. 2 

3. Z. chloratum, Chlor zink, Z. hydrochloric. , muriatic., Z.Chlorid, 
Chloret. s.Butyrum Zi: durch Lösen von Z. in Salzsäure bereitet; weiss, zerfliessend, 
dann Z.Butter genannt 3 , leicht löslich in Wasser, Weingeist, Aether, schmeckt 
widrig, herb. 

Wirkt stark reizend, concentrirt äzend, indem es sich vermöge seiner 
grossen Affinität zu Wasser und Eiweissstoffen der Gewebe mit leztern zu 
einem weissen Schorf von Z.Albuminaten verbindet. Aehnliche Wirkungen 
im Magen, Rachen u. s. f., Gastritis, Erbrechen, Durchfall, Collapsus; schon 
gr. 10 können höchst bedenkliche Folgen haben. 

Flüssiges Eiweiss coagulirt es sofort. Scheint in sehr kleinen Dosen wie 
andere Z.Salze kaum in merklicher Weise einzuwirken ; das im Magen u. s. f. 
sich bildende ChlorZ. Albumin löst sich nicht oder sehr langsam. Bei Vergiftung 
damit Eiweiss, Milch, kohlens. Alkalien (zersezen ChlorZ.), Seifenwasser (Stratton) 4 . 

Innerlich selten benüzt, wie andere Z.Präparate, bei Neuralgieen, Gastral- 
gie, Veitstanz, Epilepsie, Syphilis, Scrofulose, Krebs, Lepra, Psoriasis, Eczem, 
Lupus, Impetigo, verschleppter Kräze, Elephantiasis (Hancke, Papenguth). 

Hier überall von wenig Nuzen ; bei mercurieller Stomatitis (Nunn); Wendt, 
Lang, Karatscharoff rühmten es wieder bei syphilit. Primärgeschwüren, welche 



i Hufeland wollte hier zwei „Remedia nervina" verbinden; in Wirklichkeit aber wirkt in 
obiger Verbindung weder Cyan noch Zink, d. h. sie ist unwirksam. Durch Verwechslung mit 
CyanZ. Vergiftungen nicht selten. 

2 Z. B. Joduret. Zinci et Morphii gr. j Pulv. R. Alth. gr. xvj Extr. gramin. q. s. f. Pil. 6 ; 
tägl. 1—2 St. Joduret. Zinci et Strychnii gr. jj Conserv. rosar. q. s. f. Pil. 15; tägl. 1 St. 

3 Besser als das Salz selbst , welches meist bald zerfliesst und dann nicht mehr bequem zu 
handhaben, nicht einmal leicht zu wägen, bewahrte man ZnCl in wässriger Lösung von be- 
stimmter Concentration auf. 

* Seit ZnCl häufiger benüzt wird. Vergiftungen damit nicht selten, zumal in England ; wirkt 
in Lösung, auch in concentrirter nicht so stark äzend wie in Substanz. 



Zink. 129 

dem Quecksilber widerstanden, leistet aber bei Syphilit. nichts Positives, und zu- 
lezt muss man doch zum Quecksilber greifen (Kloss, Lange u. A.). 

D. gr. 4 / 2 — j, täglich bisgr. vj und mehr, meist mit Zusaz von etwas Salz- 
säure, um seine Aez Wirkung zu mildern; in Pillen (Wendt). 

Hancke löst gr. 4—6 in Jjv Aq. dest., 4—6 Esslöffel tägl.; gelöst in Aether 
(Hufeland), z. B. gr. j in 3jj, p. d. gtt. 4—6, mehrmals tägl. 

Aeusserlich viel häufiger benüzt als reizendes wie adstringirendes Mittel 
bei Drüsenschwellungen, Kropf, Cysten, Bubonen, chron. Hautaffectionen, 
Geschwüren, Chanker u. a. syphilit. Uebeln, bei Blennorrhöen, Tripper; be- 
sonders aber (seit Canquoin, Hancke, Maisonneuve, Fell) wahres Mode- 
Aezmittel bei Krebs, Scirrhositäten, Naevus, Lupus, Drüsengeschwülsten, Cysten, 
Drüsenbälgen, Warzen, scrofulösen, callösen, fistulösen Geschwüren, Chanker 
im Rachen, bei Caries, Elephantiasis, Blutungen u. s. f. 

Wirkt als Aezmittel rasch und tief, mehr als Säuren, Höllenstein, Präcipitat, 
nähert sich überhaupt dem Arsenik 1 , macht aber heftigen Schmerz, starke Rei- 
zung, mehr als z. B. Wiener Aezpaste. Um mit Epidermis bedeckte Hautstellen 
zu äzen, entfernt man jene erst durch Vesicantien, Aezammon, auch Salpetersäure. 
Selten applicirt man Cl.Z. als Pulver oder pinselt es für sich, auch mit etwas 
Wasser, Honig, mit Salzsäure auf, bedeckt nachher mit Pflaster u. dgl. Meist 
benüzt man es zum Aezen als Paste, indem man ihm je nach dem beabsichtigten 
Wirkungsgrad a~ä oder 2—3 Th. Roggen-, Stärkmehl, auch Gummischleim, elasti- 
sches Collodium u. dgl. beimischt; da und dort auch ChlorAntimon (Canquoin, 
Hancke , Fell u. A.) 2 . Bei heftigem Schmerz Cataplasmen , z. B. von Leinsamen- 
mehl ; nach 6—12 Tagen stösst sich der Schorf ab, und die Geschwürfläche pflegt 
rasch zu vernarben, selbst bei Krebs der Haut, Lupus. 

Für die mildern Grade der Wirkung zu Verband, Fomenten, Injectionen 
verdünnt man Cl.Z. mit 10—1000 Th. Aq. , auch Glycerin; oft mit Zusaz von 



* Seine Aezwirkung bleibt mehr begrenzt als b. Aezkali, weil es nicht lösend wirkt, ausser 
b. sehr langer Einwirkung, vielmehr die Eiweissstoffe der obersten Schichten einfach gerinnen 
macht; auch wirkt es, wenn nicht unterbrochen, 70 St. durch, zerstört selbst Hautstellen mit 
Epidermis in 24 St., nach Entfernung der Epidermis in 3 St., und verwandelt z. B. in Arterien 
das Blut in ein schwarzes Coagulum (Salmon , Maunoury) ; trozdem entstehen öfters Blutungen 
dabei. Dient jezt vor allen Aezmitteln zur Beseitigung von Krebsgeschwülsten statt des Mes- 
sers; Bonnet heilte durch s. wiederholte Application sogar ein Aneurysma der Art. subclavia; 
Jüngken obliterirt damit auch den Thränensack, Gaillard b. Varicocele die Venen; werthvoll 
noch b. allen möglichen Hautleiden als Aez-, Reizmittel u. s. f. (Veiel, Byron u, A.). Zu In- 
jectionen bei Tripper von Lloyd u. A. benüzt, gr. j— jj auf §j Aq. 

2 Canquoin's Aezpaste: Cl.Z. mit Roggenmehl, oder 2 Th. Cl.Z., Butyr. Antim. 1 Th., Amy- 
lum, Wasser q. s. ; beide Mischungen nachPh.Norv. alsPasta Chloreti zincici undChloreti 
zincici et stibici offic, mit Weizenmehl statt Amylum. Fell verschorft bei nicht offenem Krebs 
die Haut in dessen Umgebung erst durch Salpetersäure, macht dann mehrere leichte Einschnitte 
durch den Schorf und legt in leztere Baumwollenstreifen ein, bestrichen mit seiner Aezpaste 
(C1Z. mit Dec. Rad. Sanguinar. canad. da und Amyl. oder Weizenmehl q. s. ; die Sanguinaria 
wirkt nichts dabei) 10—20 Tage durch. Statt mit^Iehl, welches eine bröckelige Paste gibt, 
reibt Somme das erst in Alcohol gelöste C1Z. mit , ta Kleber zusammen, gibt eine leicht bild- 
same Masse; noch mehr 30 Th. C1Z. gelöst in 40—50 elast. Collod., auch z. B. auf Leinwand 
gestrichen applicirt. Haviland, Lawrence legen C1Z. mit Mucil. Gi arab. a~a (auch z. B. §j C1Z. 
mit fjj Schleim u. R. Alth. q. s.) auf Leinwand, Calico gestrichen auf, nehmen sie nach 24 St. 
weg, machen durch den Schorf Einschnitte, und legen in diese dieselben Leinwandstreifen mit 
Aezpaste, 10—20 Tage, bis der Tumor beseitigt ist. Um diesen zu zerstören und auszuschälen, 
bringt Maisonneuve eine Paste aus C1Z. mit Amyl. und Wasser q. s. , nachdem sie gebacken 
worden, in Form spizer Kegelchen oder Stilets (caust. Pfeile) ringsumher in den Tumor, oft 
durch Stiche, bricht sie ab und lässt sie drin liegen (Cautöris. en fleches). Simpson sprizt u. a. 
auch gelöstes C1Z. (einige Tropfen) mit Troicart u. s. f. ein (s. Zinkvitriol). Veiel nimmt zum 
Aezen v. Lupus, hypertroph. Geweben, Cysten, Drüsenbälgen, Fistelgängen u. a. C1Z. in fester 
Cylinderform, d.h. geglüht u. ausgegossen wie Höllenstein, alsLapisZi chlorati, für leichtere 
Fälle C1Z. gelöst in u~ä Weingeist, nach Entfernung v. Krusten, Schuppen u. s. f. durch Cata- 
plasmen; b. Ophthalm. neonator. pinselt Macmilian gr. 5 auf %ß Glycerin statt Höllenstein ein, 
tägl. mehrmals. 

Bei Cystenkropf wird C1Z. immer neu aufgetragen, bis die Cyste geöffnet; Bonnet führt es 
auf einem Haarseil ein, als sog. Seton caustique ; diese_subcutane Aezung benüzen B., Philippeaux 
auch bei Amaurose u. a. als Derivans: C1Z., Mehl äa, Aq. q. s. zu einem langen Cylinder ge- 
knetet, an Baumwollenfäden befestigt, mit der Haarseilnadel im Nacken durchgezogen u. nach 
24 St. wieder entfernt. Zum Aezen von Canälen, Fistelgängen schmilzt man C1Z. oft mit Vsj Gutta 
Perchajs. diese) zusammen (Maunoury). Rachengeschwüre können mit einer Mischung v. C1Z., 
Amyl. aa 3jj Aq. q. s. (oder Honig 5jj) als halbflüssige Paste bepinselt werden; bei Caries der 
Zähne trägt Stanelli die zerflossene Masse selbst mit Pinsel in die Höhlung (die umgebenden 
Theile durch Watte geschüzt) ; b. hartnäckiger Blutung aus Zahnlücken presste Salton Haie in 
C1Z. getauchte Charpie hinein. 

7. Aufl. 9 



1 30 'Wismuth. 

Salzsäure, Jodtinetur; mit Fett 5—15 Th. als Salbe. Liquor Zi chlorati Cod. 
Hamb. 1 Cl.Z. 15 Aq. dest. — Chloreti Zi gr. vj Aq. dest. Jjj Acid. muriat. gtt. x; 
bei Geschwüren, Chanker u. a. 

Bei Hautaffectionen, verdickten vasculösen Geweben, auch Conjunctiva u. dgl. 
nimmt man zu Umschlägen, "Waschungen anfangs blos gr. 1—3 auf Jj Aq. (schon 
hier entsteht brennender Schmerz); zu Salben 3j auf gj — jj Fett, Ungut, simpl., 
rosat. u. a., auch z. B. mit Zß Salzsäure; zu Einsprizungen bei chron. Tripper, 
Scheidenflüssen (leistet hier so viel als Höllenstein) Yiooo— Vsoo, z. B. gr. 1 /i— 10 
und mehr auf Jj Aq. ; bei Chanker u. a. auf Charpie, oft mit Salzsäure (z. B. 
Cl.Z. gr. 12, Salzsäure 3/? Aq. J12: Kloss); wobei noch der Vortheil, dass Weiss- 
zeug nicht verderbt wird; bei chron. Eczem, Psoriasis, Favus u. a. mit Salz- 
säure ^ 10 , Aq. 500 Th. (Veiel) ; bei Crusta lactea neben Fomenten u. a. gr. 5, 
Sublimat gr. 2 auf Aq. Jj (Bednar). 

Als Mittel gegen Fäulniss von Holz, anatom. Präparaten u. a., um Schwefel- 
wasserstoff, Schwefelammon u. a. zu zersezen, kurz als conservirendes , antisep- 
tisches, desinficirendes Mittel dienen Lösungen des Cl.Z., z. B. Burnett's, Crews', 
Goadby's Flüssigkeit; auch zum Besprengen, Waschen der Krankenzimmer wie 
der Kranken und Wärter, z. B. bei Cholera benüzt; um Schiffsräume, Abtritte, 
Koth geruchlos zu machen, z. B. Cl.Z. 1 Th. mit Aq. 50—100; in Blutgefässe 
u. s. f. gesprizt zur Conservation von Leichen (Jackson, Stratton, M'Clure u. A.), 
auch zum Tödten von Insecten, Wanzen, Larven; dagegen als nicht flüchtiger 
Stoff nicht wie Chlor, Chlorkalk brauchbar zum Desinficiren der Luft, zum Zer- 
sezen von Schwefelwasserstoff, sog. Miasmen u. dgl. Aufgepinselt oder in Gur- 
gel- , Waschwassern beseitigt es auch den Gestank bei scorbut. Zahnfleisch, 
Speichelfluss u. a. (Druitt , Nunn) , z. B. 3J Burnett's Flüssigkeit in Aq. dest. 
Jj— jj, nachher mit Aq. ausgewaschen, dass nichts verschluckt wird. 

Als Zahnkitt: Glaspulver mit Cl.Z., Zinkoxyd, bei der Application mit Aq. 
zu einem Teig geknetet. 

Z. valerianicum , Valeriansaures Z.Oxyd, durch Sättigen von Baldriansäure 
mit kohlens. Z.Oxyd, durch Zersezen von baldrians. Kalk mit Z.Sulphat erhalten ; 
weiss, krystallisirbar , in 160 Wasser löslich, leichter in Weingeist. Wirkungen 
die eines schwer löslichen Z.Salzes; als eines der kräftigsten Mittel gepriesen 
bei Neuralgieen, Gastralgie, Migräne, Krämpfen, Chorea, Epilepsie, Wahnsinn u. a. 
(Muratori , Cerulli , Devay , Curtis , Tournie , Escolar , Fornasari u. A.) , oft mit 
Opium, Bilsenkraut u. dgl.; leistet nicht mehr denn hundert andere Mittel, für 
Spielerei zu theuer. D. gr. j— jj, als Pillen, Puiver, gelöst in Aq. , Weingeist; 
Fario gab gr. 15—20 in 2 Tagen, um nur einige Wirkungen zu erhalten; äusser- 
lich bei Affectionen der Conjunctiva, Hornhaut wie Z.Oxyd (Fario), gr. 2—4 auf 
Jjj Aq. dest., auch als Salbe. Z. phosphoricum, bei Epilepsie u. a. benüzt 
(Barnes), gr. 2 — 5 p. d. , meist (wie schon früher Z.Sulphat) mit Phosphorsäure. 

Z.Tannat, Gerbsaures Z. , Z. tannicum, z. B. durch Sättigen einer Tannin- 
lösung mit frischgefälltem Z.Oxyd erhalten; als Adstringens benüzt bei Blasen- 
catarrh , Tripper , Ophthalmie u. dgl. , z. B. hier gr. jj, Mucil. Gi arab. 3JJJ 
Aq. dest. J6 (Bonne wyn) ; bei chron. Tripper 1 Th. auf 100 Aq. injicirt (Alquie)»; 
Z.Vitriol j Tannin ää gr. 10 — 15 auf Jj— jj Wasser (Acar). 

11. JBismuthum. Wismuth. MarJcasit. 

W.Metall, rein ohne alle Wirkung; käufliches hält Arsen, Eisen u. a. ; 
dient als Legirung zum Plombiren der Zähne (Desirabode, Darcet) : 8 Th. W., 
5 Blei, 3 Zinn, oft noch mit V 10 Quecksilber, um die Masse flüssiger zu machen ; 
schon bei geringer Wärme flüssig, füllt die Höhlung vollständiger aus als beim 
Plombiren auf kaltem Wege. 

B. subnitricum (praecipitatum) s. liy drico-nitricum, Basisch- 
salpeters. W.Oxyd, Subnitras, Nitras s. Trinitras Bi, B.oxydat. nitric. basic., 
B. hydric. nitric., Magisterium Bi , Wismuthweiss : erhalten durch Mischen von 
in Salpetersäure gelöstem W. mit überschüssigem Wasser, basisches Salz fällt 
nieder, saures bleibt gelöst; weiss, in Wasser kaum löslich, geschmacklos. 

Die einzige Verbindung des W., deren Wirkungen bekannter und bei. 
Kranken benüzt. In kleinen Dosen ganz unwirksam, im Magen aber theil- 



Zinn. 131 

weis gelöst, resorbirt (Orfila, Lussana); färbt die Stühle schwärzlich durch 
Bildung von SchwefelW. 

Soll in grossen Dosen öfter Erbrechen, Colik, Durchfall oder umgekehrt 
Stuhlverstopfung machen, selbst mit Schwindel, Athemnoth , Betäubung, Convul- 
sionen ; selten auch Speichelfluss (Christison). Läsionen in der Leiche : Injection, 
selbst Entzündung der Magen-, Darmschleimhaut, Geschwüre u. s. f. Jene Zu- 
fälle sollen bei Menschen (Kerner, Odier) wie bei Thieren entstehen, denen 
grosse Dosen in Magen, subcutanes Zellgewebe oder Venen (Orfila) gebracht 
worden; im leztern Fall oft mit raschem Tod. Monneret dagegen gab Kranken 
p. Tag 3jj, allmälig Jj— jj , Desayvie bei Cholerine junger Kinder gr. 90—160 in 
Reisbrei, ohne irgend welche Folgen 1 . 

Verfahren bei Vergiftung : zum Fördern des Erbrechens milde , schleimige 
Getränke, Milch, Eiweiss ; später Opiate , Emulsionen u. a. ; gebrannte Magnesie, 
hydrat. Schwefeleisen als Gegenmittel (Lussana). 

Gebrauch: bei Magencatarrh, Indigestion, Gastralgie, Erbrechen, See- 
krankheit, chron. Gastritis, Magen-, Gebärmutterkrebs, Asiat. Cholera, Chole- 
rine (Leo), Durchfällen (besonders bei Kindern, Frauen, Nervösen, Schwind- 
süchtigen), Ruhr (Trousseau, Recamier, Guersent, Lussana), Wechselfieber 
(Urban, Henke), Asthma, Keuchhusten, Epilepsie. 

Sein Nuzen ist hier überall so gering wie etwa bei Zinkoxyd. 

D. gr. jj — vj, 2 — 4mal täglich, als Pulver, Pillen, Trochisken, auch in 
Wasser suspendirt durch Traganth, arab. Gummi; oft mit Kreide, Magnesie, 
Arab. Gummi, Colombo, Opium, Extr. Belladonn., Blausäure 2 . 

B. subnitr. 3J Moschi gr. xjj Magnes. calc. , Sacch. alb. aa 3jj £ Pulv. Div. 
in 12 part. aeq. ; tägl. 3 Pulver. B. subnitr. 3jj Castor., Pulv. Rad. Valer. aa 3/? 
Extr. Liquir. q. s. f. Pil. 60 ; 2mal tägl. 5 St. z. n. 

Aeusserlich wie z. B. Zinkoxyd als schwaches Adstringens u. s. f. benüzt, 
im Ganzen selten, z. B. bei catarrhal. Conjunctivitis eingepinselt, das Pulver ein- 
geblasen (Bretonneau) , ebenso bei chron. Laryngitis , Kehlkopfphtise (Trousseau) 
wie Calomel u. a. ; bei Coryza (Monneret; mit Jodschwefel, Pulv. Liquirit. : Sobrier); 
bei Durchfall der Kinder im Klystier, z. B. Zß— 3jjj in Dec. Sem. lini (Trousseau, 
Monneret); als Pulver bei chron. Eczem, Impetigo, Geschwüren, auch mit Aq. 
als Paste ; oder als Salbe 3j - 3j auf ^j Fett , öfter mit Opium , Galläpfelpulver, 
Tannin u. a. , z. B. bei Hämorrhoidalknoten; bei Tripper, Blennorrhöen 1 Th. 
mit 6—10 Aq. zu Injectionen, auch als Pulver (Caby, auch innerlich mit Cubeben, 
Copaiva). Oft benüzt als weisse Schminke, La Grua, Rachelschminke u. a. , auch 
bei Kupferrose ; unschädlich , aber durch SH in der Luft schwarz. 

12. Stannum. Zinn. 3 

Stannum metallicum, Regulinisches Zinn: wirkt auch in grossen Men- 
gen höchstens mechanisch; blos wenn durch Blei verunreinigt könnte es sich 
damit anders verhalten*. Limatura s. Rasura Stanni, Zinnfeile, St. limatum, 
und St. pulveratum, s. granulatum, Gepulvertes Z., noch da und dort Wurm- 
mittel, zumal lezteres bei Bandwurm, meist mit Purgantien. D. 3j — 3jj> 
mehrmals täglich, sogar Unzenweise (Aiston u. A.), als Latwerge, Bolus mit 
Honig, Farrnkrautwurzel, Wurmsamen, Jalape, Tannin u. a. 



1 Jene heftigeren Wirkungen des Salzes leitet Monneret von der Krankheit, nicht vom W. 
ab, Trousseau, Lassaigne vom Gehalt an Arsen, welches sich auch in den daraus bereiteten 
Pastillen Jutier's finden soll; Martin von überschüssiger Salpetersäure und löslichem Salpeters. 
W.Oxyd, welche das Salz bei schlechtem Auswaschen enthält. 

a Pereira, Trousseau, Monneret u. A. geben nicht unter gr. 20—30 p. d.; Mascarel , Desayvie 
b. Cholerine der Kinder gr. 8—16 p. Tag, mit Traganthschleim, Syrup, Wasser; Paterson um- 
gekehrt als Laxans, mit Magnesie! B. subcarbonic, durch Fällen v. Salpeters. W.Oxyd mit 
kohlens. Natron erhalten, von Hannon statt des obigen gerühmt, als wirksamer, löslicher im 
Magen; W.Tannat bei Durchfall (Cap). 

3 Die Wirkungen des Z. u. seiner Verbindungen scheinen denen des Zink höchst ähnlich ; 
bei Kranken kaum mehr benüzt ; nach Ph. Boruss. u. a. nicht mehr offic. 

4 Galt sonst für so giftig wie Blei, aber nur weil es B., Arsen u. a. enthielt. Speisen u. a., 
zumal fette, saure können in Z.Gefässen Z. . Blei theilweis lösen und jezt Brechen u. s. f. be- 
wirken; auch im Magen sollte fein zertheiltes Z. theilweis oxydirt u. gelöst werden (Guersent)? 

9 * 



132 Zinn. 

Auch mit Z. gekochtes Wasser soll anthelminthisch wirken (Pitcairn u. A.); 
Guy gab ein Amalgam mit Quecksilber, Becker, Mead durch Galvanismus redu- 
cirtes Z. bei Bandwurm, z. B. St. praecip. 3j Zucker 3jjj 5 3mal tägl. 1 Thee- 
löffel. Z.Feile war ein Bestandtheil des Electuar. anthelminth. Mathieui, mit 
Farrnkrautwurzel, S. Cinae, Jalape , Polychrestsalz , Honig. 

St. granulati Iß S. Cinae 3jj Extr - Absinth. 3j Mellis crudi q. s. f. Electuar. 
tägl. 2—3 Kaffeelöffel : Himly. St. limati 3jj Ferri sulphur. cryst., S. Cinae aä 3j 
f. Pulv. div. in 6 (12) part. aeq. Morgens und Abends 1 Pulver, nachher ein 
Purgans: Thompson. 

Schwefel Z. , Bjsulphuret. Stanni, Musivgold , sonst gleichfalls 
ein Wurmmittel. 

Z.Oxydul, St. oxydulat, Oxydum stannosum und Z.Oxyd, St. oxydat., Oxyd, 
stannic. : beide unlöslich in Wasser , pulverförmig ; sollen zu 3j— jj bei Hunden 
ziemlich reizend auf Magen , Darmcanal wirken (Orfila) ; nach Schubarth u. A. 
wirkungslos; sonst als Wurmmittel, Purgans benüzt, gr. 5 — 10 p. d. 

St. chloratum, Z.Chlorür , Chlor.Z., St. muriatic, Chloruret. s. Chlorid, s. 
Hydrochloras Stanni : durch Lösen von Z. in Salzsäure erhalten ; weiss , kry- 
stallin., in Wasser leicht löslich bei Zusaz von etwas C1H ; oxydirt sich an der 
Luft, auch in Lufthaltigem Wasser theilweis zu Oxydsalz, Oxychlorür, daher bei 
häufigem Oeffnen des Glases bald trübe durch ausgeschiedenes Oxychlorür ; über- 
schüssige C1H hindert diese Zersezung. 

Wirkt in mittlem Dosen äzend; schon gr. 10 — 20 können verschluckt 
Schlund-, Magenentzündung machen. 

Aehnliche Wirkungen hat schon die Injection von gr. 1 — 2 in Venen zur 
Folge (Orfila) ; die Läsionen nach dem Tode sind die der scharfmetallischen 
Gifte, ebenso das Verfahren im Fall einer Vergiftung: Eiweiss, Milch, deren 
Käsestoff mit Z.Chlorür eine unlösliche Verbindung bildet ; als Gegenmittel em- 
pfiehlt man Magnesie , Schwefeleisen (Mialhe), auch kohlens. Natron, Kali aä 
IV2 Th. mit 6—9 Soda- oder Kaliseife (Stratton)? 

Bei Kranken kaum benüzt, z. B. bei Krämpfen, Epilepsie (Schlesinger), 
Bandwurm (Chevallier) *. D. als Wurmtreibendes Mittel gr. y* — 2 p. Tag, nach 
Manchen sogar 3/?— j (!), sonst gr. J /io — J /2, in Pillen, besser gelöst, z. B. gr. 1—2 
in 3j Salzäther (Schlesinger), hievon gtt. v— x p. d. Aeusserlich in wässriger 
Lösung bei chron. Eczem, Geschwüren u. a. kaum mehr benüzt, gr. 1 auf 
Aq. Ij— jjj. 

Kadmium. 

Die Wirkungen des K. und seiner Verbindungen entsprechen denen des 
Zink; K.Oxyd, schwefeis., Salpeters. K.Oxyd wirken schon in kleinern Dosen 
ziemlich reizend , machen in grössern Erbrechen , Durchfall (Schubarth , Bur- 
dach, Sauteyron) , überhaupt wie Zinkvitriol 2 . 

K.Amalgam, geraspeltes K. mit Quecksilber, nimmt Blume zum Plombiren 
der Zähne , wird schnell hart. 

K. sulphuric, Schwefels. K.Oxyd, krystallisirbar, farblos, leicht löslich in 
Wasser ; äusserlich wie Zinkvitriol benüzt, bei chron. Ophthalmie, Blennorrhöen, 
Hornhautflecken (Gräfe, Himly, Rosenbaum, Fronmüller u. A.), Otorrhoe (Lincke); 
in Lösung gr. 2 — 6 auf ^j Wasser, als Salbe, gr. 1—3 auf 3j Fett; Sigmund 
injicirte die Lösung bei Tripper ; von Grimaud statt Quecksilberchlorid bei 
Syphilis , Gicht u. a. , auch als Brechmittel empfohlen und statt Brechwein- 
steinsalbe. 

JodKadmium, weiss, krystallin., in Wasser, Weingeist leicht löslich; 
von Garrod jezt als bestes Jodpräparat für Salben u. s. f. äusserlich gerühmt, 
auch innerlich als solches von Garrod, Simpson benüzt. 



1 Poumet schlug es bei Sublimatvergiftung vor, indem S. dadurch zersezt, metall. Queck- 
silber ausgeschieden werde; passt aber schon deshalb nicht weil ChlorZ. selbst äzend wirkt. 

2 Kohlens. Kadmium, als Pulver oft zum Reinigen von Silberwaaren benüzt, kann bei 
Arbeitern Brechdurchfall, Schwindel, Athemnoth, Krämpfe bewirken (Soret). 



Eisen. 133 

13. Ferrum. Eisen und seine Präparate. 

Eisen kommt normaler Weise im Körper vor, in Chylus, Blut, Muskeln wie 
in Milch, Harn u. s. f., ebenso fast in allen Nahrungsmitteln und Getränken, in 
Getreide, Brod, Gemüsen, Früchten, reichlicher im Fleisch, selbst in Gewürzen, 
Thee, Kaifee, Wasser. Die E.Präparate weichen in ihren Wirkungen mehrfach 
von einander ab, doch mehr hinsichtlich der örtlichen ; im Wesentlichen sind sie 
bei allen dieselben. l Auch ist E. in all seinen Formen unschädlich , nur nicht 
in der Form von Waffen (Franklin); selbst in Eisenhüttenwerken u. dergl. beob- 
achtet man nie schädliche Wirkungen des E., nur durch Beimischung von Blei-, 
Zinkerzen. 

Wirkungen. 1. Oertlich auf der mit Epidermis bedeckten Haut äussern 
selbst lösliche E.Salze keine Wirkung, gehen keine Verbindung mit ihr ein ; 
auf Geschwüren, Wunden, kurz auf der blossgelegten Cutis dagegen verbin- 
den sie sich mit den Eiweissstoffen der Exsudate, es entstehen Gerinnsel, 
bei E.Oxydsalzen von gelber Farbe. Zulezt verbinden sie sich chemisch mit 
den Elementen der Gewebe selbst, d. h. sie äzen, so besonders E.Vitriol, 
Chlorid, Nitrat 2 . Auch in der Mundhöhle, in den Verdauungswegen gehen 
E.Salze theilweis chemische Verbindungen mit dem Eiweiss in Schleim, 
Speichel, Magenflüssigkeiten u. s. f. ein, concentrirt genug mit demjenigen 
der Schleimhaut selbst. 

E.Lösungen, Stahlwasser färben Zahnfleisch, Zunge, Zähne bräunlich durch 
Bildung von SchwefelE. ; dieses geht mit dem Schleimhautgewebe selbst eine Ver- 
bindung ein, lässt sich deshalb nicht leicht beseitigen; dieselbe Färbung entsteht 
öfters auf Geschwüren u. a. Metall. E. , E.Oxyde wirken nicht chemisch auf 
Mundschleimhaut u. s. f., weil sie sich hier so wenig als in Wasser lösen, auch 
haben sie kaum einen Geschmack ; lösliche Salze schmecken herb wie Tinte ; auch 
ihr Geschmack lässt sich durch Eiweiss fast ganz beseitigen (Buchheim). Von 
der Haut aus z. B. in Bädern werden selbst dünne Lösungen der E.Salze nicht 
resorbirt, die Epidermis lässt nichts davon durch; von Geschwüren, Wunden aus 
gehen milder wirkende E.Salze, z. B. citronens. E. leicht in's Blut über, nicht 
aber concentrirte Lösungen, welche stark coagulirend, adstringirend wirken. 3 

2. In kleinen Dosen verschluckt äussern E.Präparate ausser einem 
metallischherben Geschmack bei den Salzen keine Wirkung; sie selbst unter- 
gehen mannigfache Verbindungen mit den Stoffen, Secreten u. s. f., aufweiche 
sie treffen, und treten nur in winzigen Mengen in's Blut, während der grösste 
Theil im Darmcanal bleibt. In grössern Dosen, bei längerm Gebrauch machen 
alle E.Präparate Verdauungsbeschwerden, Magen-, Darmcatarrh, Leibschmer- 
zen, schon zu gr. 15 — 50 Erbrechen, noch öfter Durchfall (Löffler, Quevenne 
u. A). Bei noch grössern Dosen verbindet sich von den E.Salzen alles das- 
jenige, was durch Eiweiss u. a. in Magen-, Darmflüssigkeiten nicht gebunden 
wurde, mit dem Gewebe z. B. der Magen- und Darmschleimhaut selbst, 
meist entstehen Reizung, Entzündung, selbst oberflächliche Corrosion der- 
selben, zumal in der Mundhöhle, im Rachen, demzufolge Stomatitis, Gastro- 
enteritis, Brechdurchfälle, oft mit Reizung der Luftwege, Husten, Sticknoth; 
schliesslich kann Tod die Folge sein. 

Die Läsionen in der Leiche ergeben sich schon aus Obigem; Mundhöhle, 
Zunge sind bei Vergiftung mit E.Chlorid u. dergl. oft entzündet, mit gelblichen 
Schorfen bedeckt, desgleichen Magenschleimhaut u. s. f. Verfahren wie bei allen 



1 Insofern scheint auch die Masse von E.Präparaten, welche die Industrie noch täglich ver- 
mehrt, zumal Doppelsalze, ziemlich überflüssig; z. B. Eisenfeile, Vitriol oder E.Chlorid und 
ein pflanzens. Salz würden für die Therapie mehr als ausreichen. 

2 E.Chlorid, schwefeis., Salpeters. E.Oxyd wirken auch viel stärker coagulirend aufs Blut 
als Oxydulsalze, selbst mehr als Vitriol (Burin du Buisson u. A.). 

3 So werden E.Chlorid u. a. unter die Haut gebracht nicht resorhirt, weil sie das Blut 
coaguliren, die Gefässe verschrumpfen (Bernard); dagegen können z. B. Hunde nach Appli- 
cation von 3jj— jjj E.Vitriol auf Wunden sterben, so gut als durch scharfe Gifte (Orfila, Smith), 
auch fehlt es jezt nicht an absichtlichen Vergiftungen dieser Art bei Menschen, selbst mit 
tödtlichem Ausgang. 



134 Eisen. 

scharfen Metallgiften: Fördern des Erbrechens, Milch, Eiweiss u. dergl.; im 
Uebrigen symptomatisch. 

Dem chemisch-physiol. Verhalten der E.Präparate im Körper ist in neuern 
Zeiten vielfache Aufklärung geworden, ohne jedoch seitens der Praxis, welche 
im E. von Alters her ein Tonicum par excellence, wo nicht ein sicheres Specificum 
bei Blutarmuth, Chlorose u. s. f. sieht, stets die richtige Würdigung zu finden. 
Metallisches E. oxydirt sich im Magen u. s. f. als leicht oxydirbares Metall ziemlich 
schnell durch den ö des Wassers, zumal bei Gegenwart freier Säuren, während H 
frei wird (daher zum Theil Ructus, Blähungen) ; auch E.Oxyde lösen sich auf diese 
Weise in den Magen- und Darmflüssigkeiten. Die E.Salze, Chlorüre u. a., mögen 
sie als solche verschluckt oder erst neu entstanden sein , werden erst durch die 
Eiweissstoffe der Magenflüssigkeiten gefällt; diese E.Albuminate lösen sich indess 
theilweis in Magensaft , Darmsecreten durch Hülfe von Wasser, Säuren , Alkalien, 
Eiweiss, Wärme u. s. f.; auch wechselt deshalb die Menge des Gelösten je 
nach dem Gehalt der Magen-, Darmflüssigkeiten an jenen Stoffen wie nach den 
verschiedenen E.Präparaten und deren Mengen. i Immerhin geht äusserst wenig 
davon in's Blut über; der unendlich grösste Theil jener E.Albuminate u. s. f., oft 
Alles bleibt im Darmcanal zurück und verbindet sich allmählig mit Schwefel 
des SH Gases, Schwefelkalium u. a. zu SchwefelE. Daher die grünliche, zulezt 
schwärzliche Färbung der Fäcalstoffe bei Gebrauch von E.Präparaten, Stahlwassern ; 
bei Gemüsen u. a. an Gerbsäure reicheren Speisen bildet sich zugleich gerbs. E., 
welches gleichfalls im Stuhl abgeht und ihn färbt; bei Kindern mit ausschliess- 
licher Milchnahrung pflegt jene Färbung zu fehlen. Dass winzige Mengen jener 
gelösten E.Albuminate, Salze u. s. f. resorbirt werden, bezweifeln Wenige mehr; 
E.Oxyd, Cyaneisenkal. u. a. fand man in Blut, Harn, Galle, Milch, selbst in 
Leber, Milz u a. (Orfila u. A.) ; auch das wenige aus E.Präparaten in den Körper 
aufgenommene E. scheint aber sofort in Harn u. a. Secreten wieder ausgeschie- 
den, nicht wirklich assimilirt zu werden, d. h. nicht in den chemischen Atomen- 
complex der Organstoffe einzugehen. 2 

Gebrauch. E. wird innerlich so gut als sein Antipode, das Quecksilber 
fast bei allen Krankheiten benüzt: 1. Vorzugsweise als Adstringens: hieher 
Magen-, Darmcatarrh, Indigestion, Gastralgie, Magenkrebs, Magenerweichung, 
Blutbrechen, chron. Durchfall, Ruhr, Cholera, Helminthiasis ; Blutflüsse, über- 
mässige Menstruation, Bluterkrankheit, chron. Catarrhe, Blennorrhöen, Keuch- 
husten, Spermatorrhoe, Herzerweiterung, Tumoren, Hypertrophie der Milz, 
Leber, Kropf drüse u. s. f. 2. Vorzugsweise als Tonicum, oft kurzweg als 



1 Nach Mialhe u. A. werden alle löslichen E.Salze durch den Magensaft u. s. f. gefällt und 
erst im Dünndarm wieder gelöst; nach Buchheim, Mayer würden wohl concentrirtere Lösungen 
der E. Oxydsalze, auch E.Chlorid durch Eiweissstoffe gefällt, nicht aber Oxydulsalze, Chlorür, 
Jodür. Quevenne suchte an Hunden mit Magenfisteln die Menge des sich lösenden E. zu be- 
stimmen; aus gelösten, mit Speisen gegebenen E.Salzen wurde zunächst fast alles E. gefällt, 
so dass es also der Magen immer mit schwerlöslichen Niederschlägen zu thun hat, auch wenn 
man E.Salze in Lösung gibt ; späterhin lösen sie sich theilweis wieder, indem die freie Salz- 
säure des Magensafts nie dadurch neutralisirt, oft sogar vermehrt wird ; und zwar löste sich am 
meisten E. bei Milch und Brod, Wein, auch bei gemischter Nahrung mehr als bei rein thieri- 
scher; am wenigsten löste sich von E.Oxyd, am meisten von redueirtem metall. E. Aus Obigem 
erklärt sich zugleich, warum keine Mengen von E.Präparaten, zumal Salzen die Verdauung 
nicht leicht stören; nach neuern Versuchen von Robiquet, Corvisart u. A. stören jedoch F. 
citric. , Kali ferro-tartaric. u. a. die Lösung von Faserstoff im Magensaft , milchs. E. dagegen 
nicht (?). 

2 Weil die in Harn u. a. ausgeschiedene Menge E. schon in Folge der so geringen Re- 
sorption des E. jedenfalls äusserst klein, zudem Harn, Milch u. a. wie die Organe schon nor- 
maler Weise E. enthalten, fällt die Constatirung seines Ueberganges in Secrete u. s. f. schwer 
genug; noch leichter Hesse sich aus dem E.Gehalt der Fäces die etwa resorbirte Menge E. er- 
mitteln. Aldridge, Kletzinsky u. A. fanden jenen normalen E.Gehalt des Harns auch nach 
längerem Gebrauch von E.Salzen nicht vermehrt; auch Quevenne fand nur Spuren von E., 
z. B. wenn reducirtes E., Cyaneisenkal. eingenommen wurden. Nach Bernard bilden in's Blut 
oder Zellgewebe injicirte E.Salze, besonders milchs. E.Oxyd, welches von Kaninchen am besten 
ertragen wird, mit gleichzeitig in andere Venen u. s. f. injicirtem Blutlaugensalz kein Berliner- 
blau, obschon beide Salze im Blut enthalten sind, und im Harn ist kein E. zu finden ; Berliner- 
blau bildet sich blos in Magen, Harnblase, d. h. in Berührung mit Harn, Magensaft. Im erstem 
Fall hindert wohl die Verbindung der E.Salze mit organ. Stoffen die Reaction, während durch 
Zusaz von Mineralsäuren jene Verbindung g-elöst und damit die gewöhnliche Reaction her- 
gestellt wird. Weiss- und Blaueisenstein, Vivianit kann sich auch in Blutgerinnseln, Eiter 
innerer Körperfheile bilden (Schlossberger, Friedreich, Schiff u. A.). 

Auf Gebrauch von Stahl wassern soll die Milchabsonderung meist stocken (St. Martin)? 



Eisen. 135 

Specificum: hieher Chlorose, Leukämie, Scorbut, Wassersucht, Albuminurie, 
überhaupt Zustände der Blutverarmung, Inanition und Blutentmischung, der 
Schwäche u. s. f., wie sie bald mehr für sich bald im Verlauf der verschie- 
densten Krankheiten eintreten; Scrofulose, Tuberculose, Rhachitis, Osteo- 
malacie, Diabetes, Syphilis, Mercurialcachexie, Gicht, Lithiasis; Krebs, Fett- 
entartung u.dgl. der Nieren (Bright'sclie Krankheit), der Leber u.a.; Fett- 
sucht, Glozaugencachexie, Exophthalmos; Wechsel-, remittirende Fieber, 
Cholera, Typlius, Scharlach, Rothlauf; Krankheiten des Nervensystems, wie 
Chorea, Hysterie, Epilepsie, Prosopalgie, Neuralgieen sonst, Keuchhusten, 
Asthma, Lähmungen, Amaurose, Impotenz u. s. f. 

Tliatsächlich bessern sich und heilen viele Kranke, zumal Chlorotische beim 
Gebrauch des E. ; ob und in wie weit aber gerade durch denselben, ist bis heute 
nie bewiesen worden. Fast alle Krankheiten, bei welchen E. noch ganz besonders 
Glauben findet, sind die Folgen sehr complicirter Vorgänge, oft der tiefsten Stö- 
rungen der Oeconomie, mehr oder weniger entstanden unter dem Einfluss unge- 
sunder Lebensverhältnisse, Nahrung, Luft, Climate, Wohnorte, Beschäftigungsweisen 
u. s. f., wobei Mangel an E. im Körper und mangelhafte Zufuhr von E. in den 
Körper gewiss keine erhebliche Rolle spielte. Auch wird deshalb ein denkender 
Arzt nur von einer möglichsten Beseitigung jener Mängel und Uebelstände posi- 
tivere Hülfe erwarten, nicht von E. und Stahlpulver. Freilich sind die Zeiten, 
wo Boerhaave sein »in ferro est aliquid divinum« rufen konnte, und wo das »qui 
nescit martern, nescit artem« galt, vorbei; doch steht E. noch heute im Credit, 
ganz besonders Bildung von Blutkörperchen, Hämatin und damit theils die all- 
gemeine Ernährung, die Restauration des Körpers, theils Oxydations- u. Lösungs- 
processe, Wärmebildung u. s. f. fördern zu können. Dies glaubt man nicht so- 
wohl deshalb, weil man es je durch Erfahrung an Kranken bewiesen hätte, als 
vielmehr weil man einmal dem E. solche Wirkungen zutraut l . Weil Mangel an 
Cruor, Blutkörperchen, E. die Ursache von Chlorose u. dergl. sein sollte, gab 
man E. ; und weil solche Krankheiten oft genug sich bessern und heilen, soll E. 
Blutkörperchen, Hämatin u. s. f. gemacht haben. Cirkelschlüsse dieser Art wur- 
den noch immer durch chemisch-physiologische Hypothesen begünstigt; so wiederum 
seit Prout, Liebig, Quevenne u. A., welche die Bedeutung des E. in unsern Ersaz- 
stofFen für Blutbildung, Ernährung, Athmen u. s. f. in allzu positiver Weise her- 
vorhoben 2 . E. sollte der wesentlich färbende Bestandtheil des Bluts und seines 
Farbstoffs sein, E. deshalb die Bildung von Blutkörperchen aus Eiweissstoffen 
u. s. f. wesentlich fördern, und damit Oxydation, Stoffumsaz u. s. f. durch den 
ganzen Körper. Doch wissen wir für jezt über die Rolle des E. bei dem Allem 
nichts; Blutfarbstoff, Hämatin enthält wohl E., ist aber eine organische Verbin- 
dung, deren Farbe nicht vom E. abhängt 3 . Zudem ist es unwahrscheinlich genug, 
dass etwaiger Mangel des Bluts u. a. an E. je die wesentliche Ursache von Krank- 
heiten wie Chlorose u. dergl. sein werde, und ebenso wenig spricht die Erfahrung 
für seinen massgebenden Einfluss bei deren Heilung. Diese erfolgt unter dem 
Zusammenwirken günstiger hygieinischer Einflüsse zum Glück fast immer von 
selbst, ohne einen Gran E., und indem E.Präparate Magen, Appetit, Verdauung 
nur zu häufig stören, hindern sie oft die nöthige Restauration statt sie zu för- 

i Als man noch an eine Resorption des E. in Bädern glaubte, heilte man Bleichsüchtige 
u. a. durch deren Gebrauch so gut als durch E. innerlich gegeben, obschon kein Atom E. ins 
Blut kam; Burcq aber findet noch heutzutage Armaturen aus E., Kupfer auf der Haut oft 
wirksamer dabei als E. innerlich applicirt (s. Magnetismus). 

2 „C'est une chose admirable que tous les grands hommes ont .... quelque petit gram de 
folie mele ä leur science", sagt Moliere; grosse Männer diesen Calibers sprechen aber nie grosse 
Thatsachen und Geseze aus , ohne dass eine Menge kleiner Nachbeter dieselben ausbeuten und 
durch Uebertreibung oder Unverstand abgeschmackt machen. 

3 Hämatin behält seine rothe Farbe, auch wenn ihm alles E. durch Säuren entzogen 
wurde, und Chylus, Eiweissstoffe u. s. f. enthalten so gut E. als das Blut und sein Hämatin. 
Seit freilich diese Thatsachen bekannter geworden, desgleichen der so winzige Uebertritt von 
E.Präparaten in's Blut, und seit man also nicht mehr glauben kann, E. mache direct Hämatin, 
Blutkörperchen, gesundes Blut, soll es durch Aufbesserung der Verdauungs- und Assimilations- 
processe, durch Bethätigung des Kreislaufs in d?n berührten Geweben Chlorose u. a. Krank- 
heiten heilen (Trousseau, Bernard u. A.)! Quevenne aber, der wie alle Monographen die Lei- 
stungsfähigkeit seines Mittels nicht unterschäzt, erklärt E. mehr für ein wesentliches Complement 
de l'alimentation als für ein eigentliches Medicament; auch mag dies für das in unsern Ersaz- 
stoffen in organischer Verbindung eingeführte E. wohl seine Gültigkeit haben, nicht dagegen 
für's E. in Mixturen, Pulverschachteln, Stahlwassern. 



136 Eisen - 

dem. Wesentlich dasselbe gilt bei allen angeführten und zumal sog. dyscrasischen 
Krankheiten; auch lässt sich schwer begreifen, wie man durch E. noch heute 
Blutkörperchen fabriciren oder Wassersucht, Scrofulose, Tuberculose, entartete 
Lungen, Nieren, Lebern, Knochen, Magenerweichung, Krebs, Cholera u. s. f. 
heilen will. 

So viel der Körper E. braucht, wird ihm in seiner Nahrung zugeführt, zu- 
mal in thierischer; nur so viel nimmt er auf, und zweifelsohne geht nur das in 
den organischen Verbindungen seiner Nahrungsstoffe enthaltene E. dauernder in 
die moleculäre Zusammenseznng seines Bluts, seiner Organe ein. Sein Blut z. B. 
enthält aber nur 2,5 p. Mille Hämatin, dieses nur 6—7 °/o E., und die ganze 
Blutmasse nicht über 30 gran (1,5 grm) E. Deshalb ist auch für den Arzt die 
Thatsache wichtig genug, dass schon ein Minimum E. die Capacität des Bluts 
dafür zu sättigen im Stande ist, während alles Uebrige im Darmcanal bleibt und 
im besten Fall nichts schadet, jedenfalls nichts nüzen kann. 

Contraindicationen , allgemeine Gebrauchsregeln : am wenigsten eignet sich 
E. bei Reizungszuständen der Verdauungswege selbst, bei empfindlichem Magen, 
Verdauungsbeschwerden u. dergl. ; überhaupt bei Entzündung, Fieber, sog. Plethora 
und erethischen Zuständen, bei Tendenz zu Gehirn-, Lungencongestion , activen 
Blutflüssen, Apoplexie u. dergl. Weil die erste Bedingung einer günstigen oder 
doch unschädlichen Wirkung des E. ist, dass Magen, Verdauung in keiner Weise 
dadurch behelligt werden, gebe man zumal anfangs leicht lösliche, mildere Präpa- 
rate, überhaupt solche, die vom Magen am besten ertragen werden, und mit dem 
relativ angenehmsten Geschmack *. Oft werden Präparate schlecht ertragen, an- 
dere besser ; nötigenfalls wechselt man daher mit denselben, regulirt sorgfältiger 
die Diät, Lebensweise, ändert dieselbe, und verzichtet nöthigenfalls ganz aufs E. 
Eisensäuerlinge, auch Stahlwasser eignen sich im Allgemeinen noch am besten 
für längern Gebrauch ; nie seze man diesen überhaupt zu lange fort , lasse z. B. 
bei Chlorose, wo man es gewöhnlich 3 — 5 Monate durch gibt, öfters freie Pausen 
von 2 — 4 Wochen eintreten. Je nach Umständen gibt man oft E. mit Gewürzen, 
Absorbentien, Rheum, Amaris, Opium, oder mit Wein, Aether, Zimmtwasser, aro- 
mat. Infusen u. dergl. Besondere Rücksicht fordert immer Regulirung, nöthigen- 
falls Förderung des Stuhlgangs, der leicht träge, verstopft wird. Bei E.Salzen 
ist zu beachten, dass sie durch Alkalien, Erden leicht zersezt werden, dass sich 
durch Gerbsäure und G.haltige Mittel schwerlösliches E.Tannat bildet. Höchst 
wichtig ist endlich gleichzeitiges Einhalten aller diätetischen Regeln ; denn Regu- 
lirung der Kost, Lebensweise, nahrhafte, doch leicht verdauliche Speisen, reine Luft, 
Bäder, Waschungen, Douchen, wo möglich Körperbewegung im Freien mit Meiden 
jeder Erschöpfung, Abhalten deprimirender wie aufregender Affecte u. s. f. nüzen 
mehr denn alles E., auch bei Blutarmen. 

Aeusserlich ziemlich selten benüzt, noch am häufigsten als Adstringens 
und Coagulans, bei Blutungen, Aneurysmen, Exsudationen, Blennorrhöen, Ge- 
schwüren, Hautkrankheiten und dergl. 

Man applicirt hier Martialien als Verbandwasser, Fomente, Injectionen u. s. f. ; 
sonst auch zu Bädern, obschon hier kein E. in den Körper übergeht, z. B. bei 
Scrofulösen, Schwächlichen, Heruntergekommenen, um wenigstens den Magen 
mit E. zu verschonen. Beachtung verdient, dass durch E.Salze z. B. bei Injectio- 
nen Leinwand , Wäsche mehr oder weniger gefärbt , wo nicht unbrauchbar wird, 
so gut als z. B. durch Kupfersalze, Höllenstein 2 . 



l E.Tincturen färben die Zähne leicht gelb ; lässt sich zwar durch schwache Säuren besei- 
tigen, doch zumal beim schönen Geschlecht zu beherzigen. Auch beim E. haben Industrie, 
Aerzte viel Wiz drauf verwendet , der Zunge , dem Magen möglichst bequeme Präparate her- 
zurichten; und während Viele metall. E., E.Oxyd vorziehen, weil von diesen am meisten E. 
gelöst werde, oder um nicht Säuren mit einzuführen, geben es Andere gerade mit Säuren, 
zumal organ. , selbst mit den theuersten, z. B. Milchsäure, um E. recht assimilabel zu machen. 
Fabri zieht ein Albuminat des E. mit Soda allen vor, dargestellt durch Mischen von Aeznatron 
und schwefeis. E. in Wasser gelöst mit geschlagenem Eiweiss, wobei alles E. gefällt wird! 
Ueberhaupt hilft man jezt durch Mischungen z. B. von milchs. E. mit phosphors. Kalk, auch 
Eiweiss, Kochsalz u. dergl. der Natur und Blutkörperchen-Fabrication in einer Weise nach, wie 
man sie sich kaum scharfsinniger denken kann. 

E.Präparate, Tincturen u. a. enthalten oft iin Handel viel weniger E. als sie vorschrift- 
mässig enthalten sollten, auch wechselt zumal in Tincturen der E.Gehalt mit der Zeit, weshalb 
unter Umständen durch Pharmaceuten, Aerzte darauf zu prüfen, besonders an Spitälern. 

> Eiscn-Oleostearat, d. h. E.Oxyde gelöst in Oel-, Stearinsäure, empfehlen jezt Jeanell und 



Eisen. 137 

Ferrum pulveratum s. limatum, Eisenfeile, Limatura martis 
praeparata s. alcoholisata, Alcohol martis : durch Pulvern des gefeilten E. dargestellt i ; 
schwärzlichgrau , muss sich in Salzsäure ohne Rückstand lösen ; käufliches hält 
oft noch andere Metalle, SchwefelE. 

Mildes E.Präparat, u. a. bei Gastralgie, Verdauungsbeschwerden mit 
Säurebildung, Chlorose, Scrofulose, Rhachitis benüzt 2 . 

Auch bei Vergiftung mit Kupfer-, Quecksilber-, Bleisalzen empfohlen, um 
durch E. jene Metalle zu reduciren ; chemisch vielleicht richtig, z. B. bei Kupfer, 
doch aus naheliegenden Gründen nicht praktisch. 

D. gr. ß — j, sonst oft — 3j, mehrmals täglich, als Pulver, selten in Pil- 
len, Bissen, Trochisken, Latwergen. 

Ferri pulv. $ß Chocolad. Jj/? Mucilag. Gi Tragac. q. s. f. Rotulae 140; 
täglich 3mal 3 — 4 Stück. Limat. mart. alcoholis. 3J Pulv. Cass. cinnam. Zß Extr. 
Card, bened. q. s. f. Pil. 60. Consp. Pulv. Chocol. 3mal täglich 3—4 St. 

Oft verbindet man Rhabarber, China, Zink, Zimmt, Kalmus, Enzian u. dergl. ; 
Magnesie und sonstige Absorbentien nur bei übersauren Magencontentis, um nicht 
die zum Lösen des E. wesentliche freie Salzsäure des Magensafts zu binden. 
Eisen-, Stahlweine, Vina chalybeata s. ferrata, aus metall. J£. bereitet; 
z. B. Ferri pulv. %ß R. Gentian. Jj C. cinnam. 3jj inf. c. Vini generös, alb. U jj 
Stent in digestione tepida p. horas 48, Cola; 1—2 Kelchgläser p. Tag. 

Auch Draht, Schuhnägel (Autenrieth) benüzt man dazu, oft mit Zusaz von 
China, Gewürzen, Citronensäure ; Anfangs besonders nehme man das E. nicht zu 
stark; bei Aermern lässt sich Wein durch Wasser mit Branntwein und etwas 
Essig ersezen. Da man übrigens bei diesen Weinen nie weiss, wie viel E. als 
weinsaures Salz gelöst wird, scheint Lösen eines E.Salzes passender. 

Ferrum oxydato-oxydulatum, E.Oxyduloxyd, Aethiops martialis, Oxyd, fer- 
roso-ferric, F. oxydulat. nigrum, Eisenmohr: dargestellt z. B. durch Fällen schwe- 
feis. E. Oxyduloxyds (erhalten durch Behandeln des in Wasser gelösten schwefeis. 
E.Oxydul mit Schwefel- und Salpetersäure) mit Ammon ; schwarz, löslich in Säu- 
ren, nicht in Wasser; nicht mehr offic. Ph. Bor. Selten benüzt, sonst wie F. 
pulverat., in gleichen Dosen u. s. f. ; als Gegengift bei Blausäurevergiftimg (Smith) : 
erst eine Lösung von kohlens. Kali in Wasser, dann Eisenvitriol mit schwefeis. 
Eisenoxyd; ohne Nuzen. D. : gr. ß (— vj), mehrmals täglich; als Trochisken, Pul- 
ver, Pillen; ein sog. Albuminat desselben wie auch des JodE. fabricirte Jourdain. 

Ferrum oxydat. (hydrat.) fuscum s. hy dricum, E.Oxyd- 
hydrat, F. carbonic. s. subcarbonic, Crocus martis aperitiv., Hydras ferric. 3 Dar- 
gestellt durch Fällen von schwefeis. E.Oxydul mit kohlens. Natron, durch Fällen 
von E.Chlorid mit Ammon und Abdampfen der Masse Ph. Wirt; rothbraunes 
Pulver, geschmack-, geruchlos, in Wasser unlöslich; verliert mit der Zeit sein 
Hydratwasser, rothes E.Oxyd bildet sich drin. 

Mildes Präparat, kaum adstringirend; benüzt z. B. bei Nervenleiden, zumal 
Gesichtsschmerz, Ischiadik, Amenorrhoe, Cardialgie u. a. Magenleiden (Hut- 
chinson, Hamilton), Paralysis agitans, Tetanus, Wechselfieber, Krebs der Ge- 
bärmutter, Mamma (Carmichael u. A.). 

Noch am nützlichsten bei Vergiftung mit Arseniger Säure (s. diese), als Noth- 
behelf für frisches E.Oxydhydrat 4 . 

D. gr. j — x, bei Wechselfieber oft in grössern Dosen, in England bei Neu- 

Monsel nicht blos äusserlich zu Einreibungen u. s. f. sondern auch innerlich in Pillen, z. B. 
gr. jj mit gr. j Cacaobutter, Eibischpulver. 

1 Seit Quevenne gibt man öfters dem aus E.Oxyd durch H reducirten E. , F. reduetum 
den Vorzug; mitEiweiss geben dieses jezt Q., Leprat als Proteine ferree. Statt seiner empfiehlt 
Henry geglühtes Holzessigs. E.Oxyd, ein lockeres Gemisch aus E. und Kohle. 

2 In England auch bei Würmern, Ascariden , welche nach Birkbeck Nevins durch das im 
Darmkanal sich entwickelnde Hgas getodtet werden sollten; bei Cholera gibt es Mozzoni inner- 
lich, will ausserdem den Körper in Panzerhemden aus Draht stecken, um ihn gegen Ch.Gift, 
Miasmen u. dergl. zu schüzen. 

3 Natürliches E.Oxyd, Rotheisenstein, Blutstein, Lapis Haematites, F. oxydat. nativum 
rubrum, sonst bei Blutungen u. a. benüzt, nach Ph. Austr. noch offic. 

4 Von Heigl, Aschenbrenner bei Cholera empfohlen, weil diese durch ähnliches Gift, Cyan- 
verbindungen u. s. f. erzeugt werde! Sp. Wells gibt es als Paste mit Leberthran, in nassem 
Oblatenpapier. 



138 Eisen. 

ralgieen selbst Drachmenweise; bei Arsenvergiftung gleichfalls Kaffeelöffelweise 
mit Wasser. Meist als Pulver, Pillen; bei Wechselfieber, Neuralgieen u. a. oft 
mit Morphin, China (Hamilton: 3j au f 3J E.), mit Chinin. 

F. hydrici 3JJ Extr. Liquirit. q. s. f. Pil. 60. Consp. Pulv. C. Cinnam.; 3mal 
täglich 2 — 4 St. z. n. 

Aeusserlich selten bei Krebsgeschwüren u. dergl. benüzt, wie andere Ad- 
stringentien. 

F. oxydat. hydrat. liquidum, F. oxydat. hydric. in Aqua Ph. Bor. Austr. u. a., 
Liquor Fi oxydati liydrati, E.OxydhydratflüssigTceü , Antidotum Arsenici albi: 
durch Fällen von E.Chloridlösung mit Aezammon und Waschen des Niederschlags 
erhalten; Syrupartige, rothbraune Masse, unter Wasser, in Flaschen verwahrt; 
weil mit der Zeit krystallinisch und dadurch unwirksamer, alle 3--6 Monate neu 
zu bereiten, am besten aber ex tempore: z. B. durch Fällen einer vorräthig zu 
haltenden Lösung von schwefeis. E.Oxyd in Wasser durch caust. Magnesie (Fuchs). 
Wirkt bei Arsenvergiftung viel schneller, sicherer als trockenes Oxydhydrat ; man 
gibt es gut umgeschüttelt, zusammengerührt mit Wasser, Jjj — vj auf ß" j — jj, 
davon in möglichst kurzen Zwischenräumen Tassenweise ; auch bei Durchfällen u. a. 
benüzt. 

Ferrum carbonicum (oxydulat), Carbonas Fi, Kohlensaures E.Oxydul: durch 
Fällen z.B. schwefeis. E.Oxyduls mit kohlens. Alkalien, einfach-, auch doppelt-kohlens. 
Natron erhalten; weiss, durch spätere Oxydation grünlich, braun; geschmacklos, 
nicht löslich in Wasser, aber in Kohlensäurehaltigem. F. carbonic. saccha- 
rat., durch Mischen frisch gefällten kohlens. E. mit V 8- V 2 & Ph. Austr.) Zucker 
und Abdampfen erhalten (Becker ; nach Ph. Austr. Bad. Wirt. u. a. offic), grau- 
grünliches Pulver. Man kann F. carb. wie F. oxydato - oxydulat. nigrum geben, 
vor dem es keine wesentlichen Vorzüge hat, in gleichen Dosen u. s. f., z. B. als 
Pillen mit Honig, Zucker (Brandes, Vallet, Bland) \ in Trochisken mit Arab. Gi, 
Zucker. Um ja F. carbonic. zu erhalten, gab man auch E. Oxydulsalze, z. B. E. 
Vitriol mit einf. u. zweif. kohlens. Kali, Natron als Pulver, Pillen, Bissen, z. B. 
Kali carbonici, Ferri sulphurici ^ %ß Gi Tragac. q. s. f. Boli 48: Bland. Ferri 
sulphur. cryst. 3J Sacch. alb. 3Ü £ Pulv. div. in x part. aeq. — Natri bicarb. 3jj 
Sacch. alb. 3jjj f. Pulv. div. in x part. aeq., von jedem Paket ein Pulver geson- 
dert in 1 Tasse Wasser zu lösen, dann zu mischen, rasch z. n. 

Oder gibt man E.Vitriollösung angesäuert durch Wein-, Citronensäure u. a. 
mit Natron bicarb., z. B. F. sulphuric. 3j# Natr. bicarb. 3jjj Acid. tartar. %ß Sacch. 
alb. ^j, Kaffeelöffelweis in Zuckerwasser; auch beide Salze in kohlens. Wasser 
(s. Stahlwasser) 3 . Mialhe's Eisen-Brausepulver : Natron bicarb., F. sulphuric. ^ %ß 
Acidi tartar. 3 V J Sacch. alb. §j; Kaffeelöffelweis in Zuckerwasser z. n. 

Weisses kohlens. E.Oxydul, sog., in Frankreich u.a. dargestellt durch 
Fällen des E.Vitriol mit Soda, Sättigen des Präcipitats mit Kohlensäure unter 
starkem atmosphär. Druck, schnelle Verwandlung des Decanthirten in Pillen, Pa- 
stillen u. a. (Meillet, Wittstein u. A.). Dusourd's E.Syrup: E.Oxydul, Zucker, 
schmeckt wie andere z. B. in Frankreich übliche Syrupe besser, auch oft besser 
ertragen als manche E.Präparate sonst. 

Ferrum oxydat. rubrum, E.Oxyd, Oxyd, ferric. , Crocus martis adstringens : 
z. B. durch Glühen des E.Oxydhydrat erhalten; braunrothes Pulver, in Wasser 
nicht, in Säuren schwer löslich. Selten benüzt ; soll den Magen mehr belästigen als 
andere Präparate (?) ; in England öfter wie E.Oxydhydrat benüzt, auch bei Krebs z. B. 
der Gebärmutter (Piorry), bei harns. Gries (Cantilena), um durch Vermehrung der 



1 Pilulae Ferri carb. Cod. Hamb., Pil. antichloroticae ferrugineae Blandii , Valletii: F. sul- 
phuric, Kali carb. , Mellis alb. aa 3j , zu 30 Pillen. Vallet's PiJlenmasse enthält ein E.Albumi- 
nat , trocknet nicht aus ; doch ohne Werth ; um's Haar hätte Robinet noch Chinin zugesezt , um 
so ein E.ChininAlbuminat zu kriegen! Syrup. Ferri carb. s. ferratus Vallet's, mit Wasser ver- 
rieben und Syr. simpl. dazu; für Kinder; braungrün, schmeckt wie Tinte! Pulvis aerophorus 
martiat. Hufeland's, Griffith's Mixtur, Mixt. Ferri_composita Griffithii und Pillen, Pil. Ferri 
compos. 6. Griffithii : erstere E.Vitriol, Kali carb. aa 9j mit 5j Myrrhe in Münzwasser, einst bei 
Lungenphtise u. dergl. en vogue; leztere E.Vitriol, Natron carb. tT a 5j Myrrhe 5jj mit Theriak 
oder Syrup (Davenporf), sonst renommirt bei Bleichsucht, Catarrhen u. a. 

2 Eine Mischung des wie oben erhaltenen zweif. kohlens. E. mit einer Lösung von kohlens. 
Thonerde, nachher versezt mit Schwefelsäure, empfiehlt Murray bei Durchfall, Ruhr. Künst- 
liches Stahl wasser fabricirt u. A. Schiffner in Wien durch Lösen von gr.j F. carb. in §x kohlens. 
Wasser. 



Eisen. 139 

Blutkörperchen Oxydation und Umsaz der Eiweissstoffe zu fördern ! D. u. s. f. wie 
bei E.Oxydul, Oxydhydrat. Wahler'sche Frostsalbe, z. B. in Schwaben oft benüzt 
bei Pernionen, Frostgeschwüren: Axungia, Hammeltalg ää 24 Th. gekocht mit 4 
E.Oxyd in eisernem Gefäss, umgerührt bis die Mischung schwarz wird, dann 4 
Terpenthin, Bergamottöl, Bolus (erst mit etwas Baumöl abgerieben) aä 2 beige- 
mischt; auf Leinwand, Charpie aufgelegt. 

Liquor Ferri acetici, Essigsaure E.Oxy dlösung, Acetas Fi 
liquid., F. oxydatacetic. liquid. Erhalten durch Lösen frisch gefällten E. Oxydhydrats 
in concentr. Essig; rothbraune Flüssigkeit, bildet mit 2 Th. E.Oxydhydratflüssig- 
keit F. hydrico-acetic. in Aqua Ph. Bor., erst beim Dispensiren gemischt 1 . 
Von Duflos bei Vergiftung mit Arseniger und Arsensäure, besonders mit deren 
Salzen vorgeschlagen; sonst wie andere pflanzens. E.Salze zu verwenden. D. gtt. 
v— xx ; bei Arsenvergiftung in viel grössern Mengen, mit Wasser. Aeusseilich 
bei Krebs zu Umschlägen, Einsprizungen, mit 6 — 12 Th. Wasser (Rust, Hutchinson); 
auch zu Bädern 2 . 

Tinct. Ferri acetici aetherea, Aetherische essigsaure E.Tinctur, Tinct. nervina 
s. Liquor anodyn. martial. Klaprothi: Lösung des essigs. E. in Essigäther und 
Weingeist; röthlichbraun , mit Wasser ohne Trübung mischbar. Gilt wie andere 
E.Tincturen als angenehmeres, meist leichter zu ertragendes Präparat; D. gtt. 
x— xxx, in weissem Wein, Zimmtwasser u. dergl. Tct. Ferri acet. aether. Tct. 
aromat. äa 3j Aq. cinnam. simpl. 3gj; Kaifeelöffelweise. 

F. citricum oxydat., Citronens. E.Oxyd, Citras ferric. s. Fi oxydati, 
Citras Deutoxydi Fi, Percitras Fi : blättrig, krystallinisch, purpurroth, leicht löslich 
in Wasser; offic. Ph. Austr. u. a. F. citri c. oxy dulat., Citronens. E.Oxydul, 
Citras ferros. s. Protoxydi Fi, Protocitras Fi, weisses Pulver, in Wasser schwer 
löslich, wird allmälig Oxyd 3 . Beide von Frankreich aus in Gebrauch als müde 
Präparate wie andere pflanzens. E.Salze, sollten besonders leicht resorbirt werden, 
verdünnt auch diuretisch wirken (?). D. gr. ß — vj, in Münz-, Zimmtwasser, als 
Pillen, Pastillen mit Zucker, Syrup, Gummischleim, gelöst in kohlens. Wasser mit 
Syr. aurant. als künstliches Stahlwasser, Aqua chalybeata (Bewley, Evans). 

F. citric. c. Magnesia, c. Ammonio, Verbindungen des citronens. E.Oxyd 
mit Magnesie, Ammon; in England u. a. benüzt, zumal lezteres, = Citronens. 
E.Oxyd Ammoniak, F. citrato - ammoniat. , Citras Ammonii ferric, Ferri co - Citras 
Ammoniae, Ammonium ferrico-citric. : krystallinisch, roth ; gr. j— x p. d., in Was- 
ser 4 . Citras ferrico-chinic, Citrate de fer et de quinine, Verbindung citro- 
nens. E.Oxyds mit Chinin (Beral), in Frankreich z. B. bei Nachkrankheiten, schwie- 
riger Reconvalescenz nach Wechselfieber, Typhus, gr. j — vj p. d., in Wein, Pillen. 

F. valerianicum, Baldriansaures E. Oxyd, löslich in Alcohol, Aether, 
nicht in Wasser, besonders bei Nervösen, Nervenleiden empfohlen, in Dosen u. s. f. 
wie die vorigen ; statt seiner oft ein Gemisch von kohlens. E. u. a. mit Baldrianöl 
im Handel, löst sich nicht in Alcohol. 

Extract. Fi pomat. s. pomati, Aepfelsaures E.Extra et, 
Extract. Malatis Fi, Extract. Martis cum Succo Pomorum : durch langes Digeriren 
von E.Feile mit Aepfelsaft und Abdampfen der Flüssigkeit erhalten ; Extractcon- 
sistenz, schwarz - grünlich , Gehalt an E.Oxyden variabel, hält ausser äpfels. E. 
Zucker, Dextrin, Eiweiss u. a. 

Mildes Präparat, nur seines variabeln E.Gehalts wegen unsicher; oft 



1 Trockenes neutrales essigs. E.Oxyd bereiten jezt van Lipp, Oudemans z. B. durch Fällen 
einer Lösung des E. in Salz- und Salpetersäure mit Ammon., Lösen des E. Oxydhydrat in 
Essigsäure u. s. f. , pulverförmig, nicht zerfliesslich , leicht löslich in Wasser, Weingeist; z. B. 
gelöst in Maderawein , gr. 10—25 auf §j , Theelöffelweis (Amtz). Tct. Fi acet., Rademacher's 
HauptE. Präparat. 

2 Pavesi, Lussana u. A. injiciren gtt. 10—16 in Aneurysmen (s. Chlorid), Madruzza in alte 
Fistelgänge. Ellerman's desinficirende Flüssigkeit hält neben E.Chlorid u. a. essigs. E., dient 
zum Desinficiren von Excrementen u. a. 

3 Citronens. E.OxydulOxyd , Citras ferroso-ferricus s. Sesquioxydi Fi : grün, nicht benüzt. 

4 Man rühmt ihnen und zumal dem Ammon. Doppelsalz dieselben Tugenden nach Avie den 
vorigen, doch ohne Grund, macht z. B. leicht heftiges Aufstossen (Pereira , i; Mialhe's Eisen- 
Limonade: F. citric. sicc. gr. 15 Acid. citric. 3j Natr. bicarb. 3jv Aq. fönt. §xx, sogleich ver- 
schlossen. 



140 - Eisen. 

benüzt, gr. jjj — xjj p. d. in Lösung, Pillen, Latwergen mit bittern Extracten, 
Pflanzenpulvern 1 . 

Extr. Fi pomat. 3j Ferri oxyd. fusci 3/? Mv« C. Chinae reg. q. s. f. Pil. 
60. Consp. Pulv. R. Calam. arom. S. 3mal täglich 2—3 St. z. n. 

Tct. Fi pomati s. Malatis Fi, Lösung des vorigen in geistigem Zimmt- 
wasser, schwarz; wie alle E.Tincturen gtt. x— xxx p. d. Ebenso Tct. Fi vinosa 
cum Aurantiis Ph. Wirt., Lösung des E.Extracts in Malagawein mit Tct. 
Aurant. vinosa. 

Extract. Fi cydoniat. : wie äpfels. Extract mit Quittensaft bereitet und 
benüzt; obsolet. Tct. Fi cydoniata, seine Lösung in geistigem Zimmtwasser. 

F. tannicum, Gerbsaures E., Tannas Fi, durch Digeriren von E.Oxy- 
dul mit Gerbsäure erhalten; von Beral als Syrup dargestellt; als Adstringens, 
bei Chlorose u. a. benüzt (Trousseau, Pidoux) 2 . 

Tartras Jcalico-ferricus, E.Weinstein, Weinsaures E.Kali, 
E.Kalitartrat, Ferro-Kali tartaric, Tartarus f errat, s.martiatus s. chdlybeat, 
F. tartarisat, Kali ferrato-tartaric. s. tartaric. f errat., Tartras Lixivae et Fi. Rein 
z. B. durch Fällen von E.Chlorid mit Kali, Zusaz von Weinstein zum Präcipitat und 
Abdampfen der in Wasser gelösten Mischung erhalten, meist aber nach unsern Pharm. 
(statt Globuli martiales) durch Kochen von 1 Th. E.Feile mit 4 — 5 Weinstein und 
Wasser 3 ; Verbindung weins. Kalis mit weins. E.Oxyd; grünliches Pulver, in Wasser 
ziemlich leicht, in Weingeist schwer löslich, von massigem Eisengeschmack. 

Mildes E.Präparat, sollte seines weins. Kali wegen zugleich gelind ab- 
führend, unter Umständen diuretisch wirken, doch trifft ersteres nur bei 
grossen Dosen un.d unreinen Präparaten mit zu viel Weinstein, lezteres gar 
nicht zu. Sonst gerne benüzt, wenn man die aufregende Wirkung anderer 
Martialien fürchtete, auch bei Herzerweiterung, Wassersucht; jezt höchstens 
noch zu Bädern. 

Vordem in einer Menge von Präparaten applicirt, auch wieder von Ricord, 
Behrend, Puche u. A. bei Chanker, zumal phagedän. innerlich und äusserlich; 
ja von Mialhe, Soubeiran für's beste E.Präparat erklärt, weil in Folge der Um- 
sezung seiner Weinsäure im Blut E. frei werde, sich mit den Eiweissstoffen ver- 
binden und so Blutkörperchen in Masse bilden könne. Doch wird aus E.Weinstein, 
sobald er im Magen auf Magensaft, Speisen trifft, mehr E. ausgeschieden als aus 
andern E.Salzen (Quevenne). 

D. gr. jj— x, p. Tag 3j— 3j, in Lösung, Mixturen. 

Mit kohlens., Selterwasser ein angenehmes Präparat ; in England z. B. öfters 
in Wein, gr. j auf ^j; Pulver, Pillen eignen sich weniger. Mialhe's Pastillen: 
1000 Grm Zucker 50 E.Weinstein 10 Arab. Gi 30 Vanillezucker 100 Wasser, 
daraus 1000 Pastillen. 

Globuli martiales s. Tartari ferrati, StahTkugeln , %ß — j schwere Kugeln aus 
E.Weinstein, bereitet durch längeres Digeriren von E.Feile mit rohem Weinstein 
und Wasser, dann getrocknet; schwarz; öfter auch als Pulver benüzt. Sonst 
häufig zu Bädern bei Scrofulose, Rhachitis, Blutungen, Blennorrhöen, Lähmungen, 
Bleichsucht u. a. ; doch tritt darin kein E. in den Körper. Zu einem Bad nimmt 
man 2 — 6 Kugeln, ^jj — vj, kocht sie erst mit Wasser, schüttet die Lösung zum 
Bad. Desfosses' Stahlkugeln: 150 Th. roher Weinstein 90 E.Rost mit dem Auf- 
guss von Kräutern (sog. Wundkräuter) gekocht, zur Latwergenconsistenz abgedampft ; 
Kugeln aus dem vorigen mit Arab. Gi und gepulverter Tormentillwurzel gibt man 
innerlich wie in Bädern. 

Tct. Fi tartarici, Tct. Martis tartarisata Ludovici, weins., schwefeis. E. 
gelöst in Weingeist; obsolet. 

Tartras Ammonii ferric, Weinsaures E.Oxyd- Ammoniak , Ammoniae Ferro- 



1 In Dalmatien steckt man einfach Messer in Aepfel, und gibt leztere Chlorotischen zu essen 
(Lambl, Pissling). 

2 Tinte, wesentlich Gerbstoff E. und Wasser mit etwas galluss. E.Oxydul, kann in grossen 
Mengen Gastroenteritis u. s. f. veranlassen ; äusserlich Volksmittel b. Verbrennungen, Herpes u. a. 

3 Weil sich hiebei nur wenig weins. E.Oxyd bildet, nehmen Soubeiran, Wittstein dieses 
statt E.Feile. 



Eisen. 141 

Tartras, Tartras Fi ammoniacalis, Ammonium tartaric. f errat. : bereitet z. B. durch 
Mischen weins. Eisens mit Aezammon., auch von sauren weins. Salzen mit E.Oxyd- 
hydrat und Aezammon; dimkelroth, in Wasser leicht löslich. Mildes Präparat, 
nicht adstringirend, wenig benüzt, nicht offic. ; lässt sich wie E.Weinstein geben 
(Aikin, Procter, Lacassin u. A.), gr. j — vj p. d., in Lösung, Pulver, Pillen; bei 
Albuminurie, mit Dampfbädern (Lees). 

F. lactic. oxydulat, Milchsaures E.Oxydul, E.Lactat, Lactas Fi s. ferros., 
Lactas Oxyduli Fi cum Aqua: z. B. durch Lösen von E. in Milchsäure erhal- 
ten; durch Mischen von milchs. Natron mit E.Vitriol; durch längeres Stehen- 
lassen einer Mischung aus saurer Milch, Milchzucker und E.Feile, Kochen, FiJtri- 
ren, Waschen u. Trocknen der gebildeten Krystallmasse Ph. Austr. ; krystallisirbar, 
gelblich, grünlichweiss , in Wasser ziemlich schwer, in Weingeist kaum löslich. 
Mildes Präparat, schmeckt etwas nach Tinte; gleichfalls bei empfindlichem Magen, 
Gastralgie, Chlorose u. a. benüzt (Gelis, Conte u. A.); D. gr. ß — vj als Pulver, 
Pillen; in Frankreich auch in versilberten Pastillen, Pillen, um den Geschmack 
zu verdecken, als Chocolade, sogar als Brod verbacken l . In Lösungen bildet sich 
aus dem Oxydul leicht Oxyd. 

F. phosphoricum oxydulat, oxydat., Phosphorsaures E. 
Oxydul, Oxyd, Phosphas Fi, Ph. ferros., ferric, ferroso-ferric. Beide heissen 
auch F. phosphoric. kurzweg ; offic. und vorzugsweise benüzt das Oxydulsalz, durch 
Fällen schwefeis. E.Oxyduls mit phosphors. Natron erhalten , hält immer etwas 
Oxyd ; graulich, durch theilweise Oxydation sich bläuend, unlöslich in Wasser. Phos- 
phors. E.Oxyd, Phosphas s. Perphosphas ferric, F. phosph. album, durch Fällen eines 
E.Oxydsalzes, von E.Chlorid mit phosphors. Natron als basisches Salz erhalten; 
weiss, luftbeständig 2 . 

Seiner Zeit bei Scrofulose, Krebs, Diabetes in Credit, zumal phosphors. 
E.Oxydul; D. gr. j — vj, als Pulver, Latwergen, Pillen. Auch äusserlich bei 
Krebsgeschwüren, als Salbe, 3j — jjj auf Jj Fett, als Pulver mit Zucker, Arab. 
Gummi aufgestreut, mit Wasser angerührt als Paste (Carmichael). 

Liquor Fi phosphorici acidulus, Liquor Schobelti, seine Lösung in 
wässriger Phosphorsäure, sonst bei Zahncaries, Zahnschmerz auf Charpie applicirt. 

Pyropho sphors. Eisennatron, Liquor Fi s. f erro-natri pyro- 
phosphoricus, durch Lösen von schwefeis., phosphors. E. in pyrophosphors. 
Natron dargestellt (Persoz u. A.), um eine lösliche Verbindung des E. mit Phos- 
phorsäure zu erhalten; schmeckt kaum metallisch, in Lösung widrig salzig; D. gr. 
10— 30 mehrmals täglich; Pyropho sphas Fi citrico-ammoniacalis, pyro- 
phosphors. E.AmmoniakCitrat, weiter durch Mischen schwefeis. E.Oxyds 
mit pyrophosphors. Natron und Lösen des gallertigen Niederschlags in citronens. 
Ammon. (Robiquet); hält 19% E. , bildet gelbgrünliche Schuppen, leicht löslich 
in Wasser, fast geschmacklos; soll vom Magen gut ertragen werden, die Lösung 
von Fibrin u. a. im Magensaft nicht stören ; R. gibt es als Syrup mit Syr. fl. aurant., 
durch Cochenille, Anchusa gefärbt, als Drageen, Zuckerkörner, auch in sog. China- 
Wein, z. B. 3j mit 3v Extr. Chin., £jj Wein. 

F. sulphuricum (oxydulat.) purum, Schwefelsaures E.Oxydul, 
Vitriolum martis s. viride factitium, Sulphas Fi s. ferros., Eisenvitriol. Durch Lösen 
von E. in Schwefelsäure erhalten; bläulichgrün, verwittert, oxydirt sich an der 
Luft, unlöslich in Weingeist, leicht in Wasser, schmeckt säuerlich, herb ; käuflicher, 
F. sulph. venale hält E.Oxyd, Kupfer-, Erdsalze, u. a. 

Wirkt adstringirend, macht bei längerem Gebrauch Stuhlverstopfung, 



1 Von Denen, die es aufbrachten, gleichfalls mit Unrecht weit über alle andern erhoben; 
Brainard rühmt es als bestes Mittel gegen Krebs, sprizt es sogar in Armvenen ein, gr. 10 auf 
§j Wasser, davon 3j— jj P- d. , auch in erectile Geschwülste; will z. B. dadurch ein Medullar- 
sarcom der Augenhöhle geheilt haben, freilich nach dessen Exstirpation. Gelis, Conte treiben 
Handel mit ihren unzersezbaren E.Lactat-Pastillen, Derouet-Boissiere verkauft Pain ferrugineux. 
Bei Cholera gibt es Küchenmeister mit phosphors., kohlens. Kalk, Milchzucker, um das bei 
Cholera verloren gehende Chlornatrium des Bluts zurückzuhalten und so die Ausscheidung von 
Harnstoff zu fördern. 

2 Carmichael gab es vorzugsweise innerlich bei Krebs, gekocht mit Aezkali, wobei sich 
E.Oxyd ausscheidet (Wittstein), Routh gelöst in heisser Phosphorsäure mit Pulv. Rad. liquirit., 
Mehl als Pillen bei Anämie. 



142 Eisen. 

Reizung der Verdauungswege, Indigestion, Durchfall, in grossen Dosen selbst 
Gastritis mit oberflächlicher Verschorfung der Schleimhaut. 

Schon 3jj — jjj können Hunde tödten; gr. 10 — 20 in Venen gesprizt ohne 
merkliche Wirkung, höchstens Erbrechen, Schreien (C. Gmelin, Smith). 

Selten als Tonicum, öfter als Adstringens benüzt, z. B. bei chron. Gastritis, 
Enteritis, Phtise, Catarrhen, Durchfall, Blutflüssen, chron. Hautleiden, Dia- 
betes, Helminthiasis, besonders Bandwurm, Wechselfieber 1 . 

Eignet sich am wenigsten unter allen Martialien für längern Gebrauch; we- 
niger gilt dies natürlich von Mischungen, wo E.Vitriol zersezt wird. 

D. gr. ß — jjj, mehrmals täglich, am besten in Pillen. 

Ferri sulphurici puri, Natri bicarbon. ää 3J Extr. Gentian. (Taraxaci) 3J Pulv- 
Rad. Alth. q. s. f. Pil. 60 ; täglich 2mal 2 — 3 St. — Pil. tonico-nervinae Ph. Dan. 
u. a. : E.Vitriol, Asa foet., Extr. Card, bened. aa. 

Pulverform, Lösung z. B. in aromat. Wassern minder passend, eher noch 
Trochisken, Syrupe, Lösungen in kohlens. Wasser (s. F. carbonic), auch 
sog. Stahlmolken, Serum lactis martiat. : kochender Milch etwas E.Vitriol zu- 
gesezt, oder ein rostiges Eisen eingetaucht, wobei sich milchsaures Eisen bildet. 
E.Vitriol verordne man nur auf kurze Zeit, seiner raschen Oxydation wegen 8 . 
Bei Eingeweidewürmern auch in grössern Dosen gegeben, gr. x und mehr, z. B. 
mit Sem. Cinae, Flor. Tanacet, Calomel (Lechler, Rapp), geben vorher Farrnkraut- 
wurzel; wirkt dann aber leicht reizend auf Magen u. s. f. Meide: Alkalien, auch 
kohlens., Erd-, Bleisalze, Gerbstoff. Fi sulph. gr. 10 Pulv. gummös. 3JJ ^- i*ulv. 
div. in x part. aeq. 3mal täglich 1 Pulver. F. sulph. cryst. 3j Sem. Cinae %ß 
Extr. Cinae aether. 3/? Chocolad. comm. q. s. f. Trochisci (non torrendi) 60; consp. 
Pulv. Chocol. 4mal täglich 3.-4 St. Anthelminthicum. 

Aeusserlich als Adstringens, schwaches Aezmittel bei Blennorrhöen, Trip- 
per, Blutungen, Geschwüren, Hautaffectionen, Acne, Sycosis, Rupia u. a., 
Hornhautflecken, Pannus, Prolapsus ani (zulnjectionen: Vincent), Excrescenzen, 
geäzten Chankern nach Abfall des Schorfs. Meist gelöst in Wasser, gr. jj — xx 
auf Jj, zu Collyrien, Fomenten, Einsprizungen, Bädern, §j — jvp. Bad; selte- 
ner als Salbe, 3jaufg// — j Fett 3 ; als Causticum, Adstringens in Pulverform. 

Um stärker zu adstringiren auch in concentrirter Lösung, 3j — jj m ^j 
Wasser, bei Blutungen, Nasen-, Rachenpolypen, Krebsgeschwüren u. a. ; bei pustu- 
lösen u. a. Hautaffectionen, Acne rosacea, Prurigo, Syphiliden, Zoster, Rothlauf, 
(Velpeau) u. a. legt man mit concentrirteren Lösungen getränkte Compressen auf, 
z.B. 3J V- m IJJ — V J Aq., streut ihn auch als Pulver auf, z. B. mit 1 — 3 Kohle 
bei Mentagra, mit 10 — 20 Zucker bei Hornhautflecken u. a. ; für Harnröhre, Auge 
gr. j —jjj auf ^j Wasser ; oft noch diesen Lösungen, Pulvern Alaun zugesezt, z. B. 
Alumin. 3/? Vitriol, mart. gr. 8 Aq. dest. ^jv, zu Einsprizungen bei chron. Tripper; 
oder beide aä Jj auf ß'j, oft noch der Colatur 3j — ^j Schwefelsäure beigemischt, 
bei Blutflüssen u. a. Bädern mischt Döbereiner als Ersaz für natürliche Eisenwasser 
E.Vitriol Jj, Schwefelsäure 3 V > Kali carb., Asche Jj/? gelöst in Wasser bei. 

Schwefels. E.Oxyd s. Peroxyd, Persulphas Fi, durch Erhizen von 
schwefeis. E.Oxydul mit Salpetersäure (u. Schwefelsäure) erhalten; rothbraune 
Flüssigkeit, stark adstringirend , selbst äzend wie die folgenden E.Salze; da und 



i Heine, Hankeroth u. A. rühmen seine Erfolge bei Diabetes, Bonorden bei Phtise, Gros bei 
Bleicolik. Gamberini bei Wechselfieber mit Oxalsäure, Zucker als Limonade ; bei Gebärmutter- 
blutungen M'Clintock, mit schwefeis. Chinin in Wasser u. Schwefelsäure; in Flandern u. a. bei 
Rinderpest, Lungenseuche in Credit. Fast alle Anpreisungen dieses u. a. E.Salze bei Krebs, 
Tuberculose, Diabetes u. dergl. beweisen nur, dass Aerzte von jeher viel geirrt, wo nicht ge- 
logen haben. 

2 Um diese zu hindern, nimmt Latour ein Saccharat desselben, entsprechend demjenigen 
des JodE., kohlens. E.: löst 200 E.Vitriol in 100 siedend Wasser, 50 Zuckerkandis in 30, mischt 
und filtrirt rasch, lässt bei + 95—1050 C. krystallisiren , bewahrt die getrockneten Krystalle in 
Flaschen. 

3 So Velpeau bei phlegmonösem Rothlauf, 3j auf §j Axung., Devergie bei Eczem, Intertrigo, 
Impetigo, gr. 8—16 auf %ß, Betz bei Zoster; verdirbt aber die Wäsche sehr, ohne mehr zu nüzen 
als Collodium , Wasser. Zu Bädern Vitriol , 5jj Soda %ß Gi arab. q. s. um 20 Kugeln draus zu 
machen, wovon 6—10 p. Bad. Gelöst in Wasser, etwa 1 ff auf 50 Aq. wichtig als Desinficiens 
für Fäcalstoffe in Abtritten, Nachtgeschirren u. s. f. ; der Koth muss damit bedeckt sein. Durch 
25—30 ff in 90 Quart. Aq. lässt sich eine Grube von 275 Cub.Fuss Inhalt desinficiren, Kosten 
10—12 S.Groschen. 



Eisen. 143 

dort wie E.Chlorid u. a. benüzt, z. B. als Liquor Oxysulfatis Fi (Tyson), früher 
als Liquor Fi oxygenati (Beddoes.) 

Pernitras s. Persesquinitras Fi, Liquor Fi nitrici oxydati, Flüssiges Salpeters. 
E.Oxyd: E. gelöst in Salpetersäure, oft mit Zusaz von etwas Salzsäure und 
Wasser; schwärzlichrothe Flüssigkeit, nicht offic. Stark adstringend, öfter wie 
E.Vitriol bei Durchfall, Blennorrhöen, Magen-, Darmblutungen, chron. Ruhr, Cho- 
lera, Wechselfi eber 1 (Kerr, Graves, Reynolds); D. gtt. v— xx, in Wasser, Hafer- 
schleim (Kopp), Zimmtwasser, Kalmus-, Ingwer-, Quassia-Infus, oft auch Tct. Opii 
u. a. Auch zu Klystieren, Einsprizungen bei Durchfall, Uterus-, Vaginalblennor- 
rhöen und Blutflüssen, Aphthen, Geschwüren; mit Fett, Baumöl als Salbe. 

F. chloratum, E.Chlorür, Salzsaures E.Oxydul, F. muriatic. 
oxydulat., Chloretum ferros., Einfach ChlorE. E. gelöst in Salzsäure , weissliche, 
etwas blaugrüne Salzmasse, zerfliesst, oxydirt sich an der Luft, in Wasser, Wein- 
geist leicht löslich, unlöslich in Aether. 

Wirkungen, Gebrauch etwa wie bei E.Sulphat; besonders gerühmt bei 
typhösen Darmgeschwüren und Durchfällen (Autenrieth), Ruhr, Magenerwei- 
chung, Asiat. Cholera. 

Schadet gewöhnlich hier überall mehr als es je nüzen könnte; dasselbe gilt 
von Hufeland's Recommandation bei »torpiden Scrofeln«, Simpson's bei Puerperal-, 
Wundfieber , Siebert's bei Lungentuberculose : »nicht blos der Husten vermindert 
sich dadurch, auch die tuberculöse Infiltration, Uebergang in Eiterung wird ge- 
hindert, Vernarbung der Höhlen gefördert«, was doch mehr versichern heisst 
als man erwarten und je beweisen kann. 

D. gr. ß — jjj, mehrmals täglich, gelöst in Wasser, Weingeist, auch 
als Pillen. 

Liquor s. Solutio Fi chlorati Ph.Bor. Lösung in Aq. destill.; das Salz 
wie Liquor (diesen zu gtt. v— x p. d., z. B. bei Blutungen) gibt man in schleimigen 
Decokten, aromat. Wassern; ersteres auch als Syrup, gr. 12 auf Jj, Kafleelöffel- 
weis, oder Zß in 3jj Aq. dest. mit 3 X Syr. Sacchari (Syrup. Ferri chlorati : Siebert, 
Wackenroder). Bei Tripper, acutem wie chron. applicirt den Liquor Barudel inner- 
lich und zu Injectionen, gtt. 20 auf ^jjj Aq. 

Tct. Fi chlorati s. muriatici oxydulati, weingeistige Lösung des 
E.Chlorür; wie andere E.Tincturen selten genug benüzt, gtt. x — xxx p. d. a . 

F.sesquichloratums. per chlor at., E.Chi orid, Anderthalb fach-ChlorE., 
F. muriatic. oxydat., Chloret, ferric, Chlorid., Perchloret., Sesquichlorid. Fi, Salz- 
saures E.Oxyd, E.Sesquichlorid, E.Perchlorür. Durch Erhizen von E. in Königs- 
wasser dargestellt, auch von E.Oxyd in Salzsäure ; gelbe Krystallmasse, in Wasser, 
Weingeist, Aether leicht löslich, zerfliesslich , schmeckt stark zusammenziehend. 
Gelöst in Wasser als Liquor Fi sesquichlorati s. muriatici oxydati, E.Chlorid- 
flüssigkeit offic. , etwa 2 Th. in 1 Aq. dest. ; in F. sesquichlorat. solut. s. Oleum 
Martis Ph. Austr. ää; gelbbraun. 

Wirkt mehr adstringirend, reizend als E.Chlorür; innerlich wie dieses 
benüzt doch selten bei Magen-, Darmblutung , Bluthusten u. a. innern Blu- 
tungen, Durchfall, Ruhr, Cholera, Blennorrhöen u. a., Rothlauf. 

D. des Liquor gtt. v — xxx, die Salzmasse, E.Chlorid selbst gr. ß — j 
auf §j Aq. dest., in schleimigen Vehikeln, Zuckerwasser, oft mit Tct. Opii 
u. dergl. 

Innerlich kaum passend, wirkt in grössern Dosen zu reizend, in kleinen 
nichts. Die Lösung in Weingeist, als Tct. Ferri Sesquichloridi s. Perchloridi in 
England offic, sollte zugleich specifisch auf die Harn wege wirken, auch diuretisch, 
bei Harnverhaltung, Tripper u. a. benüzt (Pereira, Cline), sogar bei Rothlauf, 

1 Kerr gibt es hier Theelöffelweis vor dem Anfall, mit schwefeis. Chinin; Recidive sollen so 
seltener sein (?). Bei Asiat. Cholera u. den ersten Durchfällen gaben es Reynolds u. a. Ameri- 
kaner mit Opiumtinctur, Spirit. camphor., bei heftiger Colik selbst mit Tct. Capsici. 

2 Bei Rothlauf preisen sie, wie auch E.Chlorür bis 3j alle 2 St., C. Bell, Balfour, Begbie 
übermässig, Byrd bei Scharlach; Simpson reibt sie Phtisikern gar in die Brust ein, mit Oel; 
Lange, Plagge gaben sie bei Blasencatarrh, Blutharnen. 



144 Eisen. 

zumal Neugeborener, Schwacher (Bell, Balfour, Aran u. A.), bei Scharlach (Mende) ! 
D. gtt. v — xx, Kindern gtt. j— jj, z. B. in Zuckerwasser , bei Harnverhaltung alle 
10 Minuten, bis Nausea entsteht, bei chron. Tripper mit Tct. Cantharid. (Pereira) ! 

Aeusserlich Salz und Liquor als Adstringens, Stypticum und mildes Aez- 
mittel bei Blutungen, Excrescenzen, Polypen, Warzen u. a.; zu Klystieren 
bei Durchfall, Ruhr, Cholera; zu Gurgelwassern, Injectionen z.B. bei Gebär- 
mutterblutungen, jezt auch in varicöse Venen, erectile Geschwülste, Aneu- 
rysmen (Pravaz u. A.) 1 . 

Bei Blutungen z. B. nach Zahnausziehen, aus Blutegelbissen öfters als Pulver 
applicirt, häufiger mit Collodium, gelöst in Wasser, als Liquor bei Geschwüren, 
eiternden Wunden, Krebs, Diphtheritis , granulöser Blepharitis u. a., z. B. 1 Th. 
auf 3—5 Wasser, auf Charpie, Zunder u. dgl. applicirt 2 ; desgleichen bei Polypen, 
Nävus, Pannus (Follin, Leclerc). Schwächere Lösungen zu Klystieren, Injectionen 
bei Mastdarmfisteln (Miergues), Polypen, Prolapsus ani (Brodie), 3j— ?j auf 81 Aq., 
auch zu Gurgelwassern. Injectionen in den Uterus bei Blutungen u. a. schmerzhaft, 
haben öfters Tod zur Folge (Breit u. A.); die sich bildenden zähen Gerinnsel 
kleben fest z. B. an der Gebärmutter, lassen sich nur schwer entfernen. 

Emplastr. ferratum s. martiat. Ph. Wirt., Eisenchlorid mit Hausseife; roth. 

Spiritus Fi chlorati aethereus, Tinct. Fi chlorati aetherea, E.haltiger Schwefel- 
ätherspiritus, Lamotte's Goldtropfen, Tct. nervina Bestuscheffii, Liquor anodyn. 
martiat., Spirit. Aetheris ferrat. , sulphurico - aethereus martiat., aethereus ferrat., 
Tct. aurea nervino - tonica Lamottii: E.Chlorid gelöst in Aetherweingeist, z. B. 
Jj in 1 S'; farblos, später gelblich. Wirkungen, Gebrauch wie bei allen E.Tinc- 
turen; jezt selten mehr; D. gtt. x— xx, mehrmals täglich, in Wein, aromat. Was- 
sern, Infusen (s. Collodium). 

Ammonium chlorat. ferrat, Ammoniacum liydro chlor ic. s. 
hy dro chlor at. ferrat., E.Salmiak, Chloret, ammonico-ferric, Ammon. mw- 
riatico-ferruginos. s. martiat, Murias Fi ammoniacal. , Sal ammoniac. martiat, 
Ammonio-Chlorid. Fi, Flor es Salis ammoniaci martiales, E. haltige Salmidkblumen. 
Dargestellt z. B. durch Lösen von Salmiak, E. Chloridflüssigkeit in Aq. dest. 
und Abdampfen der Masse ; ist Salmiak gemischt mit E.Chlorid ; orangegelb, zer- 
fliesslich, leicht löslich in Wasser, Weingeist, schmeckt scharf zusammenziehend. 

Wirkt ziemlich adstringirend; des Salmiaks wegen noch am meisten 
benüzt bei Scrofulose, Milz-, Lebertumoren, Wassersucht, Hämorrhoiden, 
Hypochondrie u. a. , überhaupt wenn man zugleich tonisiren, auflösen, zer- 
theilen will. 

Dass er wirklich das eine wie andere thut , ist zweifelhaft genug , und 
gewiss nur, dass er die Verdauung leicht stört, in grössern Dosen oft etwas ab- 
führt. 

D. gr. jj — x, gelöst z. B. in Zimmt-, Münzwasser, selten in Pillen, Lat- 
wergen. 

Als Geschmackscorrigens am besten Süssholzsaft ; Tct. Fi ammoniato-muriatici 
aperitiva, die weingeistige Lösung, sonst offic, obsolet. 

F. jodatum, Jo dEise n, E.Jo dür, F. hydrojodic. oxydulat., Joduret, s. Pro- 
tojoduret. s. Jodidum Fi, Jodet, ferros. Dargestellt z. B. durch Digeriren von 2 — 4 Th. 
Jod mit 1 E.Pulver und Wasser, Abdampfen der Lösung; grau, krystallisirbar, in 
Wasser, Weingeist leicht löslich, schmeckt widrig, herb, zerfliesst und oxydirt, 



1 Schwächere Lösungen von 15—20° Baume's Aräom. verdienen hiebei den Vorzug; concen- 
trirtere und mit zu viel freier Säure wirken meist zu reizend; man injicirt gtt. 5— 20 je nach 
Grösse des Sacks, bei grössern rasch nach einander an mehreren Stellen, immer mit Com- 
pression der Arterie ober- und unterhalb des Sacks, um ein Fortführen der Gerinnsel zu hindern. 
Heilung kommt oft zustande; oft war Entzündung, Brand, selbst Tod die Folge, auch bei In- 
jection in Varices, Hämorrhoidalknoten, Nävus, erectile Geschwülste (Follin, Malgaigne u. A-)- 
Wirkt überhaupt kaum sicherer als z.B. Cautcrisation, dazu schwieriger, umständlicher; eignet 
sich noch am besten bei kleinen Aneurysmen , Varices u. a. z. B. der Extremitäten. Brock, 
Thierry appliciren die Lösung bei oberflächlicheren Aneurysmen u. s. f. endermatisch , nach 
Entfernung der Epidermis durch Vesicantien. 

2 Um Chanker-, Blattern- 2 Wuthgift u. a. zu zerstören^als Präservativ nach verdächtigem 
Coitus applicirt Rodet E.Chlond, Salz- oder Citronensäure aa 3j Aq. dest. Jj auf Charpie. Unter 
eingewachsene Nägel auch als Salbe auf Charpie gebracht. 



Eisen. 145 

zersezt sich an der Luft, selbst in geschlossenen Gefässen, wobei E.Oxyd sich 
ausscheidet, auch freies Jod, welches allmälig entweicht; deshalb ein schlechtes 
Präparat. 

Wirkungen die eines E.Präparats, Jod bleibt wirkungslos (Thomson, 
Cogswell), obschon es vorzugsweise resorbirt wird. Aeussert zu einigen Gran 
überhaupt keine merklichen Wirkungen, ausser etwa dass Stuhlgang, auch 
Harnabsonderung (?) öfters vermehrt werden; grössere Dosen, gr. x und 
mehr, bei zersezten Jodidhaltigen Präparaten schon weniger machen leicht 
Reizung der Verdauungswege, Uebelsein, Erbrechen, Schmerz im Epigastrio, 
Durchfall (schwarzen), zu ?j und mehr sogar Gastritis, Enteritis. 

Dass in E.Jodür das Jod unwirksam bleibt, zeigt z. B. das nicht Atrophiren 
der Mamma u. a. Organe selbst bei längerem Gebrauch (Ricord u. A.). Wird im 
Körper schnell zersezt, J. findet man bereits nach 15, nüchtern nach 10 Minuten 
im Harn (Bernard, Quevenne), nach 48 Stunden ist schon 3 /* des J. im Harn 
wieder ausgeschieden; Eisen findet sich im Harn nur spurweise oder gar nicht 
(Kletzinsky) , geht somit höchstens in winzigen Mengen in's Blut über. 

Man behandelt damit Scrofulose, Tuberculose, chron. Entzündung, Ver- 
härtung, Hypertrophie verschiedener Gebilde, chron. Rheumatismus, Haut- 
affectionen, Lupus, Kropf, Krebs, Caries, Chlorose, Amenorrhoe, Fluor albus, 
Syphilis schwacher, dyscrSsischer, scrofulöser Subjecte. 

Jedem gesunden Menschenverstand zum Troz vom Arzneigeist der Polyphar- 
macie ausgedacht: als Verbindung zweier Stoffe, die geradezu entgegengesezt 
wirken, deren einer kaum spurweise in den Körper übergeht, und der andere ihn 
sogleich wieder verlässt ! Hat jedenfalls nur die Bedeutung eines E.Präparats ; die 
Ansicht, auch das J. wirke dabei , hat sich als falsch erwiesen. Leistet bei Scro- 
fulose, Phtise, Syphilis, Krebs, Caries u. dgl. so gut wie nichts; bei 84 Phtisi- 
kern z. B. folgte meist nur Verschlimmerung, Vermehrung des Hustens, Eckel, 
Brechdurchfall u. s. f. (Champouillon). 

D. gr. j — jv, mehrmals täglich, gelöst in Wasser, Weingeist, oft mit 
Zucker, Syrup, Tinct. aurant. u. a., auch als Pulver, Pillen. 

Meide: vorräthige Präparate, Alkalien, Säuren, Metallsalze, Gerbsäure u. a., 
alle wirksamen Zusäze überhaupt. Die Zersezung des JodE. suchte man auf ver- 
schiedene Weise zu hindern, z. B. durch Mischen der wässrigen Lösung von J. 
und E. mit Milchzucker und Abdampfen zur Trockene , als F. j d a t. s a c c h a- 
rat., nach Ph. Bor. Austr. das einzige offic. Präparat des JodE.; mit Rohrzucker, 
gelöstem Zucker: Syrup. Fijodati, nach Ph. Austr. ex tempore parandus; 
auch Zucker schüzt indess nicht auf die Dauer. Zweckmässiger daher stets frisch 
und nur auf kurze Zeit bereitet, durch Digeriren von 1 — 4 Jod mit 1 Eisenfeile 
und Aq. dest. wie beim Liquor Fi jodati Cod. Hamb. u. a. * ; durch Zusaz 
von weiterer E.Feile sucht man oft das frei werdende Jod zu binden. Lecocq 
u. A. bedecken es im Gefäss mit dicken Schichten E.Pulver. Oft sezt man 
noch Zucker , Syrup , Honig zu , doch schmecken alle Syrupe widrig , werden 
leicht ausgebrochen. Boudet löst 3jj J°d m ^j Wasser, sezt unter beständigem 
Schütteln 3J E.Feile zu, erwärmt bis die Flüssigkeit fast farblos, giesst das 
Filtrat in Jj/f— jj Zucker, und mischt noch 3jj m Wasser gelöstes Arab. Gummi 
bei; 3j der Flüssigkeit hält gr. 5—6 J.E., welches in dieser Mischung keine Zer- 
sezung erleiden soll; aus 1 Th. derselben mit 14 Syrup macht B. seinen J.E.-Syrup, 
mit Honig, Arab. Gummi, Althäapulver Pillen. Pillenform schüzt überhaupt* J.E. 
noch am besten gegen Luft und Zersezung, besonders wenn überzogen mit Eisen- 
pulver, Firnissen u. dgl. 2 . Mit dem therapeut. Werth des J.E. sind auch solche 
Mischungen und Proceduren sehr an Werth gesunken. 



1 Dasselbe schreibt z. B. Ph. Wirt, vor; von der vom Arzt verordneten Menge JodE. wird 
*/s J. und 1/5 E. zur Lösung genommen , für Pillenmassen die filtrirte Lösung des JodE. einge- 
dickt durch Verdampfen, nach Umständen Milchzucker, Süssholz-, Eibischwurzel u. a. zugesezt. 
Noch besser gibt man Jod- und E.Präparate gesondert, z. B. erst ein Pulver aus E.Vitriol, dann 
1 Löffel wässriger Jodkaliumlösung (Bonnewyn); nur muss so der Kranke ohne erheblichen 
Nuzen 2mal schlucken, und das neugebildete schwefeis. Kali wirkt jezt gleichfalls. 

2 Hieher Gille's Drageen, umhüllt mit einer Zuckerschichte; Blancard's u. A. Pillen: z. B. 
JodEisenpulver oder -Feile äh 3j mit etwas Wasser in eiserner Schale bei schwacher Wärme 
digerirt, mit Süssholz, Eibischpulver, Honig oder Zucker Eä 5j zu 100 Pillen, mit Eisenpulver 

7. Aufl. 10 



146 Eisen. 

Aeusserlich selten benüzt, bei Uterus-, Vaginalblennorrhöen, cbron. Trip- 
per, syplülit., Krebsgeschwüren, Hautaffectionen. 

Zu Lösungen, Fomenten, Injectionen gr. jj—vj auf ^j Wasser ; zu Salben 
3j auf ^j— jj Fett 1 ; Leinwand, Wäsche leiden bei Einsprizungen u. dgl. bedeu- 
tend Noth. 

F. bromatum, BromEisen, Bromid. Fi, Bromet. ferric, F. hydrobromic. oxydat. 
s. perbromat, E.Bromid. Roth, zerfliesslich, in Wasser leicht löslich , zersezt sich 
bald an der Luft. Wirkungen wenig bekannt ; auf einige Gran, Hunden in Venen 
gesprizt entstehen Convulsionen, Erweiterung der Pupille, Tod; auf grössere 
Dosen verschluckt Würgen , Erbrechen , Durchfall , Erweiterung der Pupille, 
Athemnoth , Tod (Höring). Höchst selten benüzt wie JodE., z. B. bei Scrofulose, 
Amenorrhoe, Tumoren, epidem. Rothlauf (Gillespie u. A.). D. gr. ß — jtj, mehr- 
mals täglich, gelöst in Wasser, Weingeist ; würde wie JodE. am besten erst beim Dis- 
pensiren dargestellt, z.B. durch Lösen von 1 Eisenfeile in 3 Brom und Aq. dest., 
mit Zucker, Honig als Syrup, oder als Pillen. 

F. cyanat. s. liydrocyanic. , Cy anEisen, E.Cyanür Cyanid , Cyanuret. Fi cum 
Cyanido Fi s. ferroso-ferric. , F. borrussic, blausaures E.Oxydul-Oxyd , Berliner 
Blau (unrein) , Pariser Blau (rein) : z. B. durch Fällen schwefeis. E.Oxyds mit 
Ferrocyankalium erhalten; dunkelblau, unlöslich in Wasser, Weingeist, Aether, 
Salzsäure. Wirkungen gleich Null, können bei seiner Unlöslichkeit in Wasser, 
in allen Flüssigkeiten des Magens, Darmcanals keine ändern als höchstens mecha- 
nische sein. Trozdem viel benüzt und gerühmt bei Veitstanz , Epilepsie, Hysterie, 
Neuralgieen , Wechsel- und remittirendem Fieber , hier öfters mit Chinin , auch 
bei Chlorose, Menstruations-Anomalieen , Ruhr, Durchfall, Magen-, Darmgeschwü- 
ren u. a. D. gr. ß— xx, mehrmals täglich, als Pulver, Pillen, z. B. mit Baldrian- 
Extract. 

Aeusserlich als »Adstringens« bei Geschwüren, chron. Conjunctivitis, Krebs, 
gr. vj— xjj auf 3j Fett. 

Kalium ferrocyanat. flavum s. Ferrökalium cyanat., Ferrocyankalium , Ka- 
liumeisencyanür , Cyaneisenkalium , gelbes Blutlaugensalz, blausaures E.OxydulKali 
s. EisenKali, Ferrocyanid. Potassii , Kali ferro- s. ferroso - hydrocyanic. s. borussic. 
s. zootic, Cyanuret. ferroso - kalic. 2 . Im Grossen dargestellt durch Glühen thierischer 
Abfälle mitPotasche und Eisenfeile; im Kleinen z.B. durch Kochen von Berliner- 
blau mit Aezkalilauge ; gelbe Krystallmasse , verwittert, leicht löslich in Wasser, 
unlöslich in Weingeist. Scheint selbst in enormen Dosen unwirksam; geht vom 
Darmcanal aus rasch, unzersezt in Blut, Harn über. Seines Cyangehalts wegen 
bei Fieber, Neuralgieen, Kopfschmerz, Keuchhusten, Hustenreiz, Bronchitis, Roth- 
lauf (als Anodynum) benüzt, auch bei Blennorrhöen , übermässigen Schweissen, 
Lithiasis u. a. 3 . D. gr. x— xx gelöst in Wasser, als Pillen u. s. f. 

F. sulfuratum, Einfach-Schwefeleisen, Sul füret, ferrosum: 
direct z. B. durch Glühen von 3 Eisenfeile mit 2 Schwefel dargestellt ; schwarz- 
grau, geruch-, geschmacklos, oxydirt sich an der Luft. Selten bei chron. Haut- 
affectionen versucht (Biett, Cazenavej, gr. jjj— vj p. d., als Pillen, Syrup; macht 
widriges Aufstossen von SH. Mialhe, Bouchardat und Sandras -empfehlen frisch 



bestreut und durch Eintauehen in Lösung von Tolubalsam in Aether rasch überfhnisst. In Eng- 
land, Amerika sucht man jezt J.E. auch mit Glycerin zu conserviren ; man löst z. B. Jod 3j in 
Aq. dest. q s. , digerirt in der Wärme mit Eisenfeile bis die Mischung sich grün färbt, filtrirt 
in % 10 Glycerin hinein , dampft dann auf § 6 ein ; scheint sich aber nicht besser zu halten als 
mit Syrup. Liquor Ferri Jodidi im Londoner Spital für Hautkranke : Fem tili §jv Jodi §jj/? 
Glycerinac § jjj Aquae Sjjj macera, Dos. gtt. 15— 60 in Wasser (3j hält 3 gr. J.E.). Bastick u.A. 
geben J.E. in Leberthran , als Oleum Morrhuae cum Ferri Jodido; Gille empfahl schon 
früher seine Lösung in Süssmandelöl, gr. 6— 8 auf §j, besonders äusserlich. JodEisen Chinin 
s. Chminsalze. 

1 Als Pflaster bei Drüsenschwcllungen, Tumor albus aufgelegt (Sauran, Alquie), z. B. 1 Jod, 
2 gepulverte Eisenfeile (mit Alcohol), 30 Pech- oder Harzpflaster. 

* Nicht zu verwechseln mit Ferridcyankalium. Kaliumeisencyanid, rothem blausaurem Kali, 
welches durch Oxydation des gelben Salzes entsteht, z. B. mittelst Chlor, unterchlorigs. Salze. 
Gefährlich ist auch die nicht seltene Benennung als Blausaures Kali, Kali borussicum kurzweg, 
der leichten Verwechslung mit dem sehr giftigen Cyankalium wegen. 

3 Bei Vergiftung mit Kupfersalzen , welche dadurch rasch zersezt werden , von Schrader 
empfohlen; bei Wechselfieber rühmte es wieder Chaussail, gr. 15—20 p. Tag in Pillen, oft mit 
Chinin; auch ein Doppelsalz von Cyaneisennatrium s. Sodium mit Salicin gibt man jezt 
bei Wecnselfieber (Musizzano, Gaucheron u. A.), oft zu 5ß— j p. d. , doch nüzen beide nichts, 
lezteres jedenfalls nicht mehr als Salicin allein. 



Mangan. ■ 147 

durch Schwefelkalium aus Eisensalzen gefälltes SchwefelE. s. E.Sü lfürhy d rat 
bei Vergiftung mit Sublimat, Blei-, Kupfersalzen, Arsen, überhaupt bei allen 
Metallgiften als Gegenmittel; wenn rasch genug applicirt, entsteht so unlösliches, 
relativ unschädliches Schwefel-Quecksilber, -Kupfer u. s. f. *. 

14. Manganum, Mangan, Manganesium. 

M. fand man spurweise in Gewächsen wie in unserm Körper, in Blut, Harn, 
Knochen u. s. f. (Liebig, Berzelius, Millon, Petrequin, Burin du Buisson, Bibra 
u. A.). M. und seine Verbindungen scheinen ziemlich wie Eisen zu wirken, soweit 
man überhaupt etwas davon weiss. 

Hyperoxyd. Manganesii, M.Hyperoxyd , Superoxyd. manganic, M. oxydat. 
nigrum s. nativum, Braunstein : schwarzbraun, unlöslich in Wasser, Alcohol. Scheint 
ganz wirkungslos; Arbeiter, welche damit zu thun haben, sollten nach Coupar 
öfters an Lähmungen leiden (?). Da und dort benüzt bei Indigestion, Chlorose, 
Scorbut, Syphilis, Gallenstein (Polli), Hysterie, Kräze, Herpes, Impetigo wie bei 
Cholera (Meliches). D. gr. vj — xx, mehrmals täglich als Pulver, Pillen. Aeusser- 
lich bei Kräze, Kopfgrind u. dgl., mit schleimigen Decokten, als Salbe 1 Th. auf 
3—6 Fett. 

M. sulphuric. oxydulat, Schwefelsaures M.Oxydul, Sulphas Manganesii: rosen- 
roth, verwittert, in Wasser leicht löslich, unlöslich in Weingeist. Macht in grössern 
Dosen, 3j — jjj Reizung des Magens und Darmcanals , Erbrechen, kann sogar äzend 
wirken wie Eisenvitriol; Thiere sterben unter Erbrechen, Convulsionen ; auffallend, 
doch nicht constant ist die reichliche Absonderung von Galle dabei (Gmelin, Goolden), 
wie angeblich auch durch Mangansäure (Hünefeld) ? Sonst bei Milz- , Leberleiden, 
Gicht , Icterus benüzt (Goolden , Ure u. A.), öfters als Brechmittel ; seit Hannon, 
Petrequin u. A. Chlorose von Mangan-Defect in Blut u. s. f. ableiten , auch hier, 
bei Blutarmuth überhaupt, z.B. nach Wechselfieber, bei Wassersucht, Leucorrhöe, 
Amenorrhoe, Scrofulose, Krebs, Syphilis u. a. D. gr. j — vj, als Pulver, Pillen, 
Latwerge , gelöst in Wasser , oft mit Eisenvitriol , Amaris , Gewürzen u. a. 2 . 
Aeusserlich bei Kräze , Drüsenschwellungen , chron. Rheumat. u. a. als Salbe ver- 
sucht: 3J> erst m Wasser gelöst, auf ^j Fett; macht leicht Pusteln (Hoppe). 

Chloruret. Manganesii, M. Chlorür, ChlorM., M. chlorat. s. muriatic. oxydulat., 
in Wasser, Weingeist leicht löslich, zerfliesslich. Scheint ziemlich wie schwefeis. 
M. zu wirken ; selten versucht bei chron. Hautleiden , wie Eisen ; D. gr. j — v 
und mehr, am besten in Lösung; äusserlich bei syphilit. Rachengeschwüren, Blu- 
tungen gelöst in Wasser, Weingeist. M a n g a n-E i s e n-C hlorid, Perchlorid um 
Ferri et Manganesii, rühmt Petrequin innerlich wie äusserlich als Styptic, 
Lebel als Schuzmittel gegen syphilit. Infection. M. carbonic. s. subcarbonic, 
kohlensaures M.Oxydul, Carbon. Manganesii: weiss, unlöslich in 
Wasser, löslich in kohlensaurem ; scheint ganz wirkungslos und nicht in's Blut über- 
zugehen (Krimer) ; trozdem gleichfalls bei Chlorose u. a. benüzt (Hannon u. A.), 
oft mit kohlens. Eisen , z. B. als M. e t F e r r u m s a c c h a r a t. (Speer) , ge- 
schmacklos, D. gr. v und mehr. In ähnlicher Weise hat man wein-, äpfel-, 
milch-, phosphor-, essigs. M.Oxyd benüzt; auch JodM. , dieses öfters 
mit Jodeisen , sogar zu künstlichen Mineralwassern vorgeschlagen. Mangan- 
saures und übermangansaures s. oxymangansaures Kali, Per- 
manganas Potassae: jenes durch Erhizen von Braunstein und Kalihydrat, 
dieses mit Zusaz von Salpeter, Auslaugen und Abdampfen der Lösung erhalten ; 
jenes grün, dieses purpurroth , schwer löslich in Wasser , beide leicht zersezt, 
desoxydirt durch organische Substanzen u. a. Lezteres bei Diabetes versucht, um 
durch seinen OAmylum im Magen u. s. f. rascher zu oxydiren , wie etwa Zucker 
dadurch in Oxalsäure umgesezt wird, auch um so Eiweissstoffe zu Harnstoff zu 
oxydiren (Sampson, Bechamp, Neubauer); D. gr. j— jjj ; doch sah man eher Ver- 



1 Sandras empfiehlt es sogar bei Quecksilbercachexie, Andere bei Chlorose, Anämie u. dgl.; 
hier nimmt man auch da und dort die Schlacken aus Hochöfen, welche, u. a. Schwefeleisen mit 
kieseis. E. enthalten, zu Bädern. 

2 Burin du Buisson gibt es mit Eisen als Brausemischung, Chocolade, auch als Jodür, citro- 
nens., milchs. Doppelsalze u. s. f. ; all diese M.Salze leicht zu erhalten durch Lösen von M.Oxyd, 
die Oxydulsalze durch Lösen von kohlens. M.Oxydul in den betreffenden Säuren, kohlens. M.- 
Oxydul durch Fällen von M.Oxydul mit kohlens. Kali. 

10* 



148 Fixe Alkalien, Erden und ihre Verbindungen. 

Schummerung als Besserung folgen ; grössere Dosen machen leicht Uebelsein , Er- 
brechen K 

Zweite Classe. 

Fixe Alkalien, Erden und ihre Verbindungen. 

Wirkungen. Gifte kommen nicht vor, mit Ausnahme des Baryt; viel- 
mehr bilden viele unter ihnen normale, constante Bestandteile der thieri- 
schen wie pflanzlichen Gewebe und Flüssigkeiten, und spielen eine -wichtige 
Bolle in der Oekonomie, zumal bei Verdauung, Ernährung und Stoffumsaz, 
Ausscheidungen. 

Während man sonst die Salze, die sog. Aschenbestandtheile organischer 
Substanzen mehr für zufällige, unwichtige Beimischungen hielt, ist ihnen seit 
Prout, Liebig u. A. eine ganz andere Bedeutung geworden. In Wirklichkeit 
finden sich in Blut, Lymphe, Serum, Secreten wie in den festen Gebilden des 
Körpers und in seinen Ersazstoffen phosphor-, Schwefel-, kohlen-, salzs. Al- 
kalien und Erden (mit Eisen) in einer solchen Regelmässigkeit und Menge vor, 
dass schon hieraus ihre Wichtigkeit erhellt, und die verschiedenen Gebilde u. s. f. 
des Körpers durch die Art, die Menge ihrer anorganischen Bestandtheile sich 
so gut charakterisiren als durch die organischen. Dies gilt ganz besonders von 
phosphors Salzen und Natron, vor allen Chlornatrium, zu welchem Menschen, 
Thiere schon durch ihren Instinkt geführt werden, ohne welches ihre Ernäh- 
rung und Fortexistenz unmöglich wäre 2 . Gerade die wichtigsten Flüssigkeiten 
des Körpers , Blut , Lymphe , Serum sind vorwiegend alkalisch , und nur an 
den Ausgangs- wie Eingangspforten, in Harn, Seh weiss , Verdauungflüssigkeit 
finden sich freie Säuren ; auch treten alkalische Flüssigkeiten nur schwer durch 
Gefässwände aus. Von Wichtigkeit scheinen endlich die quantitativen Verände- 
rungen der Salze in Krankheiten wie Tuberculose, Scorbut, Typhus, Cholera, 
bei allen von reichlicheren Ausleerungen und Exsudationen begleiteten Zuständen. 
Hiemit ist aber die Bedeutung dieser Stoffe als hygieinische Agentien, vielleicht 
unter Umständen auch als Arzneistoffe bei Kranken gegeben. 

1. ertlich wirken die löslichen Stoffe concentrirt reizend, oft selbst 
äzend. In kleinern Mengen verschluckt vermehren sie bald mehr bald weni- 
ger die Absonderung der Magen-' und Darmschleimhaut, öfters wahrscheinlich 
auch die der Leber, des Pancreas, machen in grössern Dosen meist Durch- 
fall, besonders schwefel-, phosphorsaure Salze. 

Den kräftigsten dieser Stoffe, caust. Alkalien und Erden, auch manchen 
ihrer Verbindungen kommt eine beträchtliche Affinität zu Eiweissstoffen zu ; sie 
verbinden sich mit ihnen zu löslichen Albuminaten oder Seifen, und zerstören 
dadurch Gewebe, Schleimhäute 3 . Bei kohlens. und andern Salzen ist jene Affi- 
nität zu Eiweissstoffen geringer ; doch wirken auch concentrirte Salze, z. B. Koch- 
salz, Salpeter, kohlens. Kali noch stark reizend. Verschluckt machen Alkalien und 
schwefel-, phosphor-, manche pflanzens. Salze Durchfälle 4 ; andere, z. B. salz-, 

1 Mangans. Kali von Cooke als Aezmittel bei Krebs in Pulverform versucht, soll rasch und 
fast schmerzlos wirken; wirksamer noch soll Übermangans. Kali sein (Girdwood), als Paste wie 
als Pulver; lezteres stellt man jezt auch, um die Luft in Krankenzimmern zu desinficiren , mit 
1—2 Esslöffeln Wasser auf einem Teller unter's Bett! 

2 Blut hält z. B. gegen 8 p. Mille Salze, wovon nahezu die Hälfte Chlornatrium, und nur im 
Harn gehen von lezterem p. Tag gegen 12 grm ab ; auch nimmt ein Erwachsener jährlich nur 
im Brod über 6 ff Kochsalz ein, und füttert man Thiere z. B. mit Korn, welchem nur ein un- 
organischer Stoff, phosphors. Kalk entzogen worden, so leiden sie, und gehen schliesslich zu 
Grunde. 

3 Alkalien, Soda u. dergl. können auch durch längeres Einwirken auf die Haut, noch mehr 
auf Wunden z. B. bei Wäscherinnen Rothlauf, Verschwärung, selbst Tod herbeiführen. 

* lliebei exsudirt eine grössere Menge Wasser u. s. f. aus den Gefässen , Drüsen der Darm- 
schleimhaut, wahrscheinlich nicht sowohl in Eulge direct örtlicher Wirkung jener Salze auf 
die Schleimbaut u. s. f. , d.h. durch einfache Exosmose als vielmehr dadurch, dass mit dem 
Eintritt der Salze in's Blut eine Strömung von Wasser u. s. f. gegen den Darmschlauch ent- 
steht (S. 10). 

Der Eintritt dieser Substanzen von der Haut aus z. B. in Bädern ist wohl gleich Null oder 
doch viel geringer als man vordem a priori glaubte (S.49) ; nach alkalisehen Bädern z.B. kann 






Fixe Alkalien, Erden und ihre Verbindungen. 149 

Salpeters. Salze weniger oder gar nicht. Thonerdesalze , Alaun bilden mit Ei- 
weiss z. B. in Secreten, Eiter, Geweben der Schleimhäute in Wasser unlösliche 
Verbindungen oder Albuminate, hemmen so vielleicht deren Absonderung oder 
Exsudation. Während die an stärkere Mineralsäuren gebundenen Alkalien, Erden 
durch die freie Säure im Magen u. s. f. keine Zersezung erfahren, verwandeln sich 
pflanzensaure Salze mehr oder weniger in kohlensaure, kohlensaure Salze in salz-, 
buttersaure, und gehen grossentheils im Koth ab. Alkalien , Erden , welche auf 
freie Säuren z. B. im Magen stossen, verbinden sich zunächst mit denselben; 
Magnesia usta verwandelt sich in doppelt-kohlens. M. Es entstehen so kohlen-, 
milch-, salzsaure Salze, welche resorbirt, grossentheils aber, besonders wenn sie 
laxiren, sofort ausgeleert werden, während überschüssige, durch keine Säure 
mehr gebundene Portionen der Alkalien wahrscheinlich in Verbindung mit Ei- 
weiss, auch mit verseiften Fetten der Magen- und Darmsecrete in's Blut treten. 
Ueberhaupt wird die Lösung der in Wasser schwer löslichen Salze, z. B. phos- 
phors. Bittererde , Kalk u. a. durch die freien Säuren im Magen und Darmcanal, 
auch durch Zucker , Eiweiss gefördert. 

2. Alkalien, Erden und ihre Verbindungen, sind sie anders löslich, ge- 
langen als solche oder umgewandelt in's Blut; man findet sie in Blut, Secre- 
ten, Organen, und viele (Alkalien, kohlen-, pflanzensaure Salze) können den 
zuvor sauren Harn neutral, selbst alkalisch machen. Verschluckt machen 
sie leicht Uebelsein, Erbrechen, zumal Laugensalze, kohlens. Kali, Natron 
u. a. In kleinern Dosen stören sie zulezt die Verdauung ; Magen- und Darm- 
catarrh, sog. Gastricismus entstehen, selbst tiefere Störungen der Ernährung, 
des Stoffumsazes, in Folge davon Neigung zu Wassersucht, Scorbut, Blutun- 
gen, Ruhr. 

Kochsalz u. a., auch Erdsalze fördern die Lösung eingeführter Eiweiss- 
stoffe, in den Verdauungsflüssigkeiten, während freie wie kohlens. Alkalien, Erden 
schon durch Sättigen der Säure des Magensafts zulezt Umsaz und Lösung der 
Alimente, d. h. ihre Verdauung stören. Doch werden kleinere, selten gereichte 
Mengen durch später abgesonderten Magensaft leicht compensirt (Reuss). Die 
Leichtigkeit, mit welcher sie in's Blut treten, hängt von ihren ehem. physical. 
Eigenschaften, ihrer Diffusionsgeschwindigkeit und zum Theil von ihrer Wirkungs- 
weise auf den Darmcanal ab. Laxirsalze z. B., deren Resorption langsamer vor 
sich geht (S. 10), gehen bei grössern Dosen mit mehr oder weniger Wasser in 
die untern Parthieen des Darmcanals und so gut als Kalk, Bittererde im Stuhl 
ab, meist als solche, oft verändert (s. schwefeis. Natron). In kleinen, nicht 
laxirenden Dosen dagegen werden sie wie Alkalien u. a. Salze theilweis resorbirt 
und z. B. im Harn entleert *. 

In's Blut übergetreten scheinen sich diese Substanzen theilweis mit dessen 
Eiweissstoffen zu verbinden. Manche Alkalien , Erden haben eine besondere 
Affinität zu gewissen im Blut enthaltenen Säuren ; freie Alkalien können so zu 
kohlens., einfachkohlens. Salze zu zweifachkolens. werden, während sich vielleicht 
Kalk- , Bittererde mit der Phosphorsäure einiger Salze des Blut's verbinden, 
und theils durch Milchsäure gelöst erhalten, theils durch ihre Verbindung mit 



der Harn allerdings neutral oder alkalisch werden, doch nicht mehr als z. B. nach indifferenten 
und sauren Bädern auch. Schon der Eintritt winziger Mengen in den Blutstrom würde immer- 
hin sehr schwache Lösungen, lange Badezeit und wärmere Temperatur des Wassers voraus- 
sezen (s. Wasser, Bäder). 

Während des Lösens von Kochsalz, Salpeter u. a. in Wasser wird Wärme gebunden, 
womit einige Abkühlung z. B. der Haut gegeben ist; Salze in Berührung mit weniger ge- 
schüzten Nervengeflechten z. B. der Schleimhäute machen vielmehr ein Gefühl von Wärme, 
Jucken, Brennen, in der Mundhöhle Durst. Lezterer mag zugleich unter Umständen durch den 
Wasserverlust in Secreten bedingt sein. 

1 Harn wird deshalb nicht immer alkalisch, denn dies hängt wieder von gar vielen Um- 
ständen sonst ab (s. unten) ; nachdem Jones 3 Tage durch fj sehr verdünnte Aezkalilösung 
(1072 spec. Gew.) genommen, war der Harn zwar weniger sauer , aber nicht constant alkalisch. 
Parkes fand ziemlich dasselbe, alles gegebene Kali soll sich im Harn als Sulphat vorgefunden 
haben , und die Schwefelsäure durch Oxydation oder Zersezung Schwefelhaltiger Eiweissstoffe 
des Körpers geliefert worden sein ; Alkalien sollten so Stoffumsaz und Schwefelsäure-Ausschei- 
dung im Harn vermehren, während Buchheim, Cläre nichts der Art finden konnten. Ranke 
fand auf §j Liquor Kali acet. den Harn schon nach 10 Minuten neutral, nach 25 Min. alkal. ; 
nach Lehmann hält der Harn nach Einführen von doppeltkohlens. wie pflanzens. Alkalien mehr 
oxals. Kalk (s. Kohlensäure). 



150 Fixe Alkalien, Erden und ihre Verbindungen. 

Eiweiss gegen eine Fällung durch die Alkalien des Bluts geschüzt werden. Ueber- 
haupt wirken Alkalien, Säuren nicht mehr wie sonst aufeinander, sobald organ. 
Stoffe, Eiweiss, sog. Peptone u. a. dazu kommen. Immerhin wird der Salzgehalt 
des Bluts durch den Eintritt jener Stoffe vorübergehend vermehrt; bei der Be- 
deutung vieler Salze für die Blutbestandtheile und Gewebbildimg, Ausscheidung 
kann dies aber nicht wohl ohne Einfluss auf all diese Vorgänge sein. Das Blut 
soll dünnflüssiger werden, seine Gerinnbarkeit verlieren, Eiweiss in den Harn 
übergehen können; und während sein Gehalt an festen Stoffen, an Faserstoff 
abnimmt, sollte der an Wasser zunehmen (Nasse u. A.) ; Albuminurie, Wassersucht, 
Scorbut u. a. sollen so zulezt entstehen können , z. B. bei Kranken mit Harn- 
gries, Blasenstein durch zu langen Gebrauch alkalischer Mittel 1 . Zusaz von 
Salzen zu frisch abgelassenem Venenblut kann seine Gerinnung hindern ; durch 
neutrale Salze der Alkalien , • z. B. Kochsalz , Salpeter wird es heller gefärbt, 
(wahrscheinlich indem sie dem Hämatin Farbstoff, Wasser entziehen); geronne- 
ner Faserstoff wird durch Salpeter, kohlens., essigs. Kali u. a. gelöst. 

Die Albuminate der Alkalien und Erden im Blut werden bald wieder zer- 
sezt und ausgeschieden, im Harn als kohlen-, Schwefel-, salzs. Salze, im Schweiss 
als milch- , salzs. ; Kochsalz u. a. Chlorüre, schwefeis., Salpeters., phosphors. und 
doppeltkohlens. Salze werden unzersezt ausgeschieden , Salpeter , Natron- , Kali- 
bicarbonat z. B. findet man als solche im Harn , einfachkohlens. Salze , z. B. 
kohlens. Kali als doppeltkohlens. Dagegen werden essig-, wein-, citron-, äpfels. 
Salze im Körper durch OAufnahme theilweis zu kohlens. , und wofern sie nicht 
ihrer geringen Menge wegen durch die freie Säure des Harns gesättigt wurden, 
kommen sie jezt als kohlens. Salze im Harn zum Vorschein (Wöhler u. A.) 2 . 
Wie gewöhnlich die Secretion solcher Apparate, welche eingeführte Stoffe aus 
der Blutmasse abscheiden, durch diese Stoffe vermehrt wird, sollten viele Salze, 
besonders Salpeter-, pflanzensaure die Harnabsonderung vermehren ; doch geschieht 
dies kaum je, oder nur in höchst geringem Grade 3 . Die Bedeutung der Alkalien, 
Erden und ihrer Salze, z. B. des phosphors. Kalkes für Bildung und Ersaz der 
thierischen Gebilde lehrt die Physiologie. Weniger wissen wir über ihre Nuz- 
effecte bei Kranken. 

Thierische Gebilde, in deren Mischung eine gewisse Menge salziger Stoffe 
eingeht , faulen weniger leicht ; Salze vermehren wohl die Wärmecapacität des 
Bluts wie diejenige des Wassers, und sezen so dessen Temperatur bis zu einem 
gewissen Grade herab. 

3. In grossen Mengen, zu mehreren Unzen verschluckt wirken selbst 
die mildern Stoffe scharf reizend. Sogleich entsteht heftige Reizung der 
Schlingwerkzeuge, Würgen, Erbrechen, oft mit Blut, Durchfall, selbst Magen-, 
Darmentzündung. Zugleich können, besonders wenn die Stoffe nicht sofort 
nach oben und unten abgehen, Depression, Lähmung des Nervensystems ein- 
treten, Collapsus, Schwindel, Zittern, Bangigkeit, Athemnoth, Convulsionen, 
Ohnmacht, zulezt Tod. 

Aezkali , Natron verseifen hiebei die Schleimhaut des Mundes , Rachens, 
Schlundes , selbst des Magens , sie löst sich in Fezen ab ; unter allen Aezstoffen 
machen sie noch am häufigsten Perforation des Magens. Bei kohlens. Alkalien 
sind die Wirkungen meist milder. Tritt ja Tod nicht ein, so bleiben doch 
schon in Folge jener Läsionen der Verdauungsorgane lange Zeit Störungen, Ver- 
dauungsbeschwerden u. s. f. zurück, und Tod kann erst nach Monaten eintreten. 



i Durch Injection einer Lösung von kohlens. Natron, Kali in's Blut mag das Blut seine 
Gerinnbarkeit, seinen Faserstoff mehr oder weniger verlieren (Magendie u. A.), dass aber Salze, 
Alkalien bei längerem Gebrauch ebenso wirken, ist damit nicht bewiesen, und die bisherige 
Erfahrung spricht mehr dagegen; doch sah z. B. Richardson auf Alkalien bei Ferkeln allmälig 
eine Art Typhus entstehen. Neutrale Salze selbst in grossen Mengen , z. B. zu !/30 dem Blut 
direct beigemischt hindern dessen Gerinnung nicht im Geringsten. 

2 Bei Fieberharn, meist reich an freier Harnsäure, müssen grössere Mengen der Salze re- 
sorbirt werden, um ihn alkalisch zu machen. C. Schmidt, Millon und Laveran u. A. haben 
jene Umwandlung pflanzens. Salze in kohlens. nicht constant gefunden; auch wird der Harn 
dadurch nicht immer alkalisch, z. B. wenn die Salze grossentheils im Stuhl abffiengen (?). 

3 Die Versuche von Böcker, Buchheim, Sehirks u. A. machen eine diuretische Wirkung der 
Alkalien und Salze höchst zweifelhaft; Andere wussten eine solche bereits so oder anders zu 
erklären , z. B. durch endosmotische Wasseraufnahme des salzreicheren Bluts aus den Gewebs- 
säften, Mehrung des Blutdrucks, der Stromgcschwindigkeit u. s. f. 



Fixe Alkalien, Erden und ihre Verbindungen. 151 

Auf kleine Mengen Aezkali gelöst in Wasser in Venen gesprizt folgt Zittern, 
nach einigen Minuten Tod ohne weitere Erscheinungen; das Blut ist dunkel, 
geronnen, oder sulzig, beide Herzhälften von coagulirtem Blut ausgedehnt (Orfila 
u. A.) *. Bei Vergiftung mit Salzen ist die Schleimhaut des Magens , Schlunds, 
Rachens, auch des Dünndarms stellenweis geröthet, injicirt, ecehymosirt, erweicht; 
bei Vergiftung zumal mit Aezkali entzündet, erweicht, selbst breiig, stellenweis 
ulcerirt, nicht selten perforirt. Bei viel späterem Tod innere Fläche des Schlunds, 
Magens, der Cardia, selbst des Dünndarms oft gewulstet, mit Narben, Verenge- 
rungen (Bretonneau u. A.). 

Verfahren bei Vergiftung : um die chemische Wirkung der Aezstoffe zu 
hemmen, sogleich Füllen des Magens mit neutralisirenden , kalten, schleimigen 
Getränken, Fördern des Erbrechens durch Kizeln im Schlund; Alkalien neutra- 
lisirt man durch Mischungen von Essig, Citronensaft (bei Kali auch Weinsäure) 
mit viel Wasser, gibt Tassenweis Oliven-, Süssmandelöl , welche durch Alkalien 
verseift werden; dann Wasser, Milch, Eiweiss u. dgl. , um die Reste mehr und 
mehr zu verdünnen, den Magen auszuwaschen. Bei Gastritis, späterer Gastralgie 
u. a. wie sonst Emulsionen, Opiate, Bäder. Bei Vergiftung mit grossen Dosen 
nicht äzender Salze fällt die Neutralisirung weg; sonst wie oben. 

Gebrauch. Innerlich 1. als Absorbentien bei sog. Magensäure, Sodbren- 
nen, Gastralgie, Gastromalacie, Vergiftung mit Säuren (zumal kohlens. Salze, 
alkal. Erden) 2 . 

2. Als mildere Laxanzen, z. B. auch bei Magen- und Darmcatarrh, Leber- 
und Gehirnleiden, Fieber, Typhus u. a. 

Als Laxantien dienen schwefeis., phosphors. , einzelne pflanzensaure Salze, 
z. B. Weinstein. Weil Salze öfters kühlend schmecken, während ihrer Lösung in 
Wasser oder mit kaltem Wasser auf die Haut gebracht deren Temperatur herab- 
sezen, gab man sie auch innerlich als kühlende Mittel bei Fieber, Hize ; im 
Innern des Körpers aber können sie keine Abkühlung bewirken. 

3. Als Diuretica (besonders Alkalien, pflanzen-, salpetersaure Salze) bei 
acuter, auch chron. Wassersucht, Albuminurie, selbst Hydrocele. 

4. Bei Entzündung, z. B. der Athmungsorgane , Croup, acut. Rheuma- 
tismus u. a., um die vermehrte Fibrinbildung im Blut, dessen Plasticität oder 
Neigung zu faserstoffigen Ablagerungen zu beseitigen, auch um leztere, um 
Infiltrationen, Hypertrophieen drüsiger und anderer Gebilde zu verflüssigen, 
zur Resorption zu bringen, bei Scrofulose, Tuberculose, Kropf, hypertrophi- 
scher, Fettleber, Fettsucht, bei Hypertrophie, Schwellung der verschiedensten 
Organe. Ferner bei Syphilis (Fricke, Kluge), Diabetes (Mialhe u. A.), Li- 
thiasis, Gicht. 

Hier besonders kohlens., pflanzens. Salze, um Bildung von Harnsäure, Ab- 
lagerung harnsaurer Concremente in Harnblase , Nieren , Gelenken , Bildung von 
Gallensteinen zu beschränken , Abgelagertes wieder zu lösen , resorptionsfähig 
zu machen. 

Kochsalz, Soda, Salpeter, chlors. Kali gaben Stevens u. A. als blutröthende 
Mittel bei Cholera , Typhus , Gelbfieber , Scharlach u. a. , doch ohne Erfolg ; 
dasselbe gilt von der Empfehlung alkalischer Stoffe bei Ruhr (Martinet, Löff- 
ler u. A.). 

Man hat auf verschiedene Weise den Nuzen der Salina bei Entzündung, 
Fieber zu erklären gewusst ; sollten z. B. Umsaz , Oxydation der Eiweissstoffe 
zu Fibrin , höhern Proteinoxyden hindern , oder umgekehrt Oxydation und Um- 



1 Nach Blake, der verschiedene Salze direct in Venen, Arterien brachte, sollten Natron und 
seine Salze durch Sistirung der Lungencirculation , Kali-, Kalk-, Baryt-, Bittererdesalze durch 
Aufhebung der Herzcontractionen tödten (?). 

2 Die Veränderungen und Wirkungen dieser Stoffe im Magen sind auch hier stets zu be- 
achten; sie dürfen z. B. aus Rücksicht auf die freie Säure des Magensafts und auf Magenver- 
dauung erst 2—4 St. nach der Mahlzeit genommen werden ; Manche sollen Soda schlechter er- 
tragen als Kali carb. , weil dort im Magen Chlornatrium entsteht u. s. f. Weil Aezalkalien 
Atropin, Hyoscyamin zerstören, empfiehlt Garrod z. B. Kalilösung bei Vergiftung mit Belladonna, 
Bilsenkraut u. dergl. ; doch könnten jene nur sehr coucentrirt etwas der Art leisten, und sind 
schon deshalb unpassend. 



152 Fixe Alkalien, Erden und ihre Verbindungen. 

saz der Eiweissstoffe zu Harnsäure, Harnstoff, Choleinsäure u. a. beschleunigen l . 
Vor Allem wäre jedoch erst die Wirklichkeit dieser ihnen beigelegten Wirkungen 
überhaupt zu beweisen gewesen, d. h. ob denn jene Salze eine Besserung, eine 
etwaige Abnahme des Fibrin u. s. f. wirklich bedingten, wie weit spontane Meta- 
morphose und Heilung, Diät und hundert Einflüsse sonst. Millon , Laveran sahen 
auf Seignettesalz bei Pneumonie, acut. Gelenkrheumatismus im Blut keine Ab- 
nahme des Fibrin, der Crustabildung erfolgen. Wie sollten auch einige Gran 
Salpeter u. dgl. verschluckt in den 20, 30 U Blut in obiger Weise wirken können ? 
Ehe man überhaupt Alkalien, Salze bei Kranken richtig anwenden kann, müss- 
ten wir doch erst wissen, ob ihre Menge vermehrt oder vermindert ist, und 
welchen Einfluss dies auf die andern Vorgänge im Körper haben mochte ? Bei 
Typhus, Cholera wie bei andern mit Ausleerungen, Durchfall verknüpften Krank- 
heiten scheint allerdings der Salzgehalt des Bluts oft zu sinken (Clanny, O'Shaugh- 
nessy, Stevens, C. Schmidt u. A.) ; so lange aber nicht bewiesen ist, dass darin 
das wesentliche, massgebende Moment besteht, wird der Gebrauch der Salze 
auch chemisch genommen unmotivirt und unzureichend erscheinen. Wesentlich 
aus demselben Grund ist ein Nuzen der Alkalien bei Fettsucht, Gicht, Rheu- 
matismus, Lithiasis mehr als zweifelhaft; denn die chemische Störung an sich, 
welche doch allein durch Alkalien beseitigt werden könnte, z. B. die Bildung 
von etwas Harnsäure, harns. Salzen spielt wohl eine zu untergeordnete Rolle im 
Ganzen der Krankheit, so gut als dort bei Entzündung, Fieber z. B. die Vermeh- 
rung des Faserstoffs im Blut. 

Allerdings ist der Gehalt des Bluts an Alkalien, Salzen bei den verschie- 
densten Krankheiten bald ein wenig vermehrt, bald vermindert, ebenso ihre Aus- 
scheidung im Harn, und nach Gebrauch jener Stoffe mag dessen Gehalt an Harn-, 
Phosphor-, Schwefelsäure u. a. öfters steigen oder sinken. All diese Fluctua- 
tionen sind aber im Ganzen winzige, meist noch kleiner als schon beim nor- 
malen physiologischen Hergang der Dinge (S. 18) ; nirgends hat man dafür feste 
Geseze oder einen constanten Nexus mit Stoffwechsel, Zufuhr gewisser Speisen, 
Getränke, Salze u. s. f. oder mit gewissen Krankheiten gefunden. Bei Diabetes 
mellit. sollten Alkalien nüzen, weil in Folge ihres Mangels im Blut die Oxydation 
des Traubenzuckers zu Kohlensäure, Wasser gehemmt ist (Mialhe). Doch hält 
das Blut bei Diabetikern so viel Alkalien als sonst ; ihre vermehrte Einfuhr 
mindert den Zucker im Harn nicht, vielmehr vermehrt ihn die Injection z. B. 
von kohlens. Natron in's Blut (Lehmann, Uhle, Bernard), und thatsächlich leisten 
hier Alkalien nicht einmal so viel als z. B. nahrhafte Kost oder Kleienbrod. 

Bei Ablagerungen, Hypertrophieen , Scrofulose, Tuberculose u. a. sollten 
Alkalien, Salze dadurch nüzen, dass jezt der Blutmasse u. s. f. verloren gegan- 
gene Salze Kalkphosphat u. s. f. zugeführt werden, das Lösungsvermögen des 
Bluts für Eiweissstoffe , Fette u. a. vergrössert 2 . 

Gebrauchsregeln. Zumal bei Kindern und Erschöpften, Dyscrasischen 
schaden Salze , Alkalien viel mehr als sie nüzen. Bei deren längerem Gebrauch 
kommt stets in Betracht, dass sie leicht Verdauung, Ernährung stören, Harn 
u. a. Excrete in ihrer ehem. Zusammensezung ändern ; deshalb stete Ueber- 
wachung jener Functionen und Secrete, auch des Körpergewichts. Noch am mil- 
desten und sichersten wirkt der Gebrauch alkal., salin. Mineralwasser, auch 
künstlicher. Bei der Dosirung kommt es darauf an, ob man laxiren oder auf 



i Durch Laxirsalze u. a. sollten in Stuhl, Harn, Schweiss, Galle u. s. f. eine Masse leicht 
oxydabler, C und H reicher Substanzen aus dem Körper geschafft und so die Oxydation oder 
Umsezung seiner Eiweissstoffe indirect befördert werden (Jones u. A.); dadurch sollten aber 
Entzündung, Fieber, Gicht, Lithiasis geheilt und nicht minder in Fällen genüzt werden , wo 
z. B. wegen Krankheiten der Lungen, Haut u. a. zu wenig O eingeführt wird. Doch gehen 
wohl die Dinge bei all Dem nicht so einfach chemisch her wie manche Chemiker und Aerzte 
denken. Zudem leisten z. B. einfache Diät, Wasser, unter Umständen Kälte oder Wärme u. s. f. 
hier überall nicht weniger; auch nicht pflanzensaure Salze, obschon der O, welchen diese bei 
ihrer Oxydation zu kohlens. Salzen consumiren. für die Oxydation und den Umsaz der Eiweiss- 
stoffe u. s. f. des Körpers jedenfalls verloren gienge (freilich wenig genug). 

2 Wie jezt Alkalien rühmte man früher Säuren bei Scrofulose, Lungentuberculose; wie man 
oft bei Cholera, acut. Rheumat., Gicht von Salzen, Alkalien die trefflichsten Dienste sah, geben 
Neuere mit demselben Erfolg Schwefel-, Citronensäure, Chinin. Bei Scrofulose wurden ursprüng- 
lich Alkalien gegen eine speeif. Säure dabei gerichtet; auch bei Cholera wollte Lewis eine den 
Durchfall u. s. f. bedingende Säure neutralisiren, Carriere aber durch Natron bicarb. bei Gehirn- 
con^estion , Neigung zu Apoplexie die in Folge verminderter Alkalinität oder vermehrter Säure 
erschwerte Circulation im Hirn u. s. f. heben. 



Kali. 153 

Blut, Harn u. s. f. wirken will. Dort gibt man grosse, hier kleine Dosen, ver- 
dünnte Lösungen , indem blos aus leztern mehr resorbirt wird ; deshalb sind 
auch Durchfälle zu beseitigen. Bei der Wahl der Salze beachte man ihre Um- 
wandlungen im Darmcanal, im Innern des Körpers. 

Aeusserlich benüzt 1. um auf die Haut reinigend, erweichend, lösend 
oder reizend, selbst äzend zu wirken, bei chron. Hautaffe ctionen mit Ver- 
dickung, Hypertrophie der Epidermis, des subcutanen Bindegewebes, bei 
Ablagerungen, Infiltrationen, Drüsenschwellungen u. a., bei chron. Entzündung 
der Schleimhäute, Diphtheritis, Angina tonsillaris u. dgl. 1 , bei alten Geschwüren. 

2. Um durch ihren Eintritt von der Haut aus die Wirkung der inner- 
lich gegebenen Stoffe zu unterstüzen oder zu ersezen. 

Man applicirt sie so in Bädern, Umschlägen, Frictionen, Waschungen; doch 
gehen sie gar nicht, jedenfalls nicht in halbwegs wirksamen Mengen in's Blut 
über (S. 148). Consequente Injection alkalischer Stoffe in die Harnblase ver- 
suchte man bei Harnstein, Gries, welche vorwiegend aus Harnsäure, harns. Am- 
moniak, Cystin bestehen. Alkalisches, Vichywasser, Borax, selbst reines Wasser 
lösen solche mehr oder weniger (Chevallier, Petit, Leroy d'Etiolles u. A.) , doch 
nur bei directer Application, und auch hier mehr durch Lösung ihrer thierischen 
Materie als der Substanz selbst (Pelouze). Stärkere Lösungen aber pflegen durch 
Reizung der Blase u. s. f. mehr zu schaden als zu nüzen. Mehr sollte kohlens. 
Lithion leisten (Ure); gr. j crystall. Soda auf ^j Wasser löste z. B. bei höherer 
Temperatur blos gr. 1 Harnsäure, Borax 1,2, kohlens. Kali 1,4, dagegen kohlens. 
Lithion gr. 2. 

1. Kali, Potassa, Älcali vegetahile. 

Potassium, Kaliummetall: knetbar, beim Erhizen brennbar; da und 
dort statt Glüheisen angewandt (Gräfe), bei vergifteten Biss wunden u. a. ; Stück- 
chen davon, auf feuchte Haut gebracht oder mit Wasser benezt verbrennen, ver- 
schorfen so die Haut. 

1. Kali causiicum, Kali, Aezhali: nur als Hydrat benüzt, möglichst con- 
centrirt als Aezstein. 

Löst, verflüssigt in kleinern Dosen verschluckt Schleim, fette Stoffe u. a., 
verbindet sich mit den Säuren der Magen - und Darmflüssigkeiten ; die so ent- 
standenen Salze, milch-, phosphor-, pflanzensaures K. mögen gleichfalls die Ab- 
sonderung der Schleimhaut vermehren. Mit grosser Intensität verbindet sich K. 
mit Eiweissstoffen zu löslichen Albuminaten , verseift Fette u. a. (s. Aezstein) a ; 
daher auch das schmierige Gefühl beim Reiben von K.Lösung, selbst verdünnter 
zwischen den Fingern. 

Innerlich selten benüzt, wie kohlensaure Alkalien auch, in sehr verdünn- 
ten Lösungen. 

So bei Magensäure, Gastralgie, Entzündung, Peritonitis, Exsudaten, bei 
Syphilis, Scrofulose, Tuberculose, Gicht, Lithiasis, Strangurie, Fettsucht, Bleiläh- 
mung u. a. ; leistet hier überall nicht mehr als kohlens. Alkalien, und wirkt auf 
Magen, Verdauung u. s. f. leicht noch ungleich schädlicher. 

Aeusserlich ungleich häufiger im Gebrauch als Aezmittel (s. Aezstein), 
mehr oder weniger verdünnt als reizendes, zertheilendes, ableitendes Mittel, 
zu Umschlägen, Waschungen, Bädern, Injectionen. So bei chron. Hautaffec- 
tionen, besonders juckenden, squamösen, Kräze, Eczem, Kopfgrind, Entzündung, 
Schwellung der Haut, Schleimhäute, z. B. des Rachens, der Mandeln, Lymph- 
drüsen, Testikel, bei Corneaflecken, Geschwüren; bei Miliaria, Scharlach, um die 
Haut abzustumpfen; zum Reinigen der Haut von festsizendem Schmuz, Bleistaub 
u. dergl., zum Lösen vertrockneten Ohrenschmalzes; bei chron. Affectionen 

. , l *P er wie Dei Catarrh, Entzündung des mittlem Ohrs, der Tuba Eustachii u. a. nimmt man 
jezt stärkere Lösungen von Salpeter, Salmiak, Alaun, auch Kleesäufe u. a. zu Gurgelwassern; 
desgleichen alkalische bei Erweichung, Caries der Zähne durch saure Mundflüssigkeiten (Tomes) ? 
Zum Aezen dienen zumal caust. Alkalien, alkal. Erden. 

2 Englische Steuerbeamte z. B., die in Behälter der Seifensiedereien fielen, sollen schon 
nahezu bis auf die Stiefel aufgelöst worden sein ! ? 



154 Kali. 

der Gelenke, Knochen, Muskeln, wie Rheumat., Gicht, Pseudoparalysen, Con- 
tracturen; als Reizmittel für seröse Säcke (z. B. bei Hydrocele) eiternde 
Flächen, Fistelgänge, Tripper (als Abortiv), zu Bädern bei Tetanus (Stütz' - 
sche Methode), bei Convulsionen, Veitstanz, Lähmungen, Callapsus, Asphyxie, 
Asiat. Cholera. 

Kali caustic. s. liydric. siccum, Trockenes Aezkali, Kalihydrat, Hyäras kali- 
eus: erhalten durch Zersezen kohlens. Kali's mit Kalk und Abdampfen der Kali- 
lauge (Liquor K. caustici s. Potassae) zur Trockene ; weiss , zerfliesslich , in Was- 
ser, Weingeist leicht löslich, nimmt rasch Kohlensäure der Luft auf; hält immer 
Eisen, Kiesel-, Thonerde, kohlens. Kali u. a. 

Selten mehr innerlich bentizt , D. gr. l /% — j , mehrmals täglich , gelöst in 
dest. Wasser, Zimmt-, Pomeranzen-, Münzwasser, Fleischbrühe, Bier u. a. ; z. B. 
3j — 3j Hydras kalic. in ^j Aq. dest., Aq. Aurantior., gtt. 10 — 20 in schleimigem 
Decoct ; gelöst in Wasser' in England als Liquor s. Aqua Potassae offic Meide : 
Säuren, kohlens. und Metallsalze, Chlorammon., Quecksilberchlorid u. a. 

Aeusserlich schon seines Preises wegen selten benüzt ; gr. j — vj K. auf 
*j Wasser, z. B. zu Injectionen bei Tripper u. a. ; zu Localbädern 3J — J v auI * 
gj Wasser, auf ein Vollbad z. B. bei Cholera ^j — jjj *, zu Waschungen z. B. bei 
Friesel, chron. Hautkrankheiten etwa ^jj — jv auf Sj (1 Th. auf 12 Aq. dest. bei 
Kräze : Fischer), bei Hornhautflecken gr. j — jj auf ^ß Wasser : Gimbernat ; nach- 
her das Auge mit schleimigen Flüssigkeiten auszuwaschen. 

Tinct. kalina, Kalitinctur, Aezkali gelöst in Weingeist ; obsolet, 
sonst offic, innerlich wie Kali benüzt, gtt. x — xx p. d. , in schleimigen Geträn- 
ken, Milch, mit Tct. Opii crocata, Tct. Guajaci ammon. , Münzwasser u. dgl. 

Liquor K. hydrici s. caustici, Aezende Kalilauge, Lixivium caustic: erhal- 
ten durch Kochen von kohlens. Kali mit Aezkalk , eine concentrirte Lösung des 
Aezkali, etwa 26 °/o, in Wasser, immer unrein (s. oben). 

Bios äusserlich im Gebrauch, hier aber am häufigsten, theils concentrirt 
als milderes Aezmittel, z. B. bei giftigen Bisswunden, theils mit 10 — 30 Th. 
Aq. dest. zu Waschungen, Einsprizungen, Gurgelwassern; Fuss-, Vollbädern 
Pfundweise zugesezt. 

Gibt mit Seife , Leinöl äa eine scharfe Salbe (s. Schmierseife) , bei chron. 
Hautleiden, Kräze, Pruritus u. a. eingerieben, z. B. in der Privatpraxis statt Theer- 
salbe (Hebra) ; Handschuch'sche Kräzsalbe, Sapo unguinosus : 1 KiLauge 2 Axung. ; 
ebenso lässt sich gewöhnliche Seifensiederlauge verwenden , auch zu warmen 
Bädern , bei Kräze concentrirt. Wilhelm's Methode bei Kräze : alle 2 St. die Haut 
mit Kalilauge tüchtig eingerieben , im warmen Zimmer , bis Hautentzündung, 
Schmerz entsteht , das Jucken nachlässt 2 . 

Kali caustic. s. liydric. fusum, Aezstein, Lapis caustic. Chirurg orum, Po- 
tassa fusa : bereitet durch Verdampfen der Kalilauge , Schmelzen , Ausgiessen in 
Höllensteinformen ; weiss, zerfliesslich mit Aufnahme von Kohlensäure ; hält meist 
kohlens. u. a. Kalisalze. 

Wirkt rasch und tief äzend, indem es die Weichtheile verseift, löst, •un- 
gleich tiefer, sicherer als Höllenstein, Säuren u. a. 3 . Dient so vorzugsweise zum 



1 Sog. Laugenbädern mischt man gewöhnlich § jß— jj Aezkali in 3—4 g" heissen Wassers ge- 
löst bei; wirken ungleich schärfer reizend als die aus Asche bereiteten. 

2 Nach Helmentag Einreiben des ganzen Körpers mit Seife, warmes Bad von 27° R. , 1 St. 
drin, dann vom behandschuhten Wärter mit in die Lauge (§/J Aezkali auf §6 Aq. dest.) getauch- 
tem Werg über den ganzen Rumpf gerieben 1/2— 1 St. ; wieder in ein laues Bad , zulezt kalte 
Regendouehe , Brause. Jezt öfters in Gebrauch ; Cur oft in 3 St. vollendet , aber schmerzhaft, 
angreifend. Bei Bisa wiithender Hunde wäscht man die oft erst ausgeschnittene Wunde mit 
Kilauge, applicirt sie auch auf Charpie , unterhält damit die Eiterung mehrere Wochen. Bei 
Tripper rahmt Milton als_Abortiv zum Baden des Penis, auch zu Injectionen $v kochend Wasser 
mit Kilauge, essigs. Ki Ta 3 jjj Chlorkali 5jj als Liquor Potassae composit. ; doch scheinen eng- 
lische Penise nöthig, um es auszuhalten, oft entsteht Ohnmacht. In derselben Absicht sprizte 
schon Girtanner %ß— j Aezkali in §v Aq. ein. 

3 Verschorft mit Epidermis bedeckte Hautstellen erst nach mehreren Stunden, nach Entfer- 
nung der Epidermis durch Vesicatore schon in etwa 20 Minuten (Salinon, Maunoury, Geoghegan), 
d. h. so rasch als Wiener Aezpaste; der Schorf ist doppelt so gross als das Aezmittel, überhaupt 
gewöhnlich grösser als mau wünscht, erst weich, später trocken; weil das Blut in Arterien u. s. f. 
gerinnt, kommt es selten zu Blutungen; zurückbleibende Narben meist unbedeutend. 



Kali. 155 

Zerstören von Excrescenzen , Geschwülsten , Hämorrhoidalknoten, Telangiecta- 
sieen, Mnttermälern, Warzen, Narben, Stricturen, Lupus, zum Oefinen von Abs- 
cessen, Furunkeln, Carbunkeln, Bubonen u. a. an gefährlichen Stellen, beimes- 
serscheuen Kranken; bei Trichiasis, Ranula, Geschwüren, Thränenfisteln, 
grossen Hernien mit weitem Bruchsack, zur Obliteration varicöser Venen, 
der V. Saphena u. a., bei Blutungen, Spermatorrhoe (zum Aezen des Caput 
gallinaginis), giftigen Bisswunden, um tiefe, lang fliessende Fontanellen zu sezen, 
ableitend zu wirken, z.B. bei Periostitis, chron. Gelenk-, Augenentzündung, 
Caries, Coxalgie u. a. 

Um beim Anlegen von Fontanellen u. s. f. die Umgebung eher zu schüzen, 
legt man z. B. ein in der Mitte ausgeschnittenes (gefenstertes) Pflaster auf, bringt 
den Lapis zerdrückt und mit wenig Wasser s. Weingeist befeuchtet in den Aus- 
schnitt des Pflasters ; die Abstossung des Schorfs wartet man ruhig ab , bedeckt 
etwa die von Resten des K. erst gereinigte Stelle mit Fomenten u. dgl. ; nach 
Abstossung des Schorfs, welche man da und dort durch kreuzweises Spalten för- 
dert, legt man Erbsen u. dgl. ein, verbindet das Geschwür mit scharfen Salben, 
z. B. Ungut, basilic. ; um Serum u. s. f. aufzutrocknen , streut man öfters indif- 
ferente Pulver auf. Bei Pustula maligna öffnet man erst die Blasen; Geschwüre, 
Fungositäten, Nävi u. dgl. einfach mit Aezstein überstrichen oder stärker betupft. 
Bei Stricturen der Harnröhre wirkt K. tiefer als Höllenstein, Schorf, Narbe sind 
weicher 1 . Um mit K. milder , einfach reizend zu wirken , verdünnt man es wie 
das vorige mit Wasser; bei Mastdarmfissuren nimmt Bourgeois eine Salbe aus 
V13-V4 K. auf 1 Fett. 

Oft dient Aezkali vermischt mit Aezkalk , etwa ää , zum Aezen, als Pasta 
s. Pulvis caustic. Viennensis, Wiener Aezpaste, Potassa cum calce; 
der Kalk erschwert das Zerfliessen des Kali, begrenzt die Aezung eher auf die 
gewünschte Stelle ; oft nimmt man so 2 — 3 Th. Aezkalk auf 1 K. ; Gillet mischt 
das Pulver mit */4 feingeschnittener Baumwolle, die so entstandene Paste lässt 
sich auf manchen Stellen bequemer appliciren als Pulver. Das Aezpulver appli- 
cirt man wie Aezstein, z. B. mittelst gefensterter Heftpflaster; oder streicht es, 
mit etwas Weingeist, Kölnischem Wasser u. dgl. in Teig verwandelt , mit Spatel 
u. a. auf, entfernt es wieder je nach dem Grad der beabsichtigten Aezung nach 
10 — 30 Minuten; Umgebung geschüzt durch Heftpflasterstreifen, Charpie. Wird 
u. a. bei Excrescenzen, Telangiectasieen , Varices, Hämorrhoidalknoten, Narben, 
auch bei Chanker, Geschwüren, Wulstung des Collum uteri dem Höllenstein, 
selbst dem Aezkali oft vorgezogen (Gendrin, Bennet, Guersant u. A.) ; hier appli- 
cirt man es auf Pflaster gestrichen mittelst eines Stäbchens , während man die 
Scheide durch Baumwolle, Charpie u. dgl. schüzt; nach 20 Minuten enfernt man 
Tampons samt Aezmittel , reinigt die Scheide durch Einsprizungen ; der Schorf 
stösst sich nach 6—10 Tagen ab 2 . Bei Blutungen, wo keine Ligatur möglich, 

1 Lawrence z. B. äzt hier mit Bougies, deren Spize in Aezkali getaucht worden ; bei Lupus 
bohren Langenbeck u. A. den am Griff mit Papier umwickelten Aezstift ein , unteiminiren die 
ganze Parthie mit bohrender Bewegung; um Entzündun»', Obliteration varicöser Venen zu be- 
wirken, äzt Skey die Haut oberflächlich an 5-6 Stellen mit L. , auch mit 1 Th. L. auf 3 Aez- 
kalk. Um wiederholtes Aezen zu meiden, umkreisen Salmon, Maisonneuve die Theile mit dem 
Aezstift (Cauteris. par dilution) , meist eine barbar : schc Procedur ohne wesentliche Vortheile. 
Selbst behufs der Tracheotomie , des Steinschnitts über der Symphyse u. dergl. nimmt man jezt 
in Frankreich öfters Aezmittel statt Messer, nicht als schmerzloseres oder sichereres sondern 
als minder auffälliges und leichter zu maskirendes Mittel bei schlechtem Erfolg. Debreyne, 
Rouault heilen jezt gar Lungentuberculose und Cavernen durch Aezen der Brust vorn und unter 
der Clavicula! 

2 Bennet warnt aber selbst vor seinem Misbrauch; öfters hat es tiefere Läsionen der Scheide, 
des Mutterhalses, sogar Verschliessung seines Canals zur Folge. Papillaud benüzt es zum Ent- 
fernen fremder Körper , Splitter u. s. f. z. B. aus der Fusssohle bei ängstlichen Personen ; bei 
Nävus, Pigmentmälern trägt Chassaignac die Paste in möglichst dünnen Schichten auf, lässt sie 
jedesmal nur 5 Minuten liegen, bis ein dünner Schorf entsteht, wäscht dann mit Essig u. Wasser 
ab, trocknet die Stelle und legt Schwamm auf, welcher schliesslich mit dem Sehorf von selbst 
abfällt; bei Varicocele durchschneiden Chassaignac, Ancelon u. A. erst die Haut; zum Aezen 
von Ohrpolypen sezt Toynbee etwas Eisen zu, um das Zerfliessen zu hindern. Weil die Wiener 
Aezpaste bald an Wirksamkeit verliert, schon durch Bildung von kohlens. Kali und Kalk , und 
mit Alcohol oft eine krümmelige, schwer aufzustreichende Masse bildet, nimmt Dujardin lieber 
Aezkali u. im Feuer getrocknete Thonerde, auch Magnesie ^ä, oder Sand, Bimsstein. Piednagel 
will durch Zusaz von 1 Th. salzs. Morphin auf 3 Aezpulver und Anrühren mit Chloroform , Al- 
cohol oder Wasser zu einer Teigmasse das Aezen schmerzlos machen ; macht auch daraus durch 
Mischen mit Gummipaste kleine, 4—5 Millim. dicke Scheiben. 



156 Kali. 

streut man das Pulver auf; Aezkali und Kalk verordnet man auch oft für sich, 
z. B. K. caust. sicci pulv. 3j D. ad chartam ; Calc. viv. pulv. 3j D. a d chartam.; 
Spir. vin. rectif. %ß; vor der Anwendung zur Paste zu machen (Hebra). 

Solidificirte Aezpaste Filhos' (und Gilot's): schmelzen 2 Th. Ki, 1 Kalk, 
giessen die Masse in cylindrische Formen, überziehen die Cylinder mit Stanniol, 
auch Gummi , Siegellack ; Anwendung bequemer als bei Aezkali ; incrustirt sich 
aber bald mit kohlens. Kali , wirkt überhaupt schwächer als Aezkali , passt nur 
bei Excrescenzen, Hämorrhoidalknoten \ Varices u. a. Hier genügt aber der ein- 
fache Aezstein, z. B. ganz in Wachs gehüllt; vom Wachs nimmt man immer nur 
so viel weg, als man zum Aezen braucht (Ziemssen). 

Cauterium potentiale mitius Ph. Wirtemb. 3 Th. Aezstein gelöst in 5 Aq. 
dest. mit 1 Opium, etwa 2 1 /» Aezkalk; teigartig. 

2. Kali carbonicum, Einfach-kohlensaures Kali, K. subcarbonic, Sal Tartari, 
Carbonas Jcalicus: aus Potasche, Cineres clavellati s. K. carb. crudum durch Di- 
geriren mit ää Wasser und Verdampfen dargestellt, heisst dann in Pharmacop. 
auch K. carb. depurat., sonst K. carb. e cineribus clavellatis, gereinigte Potasche; 
hält noch salz- , schwefel- , auch kieseis. Kali, Natron beigemischt ; reiner durch 
Glühen von Weinstein erhalten, nach Ph. Bor. u. a. mit Zusaz von Salpeter, als 
K. carb. purum, sonst auch Sal Tartari, hält aber je nach der Menge verbrannten 
Salpeters salpetrigs. oder cyans. Kali beigemischt. Weiss, zerfliessend, leicht lös- 
lich in Wasser, unlöslich in Weingeist. 

Wirkt ungleich milder als Aezkali (s. Einleitung) ; vorzugsweise innerlich 
benüzt 1. bei Verdauungsbeschwerden, Pyrosis, Cardialgie. 

Hier oft mit China, Enzian, Pomeranzenschalen , Rhabarber, Opium u. a., 
auch in kohlens. Wasser, Säuerlingen. Könnte bei Vergiftung mit Säuren zu 
deren Neutralisirung dienen, aber fast nie benüzt; seinen Gebrauch zu Brause- 
mischungen mit Citronensaft s. unten. Der Nuzen aller Absorbentien , auch des 
K. carb. bei sog. Magensäure hängt wohl davon ab, ob sich die krankhaften Zu- 
stände, bei welchen sie symptomatisch vorkommt, dadurch beseitigen lassen oder 
nicht; lezteres wird der gewöhnliche Fall sein, und weil somit auch kohlens. Ki 
höchstens palliativ nüzt, ist mehr Gewicht auf andere, besonders diätet. Mass- 
regeln zu legen.' Auch als Palliativmittel verdienen mildere alkal. Erden den 
Vorzug ; leicht stört K. zumal bei längerem Gebrauch die Verdauung noch tiefer. 
Insofern freie Säure im Magensaft nothwendig zur Verdauung ist, schadet über- 
mässiger oder sonstwie unpassender Gebrauch all solcher Absorbentien. Nach 
Osborne wirken diese besonders dann nichts, wenn sich Säure auch ohne Gegen- 
wart von Speisen im leeren Magen bildet, wie gewöhnlich bei Pyrosis. Dass sie 
auch auf andere Weise, z. B. durch Herabsezen der Empfindlichkeit und Reizung 
der Schleimhaut wirken (Howship u. A.), ist kaum zu glauben. 

2. Bei Croup, Bronchitis, Peritonitis, Pleuritis 2 , Pericarditis, Pneumonie 
(Mascagni), acut. Rheumatismus, Gicht, Lithiasis, Scrofulose, Tuberculose, 
Wassersucht, Honigharnruhr, Scorbut, Fettsucht, Fettleber, Gallenstein, Chole- 
lithiasis, chron. Hautleiden, Syphilis, besonders Scrofulöser. 

Bei Entzündung, Exsudaten, Verhärtungen, tuberculösen Infiltrationen u. a. 
hat man K. , Alkalien auf gut Glück und im Glauben versucht, sie würden den 
Faserstoff im Blut vermindern, die exsudirten und weiterhin metamorphosirten 
Eiweissstoffe lösen. Doch sprechen schon die ehem. Veränderungen der Alkalien 
selbst im Innern des Körpers und die geringe Menge der in's Blut tretenden 
Salze gegen solche Hypothesen (S. 152). Bei Phthise, Catarrh u. a. nüzen viel- 
leicht Alkalien einiges durch Verflüssigen der Bronchialsecrete ; schon Lännec 
rühmt kohlens. Ki und Ammon. bei Bronchiencatarrh , Lungenemphysem u. a. 
Bei acut. Gelenk-Rheumatismus sollten sie nüzen, weil Säure in Hautausdünstung, 
Harn u. s. f. vorherrsche (Furnival, Garrod, O'Connor); jezt finden umgekehrt 
Andere Citronensaft als das Beste ! Dass man durch Alkalien bei Fettsucht 
(Polypiose), Gallenstein Fette im Innern des Körpers verseifen könne, glaubt 



* Hier sucht Jobert die Umgebung durch seine Hämorrhoidalkapseln, 2 coneave Platten aus 
Silber zu schüzen ; innere Knoten fasst Amussat mit einer besondern Pincette , und äzt blos 
ihre Basis. 

2 Bei Peritonitis rühmten es u. A. Peyrilhe , Lange ; bei Croup Marchai de Calvi , Egert, 
Luzsinsky u. A. 



Kali. 157 

Niemand mehr; tritt je Abnahme des Fetts ein, so mag neben sparsamer Diät 
Störung der Fettbildung aus den Speisen, der Verdauungs- und Anbildungspro- 
cesse überhaupt gewirkt haben ? 1 Jedenfalls dürfte man es nicht bis zu Schwäche, 
wirklicher Abmagerung, zu erhöhtem Umsaz der Eiweissstoffe u. a. in den Or- 
ganen selbst treiben (Prout). Bei Psoriasis , Lepra , Prurigo , Liehen u. a. gibt 
Devergie innerlich Natroncarbonat, grm 1 — 3 täglich, kohlens. Kali, Natron in 
Bädern, Waschungen, Pomaden; Resultate äusserst unsicher und gering. 

Dass bei Lithiasis schon gebildete Concremente durch Alkalien auch bei 
sehr langem Gebrauch aufgelöst werden könnten (Petit, Chevallier , Robiquet, 
Willis u. A.), ist durch keinen einzigen Fall constatirt 2 . Höchstens wird saurer 
Harn dadurch neutral, öfters selbst alkalisch, doch nicht mehr als z. B. nach 
Gebrauch von Säuren, Wasser auch ; ja Alkalien mögen oft nur deshalb zu nüzen 
scheinen , w r eil dabei stets viel Wasser mit eingeführt wird ; überdies ist Harn- 
säure nicht in freiem Zustand im Blut u. s. f. enthalten. Immerhin miisste mit 
einer consequenten Application der Alkalien eine ehem. Untersuchung des Harns 
Hand in Hand gehen, soll der Schaden nicht grösser werden als der mögliche 
Nuzen; denn vorherrschende Alkalien im Harn könnten unter Umständen eine 
Ausscheidung von phosphors. , oxals. Kalk fördern. Werden mit dem Harn De- 
posita dieser Art entleert (sog. Sand, Gries), so wurden sie früher gerne für auf- 
gelöste Concremente gehalten; auch werden deshalb harnsaure Steine auf Alka- 
lien, Vichywasser u. a. durch Ablagerung neuer Schichten grösser statt kleiner. 
Bei Concrementen aus Phosphaten , Oxalaten sind jedenfalls alkal. Mittel ver- 
boten; überhaupt könnten nur alkal. Mineralwasser, auch Natroncarbonat u. dgl. 
mit Sicherheit länger gegeben werden, noch besser einfaches Wasser, Säuerlinge. 
Oft kommt es bei Steinkranken zu Reizung, Krampf der Harnblase u. a. , zu 
Blutharnen ; solche schwinden öfters beim Gebrauch alkal. Mittel , oder re- und 
intermittiren von selbst. Mancher Kranke scheint so von seinem Blasenstein ge- 
heilt, während doch blos dessen Symptome schwenden, und z. B. nach dem Tod 
Steine sich vorfinden 3 . Bei Blasencatarrh u. dgl. wird der Harn oft alkalisch ; 
schwindet jener z. B. beim Gebrauch der Alkalien, so kann wieder ein normaler, 
sauer reagirender Harn abfiiessen (Owen Rees). 

Bei Gicht jezt wie Alkalien überhaupt besonders von Jones empfohlen, den- 
selben chemischen Hypothesen zu Liebe wie bei Lithiasis : doch legt J. selbst 
mehr Gewicht auf Diät, Bewegung u. s. f., und was sich hier je durch Lösen 
erreichen lässt, geschieht wohl am besten durch das erste aller Lösungsmittel, 
durch Wasser. 4 Sonst meinten freilich neu-chemiatrische Aerzte, all die ver- 
schiedenen Harnsedimente aus Harnsäure, Tripelphosphat, oxals. Kalk u. s. f. 
zeigten immer wieder besondere dyscrasische Zustände, «Blutcrasen» u. dgl. an; 
jezt wissen wir, dass sie so gut als alle sog. Krankheitsprodukte dieser Art, z. B. 
Tuberkeln bei allen möglichen Krankheiten und «Dyscrasieen» vorkommen kön- 
nen , dass sie auch keine besondern Specifica gegen jede einzelne Art , sondern 
immer wesentlich dieselbe hygieinisch-diätet. Behandlung fordern. 

Was von kohlens. Kali als Diureticum bei Wassersucht, Oedem zu halten, 



1 Chambert, Aran geben u. a. bei Fettsucht Liquor Ki caustici 5j— jjj p. Tag- mit Wasser 
und Entziehungscur, wie beim Trainiren der Boxer; bei acut. Rheumat. Garrod gar 3jj— 5j K. 
bicarbonic. alle 2 Stund, in § ]ß Aq. , und rühmt dieses wie andere Kalisalze auch bei Scorbut, 
weil Scorbut durch deren mangelhafte Zufuhr in Speisen , durch Kalimangel im Blut entstehen 
sollte! 

2 Golding Bird gab hier p. Tag 3jj— jv K. bicarbonic. mit § 30—40 Wasser, oder das „Con- 
stitution Water," von ähnlicher Zusanimensezung, mit Schwefel-, salzsauren Salzen. Civiale u. A. 
erklären sich durchaus gegen den Nuzen der Alkalien selbst bei harnsauren Concrementen ; 
nach Andern sollen sie jezt freilich bei alkalischem Harn sogar viel mehr nüzen als bei saurem! 
Doch empfiehlt Cooke kohlens. Alkalien auch bei Tripper, um so die Reizung der entzündeten 
Harnröhre durch sauren Harn zu hindern. 

3 Dies war z. B. bei Horace Walpole der Fall, ebenso bei all den Kranken, auf deren 
angebliche Heilung durch das Stephens'sche Mittel hin (s. Kalk) seiner Erfinderinn vom Eng- 
lischen Parlament 5000 Pfd. als Belohnung zuerkannt worden. Auch verdient Beachtung , dass 
sich Blasensteine öfters von selbst erweichen, lösen. 

4 Kieselsaures Kali, K. silicicum, Ki eselfeuchtigkeit, erhalten durch Zusammen- 
schmelzen von Quarzpulver mit 3 Th. kohlens. Kali, sollte nach Ure harnsaures Natron, deshalb 
auch Gichtknoten lösen, nach van der Corput harnsaure Blasensteine zu gr. 10—20 in § 5—6 Wasser. 
Wasserglas applicirt Küchenmeister bei Rothlauf, Bienenstich u. a. wie Collodium ; Schrauth 
pinselt es statt Kleisterverband mit Kreide, Bolus auf die Binden. 

Glas, wesentlich gleichfalls kieseis. Ki, reibt das Volk im Norden fein gepulvert als Salbe 
ein bei Kräze u. a. ehron. Hautleiden; macht allmälig Entzündung, Pusteln. 



158 Kali. 

wurde schon S. 150 erwähnt; bei Diabetes nehmen vielleicht im besten Fall Durstj 
Harn, Zucker im Harn auf einige Zeit ab, dann steht es wieder beim Alten. 

3. Bei Tetanus , Wasserscheu, Wechselüeber, Ecclampsieen, Keuchhusten *, 
Delirium tremens. 

Bei seinem Heilverfahren gegen Tetanus ging Stütz davon aus, dass die ihn 
bedingende erhöhte Muskelirritabilität durch Alkalien gehoben werde (Humboldt); 
doch ist lezteres ebenso falsch als Alkalien erfolglos sind. 

D. gr. jj — vj, mehrmals täglich, — 3j P- Tag; gelöst in Wasser, z. B. 
3jj in föj, auch in Selterwasser, Bier, schwarzem Kaifee, mit bittern Extrac- 
ten, Zimmtwasser u. dergl. 

Meide: Säuren, Metallsalze, Kalkwasser, Alaun u. a. Um die Verdauung 
nicht durch Sättigen des sauren Magensafts zu stören, darf man es nie zu bald 
nach dem Essen, nie zu lange geben. 

Liquor K. carbonici s. Potassae Carbonatis: 1 Th. K. carb. in 2 Aq. dest. ; 
statt des alten Weinsteinöl, Oleum tartari per deliquium, dessen Gehalt 
sehr schwankend war; macht leicht Uebelsein u. s. f. D. gtt. x— xx, mehrmals 
täglich, z. B. in aromat. Thee, Selterwasser, Milch u. a. Q Als Hausmittel dient 
auch bei Wassersucht u. a. K. carb. crud. , Potasche , z. B. S'j mit 1 Loth Oran- 
genschalen , 3 U Wein einige Tage kalt macerirt, die Colatur Kelchweise. Bei 
Saturationen rechnet man etwa gr. x K. carb. auf ebensoviel Wein-, Citronen- 
säure, auf 1 Kaffeelöffel Citronensaft. K. carbon. 3jj Sacch. alb. 3jj Aq. dest. |jv 
Aq. Cinnam. simpl. |jj ; V 2 stündlich 3 Esslöffel mit 1 Löffel Citronensaft z. n. 
Potio s. Mixtura River i. 

Aeusserlich selten benüzt, etwa wie Aezkali bei dessen leichtern Wir- 
kungsgraden : um die Epidermis zu reinigen, zu erweichen, abzulösen, reizend 
zu wirken, bei Kräze, chron. Eczem, Acne, Pityriasis, Chloasma, Pruritus, 
Favus, Callositäten, Fussschwielen, Hornhautflecken, zögernder, mangelhafter 
Eruption acuter Exantheme; zu Einsprizungen bei Blasenstein u. a.; seiner 
allgemeinen Wirkungen halber überall wo es auch innerlich gegeben wird, 
bei Scrofulose, Lithiasis, Tetanus u. a. 

Man applicirt es hier meist in Lösung, auf ein Bad &j — jjj Kali carb. 
crud. (Potasche) oder depurat., zu Localbädern 3j — jjj auf die Maass; zu 
Waschungen J/? — j auf &j, bei Kräze u. a. concentrirter, z. B. Jj — jj auf 
§vj, auch mit Zusaz von Weingeist 3 . Bei Flecken, Trübungen der Horn- 
haut gr. jjj — vj in Aq. dest. Jj, eingeträufelt, oft mit Tct. Opii. Zu Salben 
gr. x auf Zß — jj Fett, fette Oele. 

Bei Kopfgrind, Pityriasis u. a. dient z. B. eine Salbe aus 3j — 3J au f 3J Fett; 
auch ^j gelöst in U x k— jj Wasser zu Waschuugen, nach vorheriger Beseitigung 
von Krusten durch Cataplasmen u. dergl. (s. Schmierseife). Mahon's Verfahren 
bei Kopfgrind wesentlich dasselbe, zeichnet sich durch Milde, häufige Erfolge aus ; 
doch pflegt die Cur Monate lang zu dauern, bei achtem Grind oft 1 Jahr und 
drüber. Bei Tetanischen gab Stütz warme Bäder mit mehreren Unzen Potasche 
oder ^j Aezkali, zugleich Seifenklystiere, innerlich K. carb. 3jjj i n Aq. chamom., 
Aq. cinnam. äa ^jjj, stündl. 1 Eslöffel, abwechselnd mit Tct. Opii gtt. x — xv p. d. 
Bei chron. Hautaffectionen nimmt Devergie zu Bädern sogar \ 10 — 18 K. carb. 
oder Soda , bei Reizbaren , Schwachen mit ebensoviel Gallerte , bei Andern mit 



i Bei Keuchhusten gibt man es z. B. in England mit äa Cochenille. 

2 Als „flüssiges Gewürz" mischt man in England den Liquor bei Magensäure u. dergl. mit 
au Kochsalz, i/ 8 kohlens. Natron, 3 Wasser allen Getränken bei; Potio ftiveri s. antieme- 
tica Ph. Austr. Ki carb. 5j Succ. citri §,j/J Aq. frigid. %jß Syr. simpl. %ß Cola per linteum. 

3 Laugenbäder , durch Uebergiessen und LMgeriren von Holzasche mit siedend Wasser dar- 
gestellt, benüzt man jezt oft bei Panaritien , chron. Periostitis, Zellgewebsentzündung, hart- 
näckiger Eiterung, Fisteln, Drüsenschwellungen, Exsudaten u. dergl.; doch leisten sie kaum 
mehr als warmes oder kaltes Wasser auch. Trockene heisse Aschenbäder wirken beiRheumat. 
u. dergl. oft nüzlich (s. Wärme); ebenso Lösungen der Potasche als Gurgelwasser bei Angina, 
Speichelfluss. Chloasmaflecken wäscht Tiedemann mit warmem Regenwasser, dann mit %ß Ki 
carb. gelöst in § 8 Hosenwasser, warm ; innerlich Citronensaft. 

Ki carb. ist auch ein Hauptbestandteil vieler sog. Schönheits wasser u. dergl., womit man 
das Publicum prellt, z. B. der „Lilionese". concentrirte Lösung von Ki carb., Chlorkalium, gefärbt 
durch Curcnma, mit etwas Pomeranzenöl; des „Nerin", wahrscheinlich eine Lösung von Hu- 
minsäure in kohlens. Ki, durch Behandeln von Torf, Braunkohlen mit Potasche u. a. erhalten, 
durch äther. Oele wohlriechend; zum Färben der Haare empfohlen, leistet nichts. 



Kali. 159 

Seesalz ; bei Liehen des Juckens, der Aufregung wegen als kühles, kaltes Bad ; zu 
Waschungen 3jj — jv auf ^jv Wasser; in Pulverform als Depilatorium mit 10 bis 
20 Th. Magnesie , Aezkalk. Dieselbe Lauge eignet sich zum Waschen der Bett-, 
Leibwäsche Kräziger. 

3. Kali bicarbonicum s. carbonic. acidul., zweifach -kohlensaures Kali. 
Biearbonas Potassae s. Italiens: erhalten durch Sättigen kohlens. Kalis mit Koh- 
lensäure; krystallinisch, löslich in 4 kaltem Wasser, unlöslich in Weingeist, nicht 
zerfliessend; hält oft salz-, schwefeis. Salze. 

Wirkungen die der Alkalien überhaupt, örtlich ungleich milder als bei 
einfach- kohlensaurem Kali; macht nur in grossen Dosen Reizung der Ver- 
dauungswege, stört auch die Verdauung wenig. 

Gebrauch S. 156 ff.; am häufigsten wegen seines reichen Gehalts an Kohlen- 
säure, um solche zu entwickeln, ihre Wirkungen im Magen u. s. f. zu erhalten, 
bei Erbrechen, Gastralgie u. a. (s. Kohlensäure). 

D. gr. x — xx, mehrmals täglich, als Pulver, Pillen, Lösung. 

Kali bicarb. 3J/? Sacch. albi %ß Aq. dest. Jjv; V2Stündlich 1 Löffel voll mit 
1 Theelöffel Citronensaft. 

Bei Brausemischungen rechnet man etwa gr. 8 Wein-, Citronensäure, £jß Ci- 
tronensaft auf gr. 10 K. bicarb.; Säure und Salz jedes für sich verordnet, und 
erst beim Einnehmen gemischt. Durch künstlichen Druck lässt sich die wässrige 
Lösung mit grossen Mengen Kohlensäuregas imprägniren : Künstliches Selter- 
wasser, Aqua Seite rana, hält meist auch Soda, Magnesie; in dieser Form 
kann man K. bicarb. längere Zeit geben, doch verdienen einfach Kohlensaure 
Wasser stets den Vorzug, auch vor Brausepulvern. 

4. Kali nitriciim (depuraium) , Salpeter säur es Kali, Salpeter, Nitrum 
depurat, Nitras Potassae: durch Reinigen, Umkrystallisiren des rohen Salpeters 
erhalten; hält meist noch Chlornatrium, -Kalium; in Wasser leicht, in Wein- 
geist schwer löslich, luftbeständig; von kühlem, bitterlichem Geschmack. 

Wirkt in kleinern Dosen, gr. 10 — 30 nicht merklich, macht auch selten 
Durchfall. Zu J/? — j wirkt S. reizend auf Magen u. s. f., macht Magenschmerz, 
Würgen, Erbrechen von schleimigen, oft mit Blut vermischten Stoffen, Durch- 
fälle, oft mit Blut, raschen Collapsus, Schwindel, Verlust des Bewusstseins, 
erweiterte Pupille, endlich allgemeine Unempfindlichkeit, Convulsionen und 
oft Tod in wenigen Stunden. 

Doch können selbst 3jj — jjjj zumal in verdünnter Lösung verschluckt wer- 
den, ohne bei Erwachsenen bedenkliche Zufälle zu veranlassen (Christison, Ro- 
gnetta), und Gendrin's, Basham's u. A. grosse Dosen S. bei Entzündung bestätigen 
dies; direct in's Blut injicirt tödtet S. z. B. Hunde rasch. Kleinere Dosen schei- 
nen ohne entschiedene Wirkung; daraus dass concentrirte Lösung wie die des 
Kochsalzes und anderer Salze Faserstoff lösen sollten (?), folgt nicht dass er in 
winzigen Mengen in's Blut übergetreten auf sog. crustöses Blut ähnlich wirke, 
oder seinen Faserstoff, seine Gerinnbarkeit vermindere; ja nach Scherer wird Fi- 
brin des crustösen Bluts nicht einmal durch wässrige S.Solution gelöst; und aus 
seinem »kühlenden« Geschmack folgt nicht, dass er die Oxydationsprocesse, die 
Wärmebildung selbst herabseze i, 

Verfahren bei Vergiftung: Gegengifte gibt es nicht; auch das kürzlich em- 
pfohlene "Eisenoxydhydrat scheint nuzlos; man verfährt daher nach Entleerung, 
Verdünnung des S. mit Wasser u. s. f. symptomatisch, bald mehr beruhigend, 
bald belebend, gibt (oft neben Opium, Bädern) Wein, Branntwein, Naphthen, Haut- 
reize u. a. 

Innerlich gibt man S. 1. bei Congestion, Entzündung der Lungen, des Ge- 
hirns und anderer Organe, bei acut. Exanthemen, Rheumatismus, sog. activen 
Lungen-, Uterinblutungen u. dergl. 



* Nach Alexander, Jörg sinkt auf S. die Pulsfrequenz, besonders wenn sie zuvor abnorm 
vermehrt war, was wohl möglich. Venenblut färbt S. heller roth, ohne seine Gerinnung - z. B. 
bei Zusaz von ^30 S. irgendAvie zu stören; im Harn wird S. unverändert ausgeschieden (früher 
erwartete man viel vom O seiner Salpetersäure); die Harnabsonderung vermehrt S. so wenig 
als andere Salze, höchstens entsteht Drang zum Harnlassen. Thiere können auf langes Füttern 
mit S. an Scorbut, Typhus u. dergl. erkranken (Pilger). 



160 Kali. 

Bei vielen der wichtigsten Entzündungskrankheiten z. B. Pneumonie tausend- 
fach benüzt, ohne seinen etwaigen Einfluss auf "Verlauf und Ausgang je nachge- 
wiesen zu haben; jedenfalls scheint S. in den gewöhnlichen Dosen ein höchst 
unschuldiges Mittelchen, denn alle entschiedenere Wirkung auf Kreislauf, Nerven- 
system, Stoffumsaz, Ausscheidungsprocesse u. s. f. gehen ihm ja ab; schadet oft 
mehr durch Reizen zum Husten. Jezt ziemlich ausser Mode. Jörg kam sogar 
durch einseitige Würdigung der sog. Reactionsphänomene zur Ansicht, S. sei viel- 
mehr ein Reizmittel, und kein besseres Antiphlogisticum als Arsenik auch! In 
Frankreich herrschten seit Broussais ähnliche Ansichten, bis Gendrin, Aran, M. 
Solon, Forget u. A. nach der Lehre des Contrastimulus auf den Gedanken kamen, 
acuten Gelenkrheumat., Bronchitis, Pneumonie, Pericarditis, Typhus u. a. mit ganz 
immensen Dosen S., — ^jj täglich zu tractiren (s. Brechweinstein, Chinin) K Der 
Erfolg ist jedenfalls nicht günstiger als sonst auch; leicht machen aber solch 
grosse Dosen zugleich mit dem vielen zur Lösung nöthigen Wasser Reizung u. s. f. 
der Verdauungswege, Nieren, und schaden so mehr. 

2. Zum Harntreiben bei Wassersucht, Oedem, besonders sog. acutem, 
z. B. bei Scarlatina, Albuminurie, pleuritischem Exsudat. 

S. leistet hier überall noch weniger als andere diuretische Mittel, und vor 
allen Wasser. Verboten ist S. stets bei Reizung, Entzündung des Magens und 
Darmcanals, der Harnwerkzeuge, auch bei Erschöpfung, Schwäche, sog. Dissolutio 
sanguinis. 

Bei Harnincontinenz der Kinder (Bettpissern) von Young, Delcour gerühmt, 
bei Polydipsie von Debout, bei Asiat. Cholera, Malaria-, Wechselfieber, Typhus 
von Stevens (s. Kochsalz) wie bei Scorbut von Patterson, Cameron sogar in grossen 
Dosen! 

D. gr. vj— xx, p. Tag 3jjj— vj, jezt oft — §j— jj; selten als Pulver 
mit Gummi, Zucker, passender gelöst in Wasser, Eibisch -Salepabsud, Limo- 
nade, nöthigenfalls in Emulsionen. 

Nitri dep. 3/? Kali bicarb. 3j Sacch. albi Zß f- PuR D. tal. dos. 8; 4mal 
täglich 1 Pulver mit 1 Löffel Citronensaft in Wasser. Kali nitrici 3j Oxymell. 
simpl., Mellis rosar. aa "%ß Aq. ceras. §jj; Löffel weis, für ein Kind. 

Aeusserlich längst der Kälte halber benüzt, welche beim Lösen des S. 
in Wasser entsteht, bei Gehirnaffectionen, acut. Gelenkrheumatismus, innern 
Blutungen, Quetschungen, Frakturen u. a. 

Man legt z. B. eine mit S. und Wasser gefüllte Blase auf; löst bei der Appli- 
cation selbst (nicht in der Apotheke) 1 Th. S. mit äa Salmiak, z. B. äa ^jv — vj 
in 5—6 Th. Wasser. Die alten Schmucker'schen Fomentationen halten 
ausser Salmiak, Essig auch Salpeter in Wasser gelöst; Kochsalz und Essig wür- 
den wohl dasselbe leisten, und Eis, Schnee, kalt Wasser unendlich Besseres. Bei 
Markwick's Epithem werden entzündete, schmerzhafte Theile, Gelenke mit nassem, 
dann mit S. bestreutem Badeschwamm bedeckt, gerieben, der Schwamm von Zeit 
zu Zeit mit Wasser benezt. Bei Corneaflecken streut Gastaldi S. als Pulver ein; 
Mangenot reibt Telangiectasieen , Nävus mit dem nassen, in's Pulver getauchten 
Finger ein ; Blasen entstehen, dann Verschrumpfung. Bei Pruritus vulvae gibt Vallez 
lauwarme Sizbäder mit l (t U S. ; bei Pruritus ani S. im Klystier. Sonst applicirte 
man auch S. in Pulverform oder concentrirter Lösung bei Geschwüren, Brand u. a., 
mehr oder weniger verdünnt bei Angina zu Gurgelwassern. 

Die an Sauerstoffgas (auch N) reichen Dämpfe, welche sich beim Verbrennen 
des S. bilden, Hess man Asthmatiker einathmen ; weisses, in concentrirte S.Lösung 
getauchtes und getrocknetes Fliesspapier oder Zunder (Favrot) wird verbrannt, z. B. 
auf einem irdenen Teller, in einer Tabakspfeife, einem Fläschchen mit Rohr, und 
der Rauch eingeathmet. 2 



1 Schon früher gaben hier Brocklesby, Macbride S. in grossen Dosen, späterhin Basham, 
Rowland |j— jjj p. Tag, in 1 ff Wasser ; Bennet gab S. mit Chinin, Andere mit Opium. Cargill, 
M. Solon rühmten jene grossen Dosen auch bei chron. Rheumat. 

2 Trousseau, Letanneur halten bei asthmat. Anfällen das brennende, zu Cigarren gerollte 
Papier einfach unter die Nase; doch wirkt hier überall Fixiren der Aufmerksamkeit, Glauben 
mehr als O, N. 

Schiesspulver, Kohle, Schwefel, S., dient öfters zum Ausbrennen vergifteter Wunden, 
bei Biss wüthender Hunde: eingerieben, auch aufgestreut und angezündet; bei Kräze zu 1 Th. 
mit 3—4 Melasse eingerieben; bei Zahnschmerz 1 Karreelöffel voll in einem Säckchen auf den 



Kali. 161 

i 

Pulvis temper ans, Salpeters, und schwefeis. Kali aa, früher nach Ph. 
Bor. offic, Cod. Hamb. noch jezt, und mit Zinnober als P. t. ruber dazu. 

Zweifach- s. Doppelt-salpetersaures Kali, bereitet durch Mi- 
schen von kohlens. Ki mit überschüssiger Salpetersäure, als Diuretic. u. s. f. 
empfohlen (Ritchie). 

Kali sulphuricum (depurat), Schwefelsaures Kali, Tartar. vitriolat., Sul- 
phas Potassae, Arcanum duplicat.: dargestellt durch Reinigen, Umkrystallisiren 
des käuflichen (rohen) Salzes, wie man es z. B. als Rückstand bei der Salpeter- 
säure-Fabrikation erhält; luftbeständig, in 14 Th. kaltem, 4 heissem Wasser lös- 
lich, unlöslich in Weingeist. 

Macht nur in grössern Dosen Durchfälle (s. Natronsulphat), öfters auch 
Uebelsein, Erbrechen. 

Kann zu %ß — j p. d., ja schon in viel kleinern Dosen öfters wiederholt, 
z. B. in der Absicht, Abortus, auch blosses Laxiren zu veranlassen, unter heftigen 
Brechdurchfällen, Gastroenteritis u. s. f. tödten ; dient z. B. in England jezt zu ab- 
sichtlichen Vergiftungen. 

Nur als Laxans benüzt (s. Natronsulphat); steht andern Laxirsalzen 
nach. D. Zß — j, P- Tag §/? — j, in Schüttelmixturen, auch als Pulver, Pillen, 
meist mit andern Laxantien.- 

Kali bisulphuric. s. sulphuric. acidum, Zweifach- s. Doppelt-schwefels. Kali, 
Bisulphas kalicus: in Wasser leicht löslich; Wirkungen durch die überschüssige 
Schwefelsäure modificirt; macht zu 3j — 3J Durchfälle. Kaum mehr in Gebrauch; 
dient mit kohlens. Alkalien vermischt zu Brausemischungen , auch im Grossen, 
in Liebig's Apparat; z. B. Natron carbonic, Bisulphas kalic. aa, jedes für sich 
in Wasser gelöst und beim Einnehmen gemischt; mit essigs. Salzen, um Essig- 
säure als Riechmittel zu entwickeln. 

Kali muriatic, Chlorid, s. Chloruret. Potassii, ChlorTzdlium, Murias Kali, Sal 
digestiv., Salzsaures Kali: luftbeständig, leicht löslich in Wasser; wirkt etwa wie 
Kochsalz ; sonst bei Scrofulose , Drüsenschwellungen u. a., auch als Diuretic, bei 
Wechselfieber (Sal febrifugum Sylvii). — D. gr. x — xx, mehrmals täglich, in Lö- 
sung; diese äusserlich bei Pruritus ani, vulvae applicirt. Frauen, die sonst todte 
Kinder gebaren, sollen nach seinem Gebrauch lebende gesunde gebären (Grimsdale) ! 

Kali chloricum (depurat.), Chlor säur es Kali 1 , K. oxy muriatic. s. muriatic. 
hyperoxygenat., Chloras Potassae s. Lixivae s. Tcalicus: bereitet durch Sättigen 
einer Kalilauge mit Chlor; krystallisirbar, luftbeständig, in 30 Th. kaltem Wasser, 
in 2 heissem, in Weingeist nicht löslich; hält oft Chlorkalium. 

Wirkungen wesentlich dieselben wie bei Salpeter. 

Wird unverändert in Harn , Speichel , Schweiss u. s. f. ausgeschieden 2 ; von 
einer Abgabe seines 0, einer Oxydation der Bestandtheile des Bluts, der Organ- 
substanz dadurch kann daher nicht die Rede sein ; Blut, bei Hunden durch Blau- 
säure, Schwefelwasserstoffgas dunkel geworden, färbt sich nach Injection von K. 
Chlorat in die Vene wieder hellroth (O'Shaughnessy), wie dies auch bei andern 
Salzen und allmälig von selbst geschieht. 

Sonst und auch jezt wieder behandelt man damit die schlimmsten Krank- 
heiten: Typhus, Gelbfieber, Cholera, Scharlach, Leberleiden, Gelbsucht, Scor- 
but, Syphilis, Quecksilbercachexie, Cyanose 3 , Zehrfieber, Lungentuberculose, 
Diabetes wie Pneumonie, Croup, acut. Rheumatismus, Neuralgieen, Gesichts- 
schmerz, besonders aber (innerlich und äusserlich) Stomatitis, Aphthen, Diph- 

Zahn gelegt, löst sich allmälig, macht Speichelfluss u. s. f. (Lafont) ; Roux u. A. gaben es inner- 
lich hei Cholera. 

i Nicht zu verwechseln mit Kali chloratum, unterchlorigs. Kali (s. Chlorverbindungen). 

2 In den Fäces von Isambert nicht gefunden; kleinere Dqsen äussern gar keine Wirkung, 
3ij machen schon des stark salzigen Geschmacks wegen Speichelfluss, oft Sodbrennen; auf 
3ij— jv sollte Harn reichlicher abgehen, und mehr Harnsäure führen (?). Socquet nahm bis zu 
3vj p. d. ohne schädliche Wirkung. 

3 Simpson will dadurch gar bei Placentarblutungen gegen Ende der Schwangerschaft dem 
Kinde O verschaffen ! Hutchinson, Socquet geben es in grossen Dosen, 3j und mehr, weil kleinere 
nichts nüzten. 

Jodsaures Kali versuchten Demarquay, Gustin der Aehnlichkeit seiner Zusammensezung 
wegen bei denselben Krankheiten (s. Natron chloricum). 

7. Aufl. 11 



162 Kali. 

tlieritis, Brand der Mundschleimhaut (Noma, Stomacace, Cancrum oris), scor- 
butisches Zahnfleisch, Mercurialspcichelfluss. 

Vordem, als Oxydiren u. dergl. wie jczt wieder eine grosse Rolle in der Me- 
dicin spielte, hoffte man vom OReichthum des chlors. Kali so gut als beim Salpeter 
grosse Dinge; wenn aber dasselbe auch jezt wieder als Specificum bei den ver- 
schiedensten Krankheiten in Mode kam, so beweist dies nur, dass die heutige 
Therapie ebenso borniit und ungleich gewissenloser sein kann als die alte. Bei 
obigen Mundaffectionen rühmten es wie schon früher Underwood besonders Hunt, 
Babington, Herpin, Isambert, Brown u. A. auch bei Leucorrhoe, Geschwüren des 
Mutterhalses, Phagedäna, Brand, diphtherit. Ophthalmie, Ecchymosen u. s. f. Leistet 
hier überall nichts Positiveres als z. B. Salpeter oder Kochsalz auch. 

D. gr. 15 — 30, bei Kindern gr. 5 — 10, mehrmals täglich, als Pulver, 
besser in Wasser, z. B. 3j au f §J V > aucn i n Limonade, mit Citronensaft, z. B. 
bei Scorbut u. a., äusserlich als Mund-, Waschwasser, zu Einsprizungen u. s. f. 
3j— jjj auf #j Wasser. 

Baumwolle mit concentrirter Lösung getränkt, dann getrocknet benüzt Ferrari 
als Moxa. 

Kali aceticum, Essigsaures Kali, Acetas Potassae, Terra föliata tartari: 
in Wasser, Weingeist leicht löslich, zerfiiessend. 

Wirkungen die eines mildern Kalisalzes; in grössern Dosen laxirend; 
schon im Magen theilweis zersezt, im Harn meist als kohlens. Kali ausge- 
schieden. Man gibt es bei Pleuritis, Anasarca Scharlachkranker u. a. wie 
Salpeter; bei Lithiasis, Gicht wie kohlens. Alkalien, auch bei Scrofulose, 
Tuberculose, Leber-, Milzleiden, Hämorrhoiden, Magenkrebs. 

Easton, Golding Bird gaben es bei chron. Hautkrankheiten, Sandwith, Nichol- 
son bei acut. Rheumat. ; passt noch am besten statt Salpeter u. dergl. für Kinder, 
seines bessern Geschmacks wegen. 

D. 3jj — §j täglich, bei Kindern 3A — j, gelöst in Wasser, Wein. 

Oefters mit Nitrum, Scilla, narcot. Extracten. 

Kali acet. 3j Aq. Petrosel. ^jjj Oxym. scill. c. Sacch. alb. aä 3JJJ 5 2stündl. 
1 Kinderlöffel. 

Liquor Kali acetici, sonst L. Terrae foliatae tartari, seine Lösung in 
dest. Wasser; 3/? — jj P- d. Cod. Hamb. hat noch einen Liquor Ki acet. crudi 
(Liquor digestivus Boerhaavii). 

Aeusserlich dient das Salz höchstens als Riechpulver, seiner Essigsäure we- 
gen, 1 Th. mit 2 Kali bisulphuric, beim Gebrauch etwas befeuchtet. 

Kali citricum (siccum) , Citronens. Kali, Citras Potassae s. kalicus: leicht 
löslich in Wasser, zerfiiessend. Von ihm gilt alles beim Acetat Angeführte; 
schmeckt angenehmer kühlend: in der Riverischen Potion, kohlens. Kali mit Ci- 
tronensaft, Citronensäure, als kühlendes, unschuldiges Mittelchen. Liquor s. So- 
lutioKi citrati Cod. Hamb. u. a. ; in England auch mit Ki bicarbonic. als 
Blake's aerated Citrate of Potash Water. 

Kali tartaricum, Weinsaures Kali (neutrales), Tartar. tartarisat., Tartar. so- 
lubilis 1 , K. tartarisat. , Tartras kalic. s. Potassae : erhalten durch Sättigen von 
Weinstein mit kohlens. Kali; leicht löslich in Wasser, zerfiiessend, zersezt sich 
leicht; Säuren, saure Pflanzensäfte u. a. verbinden sich mit einem Theil seines 
Kali, es entsteht Weinstein, ebenso durch schwefelsaure u. a. Mittelsalze. 

Wirkungen die des essigs. Kali; schmeckt widrig, laxirt in grössern Dosen 
etwas stärker, etwa wie Kalisulphat. Wie essig- oder schwefeis. Kali benüzt, als 
Diureticum, Laxans 2 . D. 3#— jj, öfters wiederholt, in Lösung, seltener als Pulver, 
Pillen. 

Tartarus depurat., Weinstein (gereinigter), Kali tartaric. acid. s. bitartaric, 
Zweifach-weinsaures Kali , * Bitartras Potassae s. kalic., Cremor tartari: durch 
Reinigen des käuflichen, weinsauren Kalk u.a. haltenden Weinstein erhalten; hält 



i Nicht zu verwechseln mit Cremor Tartari solubilis, Boraxweinstein. 

2 Sollte den Harn, stärker und rascher alkalisch machen als andere Salze, 3jj z. B. schon 
nach 35 Minuten (Bence Jones) ; doch ist diese Wirkung nichts weniger als constant. Jemina 
gab es bei Crusta lactea, auch der Mutter, Amme statt dem Kinde. 



Kali. 163 

meist weins. Kalk, Chlorkalium u. a. ; unlöslich in Weingeist; in kaltem Wasser 
schwer löslich (180 Th.), leichter in kochendem; zersezt kohlens. Salze, Schwefei- 
lebern. Schmeckt vermöge seiner überschüssigen Weinsäure kühlend, doch nicht 
angenehm. 

W T irkt in grossen Dosen gelind abführend, stört bei längerem Gebrauch 
die Verdauung, kann in grossen Dosen wie andere Salze Reizung, Entzün- 
dung der Verdauungswege, selbst Tod veranlassen 1 . Als kühlendes Mittel, 
mildes Laxans und Diureticum benüzt, z. B. bei Fieber, Congestionen, Hy- 
drops u. a., vorzugsweise als Neben- und Hausmittel. 

Bright rühmte W. bei Albuminurie, Garrod, Hammond bei Scorbut, Andere 
bei sog. Argyria (s. Silber). 

D. Zß — jjj? öfters wiederholt, als Pulver, Latwerge, Schüttelmixtur, mit 
Wasser angerührt oder gekocht, oft mit Rheum, Senna, Salpeter, Schwefel u. a. 

So im Pulvis eccoprotic, digestiv. Ph. Norveg. Dan.; Pulvis re- 
frigerans, W. mit Salpeter, Eläosacch. citri; Pulv. temperans campho- 
r a t., mit etwas Kampher dazu. Nimmt sich angenehmer mit Natron bicarbonic. 
ää in Wasser, auch mit Citronensaft. Meide : Alkalien, alkal. Erden, Mineralsäuren. 
»K r y s t a 1 1 w a s s e r« Hufeland's : 1 Loth W. gekocht mit 6 U Wasser, dann 1 
Citrone hineingeschnitten, mehrere Loth Zucker zugesezt, in Flaschen gefüllt. 

Cremor. tartari %ß Rad. Scillae, R. Zingib. aä 3J Pulp. Tamarind. Jj/?J 
Sstündi. 1 Kinderlöffel '; Diureticum. 

Tartar. dep. 3jjj Tart. stibiati gr. j Aq. föniculi Jvj Spir. Aetheris nitrici 3.j ; 
Löffelweis in Wachholderthee. 

Weinstein molken, Serum lactis tartarisat. : bereitet durch Zusaz von 
3j — jjj W. auf S'j siedende Milch; als kühlendes, gelind abführendes, diuretisches 
Getränke, oft mit Wasser verdünnt. Als Tartras Potassae etMagnesiae 
gaben Renaut u. A. eine durch Sättigen des W. mit Magnesie erhaltene Mischung ; 
wirkt etwa wie Seignettesalz, Weinstein. 

Aeusserlich als Zahnpulver, Dentifricium verwendet, mit Chinapulver, Ratanha, 
Kohle, Myrrhe u. dergl. ; 3J m ^ kalt Wasser angerührt und längere Zeit im 
Mund behalten bei Angina tonsillaris. 

Tartar. natronat, Weinsaures NatronKali, Seignettesalz, K. natronato - tar- 
taric, Tartras natro-kalicus, Natron-Weinstein : erhalten durch Mischen von Wein- 
stein mit Natroncarbonat; in Wasser leicht löslich, leicht zersezt, wie weins. Kali, 
Weinstein bildet sich. Wirkt wie Kali tartaric. ; sonst als mildes Laxans benüzt, 
von Millon und Laveran bei harnsauren Blasensteinen, von Trousseau bei Durch- 
fällen der Kinder; D. 3J~J V > öfters wiederholt, als Pulver, gelöst in Wasser. 

Tartar. boraxat., Boraxweinstein, Tartras Potassae boraxat. , Kali tartaric. 
boraxat. , Cremor tartari solubilis: durch Mischen von Borax mit Weinstein er- 
halten ; zerfiiessend , leicht löslich in Wasser , unlöslich in Weingeist. Von ihm 
gilt das vom vorigen Angeführte, wird aber unter Pflanzensäuren blos von Wein- 
säure zersezt. Besonders als vermeintliches Diureticum benüzt, von Ure bei Li- 
thiasis, in Lösung, %ß — j p. Tag; Mialhe's brausende Orangeade: Tart. boraxat. |j 
solve in Aq. dest. s. q. adde Syr. fl. Aurant. |jjj Aq. carbonic. S'j. 

Tartar. ammoniacalis, Ammoniakweinstein, Kali ammoniato-tartaric, Ammon. 
kali-tartaric, Tartras Potassae et Ammoniae, Weinstein-Salmiak: in Wasser leicht 
löslich; Säuren, Alkalien, Mittelsalze zersezen ihn leicht. Wirkt wie die vorher- 
gehenden Salze ; obsolet ; D. 3/? — j- 2 



1 Ein Berauschter starb an etwa § jv Weinstein, mit Wasser verschluckt (Devergie). 

2 Anthracokali, Kohlenkali, bereitet durch Mischen alcoholisirter Steinkohle mit Aez- 
kali (Polya); Anthracokali,sulphurat., das vorige mit sublimirtem Schwefel ; schwärzlich, 
löst sich in Wasser, Weingeist wenigstens grossentheils , zerrliesslich. Die Wirkungen dieser 
abentheuerlichen Mischung sind die alkalisch-salin. Stoffe ; die Kohle ist blos eine unwirksame 
Verdünnung des Kali. Von Polya bei „Flechten" gerühmt; ziemlich nuzlos (Sigmund, Gibert); 
von Andern bei Scrofulose. D. gr. x— 5j p. Tag, gelöst in Aq. dest., auch als Pulver, z. B. mit 
Rad. Liquir. Aeusserlich bei chron. Hautleiden als Salbe eingerieben, 1 Th. auf 10—30 Fett. 

Fuligokali, Russkali: durch Kochen von 1 Th. Aezkali mit 5 Glanzruss und Abdampfen 
des Filtrats dargestellt; gemischt mit Schwefel als F. sulp hu rat. (Deschamps). Von ihm 
gilt wesentlich das beim vorigen Angeführte , nur dass Russ immerhin mehr wirkt als Kohle, 
innerlich und äusserlich bei chron. Hautkrankheiten benüzt (s. Russ). 

11 * 



164 Natron. 

2. Natron und seine Verbindungen. 

Natrum caustic. s. hydric. (siccum), Aezendes Natron, Hydras natricus : Wir- 
kungen wie chemisches Verhalten denen des Aezkali analog, doch milder; Hesse 
sich wie Aezkali verwenden, aber nicht benüzt, obschon eher rein zu erhalten, 
und wohlfeiler ; seine concentrirte Lösung in Wasser, Liquor N. hydrici dient 
zur Bereitung der medicin. Seife. 

Die Salze des N. lösen sich leichter in Wasser als die entsprechenden 
Kalisalze , dazu luftbeständig oder verwittern ; können daher eher denn Kalisalze 
in Pulverform gegeben werden. Wirken wie die entsprechenden Kalisalze, doch 
schwächer, zumal örtlich, sind unschuldiger; auch findet sich Natron ungleich 
reichlicher im Körper, Blut u. s. f. als Kali. 

Natrum carhonie. (deparat), Kohlensaures Natron, Carbonas Sodae aci- 
dul. s. Sesquicarbonas Sodae s. natric, Soda: dargestellt als N. carb. crud. s. 
venale z. B. aus der Asche von Algen, Chenopodien (Varec, Kelp, Bariila), jezt meist 
durch Umsezen des Kochsalzes mittelst SO 3 in Schwefels. N., und Zersezen des 
leztern durch Glühen mit Kohle und kohlens. Kalk; durch Umkiystallisiren N. 
carb. depurat., krystallisirte Soda, hält meist salz-, schwefeis. Natron, zuweilen 
Cyaneisenkaüum. Verwittert an der Luft, heisst dann N. carb. siccum s. di- 
lapsum; leicht löslich in Wasser (2 Th.), unlöslich in Weingeist. 

Natrum carbonic. acidtä., Ziveifach-hohlensaures Natron, Bicarbonas 
Sodae s. natric, N. bicarbonic: erhalten durch Sättigen des vorigen mit Kohlensäure; 
krystallinisch, verliert an feuchter Luft Kohlensäure, noch mehr beim Erwärmen ; 
in kaltem Wasser ziemlich schwer löslich {14 Th), unlöslich in Weingeist. 

Die Wirkungen beider Carbonate denen der Kalisalze ähnlich, doch 
milder, haben einen angenehmem Geschmack, vom Magen leichter ertragen 1 . 
Beide wie die entsprechenden Kalisalze benüzt; verdienen beim innerlichen 
Gebrauch den Vorzug, so besonders bei Indigestion, Magencatarrh mit Säure- 
bildung, Sodbrennen, bei Lithiasis, Gicht, Diabetes, Scrofulose, Hautkrank- 
heiten u. a. 

Maxwell will N. carb. bei Cholera in Hyderabad nüzlich gefunden haben 8 , 
Baron , Lemaire , Marchai de Calvi bei Rachen- , Kehlkopf-Croup , Hamon bei 
Asthma, Andere bei Wassersucht. Nüzlicher mit schleimigen Getränken u. a. bei 
Vergiftung durch Säuren; oft gibt man statt N. carb. Natronsäuerlinge, Vichy-, 
Emserwasser u. a. 

D. gr. vj — xjj, p. Tag 3j — jj, in Lösung, Pulver, Pillen, öfters mit Amaris, 
Rheum u. a. 

Als Pulver, Pillen eignet sich noch nicht zerfallenes Hydrat, N. carb. depurat. 
weniger gut. In Frankreich N. bicarb. oft mit Arab. Gummi , Zucker als S a c- 
charokali, besonders bei Magensäure der Kinder, z. B. in Milch; überhaupt 
scheint Zusaz von gr. 10 — 20 N. bicarb. auf föj Milch bei schwächlichen, zu Mageri- 
säure disponirten Kindern öfters zweckmässig, zumal im Sommer. Natron- 
zeltchen, Trochisci N. bicarb., z. B. aus N. bicarb. 5J Zucker ^j und 
Traganthschleim q. s. zu 40 Zeltchen (Pastilles de Vichy, Biliner Zeltchen, s. Natron- 
säuerlinge). Als Syrup geben Bazin u. A. bei Hautkranken Soda mit Zucker ge- 
löst in Wasser, mit Citronen-, Orangenessenz aromatisirt. 

Aeusserlich benüzt man N. carb. wie Kali carb. bei Favus, chron. u. a. 
Hautkrankheiten, Eczem, Zß— jj, auf U] Wasser, bei Salben auf §j Fett, 
Cerat. simplex. 



i Ein Engländer, der 18 Jahre durch wegen Magenleiden täglich §jj kohlens. N. nahm, litt 
zulezt an Ohnmächten, starh plözlieh auf der Strasse (Tunstall). Im Harn erscheinen beide als 
zweifach-kohlcns. N. ; schon ßostock fand nach längerem Gebfauch Harn, Blutserum stark 
alkalisch, im Harn ausserdem Eiweiss. Bei Diabetes kann darnach der Zucker im Harn vor- 
übergehend abnehmen. 

2 Gab es Theelöftel weise in Hfferschleim; Cameron in Ceylon N. carb. 3j mit gr. 3 Opium 
als Bolus, mit Laudanum, wenn der Kranke keine Bissen schlucken kann, mit einem weitem 3j 
Soda in einem Glas Wasser so heiss als möglich hinabgeschluckt, Abends wiederholt; auch 
Baudrimont, Aran gaben hier grosse Dosen, oft %ß N. bicarb., in Tisanen, Pfeufer 5jj p. Tag in 
Selterwasser; Lizars will es gar bei asphyct. Cholera wie bei Asphyxie durch Chloroform mit 
Kochsalz (s. dieses) in dir Vene injicirt wissen. Bei Gastricismen gibt Gumprecht N. bicarb. 
mit kalt Wasser, auch Katfee, 1 Messerspize voll auf 2 Tassen. 



Natron. 165 

Seines Preises wegen selten zu Bädern , Waschungen verwendet * ; Robert 
applicirt N. bicarb. innerlich und äusserlich bei diphtherit. Chanker; Gascoin N. 
carb. in cariöse Zähne, Andere bei Brandverlezungen, ohne dass es hier Beson- 
deres versprechen könnte; in Amerika bei Schlangenbiss , Wespen-, Bienenstich 
mit Wasser benezt aufgelegt. 

N. bicarb. dient vorzugsweise zu Brausemischungen, gr. 10 brauchen 
zu ihrer Sättigung etwa gr. 8 Wein-, Citronensäure, 3jj Citronensaft, bei einfach 
kohlens. Natron von allen etwa die Hälfte; meist sezt man noch Zucker, Elaeo- 
sacch. citri u. dergl. zu. Derartige Mischungen als Pulvis aerophorus offic. 
Ph. Bor., Austr. Hamb. , desgleichen als Pulv. aeroph. laxans, Englisches 
Brausepulver Tartar. natronat. 3jj m it Natr. bicarb. 3jj, wozu 3/? Weinsäure ge- 
sondert dispensirt wird , in England längst als künstliches S e i dl i z p u 1 v e r, 
Pulv. aerophorus Seidlicensis zum Abführen in Gebrauch, besonders bei Stuben- 
sizern. Man verordne nie zu grosse Mengen solcher Brausepulver, weil sie sich 
bald zersezen; besser verordnet man Säure (nöthigenfalls blos Essig) wie N. bicarb. 
gesondert, die Säure z. B. in weissem, N. in blauem Papier, und lässt beide erst 
beim Gebrauch mischen (Ph. Sax. u. a.). 2 Das Wasser, worein sie geschüttet 
werden, kann man durch vorherigen Zusaz von Elaeos. citri, Syr. fl. aurant., Tinct. 
C. aurant. u. dergl. schmackhafter machen. Brausemischungen dieser Art sollten 
nicht blos in der Absicht, CO 2 und deren Wirkungen zu erhalten, sondern wo 
möglich überall angewandt werden, wo man diese Salze als Laxanzen, Diuretic. 
u. s. f. gibt; denn sie nehmen sich am angenehmsten, stören Verdauung u. s. f. 
am wenigsten. Auch Salpeter, Laxirsalze, Jodkai., Chinin u. a. lassen sich gut 
mit ihnen geben; man kann hiezu ein Pulver aus N. bicarb., Weinsäure, Zucker 
in Flaschen vorräthig halten 3 . 

N. carb., Nitri dep. äa 3jjj Aq. dest. Jvjjj Sacch. alb. Jj; von Zeit zu Zeit 
2 Esslöffel mit Limonade z. n. 

N. carb. acid. 3jjj D. in charta coerulea. Acidi tart. cryst. 3jj, L\ in Charta 
alba; beim Gebrauch l j& ( — V3) aus der blauen und weissen Kapsel in ein Glas 
Wasser mit Zucker, Syr. aurant. u. a. zu schütten, rasch zu trinken. 

Werden Lösungen der Carbonate in Wasser durch künstlichen Druck mit 
CO 2 Gas übersättigt, so erhält man künstliche Säuerlinge, Aqua Sodae: für sich 
z. B. bei Fieber, Indigestion, Wassersucht, oder mit Eisenpräparaten, Laxirsalzen 
u. a. benüzt; man kann so 3j — jj N. bicarb. auf 27'j — jj Wasser täglich verbrauchen 
lassen; auch mit Zusaz von Citronen-, Orangensaft zu moussirenden Limonaden 
und Orangeaden. Wo Selterwasser oder andere Säuerlinge leicht zu haben, nimmt 
man wohlfeiler solche. Hieher Vetter's »Natronkrene«, Werber's Aqua Natri carb., 
3j/? N. carb. Zß Chlornatrium auf ^24 Wasser, mit 24 Cub.Zoll Kohlensäuregas; 
Sodawater der Britten, hält meist blos CO 2 , käufliches oft Blei, Kupfer (Dormas). 

N. nitricum (depurat.), Salpetersaures Natron, Nitras Sodae s. natricus, Ni- 
trum cubicum, Würfelsalpeter: aus rohem Chili-, Natronsalpeter durch Umkry- 
stallisiren, auch durch Zersezen kohlens. Natrons mit NO 5 erhalten ; leicht löslich 
in Wasser, an der Luft feucht; hält oft Jodnatrium. Wirkungen denen des Sal- 
peters ähnlich, doch schwächer ; löst Eiweissstoffe, geronnenen Faserstoff noch we- 
niger (Zimmermann). Selten, im Uebrigen wie Salpeter benüzt, 3J — jj P- Tag, in 
Wasser, schleimigen Getränken. Liquor Natri nitrici Cod. Hamb. 1 Th. in 2 
Aq. dest. 

JV. phosphoric, Phosphors. Natron, Soda phosphorata, Phosphas 
natric, Sal mirabile perlat., Perlsalz: dargestellt durch Zersezen von kohlens. N. 



i Bädern wird es öfters auch bei Gicht, chron. Rheumat. überflüssiger Weise zugesezt, in 
England heissen Cataplasmen, 5j auf den Umschlag, Nachts aufgelegt (Pereira, Bennett) : Neli- 
gan nimmt gegen das Jucken bei Liehen u. a. statt Seifenwasser N. carb. 3J auf 1 Pinte Regen- 
wasser ; als Balneum alcalinum in Englischen Spitälern bei Psoriasis u. a. §jj — jv aufs Bad. 
Bei Eczema mammae nimmt Velpeau öfters eine Salbe aus 5/? N. bicarb. mit Axungia , Rosen- 
wasser m §j. Zum Waschen der Wäsche in Spitälern u. a. soll sich krystallis. Soda viel besser 
eignen als Potasche (Esse). 

2 Soda Powder, Pulv. aärophorus anglicus: N. bicarb. 3/? in blauem Papier, Weinsäure 
gr. 25 in weissem, jedes für sich in Wasser gelöst und dann gemischt. 

3 Zu künstlichem Vichywasser nimmt man Natr. bicarb. 5 grm, Kochsalz 20 Centigr, 
schwefeis. Natron 50, Bittersalz 15, Eisenvitriol 1 Centigr. auf 1 Flasche Wasser; wird durch 
Zusaz von 3 grm Citronensäure moussirend. Statt Weinsäure empfiehlt Dorvault zum Zersezen 
des N. bicarb. Schwefelsäure Va Th- bei künstlichen Brausemischuugen-, als wohlfeiler und 
unschädlich. 



166 Natron. 

mit Phosphorsäure; in Wasser ziemlich leicht löslich, kaum in Weingeist, ver- 
wittert (N. phosph. dilapsum s. desiccat.); leicht zersezt durch stärkere Mineral- 
säuren , Kali, die meisten Salze l . 

Wirkungen die eines milden Salzes ; führt in grössern Dosen gelinde ab. 
Selten und bei seinem hohen Preis mehr als Luxusmittel benüzt, als mildes 
Laxans bei Kindern, Weibern, Empfindlichen; bei Scrofulose, Diabetes, Kha- 
chitis, um die Bildung von Kalkphosphat zu fördern! D. gr. v — x, als Laxans 
J/? und mehr, in Lösung, mit Syrup, Honig alsLinctus, seltener als Pulver. 

Coghlan hält es bei Cholera für wirksamer als kohlens. Natron, was freilich 
nicht viel heissen will. 

N sulphuric. (depuraL), Schwefels. Natron, Glaubersalz, Sulphas Sodae 
s. natricus, Sal mirabile Glauberi: durch Umkrystallisiren des käuflichen erhal- 
ten; leicht löslich in Wasser, weniger in kaltem, unlöslich in Weingeist, verwittert ; 
lezteres als N. sulph. depurat. siccum s. dilapsum offic. 

Macht wässrige Stuhlgänge, doch nur in grossen Dosen, indem es zu 55°/o 
aus Wasser besteht. Vom Magen aus unverändert resorbirt und im Harn wieder 
ausgeschieden , doch langsamer als z. B. Kochsalz (Millon, Laveran , Buchheim) ; 
geht bei grossen laxirenden Dosen oft unverändert im Koth ab. Im Dünndarm 
wird ein Theil des Salzes durch Darmgase, organ. Stoffe in Schwefelnatrium um- 
gewandelt, aus welchem sich weiterhin SH (in Flatus) entwickelt. Bei Gebrauch 
des Marienbader Kreuzbrunnen entstehen oft grüne Stuhlgänge, die sonst als 
gallige, kritische galten ; beruhen einfach auf jener Umwandlung seines schwefeis. 
N. in Schwefelnatrium, durch welches weiterhin das in der freien Säure des Ma- 
gens gelöste Eisen als SchwefelE. ausgeschieden wird (Kersten). * 

Viel gebraucht als kühlendes, antiphlogistisches Laxans par excellence. 

So bei Entzündung, Congestion, Fieber, acuten Exanthemen u. a. mit sog. 
Gastricismus, bei Helminthiasis, Bleicolik u. a. ; in kleinern Dosen auch als (ver- 
gebliches) Diureticum 2 . 

D. §/? — j, öfters wiederholt, gelöst in Wasser, oft in Infus. Sennae, Rad. 
Rhei, mit Ricinusöl. 

Zur Besserung des Geschmacks Zusaz von Citronensaft , Weinsäure, Essig, 
Brausemischungen; vom verwitterten Salz, N. sulph. sicc. D. fast um Va kleiner. 
Meide : Blei-, Quecksilber-, Silber-, Baryt-, Kalksalze, auch Kalisalze mit schwächern 
Säuren. 

N. sulph. sicci Jj Natri bicarb. 3 V J f- Pulv. ; die Hälfte mit 2 Löffeln Citro- 
nensaft und etwas Zucker in 1 Glas Wasser auf einmal zu trinken. N. sulph. 
cryst. ^j Aq. Menth, pip. Jv Elaeos. citri Jj ; */« Tassenweise z. n. 

Karlsbader Salz, Sal Thermarum Carolinarum factitium Ph. Austr. Hamb. 
schwefeis., kohlens. N., Kochsalz in siedend Wasser gelöst, abgedampft; ziemlich 
theuer , ohne besondern Werth. Pulvis salinus composit. Ph. Edinb. Glauber-, 
Kochsalz aä 4 Th., Bittersalz 3; Guindre'sches Salz: N. sulphuric. Jj Kali nitric. 
gr. 12 Tart. stibiat. gr. /?, in 1 Quart Dec. Spec. lignorum den Tag über z. n.; 
Species purgantes Ph. paup. Glaubersalz gj Senna 3j? mit 3 Tassen siedend Wasser 
infundirt, stündlich 1 /2 Tasse z. n. 

Natrium chlor at., Chlornatrium, Kochsalz, N. muriatic. , Murias Sodae, 
Chlorid. Sodii, Chloret. Natrii , Sal culinare : in Wasser leicht löslich, schwieriger 
in Weingeist; luftbeständig (das reine). Im Kochsalz sind dem Chlornatrium stets 
noch andere Salze beigemischt, besonders Schwefel- und salzs. Kalk, Bittererde u. a. ; 
noch viel mehr (6 — 10%) im Seesalz, Sal marinum (mit Jod, Brom, organ. 
Stoffen u. a.). 

Wirkungen dieses trefflichsten aller Salze wesentlich wie bei andern. 

Seine Bedeutung als diätetisches Mittel, z. B. den Einfluss des K. auf Lö- 
sung, Verdauung der Speisen, Kothbildung, Körperstoffe, Ausscheidung lehren Phy- 
siologie und Diätetik. In massigen Dosen, 3j — jjj äussert K. keine besondern 
Wirkungen, ausser etwa Uebelsein, Erbrechen, Durchfall; concentrirt macht es 



1 Wird auch im Körper zersezt und Phosphorsäure gebunden an Kali ausgeschieden, wäh- 
rend sein Natron im Körper bleibt (Böcker). 

2 Bei Ruhr rühmte es Jäsche wie Bittersalz gar als Specificum! 



Natron. 167 

örtlich Reizung, in grossen Mengen selbst Gastroenteritis mit tödlichem Ausgang. 
Scheint in Venen gesprizt die Contractionen des Herzens, wenn sie cessirt hatten, 
öfters wieder anzufachen. Langer Gebrauch mag unter Umständen die Entstehung 
von Scorbut u. dergl. begünstigen; doch sind die eigentliche Ursache z. B. bei 
Seeleuten mangelhafte Ernährung, schlechte Luft u. s. f., nicht K. an sich; Aus- 
schluss des K. in den Alimenten soll die Entwicklung von Eingeweidewürmern 
fördern (?). Dass K. die Lösung von geronnenem Eiweiss bei der Verdauung 
direct fördere, ist zweifelhaft (Schrenk); immerhin spielt es bei der Verdauung 
eine wichtige Rolle, vermehrt unter Umständen den Appetit (oft umgekehrt), ver- 
flüssigt den Schleim, mehrt seine Secretion l . K. tritt unverändert in's Blut, und 
wird als solches im Harn, Schweiss, Schleim u. a. wieder ausgeschieden. Im Blut, 
dessen constanten Bestandteil K. bildet, soll es besonders durch Flüssigerhalten 
des Eiweiss, Faserstoff Dienste leisten, in Verbindung mit Eiweiss die Blutkörper- 
chen in ihrer Form, Mischung erhalten (Müller), und schon vermöge jener Ver- 
flüssigung der Eiweissstoffe den mechanischen Stoffwechsel wie den Umsaz der 
Blut- und Gewebstoffe fördern. 

Zumal innerlich selten benüzt, Nothfälle und den Gebrauch in Sool-, 
Seebädern, Mineralwassern ausgenommen ; sicherlich würde aber Chlornatrium 
in Fällen, wo man durch dergl. Salze auf Blutmischung, Stoffumsaz, Eiweiss- 
stoffige Infiltrationen, Scrofulose u. a. wirken will, nicht weniger leisten denn 
andere. Eignet sich nicht als Abführmittel, macht selbst in grössern Dosen 
keine reichliche Absonderung der Darmschleimhaut u. s. f., wohl aber Uebel- 
sein, Erbrechen. Noch am häufigsten behandelt man mit K., auch Seesalz 
1. Magen-, Darmcatarrh, Indigestion, Helminthiasis, Fettsucht, Scrofulose, 
Tuberculose (Latour). 

Bei Helminthiasis sind K. , Häringe u. dgl. Volksmittel, besonders als Vor- 
bereitungs- wie Nachcur nicht ohne Werth. Bei Indigestion, Dyspepsie mit Liquor 
Potassae a ~ä Jj phosphors. Natron 3j# Wasser ^jjj in England als Liquid Con- 
cfirnent (Spurzin) Bier, Thee, Trinkwasser zugesezt. Bei Phtisikern in Brompton 
gab Cotton K. ohne allen Erfolg; das Körpergewicht nahm zwar bei der Hälfte 
der Kranken um 1 — 6 &' zu, doch wohl mehr in Folge besserer Nahrung, Ruhe 
u. s. f. als des K. 

2. Wechselfieber, Asiat. Cholera, Typhus (Stevens 2 , Griffin, Chomel, 
Piorry u. A.). 

Leistet hier überall so gut wie nichts ; Typhuskranke werden durch K. wie 
alle Salze mehr behelligt. Cholerakranken, zumal asphyctischen hat man K.Lö- 
sungen nicht blos in den Mastdarm sondern sogar in Venen injicirt, z. B. 
3jj K. für sich, auch mit Zß Natroncarbonat in etwa 8 U Aq. dest. gelöst 
und erwärmt Unzenweise eingesprizt (Lizars u. A.) ; Latta nahm dazu kohlens. 
Natron 3jj au f 160 Wasser, bis -f- 44° C. erwärmt, sprizte diese Dosis öfters 
auf einmal ein, nach wenigen Stunden wiederholt, selbst ^126 p. d. oft in 30, 
40 Stunden 20 — 40 U\ Lizars, Mackintosh, Briquet, Goupil gaben dem Kochsalz 
den Vorzug (s. oben);_Owen Rees injicirte K. ^jjj phosphors. Natron Jj kohlens. 
N. liß schwefeis. N. 3/?, die Lösung von 103!)' specif. Gewicht, bis -f" 36° C. er- 
wärmt; Little sezt sogar noch Weingeist zu. Der Erfolg rechtfertigte die Theorie 
nicht, auf welche dieses brutale Verfahren basirt war; Puls, Eigenwärme hoben 
sich zwar öfter in asphyctischen Fällen, die Kranken starben aber wie sonst auch. 
Scelle-Mondezert , Lemaire , Buys , Willemin (in Damaskus) rühmen wieder Koch-, 

1 Im Blut 11. a. thierisehen Säften bleibt der Gehalt anK. ziemlich' derselbe, mag in Speisen 
u. a. viel oder wenig K. eingeführt worden sein. Statt dass aber bei K. reicher Nahrung wie 
man sonst wohl glaubte Ernährung, Corpulenz , das Mästen von Tili eren gefördert wird, sinkt 
vielmehr das Körpergewicht öfter als es steigt; dass dadurch die Harnstoffmenge im Harn 
vermehrt werde (Bischoff), ist zweifelhaft; noch constanter sinkt darauf die Harnmenge etwas 
(Kaupp), und jedenfalls ist K. so wenig als andere Salze ein Diureticum. Hunde werden durch 
60—80 grm Salzlake (= 1/400 ihres Körpergewichts) getödtet, Pferde durch Dosen = 'V2oo ihres 
Körpergewichts (Goubaux). 

2 Stevens' Salzmixtur besteht aus K. 3j chlors. Ki gr. 6 kohlens. Natr. 3/? in fjß Wasser p. d. 
alle 2 St. ; auch im Klystier. Aehnliche Mischungen , oft mit Zusaz von Citroiiensaft rühmen 
Seaton Reid, Tucker u. A. viel mehr als von denkenden Aerzten geschehen könnte; Laycock 
gibt K. wenigstens als Getränke, mit Wasser; Aran Seesalz, 3x in fv schleimigem Vehikel, 
auch im Klystier, zu Bädern. G. Liebig fand es Tassenweis rasch getrunken als Brechmittel 
in Ostindien uüzlich. 



168 Natron. 

Seesalz bei Wechselfieber, wie schon Sylvius salzs. Kali; Levy, Margerie, Delioux 
u. A. fanden es ganz unwirksam. 1 

3. Hämoptysis, Lungenblutungen, um sie wenigstens momentan zu sistiren. 
Nüzt vielleicht etwas durch seine sedative, nauseose Wirkung , doch unsicher 

genug; mehrt oft noch den Hustenreiz. Bei hartnäckigem Nasenbluten lässt Morris 
1 Theelöffel voll in den Mund nehmen. 

4. Als Brechmittel, wenn kein anderes in der Eile zu haben, z. B. bei 
Vergiftungen mit narcotischen Stoffen, Pilzen 2 , bei Croup u. a. 

Als Gegengift bei Vergiftung durch Metallsalze , deren Metalle mit Chlor in 
^Wasser unlösliche Verbindungen eingehen, z. B. durch SilberNitrat ; das entstan- 
dene Chlorsilber kann aber resorbirt werden. 

D. bei längerem Gebrauch gr. x — xx mehrmals täglich, in jeder be- 
liebigen Form, in Fleischbrühe, mit etwas Saurem, Citronensaft, Weinsäure ; 
bei Wechselfieber 3jj — vj P- d-, Jj— jj p. Tag, z. B. in Wasser, aromat. 
Wassern; als Brechmittel Kaffeelöffel weis, fein gepulvert, mit etwas Wasser 
befeuchtet, auch 3j — jj gelöst in Wasser, öfters mit Senf. 

Künstliches Kochsalzhaltiges Mineralwasser: 3j— jj Natronbicarbonat, Zß— j 
Salzsäure mit ßj— jj Wasser; künstliches Adelheidwasser, mit gr. 1—2 Jodkai., 
gr. 1 /2 Bromkai. dazu, bei Scrofulose, Kropf. Aqua maris carbonica: *jj Meersalz 
gelöst in ^24 mit Kohlensäure gesättigtem Wasser oder Seewasser (Pasquier, 
Lasegne), bei Scrofulose, Würmern u. a., 1 — 3 Gläser täglich; Lobethal's markt- 
schreierische Essentia antiphtisica : Seesalz und Wasser! 

Aeusserlich benüzt 1. als reizendes Mittel bei chron. Hautkrankheiten, 
Geschwüren, Pernionen, chron. Conjunctivitis, Biss toller Hunde (zum so- 
fortigen Auswaschen), Croup (Kirby), Neuralgieen, hysterischen Anfällen, 
Krämpfen, Veitstanz, Lähmung, Rheumatismus, Cholera, Diarrhoe, scrofulösen 
Drüsenleiden (in Bädern), Kropf u. a. 2. Als Beisaz zu Klystieren, mit 
Seife, Oelen, auch um Eingeweidewürmer, eingedrungene Blutegel zu tödten, 
als Reizmittel bei Erstickten, Scheintodten, Berauschten (Lalaux), um Ge- 
burtswehen zu fördern. 

Am häufigsten benüzt man K., auch Stein- , Seesalz zu Bädern, etwa 2—4 U 
p. Bad 3 , öfter mit Senfmehl; zu Klystieren %ß— j in Wasser, schleimigen Decok- 
ten, z. B. von Leinsamen, mit Mohnöl u. a. Bei chron. Cystitis sprizte Lemaistre- 
Florian eine Lösung von 3j un( l mehr K. in ^vj Wasser in die Harnblase. Als 
Salbe mit Fetten etwa ^ vermischt, z. B. bei Hautleiden , als Derivans. Bei Con- 
junctivitis, Hornhautgeschwüren rühmt Tavignot eine Lösung von 3j— jjj Seesalz 
in ^j Wasser, auch Salben, gr. x — xxx auf ^j Fett; zu oberflächlichem Aezen 
applicirt T. Salzkrystalle. Als Hautreiz in trockenen warmen Umschlägen bei 
Croup, Haut-, Drüsenleiden; mit Weingeist, Branntwein altes Volksmittel bei 
Warzen, Rheumat. , Gicht, von Romershausen jezt als electromotorische Essenz 
verkauft; bei Cholera u. a. mit Flanell eingerieben (s. Salpeter). 

Chlorsäure s Natron, N. chloricum, erhalten z. B. durch Mischen 
einer Natronlösung mit Chlorsäure, von chlors. Kali mit saurem weins. Natron; 
leicht löslich in Wasser, Weingeist. Wirkt wohl ziemlich wie chlors. Kali. Bei 
Hautkrankheiten, Speichelfluss, Syphilis u.a. versucht (Darling, Cazenave), 3j — jjj 
p. Tag; bei Croup nach Tracheotomie durch die Canülle tropfenweise eingeflösst, 
Zß— j in 1J Wasser, warm, um die Pseudomembranen zu lösen (Barthez). 

N. boracic. s. boric., Borax, Boras Sodae, Borsaures Natron : erhalten durch 
directe Zusammensezung oder Reinigen des Tinkal; in Wasser, besonders heissem 
ziemlich leicht, in Weingeist nicht löslich; verwittert oberflächlich. 

1 Nach Parant, Lattimore nüzt K. wenigstens bei einfachem Wechselfieber, 5 V J— I j auf etwa 
5jv dest. Wasser, in 2 Portionen z. n. , die erste 1 Stunde, die zweite 1/2 St. vor dem Anfall; 
nach Moroschkin in Fällen , avo Chinin im Stiche liess ; in Russland ist K. bis zum Glühen ge- 
röstet und 1 Esslöffel voll vor dem Anfall in kalt Wasser verschluckt Volksmittel. 

2 Nach Cullen u. A. wirkt K. umgekehrt bei Nausea antiemetisch, auch gesalzene Fische, 
Sardellen, Salzfleisch. 

3 Bei Cholera geben u. A. Lepetit, Göz, Pfeufer concentrirte Salzbäder; bei Helminthiasis 
lassen Beauclair, Viguier die Kranken 1/2— 3 St. in Laubädern mit 3— 4 ff Seesalz, 1/2 8" Potasche 
und 3— 4 Loth Leim sizen ; bei Durchfall der Kinder geben Dewers, Lepetit Klystiere von 
3 Kaffeelöffel Seesalz auf 3 Gläser Wasser. 



Seife. 169 

Wirkungen die eines milden alkalischen Salzes. 

Findet sich im Harn unverändert wieder (s. Borsäure), auch in Blut, Galle; 
löst Harnsäure in hohem Grade auf, steht darin blos dem kohlens. Lithion nach 
(Binswanger) ; Leichenteile conserviren sich in seiner Lösung (Wimmer). 

Innerlich gibt man ihn bei Amenorrhoe, als Wehentreibendes Mittel 1 , 
bei Lithiasis mit vorwaltender Harnsäurebildung (Wetzler, Berzelius, Gras), 
zum Harntreiben bei Wassersüchtigen; bei Aphthen. 

Hier neutralisirt B. die saure Mundflüssigkeit, welche auch das Wachsen 
der Pilze fördert (Vogel) , und die aphthösen Exsudate schwinden wie auf andere 
Mittel oft schnell; doch kehren sie meist ebenso schnell an andern Stellen zurück. 
Bei Lithiasis "leistet B. so wenig als bei Wassersucht 2 . 

I). gr. xx — xxx, als Pulver, Lösung; bei Aphthen der Kinder meist 
3j— 3j mit Jj Honig, Syrup, Zucker und etwas Wasser. Zum äusserlichen 
Gebrauch nimmt man Lösungen in Aq. Rosar., Flor, aurant. u. dgl., 3j auf 
^jj — x Wasser, bei Salben auf §j Fett. 

Aeusserlich bei Geschwüren , zu Einsprizungen bei Leucorrhöe , Tripper, 
Augenlidkrampf; am häufigsten noch zu Schönheits- und Waschwassern, als ziem- 
lich unwirksames Mittelchen bei leichten oder unheilbaren Hautleiden, wie Ephe- 
liden , Leberflecken , Chloasma u. dgl. ; bei Liehen , Eczem , Pruritus der Genita- 
lien , des Afters (Biett, (Cazenave) ; von Schuh , Effenberger als Verbandwasser, 
3j — jj ail f fl> 1 5 hei brandigen Bubonen u. dgl. ; mit Branntwein z. B. in England 
ein altes Mittel zum Abhärten der Brustwarzen ; Frostbeulen wäscht manmit Jj/?B. 
gelöst in ^15 Wasser, davon 4 Esslöffel auf 1 Mass heiss Wasser (Trousseau). 

Mel rosat. c. Borace Ph. Wirt. 5j B. Jj Rosenhonig 3jjj Aq.; Mel 
boracinum Ph. Norveg. B. 1 Th., Mel despumat. 9 Tb. Bei Durchfall der Kinder 
gibt Bouchut 3/? B. auf ^jjj schleimigen Decoktes im Klystier. — Natri boracici 3jj 
Pulv. Fol. Sabinae, Cort.' cinnam. aa 3j Elaeosacch. chamom. 3JJ F. Pulv. Div. in 
8 part. aeq. ; stündlich 1 Pulver. — Mixt. (s. Emuls.) amygdal. dulc. Jjjj Aq. Rosar., 
Aq. Fl. aurant. äa Jjv Natri borac. 3j Tinct. Benzoes 3JJ : Aqua cosmetica. 

N. acetic. crystallisat. , Essigsaures Natron, Acetas Sodae s. 
natricus, Terra foliata tartari crystallisata: erhalten durch Sättigen von Soda mit 
Essig; in Wasser leicht, in Weingeist schwerer löslich, zerfällt an der Luft. Wir- 
kungen die des essigs. Kali ; liesse sich wie dieses benüzen , auch als Pulver ; 
obsolet. 

N. tartari c, Weinsaures Natron, Tartras Sodae: durch Sättigen von 
kohlens. Natron (s. dieses) mit Weinsäure erhalten; leicht löslich in Wasser, un- 
löslich in Weingeist. Als Laxans, Diuretic. u. s. f. benüzt, in den gewöhnlichen 
Dosen, von Desvignes u. A. als Limonade, mit Syrup , Tinct. C. Citri 3 . Als ange- 
nehmes Laxans empfiehlt Bernhardi Schwefelweinsaures N., N. oenothio- 
nicum, durch Zersezen schwefelweins. Kalks mit kohlens. Natron erhalten. 

N. citric, Citronsaures N., krystallisirbar , weiss, verwittert; von Gui- 
chon , Potton als Laxans empfohlen , sogar als Ersaz für alle salinischen Mineral- 
wasser, z. B. zu fj und mehr p. Tag mit Kohlensaurem Wasser und Syrup. citri 
(s. Citronens. Magnesie) ; Delioux zieht N.Citrat, N.Acetat als angenehmeres Laxans 
dem Glauber-, Bittersalz vor, 3 V J — x P- d. 

3. Sapo. Seife. 

Dargestellt durch Kochen von Fetten , fetten Oelen mit Kali- , Natronlauge ; 
das Fett zersezt sich in fette Säuren und Glycerin, welche sich im Alkali lösen 4 . 

* Dass B. wirklich die Wehen fördere, ist unwahrscheinlich genug- (Duchäteau, Binswanger 
U.A.); zudem gibt man ihn meist mit andern immerhin wirksameren Stoffen. Copland will aber 
durch B. gar Uterinpolypen abgetrieben, Poitevin Metrorrhagieen nach der Geburt sistirt haben. 

2 Kieselsaures und Benzoesaures Natron geben jezt Socquet, Bonjean, Briau bei 
Lithiasis, Gicht, mit Colchicum, Aconit, Ammoniak, Senna u. a., um die Bildung von Harnsäure 
und Uraten zu hindern, oder die gebildeten zu lösen, durch Nieren, Darm wegzublasen ! 

3 Liquor purgativus effervescens : weins. Natron %jß Natr. bicarb. oß gelöst in Aq. §x mit 
5j Citronensäure, sogleich fest verschlossen (Viel). 

4 „Seife" wird somit hier im gewöhnlichen engern Sinn genommen , als ein Gemenge von 
öl-, talg- und margavinsauren Alkalien, mit Ausschluss der durch Bleioxyd verseiften Fette 
(Bleipflaster) und der durch Aezalkalien verseiften Harze (Harzseifen). 



170 Seife. 

Löslich in Wasser, Weingeist, fetten Oelen; durch Säuren, Metall-, Erdsalze, 
hartes Wasser zersezt. 

Wirkungen wesentlich dieselben wie bei alkalischen Salzen; wirkt ört- 
lich wenig reizend, löst Fette, Schmuz auf der Haut auf 1 . Selbst grosse 
Dosen machen verschluckt blos Eckel, Würgen, Erbrechen, auch Durchfälle, 
keine Entzündung. 

Im Magen durch die freie Salzsäure u. a. des Magensafts theilweis zersezt, 
wodurch ein Theil der Fettsäuren frei; die Basen treten als salzsaure u. a. Salze 
in 's Blut, verhalten sich hier wie mildere alkalische Stoffe ; der Harn wird öfters 
weniger sauer, sogar alkalisch, auch seine Menge soll öfters vermehrt werden (?). 
Längerer Gebrauch stört Appetit, Verdauung, der Körper kann sogar abmagern. 

Innerlich gab man Seife (sog. medicinische) wie Alkalien und ihre Car- 
bonate bei Lithiasis, Gicht, Fettsucht, Gallenstein, Scrofulose, Tuberculose, 
chron. Bronchitis, Vergiftung mit Säuren. 

Hier allein noch innerlich benüzt, als ein Mittel zur Sättigung der Säuren, 
welches gleich bei der Hand. Sonst kam S. ausser Gebrauch, um so mehr als 
sie Magen, Appetit noch mehr stört als z. B. Alkalien, was abgesehen von ihrem 
widrigen Geschmack vom Freiwerden der Fettsäuren im Magen abhängt. Bei 
übermässiger Harnsäurebildung im Urin und Concrementen aus harns. Salzen 
sonst renommirt , meist mit Kalkwasser, so dass wahrscheinlich blos das freiwer- 
dende Natron der S. zur Resorption gelangte, während fettsaurer Kalk im Darm- 
canal blieb. 

D. gr. v — xx, mehrmals täglich, meist als Pillen, z.B. mit bittern Extracten, 
Galle, Rheum , Salzen. Dient ihrer passenden Consistenz wegen oft als Consti- 
tuens bei Pillenmassen, wobei zu beachten , dass medicin. Seife gepulvert in den 
Apotheken. Bei Vergiftung mit Säuren gibt man S. gelöst in Wasser möglichst 
schnell und viel, je nach Menge, Concentration der Säure x [i — V 2 ^ S. , Glas- 
weise. Als Laxans gibt sie Maly mit Syrup q. s. in Pillen, bestreut mit Magnesie 
oder Süssholzpulver. 

Aeusserlich, abgesehen von ihrem Gebrauch zum Reinigen der Haut 1. 
bei Tinea, Kräze, Prurigo, chron. Eczem, Psoriasis, Abscessen, Geschwüren, 
Drüsengeschwülsten. 

Bei Kräze leistet gewöhnlicher Seifenbrei, z. B. 2mal täglich eingerieben, 
oft so viel als grüne Seife, obschon langsamer (Stimmel u. A.) ; Hühneraugen, 
Callositäten der Fusssohle bedeckt man mit dick auf Leinwand gestrichener S. ; 
bei Verbrennungen, auch durch Phosphor, Säuren als Seifenschaum, d. h. ge- 
schabte Hausseife mit heissem Wasser zu Brei angerührt auf Leinwand gestrichen 
aufgelegt. 

2. Ihrer allgemeinen Wirkungen wegen bei Scrofulose, Lithiasis, Fett- 
sucht, Tetanus, Krämpfen, Convulsionen, Neuralgieen, wie Alkalien, Salze sonst. 

Man nimmt hier meist Hausseife gelöst in Wasser, zu Umschlägen, Waschun- 
gen , Bädern, Klystieren (hier bildet S. wie bei Suppositorien 2 einen gewöhn- 
lichen Zusaz) ; seltener gelöst in Weingeist, vermischt mit Pflastern, fetten, 
ätherischen Oelen, Kalilauge u. a. (s. Präparate). So dienen mit Kalilauge ver- 
sezte oder alkalische Seifenbäder, um kräftiger zu reizen, auch zum Reinigen der 
Haut bei Bleiarbeitern u. a. 3 . Nur zu cosmetischen Zwecken nimmt man getrock- 
nete Seifen in Pulverform, z. B. S. klein geschnitten, auf dem Ofen gedörrt, ge- 
pulvert, mit Weizenmehl ää, zum Waschen. Zu Bädern 8 — 12 Loth und mehr 
Hausseife, zu Klystieren l /j — 2 Loth, z.B. Jj gelöst in 58 — 10 heissem Wasser. 



* Diese ihre niizlichste Wirkung als Reinigungsmittel für Haut und Wäsche dankt S. ihrer 
Zersezung durch vieles Wasser in saure und basische Salze; leztere lösen durch ihr überschüs- 
siges Alkali Fett u. s. f. , und lassen sich samt den sauren Salzen durch Waschen mit Wasser 
leicht wieder entfernen. 

2 Suppositoria Cod. Hamb. Venet. Seife, Kochsalz ^ §j/J Aloe pulv. 3vj Amyl. §vjjj mit 
Honig q. s. 

3 Seifenwasser dient auch wie Lauge u. a. zum Reinigen des Penis unmittelbar nach ver- 
dächtigem Coitus ; Langlebcrt's Liquor, ein Waschwasser aus Potaschenseife (mit überschüssigem 
Kali), Weingeist äa 3.1 Ol. Citri 3v, als Prophylactic. gegen Ansteckung. Suin de Bontemart's 
Zahnpaste: eine Oelseife mit Pfeffermünzöl, Kugellack, kohlens. und schwefeis. Kalk, Bimsstein, 
zu enormem Preis verkauft. 



Seife. 171 

Präparate. Die Eigenschaften der S. wechseln je nach den dazu benüzten 
Fetten, und je nachdem diese durch Kali oder Natron verseift wurden ; man unter- 
scheidet drei Sorten. 

1. Harte (Oel-, Natron-) Seifen, z. B. medicin., Spanische, Venetian. Seife, 
durch Verseifen des Olivenöls mit Natron bereitet , bestehen so grossentheils 
aus ölsaurem Natron; 2. Schmier-, Kaliseifen, durch Verseifen von Thran, 
überhaupt der geringsten Fettsorten mit Kali erhalten ; 3. Talg- oder gemischte 
Seifen, Ochsen-, Hammeltalg, Palmöl verseift durch Kali und Natron zugleich: 
Hausseife , Sapo domesticus s. Sebi s. sebaceus, oft verfälscht mit Kreide , Thon, 
Schwerspath , Stärke. 

Sapo medicatus (natronatus) , Medicinische Seife: durch 
Verseifen von Olivenöl (mit £i Schweinefett Ph. Bor.) mit Natronlauge erhalten ; 
weiss, hart, leicht pulverisirbar. Innerlich allein bentiztjts. oben. 

Andre harte Natronseifen: Sapo hispanic. albus alicantin., venet., marsiliensis, 
Spanische , venetianische Seife ; Karsbader Sprudelseife ; S. Olei Cocos , Olei Cacao, 
Cocos- , Cacaoseife ; S. sebacinus anglicus , Windsorseife ; S. amygdalin., Mandel- 
seife, aus Stissmandelöl bereitet; S. pellucidus, Transparentseife, durch Verdam- 
pfen in Weingeist gelöster harter Natronseife erhalten. Ali diese feinern S. wir- 
ken milder auf die Haut als Hausseife ; daher zur Frauen-Toilette , auch bei leich- 
ten Hautaffectionen benüzt. Durch Zusaz ätherischer Oele, Pulv. R. Iridis flo- 
rent. , Perubalsam u. dgl. lassen sie sich zur höchsten Rangstufe ieiner Cosmetica 
erheben (s. Präparate). In England auch Mischungen von S. mit Schwefel , Sand, 
Quecksilberpräcipitat , Sublimat u. a. im Gebrauch, von leztern gr. x auf ^j, par- 
fümirt durch äther. Oele 1 . Sapo aromatic. pro balneis: pulverförmige Mi- 
schung aus Span. Seife, Stärkmehl, Veilchenwurzel, Perubalsam, äther. Oelen, 
sonst offic. 

Spirit. saponat. , Seifenspiritus, Balsamum saponaceum : Span. Seife 
gelöst in Weingeist und Rosen-, Lavendelwasser oder mit ätherischen Oeien ; nach 
Jourdain's Pharm, univers. Seife ^jjj Kali carb. 3J i n Alcohol ^xjj gelöst und 
filtrirt. Zu Einreibungen, Waschungen benüzt, oft mit Kampher, Kamphergeist,' 
Benzoetinctur u. dgl. (Opodeldoc s. Kampher). Sapo cosmetic, 3 Th. Span. 
Seife , 1 Veilchenwurzel, V 16 Lavendelöl , V 20 Bergamottöl , Rosenwasser q. s. um 
draus Kugeln zu formen ; nicht officin. Emplastr. saponatnm, Seifen- 
pflaster Ph. Bor.: Bleipflaster mit Span. Seife, Wachs; nach a. Pharm, noch 
Kampher , Terpentin ; bei Drüsengeschwülsten , Abscessen u. a. aufgelegt 2 ; auf 
Gemsenleder gestrichen bei brandigem Decubitus nach Abstossen des Schorfs 
(Bucknill). 

Sapo viridis, Grüne S.eife , Schmierseife, Sapo kalinus, mollis, niger, 
Thranseife : bereitet durch Kochen von Thran, Seehundsfett oder Reps-, Lein-, 
Hanföl, Talg mit einem Ueberschuss unreiner, aus Potasche und Aezkalk dargestellter 
Kalilauge; wesentlich eine Lösung von Kaliseife in überschüssiger Kalilauge mit 
mehr oder weniger Potasche; wechselt je nach der Fabricationsweise in Zusam- 
mensezung, Güte, Färbung (S. viridis, niger 3 ); schlüpfrig, weich, in Wasser, 
Weingeist leicht löslich , von widrigem Geruch. 



1 Als Ersaz für Salben lässt jezt Descbamps sog 1 . Sapones einreiben , wo statt Fett wein- 
geistige Seifenlösung als Excipiens dient, z. B. Jodkai. , Aq. dest. tT a 5j auf %} Seifenlösung; 
desgleichen Extr. Belladonn., Laudanum u.a. Borchardt's sog. Kräuterseife': Hausseife mit 
einem Farbstoff, Lavendelöl u. dergl. 

2 Bei Wasserkopf legt man z. B. behufs der Compression damit bestrichene Leinwand-, 
Lederstreifen concentrisch dem Scheitel zu über den ganzen Kopf (Baader); bei Mammage- 
schwülsten, mit Bleipflaster, von der Achselhöhle unter der Warze weg zum Sternum, um sie 
zu stüzen (Paterson) ; bei Hygroma, Tumor albus u. a. Gelenkkrankheiten legt Scott (u. Mathew) 
auf die erst mit Seife, dann mit Kamphergeist gewaschene Haut Leinwandstreifen bestrichen 
mit Seifencerat (Seife 300 grm, Wachs 45, Bleiglätte 450, Olivenöl 600, Essig 300, auch mit etwas 
Kampherhaltiger Quecksilbersalbe) längs der Längenaxe des Glieds; kreisförmig um diese herum 
mit Seifencerat bestrichene Riemen von Weissleder, Bandeletten von Diachylonpflaster , alles 
durch Flanellbinden zusammengehalten ; der Verband bleibt 10—14 Tage liegen , nöthigenfalls 
wiederholt angelegt. 

3 Schwarze Seife heissen die aus thierischen fetten Abfällen dargestellten Sorten ; Pfeufer's 
Schmierseife enthält mehr überschüssiges Kali als nach vielen Pharmacop.; am reinsten durch 
Verseifen z.B. von 2 Th. Fett mit 1 Aezkali erhalten; Kali-Creme Preschel's : flüssig, reiner als 
gewöhnliche Schmierseife der Seifensieder, parfümirt, bei Hautkrankheiten benüzt. Zumal in 
der Privatpraxis, wo Schmierseife lästig genug und z. B. bei Frauen, Kindern selbst gefährlich, 
nimmt man oft besser derartige Mischungen, z. B. 2—6 Th. Axungia auf 1 Kalilauge (S. 154). 



172 Seife. 

Ihres überwiegenden Gehalts an Kali wegen schärfer reizend als ge- 
wöhnliche Seifen 1 ; äusserlich bei chron. Hautaffectionen, zumal bei Kräze 
benüzt (Pfeufer, Vezin, Cramer u. A.). 

Durch Erzeugen von Hautentzündung wie durch Tödten der Kräzmilben 
will man hier Kräzvesikeln, Jucken und die Neigung zu deren beständiger Re- 
production beseitigen; auch erreicht man dies meist sicher und schnell. Nur selten 
kommt es zu stärkerer Entzündung, z. B. an stark eingeriebenen Stellen; statt 
Kräze bilden sich jezt sog. Nachausschläge, Herpes, Eczem , Urticaria, welche 
indess bald von selbst oder auf einige Bäder zu heilen pflegen. Schmierseife ist 
so für Kräzmilben »was der Kamm für die Laus,« und trifft dies auch nicht haar- 
scharf zu, so hat sie doch als rasches , wohlfeiles und meist sicheres Mittel Werth 
genug, besonders wo Kräzige en gros zu heilen, bei Militär, Sträflingen, in Spi- 
tälern u. a. Nur gilt jvie überall, nicht alle Fälle von Kräze über einen Leisten 
zu tractiren, vielmehr Dosirung der Seife, Häufigkeit der Einreibungen wie Tem- 
peratur des Zimmers, etwaige Vorbereitungscuren u. s. f.- möglichst zu individua- 
lisiren , also keine der vielen Methoden z. B. von Pfeufer , Helmerich , Vezin, 
Hardy , Englische Methode ausschliesslich zu befolgen ; bei frischer Kräze ver- 
fährt man anders als bei alter, bei ausgebreiteter anders, als bei wenigen Pusteln 
an der Hand u. s. f. Wie alle scharfen Mittel ist auch dieses verboten bei wirk- 
licher Hautentzündung; complicirende Krankheiten, zumal acute lässt man erst 
vorbei ; bei Reizbaren, Schwachen, Kindern ist Schmierseife meist weniger passend. 
Oefters hat man in Folge zu heftiger Reizung grosser Hautflächen , Hize des Zim- 
mers u. s. f. sogar plözliche Todesfälle beobachtet. Stets bedenke man, dass 
die Haut ein wichtiges Organ ist vermöge ihrer Ausscheidungsprocesse, ihres 
immensen Reichthums an Nerven; auch Güte, Gehalt der S. , welche so häufig 
verfälscht, bald sehr scharf, bald ganz unwirksam, verdient sorgfältige Prüfung. 

Zu einer Einreibung braucht man *jj — jv Schmierseife, im Mittel föj— jj für 
die ganze Cur. In Fällen, wo ihre heftigeren Wirkungen überflüssig, selbst 
schädlich wären, so besonders bei spätem Einreibungen mildert man sie durch 
Zusaz anderer Stoffe, meist von Schwefelblumen , etwa 1 Th. auf 2 — 4 Seife ; in- 
sofern aber Schwefel nur ein unwirksames, mechanisches Verdünnungsmittel ist, 
sezt man oft besser Fett zu (z. B. äi, Axungia, bei Kindern u. a., oder Sap. virid. ^jj 
Schwefel £j Axungia "%ß — j) , auch Theer u. a. (Kreide mit Wasser: Hecker, 
Schinzinger) 2 . Umgekehrt verschärft man schwache , an Kali zu arme Seifen 
durch Zusaz von Potasche, Kochsalz, Chlorkalk, selbst Kalilauge u. dgl. , z. B. 
3JJ— J v 5 oder 3j— 3j Aezkali auf Jj S. 

Meist gibt man erst ein langes Laubad, auch Seifenbäder (am mildesten bei 
frischer Kräze, reizbarer Haut), oder wäscht die Haut mit Hausseife; grosse Pu- 
steln öffnet man vor der Einreibung; während der ganzen Behandlung, 3 — 8 Tage 
durch lässt man den Kranken im Bett bei warmer Zimmertemperatur (öfters sogar 
4- 26 bis -f- 30° R. 3 ) schwizen. Bei den Einreibungen selbst steht der Kranke 
nackt am Ofen, bei geschlossenen Fenstern, und reibt (nach Pfeufer u. A.) die 
ganze Oberfläche des Körpers mit Ausnahme der Genitalien (öfters auch diese) 
und des Kopfes ein (mit Handschuhen, wollenen Socken über den Händen), vorzugs- 
weise und stärker , oft allein die mit Kräze behafteten Stellen (diese auch mit 
weichen Bürsten), je nach Umständen täglich 1 — 2, selbst 3 — 4mal, oder blos alle 
2 Tage. Nach jeder Einreibung liegt der Kranke in's Bett (nachdem in leichte- 
ren Fällen die Seife wieder abgewaschen worden) , oft nackt zwischen wollenen, 



Eine aus Kameelfett (?) bereitete Seife im Orient als Arabische Seife, arabo sapono in Gebrauch 
(Lan derer). 

1 Verschluckt macht sie in grossem Mengen wie andere Salze Brechdurchfälle u. s. f., auch 
Abortus, und wird öfters in dieser Absicht benüzt (Darien). 

2 Wiener Kräzsalbe: Sapo virid., Axung. <^ 3, Flor, sulphur., Pix liquid. ä~u D/2, Creta alb. 
1 Th.; Hebra nimmt statt ihrer auch Vleminekx' Lösung- bei Kräze u. a., als wirksamer, wohl- 
feiler; Schubert sezt §8 Seife ?4 Kochsalz gelöst in Wasser bei; Költsch Chlorkalk §j auf Seife, 
Schwefel aa Jjj. 

3 Diese Temperatur ist meist zu hoch; 16— 18° R. reicht hin bei gehörigem Schuz gegen Er- 
kältung z. R. durch Luftzug in Krankensälen; nur im Winter muss geheizt werden. Resser 
hält man den Kranken durch Decken, Einwickeln in Teppiche warm, welches leztere jedoch 
gleichfalls in leichtern Fällen überflüssig, oft störend ist. Durch Einwickeln der eingesehmierten 
Hände, Arme in's Retttuch u. s. f. ist ein Ucbertragen der Seife auf andere Stellen zu hindern. 
Auf einzelne Kräzstellen kann man mit Seife imprägnirte Flanelllappen legen, wirkt so am 
stärksten. Bei leichtern Fällen und in der Privatpraxis leistet dagegen Waschen mit Hausseife 
oder Kreide und Wasser, etwa mit Fetteinreibungen und lauen Rädern so viel als Schmierseife. 



Ammoniak. 173 

mit Thranseife bestrichenen Decken , oder wird selbst in Teppiche , Kozen ge- 
wickelt. Meist entsteht jezt heftiges Brennen , Schweiss, oft Friesel, Vesikeln, 
Papeln, was Alles jedoch bald zu schwinden pflegt. Passend sind warme Bäder etwa 
alle 2—3 Tage, etwa mit einigen Loth Schmierseife, bei milder Diät; nötigen- 
falls, bei starkem Brennen, Fieber, Nachausschlägen, aufgekrazten wunden Stellen 
kalte Umschläge, Douchen, milde Salben u. s. f. Hatte die Hautentzündung den 
gewünschten Grad erreicht, bildet sich keine Kräze mehr, so ist die eigentliche 
Cur vollendet und die Einreibungen werden ausgesezt; im Mittel braucht es 6— 12 
Einreibungen, 5—10 Tage zur Cur. 

In Belgien, Frankreich u. a. cürirt man auch Kräze in 2 — 6 Stunden, sog. 
Schnellem- (Hardy, Vleminckx, Gibert , Volz u. A.), wie schon bei Helmerich's 
Methode : nach lauem Bad oder Waschen mit Schmierseife und Wasser aa Ein- 
reiben der Seife V« St. , dann wieder in's Bad , wo er seine Haut 1 St. lang rei- 
nigt, von da in's Krankenzimmer, wo mit Hülfe eines Kameraden, Wärters Hel- 
merich's oder Englische Salbe aus 8 Th. Schweinefett , 2 Schwefelblumen oder 
1 Potasche oder kohlens. Kali (erst in Wasser gelöst) */* Stunde eingerieben wird, 
und dann sofort entlassen, oder auch zuvor 1 Stunde in wollene Decken gewickelt l . 
Nach geheilter Kräze oft wieder Bäder , im Sommer auch Flussbäder , Waschun- 
gen, und Wäsche, Kleidungsstücke gewechselt; nötigenfalls die ganze Cur wie- 
derholt. 

Wie bei Kräze kann man Schmierseife und ihre Mischungen bei Psoriasis, 
Ichthyosis, Läusesucht, Herpes, Impetigo, Tinea, Acne, chron. Eczem , Warzen, 
Callositäten u. a. einreiben 2 ; mit mehr oder weniger Wasser zu Waschungen, 
als Zusaz zu Bädern , z. B. bei Callositäten , Leichdorn in Fussbädern (Lisfranc) ; 
zu Kly stieren wie andere Seifen ,' z. B. 3J m 3 8 Weissem Wasser. 

4. Ammoniak und seine Verbindungen. 

Ammoniak bildet sich bei Zersezung organischer Substanzen , wenn N und H 
in statu nascenti zusammentreffen , z. B. bei Fäulniss wie trockener Destillation 
thieiischer und Nhaltiger pflanzlicher Substanzen. Ammoniakgas, NH 3 , er-' 
halten durch Erhizen von 1 Th. Salmiak mit 2 Aezkalk, leicht löslich in Wasser, 
riecht eigenthümlich stechend, wirkt reizend, z. B. auf äussere Theile , Nase, 
Augen wie auf Luftwege, vermehrt deren Absonderung, kann concentrirt einge- 
athmet Entzündung, Glottiskrampf u. s. f. bedingen. Auf Injection des Gases 
in's Blut entsteht Athemnoth , Collapsus , selbst rascher Tod (Nysten) ; tödtet auch 
Pflanzen (Decandolle). Gebrauch s. unten. 

Liquor Ammonii s. Ammoniaci caiistici, Aezende Ammoniak flüssig Jceit, 
Ammonium liquid, caustic., Ammonia pura liquida, Spirit, Salis ammoniaci 
caustic., Aezender Salmiakgeist. 

Durch Destillation von Salmiak mit Kalkhydrat und Wasser erhalten ; ist 
ein mit Ammoniak gesättigtes Wasser; wasserhell, verflüchtigt sich leicht, nimmt 
an der Luft Kohlensäure auf; hält meist 10% Amnion., wechselnd nach den Phar- 
macop. ; nach Ph. Wirtemb. ausser obigem ein Liq. Amm. caust. concentratus offic. 

Wirkt örtlich scharf reizend, durch das sich verflüchtigende A.Gas auch 
auf Nase, Luftwege, Augen, concentrirt äzend. Macht in kleinern Mengen 
verschluckt Reizung der Mundhöhle, Schlingwerkzeuge, des Magens, Speichel- 
fluss, Wärmegefühl, Brennen in der Magengegend, oft Uebelsein, Colik, Durch- 
fall, zuweilen Steigerung der Eigenwärme und Pulsfrequenz ; soll auch öfters 
Hautausdünstung, Harn, Absonderung der Bronchialschleimhaut vermehren 
und bei lange fortgeseztem Gebrauch Blutarmuth, Verflüssigung des Bluts, 
Scorbut u. dergl. wie andere Alkalien herbeiführen; immerhin kommt es 



* Hardy lässt erst schwarze Schmierseife 1/2 St. in den ganzen Leib einreiben, dann im Bad 
gleichfalls 1 St., gleich nachher Helmerich's Salbe 1/2 St. (hiezu nehmen jezt Manche Kalk- 
schwefelleber, s. diese); zum Schluss wieder Bäder. In der Zwischenzeit werden die Kleider 
des Kranken gereinigt , am Ofen erhizt , so dass er sofort weggehen kann. Statt der in praxi 
oft schwer beizuschaffenden Bäder nimmt Wucherer die schärfere Horn'sche Seife : Schmierseife 
mit Potasche und gepulvertem Stangenschwefel. Küchenmeister, Schinzinger lassen nach dem 
Bad auch Anis-, Rosmarinöl einreiben. 

2 Bei Psoriasis u. a. lässt Hebra die Seife nach einem langen Bad ein- und nachher mit 
Bimsstein wieder abreiben, oder wickelt den Kranken gut eingerieben in Kozen. 



174 Ammoniak. 

leicht zu Verdauungsstörungen, Durchfällen, selbst zu chro-n. Gastroenteritis. 
In grossen Dosen, §/? — j und mehr verschluckt wirkt A.Flüssigkeit äzend 
auf Mundschleimhaut, Schlund, Magen; ausser Schmerz, Schlingbeschwerden, 
Würgen, Erbrechen, Durchfall entstehen durch gleichzeitiges Einathmen des 
Gases Hustenanfälle, Sticknoth, Aphonie, selbst Convulsionen, Krämpfe \ Col- 
lapsus, schliesslich Tod. 

In der Leiche mehr oder weniger Stomatitis, Glossitis, Epiglottitis, Gastritis, 
Injection, Ecchymosen, selbst weisse, oberflächlich verschorfte Stellen auf Zunge, 
Schlund u. a. Verfahren bei Vergiftung : fette Oele , Emulsionen , Milch , gleich 
Anfangs wenn möglich auch Neutralisirung durch Essig, Citronensaft (nöthigen- 
falls durch die Schlundsonde beigebracht), wie des eingeathmeten A.Gases durch 
Essigsäure- , Chlor-, Salzsäuregas ; im übrigen symptomatisch. 

A. hat alle Eigenschaften eines starken Alkali, löst und verflüssigt Eiweiss, 
Schleimsaft , verseift Fette , und wirkt so zugleich äzend ; verbindet sich im Ma- 
gen mit Salzsäure u. a. seiner Flüssigkeiten zu Salzen ; geht als solche wie zum 
Theil als flüssige Eiweissverbindung in's Blut über; wird durch Nieren, Lungen, 
Haut wieder ausgeschieden ; der Harn wird durch A. selten alkalisch , indem es 
gebunden an Phosphor- , Harnsäure . Chlor drin ausgeschieden wird , nicht als 
kohlens. A. ; A. fand man auch in Leber, Milz u. a. (Orfila). 

Innerlich selten mehr benüzt seiner lästigen und leicht zu ersezenden 
Wirkungen wegen, bei Indigestion, Gastralgie, Magensäure, Flatulenz, Colik, 
Algieen, Migräne, Rheumat., Gicht, Convulsionen, Krämpfen, Delirium tremens, 
Epilepsie, Tetanus, Asthma, Keuchhusten u. a.; bei Collapsus, Ohnmacht, 
Rausch, Narcose, giftigem Schlangen-, Hundsbiss, Lähmungen, selbst bei Asiat. 
Cholera, Typhus, Gelb-, Wechselfieber, acuten Exanthemen, überhaupt als 
Analepticum, Reizmittel im Verlauf schwerer Krankheiten, bei Scharlach, 
Bronchitis, Pneumonie u. a. 

Sonst auch bei chron. Hautleiden , Scrofulose , Syphilis , Diabetes im Credit, 
doch ohne ihn zu verdienen ; bei Schlangenbiss, Biss wüthender Hunde noch jezt, 
nüzt aber nichts Positives, Viperngift z. B. wirkt troz seiner Vermischung mit 
A.Liquor giftig (Fontana) ; dasselbe gilt von seinem angeblichen Nuzen als Gegen- 
gift von Kohlendampf, Kohlen-, Blausäure (Murray) , und blausaures Ammon. wirkt 
selbst giftig. Auch bei Nervenleiden, Narcose, Collapsus, Schwäche u. a. verdienen 
meist andere Mittel den Vorzug , ausgenommen etwa die extremsten Fälle von 
Rausch , von Vergiftung durch narcot. Stoffe u. dgl. 2 . 

D. gtt. jjj — vj, p. Tag 3/? — j in Zucker-, aromat. Wassern, schleimigen 
Flüssigkeiten, Wein u. a. 

Meide : Säuren, Metallsalze. — Liq. Ammon. caust. gtt. x Aq. Menth, pip. ^jj 
Extr. Bellad. gr. jj Syr. fl. aurant. ^ß; Kaffeelöffelweis. 

Aeusserlich oft benüzt als Hautreiz, Rubefaciens, Vesicans 3 bei Collap- 
sus, Ohnmacht, Narcose, Erstickung, Coma, Lähmungen, Algieen, Rheumat., 
Gicht, Krämpfen, Convulsionen, Typhus, Cholera, Scharlach u. a.; bei Haut- 
krankheiten, Tinea, Kräze, Pruritus, Hautödem, Hydarthrose, Drüsenschwel- 
lungen, Geschwüren, Fisteln, Brand, Krebs; bei Quetschungen, Ecchymosen, 
Erfrierungen, Pernionen, Verbrennungen (hier oft als Abortivmittel), Angina, 
Diphtheritis, Aphonie, chron. Laryngitis, Ophthalmieen, Tripper, Fluor albus, 
Amenorrhoe u. a. 

Man reibt A.Liquor als Hautreiz rein für sich ein, mittelst Flanell und 
dergl., legt um stärker, selbst äzend zu wirken damit benezte Compressen, 



1 Diese Zufälle entstanden z. B. auch bei einem Geisteskranken auf Verschlucken einer 
stark A. haltigen Salbe (W. Reed). Direct in's Blut gebracht tödten schon 5/?— j rasch unter 
Convulsionen, Krämpfen (Orfila, Hertwiff). 

2 Bei Säuferwahnsinn, Rausch, Lähmungen u. dergl. rühmten A. wieder Dallas, Teissier, 
hei Tetanus Rigaud, bei Gicht, Epilepsie Hatin, bei Asthma, Keuchhusten Latham, Levret- 
Perroton u. A. , bei Scrofulose Verdier , bei Amenorrhoe Trousseau. Berauschten, Narcotisirten 
brachte man A. nöthigenfalls im Klystier bei. 

3 Dient so häufig statt Canthariden , wenn Reizung der Harn- und Geschlechtsorgane durch 
leztere bedenklich wäre; auch bei endermat. Application von Arzneistoffen. 



Ammoniak. 175 

Badeschwamm, Agaricusscheiben auf, oder mischt ihn mit Fetten, fetten Oelen 
äa 1 ; um milder zu wirken, z.B. bei Hautleiden, Pruritus u.a. mit 3 — 6 Th. 
Fett, Olivenöl, auch mit Alcohol, Aether, Tinct. Cantharid., Spirit. camphorat., 
Angelicae composit. u.a., gj auf 3j — jv A.; zu Waschungen, Fomenten z.B. 
bei Typhus, Coma, Blattern, Scharlach, Eiterungen, Krebs, unterdrückten 
Fussschweissen, Ecchymosen u. a. wie zu Injectionen, Klystieren gtt. 10 — 30 
und mehr auf Jj Wasser, Milch, Haferschleim u. dergl., zu Augenwassern 
gtt. 5—10 auf g 2 . 

Als Aezmittel ist A. meist zu schwach, ausser etwa bei Schlangenbiss, Insek- 
tenstichen u. dgl. : bei Verbrennungen taucht man den Theil sogleich in A., 
legt auch damit getränkte Charpie auf, Leinwand drüber, und benezt diese mit 
A. 1 Stunde und länger (Guerard u. A.); die Epidermis vertrocknet, schülfert 
sich später ab; auch bei Pruritus ani , Hämorrhoidalknoten, Prurigo u. a. öfters 
so benüzt. Bei Angina, Bronchitis, Epilepsie, Wasserscheu, Asthma u. a. zum 
Aezen des Schlundes , der Mundhöhle aufgepinselt (Ducros' rharyngopyrotechnie 
S. 48), auf die Augenlider bei Amaurose. 

Liq. Ammon. caust. ^j Ol. Tereb., Ol. oliv. ^ 3 j JJ ? zu Einreibungen. 

Ammoniakgas dient öfters als Riechmittel zu Einathmungen bei Coryza, 
Bronchien-, Kehlkopf catarrh, Aphonie, Lungenemphysem, Asthma, Lungen- 
tuberculose, Croup, bei Migraine, Prosopalgie, Zahnschmerz, Amaurose, epi- 
leptischen, hysterischen Anfällen, Chorea, Ohnmacht, Erstickung, Scheintod 
z. B. durch Kohlendampf, Chloroform, Chlor, Blausäure, Narcotica, bei Er- 
trunkenen u. a. 3 . Man nimmt hiezu ein mit A.Liquor gefülltes Gefäss, oder 
entwickelt A.Gas aus Salmiak mit Aezkalk (S. 173) wie z. B. in Leayson's 
Pulver. 

Stets mit Vorsicht, zumal bei Bewusstlosen , Ohnmächtigen, Erstickten; 
öfters kam es dadurch zu Bronchitis, Pneumonie, Erstickung, Tod. 

Spirit. s. Liquor Ammonii caustici alcoholic. s. spirituos.. 
s. D z ondii , Alcohol ammoniacalis Dzondii: rectific. Weingeist mit Ammon. Gas 
gesättigt ; hält nach Ph. Bor. 10°/o wasserfreies A. (der frühere Liquor Ammon. 
vinos. s. Spirit. Salis ammoniaci vinos. bestand aus 1 Th. Aezammon. mit 2 Wein- 
geist ; obsolet) : klare Plüssigkeit , riecht , schmeckt stark nach A. , wirkt ziemlich 
wie wässriger Ammon. Liquor. Oefters als Excitans , Analepticum benüzt, gtt. 
10 — 20 p. d. , für sich , auch mit Branntwein , andern Tincturen , äther. Oelen, 
als Zusaz zu Mixturen. Aeusserlich als Riechmittel, zu Einreibungen, Waschungen, 
Fomenten wie Ammon. Liquor , bei Quetschungen , Verstauchungen, Sugillationen, 
Luxationen (Dzondi, Ebert u. A.), z. B. möglichst bald 3 — 4mal täglich eingerie- 
ben, nicht in wunde Stellen selbst ; auch später bei Exsudaten. Lähmung, Schwäche 
u. s. f. der Theile. 

Liquor Ammonii s. Ammoniaci anisat, Spirit. Salis ammoniaci 
anisat. : 1 Th. AmmoniakLiquor mit 4 Alcohol , in welchem etwas Anisöl gelöst 
(Ph. Boruss. Austr. u. a.), sonst auch durch Destill, von Salmiak mit kohlens. 
Kali, Weingeist, Anis, Wasser bereitet; klar, gelblich, durch Zusaz von Wasser 



1 Hieher Gondret's Salbe, Ungut, ammoniacale Gondreti: Axungia oder Talg mit Olivenöl 
m 1 Th. mit 2 A.; oder Axung. f/J Talg 5;J — j geschmolzen in einer festschliessenden Flasche, 
nacli dem Erkalten mit A. $ß geschüttelt; als Vesicans eingerieben, oder damit getränkter 
Flanell fest aufgelegt und stets mit Compressen bedeckt. Darcq füllt ein Uhrglas mit gtt. 10—20 
A., hält es mit Leinwand bedeckt und umgestürzt auf die Haut gedrückt; Aehnliches leistet 
mit A. getränkte Baumwolle in einem Fingerhut. 

2 Bei Pernionen u. dergl._z. B. 3j mit 5jj— jjj Axung., gr. jj Quecksilberoxyd (Herbin) ; bei 
Favus §jj mit Talg, Axung. an §j, oei Acne indurata lTh. mit 50U Kleienabsuct zu Waschungen 
(Cazenave); bei Krebsgeschwüren 1 Th. mit 5 Wasser auf Charpie (Richard). Bei Tripper, 
Vaginitis, Fluor albus, Otorrhoe, Diphtheritis, Fisteln, Geschwüren, Uterinkrebs u. a. wird A. 
jezt oft statt Höllenstein, Aezkali benüzt. Bei Amenorrhoe sprizten Lavagna u. A. gtt. 10—15 
mit 3—4 Esslöffeln Milch, Gerstenabsud, auch Mucil. Gi arab. u. dergl. sogar in den Uterus. 

3 Bei Erstickten u. A. wie bei Chlorgas oder Brustkranken, Croup u. dergl. nüzt es wenig 
genug, kann sogar viel mehr schaden; bei Hydrocele injicirt (Bonafont) wirkt A.Gas zu schwach, 
ebenso bei chron. Gelenkaffectionen, Schwellungen, Lähmungen, chron. Rheumat., Gicht, Algieen 
u. dergl. Hier überall benüzt man auch die sog. Ammoniakgrotte zu Pozzuoli bei Neapel. Sogar 
in den Uterus wurde A.Gas bei Amenorrhoe gebracht. Nüzlicher vielleicht in Räumen, deren 
Luft mit Chlor, Schwefliger Säure u. dergl. geschwängert ist; doch leistet auch hier tüchtige 
Lüftung ungleich Besseres. 



176 Kohlensaures Ammoniak. 

scheidet sich das ätherische Oel aus ; wirkt milder als Ammoniakliquor, innerlich 
daher öfter bentizt , bei Flatulenz , Colik , Krämpfen , Asthma ; D. : gtt. 20—30, 
p. Tag 3/3 — jj, für sich, in aromat. Wassern, Infasen, auch mit Tincturen, Lau- 
danum u. a. ; äusserlich seltener , z. B. eingerieben , als Zusaz zu Salben , als 
Riechmittel. Liquor Ammonii (s. Spirit. Salis ammoniaci) foeni- 
c u 1 a t. , 1 a v a n d u 1 a t., ähnliche Präparate, obsolet *. 

Spirit. (Liquor) Ammoniaci aromat., Spirit. Salis ammon. aether., 
Spir. aromat. ammoniat. Ph. Edinb. Lond. Hamb. Wirtemb., sehr zusammenge- 
sezt, d. h. eine Lösung von Aezammoniak in Weingeist mit den in Weingeist 
löslichen Bestandteilen von Angelika , Galgant , Zimmt , Gewürznelken , Pome- 
ranzenschale u. a. , oder (Cod. Hamb.) mit den äther. Oelen von Nelken, Macis, 
Majoran selbst; Gebrauch wie beim vorigen. Liquor Ammonii coerul. 
Cod. Hamb. : Amm. Liquor , Lavendel- , Rosmaringeist mit etwas Grünspan , im 
Spirit. nervin. externus mit V» Cantharidentinct. 

Spirit. Ammoniae foetidus Ph. Lond. Edinb. Dubl., durch Destil- 
liren von Salmiak , Kali carb. , Asa foetida , Alcohol , Wasser erhalten, gleichfalls 
als Stimulans und Sedativ, benüzt, D. Zß— j. 

Liniment, ammoniacat. s. ammoniat., Linim. Ammoniaci s. volatile, Ol. 
ammoniacat., Sapo Ammoniae : 4 (3) Th. Provencer Oel mit 1 Aezammon. zusammen- 
geschüttelt; dient als gelind reizendes, Hautröthendes Mittel, oft mit Cölnisch 
Wasser, Weingeist, äther. Oelen, Kampher, Ungt. Mercurii einer, u. a. ; meist 
einfach eingerieben; um stärker zu reizen legt man dicken Flanell, 6— 8f. zu- 
sammengelegte Leinwand in die Salbe getaucht fest auf, bedeckt von einem 
dicken Zeug, wirkt so bei Zusaz von aa Aezammoniak oft als Vesicans (S. 174) 2 . 

Amnion, carbonicum (sesquicarbonic.), Kohlensaures Ammoniak, Andert- 
halb fach-kohlens. Ammoniak 3 . 

Carbonas s. Subcarbonas s. Sesquicarbonas Ammoniae s. ammonic. , A. carbonic. 
siecum, Sal Aleali volatile siecum, Flüchtiges Laugensalz. 

Im Grossen dargestellt durch Sublimiren von Salmiak mit Kreide, sonst 
auch von Hörn u. a. mit Kreide und durch wiederholtes Sublimiren von Brand- 
ölen gereinigt (Ammon. carbon. depurat.); farblose, durchscheinende Krystall- 
masse, verwittert, verflüchtigt sich in der Wärme, riecht stark ammoniakalisch, leicht 
löslich in Wasser, kaum in Weingeist; dieser scheidet aus einer wässrigen Lösung 
zweifach-kohlens. Ammon. aus, sog. Offa Helmontii ; an der Luft entweicht ein 
Theil seines Ammon, es entsteht zweifach-kohlens. Ammon; auch durch Zusaz 
von heissem Wasser wird es zersezt , und bei Digeriren mit Wasser löst sich 
kohlens. Ammon., während zweifach-kohlens. A. zurückbleibt. 

Wirkt schwächer, milder als Ammoniakliquor , daher häufiger benüzt, 
im Uebrigen wie dieses als Excitans, Diaphoreticum , Expectorans , Sedati- 
vum u. s. f., z. B. bei Asiat. Cholera, Typhus, Scharlach, chron. Bronchitis, 
Catarrh, Pneumonie, Croup wie bei Rheumat., Gicht, Algieen, Krämpfen, 
Scrofulose, Diabetes, chron., schuppigen, syphilit. Hautleiden u. a 4 . 



1 Aqua Luciae s. Spirit. Salis ammoniaci lacteus , Eau de luce: alcoholische Lösung" von 
Bernsteinöl, Meccabalsam, auch Span. Seife mit Ammoniakliquor; sonst bei Schlangenbiss, 
Wasserscheu hoch geschäzt, gtt. 20 u. mehr p. d., auch äusserlich zu Fomenten, Waschungen, 
desgleichen bei Comedonen, Sommersprossen u. dergl.; obsolet; in Frankreich noch wie Liq. 
Amm. anisat. innerlich und äusserlich benüzt. 

2 Linim. ammoniacato-camphorat. s. Kampher; Linim. saponato-ammoniaeat. obsolet. 

3 Einfach kohlens. Ammon., Monocarbonas Ammoniae, nicht benüzt, entsteht aber leicht 
aus obigem, und umgekehrt, findet sich so neben obigem in manchen offiein. Lösungen; ist 
flüchtiger als dieses , wirkt stärker reizend , gibt beim Aufbewahren kein Ammon. ab , eignet 
sich so besser als obiges zu Riechpulvern, war z. B. im Sal volatile oleos. Sylvii enthalten, mit 
äther. Oelen. 

4 War zumal bei Scharlach noch vor Kurzem Modemittel, sogar ein Specificum, da und 
dort noch jezt, ebenso bei Erysipelas wie bei Asiat. Cholera; hier gab z. B. Hamburger Liquor 
Amm. carb., Aq. dest. ,77/ fj Mucil. gi arab., Syr. siinpl. ä« §jj, stündlieh, selbst i/-?stündl. 1 Ess- 
löffel, dazu Klystiere (Liq. Amnion, carb., Mucil. Gi Mimos. mi §jj Aq. dest. §jv, stündlich 
1 Esslöffel davon mit 3—4 Esslöffeln Stärkelösung, oft mit Laudan., Brechnusstihct.) , Einrei- 
bungen in den Unterleib von Ammoniakliquor, Kamphergeist u. a. , statt aller Getränke Eis- 
stückchen, auch kalt Wasser Theelöffel weise; H. will so % seiner Kranken „geheilt" haben. 
Bei Diabetes gibt Bouchardat 5j— jv p. Tag, mit passender Diät, Bewegung u. s. f. Hier wie 
sonst nüzt A. carb. höchstens als vorübergehendes Palliativ, wird zudem oft schlecht ertragen, 



Bernsteinsaure Ammoniakflüssigkeit. 177 

p gr< v— x, p. Tag 3/?— j, in aromat. Wassern, mit etwas Syrup, mit 
Wein, Branntwein, öfters mit Tct. Opii, Aether, Mixt, camph. u. dgl.; auch 
als Pillen, oder Saturation mit Citronensaft, Weinsäure. 

Auf gr. 10 A. carb. etwa gr. 12 dieser Säuren, 3jj— jjj Citronensaft, wirken 
durch das so gebildete wein-, citronens. A. mehr kühlend, abführend. Meide: 
Alkalien, Metallsalze 1 . 

Amm. carb. 3j Aq. cinnam. simpl. Jjv Syr. commun. 3 V J 5 Löffelweise. 
Aminon. carb. 3j As. foetid. 3/? Extr. chamom. q. s. f. Pil. 30; 3mal tägl. 4 St. 

Liquor A m m o n. carbonici, Spirit. Salis ammoniaci aquos. s. simplex, 
Ammon. carb. sohlt. Ph. Austr. , Wässriger Salmiakgeist : Lösung von 1 Th. in 
5 (4) Aq. dest. ; D. gtt. 15—30; mit Citronensaft kein übles Mittel bei Nachwehen 
des Rausches, vulgo Kazenjammer 2 . Liq. Amm. carb. 3jj Tct. Castorei 3 jjj Liq. 
anod. min. Hoffm. 3j ; gtt. 30-40 p. d. 

Aeusserlich dient Amm. carbon. (auch das wohlfeilere A. carb. crudum) 
gelöst ifi Wasser, 1 Th. auf 10 — 20, zu Fomenten, Waschungen; als Salbe 
3j auf Jj Fett, fette Oele, zu Pflastern, wie im Emplastr. Ammonii cum 
Camphora, nicht mehr offic. 

Als Riechmittel einfach für sich, oft mit äther. Oelen, z. B. Jj mit 3j Ol. 
Menth, pip. , Ol. de Cedro; auch entwickelt man es frisch aus 1 Th. Salmiak, 2 
Kali carb., wie beim Englischen Riechsalz, Sal volatile angli- 
canum. 

Ammon. bi carb onicum, Zw ei fach kohlens. Ammoniak , Bi- 
c arb onas Ammoniae: durch Sättigen von kohlens. A. oder Ammoniak- 
liquor mit Kohlensäure erhalten ; weiss, krystallinisch, in Wasser ziemlich schwer 
löslich, schmeckt, riecht fast gar nicht nach A., verliert an der Luft Kohlensäure. 
Wirkt milder als das vorige, z. B. örtlich kaum reizend, wäre somit öfters vor- 
zuziehen ; in Britannien benüzt, gr. 10 — 20 p. d. gelöst in Wasser, auch zu Brause- 
mischungen wie kohlens. Natron, Kali, z. B. mit Citronen-, Weinsäure äa 3j. 

Amnion, carbon. pyro-oleos., Brenzlicli-öliges kohlens. Ammoniak, 

Sal volatile Cornu Cervi, Sesquicarbonas ammonicus pyro-oleos., Flüchtiges 

Hirschhornsalz. 

Kohlens. Amm. mit brenzlichem Thieröl ; jezt meist durch directe Mischung 
beider erhalten, z. B. 32 Th. A. carb. mit 1 rectific. Thieröl Ph. Bor., früher un- 
reiner als sog. Hirschhornsalz mit stinkendem Thieröl, Oleum Cornu Cervi 
u. a. durch Destillation von Knochen, Hörn u. a. mit Kreide und nochmalige 
Sublimation mit Bolus, auch durch Sublimiren von Salmiak, Hirschhornöl, Kreide. 
Krystallinisch, weiss, mit der Zeit gelb, ziemlich leicht löslich in Wasser. Wirkt 
theilweise wie Dippelsöl ; nur selten benüzt, bei Typhus, chron. Rheumatismus, 
Algieen, Krämpfen, Asthma, Lähmungen, Hysterie u. dgl. D. gr. jjj— x, in 
Lösung, auch als Pulver, Pillen wie A. carb., desgleichen zu Riechpulvern, Salben. 

Liquor Amm. carb. pyro-oleosi , Spirit. s. Liquor Cornu Cervi rectificat., 
A. carb. pyro-oleos. sohlt. Ph. Austr. , Rectificirter Hirschhorngeist : das vorige 
gelöst in Aq. dest.; sonst bei Bereitung des Hirschhornsalzes als Nebenprodukt 
gewonnen, durch Destillation gereinigt, hielt so u. a. blausaures Ammon; klar, 
gelblich. Wie obiges benüzt, gtt. 10—30 p. d., z. B. in Kamilleninfus, Mixturen, 
Saturationen; äusserlich sonst bei cariösen, schmerzenden Zähnen, bei Amaurose 
u. a. eingerieben. 

Liquor Ammon. succinici, Bernsteinsaure Ammoniakflüssigkeit, 

Liquor s. Spirit. Cornu Cervi succinat. , Succinas ammonicus , Ammon. succinic. 
pyro-oleos. Ph. Austr., Liquor succinat. Ammoniae. 
A. carb. . pyro-oleos. gelöst in 8 Th. Aq. dest. mit Bernsteinsäure äa, nach 

macht Uebelsein, Colik u. s. f., selbst Erbrechen, so dass man es öfters sogar alsBrechmittel 
gab, gr. 20—30 p. d., in Lösung. 

1 Bei Psoriasis, Lepra, Acne, Syphiliden u. a. gibt es Cazenave oft als Syrup, z. B. 3jj— jjj 
in Aq. q. s. gelöst mit §8 sog. Syrup. sudorific. (hält Guajak, Sassaparille), 1—4 Essloü'el p. 
Tag; bei Syphilis |j mit Syr. Mezerei jfjj Syr. tolut. fjv; dazu Quecksilber, Dampfbäder u. a. 

2 Citronen-, weinsaures A. , Citras, Tartras Ammoniae, welche bei obigen Sa- 
turationen entstehen, beniizte man in denselben Fällen (auch wie essigs. Ammon. s. dieses); 
lezteres lässt sich auch als trockenes Salz darstellen und benüzen, wie ersteres $ß— j p. d. 

7. Aufl. 12 



178 Salmiak. 

Ph. Bor. u. a. mit Zusaz von ein wenig rectific. Bernsteinöl. Gleichfalls als mil- 
deres A.Präparat benüzt, gtt. 20—60 p. d. , p. Tag 3J— jjj> für sich, z. B. auf 
Zucker, auch mit Moschus, Opium u. a. Mixturen beigesezt. Eller' sc he 
Tropfen, Liquor antharthritic. Elleri Cod. Hamb., Liquor anti- 
s p a s t i c. Ph. Norveg. , der vorige mit Aetherweingeist aa. 

Liquor Ammonii benzoici, Benzoesäure AmmoniaTcßüssigTceit , durch Sättigen 
einer wässrigen Lösung des kohlens. A. mit Benzoesäure erhalten, wie der vorige 
benüzt (Harless) ; ebenso Liquor Amm. acetici und Ammonii tarta- 
rici pyro-oleosi, bereitet durch Sättigen von Essig- oder Weinsäure mit 
A. carb. pyro-oleos. , statt Liq. Ammon. succin. als wohlfeiler empfohlen. 

Liquor Ammoniaci s. Ammonii acetici, Essigsaure AmmoniakflüssigJceit, 

Ammon. acetic. solut., Liquor s. Spirit. Minderen, Acetas Ammoniae liquid., 
Solutio Acetatis ammonici, Essig -Salmiak. 

Durch Sättigen von Ammoniakliquor , auch kohlens. A. mit concentrirtem 
Essig oder verdünnter Essigsäure und Zusaz von dest. Wasser bereitet, hält bald 
mehr bald weniger essigs. A. ; klar, farblos, schmeckt schwach salzig, hält öfters 
Salz-, Schwefelsäure. 

Wirkt äusserst schwach, besonders ohne allen positiven Einfluss auf 
Hautausdünstung, Harn u. s. f. 1 ; trozdem oft benüzt als Diaphoreticum, 
Diureticum, Excitans u. s. f. bei Rheumat., Darmcatarrh, Durchfall, Cholera, 
Typhus, acuten Exanthemen, Bronchitis, auch bei Algieen, Krämpfen, Delirium 
tremens, Rausch, bei Ascites u. a. D. Zß — jj? P- Tag gj — jv, selten für 
sich, meist mit aromat. Infusen, Wassern, Aetherweingeist, Laudanum, Kam- 
pher, oder mit Salmiak, Nitrum, Antimonialien u. a. 

Meide: Säuren, Alkalien, mineralsaure und schwere Metallsalze. 

Aeusserlich zuweilen bei Sugillationen, Quetschungen, Exsudaten, Drüsen- 
geschwülsten, Anasarca mit Wasser zu Fomenten, bei chron. Ophthalmie, Cornea- 
flecken zu Collyrien , bei Angina u. a. zu Gurgelwassern ; Flanell in die warme 
Flüssigkeit getaucht bei Croup um den Hals geschlagen, * /stündlich erneuert. 

Ammon. valerianieum, Baldriansaures Ammon, ein ähnliches Salz, jezt auch 
krystallinisch dargestellt 2 , und öfters bei Algieen, Prosopalgie , Hysterie , Epilep- 
sie u. a. , selbst bei Cholera , Wechselfieber benüzt (Oettinger , Lelut , Foville 
u. A.), hier z. B. 3j in ^jjj Aq. dest. mit %ß Syrup, Esslöffelweise, sonst 2 — 3 
Theelöffel p. Tag in Zuckerwasser u. a. 

Ammon. hydrochloratum s. chloratum, Salmiah, 

Sal ammoniacum, A. muriatic, Chloret, s. Murias Ammoniae, Chloret, ammonic, 
Hydrochloras ammoniacus , Chlorammonium. 
Fabrikmässig dargestellt durch Bereitung unreinen kohlens., auch schwefeis. 
Ammoniaks aus Steinkohlen , Knochen , Abfällen von Gasfabriken , faulem Harn 
(in Aegypten aus dem Rauch von Kameelmist) und Sublimiren mit Kochsalz oder 
Sättigen mit Salzsäure ; dieser unreine S., A. hydrochlorat. crudum s. 
venale, ist in Kuchenform im Handel. Therapeutisch, innerlich wenigstens 
dient nur durch Umkrystallisiren gereinigter S. , A. hydrochlorat. depurat., 
Murias Ammoniae purus, Flores Salis ammoniaci simplices : weiss, krystallinisch, 
verflüchtigt sich in der Hize unzersezt , schwer pulverisirbar, zähe , an der Luft 
nur wenig feucht, schmeckt scharf salzig, in gleichen Theilen kochendem, 2.7 
kaltem Wasser löslich , etwas auch in Weingeist ; käuflicher verunreinigt mit 
Brenzölen, selbst Eisen, Blei, Schwefelsäure, Brom u. a. 

Wirkt ziemlich wie kohlens. Ammoniak, nur zumal örtlich noch ungleich 
schwächer; vermehrt in kleinern Dosen die Absonderung der Magen- und 
Darmschleimhaut, auch der Bronchien, macht in grössern Dosen, §/? und 



1 Cullen sah §jv auf einmal schlucken und bald nachher ebenso viel ohne alle Wirkung; 
dieselbe Indifferenz ergaben directe Versuche (Mitscherlich , Wibmer , Delioux) , während man 
in praxi öfters noch jezt ziemlich Bedeutendes von Minderer's Geist erwartet. Leistet immerhin 
kaum mehr als z. B. Kamillenthee. 

2 Von Laboureur und Fontaine durch directe Verbindung von Ammoniakgas und Valerian- 
säure - , sonst nur als flüssige, braune, nicht constante Mischung benüzt, widrig riechend, 
schmeckend nach Baldrian, überhaupt ohne grossen Nuzen. 



Salmiak. 179 

mehr oder bei längerem Gebrauch leicht Uebelsein, Durchfälle, Erbrechen, 
in sehr grossen Dosen sogar Collapsus, Convulsionen u. s. f. 

Doch scheint es in dieser Beziehung jedenfalls nicht heftiger zu wirken als 
z. B. Kochsalz auch ; nur für kleinere Thiere oder bei directer Injection in's 
Blut wirken schon 3jj— jv vergiftend. S. verflüssigt und löst Schleim, nicht 
aber geronnenes Eiweiss; geht unverändert in's Blut über, und wird ebenso in 
Harn, Schleim, Schweiss u. a. wieder ausgeschieden. 

Innerlich oft benüzt, mehr als andere A.Präparate, zumal in Deutsch- 
land, bei Bronchien-, Magen-, Darmcatarrh, Gastricismus, Bronchitis, Pneu- 
monie, Fluor albus, chron. Tripper, Blasencatarrh , Amenorrhoe u. a.; bei 
Infiltrationen, Ablagerungen, Hypertrophie, Verhärtung der verschiedensten 
Theile (Lymphdrüsen, Prostata, Mamma, Leber, Lungen, Magen, Darmcanal, 
Bindegewebe, Harnblase u. a.), bei Scrofulose, Tuberculose, Krebs, Wasser- 
sucht u. a. ; als Sedativum, Diaphoreticum u. s. f. bei Rheumat., Gicht, Algieen, 
Migraine, Wechselfieber, Typhus u. a. 

Abgesehen von Bronchiencatarrh u. dgl. * scheint S. ohne positiven Nuzen, 
und auch dort schwerlich mehr zu leisten als z. B. Gerstenzucker, Süssholz; hat 
vor Quecksilber, Jod u. a. jedenfalls den Vorzug grösserer Unschuld, ist aber bei 
längerem Gebrauch gleichfalls bedenklich, zumal bei Blutarmen, Schwachen, Ca- 
chectischen. Manche ertragen S. gar nicht. 

D. gr. v — x, p. Tag Zß — jj, gelöst in Wasser, Schleimen, meist als Ge- 
schmacks - Corrigens mit Extr., Succus liquirit., mit Extr. Card, benedict. 
u. dergl.; auch als Pillen, Bissen, Pulver (mit Süssholzwurzel) , obschon 
wenig passend. 

A. hydrochlorati 3J Aq. foenic. Jv Mucilag. Gi arab. %ß Extr. liquir. ^/J; 
Löffelweise. Salis ammon. dep. 3jj Pulv. R. Seneg. 3J Extr. liquir. q. s. f. Boli 20 ; 
consp. Pulv. Cass. cinnam.; 3stündlich 1 St. Ammon. chlorat. dep. gr. x Chinii 
muriat. gr. j Extr. chamom. q. s. f. Bolus, D. tal. dos. 12; 3stündlich 1 St. in 
der fieberfreien Zeit, bei Wechselfieber. 

Aeusserlich als gelind reizendes Mittel oft in Fällen benüzt, wo man 
ihn innerlich gibt, auch gelöst in Wasser als kühlendes Mittel: bei Ge- 
hirncongestion , Meningitis, Migraine, Schlagfluss, eingeklemmten Brüchen 
(Entzündung des Bruchsacks, der Eingeweide), Dermatitis, Kräze, chron. 
Ophthalmie, Angina, chron. Tripper (auch zur Wiederherstellung solcher), 
bei Verbrennungen (leichtere Grade), Quetschungen, Fracturen, Sugillationen, 
Hydrocele, Hydarthrose, Drüsengeschwülsten, Milchknoten, Bubonen, Warzen 
u. a. 2 So z.B. §jjj — vj auf $jj — jjj Wasser zu Umschlägen, Gurgelwassern, 
Einsprizungen, Bädern, öfters mit Salpeter, Kochsalz, Essig, auch mit Wein- 
geist (z. B. in der sog. Solutio discutiens Vogleri), mit Wein, bei Warzen, 
Callositäten mit Kochsalz in Essig gelöst zu Umschlägen. 

Als kaltmachende Mischung kann man z. B. 32 Th. S. mit 10 Salpeter, 52 
Chlorkalk bei der Application (wie immer erst im Haus des Kranken) in 4— 6mal 
mehr Wasser lösen, in Britaunien z. B. oft benüzt, obschon hier überall einfaches 
Wasser mindestens dasselbe leistet. Mit grössern Salmiakstücken, erst mit Was- 
ser befeuchtet, reibt man öfters Excrescenzen, Warzen, bestreicht kranke Augen- 
lider u. s. f. (s. Kochsalz) , oder nimmt man sehr concentrirte Lösungen ; als Nies- 
mittel gepulvert in die Nase gebracht, dient auch zur Bereitung des Schnupf- 
tabak. Zu Salben 3J m it ^j Ol. amygd. dulc. u. a. (Boyer), auch Pflastermassen 
zugesezt, Zß— jj au f 3J Diachylonpflaster , öfters mit Seife u. dgl. 

Traiba-Erde, abyssinische, eine graue Masse in Kuchenform, auch als 

1 Hier wie bei Lungenphtise, Ophthalmie benüzt Gieseler auch die Dämpfe des S., von 
welchem er 5j— jj in Hessischen Tiegeln mittelst Spirituslampe verflüchtigt. 

2 Bei unterdrückten Fussschweissen bepudert man die Strümpfe innen mit S. 1 Th. , ge- 
brannten Kalk 2 Th. ; dient auch als Hautreiz um den Hals getragen , z. B. im sog. Collier de 
Morand. American. Pflanzer, Neger u. A. tauchen bei Bronchitis u. dergl. Compressen aus 
grober Leinwand in eine wässrige Lösung des S. mit Zusaz von Alcohol , pressen sie aus und 
umwickeln damit die Brust (Cartwright). 

12* 



180 Flüchtige Schwefelleber. 

Pulver im Handel, von Salmiakartigem Geschmack, deren Hauptbestandteil wohl 
S. ; dient in Abyssinien z. B. bei Syphilis (Sigmund). 

Phosphorsaures Ammoniak, A. phosphoricum : wie andere Salze 
bei Lithiasis, Gicht, Rheumatismus empfohlen (Buckler, Edwards), in der vergeb- 
lichen Hoffnung, bei diesen «Harnsäure -Dyscrasieen» harnsaure Salze und Sedi- 
mente durch Bildung von Natronphosphat, Ammoniakurat in lösliche Salze zu 
verwandeln. D. Jj in ^vj Wasser, 2 Esslöffel p. Tag, auch als Saturation: A. sub- 
carbon. mit Phosphorsäure, Wasser. 

A. nitricum, Salpetersaures Ammoniak, Nitras Ammoniae, Nitrum 
flammans. Aus kohlens. A. durch Zusaz von Salpetersäure erhalten, zerfliesslich, 
in Wasser leicht löslich ; nicht offic. Wirkt ziemlich wie Salpeters. Kali (Wibmer), 
da und dort wie dieses benüzt, gr. . 10—30 p. d., z. B. als Saturation. A. carbon. 
dep. 3jj Acidi nitrici dep. q. s. ad Saturat., mit |jv — vj Wasser u. s. f. 

Schwefels. Ammoniak, Sulphas Ammoniae, nicht beuüzt, 
vordem wie etwa Salmiak 1 . 

Liquor Ammonii s. Ammoniaci bihydrothionici s. swlphu- 
rati s. hy dr o sulp hur ati, Flüssig es Schwefelwasserstoff- 
Schwefelammonium, Bihydrosulphas s. Hydrosulphuret. Ammoniae , Sul- 
phuret. Ammonii liquid., Zweifach Schwefel-Ammonium: mit Schwefelwasserstoff 
gesättigte Ammoniakflüssigkeit ; farblos, zersezt sich leicht, scheidet Schwefel ab, 
riecht, schmeckt höchst widrig, entwickelt sich z. B. mit Schwefelwasserstoff aus 
Cloaken, Abtritten als sog. Cloakengas ; macht eingeathmet wie verschluckt Uebel- 
sein, Erbrechen, Durchfall, Collapsus, Ohnmacht, selbst mit tödtlichem Ausgang 2 . 
Bei Diabetes benüzt (Rollo) , bei chron. Gicht, Bronchiencatarrh u. a. , gtt. jj— jv 
p. d. , mehrmals täglich in aromat. Wassern, Aufgüssen. Aeusserlich als Reiz- 
mittel bei Lähmungen , chron. Rheumat. u. dgl. 3 

Hepar Sulphuris volatile, Flüchtige Schtv e feil eher , Spirit. 
s. Oleum Sulphuris Beguini , Liquor fumans Boylii : durch Destilliren von Sal- 
miak mit Mehrfach-Schwefelkalium, auch mit Kalkhydrat und Schwefel bereitet; 
ist ein Gemenge mehrerer Schwefelungsstufen des Ammonium, hält u. a. sonst 
sog. Hydrothionigs. Ammoniak , Liquor Ammoniaci hydrothionosi , Schwefelhal- 
tiges Schwefelammonium 4 ; orangegelb, ölartig, raucht an der Luft, lässt sich 
leicht mit Wasser, Weingeist mischen. Wirkt örtlich noch stärker reizend als das 
vorige , im Uebrigen gleichfalls wie SH , z. B. auch verlangsamend auf den Puls 
(Marsh). Sonst wie das vorige benüzt, z. B. bei Gicht, chron. Catarrhen, sogar 
bei Hypertrophie des Herzens, Klappenfehlern (Graves u. A.). 

Tinct. Sulphuris volatilisHoffmanni, Liquor antipodagricus, 
1 Th. des obigen mit 3 Alcohol, gtt. 20 — 30 p. Tag; äusserlich da und dort bei 
chron., schuppigen Hautleiden, Prurigo u. a., als Salbe, mit 3— 6 Th. Fett, Mohnöl; 
von Beguin bei Geschwüren, von F. Hoffmann bei Prosopalgie mit Kampher. 

Lithion: Wirkungen wie die seiner Salze nicht weiter bekannt; noch weni- 
ger bei Kranken benüzt, ausser etwa zufällig in manchen Mineral wassern , be- 
sonders Thermen , Franzens - , Karlsbad , Tepliz , Ems , Bilin u. a. Kohlen- 
saures L. : in Wasser schwer löslich , leichter in kohlensaurem Wasser , von 
schwach alkal. Geschmack ; löst Harnsäure , harnsaure Salze stärker als andere 
Alkalien (Ure, Binswanger); daher innerlich und zu Injectionen in die Harnblase 
empfohlen (S. 153). 



1 Harnsaures Amnion., A. uricum, unlängst gleichfalls ziemlich wie Salmiak und bei 
allen möglichen Krankheiten, sogar bei Cholera, Tuberculose, Psoriasis gerühmt, innerlich u. 
äusserlich (Baur, Sichel). 

2 Fabius sah ähnliche Wirkungen auf Injection desselben in Venen, Mastdarm, Barker beim 
Einathmen desselben, oft raschen Tod, wie etwa durch Schwefelwasserstoff. Verfahren bei 
Vei giftung wie bei Schwefelwasserstoff u. dergl.: frische Luft, Wiederherstellen des Athmens, 
kalte Begiessungen , vielleicht verdünntes Chlorgas u. a. ; ist es verschluckt worden : schnelle 
Entleerung, Chlor wasser, Chlorkalk. 

3 Bei eingesprengten Pulverkörnern im Gesicht, um Schwefel, Salpeter drin zu lösen, zu 
Waschungen, vorher stets mit Sodalösung (Hering). 

4 Dieses (= Hepar Sulphuris volatile Sulp hure perfecte saturatum) bereitete 
man durch Mischen des Liquor Ammoniaci bihydrothionici mit ^ Ammoniakliquor und Schütteln 
mit Schwefelblumen, bis kein Schwefel mehr sich auflöst; braungelbe, ölartige Flüssigkeit, 
wirkt wohl so ziemlich wie Spirit. Beguini, therapeut. kaum je versucht. 



Kalkercle. 181 

5. Calcaria, KaTkerde. 

Cälcaria (Calx) usta s. viva, Gebrannter Kalk, Oxyäum Cdlcii, Calcaria s. 
Calx caustica, Aezkalk: dargestellt durch Glühen von kohlens. Kalk: nimmt an 
der Luft CO 2 , Wasser auf; verbindet sich mit Wasser unter Entwicklung gros- 
ser Hize: Kalkhydrat, Hydras .calcis, Calx extincta, gelöschter K. In Wasser 
sehr schwer löslich, in warmem noch schwerer als in kaltem, leicht löslich in 
Zuckerlösung. 

Wirkt Concentrin äzend, mehr oder weniger verdünnt trocknend auf 
eiternde Flächen (s. Kalkwasser). Aezkalk dient so als milderes Aezmittel, 
auch als Reizmittel, selten für sich, meist mit Operment, Aezkali und Kali- 
carbonat, auch mit Seife, Kohle, Stärkmehl in Pastenform: bei Kopfgrind, 
um die Haare zu entfernen, bei Geschwüren, Fisteln, Muttermälern , Fun- 
gositäten, Warzen. 

Jezt durch kräftigere Substanzen fast ausser Curs , verdient indess immer 
noch Anwendung (s. oben). Man applicirt ihn fein gepulvert, und weil er nicht 
zerfliesst, mit 1 — 2 Th. Wasser, Kalilauge, Grüner Seife befeuchtet, z. B. auf 
gefensterten Pflastern ; um stärker zu äzen, sezt man aä oder x [% — V* Aezkali bei 
(s. dieses). Osborne wendet frischgebrannten Kalk im Augenblick des Benezens 
mit Wasser als Moxa (lime moxa) an, Langenbeck, Lersch ungelöschten Kalk 
bei plastischen Operationen , Wunden , nach dem Spalten von Fisteln u. a. , um 
Exsudation und Schliessen der Wunde zu fördern. Cholerakranken legt Hassall 
mit Wasser benezten K. in Flanellsäcken unter Arme u. s. f., um sie zu er- 
wärmen. Als Depilatorium dient AezK. mit i /s Realgar in der Levante; Cazena- 
ve's Pommadeepilatoire bei Grind u. a. : 1 Th. K., 2 kohlens. Kali, 8 Axungia * ; 
Böttger empfiehlt dazu seine Verbindung mit Schwefelcalcium (Kalkschwefelleber), 
indem er Kalkbrei mit SchwefelwasserstofFgas sättigt; auch Boudet's Pulvis depi- 
latorius ist eine Mischung von Aezkalk, Stärkmehl aa mit */« Schwefelnatrium, 
mit Wasser zu einem Teig angerührt, aufgestrichen und nach einigen Minuten 
mit einer Holzspatel samt den Haaren wieder abgeschabt ; Mulago pinselt bei 
Grind frisch gelöschten Kalk mit trockenem Gyps gemischt noch warm auf. Als 
Zahnkitt bringt Ostermaier ungelöschten Kalk 52 Th. schnell gemischt mit wasser- 
freier Phosphorsäure 48 Th. in die zuvor ausgetrocknete Zahnhöhle ; Desirabode 
eine Pulvermasse aus Kalk, Alaunsilicat ää. 

. Saccharum s. Syrup. Calcis, Saccharate de chaux: Syrup. simpl. mit K, 
in Frankreich bei Magensäure, chron. Durchfall der Kinder, mit 20—30 Th. Syrup, 
auch Wasser, hievon gr. 20—40 täglich; auch als Zusaz zu Milch, etwa gr. 10 
auf 1 U bei sog. Wasserkindern, wie Natroncarbonat ; stört die Verdauung weniger 
als Kalkwasser. 

Aqua Calcariae s. Calcis, KaTkwasser: gesättigte Lösung des K.Hydrat in 
Wasser, 1 Th. auf 30 Wasser Ph. Bor., hält aber trozdem nur etwa Yiooo K. ; was- 
serhell, sezt bald kohlens. K. ab, bildet mit fetten Oelen Seifenartige Linimente. 

Wirkt örtlich schwach reizend 2 , auf eiternden und Schleimhautflächen 
zugleich trocknend, wodurch es sich von Alkalien unterscheidet. Im Magen 
verbindet sich ein Theil des K. mit den Säuren des Mageninhalts zu löslichen 
Salzen, welche vielleicht theilweis resorbirt werden; bei längerem Gebrauch 
macht es leicht Indigestion, Erbrechen, Stuhlverstopfung. 

Möglich, dass sich K. im Blut mit der Phosphorsäure seiner Phosphate ver- 
bindet und als phosphors. K. im Harn abgeht, bei Menschen, Carnivoren gelöst 
im sauren Harn. Insofern fast alle Organe K. enthalten, nehmen sie vielleicht 
jene K.Salze des Bluts so gut als z. B. Kalkphosphat der Nahrungsmittel auf. 

1 Bazin nimmt dazu gebrannten Kalk, Soda aa 5/2 mit §jj Axungia, bei Grind, Psoriasis u. a. ; 
bei Warzen kann man K. und Schwarze Seife a a auflegen. Spender's Kalksalbe bei Geschwüren 
u. a. : K.Hydrat einem heissen Gemisch von Axungia und Olivenöl zugesezt. K. dient auch 
öfters zum Waschen des Bodens und Anstrich der Wände, zumal in Spitälern bei und nach Epi- 
demieen , wie Chlorkalk u. a. 

2 Weissgerber bekommen dadurch Ecchymosen an den Fingern, die sie Cholera des doigts 
nennen, und schmerzhafte Geschwüre, Löcher, sog. Rossignol (Armieux). Als Liquor Calcis 
concentratus empfiehlt Bastica eine Lösung von etwa 5jjj K. auf Sj Aq. , welche sich besser 
halten soll (?). < 



182 Kalkerde. 

Gewisser ist , dass fast aller K. mit den Excrementen wieder ab- , kaum etwas 
oder gar kein K. in den Harn übergeht (Neubauer). 

Innerlich benüzt, jezt ziemlich selten, bei Magensäure, Gastralgie, Indi- 
gestion, Diabetes, Vergiftung mit Säuren 1 , Durchfall, Ruhr, Bronchien-, Blasen- 
catarrh, Nachtripper, Eiterungen, Keuchhusten (mit ää Milch); bei Lithiasis, 
Rhachitis, Osteomalacie, Caries. 

Bei Vögeln können bekanntlich, sobald im Futter Sand, Kalk fehlt, die 
Knochen atrophiren, brüchig werden, K. in den Eierschalen schwinden u. s. f. 
(Chossat , Bibra) ; bei Rhachitischen aber führt der Harn ungewöhnlich viel K. 
weg ; auch könnte K. durch Sistiren der Durchfälle , wobei der in Speisen einge- 
führte und z. B. zum Aufbau der festen Körpertheile , der Knochen wesentliche 
K. ausgeleert wird, Einiges leisten. Nüzt aber hier nichts Positives, und schon 
z. B. nahrhafte Kost, reine Luft ungleich mehr. Ueber seine schlechten Dienste 
bei Lithiasis gilt das bei Alkalien Angeführte 2 . 

D. §/? — jj, bis föj p. Tag, mit Milch, schleimigen Decokten, Fleischbrühe, 
Molken. 

Bei längerem Gebrauch aus Rücksicht für den Magen gerne mit bittern 
aromatischen Stoffen. Meide : Säuren , kohlen-, Schwefel-, phosphor-, weins. Salze 
u. a. , Brechweinstein, Gerbsäure, auch ätherische Oele, Weingeist. 

Aeusserlich als trocknendes, gelind adstringirendes Mittel z. B. bei Ge- 
schwüren der Haut, Brustwarze, des Rachens u. a., bei Verbrennungen, jucken- 
den, nässenden Hautaffectionen, chron. Eczem, Kräze, Tinea, Pruritus ani, 
vulvae, Prurigo, Liehen, pustulösen Affectionen der Kopfschwarte, des Ge- 
sichts u. a.; bei Blennorrhöen, Nachtripper, Durchfall, Ruhr. 

Hier überall mehr oder weniger verdünnt mit Wasser, schleimigen Decocten 
zu Wasch- , Gurgelwassern , Einsprizungen , Fomenten , Klystieren ; bei Verbren- 
nungen , überhaupt um milde zu wirken , z. B. auch bei Rothlauf (Tournie) als 
Liniment mit aa Oliven-, Mandelöl (Liniment. Calcis mancher Pharmacop.) aufge- 
strichen, je nach Ausdehnung der Brandwunde %ß — j Oel auf ^j — jjj K.Wasser 3 . 

Calcaria carbonica, Kohlensaure Kaiherde, Carbonas Calcis, C. carb. prae- 
cipitata : unlöslich in Wasser , leichter in kohlensaurem, geschmacklos. 

Wirkungen wesentlich die des Kalkwassers, nur dass es örtlich gar 
nichts wirkt. 

Deshalb ohne Gefahr für die Verdauung länger als Kalkwasser zu benüzen ; 
scheint indess öfters gleichfalls Stuhlverstopfung, Verdauungsstörungen zu be- 
wirken, schon durch Sättigen des sauren Magensafts. 

Innerlich wie Kalkwasser benüzt bei Cardialgie, Pneumatose, Durchfällen, 
Cholera 4 , Rhachitis, Scrofulose, Gicht, Lithiasis. 

Am häufigsten als indifferenter Zusaz zu andern Stoffen, zumal bei Kindern, 
z. B. mit Rhabarber , China , Brechwurzel , Zinkoxyd , Wismuthnitrat. 

D. gr. x — xxx und mehr, bei Kindern gr. jj — v, als Pulver, Paste, Lat- 
werge, Pillen, Schüttelmixtur. 



i Zumal bei Vergiftung mit Oxal-, Schwefelsäure, sonst auch bei Arsen, als vermeintliches 
Gegengift ; durch Zersezung des arsenigs. Kalk im Magen wird aber Arsenige Säure wieder frei. 
Bei Magengeschwür rühmt es wieder Luca, bei Asiat. Cholera Pasquali, fjjj mit $ß Mucil. Gi 
arab. , Esslöffel weise. 

2 Stephens'sches Mittel, bei Gries, Stein sonst renommirt, ist nichts als gebrannte Schnecken-, 
Eierschalen mit Seife in einem Absud von Kamille, Fenchel u. dergl. — Kalksalze im Wasser 
fördern zweifelsohne die Bildung von Harnstein (S. 152) ; dieser ist in mancher Stadt nach 
Gebrauch von besserem weichem Trinkwasser seltener geworden, und auch z. B. Pferde ziehen 
weiches Wasser stets dem harten vor. 

3 Um es immer parat zu haben, bewahrt Lamotte sein Liniment, 75 Grm Kalkwasser, 
100 Olivenöl, 25 Bleiextract, 5 Liq. Ammon. caust. , in steinernen Büchsen auf; beim Gebrauch 
umzuschüttein. Payen bedeckt nachher Alles mit cartätschter Wolle, einfachem Verband, lässt 
diesen 1—2 Wochen ruhig liegen; bei Kindern deshalb durch Wachstücher u. dergl. gegen 
Verunreinigung zu schüzen. Auch zum ersten Verband ziehen Manche, z. B. Harthsone Baum- 
wolle getränkt in milde Oele vor, um das Ankleben zu verhüten , etwa mit Eisblasen u. dergl. 
drüber, und appliciren erst später Kalkliniment. 

4 Bei Cholera gibt Lewis Calcar. ppt. 3.ijß mit Tct. Opii , Cardamomi compos. , kohlens. 
Ammon., Zimmtwasscr in Wasser. Von Kalkmixtur Avurden in London 1854 in einem einzigen 
Dispensary in Southwark an 1 Tag 6 Gallonen (60 ff) nlit Catechu verbraucht! Bei Wechsel- 
fieber gibt Hodsden 1 St. vor. dem Anfall 1 Löffel voll K., dann einen mit Essig. 



Kalkerde. 183 

Aeusserlich gleichfalls wie Kalkwasser bei Exsudationen, Geschwüren, 
Excoriationen, Intertrigo, Hautentzündung, Eczem, Verbrennungen u. a. 

Hier z. B. mit fetten Oelen, Wasser, Milch, oder als Pulver für sich, oft 
z. B. bei Zahnpulvern mit China, Kohle, Alaun, Kampher u. a. 

Meist bedient man sich des Kalkcarbonat unter einem der folgenden Namen; 
auch legte man vordem ein grosses Gewicht auf das aus dem Thierreich darge- 
stellte, wie z. B. auch auf Perlen. 

Conchae s. Testae (Ostreae) präparatae, Präparirte 
Austerschalen, von Ostrea edulis : leztere gereinigt und gepulvert ; jezt 
fast allein innerlich gegeben 1 . Pulvis antaeidus s. pro infantibus Ph. Wirt. : 
2 Th. mit kohlens. Magnesie, Zucker, Elaeos. anisi äa 1; Mixtura cretacea 
s. Lac perlarum Cod. Hamb. Mixt, alba (Ph. Dan. Norveg.): Conchae ppt., 
Gi Mimos. aä 3jj Aq. Ceras. , Aqua dest. äi ^jjj Syr. simpl. ^j. 

Creta präparata (Calcaria carbon. depurata Ph. Austr.), 
gereinigte Kreide, selten benüzt. Pulvis Cretae compos. Cod. Hamb. 
Kreide §jjj Zimmt ^jj Tormentill. , arab. Gi aa Jj/J Piper long. 3jj- In Britan- 
nien ein Pulvis Cretae opiat., Pulvis Cretae composit. cum Opio offic, bei Durch- 
fall, Cholera u. a. benüzt. Trochisci Cretae Ph. Edinb. Kreide ^jv Gi arab. ^j 
Muskatnuss 3j Zucker ^vj. 

Corallium rubrum, Corallia präparata (alba, rubra), Koralle: 
das Kalkskelet von Isis nobilis (Gorgonia pretiosa) ; wesentlich kohlens. Kalk 
gefärbt durch Eisenoxyd ; sonst wie Kreide , Conchae ppt. als Absorbens , bei 
Durchfall der Kinder u. a. benüzt, jezt höchstens noch Zahnpulvern zugesezt. 
Krebssteine, Oculi s. Lapides s. Lapilli Cancrorum praeparati a , und Sepien- 
knochen, Os Sepiae, obsolet. Statt Austerschalen, Kreide u. dergl. nimmt man 
in England den aus Chlorcalciumlösung durch kohlens. Natron gefällten kohlens. 
Kalk, als Creta praeeipitata, Carbonas Calcis praeeipitat., z. B. zu Zahn- 
pulvern; ist feiner, frei von Sand u. s. f.; Pfeffermann's Zahnpaste: wesentlich 
Kreide mit Traganthartigem Cäment, Pfeffermünzöl. Mit Kohlensäuregas bei künst- 
lichem Druck gesättigtes Kalkwasser, Aqua Calcariae bicarbonicae, in 
England als Carrara Water bei Magensäure, Cardialgie u. dergl. benüzt, meist mit 
Milch; hält sehr wenig doppelt-kohlens. K. 

Bezoar, Bezoarsteine: Concremente, Enterolithen aus dem Pansen von 
Ziegen, Gemsen, der geschäzteste (orientalische) v. Capra Aegagrus, Antilope Dor- 
cas s. Kevella; occidentalischer, v. Auchenia vieunna, einheimische B. v. Schafen, 
Ziegen u. a. ; bestehen aus kohlens. Kalk, Bittererde und Erdsalzen sonst mit 
organ. Stoffen. Im Orient, bei Türken in höchstem Ansehen bei den verschieden- 
sten Leiden (als sog. Pansechir), die man dort von Vergiftung ableitet. Der von 
Gemsen sollte muthig machen. 

Calcaria sulphurica, Gyps, gebrannter: z. B. bei Blutungen aus Blut- 
egelwunden applicirt (Churchill, Fouquier u. A.), mit Alaun (Chicoyne). Dient 
jezt wie in Indien längst zum Gyps- statt des Kleisterverbands bei Fracturen, 
auch nach Streckung von Gelenkcontracturen u. s. f. (Dieffenbach , Kluge u. A.). 
Statt des früher benüzten Gypsbreis reibt Matthijsen irgend einen grossmaschigen 
Zeug, Calico, Flanell u. dergl. mit Gypspulver ein, schneidet ihn in Streifen und 
Verbandstücke sonst, durchfeuchtet sie und legt sie in mehr oder weniger dicken 
Lagen an (zuni Schuz der Haut dienen Unterlagen aus Watte, Binden) ; in weni- 
gen Minuten erstarrt der Verband zu einer festen Kapsel, deshalb wie seiner Festig- 
keit wegen gut zumal im Feld, bei Transporten, unruhigen Kranken; aber schwerer 
als Kleister-, Dextrinverband, lästiger, besonders wenn dick angelegt, und schwer 
aufzuschneiden. Deshalb sezt Pirogoff dem G. Eiweiss zu , Pelikan Dextrin , Ei- 
chet Leimwasser (grm 1 Leim auf 1000 Aq.), auf je 1 Löffel G.Mehl 1 Löffel 
Leimwasser , und streicht die umgerührte Masse auf Gaze , Mousselin, Tarlatan 



1 Noch besser wäre jedoch Kreide , weil die feinen Muschelreste drin Magen , Darmcanal 
reizen können und unverändert wieder abgehen (Schlossberger). In Sind streut man gebrannte 
Cypräen u. a. als sog. Kodee auf Geschwüre, Wunden (Stocks). 

2 Nach Ph. Austr. , Edinb. noch officin. Um bei purulenter Ophthalmie die Reibung der 
Augenlider am Bulbus zu hindern, schiebt man in Algier u. a. Krebsaugen, auch glatte Kör- 
perchen aus Elfenbein dazwischen (Guyon). 



184 Kalkerde. 

u. dergl. ; je mehr Leim, desto später consolidirt der Verband, bei obigem Mengen- 
verhältniss fast sogleich (sog. Stuckverband). 

Selenit (Gypskrystalle) : calcinirt in Indien wie Arsen bei Wechselfieber im 
Gebrauch (Clark). 

Calcaria phosphorica, Phosphorsaure Kalkerde, Phosphas Cal- 
cariae, dreibasisch-phosphors. Kalk : erhalten z. B. durch Fällen von Chlorcalcium 
mit phosphors. Natron, aus Knochenasche durch Lösen in Salzsäure, Fällen mit 
Ammon u. s. f.; unlöslich in Wasser, löslich in sauren Flüssigkeiten, löst sich 
so auch im Magen, verbindet sich im Blut mit Eiweissstoffen , deren steter Be- 
gleiter es ist; spielt so mit kohlens. Kalk u. a. eine wichtige Rolle bei Bildung 
zumal der festen Gewebe, Knochen, noch mehr der Eierschalen, des Skelet, der 
Schale wirbelloser Thiere (Chossat , Schmidt) ; bei mit K.Phosphat reicher Kost 
gefütterten Thieren soll sich schneller ein stärkerer Callus bilden (Milne Edwards, 
Gosselin)? Um deshalb Knochen-, Zellenbildung, Ernährung überhaupt zu för- 
dern, gibt man jezt phosphors. K. , auch Knochenerde (wesentlich dasselbe, mit 
Vö kohlens. Kalk) bei Rhachitis , Scrofulose, Abzehrung, Caries, Geschwüren, 
Durchfällen atrophischer Kinder, Fracturen, bei Tuberkeln, um ihre Verkreidung 
zu erzielen, Bleichsüchtigen, um Blutkörperchen zu machen ; auch bei sog. Oxalurie 
(Wibmer, Piorry, Beneke, Clarus, Mouriez u. A.); Ammen sollten es im Interesse 
der Säuglinge essen, Bäcker dem Teig Kalkwasser zusezen, um durch phosphors. 
K. im Brod der Scrofulose u. s. f. vorzubeugen! Doch sind Versuche dieser 
Art meist schlecht genug ausgefallen, z. B. in Bethanien zu Berlin ; auch kriegt 
Jeder schon in seiner Nahrung, seinem Wasser viel mehr K. in den Leib als 
er zu all diesen Dingen braucht, und entleert genug K.Salze in seinem Stuhl, 
Harn u. a. Auswurfsstoffen. Sollten aber auch allzu viele K.Salze hier abgehen, 
obige Krankheiten werden sich doch schwerlich durch Eingeben von phosphors. 
K. heilen lassen. D. u. s. f. wie bei kohlens. Kalk *; Clarus u. A. geben es mit 
Fett, Eisen u. a. , um alles Material für Blutkörperchen zu liefern; in England 
backt man auch derartige Kuchen, z. B. aus phosphors. K., kohlens. Eisen ^ ^/J 
Butter, Zucker ^ x /4 S', Mehl 3 /4 &, Syrup 1 /2 S', zu 86 Kuchen, deren jeder 
gr. jjj K. und Eisen hält (Sharpe), in den sog. Pidduck's Nüssen mit Ingwer dazu. 

Unterphosphori gsauren Kalk oder Natron geben jezt Churchill, 
Cotton bei Anlage zu Lungentuberculose u. a. , um dem Körper mangelnden 
Phosphor zuzuführen u. s. f. (s. Phosphor)! 

Calcium chloratum, Chlor etum s. Murias Calcii, Chlorcalcium, Calcaria 
muriatica, Hydrochloras Calcariae, Salzsaurer Kalk: dargestellt durch Lösen von 
K., kohlens. K. in Salzsäure; zerfliesslich, leicht löslich in Wasser, Weingeist; 
beim Lösen in Wasser kann die Temperatur bis auf — 45° C. sinken; zersezt 
durch alle Salze, deren Säuren mit K. unlösliche Verbindungen bilden, auch durch 
Kali, Natron und deren Salze. 

Wirkt örtlich reizend, vielleicht schon durch seine Affinität zum Wasser 
organischer Theile; macht in grossen Dosen Brechdurchfälle, selbst Ohn- 
macht, Convulsionen u. s. f., fast wie Chlorbaryum. 

Was davon ins Blut übergeht, soll in K.Phosphat umgewandelt werden; 
der Harn von Kaninchen, denen z. B. Werther täglich 3$ gab, wird trübe, führt 
eine Menge Schläuche, Bellin'scher Röhrchenabdrücke. 

Gebrauch bei Scrofulose, Tuberculose, Wassersucht, Kropf, Catarrh, 
Blennorrhöen des Darmcanals, der Urogenitalorgane, bei chron. Hautaffec- 
tionen, Lupus, Gicht, Lähmungen, um Ergüsse u. s. f. im Gehirn zur Re- 
sorption zu bringen. 

D. gr. jv— x, auf den Tag Zß— j, in Lösung, 1 Th. in 10—20 destill. 
Wasser, mit Süssholzsaft; oft mit aromat., schleimigen Stoffen, Extr. Conii 
maculati u. dergl. 

Aeusserlich selten benüzt, zu Umschlägen, Waschungen, Bädern, Jj und mehr 






1 Calcaria phosph. solubilis stellte Erdmann durch Mischen von Chlorcalc. mit phosphors. 
Natron und Lösen des Niederschlags in Essigsäure dar; Becker rühmte sie hei übermässigen 
Pollutionen, Reizung der Geschlechtsteile u. s. f.! Weiss gebranntes Hirschhorn, Cornu 
Cervi ustum s. calcinat., Ossa usta (Ph. Austr.) und Knochen erde, sonst offie. , zu Zahnpul- 
vern benüzt, z. B. mit Kreide, etwas Soda, Vcilchenwurzel u. dergl. 



Schwererde. 185 

auf's Bad, für sich oder mit Kochsalz, auch bei Cholera (Sabbatini). Da und 
dort will man dadurch in Krankenzimmern die feuchte Luft austrocknen ; Heller 
legte das ausgeglühte, warme Salz bei Oedema Scroti u. a. in Säcken auf, um 
das Wasser auszuziehen. 

J o d u r e t. C a 1 c i i, J o d c a 1 c i u m, Calcium jodat., Hydrjodas Calcariae : kry- 
stallisirbar, zerfüessend ; in neuern Zeiten wie Jodkai., Chlorcalc. benüzt \ einige 
Gran täglich, in wässriger Lösung; äusserlich z. B. bei Drüsengeschwülsten als 
Salbe, 3J — jj auf Jj Fett. 

6. JBaryta, Schivererde, Baryt. 

Alle löslichen Verbindungen des B., auch kohlens. B. vermöge seiner Lösung 
in den sauren Magenflüssigkeiten wirken in grössern Dosen giftig ; nur das un- 
lösliche Barytsulphat ist ohne alle Wirkung. Therapeutisch kam nur ChlorB. in 
Gebrauch. 

Oertlich wirken Barytsalze in grössern Dosen reizend, z. B. Chlorbaryum, 
salpetersaurer, noch mehr caustischer B. Kleinere Dosen verschluckt sollen 
Magen-, Darmcatarrh, Uebelsein, Durchfall bewirken, allmälig selbst Catarrh 
der Nasenschleimhaut, Conjunctiva, des äussern Gehörgangs, mit Schwäche- 
gefühl, Fieber (Schwilgue) ? 

Grosse Dosen, J/? und mehr bewirken Colik, Erbrechen, zuweilen Durch- 
fall, Gastritis, dazu raschen Collapsus, Schwindel, Erweiterung der Pupille, 
Sinken des Pulses, Athemnoth, Convulsionen, Anästhesie, Kälte der Extre- 
mitäten, Tod unter Erstickungs- oder Lähmungsartigen Zufällen. 

Die Contractionen des Herzens, anfangs oft vermehrt, turbulent, sinken als- 
bald nach Frequenz wie Energie unter das physiologische Niveau (Richter, Gia- 
comini, Lisfranc u. A.) , und Tod tritt einige Stunden nach der Vergiftung ein. 
Dieselben Wirkungen entstehen auf Einführen der B.Salze in Venen, Wunden, 
subcutanes Bindegewebe (Brodie, Orfila). In der Leiche: Schleimhaut des Ma- 
gens, oft auch des Darmcanals entzündet; bei sehr raschem Tod Magen u. s. f.. 
oft ganz normal. 

Verfahren bei Vergiftung: um Bildung von schwefeis. B. zu erzielen, gibt 
man wässrige Lösung von Glauber-, Bittersalz in grossen Mengen, bei kohlens. 
B. mit Essig, um durch seine Lösung die Zersezung zu fördern; in Ermanglung 
jener auch Eiweiss u. dergl.; nöthigenfalls Fördern des Erbrechens durch Kizeln 
im Schlund, Brechmittel, Zinkvitriol ; im übrigen symptomatisch. 

Baryum, chloratum, Chlorbaryum, Salzsaure Schwererde, Chloret, s. Murias 
Baryi, Baryta muriatica, Terra ponderosa salita: dargestellt durch Glühen von 
Schwerspath mit Kohle und Lösen in Salzsäure ; leicht löslich in Wasser, schwie- 
riger in Weingeist, luftbeständig, bitter. 

Wirkt in grössern Dosen scharf reizend ; Brodie verglich es sogar mit Arsen 2 . 
Sonst bei Scrofulose , Tuberculose, Caries, Krebs, Kropf, Hautkrankheiten u. dgl. 
benüzt, auch bei Syphilis, exaltirtem Geschlechtstrieb; obsolet. 

D. gr. 1 /s — jj, mehrmals täglich, bis gr. 48 p. d. (Lisfranc), gelöst in Zimmt-, 
destill. Wasser, schleimigen Flüssigkeiten, öfters mit Coniumextract, Eisen (Hufe- 
land); selten als Pulver, Pillen; z. B. gr. x solve in Aq. dest. 3/? Pulv. R. Gen- 
tian. 3jj Gi arab. 3/? Syr. simpl. q. s. f. Pil. 96: Foy. 

Aeusserlich von jeher wenig benüzt, bei scrofulösen Geschwüren, Leucom, 
chron. Ophthalmie, Hautleiden, in Lösung, gr. x — xx auf ^j Wasser, auch als 
Salbe. 

Baryum jodat., Jodbaryum, Joduret. Baryi, Hydrjodas Barytae : leicht löslich 
in Wasser, Weingeist, zerfliessend, durch CO 2 z. B. der Luft leicht zersezt. Wirkt 
örtlich noch schärfer reizend als ChlorB., selbst äzend (Jahn, Rothamel) ; blos bei 
hartnäckiger Scrofulose versucht; unpassend. D. gr. Vio — V 5 mehrmals täglich, 
in Aq. dest. gelöst. Bei Drüsengeschwülsten als Salbe , einige Gran auf 3J Fett 
(Biett). 



1 Pidduck zieht es sogar dem Jodkai. vor, weil seine Lösung in Milch gegeben geschmacklos, 
nicht reizend u. s. f. ; Venot rühmt es bei Syphilis. 

2 Nach Blandet, Robin wirkt es conservirend auf Blut, Fleisch u. a. wie Alaun; auch zu 
Einsprizungen in Venen zum Conserviren der Leichen empfohlen. 



186 Bittererde. 

Baryta jodica, Jod saurer Baryt, wirkt wie das vorige scharf reizend 
(Jahn); desgleichen BromB. , Bromuret. Baryi; Salpeters. B., Baryta nitrica 
s. Nitras Barytae. Mekonsaurer Baryt: als Anthelminthic. empfohlen. 

Strontian und seine Verbindungen wirken im Gegensaz zu Baryt nicht 
giftig, im Uebrigen nicht weiter bekannt; Hastings rühmt schwefeis., salzs. Str. 
bei Keuchhusten. 

7. Magnesia, Bittererde, Talkerde. 

M. usta, Gebrannte Bittererde, M. calcinata : dargestellt durch Glühen von 
kohlens. M. ; weisses, leichtes Pulver, geschmacklos, kaum löslich in Wasser, in 
kaltem noch eher als in warmem ; verbindet sich allmälig mit Wasser zu M. Hy- 
drat, nimmt an der Luft CO 2 auf. * 

M. hydrico-carbonica, Basisch kohlensaure Bitter er de, M. carbonica s. 
subcarbonica, M. alba, Hydrato-Subcarbonas Magnesiae : erhalten durch Zersezen 
z. B. von Bittersalz mit kohlens. Kali, Natron ; eine je nach der Bereitung wech- 
selnde Verbindung von kohlens. M. mit M.Hydrat; weiss, fast unlöslich in Wasser, 
geschmacklos, löslich in kohlensaurem Wasser. 

Beide wirken wesentlich gleich, verbinden sich im Magen mit den Säuren 
seines Inhalts, machen in grössern Dosen oft Uebelsein, Durchfall. 

Wirken örtlich so gut wie gar nicht; die löslichen M.Salze, welche sich im 
Magen u. s. f. bilden, gehen nur in winzigen Mengen in's Blut über, und sollen 
(wie Alkalien) die Bildung von Harnsäure, Uraten vermindern, endlich Abschei- 
dung von Phosphaten, phosphors. Bittererde-Ammoniak veranlassen können (Brande, 
Jones). Im Harn werden sie gleichfalls als dieses Tripelphosphat ausgeschieden, 
ebenso der nicht resorbirte Theil der Salze in den Fäcalmassen, hier auch als 
kohlens. B. — Lange fortgesezter Gebrauch von M. usta, allmälig bis zu vielen U 
kann zur Bildung von Concrementen im Colon führen (Brodie, Wilson) ; auf grös- 
sere Dosen lange Zeit gegeben entsteht oft zulezt Reizung der Verdauungswege, 
Colik, blutiger Durchfall (Trousseau). 2 

Beide gibt man 1. als Absorbentien, zumal kohlens. M., bei Säurebildung 
im Magen, Cardialgie, Tympanitis, Erbrechen Schwangerer u. a., Durchfall 
der Kinder, wie in grössern Dosen bei Stuhlverstopfung; bei Diabetes. 

Wirken dort ungleich milder auf Magen , Verdauung als kohlens. Alkalien ; 
caust. M. nimmt viel CO 2 auf, dient so z. B. bei Tympanitis. Zu Zß — jj und 
mehr p. d. als milde Laxantien z. B. bei Arthritikern , Weibern, Kindern ver- 
wendet, zumal M. usta, welche sich hiebei in doppelt-kohlens. M. zu verwandeln 
scheint (Buchheim). Zum Neutralisiren bei Vergiftung mit Säuren benüzt, z. B. mit 
Mandelöl, Gummischleim (Lüdicke) ; schwach geglühte M., noch besser das durch Fäl- 
len aus M.Salzen dargestellte M.Hydrat auch bei Vergiftung mit Arseniger Säure 
(Bussy , Chevallier S. 93) , mit welcher es eine unlösliche , nicht giftige Verbindung 
bildet. Roucher schlägt M. bei Kupfervergiftung als Gegengift vor (S. 110), 
Schuchardt u. A. bei Sublimat (S. 72). 

2. Bei Lithiasis mit übermässiger Bildung von Harnsäure, Uraten im 
Harn (Brande u. A.). 

Hat auch hier vor Alkalien mindestens den Vorzug der Unschädlichkeit. 

Bei Krämpfen, Ecclampsieen, Colik u. dergl. ihrer Unwirksamkeit wegen kaum 
mehr benüzt, ausser insofern sie wie Kopfschmerz u. a. als sympathische Wirkungen 



1 Als sog 1 , schwere Magnesie, M. calcinata ponderosa ist ausserdem in England eine dich- 
tere, schwerere M. im Gebrauch, durch Fällen der schwefeis. M. mit kohlens. Natron und 
starkes Glühen des Niederschlags erhalten; Chemiker verschaffen sich eine dichtere M. durch 
Glühen der salpeters. M. ; vielleicht gehört hieher auch „Henry's Magnesie", M. usta anglica 
Heniici (soll vom Tiegel her viel Kieselerde enthalten: Barr). 

2 Bittererdesalze, z. B. phosphors. B. werden wie Kalk u. a. dem Körper in Nahrungsstoffen 
zugeführt, besonders in vegetabilischen, Mehlspeisen, und zwar in grösserer Menge als Kalk- 
salze; trozdem rinden sie sich im Körper, Blut und besonders im Harn in geringern Mengen 
vor. Schon hieraus wie aus directen Analysen folgt, dass sie nur in winzigen Mengen resorbirt 
werden, und grossentheils im Darrntractus zurückbleiben; hier scheint sich B. mit CO 2 , mit dem 
aus den Excrcmenten gebildetem Amnion zu verbinden. Aus Obigem erklärt sich zugleich die 
leichtere Bildung jener Enterolithen, während solche durch Kalkerde selten oder nie entstehen. 
Mit Unrecht erklärten Manche die Gegenwart von M. im Trinkwasser als Ursache des Kropfs 
(Grango, Tardieu u. A.). 



Bittererde. 187 

•z. B. von Magenleiden gelten können; öfters noch als unschuldiger Zusaz zu 
Eisen-, Zinkpräparaten, bittern Stoffen. * 

D. gr. x — xxx, mehrmals täglich, am besten als Pulver, in Wasser, 
Fleischbrühe u. dgl., bei Kindern z. B. gr. 2—4 p. d. in einem Löffel Milch ; 
selten in Trochisken, Schüttelmixturen 2 . 

M. ust. 3jjj Elaeos. Menth, pip. %ß Aq. chamom. ^jv (mildes Laxans). M. 
carb. 3/? Aq. fl. aurant. ^jv Naphth. acet. Zß Syr. citri. Syr. Zingib. aa 3.)jj (Anti- 
emetic). Trochisci Magnesiae Ph. Edinb. : M. carb. ^jv Zucker ^jjj Muscatnuss 3,j 
mit Traganthschleim q. s. Pulvis puerorum Hufeland's: M. mit Rhabarber. Mit 
Citronensaft, Essig, Citronensäure gibt M. angenehme, milde Laxanzen; Mialhe 
empfiehlt dazu 3J-JJ M. usta p. d., mit ^j Wasser zusammengerührt, erhizt und 
dann Zucker ^j Aq. naphae s. Rubi id. %ß zugesezt als Lac Magnesiae; 
Lagowski als Laxans für Kinder gr. x— xxx mit j/J Honig, ^j — jj Wasser. Pul- 
vis ^erophorus e Magnesia Ph. Wirt.: 4 Th. M. carb., 1 Weinstein, 3 Zucker. 
Kohlens. Bittererde dient ausserdem zu Zahnpulvern 3 , als mildes , trocknendes 
Mittel bei Verbrennungen, Eczema, Excoriationen, Geschwüren, öfters mit fetten 
Oelen; zu Einsprizungen, Klystieren, z. B. gegen Tenesmen bei Ruhr (Seidlitz). 

M. bicarbonica, Doppeltkohlen s. Bittererde, erhalten durch Lösen 
von kohlens. Magnesie in stark CO 2 haltigem Wasser oder Sättigen derselben mit 
CO 2 Gas, als Kohlens. M.Wasser, Aqua M. carbonicae, bicarbonicae, Aqua mag- 
nesiata, auch Struve'sches Doppeltkohlens. M.Wasser, Aqua magnesica Struvii, bei 
Magensäure, Indigestion, Harngries u. a. benüzt, auch in der Kinderpraxis; Glas- 
weis als angenehmes Laxans , z. B. mit 1 Löffel Citronensaft. Dasselbe leisten 
Lösungen von kohlens. Bittererde in Seiter-, Sodawasser u. dergl., von Bittersalz 
und Natron (Kali) bicarhonic. in Wasser (s. Bitterwasser). Aqua Magnesiae 
Cod. Hamb. : Bittersalz, kohlens. Natron in heiss Wasser gelöst, mit kalt Wasser 
geschüttelt, bis sich die gefällte M. löst. 

Magnesia sulpliurica (depurata) , Schwefelsaure Bitterer de, Sulphas 
Magnesiae, Sal amarum s. anglic, Bittersalz, Epsomsalz: durch Lösen und Um- 
krystallisiren des käuflichen Bittersalzes dargestellt; krystallinisch, leicht löslich- 
in Wasser, verwittert langsam, unlöslich in Weingeist. 

Macht wie schwefeis. Natron ohne weitere Nebenwirkungen, etwaEckel, 
Leibschneiden ausgenommen, wässrige Durchfälle; als milderes Laxans in 
Gebrauch 4 . 

Gegen Stuhlverstopfung bei Bleicolik vorzugsweise benüzt, auch bei der nicht- 
mercuriellen Behandlung Syphilitischer nach Fricke u. A. ; als mildes schwefeis. 
Salz bei Vergiftung mit Blei-, Barytsalzen. Fricke gab bei Primärgeschwüren, 
auch bei Secundärsyphilis ^j/? B. in J 8 Fenchelwasser, 3mal täglich 1 Esslöffel 
(Kluge in ähnlicher Weise Glaubersalz) , so dass täglich einige Durchfälle ent- 
standen; bei längerem Gebrauch entstehen oft in der Mundhöhle aphthöse Ge- 
schwüre ; Schwangere sollten dabei leicht abortiren (?). Auch bei dieser Behand- 
lung genasen viele Syphilitische, doch vorzugsweise nur nach frühern Quecksilber- 
curen. 

D. 3jjj — vj, mehrmals wiederholt, gelöst in Wasser, selten als Pulver. 

Zusaz von Schwefelsäure, Citronensaft u. dergl. bessert etwas den Geschmack, 
auch Natron bicarb., CO 2 haltige Wasser, Seiter-, Rippoldsauer u. a. , wie zumal 
in Frankreich: Eau de Seidlitz factice; auch Zusaz von Gerbsäure, gr. 2 auf gj, 
von Kaffee- Aufguss (Combes). Oft zugleich mitRheum, Senna, Carminativis, Aro- 
maticis u. a.; Klystieren Unzenweise beigegeben. 



1 Peez , Lambert u. A. sahen auf kohlens. M. öfters Warzen an der Hand schwinden ; das- 
selbe geschieht aber oft genug ganz von selbst. Wilson empfiehlt wieder M. als Sedativ 
bei Exaltationszuständen, Delirium tremens u. a., weil M. vielleicht die Nervensubstanz und deren 
Phosphor consumire ! 

2 Gebrannte M. kann sich mit einer Portion Wasser chemisch zu M.Hydrat verbinden und 
so ein Fest- oder Steifwerden der Schüttelmixturen bedingen; um dies zu hindern, nehme man 
wenigstens 10—12 Th. Wasser und etwa 4 Syrup auf 1 Th. M. (Gobley). 

3 Auch M. usta kommt öfters als reinigendes Zahnpulver in Gebrauch . besonders bei sog. 
Weinstein (Hesse u. A.); „Odontine" der Zahnärzte: M. mit medic. Seife und Münzöl (s. Aether). 

4 Sonderbarer Weise auch bei Ruhr z. B. in England benüzt, in kleinen Dosen mit Laudan., 
Münzwasser (Purdon, Jäsche S. 166). 



188 Thonerde. 

M. sulphuric. °%jß Natri bicarb. 3j Aq. fönic. Jv Tct. Rhei vin. Iß Eläos. 
anis. 3jj; 1 / / 2Stündlich 1—2 Löffel. 

Citronens. M., Citras Magnesia e, dargestellt durch Mischen von etwa 
1 Th. M. mit 2 Th. Citronensäure 1 ; bei überschüssiger Säure leicht löslich in Was- 
ser, geschmacklos ; als angenehmes, aber theures Laxans zumal in Frankreich be- 
nüzt (Roge-Delabarre, Maury u. A.); D. ^ß — j, z. B. mit Citronensäure, Syr. aurant. 
und Wasser, als Magnesia-Limonade 2 ; mit kohlens. Wasser als moussirende Pur- 
girlimonade; auch in Pulverform, als Poudre purgative de Roge, Limonade seche, 
in Pastillen u. a. WeinsaureBittererde, Tartras Magnesiae, erhalten durch 
Mischen von M. mit Weinsäure (s. diese) ; von ihr gilt wesentlich das beim vorigen 
Angeführte; Casorati u. A. ziehen sie sogar ihrer Wohlfeilheit wegen vor, als 
Laxans, Diureticum. Rademacher heilt damit Milzleiden. Essigsaure Magnesie, 
Acetas Magnesiae, von Renaut benüzt; milchs. M. , M. lactica als mil- 
des Laxans, von Gumprecht , gibt "%ß kohlens. M. und %ß Milchzucker Theelöffel- 
weise in Wasser, im Magen bildet sich durch Umsaz des leztern in Milchsäure 
obiges Salz. M. phosphorica, phosphors. M., von Brera bei Rhachitis benüzt, 
laxirt gleichfalls in grössern Dosen. 

Salzsaure B. , M. muriatica, Chlormagnesium, als Laxans empfohlen; 
ohne Vorzüge vor Bittersalz (Lebert). Bor saure M., als Boracit bei Antwerpen, 
im Lüneburg'schen u. a., gab schon van Helmont bei Lithiasis, als »Lapis Helmontii.« 

Talk, Talcum präparat. (Kieselsaure M.) , als Streupulver benüzt bei 
Intertrigo, als Zusaz zu vielen Cosmeticis, zum Bestreuen von Pillen, die leicht 
zusammenkleben. Asbest, gleichfalls kieselsaure M. mit Kalk, Eisenoxyd, em- 
pfiehlt Kletzinsky in ähnlicher Weise bei Hautkrankheiten, Geschwüren; Dumont 
als dauerhaftestes Material zu Charpie, nimmt aber gar keine Feuchtigkeit auf, und 
ist schon zu rar dafür. 

8. Argilla, Thonerde. 3 

Argüla (pura) s. Alumina hydrata, Thonerdehydrat, Alumina depurata, Hy- 
dras aluminicus, Alaunerde: aus Alaun durch Fällen mit kohlens. Natron oder 
Kali (oft durch Wiederauflösen des Gefällten in Salzsäure und Fällen mit Aez- 
ammon) dargestellt; unlöslich in Wasser. Wirkungen denen der Bittererde ähn- 
lich; ihre mit den Säuren des Mageninhalts gebildeten, sauer reagirenden Salze 
treffen im Darmcanal auf alkalische Flüssigkeiten, welche sie oder ihre Thonerde 
theilweis fällen, und diese mögen jezt Drüsengänge u. s. f. verstopfen, überhaupt 
z. B. bei Durchfall gelind adstringirend wirken. Dient als Absorbens, gelindes 
Adstringens bei abnormer Säurebildung im Magen, bei Durchfall, Ruhr, sporad. 
Cholera der Kinder (Percival, Ficinus u. A.). D. gr. jv— yj, 3jj täglich, als Pulver, 
bei Kindern meist in Emulsionen, schleimigen Decokten, mit Arab. Gummi, Zucker 
und Wasser abgerieben ; oft mit Opiaten, Brechwurzel u. a. Aeusserlich als trock- 
nendes Mittel bei chron. Conjunctivitis, Catarrh. 

Argüla cruda, Bolus, Siegelerde: kieselsaure Thonerde mit Eisenoxyd u. a. 
Es gibt zwei Sorten: B. alba, Terra sigillata alba s. turcica s. Lemnia, und B. 
armena s. rubra. Sonst wie Thonerde benüzt, in Bengalen isst man ihn; obsolet, 
höchstens noch, zumal rother ziemlich unpassend bei Augenleiden, Intertrigo u. dgl. 
applicirt, dort als Salbe, mit Zinkoxyd, Lapis divinus u. a., gr. j — jjj auf 3j Fett, 
oder z. B. bei Hautleiden mit Bleiwasser; auch zu Zahnpulvern. Käuflicher Ar- 
menischer B. meist eine künstliche Mischung aus Pfeifenerde und Eisenoxyd. 

Thon (kieseis. Thonerde mit Wasser) legt Detz bei Hautentzündung, Pana- 
ritien, Oedem u. a. als Brei auf Leinwand gestrichen auf. Bevergern'sche 



i Um das Schleimigwerden und Absezen von citronens. M. zu hindern, sezen Robiquet, 
Gassicourt neben Zucker Natron bicarbonic. und Tinct. C. Aurant. zu; dasselbe leistet Struve'- 
sches Wasser (s. oben); auch kann man kohlens. M. so mit Wasser und Citronensäure behan- 
deln, dass citronens. u. doppeltkohlens. M. entsteht, diese Lösung aufbewahren und erst beim 
Gebrauch mit Syrup und mehr Citronensäure mischen. 

2 Nach Gasticourt: Acidi citrici fjv gr. «52 Aq. dest. §32 Magnes. carb. |jj 5 V J> filtrirt und 
so viel Wasser zugesezt, dass es zusammen §40 gibt; §j hält so gr. 80 citronens. M. Nach 
Wittstein: Acid. citr. cryst. §/J solve in Aq. dest. §jv adde sensimM. subcarb. q. s. ad saturat.; 
liquori filtrato adde Syr. simpl. §j. 

3 Aluminium, Liinatura Aluininii, bei seiner Unlöslichkeit und schweren Oxydirbavkeit 
wirkungslos, von Joux bei Krebs versucht, zu 2—12 Centigrm p. d., in Pillen, auch als Salbe, 
doch ohne alle Wirkung. 



Thonerde. 189 

Erde, schwizt im Münster'schen aus dem Boden: feucht, graugelb, eine Mischung 
von Thonerde, schwefeis. Thonerde mit viel Eisenchlorür, etwas Kochsalz, Sand; 
als blutstillendes Mittel aufgestreut, bildet mit Blut beim Trocknen eine feste Masse ; 
oder benüzt damit gepuderte Charpie, concentrirte Lösungen in Wasser (Borg- 
greve, Brosius). 

Alumen, Alaun, Kali- Alaun, Sulphas Aluminae et Lixivae : schwefelsaure 
Thonerde mit schwefeis. Kali 1 ; im Grossen dargestellt, aus Alaunschiefer u. a. ; 
der im Handel, A. crudum, nöthigenfalls durch Lösen in Wasser und Umkrystalli- 
siren gereinigt, A. depuratum; hält 45 °/o Wasser, löslich in 18 Th. kaltem, 
0,75 kochendem Wasser, gar nicht in Weingeist, verwittert ein wenig an der Luft, 
schmeckt süsslich herb. Durch Glühen verliert A. sein Krystallwasser, selbst 
einen Theil seiner Schwefelsäure : gebrannter A. , Alumen ustum s. exsiccatum, 
weiss, schwammig. 

Wirkt örtlich adstringirend, macht blutreiche Gewebe blass, beschränkt 
die Absonderung der Darmschleimhaut, den Stuhlgang (Wibmer); auf grös- 
sere Mengen , bei längerer Anwendung entsteht Reizung der berührten 
Theile, öfters Durchfall. 

Nach Mitscherlich wirkt hiebei A. rein chemisch, vermöge seiner Affinität 
zu Eiweiss u. a., mit welchem er in Wasser unlösliche Niederschläge bildet, wie 
auch mit Gallerte, Milch 2 ; diese Albuminate des A. lösen sich zum Theil in Säuren, 
im Magensaft, in Eiweissstoffigen Flüssigkeiten , und treten jezt in's Blut u. s. f. ; 
Orfila fand Thonerde in Harn, Leber u. a. Frösche in concentrirte A.Lösung 
getaucht sterben rasch , vielleicht durch Coagulation des Eiweiss im Blut (Mialhe). 
Ob der resorbirte A. gleichfalls Absonderungen beschränken, Blutgefässe u. s. f. 
contrahiren könne, ist zweifelhaft; die angeblichen Erfolge bei Kranken wenigstens 
beweiseriies nicht. 

Macht in kleinern Dosen Trockenheit aller Schleimhäute (?), Verdauungs- 
störungen, Stuhlverstopfung; die Gerinnbarkeit des Bluts soll vermehrt wer- 
den (Trousseau)? Bei grossen Dosen, 3j — jjj und mehr verbindet sich A.. 
nicht allein mit Eiweiss und andern Stoffen der Magensecrete sondern auch 
mit denen der Schleimhaut; Reizung entsteht, selbst Entzündung, Anäzung 
des Magens, mit Würgen, Erbrechen, Durchfall, Colik. 

Gebrannter A. scheint noch etwas stärker zu wirken als gewöhnlicher (Devergie 
u. A.). Wird A. nicht alsbald durch Erbrechen entleert, so kann Tod die Folge 
sein. In der Leiche: Magenschleimhaut geröthet, injicirt, mit blutigem Schleim 
bedeckt, verdickt, weisslich, wie gegerbt; ähnliche Alterationen selbst im Dünn- 
darm. Bei Vergiftung füllt man den Magen sogleich mit indifferenten Flüssigkeiten, 
mit Eiweiss, Milch, der Verbindung des Käsestoffs mit A. wegen, fördert Er- 
brechen u. s. f. 

Innerlich gibt man A. bei Durchfall, chron. Catarrh des Darmcanals, 
der Bronchien, Urogenitalorgane, Tripper, Spermatorrhöe, chron. Bronchitis, 
Laryngitis, Heiserkeit, Abdominaltyphus (Darmgeschwüren), Ruhr, Blutun- 
gen aus Magen, Lungen, Harnwegen, Gebärmutter u. a.; bei profusen 
Schweissen und Eiterungen, Albuminurie, Wassersucht, Diabetes; sogar 
bei Erweiterung des Herzens, grosser Arterien (Kreysig), bei Kropf, Krebs 
(Fuster) ; endlich kurzweg als Specificum bei Wechselfieber, vor dem Anfall 
(Boerhaave , Cullen) , bei Keuchhusten (Andrews, Goldingftird) , Bleicolik. 

Hier glaubte man erst an seine Wirksamkeit aus ehem. Gründen, im Darm- 
canal sollte unlösliches schwefeis. Blei entstehen 3 ; seit dies widerlegt worden, 

1 Nur gemeiner oder Kali-Alaun, Sulphas alurainico-kalinus , Sulphas Argillae et Potassae 
offic. ; käuflicher hält aber zuweilen Amnion, Natron statt Kali, = Natron-, AmmoniakA. Rö- 
mischer A., Alumen roman., bei Civita-Vecchia gewonnen, die beste Sorte, meist röthlich durch 
Eisenhaltigen Thon, oft verfälscht. 

2 Deshalb dient A. auch zum Klären von trübem schlechtem Wasser, z. B. 3j auf 1 Eimer. 
Müller, Bäcker nehmen sehr oft A. zum Verfälschen des Mehls, Brods. Um die Haut gegen 
Hize, glühendes Eisen u. dergl. unempfindlicher zu machen, waschen sich z. B. Gaukler die 
Hände mit Alaunlösung und verdünnter Schwefelsäure (Sementini). 

3 Dass A. nicht chemisch durch Bildung von Bleisulphat wirken könne, erhellt schon daraus 
dass lösliche Bleisalze mit dem Eiweiss der Magen- und Darmsecrete sogleich unlösliche Albu- 
minate bilden, welche gelöst in Säuren durch A. nicht gefällt werden. 



190 Thonerde. 

geniesst A. auch weniger Vertrauen bei Bleicolik. Oefters tritt auf gr. 15 — 30 
mehrmals wiederholt Stuhlgang, Durchfall ein (Grashuis, Percival, Kapeier, Gendrin 
u. A.); man gab ihn mit Schleimen, Opium, Kampher, Klystieren u. dergl. , was 
vielleicht seine Wirkung erklärt. 

Mit einiger Sicherheit lässt sich A. blos verwenden, wo derselbe örtlich, 
direct wirken kann, z. B. bei Aphthen, Diphtheritis des Rachens, Schlunds, etwa 
bei Magenblutung, chron. Gastritis, Enteritis, Durchfall, vielleicht sogar bei Darm- 
geschwüren, Ruhr, und auch hier kann A. bei halbwegs empfindlichem Magen 
mehr schaden als nüzen. Gar zu abentheuerlich ist es aber, von A. in entfernten 
Theilen adstringirende Wirkungen zu erwarten, wie bei Blutung, Blennorrhöen 
der Lungen, bei Atonie der Harnblase, oder an positive Dienste des A. bei Uterus- 
krebs, Wassersucht, Wechselfieber, Keuchhusten u. a. zu glauben; trozdem gibt 
man A. noch heute nach diesen unglaublichen Indicationen *. Bei chron. Kehl- 
kopfleiden, Aphonie längst von Bennati u. A. als Gurgelwasser benüzt, z. B. mit 
Syrup. diacodii, von Saucerotte auch innerlich, gr. 8 — 10 p. Tag, in schleimigen 
Vehikeln, als Pillen mit Opium-Extract, Rosenconserve. Bei sog. nervöser Colik 
von Kopp, Brächet, Philippeaux gerühmt, freilich mit Laudanum. Chinesen brauchen 
A. vorzugsweise als Brechmittel. 

D. gr. vj— xv, p. Tag Zß— jj, bei Bleicolik selbst Zß p. d.; als Pulver, 
zuweilen in Pillen, wässriger Lösung, Molken. 

Je nach dem Fall gibt man A. mit schleimigen Decokten, Arab. Gummi, 
Gewürzen, Opium, Kino. Ueberflüssige olfic. Verbindungen der Art sind Alaun- 
zucker, Alumen saccharat., kinosat, clraconisat. Zu meiden : Gerbstoff, 
Eiweiss, Alkalien, Erden und deren kohlens. Salze, essigs. Blei. 

Alumin. gr. vjjj Opii gr. ß Pulv. gummosi gr. x f. Pulv. D. t. dos. X. ; 2 — 3 
Pulver p. Tag. 

Alaunmolken, Serum lactis aluminat. , kochende Milch durch A., 
etwa 3jr~jj au f ^ j zum Gerinnen gebracht; eignen sich besonders für längern 
Gebrauch, bei empfindlichem Magen, Magenblutung; Gläserweise. 

Aeusserlich dient A. gleichfalls als Adstringens, Exsiccans bei Blutungen 
aus Nase, Mund, Genitalien, Mastdarm, Geschwüren, Blutegelbissen u. a.; 
bei Catarrh , Blennorrhöen der Harnröhre (Tripper), der Scheide, Gebär- 
mutter, des Gehörgangs (Otorrhoe), bei Aphthen, Diphtheritis, Angina, Amyg- 
dalitis; bei Speichelfluss , scorbut. Zahnfleisch, Ruhr (im Klystier), Vorfall 
des Mastdarms, der Scheide; bei Conjunctivitis, purulenter Ophthalmie, 
Catarrh der Glottis, des Kehlkopfs, Aphonie, Glottisödem; zum Verband 
bei Wunden. Als Exsiccans und mildes Aezmittel bei übermässigen Granu- 
lationen, Hämorrhoidalknoten, Condylomen, Hautkrankheiten, Krebs, Chan- 
ker, Verwundungen am Sectionstisch u. a. 

Hier kann stets auch roher A. benüzt werden. Man applicirt A. um stärker 
zu wirken als Pulver (hier oft lieber gebrannten A.), auch vermischt mit Zucker, 
bei Blutungen z. B. aus Nase mit Gi arab. ; bei Rachencroup, Angina, Speichelfluss 
bringt und reibt man A. mit dem feuchten Finger ein (Velpeau), bei Amygdalitis 
gleich Anfangs zum Coupiren (Mertens , Ancelon); oder eingeblasen, z. B. aus 
einer mit 3j A. gefüllten, offenen Federpose, bei Kehlkopfleiden eingeathmet. 
Bei Angina reibt und bläst man ^j A. mit gr. 10 Safran, auch Zucker in Holland 
ein (Westcappel'sches Mittel); viel Schleim geht dabei ab, mit Erleichterung (We- 
teling, Lange) 2 . Häufiger nimmt man A. in Lösung, 3j au f Ijjj — V JJJ Wasser; 
mit Syrupen zu sog. Pinselsäften, 3j A. auf ^j — jj ; als Salbe gr. 2 — 6 auf 3j Fett. 
Zu Einsprizungen bei Tripper, Fluor albus u. dergl. gr. 5 — 20 auf ^j Wasser, 



* Bei Keuchhusten z. B. im Londoner Kinderspital oft gegeben, gr. 3—6 p. d., in wässriger 
Lösung, mit Schierlings- Extract u. dergl. ; bei Blutspeien von Thompson A. 3jj Catechu 3jjj Gi 
arab., Sacch. alb. üa 3jjj Gi Tragac. 3jß Aq. Rosar. q. s. f. Pastilli 60. 

2 Gaultier bläst A. sogar bei Vaginitis, Vulvitis, Fluor albus, Condylomen u. dergl. ein, oder 
applicirt A. auf Tampons ausgekrempelter Wolle, Nussgross, mit 1 Kaifeelöffel voll A. Pulver 
bestreut, auch als Salbe mit aa Fett u. s. f. ; der Eiweissreiche Schleim bei Fl. albus soll öfters 
durch A. zu festen Massen erhärten (Locock u. A.). Doch scheinen Tampons , Charpie ohne 
A.Pulver so gut als einfaches Wasser hier wie sonst ungefähr dasselbe zu leisten. Bei Leber- 
flecken, Frostbeulen u. a. applicirt Foy A., Zinkvitriol äu in 2—300 Th. Wasser; bei Ophthalmia 
neonatorum sprizt Bowman alle V* - 2 St. gr. 3 A. gelöst in §j dest. Wasser ein, und bestreicht 
den Augenlidrand mit Fett. 



Thonerde. 191 

zu Collyrien gr. 10—15, zu Gurgelwassern 3/?— j, zu Klystieren 3j — jj auf ^v. 
Oft sezt man andere Stoffe bei, wie Zink-, Eisenvitriol, Bleizucker, Gerbstoff, Kino, 
Galläpfel, Bolus, Arab. Gummi, Colophonium, Kreosot, auch Tct. Opii, Essig, 
Schwefelsäure, Höllenstein, Russabsuü 1 ; ein Liniment aus A., Eiweiss, Spir. cam- 
phorat. dient bei Decubitus zur Abhärtung der Haut; Tampons mit A., gepulver- 
ten Galläpfeln ^ Jj Gi Mimosae g/? bestreut bei Metrorrhagieen u. a. (Closs) l ; 
zum Verband von Wunden tränkt Rivallie Charpie, Compressen mit concentrirter 
A.Lösung; bei Hornhautflecken streicht St. Yves A. mit Kandiszucker, Eigelb ein. 
Bougies (aluminees) am Ende mit A.Pulver zusammengeknetet und gerollt applicirt 
Jobert bei Stricturen, chron. Entzündung, Catarrh der Harnröhre. 

Alum. Iß Vitrioli Zinci 3jj Aq. comm. §x; zu Injectionen, Gurgelwassern. 
Alum., Kino äa 3JJJ Gummi Mimos. J/J f. Pulv. ; bei Blutungen, Geschwüren u. a. 

Pulvis styptic. Ph. Dan. Hamb.: A., Gi arab., Colophon. aa. Knaup'sches 
Adstringens: A. , Eisenvitriol aa 500 Th. mit Zinkvitriol, Kupieroxyd, Salmiak, 
aä 30 zusammengeschmolzen, in Belgien, Frankreich zumal von Thierärzten benüzt, 
z. B. in Wasser gelöst zu Umschlägen. Eine Verbindung von A. mit Eisen, kohlens. 
Natron gibt Murray als Bisulphas Ferri et Aluminis auch innerlich. 

Gerbsaure Thonerde, Tannas Aluminae, leicht löslich in Wasser, 
besonders heissem; von Harrison bei Tripper u. a. injicirt, von B. Jones bei chy- 
lösem Harn innerlich, z. B. 3j gelöst in Wasser und Schwefelsäure, oder Alaun, 
Gerbsäure äa 3j i n Jjjj Wasser; gibt auch Eisenalaun, wo Ki durch Eisenoxyd 
ersezt, bei Leucorrhoe, gr. 5—10 p. d. 

Argilla s. Alumina sulphurica, Schwefels. Thonerde, Sulphas Argillae : Syrup- 
artig, leicht löslich in Wasser. Argilla acetica, Essigs. Thonerde, Acetas Argillae 
s. Aluminae, erhalten durch Zersezen der vorigen mit essigs. Blei und Fällen des 
Blei im Filtrat mit SH; dickflüssig, leicht löslich in Wasser. Wirkungen beider 
Salze, soweit bekannt, denen des Alaun ähnlich, scheinen aber stärker reizend zu 
wirken; conserviren wie aile löslichen Thonerdesalze thierische Gebilde; Gannal 
mischt ihnen hier, um Angriffe durch Insecten zu hindern, Brechnussabsud bei. 
Bei Kranken wie Alaun versucht, bei Durchfall, Blutspeien u. a., 3/? — jj P- Tag,, 
in schleimigen Decokten ; äusserlich das Acetat bei Geschwüren, Hautleiden, Tripper, 
stinkendem Fussschweiss u. a. (Burow). 

Bimsstein, Lapis Pumicis : die alten Römer schluckten B., um mehr trin- 
ken zu können; Hebra reibt ihn Kräzigen ein, z. B. mit Schmierseife als sog. 
Bimssteinseife, im Laugenbad, um Milbengänge samt Insassen wegzuschaffen; 
Küchenmeister reibt nachher Anis-, Rosmarinöl ein. 



Hier reihen sich einige thierische Auswurfsstoffe an, mehr zu Paullini's 
Dreckapotheke und immerhin zu den uncultivirtesten Mitteln der Materia medica 
gehörig 2 . 

Harnstoff, Urea, C 2 H 4 N 2 O 2 , in Wasser, Weingeist leicht löslich. Tritt 
vom Magen aus unverändert in's Blut, auch im Harn als solcher ausgeschieden 
(Wöhler und Frerichs, Gallois); scheint nur in sehr grossen Dosen schädlich zu 
wirken 3 . Als vermeintliches Diureticum bei Wassersucht, Albuminurie, Pleura- 
Ergüssen benüzt (Lännec, Piorry, Segalas und Fouquier), 3/? — jj P- d. , gelöst in 
dest. Wasser; doch ohne Wirkung. Bei Diabetes von Dulk, Rochoux vorgeschlagen; 
Vauquelin und Segalas sahen aber darnach keine ehem. Veränderung des Harns, 



1 Liquor haemostaticus Pagliari: A. Sj Benzoeharz %8 mit Wasser Sx lange gekocht, filtrirt; 
als blutstillendes Geheimmittel auf den Markt gebracht, macht das Blut in den Adern gerinnen, 
nicht aber bei Blutungen äusserlich applicirt, jedenfalls noch viel weniger als A. (Heyfelder, 
Richardson u. A.). Lesueur, Miergues u. A. gaben es innerlich bei Blutbrechen, Bluthusten. 
Eau de Hepp ist ähnlich zusammengesezt. Liquor s. Aqua Aluminis composit. Ph. Lond. : A., 
Zinkvitriol a a §j Aq. dest. Sjjj ; zu Augenwassern, Injectionen, Fomenten bei Hautleiden u. a. 
Cataplasma Aluminis : das Weisse von 2 Eiern mit 3j A. verrieben bis sie ein Coagulum bilden, 
in England z. B. bei Ecchymosen des Auges aufgelegt. 

2 Ambra, Galle, Thran, Speichel, Magensaft, Pepsin u. dergl., die sich in obiger Beziehung 
hier anschliessen würden, s. bei andern Gruppen. 

3 Kaninchen , denen Gallois 20 grm H. in den Magen sprizte , starben unter Convulsionen, 
Tetanus; Hammond dagegen sah auf directe Injection in's Blut keine besondern Folgen, weniger 
als von Salpeter, ausser wenn die Nieren abgetragen worden, sonst glaubte man irriger Weise, 
H. werde im Körper in kohlens. Ammoniak umgesezt, könne sog. urämische Vergiftung be- 
wirken u. s. f. 



192 Thonerde. 

auch wird H. unzersezt wieder ausgeschieden. Salpetersauren H. , Urea ni- 
trica, gab Kingdon bei Wassersucht, gr. 1—10 p. d., in Lösung, Pillen; Mauthner 
mit Zucker als Pulver. Baud, Bouger u. A. geben Eisenblausauren H., Cyan- 
eisenkalium-Harnstoff bei Wechselfieber, Algieen, Krämpfen, Nervenleiden aller 
Art, bis 3/? — jj täglich, als Pulver, Pillen u. s. f. 

Harn von Schafen, Eseln, Rind gaben schon alte Aerzte zum Harntreiben, 
mehrere Unzen täglich, auch bei Gicht, Gelbsucht u. a. als Aqua florum omnium, 
und noch jezt weiss das Volk seinen Harn äusserlich bei Flechten, Lupus, Rheu- 
ma!, Gicht, alten Ophthalmieen, Blessuren l u. dgl. zu schäzen, auch zum Waschen 
des Penis gleich nach verdächtigem Beischlaf. Boussingault empfahl Harn von 
Pflanzenfressern wegen seines Gehaltes an kohlens. Kali u. a. nach Art alkal. 
Mineralwasser bei harns. Concrementen ; Delpierre abgedampften H. bei Wechsel- 
fieber in Pillen, einige Gran p. d. Hardy injicirte den von Andern nach Gebrauch 
von Kubeben, Copaiva gelassenen Harn bei Tripper des Weibs ; doch wollte schon 
die Gesellschaft von Spitalärzten nichts davon wissen, — par degoüt! 

Guano, die alten festen Excremente, zumal Harn von Wasservögeln, mit 
thierischen Ueberresten, Gräten, Schuppen, Erdtheilen, Sand u. a. , finden sich 
besonders an den Küsten, Klippen Peru's, Patagonien's, Afrika's; reich an N 
haltigen Bestandtheilen und phosphors. Salzen, daher geschäzt als Dünger; hält 
Guanin (thierische Base, dem Harnstoff analog), Harnsäure, Xanthin (harnige Säure), 
harnsaures Amnion., phosphors. Kalk, Tripelphosphat u. a. Wirkt örtlich reizend ; 
Guanin soll Kaninchen innerlich gegeben den Harnstoff im Harn vermehren, also 
durch Oxydation in Harnstoff übergehen (Kerner). In Brasilien, Neu -Granada, 
Columbien u. a., jezt auch bei uns innerlich wie äusserlich bei Hautleiden, Scro- 
fulose , zumal bei Aussaz (Morpheia) , Psoriasis u. a. benüzt , weiterhin bei Sy- 
philis, Tripper, Gicht u. a. (Lallemand, Gonzales, Demars, Horner u. A.) Man 
gibt z. B. von dem oft durch Kochen mit Wasser, Filtriren, Abdampfen erst ge- 
reinigten G. ^j Morgens in Gerstenschleim; dazu warme Bäder mit 1 — 2 U G. 
p. Bad, Waschungen, reibt nach dem Bad G. als Salbe ein, 3jj — jjj au f 1J Fett. 
Nuzen äusserst gering, wo nicht Null (Veiel u. A.), macht überdies eingerieben 
zumal durch beigemischte harte, oft krystallin. Substanzen leicht Dermatitis, 
Furunkeln (Sqjirämli). 2 

Hyraceum, Dasjaspis, Dachsharn, der eingetrocknete Harnrückstand des 
Klippdachs (Hyrax capensis; Pachyderme; Cap, Syrien, Libanon) mit erdigen 
und organ. Stoffen , Haaren , Insectenresten u. dergl. ; fest , braun , riecht etwas 
würzig, in Wasser grossentheils löslich; hält Harnstoff, Hippur-, Benzoesäure, 
Ammoniak, Harz, äther. Oel, Fett, Salze u. a. (?). Soll wie etwa Castoreum wirken ; 
auch wie dieses von den Eingeborenen benüzt bei Nervenleiden, Hysterie u. dgl., 
ebenso in Europa (Martius, Rapp, Scanzoni, Martini u. A.), z. B. das wässrige 
Extract mit Weingeist als Tinctur, noch besser eine mit Aetherweingeist bereitete 
Tinct. (Wiggers); D. gtt. 20 und mehr. Werthlos, kostspielig, eckelhaft. 



i Im Caucasus dient Rinderharn mit Origanum u. a. Kräutern gekocht und abgedampft als 
reizendes Mittel bei penetrirenden Wunden (Wilczkowzki). In England wurde kürzlich wieder 
Harn z. B. mit Alaun , durch Cochenille u. a. gefärbt als Universalmittel zumal bei Augen-, 
Ohrenkrankheiten zu 1—100 Frc die Flasche an Mann gebracht; dient auch dort längst als 
Waschmittel. 

2 Bei gichtischen Gelenkleiden, Geschwülsten u. a. nimmt W. E. Horner G. mit Töpferlehm, 
Schlamm zu warmen Umschlägen, bedeckt mit Wachstaffet. Ger einigten G. bereitet Girardin 
durch Maceriren in Aq. mit etwas Alcohol und Abdampfen des Filtrats zur Trockene; z. B. 
mit Zucker, Vanilltinctur als abführender Syrup benüzt, mit 3—6 Th. Fett als Salbe. 

Kuhmist gilt gleichfalls da und dort, auch noch in Deutschland als gutes Mittel bei vielen 
Krankheiten, z. B. mit heisser Milch b. Cholera! Betrunkene in Düngerhaufen zu stecken ist 
in manchen Thcilen Frankreichs Bauernregel (Boutigny); in Thüringen schüttet man ihnen 
gar Mistjauche ein (Froriep). 

Eine ähnliche Substanz, die getrockneten Fäces des heiligen Dalai-Lama stehen in 
Indien längst als Heilmittel in hohem Credit, wie denn auch schon sein Handauflegen bei den 
Gläubigen des Ostens Wunder thut. 



Schwefel. 193 

Dritte Classe. 

Metalloide. Salzbilder. 

1. Sulphur , Schwefel und seine Verbindungen. l - 

Sulphur purum s. depurat, Heiner Schwefel: raffinirt als Stangenschwefel, 
S. citrin. s. in baculis im Handel, auch als sublimirter, S. Sublimat, s. Flores Sul- 
phuris ; aus lezterem durch Waschen gereinigter S., S. depurat. (S. Sublimat, lotum 
s. Flores sulphuris loti) erhalten. Bios dieser innerlich benüzt, auch Schwefel- 
milch, S. präcipitat., Lac s. Magisterium Sulphuris , bereitet durch Lösen von S. 
in Aezkalk, auch Aezkali und Fällen mit Salzsäure. Unreiner S. noch als S. 
caballinum s. griseum in der Thierarzneikunde da und dort benüzt; auch 
Schwefelblumen halten öfters Arsen, Blei. Fein pulverförmig , gelblich, präcipi- 
tirter S. weisslich ; unlöslich in Wasser, leicht löslich in fetten, ätherischen Oelen, 
Terpentinöl, Schwefelkohlenstoff, wenig in Weingeist, Aether. 

Wirkt als unlösliche Substanz wenig oder nichts , blos in grossen Dosen 
oder auf der ihrer Epidermis beraubten Haut mechanisch etwas reizend; 
auf sehr grosse Dosen sah man z. B. Gastroenteritis entstehen (Hertwig). 
Zu gr. 10 — 20 verschluckt macht S. höchstens Uebelsein u. dgl., zu 3jjj — jv 
und mehr einige breiige Stühle, Abgang von SHreichen Darmgasen. 

Auch diese milde Laxirwirkung ist nichts weniger als constant (Toulmouche 
u. A.). Im Magen scheint es kein Lösungsmittel für S. zu geben ; in den alkal. 
Darmsecreten, in Galle aber soll sich S. theilweis lösen, vielleicht zum Theil um- 
gesezt in Schwefelnatrium, -Kai., -Eisen u. a. ; immerhin tritt wohl etwas S. in's Blut. 
Theilweis scheint S. als Schwefelsäure, vielleicht auch als Schweflige, Unterschweflige 
Säure gebunden an basische Stoffe im Harn, theilweis als SH wieder ausgeschie- 
den zu werden; Ausdünstung, Athem sollen öfters darnach riechen, silberne Knöpfe 
an Kleidungsstücken, mit Bleiessig beneztes Papier auf die Haut gelegt schwärz- 
lich sich färben (SchwefelB.) , und aus dem Harn eines Hundes konnte Wöhler 
durch Salzsäure SH entwickeln. Doch sind all diese Data noch unsicher genug; 
nach Millon, Laveran z. B. geht S. gar nicht in's Innere des Körpers über, konnte 
von ihnen in keinerlei Art von Verbindung im Harn aufgefunden werden ; nach 
Eberhard, H. Meyer, Donders, Krause kann dagegen S. als solcher in's Blut über- 
gehen, auf seinen Gebrauch der Gehalt des Harns an Sulphaten zunehmen (Grif- 
fith, Krause, B. Jones)? In Strassburg füttert man Gänsen u. a. auch Schwefel, 
um ihre Leber fett zu machen. 

Man gibt S. 1. als Laxans, bei habitueller Stuhlverstopfung, meist mit 
Weinstein, Magnesie, Laxirsalzen u. dgl. 

Ausserdem sollte S. bei »Untcrleibsplethora«, Hämorrhoiden, Blutungen aus 
Mastdarm, Uterus u. s. f. fördern, doch wohl blos weil solche während seines Ge- 
brauchs wie sonst auch eintreten können. Auch zum Abtreiben von Eingeweide- 
würmern, selbst von Bandwurm sonst in Gebrauch. 

2. Um Hautausdünstung, Schweiss, Auswurf zu fördern, oder kurzweg 
als Specificum bei Rheumatismus, Gicht, Kräze, Impetigo, Prurigo, Psoria- 
sis u. a., bei Mercurialsalivation, Mercurialkrankheit , Metallcachexieen , Sy- 
philis, Diabetes, Scrofulose, Lungentuberculose, Bronchiencatarrh , Croup, 
Asthma, Asiat. Cholera. 

Nüzt hier überall möglichst wenig, und bei der Menge wirksamerer Behand- 
lungsweisen bedürfen wir seiner nicht. Bei Masern gab Tortoual S. gar als Pro- 
phylactic; Lorie, Cabaret, Grove u. A. rühmen wieder S. bei Cholera 2 . 

1 Die Verbindung des S. mit Jod s. bei Jod, die mit bei den Säuren, die mit H bei den 
giftigen Gasen. 

2 Bei starker Hize geschmolzenen zähen, braunen S. rühmt Hannon bei allen obigen Krank- 
heiten als unendlich wirksam; hält aber, wenn durch Zersezen von Schwefelkupfer mit Königs- 
wasser u. s. f. bereitet, meist Schwefelkupfer, und dieses soll sein einziger wirksamer Bestand- 
teil sein (Gille) ? Duche gibt S. mit Zucker, Süssholz als Prophylactic. gegen Diphtheritis und 
Oi'dium dabei , bis zu 3/?— jj p. d. ; Senechal bei Croup innerlich mit Honig , bläst auch S. in 
Rachen, Nase. 

7. Aufl. 13 



194 Schwefel. 

D. als Laxans 3j — jjj, sonst gr. x — xv, mehrmals täglich, als Pulver, 
auch in Bissen , Latwergen , Schüttelmixturen. 

Leztere die unpassendste Form; nie darf man hier S. auf längere Zeit ver- 
ordnen, weil sich leicht SH bildet; am besten lässt man S. Messerspizenweise 
z. B. in Milch nehmen. 

Sulph. praecip. Zß Magnes. sulphuricae 3j Elaeos. anis. Zß f- Pulv. D. t. 
dos. 6; 2mal täglich 1 Pulver z. n. in Oblaten. Sulph. praecip. 3jj Magnes. car- 
bon., Natri bicarbon. aä Zß Sacch. alb. 3 V J Mucil. gi tragac. q. s. f. Trochisci 30; 
2mal tägl. 3 St. 

Aeusserlich bei chron. Hautleiden, besonders Kräze in Gebrauch, auch 
hier meist gemischt mit wirksamem Stoffen. 

S. selbst ist dabei nur verdünnender, unschuldiger Zusaz, oder starkes Ein- 
reiben die Hauptsache. Man applicirt S. als Salbe (s. Präparate), 1 Th. auf 1 — 6 
Axungia, Oele u. a., 1 — 2mal täglich stark eingerieben, lange genug, auch nach 
der Heilung fortgesezt; jezt fast immer gemischt mit Schmierseife, Theer, auch 
Zinkvitriol, weissem Quecksilberpräcipitat , Salmiak, Kochsalz (Millot), Potasche 
dazu (z. B. Helmerich's Salbe S. 173), Kalk, B. Veratri (Hellebori) albi u. dergl. 
in verschiedenen Proportionen *, auch mit äther. Oelen, zumal in der Privatpraxis, 
z. B. Bergamottöl (Mende); zugleich wiederholt Beinigungsbäder mit Lauge, Seife; 
Midavaine, Durant benüzten ähnliche Salben bei Eiterung confluirender Blattern. 

Als aristokratische Kräzsalbe weiter nimmt Bourguignon 2 Eigelb mit Ol. 
Lavand. , Citri, Menth. aä 5 grm, Zimmt-, Gewürznelkenöl aä 8 grm, Tragant 
2 grm zusammengerieben, dann mit S. 100, Glycerin 200 grm. Im Londoner 
Spital für Hautkranke dient bei Kräze : sublimirter S. Y 2 ® \ weisser Q.Präcipitat, 
SchwefelQ. aa %ß Olivenöl ^jv Axung. J 16 Kreosot gtt. 20. Einfache S. Salbe 
rühmt Jones auch bei granulöser Conjunctivitis; bei Acne rosacea Wilson subli- 
mirten S. , Morris Kampher 3J m it Weingeist q. s. , dann Schwefelmilch 3jj un( i 
Wasser q. s., womit er das Gesicht Abends und Morgens bestreicht (wirke lösend 
auf die Hautschmiere in den Talgdrüsen, und obschon die Schwefelmilch oft bis 
60°/o Gyps enthält, störe dies die Wirkung nicht). Mit sog. amorphem, hartem 
S. (gewaschener S. über der Weingeistlampe erhizt, dann in Wasser geworfen) 
plombirt Henriot Zähne. Wie schon Tucker bei Bheumat. , Ischiadik u. dergl. 
S. trocken einreiben, auch in Strümpfe, Stiefel streuen Hess, wickeln O'Connor, 
Füller das ganze Glied in Flanell, dick mit S. bestreut, drüber Bollbinden und 
geölte Seide oder Gutta Percha. 

Sulph. dep., Kali carbon. aä %ß Axung. ^jv f. Ungut.; bei Kräze, Prurigo, 
Pityriasis u. a. 

Sulph. dep. 3jj Ol- papav. %ß Bals. peruviani 3jj M. 1. a. Linim. 

Sonst waren mehrere Salben, Pflaster aus S. offic, auch noch jezt ; Ph. Bo- 
russ. ist auch hierin voran und hat gar keine mehr. Ungut, sulphurat. : S. 
mit Fett; ihres üblen Geruchs wegen oft mit Bosmarin-, Bergamottöl u. dergl.; 
auch mit Zinkvitriol, Weissem Q.Präcipitat u. a. Oleum Lini sulphurat. s. 
Balsam. Sulphuris simplex: S. gelöst in 4 Th. kochendem Lein- oder 
Olivenöl ; gelöst in 3 Th. Terpentinöl mit etwas Anisöl gibt es Balsam. Sulphuris 
terebinthinat. s. vitae Bulandi, Oleum Terebinthinae sulphurat. All diese 



t Derartige Mischungen waren früher und zum Theil noch jezt offic, z. B. Englische 
Kräzsalhe: Sulph. depur. §j R. Veratri albi 5jj Sapon. nigri §j Adip. suill. fjjj— jv. — Ungut. 
Sulphuris composit. Ph. Lond. : S. £jv Veratri cont. Jx Salpeter 3jv Sapon. mollis §jv Adipis Sj. 
Bei Kräze ist die Cur mit diesen Salben meist rasch, aber theuerer und minder sicher als mit 
Schmierseife ; Bäreusprung rühmt sie bei Prurigo, mit Schwefel-, Sublimatbädern u. a. Jasse r's 
Kräzsalbe (Ungut, sulphurat. composit. Cod. Hamb. u. a.): Sulph. dep., Vitrioli Zinci, Baccar. 
lauri alt $ß , Ol. lauri (s. Ungut, rosat.) q. s. f. Ungut, (nach Manchen mit Veratrum Jj): sonst 
bei Kräzigen sogar blos in die Handflächen eingerieben. Halten diese Salben neben Zinkvitriol 
Schmierseife, so wird jener durch deren Kali allmälig zersezt, schwefeis. Kali, Schwefelzink 
entstehen, wirkt deshalb nicht so scharf wie man denken könnte. Liniment, sulphurat. s. 
contra scabiem Cod. Hamb.: Sulph. depur., Sapo niger aä 1 Th. , Aqua fervid. 3 Th. Beim 
östreichischen Militär ist eine Salbe aus gewöhnlicher Hausseife Sj, Schwefelblumen Sj, Schweine- 
fett H" 3 im Gebrauch, Morgens und Abends §j stark eingerieben; nachher legt sich der Kranke, 
in eine Decke gewickelt in's Bett (s. Schmierseife). Ungut, sulphurat. s. contra sca- 
biem Ph. Austr. : S., Zinkvitriol da %\ß mit 1 S Ungut, simplex. Bajard's Salbe: S. , Schiess- 
pulver, Olivenöl. Hier überall könnte man S. selbst füglich weglassen und z. B. durch Gyps, 
Kreide u. dergl. ersezen; 

Kummerfeld'sches Waschwasaer gegen Flechten, Rein's cosmet. Waschwasser: Schwefel- 
blumen f/J Kampher 9j dest. Wasser § 8. 



Schwefellober. 195 

Präparate, vordem besonders bei Kräze u. a. benüzt, lezterer auch innerlich als 
Excitans, Diuretic, Expectorans, gtt. 10—20 p. d., jezt obsolet. 

Stangenschwefel, S. citrinum, auf glühendes Eisenblech geworfen 
vordem zu Räucherungen, Fumigationes sulphurosae in besonders eingerichteten 
Kästen verwendet bei Kräze, »Flechten«, Rheumat. , Gicht, Lähmungen (Gales, 
d'Arcet, Assalini), wobei übrigens nicht S. sondern Schweflige Säure wirkt; Kopf, 
Luftwege müssen daher frei bleiben. Durch gleichzeitiges Verbrennen von S. und 
Salpeter erzielte man z.B. in München die Bildung schwefelsaurer Dämpfe ; liess 
auch zugleich Wasserdämpfe auf den ganzen Körper wirken. Jezt als umständ- 
lich, unwirksam, selbst nachtheilig verlassen; man fand, dass Wärme, Wasser- 
dampf die wirkenden Factoren dabei, nicht Schweflige Säure; zumal bei Kräze 
war die Cur sehr lange, unsicher (Biett, Ray er u. A.) l . 

Chlorschwefel, Sulphur chlorat., Chloridum Sulphuris, be- 
reitet durch Schwängern von S. mit Chlorgas ; ölartig, stösst scharfe Dämpfe aus, 
zersezt sich in Wasser. Bei Lepra, Psoriasis, Gicht als Salbe eingerieben, 3/? — j 
auf Jj Fett ; auch innerlich, z. B. gelöst in Aether (Biett, Merat und De Lens) 3 . 

Schwefellebern, Sülfüre der Alkalien, Erden. 

Durch Zusammenschmelzen von Alkalien, Erden oder ihren kohlens. Salzen 
mit Schwefel dargestellt ; enthalten ausser Sulphureten (Schwefelmetallen) sehwef- 
lig-, unterschwefligsaure, zum Theil noch schwefeis., kohlens. Salze. Wirken ört- 
lich mehr reizend als Schwefel, vermehren die Absonderung im Magen, Darmcanal, 
sollen resorbirt (wobei sie sich allmälig zu schwefeis. Salzen oxydiren können) 
Schweiss, Absonderung der Schleimhäute vermehren, den Puls beschleunigen (?). 
Mit Ausnahme -der Kalischwefelleber höchstens noch äusserlich verwendet. 

Kalium sulphurat, Kalkschwefelleber, Hepar Sulphuris kaiin., Trisulphuret. 
Kalii, Sulphuret. Potassae, Persulphuret. kalicum, Geschwefeltes Kali: dargestellt 
durch Zusammenschmelzen von 1 Th. Schwefel, 2 kohlens. Kali; meist eine Ver- 
mischung von Fünffach-Schwefelkalium mit schwefeis., auch kohlens. Kali. Zu 
Kai. sulphurat. pro balneo s. pro usu externo wird Potasche statt 
kohlens. Kalis genommen. Pulverige Masse, leicht löslich in Wasser (unreines 
aus Potasche nicht ganz), an der Luft feucht, SH entweicht, während S. sich aus- 
scheidet; Säuren, selbst Kohlensäure fällen unter Entwicklung von SH Schwefel. 

Wirkt örtlich mehr oder weniger reizend, in grössern Mengen als star- 
kes Gift, 

Zu gr. j — jjj verschluckt äussern sich ausser dem widrig scharfen Geschmack 
keine Wirkungen ; doch soll Pulsfrequenz, Eigenwärme öfters steigen ; auf grössere 
Dosen kann bei empfindlichem Magen Uebelsein, Colik, selbst Erbrechen, Durch- 
fall entstehen 3 . Wirkt zu 3jjj— V J scharf reizend, es entsteht Brennen, Zusam- 
menschnüren im Schlund, Würgen, Brechdurchfall, weiterhin wie bei SH Athem- 
noth, Collapsus, Convulsionen ; Tod oft schon nach wenigen Stunden ; wesentlich 
dieselben Wirkungen bei Einsprizungen in Venen, in's subcutane Bindegewebe. 
In der Leiche Magen-, Darmschleimhaut entzündet, stellenweise ecchymosirt, selbst 
ulcerirt; diese Läsionen fehlen oft bei reichlichem Erbrechen oder raschem Tod. 

Verfahren bei Vergiftung: Füllen des Magens mit milden Getränken, Fördern 



i Besser eignen sie sich zum Reinigen der Kleidungsstücke z. B. Kräziger. Früher wurde 
S. mit Kohle sogar in Krankensälen, oft ohne die Kranken erst zu entfernen, zum Reinigen der 
Luft bei Typhus- und andern Seuchen verbrannt! Und wie unsere Zeit dazu bestimmt scheint, 
allen alten Unsinn a la Don Quixote wieder zu bringen, lässt Canolle Cholerakranke wieder 
schwefligsaure Dämpfe einathmen; man verbrennt z. B. im Zimmer 1—2 Kugeln von 3 grm 
Gewicht aus 2 Th. VVachholderharz mit 1 Schwefel. Um die Parasiten bei Tinea zu tödten, 
verbrennt Grün S. mit Zunder in einer irdenen Pfeife, und bläst durch eine zweite darauf ge- 
steckte Pfeife aus Kautschuk (s. Schweflige Säure); soll auch gegen Muscardine der Seiden- 
raupen nüzen. 

2 Dusard und Pillon pinseln die Lösung von 12 grm in 100 (5j in §j) Schwefelkohlenstoff 
bei Kräze auf, schüzen den Kranken gegen die scharfen Dämpfe durch eine oben offene Papier- 
tüte über den Kopf; nachher Reinigungsbad. 

3 Im Magen wird Schwefelkai. grossentheils durch die Säure des Magensafts zersezt, Schwefel 
scheidet sich aus, SH, Schweflige Säure entweichen; neu entstandenes salzs., milchs. Kali 
können theilweise in's Blut übertreten. Aus Venenblut, Leber, Harn konnte Orfila SH ent- 
wickeln, Hertwig fand das Blut dunkler gefärbt, sein Eiweiss vermindert; durch die Lungen 
wird SH ausgeschieden, und derAthem riecht darnach; im Harn fand Wöhler auf grössere Dosen 
Schwefelkalium, auf kleinere schwefeis. Kali. 



13 



* 



196 Schwefelleber. 

des Erbrechens; gegen den sich entwickelnden SH gab man Chlor, Chlorkalkj 
Chlornatron. 

Innerlich selten mehr benüzt, vordem ziemlich wie Schwefel bei Metall- 
cachexieen (Blei , Quecksilber) , auch als Schuzmittel für Bleiarbeiter , bei 
Gicht, chron. Rheumatismus, Hautkrankheiten, Tuberculose, Scrofulose, Hydro- 
cephalus, Kindbettfieber; als Expectorans und Brechmittel bei Croup, Bron- 
chiencatarrh , Keuchhusten, Asthma. 

Ihre Unwirksamkeit bei diesen Leiden ist anerkannt, und lässt sich der- 
malen kaum ein Grund für ihre Anwendung denken. Oppolzer gibt sie noch 
bei Aphonie, chron. Laryngitis, Barbier u. A. bei Croup *; bei Diabetes wollte 
man vergeblich dadurch die Umwandlung der Stärke in Zucker hindern. D. 
gr. j — jv, mehrmals täglich, am besten einfach gelöst in Wasser, Fleischbrühe, 
mit Syrup als Linctus; nicht passend als Pulver, Pillen; nie verordne man auf 
länger als 1 Tag. Meide: Säuren, saure Salze, Metall-, Erdsalze. 

Aeusserlich gleichfalls wie Schwefel benüzt, vorzugsweise zu Bädern, 
bei Kräze, Prurigo, Tinea, Acne, Psoriasis, Lepra, Scrofulose, neuralgischen, 
krampfhaften Leiden, Bleicolik, Veitstanz, Rheumatismus, Gicht, Lähmun- 
gen, Amenorrhoe, Asthma (Beau). 

Mit Wasser in Berührung gebracht entweicht SH, so dass fast blos Kali, Salze 
wirken können, und auch diese nur örtlich. Man nimmt hier wohlfeileres Kai. 
sulph. impur. s. vulgare s. pro balneo, ^ß auf Sj — jjj Wasser, zu warmen Bä- 
dern, Waschungen; zu Salben 5/? — j au f IJ Fett, auch mit Schmier-, Hausseife. 
Auf ein ganzes Bad Jjj — vj gelöst in Sjjj Wasser und ,z. B. 6 — 10 Eimern Wasser 
von 26° R. zugesezt, öfters mit Kochsalz, Kalilauge u. dergl. ; solche warmen 
Bäder reizen die Haut, oft entstehen Ausschläge, Poussee der Franzosen, die 
sonst als Crisen galten. Oft wird noch Schwefel- oder Salzsäure zugesezt, Jjj— jjj 
auf ein Bad; hier zersezt sich Schwefelleber vollkommen, schwefeis., salzs. Kali 
entsteht, welches so gut wie nichts wirkt. Obiger Bäder bedient man sich noch 
bei Hautkranken, Nervenleiden; passen nicht bei zarter, reizbarer, ihrer Epidermis 
beraubter Haut, bei Plethorischen, Brustkranken ; Temperatur des Wassers, Bade- 
zeit dosire man stets nach den Umständen. Um die reizende Wirkung zu mildern, 
sezt man z. B. in Frankreich öfters Leim zu, Sj— jj auf's Bad, zuvor gelöst in 
heissem Wasser. 

Dupuytren's Waschwasser bei Kräze u. a. : Sulphureti Potassae Jjv Aq. 
commun. Jvjjj Schwefelsäure J/J; wirkt meist zu reizend. 

Kali sulphurati Jj Sapon. dorn. Jjjj Ol. papav. U j ; Jadelot's Salbe, bei 
Kräze u. a. 

Sodaschwefelleber, Schwefelnatrium, Unterschwefligsaures Natron, 
Natrium sulphurat., Natrum subsulphurat. s. hyposulphurosum, Hyposulphis Sodae, 
Natriumsülfür : wesentlich wie Kalischwefelleber; weiss, leicht löslich in Wasser, 
nicht in Alcohol, zersezt sich im Magen ; bildet einen Bestandteil der Schwefel- 
quellen, deshalb von Chaussier, Ravizza u. A. zu künstlichen Schwefelwassern 
benüzt, bei Haut-, Gichtkranken, Syphilit. u. a., innerlich in Dosen wie Kalischwefel- 
leber, auch zu Bädern, Waschungen, z. B. zu »inodoren Schwefelbädern« (Anglade) ; 
als Balneum Sulphuris composit. löst man in Englischen Spitälern Sj mit Schwefel- 
milch S'4 Schwefelsäure Jjj in 20 U Wasser, hievon ' 6 /4 U aufs Bad (bei Kräze, 
wirksam, aber theuer). Boudet nimmt sie als Depilatorium statt Schwefelarsen, 
doch scheint Kalkschwefelleber geeigneter dafür. 

Schwefligsaures Natron, Sulphis s. Bisulphis Natri, Sulfite de Soude, 
bereitet z. B. durch Schwängern von kohlens. Natron mit Schwefliger Säure. Da 
und dort wie das vorige innerlich versucht 2 , von Serres auf Sectionswunden gegen 



1 Barbier, Rilliet u. Barthez u. A. geben bei Croup gr. 6—8 mit Honig, in Milch oder Wasser 
als Mittel nebenher, soll die Absonderung- verflüssigen, die Lösung der Pseudomembranen för- 
dern (?). Bei Bleikrankheit könnte Schwefelleber im Innern des Körpers höchstens Schwefelblei 
bilden, was die Ausscheidung von ß. nur hemmen würde-, bei Bleiarbeitern mit Bleistaub auf 
der Haut kann sich diese auf 8. haltige Bäder wobl durch Schwefelblei schwärzen, aber ge- 
reinigt wird sie besser durch Wasser und Seife, einfache Bäder. 

2 Bei Mercurialspeichelfluss rühmt es Colomies, 3vj in Sjj — jjj Wasser, Morgens und Abends 
Va Tasse; bei Mercurialismus überhaupt Astrie 8 gr. p. d. , mit Zuckerwasser, Syrup, weil es 
(wie unterschwefligs. Natron) die Quecksilberalbuminate löse - , wirkt aber nichts (Gibert). 



Phosphor. 197 

sog. Leichengift applicirt, von Sucquet Leichen zu deren Conservation durch die 
Carotiden injicirt; auch Pflanzensäf'ten zu deren Conservation öfters zugesezt, weil 
die freiwerdende Schweflige Säure die Gährung hemmt; deshalb auch bei Dia- 
betes versucht (s. Kalischwefelleber), von Edwards, Hassall, Neale bei Erbrechen, 
um die Sarcina ventriculi zu vernichten, z. B. 3j p. d. 

Calcium sulphurat., Hepar Sulphuris calcareum, Kalkschwefelleber, Sulphuret. 
Calcii, Calcaria sulphurata, Schwefelcalcium : erhalten z. B. durch Erhizen von 
Kalkhydrat und Schwefel (reines Schwefelcalcium z. B. durch Schwängern von 
Kalkmilch mit SH); pulverförmig, in Wasser schwer und unvollkommen löslich. 
Wirkt ungleich schwächer als Kalisülfür; sonst wie dieses innerlich und äusser- 
lich benüzt, jezt blos äusserlich bei Kräze, Favus, chron. Eczem u. a. Gebrauch 
wie bei Kalischwefelleber: in Lösung, als Brei, Salbe, nur fordert seine Lösung 
mehr Wasser ; oft sezt man Säuren, Kochsalz u. a. zu l . Bei Trichiasis trägt sie 
Duval auf den Augenlidrand, wäscht sie nach 5 Minuten wieder ab. Zur Schnellcur 
bei Kräze nimmt man jezt öfters sog. flüssige Kalkschwefelleber (Doppelt- 
basisches Kalksülfür): 1 Th. frisch gelöschter Kalk, 2 Schwefelblumen gekocht 
mit 3 — 4 Wasser, in die zuvor mit warm Wasser abgewaschene Haut, zumal die 
Krusten rasch eingerieben, auch aufgepinselt (Hardy, Dechange, Vleminckx, Fron- 
müller u. A.); soll oft in 1 /2 St. heilen, leistet aber nichts Besonderes. 

2. Phosphorits , Phosphor. 

Fabrikmässig dargestellt z. B. durch Zersezen von Knochenasche mit Schwefel- 
säure, Destilliren des gebildeten sauren phosphors. Kalk mit Kohle; wachsartig, 
sehr verbrennlich, unlöslich in Wasser, löslich in Aether, Alcohol, fetten, äther. 
Oelen, besonders in Schwefelkohlenstoff, Dippelsöl, auch in Salpetersäure, Königs- 
wasser. 

Wirkungen. 1. Oertlich wirkt P. seiner leichten Entzündbarkeit wegen 
wie Feuer, kann selbst die Theile rasch verschorfen. 

Scheint sich auch im Magen schnell zu oxydiren, wirkt theils durch seine 
Verbrennung, theils durch die so gebildete Phosphorige Säure reizend, selbst 
äzend. Zugleich bildet sich Phosphorwasserstoff, von dem wohl die Giftwirkung 
des P. grossentheils abhängt. Wie andere leicht oxydable Stoffe wirkt auch P. 
antiseptisch (Orfila und Rigout). 

2. In sehr kleinen Dosen verschluckt sind die örtlichen Wirkungen ge- 
ring; es entsteht nur ein Gefühl von Wärme in der Magengegend, öfters 
Eckel, Uebelsein, selbst Erbrechen 2 . P. wird aber resorbirt, scheint jezt 
besonders auf's Nervensystem zu wirken, und wird rasch wieder ausgeschie- 
den; Aufregung, Vermehrung des Geschlechtstriebs, der Wärme, Pulsfre- 
quenz , des Schweisses, Harns können entstehen, bei längerer Einwirkung 
oft ein Gefühl von Kriebeln, Muskelzittern u. dgl. 

P. (Phosphorige Säure, Phosphorwasserstoff) tritt in's Blut über; Haut-, 
Lungenausdünstung riecht alsbald Knoblauchartig, kann sogar im Dunkeln leuchten 
durch Ausdünsten Phosphoriger Säure 3 . Wird P. haltiges Oel Hunden in die 



1 Devergie z. B. nimmt sie jezt öfters wieder, z. B. mit Glycerin, oder Schwefelblumen %ß 
mit Aezkalk 5jj Wasser §v gekocht, abgeseiht und die Colatur zu Waschungen benüzt. K. 
wirkt aber z. B. bei Kräze nicht stark und sicher genug, wenn sie auch Milben samt Eiern 
tödtet; macht zudem die Epidermis hart, spröde u. s. f., löst dagegen Haare zu einer gallertigen 
Masse, welche jezt leicht sich abstreichen lässt (sog. Rhusma der Orientalen s. S. 99). 

Zu sog. Bareginbädern , als Ersaz für Barege , Aachen u. a. macht man aus 8 Th. Kalk- 
schwefelleber, 4 Natron (Soda) mit Extr. Saponar. und Leimlösung 5ä 1 Th. Kugeln, Globuli 
sulphurati, Boules Baregiennes von fj/? Gewicht, die dem Bade zugesezt werden (Montain). 
Hieher gehört wohl auch Scheibler's Aachener Quellseife, zur Bereitung Jod-, Bromhaltiger 
Schwefelbäder, 5—10 Loth aufs Bad. Als Ersaz für Schwefelwasser zum innerlichen Gebrauch 
mischt Döbereiner gr. 10—20 Schwefelcalc. mit 2—4 Pfd. Selterwasser, künstlichen Säuerlingen, 
in gut verkorkten Flaschen. 

2 Roth er amorpher P.,%eine isomere Modification des P., entstanden durch Einwirkung 
des Sonnenlichts, durch langes Erhizen des P. , wirkt auch zu 5/?— j p. Tag z. B. auf Hunde 
nicht schädlich, macht erst bei %jß Erbrechen (Bussy, de Vry, Chevallier, Pelikan, Orfila u. A.) ; 
werthvoll durch seine höchst geringe Verbrennlichkeit, weil er keine Dämpfe, keinen Geruch 
verbreitet; kann so z. B. in Pillen gegeben werden, auch zur Fabrikation von Zündhölzchen 
empfohlen. 

3 So z. B. bei Arbeitern in Fabriken; auch die Gase, welche diesen aus dem Magen auf- 



198 Phosphor. 

Pleurasäcke gesprizt, so athmen sie oft schon nach einigen Minuten weisse P. 
haltige Dämpfe durch Nase, Mund aus, rascher, intenser, wenn in Venen injicirt 
(Magendie, Orfila). 

In Zündhölzchenfabriken leiden die Arbeiter in Folge der P.Dämpfe beson- 
ders an Catarrh, Bronchitis, Conjunctivitis, Athem- und Verdauungsbeschwerden, 
Durchfall, wozu sich weiterhin Abzehrung, Hinfälligkeit und Schwäche, Zittern, 
Zuckungen, schliesslich völlige Scrofulose, Lungentuberculose gesellen können; 
besonders aber Stomatitis, Salivation, Zahnschmerz, dunkle Färbung der Zähne, 
Periostitis, sogar Nekrose der Kieferknochen (Lorinser, Heyfelder, Bibra, Geist 
u. A.). Mögen auch hiebei vorherige Kränklichkeit, cariöse Zähne u. s. f. mit- 
wirken, die Hauptursache liegt doch in den P.Dämpfen. 

3. Auf grosse Dosen, öfters schon auf gr. 1 — 3 treten meist, doch nicht 
immer Magenschmerz, Würgen, Erbrechen, Durchfälle, oft mit Blut, selbst 
Gastroenteritis ein , mit heftigen Erectionen , Strangurie ; Dämpfe aus dem 
Mund, auch Stuhlgänge leuchten oft im Dunkeln. Ausser diesen örtlichen 
Wirkungen, oft ohne solche können Agitation, Fieber, Icterus, Kopfschmerz, 
Betäubung, Erweiterung der Pupille, Delirien eintreten, weiterhin Collapsus, 
Schlummersucht, Convulsionen , rascher Tod 1 . 

Leztere Wirkungen und Tod pflegen um so eher und rascher einzutreten, 
wenn P. in aufgelöstem Zustand verschluckt wurde ; kam er dagegen in Substanz, 
z. B. als sog. P.Brei mit Mehl in den Magen, so treten die ersten Wirkungen 
oft erst nach Stunden ein. In der Leiche ist die Magenschleimhaut oft stellenweis 
dunkel gefärbt, geröthet, entzündet, verschorft; oft fehlen alle örtlichen Läsionen, 
man findet dagegen Blutzersezung , Ecchymosen, Serumergüsse u. s. f. : jedenfalls 
scheint Tod mehr die Folge allgemeiner Blutentmischung und Lähmung der Nerven- 
centra. Im Magen finden sich oft noch P.Geruch und P.Keste. 

Verfahren bei Vergiftung : in Ermangelung constatirter Gegenmittel gibt man 
Brechmittel, dann Massen schleimiger Getränke, Milch, Eiweiss; unterchlorigs. 
Magnesie, Natron u. dergl. scheinen noch die besten Gegenmittel 2 ; ausserdem Eis, 
kalte Umschläge auf Kopf, Begiessungen, Bäder, überhaupt symptomatische Be- 
handlung. 

Für den Gebrauch des P. lassen sich nicht wohl Gründe denken ; kaum dürfte 
eine Krankheit berechtigen, Kranken ein gefährliches Mittel einzugeben, dessen 
Dienste so gering und so leicht zu ersezen. Doch gibt man P. noch jezt bei 
Collapsus z. B. in Folge von Epilepsie, Cholera, Nerven-, Wechselfieber, bei Läh- 
mungen, Amaurose, Impotenz, Melancholie; als Schweiss-, Harntreibendes Mittel 
bei Rheumat, Gicht, Wassersucht, acuten Exanthemen, besonders um »zurückge- 
tretene« Exantheme wieder auszutreiben ; im Frostanfall bei perniciösem Wechsel- 
fieber. Bei Wechselfieber rühmten P. wieder Valentin, Schwank, Wolney, Schotte 
u. A. wie vordem Hufeland; bei Scrofulose, Tuberculose u. dergl. König, Thomp- 
son, Warren; bei Cholera Paul, Aldis, Petersburger Aerzte; 3 bei Lähmungen der 
Augenmuskeln Tavignot. 



stossen, leuchten im Dunkeln (Dupasquier) ; bei einem Kranken leuchteten Harn, Samenflüssig- 
keit auf P.Emulsion und P.Einreibungen in die Genitalien (Landerer). Doch scheint P. im Harn 
chemisch noch nicht nachgewiesen. 

i In Frankreich u. a. ist jezt P. , seit Arsenik schwieriger zu bekommen, eines der häufig- 
sten und scli limmsten Vergiftungsmittel, z. B. als P.Brei, Latwerge oder die P.Masse der Zünd- 
hölzchen gelöst in Branntwein, Terpentingeist, Benzin u. a. (Chevallier, Causse) ; auch dient P. 
zu absichtlichem Abortus , und Schwangere z. B. in Zündholzfabriken sollen leicht abortiren. 
Die zur Vergiftung erforderlichen Mengen wechseln von gr. i/g — 20 ; Kinder starben schon durch 
Ablecken einiger Zündhölzchen. 

2 Duflos empfiehlt Magnesia usta 1 Th. mit 8 Liq. chlori. 7 Aq. dest. ; hier wirkt besonders 
Unterchlorige Säure , wodurch P. , Phosphorige Säure , Phosphorwasserstoff rasch oxydirt und 
zersezt werden ; auch Bechert , Falck empfehlen deshalb unterchlorigs. Salze; bei Brandver- 
lezung durch P. fanden Fehling, Eiben eine mit Wasser stark verdünnte Lösung unterchlorigs. 
Natrons mit etwas Magnesie nüzlich. Fette, Oele fördern die Vertheiluug und Wirkung des P., 
daher zu meiden (Antonelli). 

3 Weil P. im Körper sehr verbreitet ist, auch z.B. im Fett der Gehirn- u. Nervensubstanz, 
lassen ihn Manche eine grosse Rolle im lebenden Körper spielen, obschon wir nichts darüber 
wissen; Aerzte aber leiteten vom P.Mangel im Gehirn, Rückenmark u. a. die schwersten Krank- 
heiten ab. Baud gibt deshalb sogar das P.haltijje Fett des Rückenmarks von Pflanzenfressern 
bei allen Schwächezuständen, Bleichsucht, Scrofulose, Tuberculose, Typhus u.a.; Bednar 
amorphen P. (weil geschmacklos, bequemer) nach homöopath. Grundsäzcn noch bei Bronchitis, 
Pneumonie dazu ! Bei längerem Gebrauch stört P. immer Verdauung u. s. f., schadet überhaupt 
leicht mehr als er je nüzen könnte. 



Kohle. 199 

D. gr. Vio— y 4 , nie auf längere Zeit und in Substanz, blos gelöst in Aether, 
äther. Oelen, besonders Ol. animale aether. s. Dippelii, Ol. Terebinth., auch in 
Oliven-, Süssmandelöl (als Emulsion, mit Eigelb), etwa gr. j auf 3j— jv jener Flüs- 
sigkeiten l j oxydirt sich auch in Lösung allmälig zu phosphoriger Säure. Phosphori 
gr. j Ol. amygd. dulc. 3J# Gummi arab. 3J Syrup. simpl. 3jjj Aq. sambuc. ^jjj 
f. Emulsio ; zweistündl. 1 Esslöffel. Phosphori gr. jjj solve in Olei animal. aether., 
Ol. Terebinth. aä 3jjj Olei Anis. 3j ; 3mal täglich 10 Tropfen, in Milch, Hafer- 
schleim. Mit Syrup. simpl. zur Pasta s. Electuar. phosphorat. für Ratten 
(Hager). 

Aeusserlich noch als Reiz-, Aezmittel benüzt bei Algieen, Ischiadik, Krampf- 
husten, Rheumat., Gicht, Drüsengeschwülsten, Lähmungen, z. B. auch der Augen- 
muskeln (Tavignot); gelöst in fetten, äther. Oelen eingerieben, z.B. gr. v— xv auf 
^j Mohnöl, oft vermischt mit Kampher, Aez-Ammoniak, Ol. Terebinth., Sabinae; 
aether. Oele scheinen zugleich das Leuchten der Salbe im Dunkeln zu hindern. Seit 
Paillard nimmt man P. öfters zu Moxen: viele Linsen-, Erbsengrosse P.Stückchen 
z. B. längs des Verlaufs der Schenkelnerven, auch bei Krebs (Nuemer), und schnell 
hintereinander angezündet; unbequem, ohne besondern Nuzen. Phosph. gr. x solve 
in Olei olivar. 3 V J adde Cerae citrin. liquef. , Olei camphor. aa %ß f . Linim. ; zu 
Einreibungen, in gelähmte Theile u. s. f. Ph. gr. jv Olei Tereb. 3j Ol. Cajeputi 3j 
Ol. amygd. dulc. 3jjj ; zu Einreibungen, in die Augengegend b. Amaurose u. dergl. 

Aether phosphoratus, Lösung des erst mit Alcohol zertheilten P. in 
Aether, gr. 3—4 (8: Cod. Hamb.) in ^j; D. gtt. v— x, in schleimigen Vehikeln, 
mit fetten Oelen in Emulsion ; sehr veränderlich durch Verflüchtigung des Aether 
u. s. f., Dosirung unsicher; von Lobstein seiner Zeit bei Chlorose gerühmt. Oleum 
phosphorat.: 6( — 8) gr. P. gelöst in ^j Süssmandelöl; D. gtt. v — x, z. B. als 
Emulsion ; meist blos als Liniment mit Fetten, äther. Oelen, Kampher u. a. 2 

Carbo, Kohle. 

C ist ein für organische Körper characteristischer Bestandtheil; alle organ. 
Körper sind CVerbindungen. Je nach den Substanzen, aus denen C dargestellt 
oder mit denen verbunden sie gefunden wird, unterscheidet man thierische, vege- 
tabilische, mineralische C; hier kommt C mit andern Stoffen, Salzen u. s. f. vor, 
und diese Beimischungen modificiren auch ihre Wirkungen. 

An und für sich ganz wirkungslos ; löst sich im Darmcanal nicht auf, 
geht hier mit keinen andern Stoffen Verbindungen ein, oxydirt sich nicht, 
kann daher blos mechanisch wirken, wie etwa Glaspulver, Kieselerde. 

Bei längerer Application oder in grossen Mengen macht C höchstens Indi- 
gestion, Durchfall u. dergl. ; hieraus ergibt sich, was von ihrem Nuzen bei Kranken 
zu halten. Um der C all ihr Recht angedeihen zu lassen sei noch erwähnt, dass 
in ihren Poren nicht unbedeutende Mengen atmosph. Luft, in den Magen ge- 
langen können, wie z. B. auch in den Mundflüssigkeiten; dass sie Gase, Färb-, 
Extractiv-, Eiweissstoffe vermöge ihrer Porosität absorbirt, vor allen Holz-, Knochen- 
kohle, am wenigsten Thierkohle : dass Partikelchen derselben vom Darmcanal aus 
in's Blut u. s. f. gelangen. Arbeiter in Kohlenminen z. B. in England leiden an 
Lungenmelanose, melanot.. schwarzer Schwindsucht (doch sehr selten), wobei Ein- 
dringen feinen CStaubs in's Lungenparenchym eine Rolle spielen soll (Gregory, 
Marshall, Bennett, Cox)? Vernois hält C umgekehrt für ein Schuzmittel gegen 
Phtise. weil Pariser Charbonniers selten dran sterben ! Bei einem Kaninchen, dem 
Cl. Bernard eine Blase voll CPulver vor das Maul gebunden, fand sich nur in 
Schlund, Nase etwas C, nicht in den Luftwegen. 



1 J. Müller empfiehlt eine Lösung in absol. Alcohol, 5jj in fvj, als Spirit. phosphorat., der 
beim Gebrauch mit der 4fachen Menge absol. Weingeists versezt wird; Tropfenweise in Wasser 
z. n., besser mit Zucker und etwas Mimosenschleim in sog. Zuckerpillen, auch als Emulsion wie 
P. selbst; schmeckt, riecht aber widrig nach P. Crawcour löst gr. 2 in ^j kochendem Alcohol, 
hievon gtt. 30 in 1 Glas Wasser, Milch u. a. ; Glover gibt Scrofulösen die Lösung in Leberthran, 
Typhuskranken eine in Chloroform, Schwefelkohlenstoff; leztere geben Mandl, Aran mit Oel, 
Magnesie in mit Gallerte überzogenen Pillen ; als P.AVasser empfiehlt St. Martin ein mit P. Däm- 
pfen geschwängertes Wasser als bequemer. Tavignot reibt P. gr. 4 in Xussöl $ij.i Xaphthae § )ß ein. 

2 Schwefelphosphor äther, P. , Schwefel gelöst in Aether, und Jodphosph or , P. 
gelöst in Schwefelkohlenstoff mit Zusaz von Jod, empfiehlt St. Martin, leztere sogar bei Rücken- 
marksei weichung (s. Jodöi). 



200 Kohle - 

Carbo animalis, TJiierkohle, dargestellt durch Verkohlen von Knochen (als 
Ebur ustum nigrum, Carbo ossium, Beinschwarz), Fleisch, Blut u. a. 
thierischen Substanzen (Carbo carnis); dichter, schwerer verbrennlich als Holz- 
kohle, hält wenig C, viel mehr phosphors., kohlens. Kalk, Schwefelcalcium, Schwe- 
feleisen, Chlor-, auch Cyanmetalle, oft mit harzigen, brenzlichen Stoffen. Für 
medic. Gebrauch wird Knochenkohle durch Salzsäure u. s. f. von obigen Kalk- 
salzen gereinigt, C. ossium depurat. Nimmt aus Flüssigkeiten Extractiv-, Farb- 
stoffe, Gerbsäure, Harze, stinkende Stoffe u. a. in höherem Grade auf als Pflanzen- 
kohle; Strychnin, Morphin sollen dadurch aus einer schwachen Salzsäurelösung, 
auch im Magensaft gefällt werden (Garrod); %fi soll gr. j jener Alkaloide neutra- 
lisiren, auch die Alkaloide in Belladonna, Stramonium u. a. , ebenso Metallsalze, 
Arsenik unschädlich machen, kurz als Universalgegengift wirken. Chevallier, Taylor, 
Weppen, Riegel u. A. fänden diese Wirkungen der C bei Giften sehr mangelhaft; 
C scheint auch hier nur mechanisch zu wirken durch Absorption, Verdünnung u. s. f. 

Carbo vegetabilis s. ligni, Holzkohle, durch Verkohlen des Holzes dargestellt, 
durch Auskochen, Glühen als Carbo (vegetabil.) praeparat. Lindenkohle, Carbo 
ligni tiliae, ist jezt gewöhnlich Buchenkohle. 

Sonst, öfters noch jezt zumal Thierkohle, innerlich als tonisirendes, antisep- 
tisches Mittel benüzt bei Indigestion, Cardialgie, Pyrosis 1 , Durchfall, Stuhlver- 
stopfung, Typhus, Gelb-, Wechselfieber , Ruhr, Asiat. Cholera (durch Mund und 
After), bei Blutflüssen, Scrofulose, Flechten, und wie fast alle Stoffe der Materia 
medica bei Epilepsie, Krebs, Lungenschwindsucht. Hier überall kann C höchstens 
mechanisch, durch beigemischte Stoffe oder durch guten Glauben nüzen, bei Ruhr 
vielleicht durch Binden stinkender Stoffe u. s. f. in den Excrementen , bei Tym- 
panitis durch Binden der Darmgase (?). D. gr. x — xxx, auch Löffelweise, als 
Pulver, je nach Umständen mit Magnesie, Reis-, Kalkwasser u. a., in Pillen, Lat- 
wergen, Trochisken (Trochisci carbonacei Cod. Hamb. : Pasta Cacao Jv Carbo 
veget. Iß Vanille Zß)\ De i Durchfall, Cholera u. a. sonst auch mit Eiweiss, Speck 
gegeben. 

Aeusserlich öfter benüzt, bei scorbut., krebsigen, brandigen, überhaupt Jauche 
bildenden, stinkenden Geschwüren, bei Decubitus 2 , Kräze, Kopfgrind; wirkt hier 
desinficirend durch Absorption stinkender Stoffe, Gase, doch wird oft dieser kleine 
Vortheil durch bedeutendere Nachtheile aufgewogen. Man applicirt dort C als 
Pulver, Cataplasmen (hier absorbirt C wie immer im nassen Zustand nichts, am 
wenigsten Gase 3 ), mit Fetten als Salbe, meist mit Myrrhe, Kampher, Balsamen, 
Kamille u. dergl. Am häufigsten dient C zu Zahnpulvern, und zwar die aus 
Brod, Carbo panis, welche das Zahnfleisch weniger beeinträchtigt, auch lockere, 
fein vertheilte C sonst, z. B. Lindenkohle, Beinschwarz (Ebur ustum nigrum), oft 
mit China, Ratanha, Zimmt, Conchae ppt., etwas Myrrhen-, Kreosottinctur, einigen 
Tropfen ätherischen Oels u. a. ; da und dort als Latwerge, mit Honig. 

Am nüzlichsten dient C hygieinischen Zwecken, z. B. zum Reinigen wie Con- 
serviren von Wasser, Fleisch, zu Bettkissen bei Unreinlichen (Howel) 4 . 

Graphites, Plumbago, Graphit, Carbo mineralis, Reissblei : C vermischt mit 
Eisen, Kiesel-, Thonerde, Kupfer, Schwefel; oft mit Schwefelantimon verfälscht; 



1 Hier rühmen z.B. wieder Belloc, Patissier Pappelkohle , treiben sogar Handel damit, 
bringen ihre C als Pulver, Pastillen u. dergl. an den Mann; auch Oppolzer gibt hier C, selbst 
bei Magenkrebs; Bird bei Entozoe'n , Ascariden (Holzkohle und Kochsalz, Theelöffelweise, mit 
Brod), Hannon bei Migraine u. a., Serres wie schon Calcagno, Jackson u. A. bei Wechselfieber, 
Parkin u. andere Amerikaner bei Cholera (Steinkohle mit Branntwein hier Volksmittel in Danzig: 
Hirsch), Odille bei Typhus. Als Mittel bei Epilepsie verkauft Duplessix-Parscau geröstete 
Maulwürfe (wie früher Kröten, Schuhsohlen u. a.) als Geheimmittel! 

2 Hier applicirte man in England auch Torfkohle, schmuzig, nuzlos ; bei Putrescenz des 
Uterus sprizt Eisenmenger feines C.Pulver 3j— jj niit §4—6 Wasser ein, spült sie wieder mit 
lau Wasser aus. 

3 Cataplasma Carbonis Ph. Lond. : Panis §jj Sem. lini contrit. §jv Carbon, (sanguinis) con- 
trit. 3jjj Aq. ferv. §x ; Wormald applicirt Kohlenpulver zwischen Watt, durchnäht, in Form von 
Compressen ; Stenhouse hängt gar Holzkohle in Drahtnezen über brandigen Fussgeschwüren 
unter der Bettdecke auf, um die Gase zu absorbiren. Bei Croup bläst es Bontemps mit Calomel ein. 

4 Auch zum Conservircn von Butegeln in ihren Gelassen wie von Leichen (mit C bestreut) 
z. B. auf Schiffen , in überfüllten Kirchhöfen bei Seuchen (Turnbull u. A.) ; doch faulen z. B. 
Leichen schnell darin, nur riecht man es nicht, weil C die Gase absorbirt, theilweis durch O 
zersezt (Stenhouse). Stenhouse's Kohlenrespirator und Luftseiher: C Pulver in einem Drahtnez, 
dichten Zeug vor den Mund befestigt, um in verderbter und Malarialuft, bei Seuchen gute Luft 
einzuathmen ! Martius nimmt platinisirte oder Platinkohle, um die Gase zugleich zu oxydiren. 



Jod. 201 

nach Ph. Austr. als G. elutriatus offic. Wirkungen die schon bei C angeführten, 
abgesehen von etwa, beigemischten Stoffen; Weinhold gab G. bei »Flechten, Scro- 
feln<r innerlich und äusserlich; obsolet. D. 3,j— 3j, als Pulver, Pillen, Latwerge; 
äusserlich als Salbe, 3J— jjj au ^ 3J Fett. 

Carboneum sulphuratum, Schwefelkohlenstoff, Schwefelalcohol, 
Sulphidum s. Sulphuret. s. Bisulphuret. Carbonei, Sulfid, carbonic, Carburet. s. 
Alcohol Sulphuris, Kohlensulphid, Zweifach-Schwcfelkohlenstoff, Sulfokohlensäure: 
durch Einwirken von Schwefeldämpfen auf glühende Kohlen, auch durch Glühen 
von Schwefelmetallen mit Kohle erhalten; farblose Flüssigkeit, flüchtig, leicht ent- 
zündlich, riecht widrig, rettigartig, schmeckt scharf; leicht löslich in Alcohol, 
Aether, fetten und äther. Oelen, unlöslich in Wasser; löst Schwefel, Phosphor, 
Jod, Kampher u. a. leicht. Wirkt örtlich scharf reizend, innerlich in kleinen 
Dosen aufregend, etwa wie Alcohol, in grössern Dosen wie beim Einathmen be- 
täubend *. Innerlich vorzugsweise als Excitans, Analepticum benüzt (sehr unpassend) 
bei Collapsus, Ohnmacht, Cholera, Asphyxie, Lähmungen, Amaurose; auch bei 
schwachen Geburtswehen, Amenorrhoe, Phtise, Gicht, Rheumat., chron. Hautleiden 
(Mansfeld, Lampadius, Hastings, Bell u. A.). D. gtt. jj— vj, auf Zucker, in Wein, 
Aether, Milch, Haferschleim, emulgirt mit Eigelb. 

Aeusserlich um Kälte zu erzeugen bei eingeklemmten Hernien, Verbrennungen, 
Erfrierungen; auch als analeptisches Riechmittel (!), bei Drüsengeschwülsten, Kropf, 
Gichtknoten, Tumor albus, Kräze, als Sedativum bei Zahnschmerz (Ragsky) u. a. ; 
theils pur applicirt, theils gelöst in Alcohol, Aether, fetten Oelen, z. B. Jj auf %ß — j, 
auch mit Kampher, Jod u. a. Höchst überflüssig. 

3. Jodium, Jod. 2 

Jod, dargestellt im Grossen aus der Asche von Seegewächsen, Tangen (Kelp, 
Varek) ; findet sich nicht blos in Seewasser , Seepflanzen , Seethieren , Salzsoolen, 
Mineralwassern u. a. sondern auch in Süsswasser- und Landpflanzen, Bäumen, 
Steinkohlen, Torf (Straub, Müller, Chatin, Marchand u. A.) 3 . 

Wirkungen. 1. Öertlich wirken J. und seine Präparate reizend, manche, 
besonders J. selbst sogar äzend, sobald sie concentrirt genug applicirt 
worden; J.Tinctur u. a. bewirken so auf der Haut Entzündung, Exsudation 
mit Abstossung der Epidermis , J. färbt sie zugleich gelb , braun ; eiternde 
Flächen dagegen , auch Schleimhäute macht J.Tinctur trockener , und nur 
sehr concentrirt kann sie dieselben verschorfen. J. in Gasform macht Rei- 
zung der Augen, Nase, Athmungswege, Gefühl von Trockenheit, Schnupfen, 
selbst Hustenanfälle, Bronchitis. 

Andere J.Präparate, besonders Jodkai. wirken örtlich z. B. auf die mit Epi- 
dermis bedeckte Haut nur wenig; doch können auch sie bei stärkern Dosen, auf 
zarten Hautstellen Brennen, Hyperämie u. s. f. veranlassen. Im Uebrigen gestalten 
sich selbst die örtlichen Wirkungen verschieden; während z. B. Chevallier vom 
Einathmen der J.Dämpfe heftigen Reiz im Schlund, Husten, Colik bekam, Lugol 
durch Bäder mit J.Tinctur und ihre Dämpfe, wo somit Weingeist mitwirkte, 
Reizung der Augen, Nase, Schlingwerkzeuge, Bronchien mit Kopfschmerz, leichter 
Betäubung entstehen sah, haben Raspail, Baudelocque u. A. keine derartigen hef- 
tigeren Wirkungen beobachtet. Verschluckt machen J., J.Tinctur, leztere selbst 
zu